Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© Leah Ireland-Kunze, •Der Bürgerkrieg in den USA 1861-1865•
© Martin Öfele, •DIE MARINE IM AMERIKANISCHEN-BÜRGERKRIEG•
© William C. Davis, •SOLDATEN•GENERÄLE•SCHLACHTEN•
Veröffentlichungen und Abbildungen des Naval Historical Center,
des Nationalarchivs der USA (NARA) und der Bibliothek des Kongresses mit Gefechts- und Lageberichten

 

Unter Mitarbeit von: E. Liebe, RAG Militärgeschichte, 85077 Manching

Mobile Bay • 05. August 1864 •

 

Seite 1

 


Die Lage vor der Schlacht

 

Die bei weitem größte Seeschlacht des Jahres 1864 und vielleicht bestgeführte des ganzen Krieges war der Angriff des Unionsadmirals Farragut auf die Mobile Bay an der Küste von Alabama.

Die CSA hatte im Laufe des Krieges einen ihrer wichtigsten Häfen nach dem anderen verloren, von denen aus die Blockadebrecher operiert beziehungsweise die sie mit Schmuggelware angelaufen hatten. Die lange, breite Bucht am Golf von Mexiko, an deren Nordende die Hafenstadt Mobile lag, war nicht nur als Blockadebrecherhafen wichtig. Mobile war ein riesiges Depot mit guten Eisenbahnverbindungen in Richtung Norden nach Chattanooga, Atlanta und anderen wichtigen Städten.
Daneben befanden sich in und um Mobile zahlreiche Schiffswerften.

Die Einfahrt zur Bucht wurde stark geschützt. Auf den Inseln in der Zufahrtsstraße standen die Forts Morgan, Gaines und Powell. Die Fahrrinne zwischen Fort Morgan und Fort Gaines wurde - eine Lücke für Blockadebrecher ausgenommen - mit Unterwasserpfählen gesperrt, die zusammen mit 3 Reihen verankerter Minen eine fast unpassierbare Barriere bildeten. Die 130 Meter breite Lücke lag vor Fort Morgan und war durch Bojen markiert.

Die Eroberung von Mobile bildete einen Teil des Unionsplanes für die endgültige Spaltung und Ausblutung des Südens und stand in engem Zusammenhang mit Shermans Feldzug in Georgia. Admiral Farragut, der das Blockadegeschwader Westlicher Golf führte, hatte im Winter 1863 durch Spione erfahren, daß man in den Werften von Mobile neue Ramm- und Panzerschiffe baute, die für seine hölzernen Fregatten eine große Gefahr bedeuteten und die Verteidigung der Bucht wesentlich verstärken könnten.
Die Blockade wäre nicht mehr zu halten gewesen.

So drängte Farragut im Januar 1864 das Marine-Ministerium, ihm mindestens ein Panzerschiff zur Verstärkung seiner Flotte zu unterstellen.
Außerdem bat er um eine Infanterie-Brigade von etwa 5.000 Mann. Damit wollte er dann in die Bucht eindringen und die Sperrforts ausschalten.

Aber es sollte anders kommen. Zu seinem Bedauern begann im März 1864 der für die Union verlustreiche Red-River-Feldzug unter General Banks,
und Farragut erhielt keine Verstärkung durch die Armee. Nun wurde langsam die Zeit knapp, denn Mitte Mai wurde zum ersten Mal das neugebaute,
große Rammschiff, die CSS TENNESSEE, in der Bucht gesichtet, das einige Tage später beim Fort Morgan vor Anker ging. Farragut befürchtete nun einen Angriff auf sein Geschwader und bereitete sich auf eine Verteidigung vor.
Zum Schutz seiner Schiffe ließ er sogar einige Minen verlegen, die er eigentlich verabscheute und als unritterlich betrachtete.


