
Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Gewissensfrage:
Nord oder Süd ?
Treibende
Kraft der Sezession war South-Carolina. Die Nachrichten von der
Wahl Lincolns am 7. November 1860 brachte die Massen in die Straßen
an der alten Hafenstadt Charleston. Der Ruf nach Austritt aus der Union
wurde laut. Am 20. Dezember trat die gesetzgebende Versammlung des Staates
zusammen und erklärte den Bund mit der Union für aufgelöst.
Die Besatzung der Hafenfestung Fort Sumter, Regierungstruppen unter
dem Befehl Major Robert Anderson,befanden sich wie andere loyale
Festungstruppen im Süden in einem Zustand der defacto
Belagerung. Anfang Januar entschied das Kriegsministerium, Fort Sumter
durch die Entsendung von 250 Rekruten, Nahrung und Munition zu verstärken.
Aber die »Star of the West«, die von New York aus in See
stach,wurde von den Charlestoner Küstenbatterien unter Feuer genommen
und mußte unverrichteter Sache zurückfahren. Diese ersten
Kanonenschüsse in der Nacht vom 8. Januar 1861 kamen einer Kriegserklärung
gleich.
Der Weg in den Bürgerkrieg war eingeschlagen.
Am 9.1.1861 folgte
Mississippi dem Beispiel South-Carolina und trat aus der Union aus.
Am nächsten Tag unternahm Alabama diesen Schritt, am 19. Georgia.
Eine Woche später schloß sich der fünfte Staat des »tiefen
Südens« an, Louisiana, Teil jenes geographischen Streifens
von Sklavenhalterstaaten, die man in der zeitgenössischen Sprache
auch als »blackbelt«, als schwarzer Gürtel, bezeichnet
hatte. Im Februar schloß sich der flächenmäßig
größte Staat, Texas, an.
Bis zum 8. Mai hatten Virginia, Arkansas, Nort Carolina und Tennessee
ihre Loyalität zur Bundesregierung in Washington aufgekündigt.
Anfang Februar kamen die Delegierten dieser Staaten zur Bildung einer
provisorischen Regierung zusammen, erließen eine vorläufige
Verfassung und wählten am 9. des Monats Jefferson Davis
zum Präsidenten der »Konföderierten Staaten von Amerika«.
Der Bruch quer durch
die amerikanische Nation war vollzogen.
Kentucky, Maryland, Delaware und Missouri, die als Staaten mit Sklaverei-Gesetzen
als potentielle Verbündete der Konförderation galten,
blieben in der Union oder wurden mit Gewalt vom Übertritt abgehalten.
Lincoln erklärte den Ausnahmezustand und erließ am 11. April
die Order zur Aufstellung von
75.000 Freiwilligen, um den »Aufstand« im Süden niederzuschlagen.
Die Freiwilligenkontingente sollten aus den Bundesstaaten für drei
Monate zur Fahne einrücken,
um der Rebellion ein Ende zu machen. Der Aufruf selbst stellte den Schlußstrich
um die letzten Bemühungen dar, einen offenen Konflikt zu vermeiden.
Die Beschießung von Fort Sumter wurde wenige Stunden später
eröffnet, um 4.30 Uhr gab General Beauregard den Feuerbefehl, am
13. April ergab sich das Fort.
Bei der Entscheidung
zur Sezession oder zum Verbleib in der Union waren weniger ideologische
oder politische Überzeugungen ausschlaggebend, als das Heimatgefühl.
Aus Tagebüchern, Briefen und zeitgenössischen Berichten sind
diese Gewissensentscheidungen auch heute noch nachvollziehbar: Männer
meldeten sich freiwillig,
weil sie ihren Heimatstaat angegriffen sahen, weil ihr Begriff von Freiheit,
Demokratie oder Zivilisation vor allem im Bezug zur Unantastbarkeit
staatlicher Rechte auf Selbstbestimmung und Selbstverwaltung lag. Man
ging zum Rekrutierungsbüro, weil Freunde, Verwandte und Bekannte
des Dorfes, der Kleinstadt oder des Bezirks es gleichfalls für
ihre Pflicht hielten, weil Vermont zum Norden gehörte, oder der
Angriff auf Fort Sumter nicht nur einen Angriff auf die Zentralregierung,
sondern auch einen Angriff auf die Ehre des eigenen Staates darstellte.
Besonders problematisch war die Entscheidung für
jene Berufsoffiziere und Mannschaften der regulären Armee, die
zwischen der Loyalität zu Fahne und Eid und der Verpflichtung zu
ihrem Heimatstaat zu wählen hatten.
