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freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
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Quellennachweis der Abbildungen:
© Stefan Papp, jr., Serientitel: NORD &
SÜD
1990, - Shenandoah
1864 -
sowie Veröffentlichungen
der Kongreßbibliothek der USA (LOC) und des US Nationalarchiv
(NARA)

Shenandoah
1864
Seite
- 2 -
Monocacy
Major General
Lewis Wallace (1827-1905), ein Rechtsanwalt mit politischen Ambitionen,
dem man einige militärische Kompetenz nicht absprechen konnte,
stand seit dem 22. März 1864 dem Middle Department vor, dessen
Grenzen von den Konföderierten überschritten worden waren.
Als er in seinem Hauptquartier in Baltimore vom Herannahen des Feindes
unterrichtet wurde, bestieg Wallace umgehend einen Sonderzug nach
Monocacy Junction,
wo er am 5. Juli 1864 eintraf. Hier zog er alle Truppen an sich (ca.
2´300 Effektive), Reguläre und Miliz, denen er in der Eile
habhaft werden konnte,
um die heranrückenden Rebellen so lange wie möglich in Schach
zu halten.
Der Oberbefehlshaber der Unions-Streitkräfte hatte bis zu diesem
kritischen Zeitpunkt den ominösen Berichten über die Vorgänge
im „Valley" ziemlich indifferent gegenübergestanden.
Allerdings änderte sich seine Einstellung ad hoc, als ihm das
Ausmaß der konföderierten „Raider-Party" bekannt
wurde,
die Anfang Juli 1864 ins westliche Maryland einfiel.
Die aufgeschreckte
Regierung in Washington hatte Grant seit Tagen gedrängt, ausreichend
Truppen von der Army of the Potomoc freizumachen,
damit der Schutz der Hauptstadt gewährleistet war. Schließlich
reagierte Grant und detachierte eine Division vom Vl. Korps (Brig.
Gen. James B. Ricketts),
die am 8. Juli in Baltimore per Bahn ankam, aber gleich auf Wallaces
Anordnung in Richtung Monocacy weiterfuhr. Der „politische General"
verfügte jetzt über rund 6´000 Mann. Monocacy Junction
schien der beste Platz für ein taktisches Defensivgefecht. In
den Morgenstunden des 9. Juli 1864 brachte Wallace seine Truppen unter
Feindfeuer von Frederick, 3 Meilen nordwestlich von Monocacy, in eine
neue Linie auf dem Ostufer des Monocacy River.
Dieses günstige Arrangement brachte den Fluß zwischen Wallace
und den Feind, deckte aber auch gleichzeitig die Aufmarschwege nach
Washington und Baltimore.

US-Kavalleristen
General Wilsons beim Plündern einer Farm.
Die Confederate
Army of the Valley war am Morgen des 9. Juli 1864 in Frederick einmarschiert.
General McCausland hatte am 8. Juli von Early den Auftrag erhalten,
für Hunters jüngste „Exzesse"
in der Kommune von Hagerstown einen Tribut von $2´000´000
einzutreiben.
Die Kaufleute blätterten prompt $20´000 auf den Tisch,
die McCausland in Earlys Namen akzeptierte.
Die Bürger von Frederick brachten sogar die ganze geforderte
Summe auf.
So entgingen beide Städte den Flammen.
Unterdessen näherte
sich Earlys Infanterie dem Monocacy River. Nach einem zeitaufwendigen
Studium des Geländes und Wallaces Dispositionen, beschloß
Early den linken Flügel der Union zu attackieren.
Wallace hatte zwar die Brücke und die bekannten Furten besetzt,
doch gelang es den Konföderierten,
den Fluß an einer passierbaren Stelle zu überqueren.
General John B. Gordons Division griff an, wurde aber dreimal von
Ricketts erprobten Veteranen zurückgeschlagen. Gegen 16.00 Uhr
führte der aggressive Gordon eine vierte, massive Attacke und
überrannte zwei Verteidigungslinien der Nordstaatler; eine dritte
Linie konnte den Angreifern standhalten. Gordon gruppierte seine Division
um und stürzte sich erneut auf die tapfer kämpfenden Männer
vom
Vl. Korps, deren Front schließlich aufbrach. Die Unionstruppen
wichen zurück; General Wallace ordnete einen Rückzug nach
Baltimore an.
Earlys Verfolgung war halbherzig und ohne entscheidende Ergebnisse.
Die Gesamtverluste der Union betrugen 1´880 Mann, die der Konföderierten
700 Tote
und Verwundete. Lew Wallaces hartnäckige und mutige Hinhalte-Aktion
verzögerte Earlys Marsch auf Washington um einen wichtigen Tag
und verhinderte vermutlich
eine Eroberung der Bundeshauptstadt. Unter dem Strich gewertet, war
dies das außerordentliche Verdienst des Mannes, der zwei Dekaden
später weltberühmt wurde als Autor des biblischen Roman-Epos
„Ben Hur".
Vor
Washington, D. C.
Am 9. Juli lagerten
die siegreichen Rebellen in Monocacy und schlugen am folgenden Morgen
die Straße nach Washington ein; die Kavallerie bildete die Vorhut.
„Am
11. rückte Early ... an die Grenzen des District of Columbia
und in Sicht des Capitols vor, wo er mit Plänklern des Feindes
zusammenstieß, die er in die Befestigungen rings um die Stadt
trieb. (37 Meilen lang, besetzt von 9´500 Mann. Anm. d. Verf.)
Der Tag war außergewöhnlich heiß, und die Armee war
durch ihre vielen langen Märsche und die schwere und blutige
Schlacht, die sie am Monocacy ausgefochten hatte, sehr erschöpft.
Die Forts und andere Verschanzungen rings um Washington wurden in
sehr furchterregendem Zustand und voll bemannt angetroffen. (In Earlys
Front die Forts Stevens, DeRussy, Slocum, Anm. d. Verf.) Das ganze
umgebende Land war freigelegt worden, so daß jede vorrückende
Linie dem Feuer der vielen Forts und Batterien ausgesetzt war, die
die Höhe rings um die Unionshauptstadt krönten."
(J. Hotchkiss, CONFEDERATE MILITARY HISTORY, Volume 4, 1987)
Hätte Jubal
Early Washington einnehmen können? Die Meinungen darüber
divergieren:
Es gab Stimmen, die behaupteten, wie z. B. General Gordon, es sei
am Mittag des 11. Juli zweifelsohne möglich gewesen. Tatsächlich
waren die Befestigungen und Erdwerke von Fort Stevens nicht so stark
bemannt gewesen, wie es den Anschein gehabt hatte. Aber Early schreckten
die robusten Befestigungsanlagen ab und hinterließen einen bleibenden
Eindruck.
„Seine natürliche Streitbarkeit mußte angesichts
einer solchen Stärke der Vorsicht weichen." (F. E. Vandiver)
Early berief einen Kriegsrat ein und beendete die Konferenz mit dem
Entschluß, am Morgen des 12. Juli anzugreifen, „es
sei denn, daß ihn vorher einige Informationen erreichten, die
zeigten, daß das Vorhaben nicht praktikabel war". Noch
in derselben Nacht (11. Juli) erhielt Early schlechte Nachrichten:
Washington hatte umfassende Verstärkungen erhalten.
Die Ruinen
von Chambersburg nach dem Einfall von General Early.
Es handelte sich um die Vorhutkontingente
der beiden Rest-Divisionen vom Vl. Korps unter Major General Horatio
G. Wright, die General Grant Ricketts Division hinterher geschickt
hatte. Außerdem dirigierte Grant zwei Divisionen vom XIX. Korps
nach Washington, die ein paar Tage zuvor von Louisiana nach Fort Monroe,
Virginia, transferiert worden waren. Summa summarum würden binnen
12 Stunden mehr als 30´000 Mann, inklusive der Garnisonstruppen
vom XXII. Korps unter Major General Christopher C. Augur, Kommandeur
des Department of Washington, zur Verteidigung der US-Hauptstadt zur
Verfügung stehen. Earlys anfängliche Entschlossenheit schwand
im Angesicht dieser Zahlen: immerhin war seine Armee, ohne die versprengten
Nachzügler, auf rund 10´000 Effektive zusammengeschrumpft.
