
Mit
freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
©
Leah Ireland-Kunze, •Der Bürgerkrieg in den USA 1861-1865•
©
Martin Öfele,
•DIE MARINE IM AMERIKANISCHEN-BÜRGERKRIEG•
©
William C. Davis,
•SOLDATEN•GENERÄLE•SCHLACHTEN•
Veröffentlichungen und Abbildungen des Naval Historical Center,
des Nationalarchivs der USA (NARA) und der Bibliothek des Kongresses
mit Gefechts- und Lageberichten
Unter Mitarbeit von: E. Liebe,
RAG Militärgeschichte, 85077 Manching
Mobile
Bay • 05. August 1864 •

Seite
2
Die
Kapitulation der TENNESSEE
Farragut wollte seiner Flotte nun etwas Ruhe gönnen und befahl
deshalb, etwa 5,5 km nördlich von Dauphin Island vor Anker zu gehen.

Doch Admiral Buchanan wollte den
Kampf noch nicht aufgeben und näherte sich der ankernden Flotte.
Admiral Farragut
sah sofort die Gefahr und befahl seinen Schiffen, die TENNESSEE
mit Bordwaffen und durch Rammen anzugreifen.
Nachdem die TENNESSEE
von der MONONGAHELA, der LACKAWANNA und der HARTFORD
gerammt worden war,
zog sie sich zurück, wurde aber schließlich von den Unionsschiffen
umzingelt. Im Eifer des Gefechts rammte
die LACKAWANNA sogar das eigene Flaggschiff, doch richtete
sie dabei keinen größeren Schaden an.
Nach mehreren Volltreffern
war die TENNESSEE zu einem hilflosen Wrack geworden.
Der schwerverletzte Buchanan, dem später ein Bein amputiert werden
mußte, sah sich schließlich gezwungen,
die weiße Fahne zu hissen und ergab sich der Unionsflotte.
Der
Kapitän der TENNESSEE übergab um 10.00 Uhr seinen
Degen und den des Admirals Buchanan an Admiral Farragut.

Die HARTFORD
rammt die TENNESSEE.

Die TENNESSEE
(im Vordergrund) wird von den Schiffen der Union umstellt und muß
sich ergeben.
Die
Kämpfe um die Forts

Landstreitkräfte
der Union unter Generalmajor Gordon Granger waren am 3. August auf Dauphin
Island gelandet und begannen,
das Fort Gaines förmlich zu belagern. Die Arbeiten an den Artilleriestellungen
und Schützengräben waren am 4. August fast beendet,
so daß sechs 7,6-cm-Rodman-Kanonen in Stellung gebracht werden
konnten.
Als sich im Morgengrauen des 5. August die Schiffe der Union der Meerenge
näherten, begann General Granger mit der Beschießung des
Forts. Der Festungskommandant,
Oberst Charles D. Anderson hatte von General Richard L. Page den strikten
Befehl erhalten,
das Fort unbedingt zu halten. So begann auch er, die Schiffe und die
Landstreitkräfte zu beschießen.

Eine Kurtine und Bastion des Fort Gaines(Foto von 1928)
Der Durchbruch der Unionsschiffe gelang. Als am 6. August
das Fort auch noch von dem Monitor WINNEBAGO aus der Bucht beschossen
wurde, entwickelte sich ein heftiges Gefecht, in dem die WINNEBAGO aber
nicht beschädigt wurde.
Eine Verstärkung der Unionsartillerie mit vier 30-Pfündern
blieb den Verteidigern nicht verborgen,
und Oberst Anderson sah ein, daß er das Fort nicht halten konnte.
So ließ er
am 8. August um 10.00 Uhr die weiße Fahne hissen und kapitulierte.
Mit ihm gingen alle 818 Mann in Kriegsgefangenschaft. General Granger
ließ nur eine kleine Besatzung im Fort und schiffte seine Truppen
sofort wieder ein, um mit der Belagerung von Fort Morgan zu beginnen.
Als Farragut in der Mobile Bay sicher war,
befahl er einem Teil seiner Flotte, die sich noch im Golf von Mexiko
befanden, das Fort Powell anzugreifen. Sechs Kriegsschiffe fuhren durch
den Mississippi Sund
von Westen auf das Fort zu, während das Panzerschiff CHICKASAW
sich aus der Mobile Bay näherte.
Der Festungskommandant sah ein, daß er das Fort nicht halten konnte
und so gab die Besatzung des Forts auf, sprengte in der Nacht die Festung
und zog sich am 6. August mit etwa 140 Mann auf das Festland zurück.
Nachdem General Granger
das Fort Gaines eingenommen hatte, landete er am 9. August bei Pilot
Town auf der Halbinsel Mobile Point, um das Fort Morgan einzunehmen.
Dazu konnte er 5.500 Mann einsetzen. Nach einem schnellen Vormarsch
zogen sich die Besatzungen von zwei vorgeschobenen konföderierten
Geschützbatterien zurück und die Unionstruppen konnten mit
der Belagerung beginnen.