Hauptmann Pierre
G.T. Beauregard, ein Pionieroffizier und Veteran des Mexikanischen Krieges,
war kurz vor Kriegsausbruch aufsichtsführender Kommandeur der Militärakademie
West Point, New York. Eine Woche nach Amtsantritt hatte er die Akademie
verlassen, um seiner Heimat Süd-Carolina zur Verfügung zu
stehen.
Am 3. März 1861 traf er in Charleston als Brigadegeneral der provisorischen
Armee der Konföderation ein, um wenige Wochen später das Feuer
auf Fort Sumter zu leiten. Sein Gegner, Major Anderson, war Beauregards
früherer Artillerielehrer während seiner Kadettenzeit in West
Point gewesen.
Robert E. Lee, ein anderer Offizier des Pioniercorps, diente als Oberstleutnant
in Texas und wurde im März nach Washington zurückgerufen.
Lee war gegen eine Sezession eingestellt und hoffte noch im April, daß
es nichtzu einem Krieg zwischen den Staaten kommrn würde. Virginia,
sein Heimatstaat,
war noch nichtaus der Union ausgetreten. Mitte März wurde Lee zum
Oberst und Kommandeur des 1. U.S. Kavallerieregiments ernannt, am 18.
April wurde ihm das Oberkommando über die gesamte U.S.-Armee angetragen.
Der Angriff auf Harpers Ferry und der Austritt Virginias aus der Union
veranlaßten Lee,
sein Offizierspatent niederzulegen, weil er sich nicht in der Lage sah,
»seine Hand gegen seine Verwandten, seine Kinder und seine Heimat
zu erheben«,
wie er es in einem Brief an seine Schwester ausdrückte. Robert
E. Lee stellte sich der Regierung in Richmond zur Verfügung, wurde
General der Armee von Virginia
und der militärische Führer der Konföderation.
Jefferson Davis,
der Präsident der Konföderierten Staaten, gehörte zum
West PointJahrgang von 1828 und diente als Infanterieoffizier
bis 1835,
wurde 1845 Kongressabgeordneter und nahm als Oberst am Mexikanischen
Krieg teil. Nach einer Verwundung wurde er U. S.-Senator des Staates
Mississippi
und war von 1853 bis 1857 Kriegsminister unter Präsident Franklin
Pierce.
Andere Südstaatler
blieben in der Union, wie David G. Farragut, Erster Admiral der U. S.-Marine.
Mehr als ein Viertel der Offiziere von Armee und Marine
aber verließen ihre Posten, um wenige Wochen später ihren
früheren Kameraden als Feinde gegenüberzustehen.
Der
Riß, der die Vereinigten Staaten trennte, ging auch durch Familien:
Vier Schwäger Präsident Lincolns gehörten der Konföderierten
Armee an; einer von ihnen, Ben Hardin Helm, als General. Kentuckys Senator
Crittenden hatte zwei Söhne, die zum Rang eines Generalmajors aufstiegen
je einer in der Konföderation und Union. Der berühmte
SüdstaatenKavalleriegeneral J.E.B. »Jeb« Stuart
war der Schwiegersohn des Nordstaatengenerals St. Georg Cook. Sein Stabschef
Major McClellan hatte vier Brüder in blauer Uniform und einen Cousin,
der als Kommandeur der Potomac-Armee fungierte. General Pemperton, der
die Verteidigung von Vicksburg leitete, hatte zwei Brüder in der
U. S.-Kavallerie,
C.S.A.-General Patrick Cleburne je einen Bruder auf jeder Seite. Nicht
nur in den höheren Dienstgraden waren die Loyalitäten gespalten,
der Bürgerkrieg war ein echter Bruderkrieg und nicht wenige Familien
hatten Söhne auf beiden Seiten.
Das bemerkenswerteste Beispiel dieser Art gehört zur Geschichte
der Schlacht von Gettysburg:
Die Brüder Culp standen sich in verschiedenen Armeen bei dieser
wichtigen Konfrontation des Krieges gegenüber.
Einer der geographischen Angelpunkte des dreitägigen Kampfes war
ein kleiner Hügel, an dessen Eroberung und Verteidigung beide Brüder
teilnahmen:
»Culps Hill»« er gehörte ihrem Vater,
einem Einwohner der pennsylvanischen Kleinstadt.