Kurzerhand sagte er den Angriff für den 12. Juli ab und beschränkte
an diesem Tag seine Aktivitäten auf Scharmützel in vorderster
Front. Als Vergeltungsmaßnahme für General Hunters „Vandalismus"
im Valley, machten einige Racheengel in den konföderierten Reihen
u. a. die Häuser von Lincolns Postmaster General Montgomery Blair
und Maryland-Gouverneur A. W. Bradford dem Erdboden gleich. Dies geschah,
wohlbemerkt, nicht auf Anordnung oder mit Billigung General Earlys.
US-Präsident Lincoln suchte an beiden Juli-Tagen die vordersten
Stellungen auf und geriet sogar unter Beschuß.
Einmal wurde der neugierige „Chief Executive" von einem
jungen Captain zurechtgewiesen: „Geh in Deckung, du Narr!"
Lincoln gehorchte.
Earlys
Rückzug
Unter dem Schutz
der Nacht zum 13. Juli, leitete General Early den unvermeidlichen
Rückzug ein, beließ aber die ausgeworfene Plänkler-Linie
bis zur Dämmerung in den vorgeschobenen Positionen. Noch während
die Vorbereitungen im Gange waren, wagten sich die Yankees aus ihren
Stellungen, aber es kam zu keiner regelrechten Schlacht. Die Dunkelheit
ausnutzend, stahlen sich die Konföderierten, reich mit Beute
beladen, davon und marschierten so schnell wie möglich über
Rockville und Poolesville nach Nordwesten. Sie kreuzten am 14. Juli
den Potomac bei White's Ford, nördlich von Leesburg. Nach dortiger
Rast, nahmen sie am 15. Juli den Marsch wieder auf,
passierten Snikker's Gap bis sie endlich Berryville erreichten.
Die Verfolgung der Südstaatler erwies sich als träge und
ineffektiv, doch lag die Schuld dafür weniger bei dem Kommandierenden,
General Wright, sondern vielmehr an logistischen und kommandostrukturellen
Problemen, die durch Earlys Raid nur allzu offen ans Tageslicht traten.
Earlys Husarenstück hatte im Norden,
aber vornehmlich in Washington, Baltimore und Umgebung, für allgemeine
Aufregung gesorgt, vielerorts sogar Panikstimmung ausgelöst.
Der psychologische Effekt war in beiden verfeindeten Landesteilen
unübersehbar.
Entgegen den hochgesteckten
Erwartungen General Lees, zog Earlys waghalsiges Unternehmen keine
außenpolitischen Konsequenzen nach sich,
zumal es ja nicht gelungen war, die US-Hauptstadt zu erobern.
Allerdings hatte man dem Norden und dem eigenen Land erneut unter
Beweis gestellt,
zu was konföderierte Streitkräfte noch imstande waren.
„Wir haben Washington zwar nicht eingenommen, aber dafür
Abe Lincoln einen höllischen Schrecken eingejagt!" tönte
General Early im Nachhinein zu Recht.
Noch während Early
an die Pforte Washingtons klopfte, war General David Hunter nach einem
langen Marsch durch West-Virginia und den Ohio River aufwärts,
Mitte Juli wieder südlich vom Potomac aufgekreuzt.
Zeitgenössische
Szene aus dem Kavalleriegefecht zwischen Südstaatlern und Sheridans
Reitern,
dem der CSA-General Ramseur zum Opfer fiel.
Nachdem Wrights
Truppen am 21. Juli nach Washington zurückbeordert worden waren,
ließ Jubal Early Hunter auf ein Neues die bittere Pille der
Niederlage schmecken. Am 24. Juli 1864 kam es bei Kernstown zu einer
kurzen, heftigen Schlacht, die damit endete, daß die Unionstruppen,
unter dem direkten Kommando von George Crook, in die Flucht geschlagen
wurden. Ende Juli standen Hunters Einheiten nördlich vom Potomac,
in einer Linie von Hancock, Maryland, im Westen, bis Harpers Ferry
im Osten.
Die Konföderierten hatten das „Valley" wieder einmal
völlig unter Kontrolle.
Am 30. Juli 1864 machte Early erneut von sich reden. Als Entschädigung
für drei Häuser, die Hunter in Virginia zerstört hatte,
forderte der Kavalleriegeneral McCausland auf Earlys Befehl von den
Bürgern der südpennsylvanischen Stadt Chambersburg einen
Tribut
von $ 100´000 in Gold oder $ 500´000 in Banknoten. Bei
Nichterfüllung der Forderung, sollte McCausland die Stadt bis
auf die Grundmauern einäschern.
Die Bürger weigerten sich zu zahlen:
400 Gebäude, davon 274 Wohnhäuser, wurden niedergebrannt.
Einschließlich der Plünderungen belief sich der angerichtete
Sachschaden auf ca. $ 1,5 Mio. Dollar.
Early: „Es wurde Zeit, den Menschen im Norden die Augen
über die Ungeheuerlichkeit (Hunters) zu öffnen, beispielsweise
auf dem Weg der Vergeltung."
Sheridan
gegen Early
„Die
Brandschatzung von Chambersburg beendete die Operationen, die mit
Earlys Raid zusammenhingen, und seine Folgen. In wenig mehr als einem
Monat hatte der konföderierte General den Krieg bis an die Türschwelle
der Unionshauptstadt getragen, Lincolns Regierung blamiert und Grant
gezwungen, eine schwache Truppenabteilung von Petersburg abzuziehen.
Die Bevölkerung des Nordens war verblüfft von den Juli-Entwicklungen.
„Die Sache schien im Hinblick auf die Lage, wie sie sich anderswo
darbot, sehr aus dem Rahmen zu fallen", kommentierte die New
York Times.
„Es war wieder die alte Geschichte", argumentierte die
Zeitung.
„Die Hintertür durch das Shenandoah Valley war einladend
offen gelassen worden. "
Der Leitartikel der Zeitung enthielt viel Wahrheit. Die Führung
der Union hatte tatsächlich nahezu die gesamte Kontrolle über
die sich ausbreitenden Ereignisse im Shenandoah Valley und dem westlichen
Maryland verloren, verursacht von einem Anschein derHilflosigkeit,
konfrontiertmit den kühnen südlichen Bewegungen.
Der Grund für vieles davon lag in den Strukturen. Das Unions-Kommandosystem
schnaufte und stolperte unter der Anstrengung wie ein veralteterMotor.
Vier Departments
- West-Virginia, Middle, Susquehanna und Washington - umfaßte
das Areal, daß von den südlichen Angreifern durchzogen
oder gefährdet wurde.
Ängste und Gerüchte vermehrten sich, da jede Stufe in der
Kommando-Bürokratie des Kriegsministeriums von ihren individuellen
Angelegenheiten überschwemmt wurde ...
Die Meinung des Lieutenant General über das Gebiet der Operation
setzte sich aus der deffekten Kommandoorganisation zusammen.
Grant sah daher das Shenandoah-Tal als untergeordneten Schauplatz
an und nahm anfangs wenig Anteil an Earlys Vormarsch nach Norden.
Vielleicht weigerte sich Grant zu glauben, daß sein konföderierter
Gegenspieler (Lee) so einen großen Teil seiner Infanterie für
eine so dubiose Operation abgezogen hatte.
Der Illinoier gelangte nur langsam zu der Erkenntnis, was für
ein blamabler Sturm über die nördliche Regierung hereinbrechen
konnte und was für politische Folgerungen
für Lincoln und die Republikanische Partei zu erwarten waren
...
Grants Unentschlossenheit während der Anfangsphase des konföderierten
Raids verwandelte sich bis zur letzten Juli-Woche in grimmige Entschlossenheit.
