Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
© Dietmar Kügler, Die U. S. - KAVALLERIE, 1979




Die U. S. - Kavallerie
in den Indianerkriegen

 

Seite 3

 

 

Little Big Horn

Mehrere Militärhistoriker der USA haben versucht, die Verantwortung für die folgenden Ereignisse von der Armee abzuwälzen und allein dem Innenministerium und den meist korrupten Agenten des Büros für indianische Angelegenheiten zuzuschieben. Sie seien machtlos gewesen, sich dagegen zu wehren. In Wahrheit waren die verantwortlichen Offiziere recht zufrieden mit den Ereignissen.

 


links:
- Gall, Häuptling der Hunkpapa-Sioux,
bedeutender Führer der Sioux-Krieger in der Schlacht am Little Big Horn.

rechts:
- Sitting Bull, Medizinmann der Hunkpapa-Sioux, einer der bedeutendsten Indianerführer des
19. Jahrhunderts. Er einigte die Stämme der Sioux und Cheyennes zur großen Schlacht am Little Big Horn.

 




 


links:
- Rain-in-the-Face, Sioux-Häuptling in der Schlacht am Little Big Horn.

rechts:
- Two Moons, der Häuptling der Cheyennes, schlug sich auf die Seite Sitting Bulls, als im Frühjahr 1876 eine Abteilung General Crooks unter Führung von Colonel J. J. Reynolds grundlos über sein Dorf herfiel und es niederbrannte.
Auch er kämpfte mit seinem Stamm am Little Big Horn gegen Custer und die 7. Kavallerie.



»Der Winter zog mit bitterer Kälte in das Land, und ohne Unterbrechungen fegten Schneestürme über die Plains. In den Sioux-Agenturen wurden die Vorräte knapp,
und Hunderte von hungrigen Indianern verließen die Reservation, um in dem Gebiet längs des Powder River Büffel zu jagen. Laut Vertrag waren sie dazu vollkommen berechtigt, und sie taten es mit Wissen und Erlaubnis des Agenten. Trotzdem sandte der Innenminister Z. Chandler am 3. Dezember 1875 folgendes offizielles Schreiben an den Beauftragten für indianische Angelegenheiten E. P. Smith: »Unter Bezugnahme auf unsere Verlautbarung betreffend den Status gewisser Sioux Indianer, die außerhalb der Reservation leben und ständig eine feindselige Haltung gegenüber den Weißen einnehmen, muß ich verlangen, daß Sie die Aufseher aller Sioux-Agenturen in Dakota und in Fort Peck, Montana, anweisen, die obengenannten Indianer wissen zu lassen, daß sie von den Truppen als Feinde betrachtet und entsprechend behandelt würden,
wenn sie sich nicht bis zum 31 . Januar in ihre Reservationen zurückbegäben und dort blieben.«

In Anbetracht des überaus harten Winters und der großen Entfernungen der Sioux-Lager von den Agenturen kann man in diesem Befehl nur einen verhängnisvollen Irrtum sehen oder einen bewußten Versuch, die Sioux herauszufordern, um einen Vorwand für einen Winterfeldzug zu schaffen.
Norman B. Wiltsey, DIE HERREN DER PRÄRIE, 1965


Die vom Innenminister gesetzte Frist, der 31. Januar 1876, lief ab, ohne daß alle Sioux, die sich auf der Jagd befanden, unterrichtet und in die Reservation geschickt werden konnten. Damit begann mit dem 1. Februar ein Feldzug gegen die »kriegerischen Indianer«. General Sheridan bereitete die Kampagne gegen die Sioux vor. Er plante,
drei große Abteilungen getrennt in die Black Hills marschieren zu lassen. Von Süden her eine Kolonne unter General Crook, von Westen her eine Abteilung unter
Colonel Gibbon und von Osten aus die 7. Kavallerie unter Custer. Geleitet werden sollte die gesamte Aktion vom Departmentskommandanten General Terry.



- Red Cloud, einer der größten und einflußreichsten Sioux-Häuptlinge, ein weiser Führer seines Volkes mit großem diplomatischem Geschick.
In der Geschichte der Indianerkriege gelang es nur ihm, Regierung und Armee zur Einhaltung eines Vertrages zu zwingen.
Auf seinen Druck mußten die Forts am Bozeman Trail, quer durch das Sioux-Land, geräumt werden.

Das Indian-Bureau schätzte, daß sich zwischen 1.000 und 1.500 Indianer außerhalb der Reservation aufhielten. Am 1. März 1876 eröffnete General George Crook den Feldzug und marschierte von Fort Fetterman, Wyoming, aus nach Norden. Er führte mehr als 800 Soldaten an, Angehörige der 2. und 3. U.S.-Kavallerie und der 4. und 9. U.S.-Infanterie. Die Kolonne zog zum Tongue und zum Rosebud River und wandte sich dann nach Südosten zum Powder River, immer auf der Suche nach versprengten Indianergruppen. Am Otter Creek stießen die Scouts General Crooks am 16. März auf Pony Spuren. Colonel J. J. Reynolds und 6 Kompanien der 2. und 3. U.S.-Kavallerie folgten der Fährte, während die restliche Truppe Crooks ein Camp aufschlug. Am frühen Morgen des 17. März tauchte ein Indianerdorf vor Reynolds und seinen Soldaten auf. Colonel Reynolds glaubte,
das Dorf des lange gesuchten und gehaßten Crazy Horse gefunden zu haben. Er hatte jedoch ein Cheyennelager unter dem Häuptling Two Moons vor sich. Die Kavallerie griff das noch schlafende Dorf an. Der Attacke fehlte jedoch die Wucht. Squaws und Kinder konnten in die Hügel flüchten. Die Krieger eilten mit Bogen bewaffnet verschlafen aus den Zelten und setzten sich zur Wehr, zogen sich aber ebenfalls nach kurzem Kampf zurück.

