Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
William C. Davis, •Soldaten des US-Bürgerkrieges 1861-1865•
Harvey E. Brown, •The Medical Department of the United States Army from 1775 to 1873•, Washington 1873
Mary C. Gillett, •The Army Medical Department 1818-1865•, Washington D.C., 1987
Veröffentlichungen des Office of the Surgeon General, Office of Medical History
sowie Dokumentarfotos der Bibliothek des Kongresses und des U.S. Nationalarchivs

Unter Mitarbeit von:
E. Liebe, RAG Militärgeschichte, 85077 Manching

 

Der Sanitätsdienst 1861-1865

Seite 1

 

 

Quacksalber, Schlächter und Knochensäger ?

Neben einer guten Strategie und Taktik spielt im Krieg die körperliche Leistungsfähigkeit des Mannes hinter der Waffe eine entscheidende Rolle. Nur gesunde und kampfbereite Soldaten können von ihren Kommandeuren mit der Aussicht auf Erfolg eingesetzt werden.

Über die sanitätsdienstliche Versorgung der Soldaten im amerikanischen Bürgerkrieg ist danach viel geschrieben worden, doch überwiegt dabei häufig eine oft unberechtigte Kritik, denn bei Ausbruch des Krieges befand sich die Medizin noch zwischen Mittelalter und Neuzeit. Man wußte noch nichts von Infektionskrankheiten, den unterschiedlichen Blutgruppen und den Krankheitserregern, wie Viren und Bakterien. Haut- und Gerätedesinfektionen waren noch unbekannt und von Hygiene in den Lazaretten und Camps war noch keine Rede.

 

 

Ein Feldlager der Unionstruppen

Es gab zwar vor 1860 schon medizinische Fakultäten (Abteilungen) in Akademien und Universitäten, an denen die „Ausbildung“ zum Mediziner zwei Jahre dauerte, wobei im zweiten Jahr der Stoff wiederholt wurde, der im ersten Jahr gelehrt worden war. Eine praktische Klinik- und Laborausbildung fand aber nicht statt. So erhielt die Harvard Universität erst nach dem Bürgerkrieg ihr erstes Mikroskop und Stethoskop.

Die meisten Ärzte erlernten ihren Beruf durch eine „Lehrzeit“. Wer Mediziner werden wollte, begleitete einen erfahrenen Arzt und sah ihm bei seiner Arbeit zu. War dieser nach einer gewissen Zeit der Meinung, daß sich sein Schüler genügend medizinisches Wissen angeeignet hatte, dufte dieser dann nach einer Prüfung durch andere Ärzte alleine praktizieren.

 

 

Chirurgische Eingriffe und selbst die Behandlung von Schußwunden waren eine Seltenheit. So hatten die Ärzte am Beginn des Bürgerkrieges keine Erfahrung in der Behandlung der zahlreichen, unterschiedlichen Verwundungen und Krankheiten der Soldaten. Der Arzt „stocherte“ mit dem bloßen Finger in den Wunden herum, die Instrumente wurden nicht sterilisiert, sondern mit einem Tuch abgewischt, das schon voller Blut von der vorangegangenen Operation war, und in vielen Fällen blieb mangels anderer Kenntnisse nichts anderes übrig als zu amputieren. Es wird geschätzt, daß etwa 75 % aller Operationen im Bürgerkrieg aus Amputationen (ca. 80.000) bestanden, dazu zählen allerdings auch die Amputationen von Fingern und Zehen (ca. 10.000). Doch nicht alle Militärärzte durften solche Operationen durchführen. Man erkannte bald, daß es dazu besonderer Fähigkeiten bedarf und wählte dazu besonders begabte „Operateure“ (Operators) aus. Ein Vergleich mit den Amputationen im Krimkrieg (1854 – 1856) zeigt, daß die Todesrate bei Amputation bei den Briten bei 28 % lag, im amerikanischen Bürgerkrieg betrug die Todesrate 26 %.

Ein Grund für die schweren Verletzungen waren die weichen, verformbaren Minié-Bleigeschosse, die wegen ihrer langsamen Geschwindigkeit und ihres Taumeleffekts schreckliche Wunden verursachten.


Original                                                  Verformungen im Körper                    

Die stark blutende Wunde führte dann oft zu tödlichen Schocks und, wenn bei solchen Verletzungen der Knochen beschädigt wurde, blieb damals nur die Amputation als letzte Maßnahme. Daneben gehörten Blutvergiftungen und Wundstarrkrampf zum täglichen Leben in den Feldlazaretten, denn Wunden wurden z.B. mit schmutzigen Taschentüchern oder verschwitzten Hemdfetzen verbunden.

 

Neben den Aufgaben, Verwundete und Kranke zu behandeln, entwickelte sich eine besondere medizinische Dienstleistung.

Viele Angehörige von gefallenen Soldaten wünschten deren Beisetzung in der Heimaterde. Damit diese möglichst unversehrt überführt werden konnten, beauftragten Familien spezialisierte „Einbalsamierungsärzte“ (Embalming Surgeons) mit der Konservierung ihrer Angehörigen.

 

Einbalsamierung eines Gefallenen

 

 

Im Verlauf des Krieges, in dem fast 3 Millionen Soldaten dienten, starben 618.000 Mann, 359.528 in der Union und 258.000 bei den Konföderierten. Etwa 400.000 starben an Krankheiten, 218.000 fielen im Kampf oder erlagen ihren Wunden. Ungefähr 500.000 Soldaten kamen als Schwerversehrte (Krüppel) nach Hause. So mußte 1866 allein im Staat Mississippi ein Fünftel des Staatshaushaltes für künstliche Gliedmaßen (Prothesen) ausgegeben werden.