Konteradmiral David Glasgow Farragut

trat im Alter von neun (!) Jahren 1810 als Fähnrich in die US Navy ein und wurde regelmäßig bis zum Captain
(Kapitän zur See = Oberst beim Heer) 1855 befördert. Nachdem er 1862 wieder in die US Navy eingetreten war,
erhielt er nach der Einnahme von New Orleans am 16.07.1862 als erster Marineoffizier den neugeschaffenen Rang eines
Konteradmirals (Rear Admiral). Im Dezember 1864 erfolgte seine Beförderung zum Vizeadmiral (Vice Admiral).
Ihm war die Einnahme von New Orleans, Vicksburg, Baton Rouge und Mobile Bay zu verdanken.
In Anerkennung seiner Verdienste wurde Farragut nach dem Krieg (am 25.07.1866)
zum ersten Admiral der Marine der Vereinigten Staaten ernannt.

 



Die Verteidigungsanlagen um die Mobile-Bucht

Die Einfahrten in die Bucht wurden von drei Küstenfestungen geschützt, dem Fort Morgan und Fort Gaines an der Haupteinfahrt
am Golf von Mexiko, und das Fort Pillow und Küstenbatterien an der Einfahrt aus dem Misissippi-Sund.
Zwei weitere Festungen, das Spanish Fort und das Fort Blakely, befanden sich im nordöstlichen Teil der Bucht gegenüber der Stadt Mobile.
Die Stadt Mobile selbst war im Süden und Westen von einem dreifachen Verteidigungsgürtel umgeben.

Der Norden der Stadt war durch sumpfiges Gelände unzugänglich, und im Osten floß der Mobile River.
In der Bucht unmittelbar vor der Stadt waren zahlreiche Sperren aus Unterwasserpfählen gebaut und Minengürtel verlegt worden.

Zusätzlich schützten schwimmende Geschützbatterien die Seeseite.

 

Fort Morgan

Der Krieg gegen Kanada (1812 - 1814) hatte gezeigt, daß es für die Vereinigten Staaten dringend erforderlich war, die wichtigsten Häfen und Hafeneinfahrten durch Küstenforts besser gegen Angriffe feindlicher Schiffe zu schützen.
So wurde 1816, nachdem der Kongreß $ 800.000 bewilligt hatte, eine Pionierkommission für das Festungswesen einberufen,
die sich mit Verbesserungen beschäftigen sollte. Präsident Monroe schien wenig Vertrauen in diese Kommission zu haben,
die aus amerikanischen Pionieroffizieren bestand, und ließ deshalb den Franzosen Simon Bernard ins Land holen.
Einige Offiziere sahen dies als Beleidigung und traten aus der Kommission aus.

Oberstleutnant (Lieutenant Colonel) Joseph G. Totten, der zum amerikanischen Festungsexperten werden sollte,
blieb und arbeitete mit Bernand das sogenannte 3. Fortifikationssystem aus.
Fort Morgan, benannt nach General Daniel Morgan, einem Held des Unabhängigkeitskrieges, wurde von 1819 - 1834 nach Plänen des französischen Ingenieur-Offiziers Simon Bernard an die Stelle einer älteren Festung auf der Halbinsel Mobile Point gebaut. Als Bewaffnung (Armierung) waren 47 schwere Geschütze vorgesehen.


Fort Gaines

Das Fort am östlichen Ende der Dauphin-Insel, die ursprünglich Massaker-Insel hieß, wurde 1821 begonnen, doch zeigten sich bald Probleme mit Ebbe und Flut. Nachdem Grundstücksstreitigkeiten beigelegt worden waren, entschied sich Oberstleutnant Joseph G. Totten 1853 für den Bau eines Forts in Lünettenform nach neuesten Erkenntnissen. Die mit Erde bedeckten Backsteinbauten sollten dem Beschuß durch Schiffsartillerie standhalten. Sie waren von einem 11 m breiten, trockenen Graben umgeben. Es gab nur einen Zugang über eine Zugbrücke.
Der Armierungsplan sah für jede Wallseite 5 Geschütze vor. Es wurde nach Brigadegeneral Edmund P. Gaines benannt,
einem verdienten Offizier aus dem Krieg von 1812.
Als 1861 der Bürgerkrieg ausbrach, war das Fort fast fertig, die letzten Arbeiten daran fanden 1862 durch die Konföderierten statt.