Die Verluste waren gering, ein Krieger war getötet worden sowie vier Soldaten. Reynolds hatte 700 Pferde und den Wintervorrat der Cheyennes erobert. Die erschöpfte Truppe war nicht in der Lage, die Cheyennes zu verfolgen, und Reynolds war zu unerfahren, um aus dem leicht errungenen Sieg Vorteile zu schöpfen. Statt seine ausgelaugten und halberfrorenen Soldaten rasten zu lassen, ließ er das Dorf niederbrennen und sofort zum Rückzug blasen. Eine kleinere Zahl von Scouts und Soldaten blieb zurück,
um die erbeuteten Ponies mitzuführen. Kaum hatte sich der Haupttrupp unter Reynolds entfernt, als die Indianer aus dem Hügelland stürmten, die zurückgebliebenen Soldaten verjagten und ihre Pferde zurückeroberten. Die Winterkampagne Crooks mußte abgebrochen werden. Die Witterungsbedingungen hatten der Truppe so zugesetzt, daß Crook überwiegend Kranke, Verletzte und Männer, die Erfrierungen erlitten hatten, zurückführte.
Der Einsatz hatte keinerlei Erfolg gebracht, sondern die bislang friedlichen Stämme der Cheyennes durch das Vorgehen des Colonel Reynolds auf die Seite der Sioux gedrängt, die mehr und mehr in Sitting Bull und Crazy Horse ihre Führer sahen.

General George Crook

Erst am 29. Mai verließ General Crook mit einer reorganisierten Truppe Fort Fetterman zum zweitenmal. Darunter 10 Kompanien der 3. Kavallerie unter Major Evans und 5 Kompanien der 2. Kavallerie unter Major Noyes. Bereits im April war von Fort Ellis, Montana, Colonel John Gibbon mit 6 Kompanien der 7. Infanterie aufgebrochen, die wenig später durch 4 Kompanien der 2. U.S.-Kavallerie ergänzt wurden. Er zog zum Yellowstone River. Das Konzept, die Indianer von drei Seiten in die Enge zu treiben, konnte beginnen. Es fehlte lediglich die von Osten vorstoßende Kolonne,
für die die 7. Kavallerie vorgesehen war, die - nun vollständig vereint, auch die restlichen 3 Kompanien waren aus Louisiana und Alabama zurückgekehrt, in Fort Lincoln, Nord-Dakota, stationiert war. General Custer war zu diesem Zeitpunkt Kommandant von Fort Lincoln und,
einer offiziellen Kommandeursliste des Kriegsministeriums zufolge, entgegen anders lautenden Behauptungen seit Ende 1874 alleiniger Kommandeur der 7. U.S.-Kavallerie. Sein Adjutant war Major Marcus Reno. Custer war dazu vorgesehen, die östliche Militärkolonne gegen die Sioux zu führen. Sein Vorgesetzter, General Terry, der Kommandant des Dakota Departments, war in Indianerkämpfen unerfahren und brauchte Custer.
Er ließ ihm bei der Organisation des bevorstehenden Feldzuges völlig freie Hand.

Der Abmarsch der 7. Kavallerie verzögerte sich jedoch, da Custer kurzfristig nach Washington vor einen Ausschuß des Kongresses geladen worden war. Das Parlament ermittelte gegen den Kriegsminister Belknap, der in großem Umfang von Armeelieferanten bestochen worden war und abgesetzt werden sollte. Custer hatte geäußert,
daß ihm derartige Fälle in fast allen Forts westlich vom Missouri bekannt seien, so daß der Kongreßausschuß seine Vernehmung anberaumte. Tatsächlich waren Custer nur Gerüchte zu Ohren gekommen, und während des Verhörs belastete er den Bruder des amtierenden Präsidenten Grant, Orville Grant, mit illegalen Geschäften.
Präsident Grant, unter dessen Regierung die Korruption in den Behörden ausuferte, der selbst aber- politisch völlig unerfahren und nur als Sieger des Bürgerkrieges eine Galionsfigur seiner Partei - ein durch und durch ehrenhafter Mann war, war empört und enthob Custer sofort seines Kommandos.
Custer versuchte vergeblich, ein Gespräch mit dem Präsidenten zu erreichen. Aber Grant wollte Custer nicht sehen. General Sherman, von dem er sich Hilfe erhoffte,
war nicht in Washington. Custer, der seine Karriere retten wollte, setzte sich kurzerhand in einen Zug nach Westen. Als er Chicago erreichte, holte ihn ein Telegramm des Oberkommandierenden General Sherman ein, der im Auftrag des Präsidenten Custer mit barschen Worten rügte, daß er ohne Erlaubnis Washington verlassen habe.
Ihm wurde zwar die Weiterfahrt nach Fort Lincoln gestattet, aber die Teilnahme an der bevorstehenden Expedition gegen die Sioux und die Führung des Kommandos über die 7. Kavallerie untersagt.