Das Medical Department

Am 1. Januar 1861 hatte das Medical Department (Amt für Sanitätswesen) des Heeres, das dem Generalstab und bezüglich der Versorgung dem Quartermaster Department (Amt für Quartiermeisterangelegenheiten) unterstand, einen Oberst als Sanitätsinspekteur (Surgeon General), 30 Sanitätsoffiziere (Surgeons) im Rang von Majoren und 84 Sanitätsoffiziere (Assistant Surgeons) im Rang von Oberleutnanten, deren Beförderung zu Stabsärzten (Hauptleute) erst in fünf Jahren erfolgen sollte.

Gebäude des Medical Department in Washington

Die Zahl dieser 115 ausgebildeten Sanitätsoffiziere verringerte sich noch, denn 27 davon quittierten nach der Abspaltung ihrer Heimatstaaten ihren Dienst in der Unionsarmee, davon traten 24 in die Dienste der Südstaaten, wo sie das Medical Department der Konföderierten nach dem Muster ihrer alten Dienststelle aufbauten. So gab es zwischen beiden Ämtern nur sehr geringe Unterschiede, selbst die Formulare hatten bis auf den Kopf den gleichen Inhalt.

Da man sich vor dem Krieg im Medical Department nur um die Verwaltung und Regelung von gesundheitlichen Problemen in den zwar zahlreichen, aber kleinen und entlegenen Außenposten kümmern mußte, reichte die geringe Anzahl an Sanitätsoffizieren für eine Armee mit einer Friedensstärke von etwa 15.000 Mann aus. Sie beschäftigten sich deshalb nur mit Routineangelegenheiten und wurden vom Ausbruch des Krieges vollkommen überrascht. Diese im Dienst ergrauten Ärzte hatten sich in den Jahren nach dem Krieg gegen Mexiko (1846 – 1848), trotz der bekannten Informationen über den Krimkrieg (1853 – 1856) in Europa nie Gedanken über den Sanitätsdienst in einem „modernen“ Krieg mit einem Massenheer gemacht. Es gab keinerlei Pläne über die Bergung von Verwundeten vom Schlachtfeld, deren Transport und ihre Behandlung in Feldlazaretten, und es gab keine Pläne, wie man Krankheiten in den überfüllten Feldlagern (Camps) verhindern könnte. Auch die Ausrüstung und Ausbildung wurde sehr vernachlässigt, so gab es z.B. in der gesamten Armee nur 20 Fieberthermometer.

Man war ja auch der Meinung, daß diese „Rebellen“ in wenigen Monaten den Krieg verlieren würden. Dies änderte sich aber schnell, als die Konföderierten am 21. Juli 1861 die (erste) Schlacht am Bull Run (Manassas) gewonnen hatten, in der 60.000 Soldaten kämpften. Am Ende dieses Tages lagen etwa 750 Gefallene und 2500 Verwundete auf dem Schlachtfeld. Dies war für die Union ein Schock und man begann nun, wenn auch langsam, den Sanitätsdienst zu verbessern.
So wurden im August 1861 neue Planstellen für 10 Surgeons und 20 Assistant Surgeons geschaffen, außerdem stellte man ein sogenanntes Sanitätskadetten-Korps (Medical Cadets) auf, das aber eine Stärke von 50 Mann nicht überschreiten durfte.


Medical Cadets mußten zwischen 18 und 23 Jahre alt sein, und eine zweijährige medizinische Ausbildung haben, um den Sanitätsoffizieren zu assistieren und in Hospitälern als medizinische Assistenten eingesetzt zu werden.
Sie trugen auf der Uniform grüne Achselstücke mit einer 1 cm breiten, mittig längslaufender Goldlitze.


Im April 1862 genehmigte der Kongreß jeweils zehn zusätzlich Surgeons und Assistant Surgeons sowie 20 Medical Cadets und soviel Hospital Stewards (Lazarettverwalter), wie das Medical Department benötigte. Für einige, wichtige Dienstposten wurde die Besoldung angehoben und neue Dienstposten geschaffen, so einen stellvertretenden Inspekteur (Oberst) und einen Inspekteur für die Lazarette, der Inspekteur des Sanitätswesens hatte nun den Rang eines Brigadegenerals.

Nachdem in aller Eile die ärztliche Ausbildung geregelt und verstärkt worden war, konnte die Union im Laufe des Krieges der kämpfenden Truppe fast 12.000 Ärzte zur Seite stellen, bei den Konföderierten waren es schätzungsweise 8.000 (hier schwanken die Zahlen). Von den Sanitätsoffizieren des Medical Department der Union fielen 32 im Kampf, 10 wurden tödlich verwundet, 9 kamen bei Unfällen ums Leben, 4 starben im Kriegsgefangenenlagern, 7 an Gelbfieber und 271 an ansteckenden Krankheiten in den Feldlagern.

Thomas Lawson
Clement A. Finley
Surgeon General 1836 - 1861
Surgeon General 1861 - 1862

Der Inspekteur (Surgeon General) des Medical Department, Oberst Thomas Lawson, war 72 Jahre alt, als die ersten Schüsse fielen. Gesundheitlich schon angeschlagen, mußte er in eine Privatklinik eingeliefert werden und erlitt am 15. Mai 1861 einen tödlichen Schlaganfall. Sein Nachfolger wurde der 64jährige Oberst Clement A. Finley, ein guter Arzt, aber für diesen Verwaltungsposten wenig geeignet. Er konnte sich mit seinen Vorstellungen nicht durchsetzen, so daß er beim Kriegsminister schließlich in Ungnade fiel und am 14. April 1862 pensioniert wurde.