Die Belagerung
des Fort Morgan
Granger brachte
seine Belagerungsartillerie in Stellung und begann zusammen mit den
Schiffen der Union in der Mobile Bay die Beschießung des Forts.
Bis zum 20. August hatten sich seine Truppen so weit vorgearbeitet,
daß die Mörser 450 Meter und die 30-Pfünder-Geschütze
1.200 Meter vor dem Fort
in Stellung gehen konnten. Der schwere Beschuß - am 22. August
wurden innerhalb von 12 Stunden etwa 3000 Granaten von der Unionsartillerie
abgeschossen -
zwang nun Brigadegeneral Richard L. Page, die Festung aufzugeben.
So ließ er
am 23. August die weiße Fahne hissen. Außer sich vor Wut
übergab General Page seinen Degen nicht seinem Gegner, sondern
zerbrach ihn aus Wut und Enttäuschung auf seinem Knie. Dies brachte
ihm auf der Unionsseite keine Sympathien ein. Seine Lage verschlimmerte
sich noch, als er zusätzlich beschuldigt wurde,
noch nach den Kapitulationsverhandlungen im Fort Morgan Geschütze,
Munition und Geräte zerstört zu haben.
Dies entsprach nicht den damaligen Kriegsbräuchen, und so wurde
er von der Union vor ein Kriegsgericht gestellt. Hier konnte aber nachgewiesen
werden,
daß die Zerstörungen bereits in der Nacht stattgefunden hatten.
Die folgenden Abbildungen zeigen einige Bauten des Fort Morgan nach
der Einnahme durch die Unionstruppen.

Der schwer
beschädigte Leuchtturm im Fort Morgan.
Der Bau rechts
unterhalb des Turms war der „Kugelofen“.
In ihm wurden
Eisenkugeln bis zur Rotglut erhitzt, mit denen dann die Schiffe beschossen
wurden.
Die glühenden
Kugeln sollten die Takelage und die hölzernen Aufbauten der Schiffe
in Brand setzen.

Die Abbildung zeigt links die westliche Kurtine des Walls (in Richtung
Meerenge)mit zwei Bastionen.
In der Mitte der trockene Graben mit der Künette (Abwassergraben),
rechts die Kontereskarpe und das Glacis, auf dem sich auch Geschützstellungen
befanden.

Auf dieser Abbildung sind die Schießscharten der Infanteriegalerie
in der Eskarpenmauer gut zu sehen.
Aus ihnen sollten in den Graben eingedrungene Angreifer mit Gewehren
bekämpft werden.
Die linke Bastion zeigt die Schießscharten der Flankenbatterie.
Aus diesen schossen Geschütze mit Kartätschen auf den eingedrungenen
Feind.

Ein Blick in das Innere des Forts. Links der Wall, auf dem die Geschütze
standen, rechts die „Zitadelle“.
Hatte der Feind einen Teil des Walles eingenommen,
dann sollten ihn die engen Treppen das Eindringen in das Innere des
Forts erschweren.

Die Geschützstellungen auf dem Wall.
Die Rohre sind auf speziellen Festungslafetten montiert und horizontal
gut drehbar.

Die „Zitadelle“ in der Mitte des Forts.
Sie war der letzte Zufluchtsort der Fortbesatzung. Im Hintergrund ist
der Leuchtturm zu sehen.
Vom untersten Stockwerk konnten noch Mörser (Steilfeuerwaffen)
eingesetzt werden,
in den Kasematten der oberen Stockwerke befanden sich Geschütze.
Farraguts Flotte
war mit den relativ geringen Landstreitkräften nicht in der Lage,
die gut befestigte Stadt Mobile aus eigener Kraft einzunehmen,
doch die Bucht war von nun an für den Handel der Konföderation
wertlos geworden, und damit hatte die Stadt ihre ursprüngliche
strategische Bedeutung eingebüßt.
Sie mußte sich erst am 12. April 1865 ergeben, als General Canby
nach der Eroberung des Spanish Fort (8. April) und des Fort Blakely
(9. April) gegen die Stadt marschierte.
Die Schlacht in
der Mobile Bay war die letzte Marineschlacht des Bürgerkrieges
in den USA. Zusammen mit Shermans Eroberung von Atlanta und dem Sieg
Philip Sheridans im Shenandoah-Tal im Herbst desselben Jahres hatte
sie entscheidenden Einfluß auf die politische Entwicklung.
Siehe auch die Seiten
„Schiffe der U. S. / C. S. Navy“ unter
Waffengattungen
die Seiten „Hampton Roads“ und „Krieg
auf dem Wasser“ unter
Schlachten
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