“Das Ganze Halt!”

 

Das Bild zeigt einen Trupp Kavalleristen während einer Patrouille in der täglichen Dienstuniform.

 

Während der Offizier im Vordergrund nur mit einem Revolver bewaffnet ist,
sind die Soldaten mit dem Karabiner M1873 und dem Revolver M1872 ausgerüstet.

 

(Mit freundlicher Genehmigung des Center of Military History der U.S. Army)

 

»Hauptquartier, Department von Dakota, St. Paul, Minnesota, 6. Mai 1876
An Seine Exzellenz den Präsidenten:
Ich habe Ihre Order erhalten, nach der Sie den Oberkommandierenden der Armee angewiesen haben, mir die Begleitung der Expedition gegen die feindlichen Indianerstämme zu untersagen. Da mein Regiment vollständig an dieser Expedition teilnehmen wird und ich der dienstälteste Offizier des Regiments in diesem Department bin, bitte ich respektvoll aber mit allem Nachdruck darum, daß - wenn Sie mir zur Zeit die Ausübung meines Kommandos auch nicht gestatten - ich zumindest die Genehmigung erhalte, mein Regiment ins Feld zu begleiten. Ich appelliere an Sie als Soldat, mir die Erniedrigung zu ersparen, mein Regiment gegen den Feind marschieren zu sehen, ohne mit meinen Soldaten die Gefahr teilen zu können.      Georg Armstrong Custer. «

Custer wußte, daß er sein Fehlverhalten nur durch eine energische Bewährung in den kommenden Kämpfen wettmachen und in Vergessenheit geraten lassen konnte.
Zu Hilfe kam ihm die Tatsache, daß sein kommandierender General, Alfred H. Terry, ihn an der Spitze der 7. Kavallerie wünschte und dies in einer Depesche an den Präsidenten zum Ausdruck brachte. Auch General Sheridan unterstützte Custer, und Grant ließ sich erweichen. Er telegraphierte, Custer könne die geplante Expedition »als Kommandant seines Regiments«, der 7. Kavallerie, begleiten. Mit Feuereifer begann Custer die Vorbereitungen für den Marsch ins Indianerland abzuschließen.
Anfang Mai waren sämtliche 12 Kompanien in Fort Lincoln eingetroffen, einschließlich der Regimentskapelle. Am 17. Mai um fünf Uhr früh setzte sich Custer an die Spitze des Regiments und verließ mit der Kolonne Fort Lincoln.

Am 16. Juni erreichte General Crook mit seiner Kolonne, über 1.300 Soldaten, das Rosebud Valley. Er stieß als erster auf Indianer, ohne sich deswegen zu sorgen,
da er überzeugt war, mit seiner starken, gut ausgerüsteten Truppe jeden Indianerangriff abschlagen zu können. Weder waren die Indianer über die Zahl ihrer Gegner und deren Pläne informiert, noch wußten Sheridan und die Offiziere, die nach seinen Plänen gegen die Sioux zogen, mit wie vielen Kriegern sie es zu tun hatten, wie groß die Anhängerschaft Sitting Bulls tatsächlich war und wo genau sich die Lager ihrer Feinde befanden. Damit, daß Crook vor den beiden anderen Kolonnen auf Indianer stieß,
war das ursprüngliche Konzept eines nahezu gleichzeitigen Zuschnappens der »Zange« bereits verfehlt.
In dem riesigen, zerklüfteten, teilweise unwegsamen Gebiet rings um die Black Hills war eine permanente Koordination der einzelnen Teile der Expedition, und nur diese hätte ein gleichmäßiges Vorgehen garantieren können, nahezu unmöglich.

Die Unkenntnis über die tatsächlichen Gegebenheiten führte zu den ersten schweren Fehlern der Kampagne und zur ersten Niederlage der Armee.
Crook glaubte, die Lage des Dorfes von Crazy Horse entdeckt zu haben, und sandte am 17. Juni 8 Kompanien Kavallerie zum anderen Ende des Rosebud Valleys mit dem Befehl, das Lager sofort anzugreifen. Er wußte nicht, daß er bereits von Sioux umzingelt war. Nachdem Crook sich selbst derart geschwächt hatte, wurde seine verbleibende kleine Truppe unvermittelt so heftig angegriffen, daß er zum Rückzug gezwungen wurde. Er wurde in einer Weise überrumpelt, daß ihm kaum Zeit blieb, seine Truppen formieren und einen geordneten Rückzug zum Goose Creek einleiten zu können. Die Indianer erlitten nur geringe Verluste, Crook aber verlor 30 Soldaten und 27 Scouts.
Der Sieg der Sioux hatte insofern eine weitreichende Bedeutung, als Crook sich weigerte, abermals gegen die Indianer zu ziehen, bevor ihm keine Verstärkung geschickt wurde. Er war der Überzeugung, die Indianer hätten in mindestens dreifacher Überlegenheit gekämpft, obwohl dies nicht der Fall war. Er ignorierte alle folgenden Befehle und schied damit aus der von Sheridan geplanten Strategie aus. Übrig blieben die Kolonnen Gibbon und Custer, wobei Custer die Hauptlast der Aktion zu tragen hatte.