Auf den neugeschaffenen Dienstposten eines Brigadegenerals wurde nun der 34jährige William A. Hammond berufen, ein gebildeter und fähiger Arzt, der sofort mit neuen Ideen einige Verbesserungen im Sanitätsdienst in Angriff nahm. Wegen seiner weitsichtigen Pläne und Forderungen kam es aber auch bei ihm zu Reibereien mit dem selbstherrlichen Kriegsminister Stanton. Ende August 1863 wurde er seines Amtes enthoben und in das Department of the South versetzt. Hammond ließ sich das nicht gefallen und forderte eine Wiedereinsetzung als Sanitätsinspekteur oder ein Militärgerichtsverfahren. Man klagte ihn nun wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten beim Kauf von medizinischen Nachschubgütern an, und er wurde am 18. August 1864 nach einem umstrittenen Urteil aus der Armee entlassen. 1878 forderte er eine Überprüfung des Urteils, was dazu führte, daß sein Ansehen 1879 wiederhergestellt wurde.

Nach der Versetzung von Hammond hatte Stanton den Arzt Joseph K. Barnes kommissarisch als Inspekteur eingesetzt, der das Amt dann offiziell am 22. August 1864 übernahm und bis 1882 führte. Jetzt, da der Kriegsminister seinen Wunschkandidaten durchgesetzt hatte, interessierte er sich plötzlich für den Sanitätsdienst und befürwortete zahlreiche Verbesserungen.

William A. Hammond
Joseph K. Barnes
Surgeon General 1862 – 1864
Surgeon General 1864 - 1882

Je nach Ausbildung und Fähigkeiten setzte man ab Herbst 1862 einen Großteil dieser erfahrenen Ärzte des Amtes für verschiedene Aufgaben ein. Einige nahmen die Stellung eines „Medical Director“ in den Korps und Armeen ein, andere unterstützten als medizinische „Inspectors“ diese Kommandoärzte bei der Beaufsichtigung und Ausbildung, wieder andere wurden mit der Einrichtung und Organisation von Lazaretten beauftragt oder waren mit der Versorgung der Hospitäler oder Armeen mit Medikamenten und anderen medizinischen Bedarfsgütern beschäftigt. Der Rest diente als Sanitätsoffiziere in regulären Regimentern.

 

Das Medical Department der Konföderierten begann am 4. Mai 1861 mit drei Sanitätsoffizieren seinen Dienstbetrieb.

Als Sanitätsinspekteur fungierte zunächst Surgeon Daniel De Leon, nach einigen Wochen folgte ihm ein anderer Sanitätsoffizier, bis schließlich Surgeon Samuel Preston Moore am 1. Juli 1861 diesen Posten mit dem Rang eines Oberst bis zum Ende des Krieges erhielt.

 


Samuel P. Moore
Surgeon General 1861 - 1885

 

 

Die Sanitätsoffiziere in den Verbänden und Einheiten

Der Schock nach der Schlacht am Bull Run führte dazu, daß sich sehr viele zivile Ärzte freiwillig zum Dienst in den Streitkräften meldeten.

Nach einer medizinischen Prüfung wurden sie einer Armee oder einem Korps zugeteilt. Nach einer „militärischen“ Ausbildung durch den Medical Director dieser Verbände verteilte man sie auf die Brigaden, um dort entweder in den Feldlazaretten oder in den Regimentern eingesetzt zu werden.

Da die Anzahl der Militärärzte nicht ausreichte, wurden während des Krieges 5532 zivile Ärzte als Acting Assistant Surgeons mit der Besoldung eines Oberleutnants unter Vertrag genommen, die hauptsächlich in den Militärkrankenhäusern eingesetzt waren. Neben ihrem Dienst in diesen Hospitälern führten sie zusätzlich noch ihre zivile Arztpraxis weiter.

Nachdem nicht immer der dienstälteste Sanitätsoffizier einer Brigade als Brigadearzt geeignet war, genehmigte der Kongreß 110 Brigadeärzte, die dafür einer besondere Prüfung unterzogen wurden.
In jedem Regiment diente ein Surgeon und ein Assistant Surgeon (bei Freiwilligenregimentern häufig zwei Assistants).

Die Sanitätsoffiziere der Union trugen die Uniform eines Offiziers im Stabsdienst mit dunkelblau unterlegten Schulterstücken mit den entsprechenden Dienstgradabzeichen. Obwohl nicht der Anzugordnung entsprechend, hatten viele Ärzte privat beschaffte Schulterstücke, die mit den silbernen Initialen „M.S.“ (Medical Staff) bestickt waren. Auch bei den Mützenabzeichen gab es privat beschaffte, eigentlich inoffizielle Abzeichen, die statt der Initialen „U.S.“ in der Mitte die Initialen „M.S.“ in silbernen, altenglischen Buchstaben eingestickt hatten. Die Schärpe war grün.

 

Die Sanitätsoffiziere der Konföderierten trugen die Uniform der Offiziere mit schwarzen Ärmelaufschlägen und schwarzem Kragen, ein dunkelblaues Kepi sowie ebenfalls eine grüne Schärpe.
Auch hier trugen viele Ärzte privat beschaffte Mützenabzeichen, die statt der Initialen „CSA“ die Buchstaben „M.S.“ eingestickt hatten.

 

Da es damals noch kein Genfer Abkommen gab, das später das Personal des Sanitätsdienstes als Nichtkämpfer schützen sollte, bestand zunächst auch für Sanitätsoffiziere die Gefahr, in Kriegsgefangenschaft zu geraten. So standen sie häufig vor der Wahl, das Feldlazarett zu räumen und die Schwerverwundeten (von beiden Seiten) im Stich zu lassen, oder sich weiter um sie zu kümmern, bis der Feind sie gefangennahm.