 

 

Die Verteidiger
Landstreitkräfte


Major-General Dabney H. Maury

Kommandeur der konföderierten Landstreitkräfte von Mobile war Major-General Dabney H. Maury, die Verteidigungsanlagen unterstanden dem Kommandeur der Festungen Brigadier-General Richard L. Page, einem Vetter von General Robert E. Lee.

Die Besatzung des Fort Morgan bestand aus dem 1. Alabama Artilleriebataillon, dem 1. Tennessee Infanterieregiment und zwei Kompanien
des 21. Alabama Infanterieregiments, insgesamt etwa 600 Mann. Die Besatzung des Fort Gaines unter Oberst Charles D. Anderson
(Kommandeur des 21. Alabama Infanterieregiments) bestand aus zwei Kompanien des 1. Alabama Artilleriebataillons, 6 Kompanien
des 21. Alabama Infanterieregiments, den Pelham Cadets (Alabama 1st Battalion Cadets) sowie einigen kleineren Reserve- und Marineinfanterieeinheiten, insgesamt 818 Mann. Die Besatzung des Fort Powell unter Oberstleutnant James M. Williams setzte sich aus
zwei Kompanien des 21. Alabama Artilleriebataillons und Teilen von Culpeper's S. C. Batterie zusammen.

 

Seestreitkräfte

Unter dem Kommando von Admiral Franklin Buchanan befanden sich vier Kriegsschiffe der Konföderierten in der Bucht.
Das moderne, aber durch die 15 cm dicke Eisenpanzerung langsame Rammschiff CSS TENNESSEE unter Commander J. D. Johnston,
das dem Admiral als Flaggschiff diente, hatte als Bewaffnung zwei 18-cm-Kanonen und vier 16-cm-Kanonen.
Dazu kamen die Schaufelrad-Kanonenboote CSS MORGAN mit zwei 18-cm-Kanonen und vier 30-Pfündern,
die CSS GAINES mit einer 20-cm-Kanone und fünf 30-Pfündern sowie die CSS SELMA mit einer 15-cm-Kanone und drei 20-cm-Granatwerfern.



CSS TENNESSEE

 

 

 

CSS GAINES

 

 

 

CSS SELMA

 

 

Admiral Franklin Buchanan

kam aus Maryland und hatte bereits eine erfolgreiche Karriere in der Vorkriegsmarine hinter sich. Vor dem Ausbruch des Krieges war er als Captain (Kapitän zur See) der Kommandant der Marine-Werft in Norfolk, Virginia. Da er annahm, daß sein Heimatstaat Maryland den Konföderierten Staaten beitreten würde, quittierte er im April 1862 seinen Dienst in der US Navy. Doch sein Staat blieb der Union treu und er versuchte daraufhin sein Rücktrittsgesuch zurückzuziehen. Das Marineministerium lehnte aber seinen Antrag ab und entließ ihn im Mai.
Verbittert bot er nun den Konföderierten seine Dienste an, die ihn im September als Captain in die CS Navy übernahmen.

Im Krieg kommandierte er u.a. die VIRGINIA in ihrem Kampf gegen die Unionsflotte, der am 8. März 1862 in den Hampton Roads stattfand.
Im August 1862 zum Admiral befördert, erhielt er das Kommando über die Seestreitkräfte in der Mobile Bay.
Er überwachte den Bau der CSS TENNESSEE, die ihm während der Seeschlacht als Flaggschiff diente. Er verlor dabei ein Bein und kam in Kriegsgefangenschaft. Als er im Februar 1865 entlassen wurde, kam er gerade noch rechtzeitig nach Mobile, um die Übergabe (Kapitulation) der Stadt an die Union zu vollziehen.