Custer hatte mit der 7. Kavallerie ein Camp an der Mündung des Powder River in den Yellowstone-Fluß aufgeschlagen und verließ es am 15. Juni zusammen mit dem Stab, der Kapelle und den Kompanien A, D, G, H und K. Er marschierte mit der Truppe zur Mündung des Tongue-Flusses und schickte Scouts unter Major Reno aus.
Eine Nachricht von General Terry erreichte Custer und rief ihn zu einem Treffen auf dem Flußdampfer »Far West«, mit dem Terry, begleitet von Infanterieeinheiten,
den Yellowstone heraufgefahren war. Custer schickte seine Regimentskapelle zum Powder River zurück und traf am Abend des 21. Juni an Bord der »Far West« mit General Terry und Colonel Gibbon zusammen, um das weitere Vorgehen zu beraten. Inzwischen hatten Custers Scouts ein Sioux-Dorf im Tal des Little Big Horn entdeckt,
ohne genaue Angaben über die Anzahl der Zelte und der Bewohner machen zu können. Die Offiziere einigten sich darauf, daß Custer mit der 7. Kavallerie das Rosebud Valley durchqueren und von Süden in das Little-Big-Horn-Tal eindringen sollte.
Colonel Gibbon sollte vom Yellowstone aus von Norden gegen das Tal vorstoßen.
Man vereinbarte, daß beide Kommandos das Indianerlager wenn möglich am 26. Juni angreifen sollten.
Colonel Gibbon bot Custer aus seinem Kommando als Verstärkung 4 Kompanien der 2. U.S.-Kavallerie an.

 

Colonel John Gibbon

Custer lehnte ab, da er befürchtete, mit einer so großen Truppe seine Manövrierfähigkeit einzuschränken. General Terry stimmte ihm zu.
Custer lehnte auch das Angebot ab, Gatling Guns, Maschinengewehre, mitzuführen, da diese auf schwerfälligen Lafetten angebracht waren, die in dem zerklüfteten und unwegsamen Gelände nur unter großen Schwierigkeiten zu transportieren waren. Dies hätte zusätzliche Mühe und vor allem Zeitverlust bedeutet, den Custer nicht in Kauf nehmen wollte. Die Instruktionen wurden schriftlich niedergelegt, und am Morgen des 22. Juni 1876 setzte sich Custer mit der 7. Kavallerie zum Little Big Horn in Marsch. Custer ritt seiner letzten Schlacht entgegen.
Über kein Gefecht des amerikanischen Landheeres - mit Ausnahme der Schlacht von Gettysburg wurde mehr geschrieben als über den Kampf,
der am Little Big Horn stattfand.

Custer eröffnete das Gefecht bereits einen Tag vor dem mit Terry und Gibbon vereinbarten Termin, ohne auf die anderen Truppenteile,
die im Anmarsch waren, zu warten, und es stehen sich heute mehrere Theorien über seine Motive gegenüber. Einerseits war Custer wegen seiner Aussage vor dem Parlamentsausschuß in Washington bei Präsident Grant in Ungnade gefallen und brauchte eine Gelegenheit, diese Scharte derart spektakulär auszuwetzen, daß seine Karriere nicht in eine Sackgasse geriet, sondern sich weiterentwickelte. Ein Sieg am Little Big Horn über die vereinigten Stämme der Sioux, Cheyennes und Arapahos hätte Custer in den Augen der Öffentlichkeit zum größten Indianerkämpfer und populärsten Offizier der Armee gemacht, dem auch der Präsident hätte seinen Tribut zollen müssen. Andererseits wußte auch Custer nicht, wie stark sein Gegner war. Er unterschätzte die Zahl der Indianer wahrscheinlich, und es kann lange darüber spekuliert werden, ob Custer mit seinem Angriff gewartet hätte, wenn er die nötigen Informationen gehabt hätte. Vermutlich hätte Custers Ehrgeiz ein weiteres Zuwarten auf die Truppen Gibbons, der mit seinen Infanterieeinheiten und Artilleriebatterien erheblich langsamer war als Custers reine Kavallerietruppe, auf keinen Fall zugelassen.
Aber alles, was über die Motive für Custers Handeln gesagt und geschrieben wird, muß zwangsläufig hypothetisch und spekulativ bleiben.

»Gerade habe ich einen Moment Zeit zum Schreiben. Es geht auf Mitternacht, und ich habe alle Hände voll zu tun, die Scouts für ihre Aufgaben zu präparieren ...
Mach Dir keine Sorgen um mich. Ich hoffe, Dir mit der nächsten Post eine gute Nachricht senden zu können. Im Falle eines Erfolgs werden wir alle bald zurück
nach Lincoln aufbrechen.«
G. A. Custer im letzten Brief an seine Frau, 22. Juni 1876