Als die Konföderierten unter Generalmajor Thomas J. Jackson nach der gewonnenen Schlacht von Winchester am 25. Mai 1862 einige Feldlazarette der Union eingenommen hatten, war Jackson der Meinung, daß Sanitätsoffiziere nicht an Kampfhandlungen beteiligt sind und ließ sie ohne Bedingungen frei, damit sie zu ihren Einheiten zurückkehren konnten. Diese großzügige Geste führte dazu, daß die Generale McClellan und Lee ein förmliches Abkommen trafen, Sanitätsoffiziere nicht gefangenzunehmen sondern auszutauschen. Diese Vereinbarung wurde leider zeitweise nicht immer eingehalten.

Der Gedanke, daß jene, die die Leiden des Krieges zu lindern suchen, nicht so behandelt werden sollten, wie jene, die sie verursachen, fand im Norden und Süden breite Zustimmung. Zusammen mit den Vorschlägen des Schweizers Henri Dunant führte diese humanitäre Einstellung in Europa 1864 zur Unterzeichnung der Genfer Konvention, die den Sanitätsdienst unter besonderen Schutz stellte. Die USA traten diesem Abkommen aber erst 1882 bei.

Das Ambulance Corps

Das Bergen von Verwundeten auf dem Schlachtfeld und der Transport zu einem Verbandsplatz oder Feldlazarett waren während des Bürgerkriegs lange Zeit ein Problem und führte oft zu viel unnötigen Schmerzen und Todesfällen. So wird berichtet, daß nach der ersten Schlacht am Bull Run kein Verwundeter in Sanitätsfahrzeugen nach Washington gebracht werden konnte und manche Verletzten die rund 43 Kilometer in die Stadt zu Fuß (!) zurücklegten.

Zu Beginn des Krieges gab es nur die Regimentsmusiker, die eine Art Erste-Hilfe-Ausbildung erhalten hatten und dafür sorgen sollten, die Verwundeten vom Schlachtfeld nach hinten zu bringen und sie notdürftig zu versorgen. Den im Kampf vorrückenden Kameraden war dies nicht erlaubt, denn das galt als Drückebergerei und wurde bestraft. Manchmal wurden aber auch die weniger tauglichen Soldaten eines Regiments zu diesem Dienst abkommandiert, was häufig dazu führte, daß diese den für medizinischen Zwecke vorhandenen Alkohol für sich verbrauchten und sich im Verlauf einer Schlacht nicht um die Verletzten, sondern um die eigene Sicherheit kümmerten.

Der Sanitätstrupp einer Zuaveneinheit demonstriert den Abtransport von Verwundeten während einer Übung

Nach der bereits erwähnten Schlacht versuchte der Inspekteur des Medical Department der Army of the Potomac, Surgeon General Charles S. Tripler, durch zahlreiche Reformversuche den Abtransport der Verwundeten zu verbessern, doch er scheiterte, wohl an der Bürokratie, denn das Quartermaster Department hatte hier ein Mitspracherecht, wobei Munitions- und Verpflegungstransporte den Vorrang hatten. Erst seinem Nachfolger, Dr. Jonathan Letterman, gelang es ab 4. Juli 1862 in den Korps- und Divisionseinheiten einen Ambulanzdienst zu organisierten, dessen Personal von Sanitätsoffizieren ausgesucht und entsprechend ausgebildet wurde.

So wurden die Verwundeten durch ausgebildetes Personal auf Krankentragen vom Schlachtfeld zu nahegelegenen Verbandsplätzen und Verwundetensammelstellen gebracht. (Anmerkung: Kranke und Verwundete werden auf ‚Tragen’ transportiert, nur Tote liegen auf ‚Bahren’.) Hier fand eine Erstversorgung durch die Regimentsärzte statt, bis sie in Ambulanzwagen zu festgelegten Zeiten auf einer bestimmten Route mit Halteplätzen zur Aufnahme weiterer Verwundeter zum Feldlazarett gebracht wurden.

Ambulanzwagen mit Platz für zwei Krankentragen

 

 

Die zunächst verwendeten 2-rädrigen Krankenwagen erwiesen sich als ungeeignet, da die schaukelnden Bewegungen zusätzlich Schmerzen verursachten, so daß bald 4-rädrige Wagen eingeführt wurden.

Wenn die Verwundeten transportfähig waren, brachte man sie zur weiteren Behandlung in die Reservelazarette der Städte, falls vorhanden, auch mit Lazarettschiffen oder speziell umgebauten „Ambulanzwaggons“ der Eisenbahn.

 

Längs- und Querschnitt durch einen umgebauten Ambulanzwaggon mit Vorrichtungen zum Einhängen von Krankentragen

Während der Schlacht von Gettysburg (1. – 3. Juli 1863) gelang es diesem Ambulanzdienst, daß bis zum 4. Juli alle der insgesamt 14.530 verwundeten Unionssoldaten geborgen werden konnten.


Nachdem der Druck auf die Regierung, auch mit Hilfe der U.S. Sanitary Commission (siehe weiter unten), immer größer geworden war, beschloß der Kongreß schließlich am 11. März 1864 ein Gesetz zur Aufstellung einer Krankentransporttruppe (Ambulance Corps) als reguläre Einheit der Armee und übertrug die Auswahl und Ausbildung des Personals dem Medical Department.

 

Als Kennzeichnung erhielten die Soldaten einen grünen Ärmelstreifen.