 


Der Schlachtplan entsteht


Während Admiral Farragut mit einem Angriff der konföderierten Schiffe rechnete, plante er seinerseits, mit 14 seiner besten Kriegsschiffe in Zweiergruppen unter dem Schutz von vier Panzerschiffen durch die Einfahrt in die Bucht zu stoßen und zunächst die konföderierte Flotte zu bekämpfen. Auf den Schiffen befanden sich 159 Geschütze. Gleichzeitig sollte eine Landstreitmacht das Fort Gaines ausschalten. Danach war ein gemeinsamer Angriff auf das Fort Morgan vorgesehen.

Aber es sollte noch eine Weile vergehen. Endlich genehmigte das Marineministerium die zusätzlichen Panzerschiffe, von denen zwei (die CHICKASAW und WINNEBAGO) im Juni und Juli eintrafen. Bei den Panzerschiffen mit drehbaren Türmen handelte es sich um neuere Versionen des Typs «Monitor», die weit besser als das konföderierte Schiff TENNESSEE gepanzert und ausgerüstet waren.

In der Zwischenzeit war es Farragut auch gelungen, Generalmajor Edward R.S. Canby zu überreden, ihm die gewünschten Landstreitkräfte (Infanterie und Artillerie) mit einer Stärke von 2400 Mann zur Verfügung zu stellen. Ungeduldig wartete er nun auf das Entreffen der letzten beiden Panzerschiffe. Da der Angriff am 3. August beginnen sollte, landeten am Nachmittag Unionstruppen auf Dauphin-Island an, auf der Fort Gaines lag, und bereiteten sich zum Angriff auf die Festung vor.
Farragut wollte aber noch auf das letzte Panzerschiff, die TECUMSEH, warten, das endlich am Nachmittag des nächsten Tages eintraf. Nun sollte der Durchbruch
am 5. August bei Sonnenaufgang begonnen werden.

 

Die Angreifer
Landstreitkräfte

Major-General Edward R. S. Canby

 

Unter dem Oberbefehl von Generalmajor Edward R. S. Canby landeten 2.400 Mann unter Generalmajor Gordon Granger auf der Dauphin-Insel. In den nächsten Tagen trafen noch Verstärkungen ein, so daß 12 Infanterieregimenter, 3 Kavallerieregimenter, 1 Artilleriebataillon und
4 Artilleriebatterien eingesetzt werden konnten. Die Gesamtstärke betrug schließlich 5.500 Mann.

 

 

 

Seestreitkräfte

Unter dem Kommando von Konteradmiral David Glasgow Farragut befanden sich 26 Kriegsschiffe des Blockadegeschwader Westlicher Golf und vier Monitore vor der Bucht. Für den Durchbruch in die Mobile Bay waren vorgesehen:

Panzerschiffe (Monitore)

 


USS TECUMSEH

1 Geschützturm mit 2 x 38-cm-Kanonen


 

 


 

USS MANHATTAN

1 Geschützturm mit 2 x 38-cm-Kanonen

 

 


 

USS WINNEBAGO

2 Geschütztürme mit je 2 x 28-cm-Kanonen

 

 

 


 

USS CHICKASAW

2 Geschütztürme mit je 2 x 28-cm-Kanonen

 

 

 

Kriegsschiffe des Blockadegeschwaders (im Verbund)


In Kiellinie fuhren auf die Bucht zu:


USS BROOKLYN

Schraubenfregatte USS BROOKLYN an Steuerbord (rechts)
Bewaffnung: 2 x 100-Pfünder Parrott-Kanonen, 2 x 60-Pfünder Kanonen, 20 x 23-cm-Geschütze,
1 Haubitze mit Kanonenboot USS OCTORARA an Backbord (links)
Bewaffnung: 1 x 100-Pfünder Parrott-Kanone, 3 x 23-cm-Geschütze, 2 x 32-Pfünder Kanonen,
4 Haubitzen

 


 