Einer offiziellen Statistik zufolge hatte die 7. U.S.-Kavallerie im Jahre 1876 eine Gesamtstärke von 1.162 Reitern und 44 Offizieren.
Die Zahlenangaben gehen jedoch erheblich auseinander, was die Stärke der 7. Kavallerie zum Zeitpunkt der Schlacht am Little Big Horn angeht. Norman B. Wiltsey gibt eine Stärke von 585 Soldaten und 31 Offizieren an sowie die Scouts. First Lieutenant Edward S. Godfrey, Kompanie K der 7. Kavallerie, aus dem Kommando von Major Reno, publizierte 1892 einen Bericht über die Schlacht und gab die Stärke des Regiments mit »28 Offiziere und über 700 Mann« an. Josef Balmer, einer der besten europäischen Kenner der Thematik, gibt an, daß in den 12 Kompanien der 7. Kavallerie »etwa 600 Mann und 30 Offiziere« zogen. »Begleitet wurden sie von 44 Indianer-Kundschaftern und an die 20 Auflader, Führer und Zivilisten«.
Genauso unterschiedlich sind die Zahlenangaben über die Stärke der Krieger in dem großen Dorf am Little Big Horn.
Es werden zwischen 1.000 und 6.000 Krieger genannt. Selbst Angaben indianischer Beteiligter brachten keinen eindeutigen Aufschluß.
Wahrscheinlich ist, daß sich zwischen 3.500 und 4.000 Krieger am Little Big Horn aufgehalten haben, nebst ihren Familien.

 

 

Glorifizierende Darstellung der Schlacht am Little Big Horn, im Vordergrund George Armstrong Custer.
In Wahrheit ging die 7. Kavallerie nicht in einem Reitergefecht unter, das Gelände ließ einen solchen Kampf gar nicht zu.

 

Das Zeltlager zog sich sehr weit am Flußufer hin und war in hügeliges, zerklüftetes Gelände eingebettet, so daß es nicht völlig zu übersehen war. Genaue Erkundungen der Scouts hatten nicht stattgefunden. Custer, der sich über die wahre Stärke seines Gegners ganz offenbar nicht im klaren war, wie die Aussagen seiner Adjutanten beweisen, hatte zunächst einen überzeugenden und erfolgversprechenden Plan gefaßt. Er wollte am Abend des 24. Juni mit seinen Truppen im Hügelland untertauchen und in der Nähe des Indianerlagers versteckt bleiben. Seine Truppen waren erschöpft von dem hinter ihnen liegenden Marsch und sollten Gelegenheit erhalten, sich auszuruhen, während die Scouts das Terrain und das Dorf der Indianer erkunden sollten.

Statt dessen entschied Custer sich am Morgen des 25. Juni dafür, sofort gegen das Indianerlager vorzustoßen. Ein Grund dafür könnte gewesen sein, daß indianische Späher die Truppe entdeckt hatten und Custer glaubte, nicht länger warten zu dürfen, um den Kriegern keine Gelegenheit zu geben, sich auf einen Kampf vorzubereiten.

 

Legende

 


A   Lager der Northern Cheyenne (120 Zelte)
B   Lager der Sans Arc Sioux (110 Zelte)
C   Lager der Miniconjou Sioux (150 Zelte)
D   Gemeinsames Lager der Blackfeet, Brulé und Two Kettle Sioux (120 Zelte)     
E    Lager der Oglala Sioux (240 Zelte)
F    Lager der Hunkpapa Sioux (225 Zelte) sowie Yankton und Santee Sioux
      (25 Zelte)
G    Fluchtweg und Lager der Nichtkombattanten der Indianer
       (Alte, Kranke, Frauen und Kinder)
a   Sitting Bull mit 1500 – 2000 Indianern
b   Crazy Horse mit 100 – 200 Indianern
c   Lame White Man mit 200 – 400 Indianern
d   Gall mit 200 – 400 Indianern
e   Medicine Tail Furt
f    Marschroute der Indianer nach Custers Niederlage

 

 

1 Reno’s Vormarsch 15:05 Uhr
2 Reno’s 1. Position und Kampf 15:15 Uhr
3 Reno’s 2. Position und Verteidigung 15:30 Uhr
4 Reno’s Rückzug und Vormarsch der Indianer 15:45 Uhr
5 Benteen’s Bataillon 16:20 Uhr
6 Reno’s Verschanzung 18:30 Uhr
7 Rechter Flügel (134 Mann) unter Captain Keogh
8 Linker Flügel (76 Mann) unter Captain Yates
9 Custers letzte Stellung mit 80 Mann
10 Captain Weirs Versuch mit Kompanie F, Custer um 17:20 Uhr zu Hilfe zu kommen.
Trotz Verstärkung durch Benteens Truppen um 17:50 Uhr mußte er sich zurückziehen.


Custer entwarf, kurz bevor das Tal am Little Big Horn erreicht wurde, in aller Eile einen Plan, der seine Truppe aufsplitterte. Das unüberschaubare Gelände ließ eine Aufteilung des Truppenkörpers wenig ratsam erscheinen, aber Custer wollte seine vorhandenen Soldaten so breitgefächert als möglich einsetzen. Außerdem hoffte er,
gerade durch die große Aufteilung der Einheit einen möglichst guten überblick zu erhalten, und wieder dürfte seine Überlegung von der Unkenntnis über die wahre Stärke seines Gegners ausgegangen sein. Er selbst übernahm das Kommando über die Kompanien C, E, I, F und L und teilte seinem Adjutanten, Major Reno, 3 Kompanien und Captain Benteen ebenfalls 3 Kompanien zu. Reno sollte gegen die Südflanke des Lagers reiten, Benteen sollte nördlich vom Dorf in Stellung gehen. Die Positionen waren soweit voneinander entfernt, daß die Truppenteile untereinander keinen Kontakt mehr halten konnten. Den Troß schickte Custer zurück, um zu verhindern, daß den Indianern möglicherweise Munition und Vorräte in die Hände fallen würden.