 


Die Situation in der konföderierten Armee war anfangs noch schlechter, so daß sich die Militärärzte auf örtliche zivile Wohltätigkeitsvereine und Ambulanzkomitees verlassen mußten. Dem Sanitätsinspekteur Moore war es zu verdanken, daß ein der Union ähnliches Ambulance Corps aufgestellt wurde. Die Soldaten erhielten ein breites, rotes Mützenband mit der Aufschrift „Ambulance Corps“. Gegen Ende des Krieges brach aber das ganze Transportsystem der Konföderierten aus Mangel an Ausrüstung und wegen der Nachschubprobleme zusammen.

Die Kennzeichnung der jeweiligen Ambulanztruppe schützte sie vor dem Beschuß von Scharfschützen.

 

Zur Kennzeichnung der Ambulanzfahrzeuge und der Halteplätze wurde eine gelbe Fahne mit grünem Rand verwendet

 

 

Die Militärlazarette

Zu Beginn des Krieges gab es auf beiden Seiten keine speziellen Militärlazarette. Die verlegefähigen Verwundeten brachte man zunächst in zivilen Krankenhäusern unter. Als sich die Zahl der Verwundeten vergrößerte, wandelte man Schulen, Reithallen und andere leerstehende, feste Gebäude und sogar Schiffe in Lazarette um.

„USS Red Rover“, ein Lazarettschiff der U.S. Navy

Gleichzeitig begann man in aller Eile im Norden wie im Süden mit einem gigantischen Bauprogramm. Bis Januar 1863 entstanden in den Städten des Nordens
151 Reservelazarette (General Hospitals) mit 58.000 Betten, 1865 waren es 204 Lazarette mit insgesamt 137.000 Betten.

Beispiele für die neugebauten Reservelazarette

Auch im Süden wurde fieberhaft gebaut, so daß bis Ende des Krieges 150 Reservelazarette die Verwundeten aufnehmen konnten. Etwa ein Drittel davon befand sich in der Umgebung von Richmond, darunter das Chimborazo Hospital. Dieses Hospital war das größte Reservelazarett der damaligen Zeit mit 8.000 Betten. Dazu gehörten 4 Küchen, eine Bäckerei, eine Brauerei und 5 Kühlhäuser. Am Bau hatten sich viele Arbeiter der örtlichen Tabakfabriken beteiligt, die wegen der Blockade schließen mußten. Die großen Kessel dieser Fabriken wurden in den Küchen verwendet, und aus dem guten Holz für die Tabakkisten wurden Betten und Möbel gezimmert.

Während die Verwundeten in dieses Reservelazaretten meistens vorbildlich versorgt und betreut wurden, sah es in den Feldlazaretten der kämpfenden Truppe ganz anders aus - sie waren die „Hölle auf Erden“. Während die Ärzte oft stundenlang ohne Pause am Operationstisch standen (für eine Amputation benötigte man etwa 10 Minuten), schrieen und stöhnten um ihn herum die auf Heu und Stroh liegenden Verwundeten und riefen nach ihren Liebsten, während andere blaß und ruhig in einem Schockzustand verharrten.

Vor der Operation wurde schon ein grobes Verfahren der Triage (Auswahl) durchgeführt. Stellte der Arzt bei schweren Verletzungen fest, daß selbst bei einer Operation die Überlebenschancen gering waren, dann erhielt der Verwundete nur noch schmerzlindernde Mittel, meistens Alkohol. Dies erscheint sehr grausam, aber bei den vielen Verletzten konnte man sich nur um Verwundete kümmern, bei denen noch relativ gute Aussichten für eine Heilung bestanden.

Vor einem Sanitätszelt wird unter freiem Himmel die Amputation eines Arms vorbereitet

In den ersten Monaten des Krieges wurde in jedem Regiment ein Feldlazarett mit 2 Sanitätsoffizieren (in den Freiwilligenverbänden häufig drei Ärzte) eingerichtet, das aus 2 - 3 Zelten für die Ärzte, einem Zelt für den Hospital Steward, einem kleinen Zelt für die Küche und einem Zelt, das 8 Verwundeten Platz bot, bestand. Es zeigte sich bald, daß dies nicht ausreichte. Man faßte deshalb diese Lazarette zu einem größeren Feldlazarett auf Brigadeebene zusammen und machte damit so gute Erfahrungen, daß man auch mit Lazaretten auf Divisionsebene experimentierte. Diese Divisionslazarette bewährten sich besonders bei der Western Army und der Army of the Potomac während der Schlacht von Antietam (17.09.1862), so daß kurz darauf ein Dauerbefehl erlassen wurde, vor einer Schlacht solche Lazarette einzurichten.

Das Feldlazarett der 2. Division bei Brandy Station

An deren Spitze stand der Divisionsarzt (Medical Director). Er teilte die besten Chirurgen der ihm unterstellten Brigaden als Operateure ein, andere Sanitätsoffiziere kümmerten sich um die Unterkünfte, die Verpflegung und um den Nachschub an medizinischen Versorgungsgütern. Die übrigen Ärzte teilte man den Kampfverbänden zu, um in der Nähe des Schlachtfeldes Verbandsplätze und Verwundetensammelstellen einzurichten und die Erstversorgung der Verwundeten zu übernehmen.

Ein Truppenverbandsplatz


Zur Kennzeichnung führten die Feldlazarette der Union folgende Fahnen:

Die Konföderierten benutzten gelbe Fahnen.