"
Jeffry D. Wert, FROM WINCHESTER TO CEDAR CREEK, 1987
Sheridans
Mission
Durch Generalorder
Nr. 68 vom 1. August 1864 ernannte Grant, gegen die Bedenken von Präsident
Lincoln, Kriegsminister Edwin M. Stanton und Chief of Staff Halleck
- die ihn mit 33 Jahren für zu jung und unerfahren hielten -,
den Kommandeur des Kavallerie-Korps der Army of the Potomac, Major
General Philip Henry Sheridan
(1831-1888, USMA 1853) zum Befehlshaber der neugebildeten Middle Military
Division, in der die 4 überlappenden, für das „Valley"
und West-Maryland zuständigen Departments, konsolidiert wurden.
Durch diesen elementaren Schritt, waren die Voraussetzungen für
eine einheitliche Kommandostruktur in administrativer
wie operativer Hinsicht gegeben. Ein behender Taktiker und charismatischer
Schlachtenführer mit einer Tendenz zum Vulgären
(„Zerschmettert sie, die verdammten Hurensöhne!"),
der eine Strategie der „verbrannten Erde" befürwortete,
war „Little Phil" Sheridan ein trainierter Infanterie-
und Kavallerieoffizier - aggressiv, selbstbewußt und dynamisch.
Sein Aufstieg in den Jahren 1861-1865 war kometenhaft.
Er zählte bei Kriegsende nördlich der Dixon-Mason-Linie
neben Grant, Sherman, Meade und George H. Thomas, zu den populärsten
Generälen der Union.
Am 7. August 1864 übernahm Sheridan in Monocacy Junction, Maryland,
sein neues Kommando. Grants Befehle, datiert vom 5. August, lauteten
wie folgt:
US
Major-General Phil Sheridan
„Ziehen
Sie alle Ihre verfügbaren Truppen ohne Verzug in der Umgebung
von Harpers Ferry zusammen,
lassen Sie nur die Eisenbahnbewachung und die Besatzung für den
Bundesbesitz zurück, die absolut notwendig ist.
Nutzen Sie für diese Konzentration die Eisenbahn, wenn damit
Zeit gespart werden kann. Wenn sich herausstellt,
daß der Feind sich in großer Stärke vom Potomac nach
Norden bewegt hat, stoßen Sie von Harpers Ferry aus nordwärts,
folgen Sie ihm und greifen Sie ihn an, wo immer Sie ihn finden. Folgen
Sie ihm, wenn er nach Süden vom Potomac getrieben worden ist,
so lange es sicher ist, das zu tun ...
Wenn Sie das Shenandoah Valley hinaufstoßen, was Sie erwartungsgemäß
früher oder später tun werden, ist es wünschenswert,
daß nichts zurückgelassen wird, was den Feind dazu einladen
könnte, zurückzukehren.
Nehmen Sie alle Ausrüstung, Proviant und Vieh, was Sie für
Ihr Unternehmen brauchen. Das, was Sie nicht verbrauchen können,
vernichten Sie. Es ist nicht wünschenswert, daß die Häuser
zerstört werden, sie sollten vielmehr geschützt werden.
Aber die Leute sollen darüber informiert werden, daß sie
mit Wiederholungen dieser Angriffe rechnen müssen,
solange sich eine (konföderierte) Armee bei ihnen versorgen kann,
und daß wir entschlossen sind, sie aufzuhalten,
egal mit welchem Risiko ... "
Das militärische
Gesamtbild für die Union, in Assoziation mit möglichen Auswirkungen
auf der politischen Ebene, malte sich im Hochsommer 1864 in düsteren
Farben: Der Red-River-Feldzug (März-Mai 1864) des inkompetenten
Major General Nathaniel P. Banks, gegen Grants Widerstand initiiert,
war längst kläglich gescheitert, Sherman hatte Atlanta noch
nicht eingenommen,
und der langwierige, durch taktische Mißerfolge frustrierende
Belagerungskrieg entlang der Petersburg-Richmond-Front lief auf vollen
Touren. Sheridan wurde mit Nachdruck suggeriert, daß Siege im
„Valley" von unbedingter militärischer und politischer
Notwendigkeit waren. Die Bedrohung Washingtons durch konföderierte
„Raiders" hatte ein für alle mal aufzuhören.
Dazu Sheridans Kommentar, der wohl eher auf späterer Einsicht
basierte:
„Die Behörden von Washington machten mir klar, daß
eine Niederlage meiner Armee durch eine Niederlage der herrschenden
Partei gefolgt werden könnte,
ein Ereignis, das - wie geglaubt wurde - zumindest den Fortgang des
Krieges verlangsamen, wenn nicht in der Tat zu einer vollständigen
Aufgabe aller zwingenden Maßnahmen führen würde."
(P. H. Sheridan, PERSONAL MEMOIRS, Volume 1, 1888)
Sheridans, für
die Groß-Offensive eigens zusammengezogene Army of the Shenandoah,
im Endeffekt etwa 48´000 Mann, setzte sich aus 4 Hauptkomponenten
zusammen:
VI.
Korps
Major-General Horatio G. Wright
1. Division:
Brigadier-General David A. Russell
Brigaden: Campbell,
Upton und Edwards
2. Division:
Brigadier-General George W. Getty
Brigaden: Wheaton, Warner und Bidwell
3. Division:
Brigadier-General James B. Ricketts
Brigaden: Emerson und Keifer.
1 Artillerie-Brigade:
Colonel Charles H. Tompkins
XIX. Korps Brevet
Major-General William H. Emory
1. Division:
Brigadier-General William Dwight
Brigaden:
Beal, McMillan und Currie
2. Division:
Brigadier-General Cuvier Grover
Brigaden:
Birge, Molineux, Sharpe und Shunk
Army of Western Virginia
VIII. Korps Brevet
Major-General George Crook (Hunters Nachfolger)
1. Division:
Colonel Joseph Thoburn
Brigaden: Wells,
Northcott und Harris
2. Division:
Colonel Isaac H. Duval
Brigaden:
Hayes und Johnson
1 Artillerie-Brigade:
Captain Henry A. Dupont
Kavallerie-Korps Brevet
Major-General A. T. A. Torbert
1. Division:
Brigadier-General Wesley Merritt
Brigaden:
Custer, Devin und Lowell
2. Division:
Brevet Major-General William W. Averell
Brigaden:
Schoonmaker und Capehart
3. Division:
Brigadier-General James H. Wilson
Brigaden: McIntosh und Chapman
Strategische Manöver
„Die
restlichen Wochen des August und die erste Hälfte des September
ging vorbei, ohne daß es zu einer Kraftprobe zwischen den Kommandos
von Early und Sheridan kam, als ob beide Generäle die Stärke
und Pläne des jeweils anderen testen wollten, bevor sie sich
in eine ausgewachsene Schlacht stürzten. Auf Earlys Seite war
eine solche Strategie gesund, weil die Zeit genutzt werden konnte,
um zu ernten und es wichtiger für die Konföderation war,
daß der Kanal und die „Baltimore & Ohio-Eisenbahn"
von Unionstruppen freigehalten wurden als eine Schlacht zu schlagen.
Des weiteren verlangte Sheridans gröbere Stärke für
den Moment eine defensive konföderierte Taktik.
Als Sheridan seine Truppen in der Umgebung von Harper's Ferry sammelte,
zog daher Early seine Divisionen vom Potomac zurück in die Gegend
von Martinsburg.
Anfang August wartete er dort ab, um zu sehen, was Sheridan beabsichtigte."
Edward J. Stackpole, SHERIDAN IN THE SHENANDOAH, 1961

US-General
Torbert (Mitte) und sein Stab
Anfang August
1864 zog sich Early weitere 12 Meilen südwestlich nach Bunker
Hill zurück.
Hier war seine rechte Flanke weniger exponiert, aber er bedrohte weiterhin
die Baltimore & Ohio Railroad,
über die Sheridan einen Teil seines Nachschubs bezog.