Erst kurz vor der Schlacht war den vereinigten Stämmen, die am Little Big Horn lagerten,
die Anwesenheit von Soldaten bekannt geworden. Zunächst tauchten die Truppen Major Renos auf, und eine überlegene Kriegerzahl stürzte sich auf die Kavalleristen und drängte Reno kämpfend zurück. Er verschanzte sich in den Hügeln, erschrocken über die Zahl seiner Gegner. Genauso überrascht aber waren die Krieger im Hauptlager,
als vor ihnen Custer mit seinen 5 Kompanien auftauchte, während der Großteil der Krieger noch am weit entfernten Südende des Lagers gegen Major Reno kämpfte.

Custers Einheit ritt in Doppelreihe heran. Das Gelände war für einen Kavallerieeinsatz äußerst unglücklich. Es gestattete keine breitflächige Attacke, die höchstwahrscheinlich einen Erfolg gebracht hätte. Die Wendemöglichkeiten für die Reiter für eine etwaige Flucht waren gering. Für Custer muß die Erkenntnis, vorschnell und leichtfertig gehandelt zu haben, erschreckend gewesen sein, als immer mehr Indianer vor ihm auftauchten, schließlich auch seitlich von ihm und hinter ihm. Er hatte sich in eine ausweglose Situation manövriert. Es entwickelte sich ein zäher, verbissen geführter Kampf. Die Kavalleristen ritten ins Hügelland und stiegen von ihren Pferden,
um sich in Deckung zu begeben und die Angriffe der Indianer abzuschlagen. Es gab keine furios geführten Reiterangriffe von seiten der Krieger,
wie glorifizierende Gemälde, die nach der Schlacht angefertigt wurden, es glauben machen wollen.
Die meisten Indianer kämpften zu Fuß. Höchstens die Hälfte war mit Gewehren bewaffnet, die anderen mit Bogen und Pfeilen. Immer wieder Salven von Geschossen und Pfeilen gegen die Hügel, zwischen denen die Soldaten lagen, abschießend, rückten sie Stück um Stück vor.

 

Custers (Mitte) letzte Schlacht. Tatsächlich griffen die Indianer nicht zu Pferde an.

 

Krieger der Cheyennes sagten später aus, daß zahllose Soldaten von Custers Truppe Selbstmord begingen, als sie erkannten, daß ihre Situation völlig chancenlos war.
Dies entspricht einer seinerzeit üblichen Regel, nach der Opfer eines Indianerüberfalls darauf achteten, nicht lebend in die Hände ihrer Gegner zu fallen.
Sie begingen im äußersten Notfall lieber Selbstmord, als einem möglichen Martertod ausgesetzt zu werden. Der Widerstand Custers und seiner Leute war hart.
Der Kampf zog sich über viele Stunden hin. Es gelang Custer, eine flüchtig auf einen Zettel gekritzelte Nachricht an Captain Benteen zu schicken und ihn aufzufordern, Munition zu bringen.
Aber Reno und Benteen saßen selbst fest und hörten nur aus der Ferne den Lärm der Schlacht. Sie konnten Custer nicht mehr helfen. Die Munition ging zu Ende,
die heißgeschossenen Gewehre versagten ihren Dienst. Als sich der Abend über das Schlachtfeld neigte, über das die Toten weit verstreut lagen, stürmten die Krieger den Hügel, auf dem Custer und die letzten Überlebenden sich verschanzt hielten. Sie töteten sie alle, im Kampf Mann gegen Mann. Danach kam die Nacht, und mit ihr die Stille des Todes. 5 Kompanien der 7. Kavallerie waren vollständig ausgelöscht. Die vereinigten Stämme der Sioux, Cheyennes und Arapahos hatten einen der größten Siege im Kampf gegen den weißen Mann errungen. Am Morgen des 26. Juni griffen noch einmal starke Kriegerverbände den Hügel an, hinter dem sich Major Reno und der Rest
der 7. Kavallerie verschanzt hatten, die sich verzweifelt wehrten. Gegen Mittag flaute das Kampfgeschehen ab.

Joseph Balmer gibt die Totalverluste der 7. U.S.-Kavallerie in den Kämpfen am Little Big Horn an mit 14 Offizieren, 1 Assistenzarzt, 247 Soldaten, 5 Zivilisten
und 3 Indianer-Kundschaftern. Auch hier aber gehen die Zahlenangaben teilweise erheblich auseinander, obwohl wenige Tage nach der Schlacht die Leichen gezählt wurden. Es ergab sich jedoch, daß zahlreiche Soldaten versucht hatten zu fliehen und über Meilen hinweg verfolgt worden waren. Noch Jahre später wurden in einigen Meilen Entfernung vom eigentlichen Schlachtfeld Skelette von Kavalleristen gefunden. Am 27. Juni erreichte die Vorhut General Terrys das Schlachtfeld. Die Sioux und Cheyennes waren verschwunden. Major Reno und Captain Benteen lagen mit zahlreichen Verwundeten noch immer in ihren Deckungen und wußten nicht, was einige Meilen voraus mit Custer geschehen war. Erst als General Terry eintraf, als die Untersuchungen begannen und Truppen ins Tal am Little Big Horn ritten, wurde das ganze Ausmaß der Katastrophe deutlich, die die 7. Kavallerie getroffen hatte. Terry ließ die Verletzten zu dem Dampfschiff »Far West« transportieren, das sie nach Fort Lincoln bringen sollte. Wenig später trafen Einheiten der Truppen von Colonel Gibbon auf dem Schlachtfeld ein. Auch sie kamen zu spät.