 

Der Hospital Steward

In beiden Armeen gehörte ein Hospital Steward (Sanitätsfeldwebel/Lazarettverwalter) zum Stab eines Regiments. Dies waren von den jeweiligen Regimentsärzten ausgewählte, erfahrene und zuverlässige Unteroffiziere, die sich um das Feldlazarett kümmern mußten. Eine Krankenschwester schilderte seine Aufgaben folgendermaßen: „Ein Hospital Steward kann seine Pflichten nicht beschreiben, denn er hat Schwierigkeiten herauszufinden, wofür er nicht zuständig ist.“

Neben der gesamten Verwaltung des Feldlazaretts, wie Einrichtung, Beleuchtung und Heizung des Lazaretts, Führen der Krankenakten, Aufrechterhaltung der Disziplin, Ankauf und Verwaltung von Medikamenten, Verbandmaterial, usw., hatte er auch zahlreiche medizinische Aufgaben. In dringenden Fällen assistierte er dem Sanitätsoffizier bei Operationen, er durfte Zähne ziehen, Schröpfköpfe und Blutegel ansetzen, Verbände anlegen, bestimmte Medikamente verschreiben und sie teilweise auch herstellen. Besonders begabte Hospital Stewards hatten sogar die Möglichkeit, sich zu Assistenzärzten ausbilden zu lassen. In einem Reservelazarett eingesetzt, kamen noch weitere Aufgaben hinzu, wie die Aufsicht über die Krankenschwestern und die Lazarettküche.

Hospital Stewards der Union hatten die Besoldung eines Sergeant-Major (etwa Stabsfeldwebel) und wurden mit der üblichen Infanterieuniform eingekleidet, hatten jedoch im Unterschied zu dieser eine scharlachrote Paspelierung und ebensolche Hosenbiesen. Ihre Dienststellung zeigte ein smaragdgrüner, halber Ärmelwinkel mit gelber Einfassung und darauf ein gelber Äskulapstab (Caduceus), das Zeichen des Sanitätsdienstes, an. Auf dem Hardee-Hut befand sich ein messingfarbener Lorbeerkranz, der die silbernen Buchstaben »U.S.« umgab. Die Hutkordel war abwechselnd braun und grün.

  

Dieses handkolorierte zeitgenössische Foto aus dem Bestand des Army Quartermaster Museum in Fort Lee, Virginia, zeigt einen Hospital Steward der Union in Paradeuniform bei der Herstellung eines Medikaments.

 

Ärmel- und Mützenabzeichen

 

 



Die Hospital Stewards der Konföderierten, meist im Rang eines First Sergeant (etwa Hauptfeldwebel), hatten an den Hosenbeinen schwarze Streifen und schwarze Dienstgradabzeichen an den Ärmeln. Sie trugen wie die Ärzte eine grüne Schärpe.

Die Hospital Stewards erhielten keine Waffen, doch trugen sie häufig privat beschaffte Seitenwaffen zur Verteidigung der Verletzten und zum Schutz der Alkohol- und Drogenvorräte.

 

Die Zahnärzte

Der Beruf eines Zahnarztes entstand in den Vereinigten Staaten erst allmählich in den letzten 20 Jahren vor dem Bürgerkrieg. In der Bevölkerung war die Zahnpflege noch weitgehend unbekannt und Zahnbürsten wurden nur selten benutzt. Auch die mancherorts schlechte und einseitige Ernährung führte häufig zu Zahnschäden. Außerdem war eine gute Zahnbehandlung für viele Bevölkerungsschichten einfach zu teuer.

Dies machte sich bei der Rekrutierung von Soldaten besonders bemerkbar, denn diese mußten in der Lage sein, die Papierpatronen aufzubeißen, um die damaligen Gewehre zu laden. Soldaten, deren Ober- und Unterkiefer zu große Zahnlücken aufwiesen, waren deshalb wehruntauglich.

Als der Bürgerkrieg ausbrach, setzte sich Jefferson Davis und sein Sanitätsinspekteur Moore für eine Zahnärztetruppe (Dental Corps) ein, das dann auch in den Südstaaten geschaffen wurde. So erhielten die konföderierten Soldaten – im Gegensatz zu ihren Kameraden im Norden – eine zahnärztliche Versorgung.

Die Zahnärzte (Dentists) erhielten in der Regel die Besoldung von Hospital Stewards, manche wurden auch als Assistenzärzte eingestellt. Ihre Aufgabe bestand aber nicht nur aus Zähneziehen oder Zahnfüllungen, sie mußten auch Kiefer- und Mundoperationen (bei Verwundungen des Kiefers und der Mundhöhle) durchführen.

Die Tierärzte

Gewiß, es gab genügend gefallene und verwundete Soldaten auf den Schlachtfeldern des Bürgerkriegs, doch auch die Pferde und Mulis sowie Rinder und Schweine (als mitgeführte lebende Verpflegung) mußten in diesem Krieg an Verletzungen und Krankheiten schrecklich leiden.

Im Gegensatz zu Europa entwickelte sich die Veterinärmedizin in der USA nur sehr langsam. Erst das 1857 gegründete New York College of Veterinary Surgeons, das Tierärzte ausbildete, brachte den Durchbruch.

Nachdem zu Beginn des Bürgerkrieges zahlreiche Kavallerieregimenter mit Tausenden von Pferden aufgestellt worden waren, genehmigte das Kriegsministerium der Union für jedes Regiment im Mai 1861 neben den Hufschmieden, die sich bisher um die Pferdepflege bemüht hatten, einen Veterinärfeldwebel (Veterinary Sergeant). Qualifizierte Tierärzte, die sich als „Ärzte“ (Surgeons) bewarben, wurden abgewiesen, da es für sie keine entsprechenden Planstellen gab.

Aufgrund der zunehmenden Sterblichkeitsrate der Tiere erhielten die Veterinary Sergeants auf Anweisung des Kriegsministeriums 1863 die Bezeichnung „Tierarzt“ (Veterinary Surgeon) mit dem Dienstgrad eines Sergeant Major (etwa Oberstabsfeldwebel), es gab aber noch immer keine Bestimmungen über die Qualifikation dieser Feldwebel, obwohl sich schon einige ausgebildete Tierärzte darunter befanden.