USS HARTFORD

Schraubenfregatte USS HARTFORD an Steuerbord (Flaggschiff)
Bewaffnung: 2 x 100-Pfünder Parrott-Kanonen, 1 x 30-Pfünder Parrott-Kanone,
18 x 23-cm-Geschütze, 3 Haubitzen
mit Kanonenboot USS METACOMET an Backbord
Bewaffnung: 2 x 100-Pfünder Parrott-Kanonen, 4 x 23-cm-Geschütze, 4 Haubitzen

 

 

 

USS RICHMOND

 

Schraubenfregatte USS RICHMOND an Steuerbord
Bewaffnung: 1 x 100-Pfünder Kanone, 1 x 30-Pfünder Kanone, 18 x 23-cm-Geschütze,
2 Haubitzen mit Kanonenboot USS PORT ROYAL an Backbord
Bewaffnung: 1 x 100-Pfünder Parrott-Kanone, 1 x 25-cm-Geschütz, 2 x 23-cm-Geschütze,
2 x 50-Pfünder Dahlgren-Kanonen, 2 Haubitzen

 

 

Schraubenfregatte USS LACKAWANNA an Steuerbord

Bewaffnung: 1 x 50-Pfünder Dahlgren-Kanone, 2 x 28-cm-Geschütze, 4 x 23-cm-Geschütze, 6 Haubitzen
mit Schraubenfregatte USS SEMINOLE an Backbord
Bewaffnung: 1 x 28-cm-Geschütz, 1 x 30-Pfünder Parrott-Kanone 6 x 32-Pfünder Kanonen


USS MONONGAHELA

Schraubenfregatte USS MONONGAHELA an Steuerbord
Bewaffnung: 1 x 150-Pfünder Parrott-Kanone, 2 x 28-cm-Geschütze, 5 x 32-Pfünder, 3 Haubitzen
mit Kanonenboot USS KENNEBEC an Backbord
Bewaffnung: 1 x 28-cm-Kanone, 1 x 20-Pfünder, 3 Haubitzen

 

 

 

 


USS OSSIPEE

Schraubenfregatte USS OSSIPEE an Steuerbord
Bewaffnung: 1 x 100-Pfünder Parrott-Kanone, 1 x 28-cm-Kanone, 6 x 32-Pfünder,
2 x 30-Pfünder Parrott-Kanonen, 2 Haubitzen
mit Kanonenboot USS ITASCA an Backbord
Bewaffnung: 1 x 28-cm-Kanone, 2 x 32-Pfünder, 2 x 20-Pfünder, 1 Haubitze

 

 

Schraubenfregatte USS ONEIDA an Steuerbord

Bewaffnung: 2 x 28-cm-Kanonen, 3 x 30-Pfünder Parrott-Kanonen, 4 x 32-Pfünder, 1 Haubitze
mit Schraubendampfer USS GALENA an Backbord
Bewaffnung: 1 x 100-Pfünder Parrott-Kanone, 1 x 30-Pfünder, 8 x 23-cm-Kanonen, 1 Haubitze

Daneben griffen sechs Schiffe durch den Mississippi Sund das Fort Powell an und sechs Schiffe befanden sich noch vor der Bucht.

 

Die Seeschlacht beginnt


Farraguts Befehle an seine Kommandeure waren sehr präzise und seine Pläne noch besser durchdacht als bei der Eroberung der Mississippi-Mündung und von New Orleans.

Damit sich seine Schiffe gegenseitig unterstützen konnten, vertäute er immer zwei Schiffe zu einem Verbund („Päckchen“), wobei sich das waffenmäßig schwächere an Backbord und das stärkere an Steuerbord (mit Breitseite zum Fort Morgan) befand. Wurde ein Schiff durch die Festungsartillerie oder durch Minen leckgeschlagen,
so konnte es das andere über Wasser halten und den Kampf fortführen.