Während die siegestrunkenen Indianer ihren Triumph feierten, traf die Vernichtung Custers die ganze Nation wie ein Schock. In den Augen der Öffentlichkeit wurde Custer zum Märtyrer, als ob nicht er und seinesgleichen jahrzehntelang genauso mit den roten Stämmen verfahren waren, wie es ihm nun selbst ergangen war. Der Sieg über Custer sollte der letzte große Sieg der Sioux und Cheyennes sein. Von nun an wurden sie erbarmungsloser denn je gejagt. Sitting Bull flüchtete mit seinen Anhängern nach Kanada, Crazy Horse geriet in Gefangenschaft und wurde hier getötet. Mit dem Sieg am Little Big Horn hatten die nördlichen Stämme der gewünschten Vernichtungsstrategie von Generälen wie Sheridan und der hinter ihm stehenden Politiker eher neuen Auftrieb gegeben und ihren eigenen Untergang beschleunigt. Es gibt heute Historiker,
die darüber spekulieren, daß Custer und sein Regiment bewußt geopfert worden seien, um im Kampf gegen die starken Stämme der Sioux und Cheyennes jegliche Zügel ablegen und in einer großen Strafaktion sie alle von der Bildfläche fegen zu können, mit Unterstützung einer breiten Öffentlichkeit.


Diese These ist äußerst gewagt und entbehrt jeder sachlichen Grundlage. Mit Custers entsetzlicher Niederlage konnte niemand rechnen, als die Kampagne gegen die Sioux und Cheyennes begann. Sein totales militärisches Versagen war langfristig nicht planbar, da die Bedingungen, unter denen es schließlich stattfand, nicht einmal Tage vorher, geschweige denn Monate vorher bekannt gewesen waren. Ebenso wie Custer, hätte es am 17. Juni bereits General Crook treffen können, der nur mit knapper Not der Vernichtung entging. Eine gezielte Opferung des Custer-Regiments hätte auf einer Kette von Zufällen aufbauen müssen. Hinzu kam, daß Custer Sheridans bester Offizier war, auf den er keinesfalls zu verzichten wünschte. Die Niederlage Custers kam vielen Gegnern, die er sich geschaffen hatte, auf militärischem wie politischem Parkett, sicherlich gelegen. Aber sie kam nicht aufgrund eines finsteren Zusammenspiels zwischen General Sheridan und Sitting Bull, sondern aufgrund von falschen Einschätzungen, einer leichtfertigen Unterschätzung sowohl der Zahl als auch der Kampfmoral der Indianer und schwerer strategischer Fehler zustande, die einem erfahrenen Mann wie Custer nicht hätten unterlaufen dürfen. Man kann diese Fehler aber wohl seiner Rücksichtslosigkeit zugrunde legen, die er immer dann offenbarte, wenn es darum ging, schnelle und durchschlagende Erfolge zu erzielen.

Das 7. U.S.-Kavallerieregiment war eines der am stärksten engagierten Regimenter der Indianerkriege. Zwischen 1865 und 1890 hatte es insgesamt 13 Kampagnen des amerikanischen Landheeres gegen Indianer gegeben. Es war in dieser Zeit zu 1.067 einzelnen Zusammenstößen größerer oder kleinerer Art zwischen amerikanischen Truppen und Indianern gekommen. Die 7. U.S.-Kavallerie verzeichnete in ihren Annalen in den Jahren von 1866 bis 1891 ein Marschpensum von 181.692 Meilen zu Pferde. In dieser Zeit kam es in der Truppe zu 10 Selbstmorden und 160 Desertionen proportional zum Rest der Armee gesehen eine relativ geringe Zahl. 208 Soldaten des Regiments starben an Krankheiten wie Cholera, Typhus und Lungenentzündung, 324 fielen im Kampf gegen Indianer, 148 erlitten Verletzungen.


Einen letzten Höhepunkt erlebten die amerikanischen Reiterregimenter im Krieg gegen Spanien bei der Invasion auf Kuba.
Spektakulär trat unter der Führung des späteren Präsidenten Theodore Roosevelt das Regiment der
»Rough Riders« hervor, offiziell das 1. U.S.-Freiwilligen-Kavallerieregiment, für dessen Aufstellung ein besonderes Gesetz geschaffen werden mußte.
Besonders bei der Erstürmung von San Juan Hill taten sich die amerikanischen Reiterregimenter hervor.