Am 10. August startete Phil Sheridan sein erstes Offensiv-Manöver
im Shenandoah-Tal. Seine Marschkolonnen erstreckten sich von Clifton
bis nach Berryille, Front und Flanke durch Kavallerie gedeckt. Sheridan
beabsichtigte eine von Südosten gegen Earlys rechten Flügel
gerichtete,
strategische Flankenbewegung mit dem Ziel, dem Südstaatengeneral
den Rückzug abzuschneiden.
Doch Early durchschaute
Sheridans Strategie. Simultan zu Sheridans Vormarsch, gab der Virginier
seine Position auf und marschierte weiter nach Süden, passierte
Winchester und bezog südlich von Strasburg, entlang einer eminenten
Erhebung, die Fisher's Hill genannt wurde, eine vorzügliche Defensivposition.
Sheridans Plan war fehlgeschlagen, ihm war aber zumindest gelungen,
das untere Tal von den Konföderierten zu säubern, allerdings
war die Frage, für wie lange.
Der Yankee-General
hatte seine Armee entlang des Cedar Creek, südlich von Middletown,
konzentriert. Sheridan erkannte, daß diese Position alles andere
als optimal war, weder für die Offensive noch die Defensive.
Die Konföderierten waren in der Lage, ihn von zwei Seiten gleichzeitig
anzugreifen:
Einmal der schlüpfrige Early in seiner Front, und zum anderen
von der Petersburg-Front detachierte Verstärkungen, die Sheridan
über Front Royal durch Passieren
des Manassas oder Chester Gap in die Flanke fallen konnten.
Am 14. August 1864 depeschierte
Grant an Sheridan durch Chief of Staff Halleck:
„Es ist nun sicher, daß zwei Divisionen Infanterie zu
Early gestoßen sind, dazu einige Kavallerie und 20 Geschütze
Artillerie...
(Sheridan) muß vorsichtig sein und sich nun defensiv verhalten,
bis die Bewegungen hier (Petersburg) sie zwingen, sie abzukommandieren
und in diese Richtung zu schicken.
Mit dieser Verstärkung kann Earlys Streitmacht nicht mehr als
40´000 Männer betragen, aber das ist zuviel für
Sheridan, um anzugreifen..."Tatsächlich befanden
sich konföderierte Truppenkontingente auf dem Weg ins „Valley",
um Early zu verstärken. Am 4. August 1864 hatte General Lee
erfahren, daß die Nordstaatler zusätzliche Truppen von
der Petersburg-Linie abzogen. Lee zog daraus seine Schlüsse
und schrieb an Präsident Jefferson Finis Davis:
„Ich fürchte, diese Armee beabsichtigt, gegen General
Early zu operieren, und wenn sie jene verstärkt, die bereits
gegen ihn stehen, könnte es mehr sein als er verkraften kann.
Ihr Ziel könnte sein, ihn aus dem Tal zu vertreiben und die
Verheerungen, die (Hunter) begonnen hat, zu vervollständigen,
als er hinausgedrängt worden war."
Im Konsens mit dem Präsidenten, wurden die Infanterie-Division
von Major General Joseph B. Kershaw (Brigaden: Conner, Wofford,
Humphreys und Bryan),
das Artillerie-Bataillon von Major Wilfred E. Cutshaw und die Kavallerie-Division
von Major General Fitzhugh Lee (Brigaden: Wickham, Rosser und Payne)
- Robert Lees Neffe -, etwa 9.000 Mann, zur Unterstützung Earlys
von der Army of Northern Virginia abkommandiert. Sämtliche
Truppen unterstanden dem Interims Kommandeur des I. Korps, Lieutenant
General Richard H. Anderson.
Lee verfolgte
grundsätzlich die Strategie, die er bereits im Juni 1864 angewandt
hatte: Die Bindung feindlicher Truppen, zur Schwächung des
Drucks auf die „Doppelfestung" Petersburg/Richmond. Es
rückte aber ein logistisch-ökonomischer Faktor in den
Vordergrund, der für die ausblutende Konföderation zunehmend
an Bedeutung gewann:
Die Sorge um eine systematische Zerstörung der ertragreichen
„Kornkammer der Konföderation" und die Abschneidung
vom „Valley" durch Angriffe auf die lebenswichtige Virginia
Central Railroad, die bis dato pariert werden konnten.
Durch vorteilhaften Einsatz der Bahnlinien bis Culpeper, erreichte
Andersons Kommando am 14. August das nördliche Ende des Luray
Valley bei Front Royal und stand somit an Sheridans linker Flanke.
Die Gesamtstärke der
Südstaatler betrug keine 40´000 Mann - in Wirklichkeit
waren es ca. 23´000, also rund 7´000 Mann weniger als
Sheridans augenblickliche Effektivstärke -, doch sah sich der
Unions General in Anbetracht von Andersons Erscheinen dazu veranlaßt,
vorsichtshalber zum Rückzug zu blasen.
„Grant hatte ihm Vorsicht geboten; Vorsicht bekam er geliefert."
(Shelby Foote)
Ein intensives Kartenstudium enthüllte Sheridans geschultem
Auge nur eine in Frage kommende Defensivposition, die er zu beziehen
gedachte:
der operative Ausgangspunkt in Halltown, einige Meilen südlich
von Harper's Ferry gelegen,
wo beide Flanken der Unions-Armee durch den Potomac und Shenandoah
River geschützt waren.
In der Nacht zum 16. August
1864 leitete Sheridan seine Rückwärtsbewegung ein, die
Konföderierten nahmen am 17. die Verfolgung auf. Unterwegs
kam es zu obligatorischen Vorhut-Nachhutgefechten und Scharmützeln
der feindlichen Kavallerieverbände, die die abtastenden, strategischen
Manöver von Early und Sheridan bislang tagtäglich begleitet
hatten und weiterhin begleiten würden. Grants Direktiven folgend,
wurde Getreide und Heu vernichtet, Pferde, Mulis, Rinder und sonstiges
Vieh zum Verzehr/Gebrauch der Unionstruppen requiriert.
Am 22. August kamen die Yankees, nach einem mühsamen Marsch
durch Regen und Morast, in Halltown an und bezogen ihre alten Stellungen.
Am selben Tag besetzte Early Charlestown, 5 Meilen südwestlich
von Halltown, und setzte seine Störaktionen entlang der Baltimore
& Ohio Railroad fort,
nun abermals in der Position, den Potomac zu überqueren und
auf Washington zu marschieren.
„Für
so einen angriffslustigen General wie Sheridan war die Entscheidung,
sich von einer vorgeschobenen Position zurückzuziehen, ohne eine
Schlacht zu schlagen und denselben Weg nach Halltown zurückzugehen,
Zeugnis für ein hohes Maß an moralischem Mut. Er wußte,
daß die Hoffnungen der Regierung an diesen Feldzug und an die
Ausweitung seiner Operationen im Zusammenwirken mit Grant in Petersburg
geknüpft waren.
Er wußte ebenfalls, was für einen Auftrieb für Lincolns
politische Kampagne für die Wiederwahl als Präsident es
bedeuten würde, wenn die nördlichen Wahlmänner durch
einen klaren Sieg im Feld eine „Aufmunterung" erhielten.
Diese Faktoren schätzte Sheridan in Verbindung mit den strengen
militärischen Folgerungen ein.
Er gelangte zu dem Ergebnis, daß ein strategischer Rückzug
trotz der mit Gewißheit folgenden öffentlichen Enttäuschung
und des Verlustes der Truppenmoral
im Moment eine weise Entscheidung war. " Edward J. Stackpole,
SHERIDAN IN THE SHENANDOAH, 1961
US-General
David Hunter
In der fatalen
Annahme bestärkt, bei Sheridan handle es sich um einen Yankee-General
vom Schlage eines Hunter, „ohne Unternehmungsfreude", der
„übertriebene Vorsicht bewies, die auf Ängstlichkeit
hinauslief", beging Early einen gravierenden psychologischen
Fehler und bewies ein getrübtes Urteilsvermögen: Er ließ
sich dazu verleiten, seinen Kontrahenten zu unterschätzen, mehr
noch, er empfand für ihn schneidende Verachtung, die sich in
leichtfertige, übertriebene Zuversicht auswuchs.