Mitte 1863 begann man auf beiden Seiten die Beschaffung und Verteilung der Pferde zu zentralisieren, so daß größere Pferdeparks eingerichtet wurden.. So entstand in Giesboro Point in Washington D.C. der größte Pferdepark der Union mit 32 Ställen und 6000 Pferdeboxen. Um Krankheiten verhindern und behandeln zu können, schuf man ein Pferdelazarett, in dem 2650 Pferde untergebracht werden konnten. Besonders gefährlich war die Pferdekrankheit Rotz, die wegen ihrer langen Inkubationszeit sehr ansteckend war und an der in Giesboro etwas über 17.000 Pferde verendeten. Der Süden folgte dem Beispiel und richtete ebenfalls Pferdelazarette ein.

Bis zum Kriegsende hatte das Quartermaster Department der Union mehr als $ 90.000 ausgegeben, um zivile Tierärzte einzustellen, so daß jedes Kavallerieregiment schließlich einen ausgebildeten Tierarzt hatte.

Die Krankenschwestern

Als der Krieg ausgebrochen war und man die ersten Verwundeten sah, meldeten sich viele Frauen bei der Armee, um bei der Pflege der Kranken und Verwundeten zu helfen. Doch zunächst mußten viele Vorurteile gegen weibliche Krankenschwestern in den Gehirnen mancher „Militärs“ ausgeräumt werden. Dank der unermüdlichen Überredungskünste zweier Frauen gelang dies schließlich in der Union. Die eine war Dorothea Dix, eine ehemalige Lehrerin und Gründerin von Pflegeheimen für geistig Behinderte, und Clara Benton, ebenfalls eine ehemalige Lehrerin und später Sekretärin im U.S. Patentamt in Washington D.C.

 

< Dorothea Dix, damals schon 59 Jahre alt und gesundheitlich angeschlagen, erhielt im Juni 1861 die (unbezahlte) Stelle eines Inspekteurs der weiblichen Krankenschwestern (Superintendent of Female Nurses). Sie überzeugte die konservative Öffentlichkeit und ihre Vorgesetzten schließlich davon, daß Frauen nicht nur auf „Männersuche“ waren, sondern die verantwortungsvollen Tätigkeiten von Krankenpflegern übernehmen könnten. Am 3. August genehmigte der Kongreß dem Inspekteur des Medical Department die Einstellung von Frauen als Krankenschwestern in Militärlazaretten. Sie erhielten ein Monatsgehalt von $ 12 und freie Verpflegung; dies entsprach etwa dem Sold eines Gefreiten.

Es wurden aber nur Frauen eingestellt, die relativ unattraktiv und älter als 30 Jahre sein mußten. Sie durften nur schwarze oder braune Röcke tragen; Reifröcke, Locken und Schmuck waren verboten. Eine abgewiesene junge Frau schrieb deshalb verbittert: „Es war für die Schwestern ungehörig, jung und hübsch zu sein, sie mußten graue Haare haben und Brillen tragen.“

 

Dorothea Dix widmete sich hingebungsvoll ihrer Aufgabe, doch soll sie nach Meinung von Zeitgenossinnen wie Louisa M. Alcott und Elizabeth Blackwell (beide Krankenschwestern) organisatorisch überfordert gewesen sein. Trotzdem schaffte sie es, daß sich die Aufgaben der Schwestern nicht nur auf den Küchendienst und dem Aufschütteln der Betten beschränkten, sondern sie tatsächlich die Pflege und Betreuung der Verwundeten übernehmen konnten. Ihre harte Haltung brachte ihr auch den Spottnamen „der Drache Dix“ ein, den sie aber nicht verdient hat.

Über die Anzahl der von der Army angestellten Krankenschwestern der Union gibt es unterschiedliche Zahlen, die zwischen 1000 und 2000 schwanken.

Im Süden war es auf Grund der noch konservativeren Einstellung wesentlich schwieriger, als Krankenschwester in staatliche Dienste treten zu können. Eine der wenigen Ausnahmen bildete Sally Tomkins, die Tochter eines reichen Geschäftsmannes und Politikers aus Richmond. Nach der (ersten) Schlacht am Bull Run (Manassas)(21. Juli 1861) stellte ein Richter sein Haus zur Verfügung, das Sally Tomkins mit eigenem Geld in ein Hospital mit 22 Betten umbaute. Obwohl private Hospitäler in Richmond nach der Errichtung militärischer Lazarette geschlossen wurden, durfte Tomkins wegen ihrer Erfolge weitermachen und erhielt im September 1861 vom Präsidenten Jefferson Davis sogar den Rang eines Hauptmanns der Kavallerie; sie war damit die einzige Frau der Konföderierten mit einem militärischen Dienstgrad. „Captain Sally“ lehnte ein Gehalt ab, durch den militärischen Dienstgrad hatte sie aber die Möglichkeit, leichter Nahrungsmittel, Medikamente und andere Versorgungsartikel zu erhalten. Sie führte das Lazarett mit militärischer Disziplin und dem Erfolg, daß von 1333 Patienten nur 73 starben.

Neben diesen staatlich angestellten Krankenschwestern gab es im Norden und Süden eine Vielzahl von zivilen, freiwilligen Krankenschwestern, darunter viele Schwestern kirchlicher Orden und im Norden besonders die Krankenschwestern der U.S. Sanitary Commission.