 

 

 

In den Jahren nach 1891 änderte sich das Einsatzfeld der Kavallerie. Der Einfluß der berittenen Regimenter ging zurück. In den Jahren zwischen 1892 und 1917 legte
die 7. Kavallerie wiederum mehr als 150.000 Meilen zurück, aber nur noch 104.364 Meilen zu Pferde. Einsätze im Krieg auf Kuba 1898 oder auf den Philippinen,
eine Kampagne nach Mexiko und ein umstrittenes und äußerst hart in der öffentlichen Meinung kritisiertes Engagement im großen Streik der Industriearbeiter von 1894 setzten die Höhepunkte dieser Epoche.

Der 1. Weltkrieg drängte den Kavallerieeinsatz abermals zurück, und danach versank die amerikanische Nation wiederum in die Illusion, keine Streitkräfte zu benötigen,
so daß sich die finanzielle und personelle Ausstattung der U.S.-Armee auch in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg nicht wesentlich von den Jahren der Pionierzeit unterschied. Die Kavallerie-Regimenter waren an der mexikanischen Grenze und in den Nationalparks eingesetzt, in geringem Maße auch noch zur Kontrolle der Indianerreservationen.



U.S.-Kavallerieeinheiten auf dem Marsch nach Mexiko.


Angeführt von Brigadegeneral John J. Pershing zogen die Reitertruppen 1916 über die mexikanische Grenze, um Jagd auf den Revolutionär Pancho Villa zu machen.

Unter ihnen auch ein junger Lieutenant der 8. U.S.-Kavallerie namens George S. Patton,
der einer der profiliertesten amerikanischen Kommandeure des II. Weltkrieges werden sollte.

Die große Zeit der Kavallerie ging mit dem I. Weltkrieg zu Ende. Die wahre Geschichte der U.S.-Kavallerie geriet in Vergessenheit - die Legende begann.




1941 fand in Louisiana das letzte Manöver der 7. Kavallerie als berittene Truppe statt. Im folgenden Jahr begann die Auflösung der berittenen Einheiten der U.S.-Armee.
Die 7. Kavallerie sattelte in Fort Bliss, Texas, ab und wurde im Süd-Pazifik als Infanterie und teilweise als motorisierte Einheit eingesetzt, ohne ihre Regimentsbezeichnung aufzugeben.

Im Jahre 1957 wurde die 7. U.S.-Kavallerie endgültig aufgelöst. Diese letzte Phase der Existenz des Regiments ist genauso typisch für sämtliche amerikanischen Reiterregimenter wie die Geschichte der Truppe in der Pionierzeit. Damit endete nach 91 Jahren die Geschichte eines der bekanntesten und interessantesten Regimenter der amerikanischen Armee, das seine Sternstunden und Tragödien in den wilden Jahren der Westwanderung erlebte.

 

Epilog


Der Bürgerkrieg und die beiden Jahrzehnte danach waren die große Zeit der U.S.-Kavallerie. Mit dem Ende der 90er Jahre hatte die amerikanische Kavallerie ihren Zenit überschritten. Die Regimenter ritten der untergehenden Sonne nach, ihrer eigenen Legende entgegen. Die Reiter wußten nicht, daß einmal über sie gesagt werden würde,
sie seien Helden gewesen. Es hätte sie auch wenig interessiert. Sie hatten genug damit zu tun, zu überleben. Sie hatten keine Zeit, an die Zukunft zu denken,
die Gegenwart war für sie hart genug. Die Anerkennung ihrer Leistungen fand erst statt, als ihre Ära vorbei und sie selbst tot waren.

Die blutigen, ungerechten Kriege an der Grenze waren beendet. Die Zeit, die als der »Wilde Westen« in die Historie einging, die Pionierzeit Amerikas, war weitgehend abgeschlossen. Die Indianer waren verdrängt, die westlichen Regionen der USA erschlossen, kartographiert, kolonisiert. Eisenbahnen und Telegraph hatten auf den von der Armee freigekämpften Wegen durch die Wildnis die Zivilisation gebracht. Die Opfer zählte niemand. Die Indianer und ihre Zeit wurden im Osten der USA romantisiert,
die grausamen Tatsachen wurden verdrängt. Für die Soldaten hatte sich schon vorher kaum jemand interessiert, auch jetzt blieben sie wenig beachtet.
Lediglich die kolonisatorischen Leistungen der Farmer, der Heimstättensiedler, der Rancher, Städtebauer, Eisenbahnarbeiter und Pfadfinder wurden heroisiert.

Die Pioniere in den blauen Uniformen hatten die schmutzige Arbeit getan, aber gedankt wurde ihnen nicht. Genau wie die Indianer in ihren Reservationen blieben sie im Ghetto ihrer Garnisonen. Die amerikanische Pionierzeit hatte Millionen von Menschen Wohlstand, Besitz und Reichtum gebracht. Alle wesentlichen gesellschaftlichen Errungenschaften aber waren am Soldaten vorbeigegangen. Die indianische Bevölkerung war zu Boden geworfen und um ihr Land gebracht worden.
Sie vegetierte dahin, und nur die Alten hatten noch nicht vergessen, welch ein großes stolzes Volk sie einmal gewesen waren. Der Soldat hatte nie etwas besessen,
was man ihm hätte nehmen können, und er besaß auch jetzt nichts. Er hatte gekämpft, hatte sein Leben riskiert, und er war auf der Stelle getreten.
Für seine Frustration interessierte sich niemand.

 

 

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