„Wenn es seine Politik war den Eindruck zu erwecken, daß
er zu schwach war, gegen mich zu kämpfen, war er nicht erfolgreich;
aber falls er mich überzeugen wollte, daß er kein energischer
Führer war, war seine Strategie ein vollständiger Erfolg",
konstatierte Early Jahre später.
Am 25. und 26. August demonstrierte Early entlang des Potomac River,
um Sheridan den Eindruck zu vermitteln, es stände eine erneute
„Invasion" bevor. Dieser offensichtlich unkluge Schachzug
ließ Andersons Kommando isoliert in Charlestown zurück.
Sheridan, der noch immer nicht wußte, wie stark die Konföderierten
wirklich waren, ließ sich die einmalige taktische Gelegenheit
entgehen, Andersons isolierte Truppen aufzureiben. Am 27. August brachte
Early seine Kolonnen wieder südwärts und rekonzentrierte
seine Armee bei Bunker Hill. Sheridan folgte Early tags darauf und
besetzte Charlestown; General Torberts Kavallerie stand südlich
und westlich des Opequon Creek.
Am 3. September 1864 verließ die Army of the Shenandoah Charlestown
und marschierte nach Berryville, 10 Meilen südwestlich gelegen.
Hier begannen die Nordstaatler mit der Konstruktion von Feldbefestigungen,
die von Berryville bis nach Summit Point, über eine Strecke von
8 Meilen, reichten. Early ging am 4. und 5. September mit Sheridans
neuer Defensiv-Linie auf Tuchfühlung, bevor er sich am 6. September
ins Areal von Winchester, 10 Meilen südwestlich von Summit Point,
zurückfallen ließ.
Vom 6. bis 18. September 1864 verweilten die beiden Armeen stationär
in ihren Stellungen, getrennt durch den Opequon Creek.
Am 2. September
1864 hatte Washington, D. C. eine wichtige Nachricht von General Sherman
erreicht, die in der Bevölkerung allgemeine Begeisterung auslöste
und in der Administration für erhebliche Erleichterung sorgte:
„Atlanta ist unser und ehrlich gewonnen!" Es schien,
als sei die Union nun doch auf der Straße des Sieges; Shermans
bedeutungsvoller Sieg
- psychologisch motivierend wie stimulierend - hatte maßgeblichen
Einfluß an der politischen Front: „Es begann sich
der Glaube auszubreiten,
daß die furchtbaren Opfer nicht umsonst gewesen waren. Es gab
eine Vorstellung, daß vielleicht mehr Siege benötigt wurden,
diesen Glauben aufrecht zu erhalten;
aber der Sinn war klar: die Winde, militärisch wie politisch,
hatten sich entscheidend in Richtung auf Operationen im Shenandoah
Valley gewendet." (Jeffry D. Wert)
In der breiten Öffentlichkeit wuchs die Unzufriedenheit über
Sheridans Politik des „Nichtstun" und entfesselte, allen
voran die Presse, einen ansehnlichen Sturm der Kritik; durchgreifende
Offensivmaßnahmen wurden gefordert.
Selbst in der Regierung waren erste Anzeichen der Irritation feststellbar:
„Sheridan und Early stehen sich beide auf einem toten Punkt
gegenüber",
drahtete Präsident Lincoln am 12. September 1864 an Grant. „Können
wir nicht hier und da ein Regiment zusammenziehen ...
und still aber unvermittelt in Sheridans Camp konzentrieren, um ihn
in den Stand zu setzen, zuzuschlagen? Das ist nur ein Vorschlag."
Zwar hatte General
Grant in den vergangenen Wochen Sheridans vorsichtiges Taktieren unterstützt,
es sogar nahegelegt, nun wurde aber auch er von Ungeduld gepackt.
Denn im Hinblick auf Shermans Atlanta-Sieg, war der Befehlshaber der
Middle Military Division nicht länger an eine unbedingte Defensivstrategie
gebunden,
die primär den bisherigen, politischen Erwägungen zugrunde
gelegen hatte.Grant begab sich daher höchstpersönlich nach
Charlestown,
wo er am 17. September 1864 mit Sheridan konferierte. Dieser hatte
sich zu Grants Zufriedenheit gut vorbereitet und versicherte seinem
Vorgesetzten voller Selbstvertrauen,
er könne die Konföderierten schlagen. Dazu Grant in seinen
Memoiren:
„Bevor ich aufbrach, hatte ich einen Feldzugsplan für Sheridan
entworfen, den ich mitbrachte, aber als ich sah, daß er so klar
und positiv in seinen Anschauungen war und so überzeugt vom Erfolg,
sagte ich nichts darüber und nahm ihn nicht aus meiner Tasche."
Sheridan hatte
etwa zur gleichen Zeit, als Grant seinen Besuch abstattete, aus sicherer
Quelle in Erfahrung gebracht, daß Kershaws CS-Division das Shenandoah-Tal
verlassen hatte. Tatsächlich hatte Kershaws Kommando, unter dem
direkten Befehl von General Anderson, nach Abstimmung mit Early und
dem Armeehauptquartier,
Winchester am 14. September 1864 in Richtung Culpeper verlassen, von
wo aus Petersburg/Richmond in wenigen Stunden mit der Bahn zu erreichen
war.
General Lee benötigte Verstärkungen, da er Pläne für
eine Offensive schmiedete, um Grants harten Griff auf Petersburg zu
lokkern. Early hatte sich mit der Zustimmung zu Kershaws Transferierung,
geboren aus übertriebener Selbstsicherheit, entscheidend geschwächt;
darüber unterrichtet, ergriff Sheridan die Offensive.
Opequon
Creek (Third Winchester)
In der nach wie
vor bestehenden Fehleinschätzung der Unternehmungsfreudigkeit
seines Gegners, hatte General Early am 18. September 1864 in einer
kühnen, aber leichtsinnigen Bewegung seine 4 Infanterie-Divisionen
in Süd-Nord-Richtung, in einer Linie von ca. 12 Meilen, von Winchester
nach Bunker Hill, zerstreut; die Kavallerie deckte die Flanken. Earlys
Erklärung:
„Die einzige Möglichkeit, meine Truppen zu benutzen, war,
daß sie sich sehr schnell an verschiedenen Punkten zeigten und
dabei den Eindruck aufrechterhielten, daß sie viel größer
seien als sie tatsächlich waren."
Sheridan, der über Earlys Stärke (ca. 18´000 Effektive)
und Dispositionen optimal informiert war, beschloß die Rebellen
mit seinen 37´000 Effektiven bei Winchester anzugreifen, die
dort stehende Division zu schlagen, dann die Front nach Norden aufzurollen
und die restlichen Divisionen vereinzelt („Defeat in detail")
zu vernichten, bzw. diesen den Rückzug abzuschneiden. Der Vormarsch
der Union begann am Morgen des 19. September 1864, angeführt
von Wilsons
Kavallerie-Division.
Allerdings beging Sheridan einen gravierenden taktischen Fehler,
als er 2 seiner Infanterie-Korps durch den engen, bewaldeten Berryville-Canyon
führte,
was einen regelrechten Stau verursachte und den Zeitplan des Yankee-Generals
um 4 kostbare Stunden zurückwarf. Das Überraschungsmoment
war jedenfalls verspielt. Kurz vor Mittag griffen 3 Divisionen vom
Vl. und XIX. Korps Ramseurs CS-Division bei Stephensoris Depot an
und drängten die Konföderierten nach Winchester zurück.
Jedoch hatte Sheridans enormer Zeitverlust es General Early ermöglicht,
seine Truppen zu rekonzentrieren.
US Major-General
Phil Sheridan wird von seinen Truppen gegrüßt.