Der Verlauf der Schlacht kann in vier Phasen gegliedert werden:


Einnehmen der Gefechtsformation und Vorstoß bis zur Fahrrinne bei Fort Morgan

Nach einer unruhig verbrachten Nacht ließ sich Admiral Farragut am 5. August um 3 Uhr morgens wecken und erkundigte sich zunächst nach dem Wetter. Dieser Freitag sollte ein schöner Sommertag werden.
Die Vorhersage war günstig und so befahl er den Vorstoß in die Mobile Bay. Ab 4 Uhr wurden die Schiffe paarweise miteinander vertäut, was bis 5.30 Uhr dauerte. Nun gab der Admiral den Befehl, die Gefechtsformation einzunehmen,
und um 6.30 Uhr begann die Flotte in Kiellinie auf die Meerenge zuzulaufen.
Die schnelleren Monitore, die in einiger Entfernung nördlich von Sand Island ankerten, sollten erst unmittelbar vor der Einfahrt
in die Fahrrinne vor dem Fort Morgan an der Steuerbordseite aufschließen und die rechte Flanke der Schiffe schützen.
Ursprünglich wollte Admiral Farragut mit seinem Flagschiff HARTFORD die Gefechtsformation anführen,
doch seine Offiziere überredeten ihn schließlich, erst in 2. Position zu fahren.

Sie begründeten es damit, daß die BROOKLYN, die wohl als erste beschossen würde, besser bewaffnet war. Außerdem hatte sie am Bug eine Vorrichtung, die die Taue der Minen durchschneiden konnte.

 

 

Die Mehrzahl der Seeminen bestand damals aus pulvergefüllten (Bier-) Fässern mit Kontaktzündern, die paarweise mit Tauen oder Ketten verbunden waren.
Fuhr man in dieses Tau, dann wurden die Fässer links und rechts an die Bordwände der Schiffe gezogen und zündeten bei Berührung.
Farragut ließ sich schließlich dazu überreden, bereute aber im Hinblick auf die späteren Ereignisse im Nachhinein diesen Entschluß.


Die kritische Phase und der Durchbruch

In geordneter Formation näherten sich die Schiffe nun der engsten Stelle zwischen dem Minenfeld und dem Fort Morgan.
Die Monitore, mit der TECUMSEH an der Spitze, waren durch die Linie gestoßen und hatten sich an der rechte Flanke der Schiffe formiert.
Durch die höhere Geschwindigkeit setzte sich die TECUMSEH, obwohl so im Schlachtplan nicht vorgesehen,
etwas an die Spitze. Um 6.47 Uhr begann sie mit der Beschießung des Fort Morgan, das ab 7.06 Uhr das Feuer erwiderte.
Nun erschienen auch die konföderierten Schiffe, darunter die TENNESSEE, nördlich der Einfahrt, die die feindlichen Schiffe abfangen sollten, und begannen zu schießen.
Die TECUMSEH wurde unverzüglich von der TENNESSEE angegriffen, die in die Fahrrinne vor der Festung lief.
Der Kapitän der TECUMSEH konzentrierte jetzt - wie hypnotisiert - seine ganze Aufmerksamkeit auf die TENNESSEE
und vergaß völlig Farraguts strengen Befehl, nur «östlich der östlichsten Warnboje» zu passieren.
Die TECUMSEH ging auf Kollisionskurs zur TENNESSEE, die sich hinter der Minensperre hielt. Da lief das Unionsschiff auf eine Mine, legte sich auf die Seite und sank binnen weniger Sekunden. Dabei verloren 93 Seeleute ihr Leben, nur 21 Mann der Besatzung konnten gerettet werden. Die TENNESSEE aber zog sich aus der Fahrrinne hinter das Fort Morgan zurück.