Besonders die Einwohner
der Grenzstaaten entlang der Mason-Dixon-Linie wurden Opfer der tiefen
Spaltung. Missouri verblieb in der Union,
aber Tausende seiner Söhne kämpften im Süden im
Feldzug gegen Vicksburg nahmen 22 Unionsregimenter aus diesem Staat
teil,
denen 17 Konföderierte Missouri-Regimenter gegenüberstanden.
Aus Kentucky gingen 35.000 Freiwillige in die Südstaaten-Armeee,
während über 75.000 die blaue Uniform trugen. Vier Enkel des
republikanischen Politikers Henry Clay gehörten der konföderierten,
drei der Unionsarmee an.
Bodenständigkeit
Der Regionalismus,
das Heimatgefühl, das die Kriegsfreiwilligen von 1861 bewegte,
rührte im wesentlichen aus der Lebensweise jener Zeit her.
In einer Zeit ohne Fernsehen, Rundfunk oder andere Medien war der politische
Horizont der meisten Zeitgenossen notgedrungen begrenzt.
Bis auf eine geringe Schicht Privilegierter oder berufsmäßig
Reisender war die damalige Bevölkerung der U.S.A. bodenständig.
Bezugspunkte des täglichen Lebens
waren der Landkreis (Country), der Marktflecken, die nächstgelegene
Kleinstadtund vielleicht noch die Hauptstadt des Staates oder die nächstgelegene
Hafenstadt.
Aber ein Mann konnte sehr gut die Spanne seines Lebens verbringen, ohne
je über die Grenzen seiner näheren Umgebung hinausgekommen
zu sein. Der emotionale Bezugspunkt war Country und Staat, an den er
seine Steuern zahlte, dessen gesetzgebende Versammlung er wählte
und dessen Gesetze und Verordnungen ihn direkt betrafen.Männer
fühlten sich nicht so sehr als Bürger der Vereinigten Staaten
denn als New Yorker, ....als Angehörige der Staaten von Wisconsin,
Texas oder Virginia.
Warum manche Schlachten
Doppelnamen haben
Viele Schlachtfelder
des Bürgerkriegs haben bei den Nord- und den Südstaaten unterschiedliche
Namen.
Dies ist nicht zufällig, denn die Namensgebung erfolgte nach den persönlichen
Eindrücken der Kriegführenden. In Europa war und ist es der Brauch,
daß der Sieger den Namen der Schlacht bestimmt, doch in den USA werden
häufig (besonders auf den Fahnen der Regimenter) die verschiedenen Namen
verwendet.
Der Grund für die unterschiedliche Namensgebung liegt in der Herkunft
der Soldaten.
Die Truppen des Nordens kamen hauptsächlich aus einer städtischen Umgebung.
Sie waren deshalb vom Gelände des Schlachtfeldes beeindruckt und benannten
so die Schlacht entsprechend. Die Soldaten aus dem Süden kamen hauptsächlich
aus ländlichen Gebieten und benannten deshalb die Schlachten nach künstlichen
Bauwerken oder Ortschaften. So wurde von den Nordstaaten die Schlacht
am Bull Run nach einem kleinen Fluß benannt, während die Südstaaten
von der Schlacht
von Manassas, einer Eisenbahnstation, sprechen.
Stones Niederlage in der Schlacht von Ball's Bluff, einem Steilufer,
wird im Süden als die Schlacht von Leesburg, einem Ort, bezeichnet.
Die von General Grant Pittsburg Landing (Geländename) benannte Schlacht
wird im Süden als Schlacht von Shiloh, einer Kirche, benannt.
Der Nordstaatengeneral Rosecrans benannte sein erstes, größeres Treffen
mit dem Südstaatengeneral Bragg die Schlacht am Stone River,
während General Bragg diese nach Murfreesboro, einem Dorf, benannte.
McClellans Gefecht am Chickahominy, einem Bach, war bei Lee das Gefecht
von Cold Harbor,
der Name einer Kneipe. Nach einem anderen Gasthaus, Elk Horn, nannten
die Konföderierten ein Gefecht, das im Norden als das Gefecht von Pea
Ridge,
einer Hügelkette des Ozark-Gebirges, in die Geschichte einging. So hat
auch die blutige Schlacht am Antietam, ein kleiner Fluß, im Süden
die Bezeichnung nach einem Dorf, nämlich Sharpsburg. Neben
den angeführten Schlachten haben auch kleinere Treffen und Gefechte
Doppelnamen, die zu Verwechselungen führen können.
Man sollte deshalb die Gefechtsberichte beider Armeen zu Rate ziehen.
Startseite