Early warf Rodes
und Gordons Divisionen in einem heftigen Gegenangriff ins Gefecht.
Gordons wütende Attacke brachte die gelichteten Reihen des XIX.
Korps in ärgste Bedrängnis.
Rodes Division fuhr wie ein spitzer Keil in die klaffende Lücke,
die durch taktische Fehler zwischen den beiden US-Korps entstanden
war; das Vl. Korps verlor sichtlich den Boden.
Sheridan brachte in diesem kritischen Augenblick Russels Reserve-Division
in die Schlacht,
die die Angreifer zurückwies und die Unions-Armee vor einer möglichen
Katastrophe bewahrte.
Während sich
die beiden ausgebluteten Kommandos in einer Feuerpause ausruhten,
gab Sheridan, auf Generals Crooks Vorschlag, diesem Weisung,
sein Korps in einer taktischen Flankenbewegung ungesehen an Earlys
linken Flügel heranzuführen. Kurz nach 15.00 Uhr stürmten
Crooks Einheiten vor,
gefolgt von Averells und Merritts Kavallerie-Divisionen, die von Norden
Druck ausübten. Die Südstaatler kämpften tapfer und
hinhaltend, doch eine massierte Kavallerieattacke riß ihre Front
schließlich auf. Nach einem erneuten Angriff von Sheridans Infanterie
auf den rechten Flügel und das Zentrum von Earlys Armee,
mußte sich dieser geschlagen geben und den Rückzug antreten.
Allein Sheridans zahlenmäßige Überlegenheit war für
seinen Sieg ausschlaggebend gewesen. Abraham Lincoln beförderte
ihn zur Belohnung prompt zum Brigadier General in der Regular Army.
Die Verlustzahlen: Union, 697 Tote, 3´983 Verwundete und 338
Vermißte. General Russell war gefallen, Upton, McIntosh und
Chapman wurden verwundet.
Konföderierte, 276 Tote, 1´827 Verwundete und 1.818 Gefangene/Vermißte;
gefallen waren die Generäle Rodes und Godwin, Fitz Lee und York
erlitten Verwundungen.
„Die
Schlacht am Opequon Creek bietet insofern besonderes Interesse, als
sie auch im Shenandoah-Tal, in welchem das Kriegsglück den Konföderierten
besonders treu gewesen war, den Wendepunkt des letzteren bezeichnete,
während sie andererseits die erste Schlacht im ganzen amerikanischen
Kriege war, in welcher sich der Sieger entschlossen und kräftig
genug fühlte, durch eine energische Verfolgung die errungenen
Vorteile vollständig auszunutzen."
Constantin Sander, GESCHICHTE DES VIERJÄHRIGENBÜRGER KRIEGES
IN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA, 1865
Fisher's
Hill
In der Nacht zum
20. September 1864 zogen sich die Konföderierten nach Fisher's
Hill zurück und besetzten dort die alten Gräben, 1 Meile
südlich von Strasburg
und 20 Meilen von Winchester entfernt. Fisher's Hill war eine hohe,
steile Erhebung, die von der Natur für die taktische Defensive
wie geschaffen war und,
falls adäquat besetzt, geradezu uneinnehmbar schien. Doch mit
weniger als 10´000 Mann war Early nicht in der Lage, seine Linien
so weit auszudehnen,
daß seine Stellungen jedem Ansturm hätten standhalten können.
Entscheidender Schwachpunkt in Earlys Dispositionen war die Postierung
der demoralisierten, abgesessenen Kavallerie von General Lomax am
linken Flügel, der verwundbarsten Stelle.
Phil Sheridan erreichte am späten Abend des 20. September mit
etwa 20´000 Effektiven Fisher's Hill. Sheridan war anhand seiner
topographischen Studien vom August die Problematik des schwierigen
Geländes, das einem Frontalangriff wenige Erfolgschancen einräumte,
bestens bekannt. Wieder war es George Crook,
der gegen den Widerspruch der anderen Korps-Kommandeure, Wright und
Emory, einen Flankenangriff vorschlug. Sheridan stimmte zu.
Crooks Attacke wurde für den 22. September festgesetzt. Gleichzeitig
erhielt General Torbert Befehl, mit 2 Kavallerie-Divisionen das Luray
Valley zu durchqueren,
die Massanutten Mountains zu passieren, um Early den Rückzug
abzuschneiden.
Derweil Wright
und Emory am 21. und 22. September damit beschäftigt waren, ihre
Truppen in Schlachtlinie zu formieren - begleitet von Scharmützeln
und Artillerieduellen -, dirigierte Crook sein Korps über eine
verborgene Route über den Little North Mountain und stand am
Nachmittag des 22. an Earlys schwacher, linker Flanke.
Gegen 16.00 Uhr überrannten Crooks Divisionen unter Thoburn und
Colonel Rutherford B. Hayes (Duvals Nachfolger) Lomax' überraschte
Kavallerie.
General Ramseurs Infanterie-Division (vormals Rodes) stellte sich
den Angreifern mutig entgegen, jedoch brach der Widerstand der konföderierten
Armee,
die drohte, völlig umfaßt zu werden, zusammen, als auch
Emory und Wright ins Kampfgeschehen eingriffen. Unter dem Schutz der
Nacht zog sich Earlys schwer angeschlagene Army of the Valley nach
Süden zurück und nahm Ende September 1864 zwischen Staunton
und Waynesboro Aufstellung.
Obwohl es General Torbert nicht gelungen war, den Konföderierten
den Fluchtweg zu verlegen,
hatte Sheridan innerhalb von 4 Tagen einen weiteren bedeutenden Sieg
errungen. Ohne entscheidende Resultate zu erzielen,
verfolgte Sheridan Early bis Port Republic, machte dann aber kehrt
und ging auf Harrisonburg zurück.
Verluste: Union, 52 Tote, 457 Verwundete, 19 Vermißte; Konföderierte,
30 Tote, 210 Verwundete, 995 Gefangene und Vermißte.
Intermezzo
Wie Sherman, war
auch Sheridan ein ausgesprochener Exponent der „totalen Kriegsführung":
„Ich bin nicht der Meinung, daß ein Krieg lediglich bedeutet,
daß Linien von Soldaten gegeneinander in der Schlacht kämpfen
und die materiellen Interessen ignoriert werden können. Dies
wäre nur ein Duell, in dem ein Kämpfer versucht, dem anderen
das Leben zu nehmen. Krieg bedeutet viel mehr und ist viel schlimmer
als das ...
... Der Verlust von Besitz wiegt schwer für die meisten Menschen:
häufig schwerer als die Opfer auf dem Schlachtfeld.
Im Allgemeinen wird der Tod als die größte Strafe im Krieg
angesehen, aber er ist es nicht; der Sturz in die Armut bringt viel
sicherer und schneller als die Zerstörung von menschlichem Leben
Gebete für den Frieden ... " (P. H. Sheridan, PERSONAL
MEMOIRS, Volume 1, 1888)
CSA-Colonel
John S. Mosby
Die systematische Zerstörung des Shenandoah-Tals, am Ausmaß
der Verheerungen gemessen, lediglich von Shermans Marsch durch Georgia
und die Carolinas übertroffen, wurde in weniger als 2 Wochen
(25. September bis B. Oktober 1864) in gründlicher Manier in
die Tat umgesetzt:
„Beim Rückzug nach Woodstock wurde das gesamte Land von
den Blue Ridge Mountains bis zu den North Mountain durch eine Rebellenarmee
unbewohnbar gemacht ...
Die Verwüstung umfaßte das Luray Valley und das Little
Ford Valley ebenso wie das Main Valley", berichtete Sheridan
an Grant.
Die Verwüstungen betrafen nicht das „Upper Valley",
wo Early sich weiterhin aufhielt.