 

 


Während die konföderierten Schiffe hinter dem Fort Morgan auf der Lauer liegen
und das auf eine Mine gelaufene Panzerschiff  TECUMSEH zu sinken beginnt,
versuchen die konföderierten Schiffe während eines Feuergefecht mit dem Fort Morgan durch die Meerenge durchzustoßen

 

 

 

 

Die Überlebenden der TECUMSEH hoffen auf Rettung

 

 

 

 

 

Als erstes Schiff der Unionskolonne sollte die BROOKLYN, eines der Holzschiffe, in die Bucht einlaufen. Der Kapitän schloß jedoch aus dem Anblick der Wrackteile der TECUMSEH, daß das Wasser nicht tief genug sei, und gab das Kommando: «Volle Kraft zurück!» Dabei kollidierte sein Schiff mit dem Geleitschiff,
beide legten sich Bug an Bug quer vor die Einfahrt zur Bucht. Admiral Farraguts Flaggschiff HARTFORD lief dicht hinter der BROOKLYN.
Farragut war hoch in die Wanten geklettert, um über dem Rauch des Kampfes freie Sicht zu gewinnen und die Lage beurteilen zu können.

Admiral Farragut, hier noch in den unteren Wanten seines Flaggschiffs HARTFORD

Nun stand Admiral Farragut vor einer schweren Entscheidung. Um eine weitere Kollision zu vermeiden,
mußte er entweder den Befehl zum Wenden und zum Zurücklaufen geben - oder aber nach Backbord laufen, wobei die HARTFORD (wie die Offiziere auf Deck ihm zuriefen) die Minen passieren mußte.

Ein langsames Wendemanöver aller Schiffe unter dem Beschuß der Geschütze von Fort Morgan und der konföderierten Flotte hätte zahlreiche Opfer gekostet. Farragut jedoch hatte keinesfalls die Absicht nun aufzugeben, denn er hoffte, daß die Minen durch das lange Liegen im Wasser zum größten Teil unbrauchbar geworden waren und befahl deshalb:
«Damn the torpedoes! Full speed ahead!» («Scheiß auf die Minen! Volldampf voraus!»)

Später beteuerte Farragut seinem von Bigotterie beherrschten Volk gegenüber, er habe in diesem Moment nur gebetet und mit der Hand die Richtung gewiesen. Die Worte, die zum berühmtesten Zitat eines amerikanischen Marineoffiziers wurden («damn» zu fluchen galt damals als äußerst unschicklich), seien von Journalisten erfunden worden.


Wie dem auch sei, die Flotte tat genau das Richtige und stieß gegen 8.00 Uhr durch das Minenfeld in die Bucht vor. Obwohl die Unionsschiffe einigermaßen unbeschädigt durchkamen, waren am Ende des Tages neben der untergegangenen TECUMSEH doch 49 Gefallene und 170 Verwundete auf den Schiffen zu beklagen.

 


 

Das Kanonendeck von Farraguts gewaltigem Flaggschiff HARTFORD,  mit Blick auf die Kanonenreihen,
welche zuerst auf das Fort und später auf die Panzerschiffe der Rebellen gerichtet waren

 

 

 

 

 

Die Gefechte in der Bucht

 

 




Nachdem Farragut mit seinen Schiffen in die Bucht eingedrungen waren, wurden sie von den konföderierten Kanonenbooten SELMA, GAINES und MORGAN angegriffen. Der Admiral befahl daraufhin, die Taue der miteinander verbundenen Schiffe zu lösen und Jagd auf die Angreifer zu machen. Seine schnellen Kanonenboote schwärmten nun aus und verfolgten die konföderierten Schiffe, die zu flüchten versuchten.

Die GAINES erlitt durch Beschuß schwere Schäden, lief nordöstlich von Fort Morgan auf Grund und wurde daraufhin von der eigenen Besatzung zerstört. Die MORGAN lief ebenfalls auf Grund, konnte aber wieder flottgemacht werden und zog sich in den Schutz von Fort Morgan zurück. In der folgenden Nacht konnte sie dann nach Mobile entkommen.

Die SELMA wurde von der METACOMET verfolgt und konnte nach einer Stunde erfolgreich beschossen werden.
Der verletzte Kapitän kapitulierte mit seiner Besatzung, und das Schiff wurde sofort in die Unionsflotte eingegliedert.

 

 

 


 

Die SELMA (links) wird von der METACOMET (rechts) gestellt und muß sich ergeben.

 

 

 

 

 

 

 

Startseite   ›   Weiter