Die U.S. Sanitary Commission und andere Hilfsorganisationen

Nachdem die ersten Schüsse des Krieges gefallen waren, fanden sich im Norden und Süden Frauen zusammen, die die kämpfende Truppe zunächst moralisch unterstützen wollten. Sie trafen sich in Hilfsvereinen und nähten Bekleidungsstücke und Fahnen für „ihre“ Soldaten. Am 25. April 1861 gründeten in New York einige Frauen auf einer Versammlung die Women's Central Association of Relief (Zentrale Unterstützungsvereinigung der Frauen), die helfen wollten, aber nicht so recht wußten, wie und womit. Schließlich machte Pastor Dr. Henry W. Bellows ihnen den Vorschlag, doch zuerst herauszufinden, was die Regierung tun wollte und konnte, um sich dann ausschließlich um jene Dinge zu kümmern, die von der Regierung nicht erledigt werden konnten.

Er fuhr deshalb mit einer Delegation nach Washington, um sich ein Bild über die Lage machen zu können. So wurde die Idee einer Sanitary Commission (Gesundheitskommission) ins Auge gefaßt, die die Army medizinisch und hygienisch beraten sollte. Dieser Plan fand aber zunächst keine Zustimmung, das Kriegsministerium war dagegen und Präsident Lincoln befürchtete, daß diese Kommission ein „fünftes Rad am Wagen“ sein könnte. Aber die Delegation schaffte es schließlich, den Inspekteur des Medical Department von ihrer Idee zu überzeugen, der daraufhin die Einrichtung einer „Commission of Inquiry and Advice in respect of the Sanitary Interests of the United States Forces“ (Prüfungs- und Beratungskommission für die gesundheitlichen Belange der Streitkräfte der Vereinigten Staaten) vorschlug, die eng mit seinem Amt zusammenarbeiten sollte. Mit Zustimmung des Präsidenten und des Kriegsministers wurde diese Kommission als „U.S. Sanitary Commission“ am 9. Juni 1861 als zivile Organisation gegründet.

In allen größeren Städten wurden daraufhin Zweigstellen eingerichtet und viele Mitarbeiter gewonnen. Während sich die einen in der Heimat um Spenden bemühten, waren andere, besonders Ärzte, als Inspekteure oder Verwalter tätig.

Die ursprüngliche Aufgabe war die Überprüfung der Feldlager und Lazarette im Hinblick auf die Auswahl des Platzes, die Verpflegung, die Unterkünfte, die sanitären Anlagen und die Sauberkeit der Camps und der Soldaten. Das Prüfungsergebnis wurde dann dem Lagerkommandanten vorgelegt und man machte ihm „taktvoll“ Vorschläge zur Behebung von Mißständen. Die Kommandeure griffen in der Regel diese Vorschläge auf und so verbesserte sich allmählich die Lage der Soldaten.


Krankenschwestern und Inspekteure der U.S. Sanitary Commission in Fredericksburg 1864

Doch dabei blieb es nicht. Wenn die Inspekteure der Kommission Mängel feststellten, versuchten sie auch konkret zu helfen. Sie kümmerten sich um den Transport von Verwundeten, besorgten frische, gesunde Nahrung, sie sammelten Sanitätsmaterial, kümmerten sich um Veteranenheime und unterstützten die Lazarette mit freiwilligen Krankenschwestern.

Als immer mehr Anfragen über den Verbleib von Angehörigen eingingen, erstellte die Kommission Namensverzeichnisse der Verwundenten in den einzelnen Lazaretten, und sie half sogar den Familienangehörigen, wenn es Schwierigkeiten bezüglich der Pensionsansprüche gab.

Doch selbst nach zahlreichen Verbesserungen des militärischen Sanitätsdienstes wurde diese Kommission nicht überflüssig. So fuhr gegen Ende des Krieges in jedem Korps ein Versorgungswagen der Kommission mit. Dringende militärische Materialanforderungen mußten über zahlreiche Dienststellen weitergereicht werden, was oft zu lange dauerte.

Die Versorgungswagen hielten deshalb ständig Verbandsmaterial, Chloroform, Branntwein, Kondensmilch und andere Hilfsmittel bereit, um bei Engpässen helfen zu können. Außerdem reichte ein Telegramm eines Inspekteurs an die nächstgelegene Zweigstelle aus, und das benötigte Material war nach kurzer Zeit vor Ort.

Ein Versorgungswagen der U.S. Sanitary Commission vor dem Einsatz

Im Verlauf des Krieges erhielt die Kommission $ 4,924,480.99 Spendengelder und Warenspenden in Höhe von $ 15,000,000.
Daneben leistete im Norden noch eine andere Organisation hervorragende Arbeit bei der Betreuung von Soldaten, nämlich die „U.S. Christian Commission“, die von der Young Men's Christian Association (YMCA, Christliche Vereinigung Junger Männer) eingerichtet worden war. Neben der Verteilung von Bibeln und christlichen Schriften, die die Moral de Truppe heben sollten, richtete diese Kommission in festen Lagern Lesesäle ein, wo seriöse Zeitungen und Zeitschriften aus mehreren Staaten auslagen. Sie versorgte die Soldaten außerdem mit Schreibmaterial und Briefmarken, und die örtlichen Vertreter hielten die Soldaten an, ihren Angehörigen zu schreiben und ihnen einen Teil des Soldes zu schicken.

Sie unterhielten in den Camps – sehr zum Ärger der Marketender, die ihren Alkohol verkaufen wollten – zahlreiche „Kaffeewagen“ für die Soldaten und richteten, wenn erforderlich, spezielle Diätküchen für Verwundete und Genesende ein. Am Ende des Krieges schätze die Kommission ihre Ausgaben während des Krieges in Geld und Waren auf 6,25 Mill. Dollar.

Im Süden gab es leider keine Kommissionen dieser Art, doch sorgten dort auch viele örtliche Frauenvereine und Familien sowie christliche Organisationen dafür, daß die Leiden der verwundeten Soldaten gemildert werden konnten.

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