Hier das Endergebnis von Sheridans trauriger Bilanz: Requiriert oder
vernichtet wurden 1.200 Scheunen, 71 Getreidemühlen,
8 Sägemühlen, 7 Schmelzöfen, 4 Gerbereien, 3 Salpeter-Werke,
1 Woll-Mühle, 1 Pulver-Mühle, 1 Eisenbahndepot,
1´165 Pfund Baumwolle, 974 Meilen Schienenstrang, 15´000
Schweine, 12´000 Schafe, 10´918 Rinder, 3´772 Pferde,
545 Mulies, 250 Kälber, 435´082 Scheffel Weizen, 77´176
Scheffel Korn, 20´397 Tonnen Heu, 500 Tonnen Futter, 450 Tonnen
Stroh,
12´000 Pfund Speck, 10´000 Pfund Tabak und 874 Barrels
Mehl.
Die unablässigen Aktivitäten diverser Guerilla-Banden, hervorzuheben
wäre die von Colonel John S. Mosby, bereiteten Sheridan einiges
Kopfzerbrechen:
„Seit ich in das Tal kam, wurde von Harper's Ferry bis Harrisonburg
jeder Zug, jede kleine Abteilung, jeder Nachzügler aus dem Hinterhalt
überfallen."
Sheridans Anstrengungen,
vor allem Mosby und seine Spießgesellen auszuschalten, erwiesen
sich als vergeblich und sorgten wohl für eine der größten
Frustrationen in der Karriere des irischen Energiebündels.
Grants wiederholte „Vorschläge", die Offensive östlich
der Blue Ridge Mountains fortzusetzen, um das Kommunikationszentrum
Charlottesville und den James River Canal zu bedrohen, stießen
bei Sheridan, der auf logistische Schwierigkeiten hinwies, auf unerwartete
Ablehnung:
„Die beste Politik wird sein, diesen Feldzug durch ein Verbrennen
der Ernte im Tal zu beenden, um einen Teil dieser Armee zu veranlassen,
woanders hinzugehen."
Grant akzeptierte, obwohl enttäuscht, Sheridans Argumente und
ließ die Angelegenheit auf sich beruhen.
Bis zur spektakulären Schlacht von Cedar Creek, kam es zu ausschließlich
einem nennenswerten Waffengang. Am 9. Oktober 1864 erlitt die dezimierte
Südstaatenkavallerie unter dem Befehl der an sich befähigten
Generäle Tom Rosser (Fitz Lees Nachfolger) und Lunsford Lomax
in dem Reitergefecht von Tom's Brook
(populär „The Woodstock Races") ihre vielleicht schmachvollste
Niederlage. Auf markante Weise dokumentierten die Sieger dieses Treffens,
Wesley Merritt
und George A. Custer (Wilsons Nachfolger) - zwei der erfolgreichsten
und führungsstärksten Reiteroffiziere des Nordens - die
eindeutige Überlegenheit der Unions-Kavallerie, im dramatischen
Endstadium des Amerikanischen Bürgerkrieges.
Cedar
Creek
Während Sheridans
„Räuberbande" - wie die Unionsarmee verächtlich
genannt wurde - darin vertieft war, das „Valley" in Schutt
und Asche zu legen, plante Jubal Early ein „Comeback".
Zwar hatte er viel von dem Vertrauen, das Offiziere und Mannschaften
in seine Feldherrnfähigkeit gesetzt hatten, durch seine September-Niederlagen
eingebüßt, ganz zu schweigen von der Kritik und dem steigenden
Mißtrauen in öffentlichen Kreisen, aber der Virginier gab
sich trotz allem nicht geschlagen.
Durch die umgehende Rückkehr von Kershaws 3´000 Mann verfügte
Early, der fest dazu entschlossen war, offensiv zu operieren, über
etwa 13´000 Effektive.
Bestärkt wurde Early durch eine Depesche von General Lee,
in der es u. a. hieß: „Ich weiß, Sie haben sich
Mühe gegeben, . . . um zu gewinnen, und ich glaube, daß
Sie alles in Ihrer Macht stehende getan haben, damit es gelingt.
Sie dürfen nicht entmutigt sein, sondern müssen es weiter
versuchen. Ich vertraue auf Ihr Urteil und Ihre Fähigkeit, und
mit der aufrichtigen Kooperation Ihrer Offiziere und Mannschaften
wird es gelingen. Mit Ihrer vereinigten Streitmacht kann das Werk
vollendet werden."
Nach Tom's Brook brachte Early seine ausgezehrten Truppen nordwärts
nach Fisher's Hill, dem Schauplatz der jüngsten Niederlage, wo
die Konföderierten am 13. Oktober 1864 lagerten. Die Unions-Armee
stand kaum 3 Meilen in nordöstlicher Richtung entfernt auf dem
Nordufer des Cedar Creek. Earlys Hoffnungen,
Sheridan würde entweder angreifen oder sich zurückziehen,
bestätigten sich nicht. Da ihm allmählich die Vorräte
ausgingen, sah sich Early gezwungen,
„sich wegen des Mangels an Ausrüstung und Lebensmitteln
zurückzuziehen oder den Feind in seiner Stellung anzugreifen,
in der Hoffnung, ihn zu vertreiben,
und ich entschied mich, anzugreifen."
Sheridan hatte
die Army of the Shenandoah am 10. Oktober 1864 wie folgt postiert:
Auf dem äußersten rechten Flügel standen Merritts
und Custers Kavallerie-Divisionen; an diese schloß sich das
Vl. Korps an; das Zentrum bildete das XIX. Korps; auf dem linken Flügel
befand sich das VIII. Korps.
Zeitgenössische
Skizze einer Attacke von Sheridans Kavallerie gegen Südstaatenreiter
im Shenandoah-Tal.
Dem Urteil von
Jeffry D. Wert zufolge, war die Position am Cedar Creek für die
taktische Defensive ziemlich ungeeignet: „Der Unionskommandant
schwächte die durch natürliche Gegebenheiten ungünstigen
Stellungen seiner Truppen zusätzlich durch fehlerhafte Dispositionen."
Insbesondere die Linke war leicht anfällig für einen geschickt
vorgetragenen Flankenangriff.
Sheridan reiste am 15. Oktober zu einer Lagebesprechung nach Washington.
Die temporäre Befehlsgewalt ging an den Senior-Korps Kommandeur,
General Wright.
Der zu allem entschlossene General Early billigte zwischenzeitlich,
ohne langes Zögern, einen höchst anspruchsvollen, geradezu
brillanten Schlachtplan,
den General Gordon und Major Jed Hotchkiss ausgeklügelt hatten:
„Einem Nachtmarsch rund um den nördlichen Steilhang
von Massanutton folgte eine Überquerung des Shenandoah nahe Fisher's
Hill.
Diese Bewegungen würden eine Rücküberquerung des Flusses
hinter dem Zusammenfluß mit dem Cedar Creek erlauben.
Auf diese Weise würde eine flankierende Kolonne in direkter Konfrontation
mit der ahnungslosen Unionslinken plaziert werden können,
die mit dem ersten Tageslicht angegriffen werden konnte, um weitere
Angriffe auf Emory und Wright vorzubereiten, so bald Crook's Position
überrannt war."
(S. Foote, THE CIVIL WAR, Volume 3, 1974)
Im Morgengrauen
des 19. Oktober 1864 war es dann soweit. Eingehüllt in einen
dichten Nebel, griff General Gordon mit 4 Divisionen (Kershaw, Ramseur,
Pegram, Evans) südlich der „Valley Turnpike" die Lager
des schlafenden VIII. Korps an, unterstützt durch eine weitere
Division (Wharton), die nördlich der Straße vorging.
Wie eine unaufhaltsame Lawine, fegten die Rebellen über die schlaftrunkenen
Yankees hinweg. Die Korps von Crook und Emory befanden sich bald in
völliger Auflösung, lediglich das Vl. Korps und die Kavallerie
behielten ihre Organisation bei. General Wrights Korps war in der
Lage, einige Angriffe der Südstaatler zu parieren,
bevor es sich dem allgemeinen Rückzug nach Nordosten anschloß.
Anstatt die errungenen Vorteile auszunutzen und den geschlagenen Feind
zu verfolgen,
stoppte Early die Offensive, was Gegenstand heftiger Kontroversen
wurde.
Die erschöpften
und hungrigen Konföderierten wollten die Früchte ihres überragenden
Sieges genießen und machten sich demgemäß über
die reiche Beute her.
Schließlich sorgte Early durch Umgruppierung wieder für
Ordnung in seinen Reihen und formierte eine Defensiv-Linie nördlich
von Middletown.
„An diesem Punkt hatte Sheridan seinen theatralischen Auftritt,
indem er von Winchester losritt, seinen Hut schwenkte und seine Truppen
sammelte,
als er eintraf. Mit rotem Gesicht, sein Pferd schaumbedeckt,
stürmte er zwischen seine mutlosen Männer, die sein Erscheinen
mit Jubel begrüßten, und brüllte: „Verdammt
sollt ihr sein! Hört auf zu jubeln!
Ihr habt noch viel Kampfgeist in euch! Vorwärts! Gott verdammt!
Vorwärts!" (Hattaway/Jones, HOW THE NORTH WON, 1983)
Dies geschah gegen
10.30 Uhr. Sheridan reformierte das Vl. und XIX. Korps und stellte
die Kavallerie an die Flanken. Gegen 15.45 Uhr führte Early mit
3 Divisionen
einen schwachen Angriff auf die Rechte der Union. Dabei entstand eine
Lücke, die Sheridan effektiv ausnutzte, als er gegen 16.00 Uhr
einen Gegenangriff befahl.
Die Südstaatler leisteten erbitterten Widerstand. Aber hart auf
dem linken Flügel bedrängt, gaben ihre Linien nach und brachen,
von links nach rechts, auseinander.
Was jetzt einsetzte, war kein geordneter Rückzug, sondern eine
heillose Flucht nach Fisher's Hill. Eine Verfolgung gab es nicht.
„Early hätte wirklich behaupten können, daß
er nicht nur einen beinahe beispiellosen Sieg am Morgen errungen,
sondern daß er die Früchte dieses Sieges fortgetragen hatte,
obwohl er von einer überlegenen Zahl Feinde aus einer unhaltbaren
Stellung vertrieben worden war, die er unklugerweise und zu lange
gehalten hatte,
als er weder sofort dem zurückweichenden Feind gefolgt war, als
dieser am Morgen geflüchtet war, noch sich rasch mit der großen
Ehre, gewonnen zu haben,
zurückgezogen hatte." (J. Hotchkiss, CONFEDERATE MILITARY
HISTORY; Volume 4, 1987)
Earlys Kommentar: „Die Yankees wurden geschlagen, und wir
wurden ängstlich."
Verluste: Von Sheridans 31´000 Effektiven wurden 644 getötet,
3´430 verwundet und 1´591 vermißt gemeldet.
Early verzeichnete 320 Tote, darunter General Ramseur, 1´540
Verwundete und 1´050 Vermißte.
Der Sieg am Cedar Creek war die Krönung von Sheridans entscheidender
Shenandoah-Kampagne und brachte ihm einen weiteren Generalsstern der
Regulären ein.
Ferner unterminierte er durch seinen Erfolg die ohnedies schwindende
Moral im Süden und unterstützte Abraham Lincolns Wiederwahl
im November 1864.
Schlußwort
Die Schlacht von
Cedar Creek, so schrieb Sheridan in seinem offiziellen Bericht, „beendete
praktisch den Feldzug im Shenandoah-Tal. Als wir ihn eröffneten,
fanden wir unseren Feind großmäulig und selbstsicher und
unwillig anzuerkennen, daß die Soldaten der Union ihm ebenbürtig
an Mut und Männlichkeit waren.
Als die Kampagne mit Cedar Creek abgeschlossen wurde, war ihm dieser
Eindruck genommen worden und hatte einer vernünftigen Anschauung
Platz gemacht und einem starken Drang, den Kampf einzustellen. Die
allerbesten Truppen der Konföderation waren nicht nur geschlagen,
sondern sie waren in nachfolgenden Kämpfen vertrieben worden,
bis ihr Kampfgeist und ihr Esprit zerstört waren. Doch um diese
Erfolge zu erzielen, waren unsere Verluste an Offizieren und Mannschaften
schwer."
„Sheridans
Operationen endeten im Februar 1865, als er die letzten Reste der
konföderierten Streitmach t in Waynesboro überwältigte
und sich in Petersburg Grant wieder anschloß. Für seine
Zeitgenossen war sein Feldzug eine der außerordentlichen Leistungen
im Bürgerkrieg, und er spielte eine bedeutende Rolle in den Liedern
und Geschichten der Nachkriegszeit. Es ist wahr, daß im grellen
Licht des historischen Rückblicks seine Leistungen weniger groß
ausfallen als in den epischen Darstellungen.
Weniger als die Hälfte des Tales litt unter seiner Taktik der
verbrannten Erde. Mehr noch: Die Ignorierung von Grants wiederholten
Befehlen, die Offensive östlich
der Blue Ridge-Kette wiederaufzunehmen, hat ihn vielleicht um die
große Möglichkeit gebracht, den Krieg sechs Monate vor
Appoma ttox zu beenden.
Trotz dieses Urteils, bedeutete die Unvollständigkeitseines Sieges
wahrscheinlich nich t soviel. Zu seinen Gunsten sprach,
daß er mehr erreichte als jeder Unionsführer vor ihm, weil
er ein wichtiges Symbol der südlichen Unbesiegbarkeit demolierte.
Indem er das tat, stürzte er eine der wenigen verbliebenen Stützen,
auf denen das Schicksal der konföderierten Nation ruhte. "
Everard H. Smith, „Back to the Valley", aus W. C. Davis
(ed.), THE IMAGE OF WAR, 1861-1865, Volume 5, 1983

Konföderierte
Kriegsgefangene im Shenandoah-Tal in einem Lager Sheridans.
Und Jubal A. Early?
Was hatte er vollbracht? Es liegt auf der Hand: Er befreite das Shenandoah-Tal
von Hunters „Yankee-Horden", er schlug Wallace bei Monocacy,
er bedrohte Washington, D. C.
und brachte die Lincoln-Administration und die oberste Armeeführung
in arge Verlegenheit;
ganz klar realisierte er General Lees Plan, umfangreiche Unionsstreitkräfte
durch eine strategische Diversion im „Valley" zu fesseln
und verlängerte durch die Schaffung einer zweiten Operationslinie
in Virginia den Krieg möglicherweise um einige Monate. Doch all
dies zählte am Ende nicht mehr viel.
Earlys solide
Erfolge wurden von den eindeutigen, demoralisierenden Niederlagen,
die Phil Sheridan ihm zufügte, überschattet und waren, wie
bereits erwähnt, unmittelbarer Auslöser eines Wustes von
Anklagen und Beschuldigungen, die über dem Haupt des Virginiers
niedergingen. Freilich, Early hatte - wie auch Sheridan - Fehler begangen,
aber bei der letztendlichen Einschätzung seiner Valley-Operationen
wurde den elementaren Problemen, mit denen der Kommandeur der Army
of the Valley von Anfang an zu kämpfen hatte, nicht die gebührende
Beachtung geschenkt: eine eklatante zahlenmäßige Unterlegenheit,
unzulängliche Kommunikationslinien und Ressourcen, um nur die
wichtigsten Punkte zu nennen.
Auf vehementes
Drängen der Öffentlichkeit wurde Early am 30. März
1865, wenige Tage vor der Kapitulation in Appomattox, von Robert Lee
vom aktiven Felddienst ausgeschlossen und buchstäblich nach Hause
geschickt.
Ein trauriges Ende für Lees „Bad Old Man", der bis
zu seinem Tod ein „unrekonstruierter Rebell" blieb und
noch im hohen Alter witzelte:
„Ich glaube, ich bin an einem Punkt angelangt, wo ich eine
Yankee-Frau und ihr Kind skalpieren könnte, ohne mit der Wimper
zu zucken!"
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