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VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© Leah Ireland-Kunze, Der Bürgerkrieg in den USA 1861-1865
© William C. Davis, • SOLDATEN • GENERÄLE • SCHLACHTEN

 

STONES RIVER (Murfreesboro)
31. Dez. 1862 -  02 . Jan. 1863

 


 

 

Die Schlacht am Jahreswechsel: Murfreesboro/Stones River



Nachdem General Rosecrans die Unionsarmee in Tennessee von Buell übernahm,
marschierte er südwärts und besetzte am 6. November die Stadt Nashville.

 

CSA-General Bragg, der sich mit seiner Armee immer noch in Chattanooga aufhielt, geriet jetzt unter den Druck seines Stabes, das Kommando über die Tennessee-Armee abzugeben. Seine Korpskommandeure schrieben sogar an Präsident Davis, der jedoch nicht glauben wollte, daß Bragg wirklich inkompetent sei.
Um die Generale zu beruhigen, stellte er jedoch die Armeen Braggs, Kirby Smiths und Pembertons in Vicksburg unter den vereinigten Oberbefehl des Generals Joseph E. Johnston, der von seiner schweren Verwundung im Halbinsel-Feldzug genesen war.

Diese Lösung erschien besonders merkwürdig, weil Davis den klugen Johnston persönlich nicht leiden konnte. Johnstons Kommandobereich war - geographisch gesehen - gewaltig. Die Probleme der Armeen in Chattanooga auf der einen Seite und der Besatzung von Vicksburg auf der anderen Seite unterschieden sich so sehr wie die beiden Regionen, in denen diese Armeen operierten. Bragg nahm die Ratschläge Johnstons ebenso wenig an wie die seiner Korpskommandeure. In dieser peinlichen Lage ließ Johnston Bragg viel Freiheit in der Führung seiner Armee.

 

Davis verschlechterte Braggs Stellung, indem er sich in der Weise in die militärischen Operationen einmischte, daß er 10.000 Mann von Braggs Armee abzog und sie General Pemberton zuteilte, obwohl die Bedrohung Vicksburgs zu diesem Zeitpunkt erheblich geringer war als die Herausforderung Braggs durch die Unionsarmee unter Rosecrans. Danach erhielt Bragg den Befehl, mit seinen 38.000 Mann auf der Nashville-Chattanooga-Eisenbahn nach Norden zu verlegen. Bragg unterbrach seinen Marsch in der Ortschaft Murfreesboro am Stones River und ließ seine Truppen ein Lager aufschlagen. Er schickte die Kavalleriebrigaden Morgan und Forrest sofort auf Streifzug.
Am 7. Dezember überfiel Morgan ein Unionslager in Hartsville, während Forrest am 11. Dezember einen langen Ritt westwärts unternahm, in dessen Verlauf er die für Grant so wichtige Memphis-Ohio-Eisenbahn für längere Zeit unbrauchbar machte, Kentucky ein weiteres Mal überfiel, die Eisenbahnstrecke Louisville-Nashville von Bardstown bis Munfordsville zerstörte und damit Rosecrans Versorgungsprobleme bereitete.

Rosecrans blieb fast bis Ende Dezember tatenlos in Nashville. Dann schickte er 3 Korps unter Crittenden, Thomas und McCook - insgesamt 45.000 Mann -
auf getrennten Wegen nach Murfreesboro. Hardees CSA-Korps operierte westlich von Murfreesboro und entdeckte als erstes die Bewegungen der Union.
Bragg wurde informiert. Am 26. Dezember wurde Hardees Korps von McCooks Unionskorps überrascht. Hardee zog sich auf einem Umweg nach Murfreesboro zurück.
Bis zum Abend des 29. Dezember befanden sich fast alle Unionstruppen außer McCooks Korps am Stones River nördlich von Murfreesboro. McCooks Korps;
dessen Marschtempo sich durch das kurze Gefecht gegen Hardee verlangsamt hatte, erreichte das Schlachtfeld am 30. Dezember, 9.30 Uhr.
Warum CSA-General Bragg ausgerechnet das schwierige Gelände am Stones River als Schlachtfeld wählte, ist bis heute nicht klar.

CSA-Korpskommandeur Hardee schrieb später, er sei entschieden gegen diese Wahl gewesen, da es «keine besonderen Vorteile für eine Verteidigung bot ... Das Terrain auf allen Seiten war offen und dem Feind zugänglich.» Der Grund war rauh, steinig und etwas bewaldet,
zum größten Teil flach.
Für beide Seiten war es schwer, die Bewegungen des Gegners zu beurteilen. Braggs Stellungen befanden sich hauptsächlich auf der Westseite des kleinen und bei trockenem Wetter gut passierbaren Flusses. Das Korps Polk behauptete die Mitte,
Hardees Korps die linke CSA-Flanke, mit Ausnahme der Division Breckinridge, die auf der Ostseite des Flusses stand.

Rosecrans verteilte seine Unionskorps westlich des Flusses auf einer Nordost-Südwest-Linie. Am linken Flügel der Unionstruppen
stand das Korps Crittenden, Thomas' Korps lag in der Mitte, und McCooks Korps hatte zu stark überdehnte Stellungen an der rechten Flanke bezogen. McCooks Dispositionen luden die CSA-Kavallerie, die mit 2.000 Reitern die linke Flanke des CSA-Korps Hardee deckte,
förmlich zur Umfassung ein. Bragg erwartete den Unionsangriff für den 30. Dezember. Er kam aber nicht, weil sich McCook verspätete.
Daraufhin entschloß sich Bragg zu einem Angriff am Morgen des 31. Dezember,
während Unionsgeneral Rosecrans ebenfalls für den 31. Dezember den Angriffsbefehl gab.

 


Im Westen trugen beide Armeen sehr ähnliche Uniformen.
Diese unerschrockenen jungen Unionssoldaten hätten die Brüder jener Soldaten sein können,
gegen die sie 1862-1863 in Murfreesboro kämpften.

 

Der kurioseste Aspekt dieser Schlacht ist die Tatsache, daß sich beide Generale für genau denselben Angriffsplan entschieden, nämlich einen Stoß gegen den rechten Flügel des Gegners.
So konnte es geschehen, daß der rechte Flügel der Unionstruppen zu dünn besetzt war, während Thomas' 10.900 Mann dicht neben Crittendens Korps konzentriert waren. In der Nacht befahl Rosecrans Crittenden, die Division Van Cleve frühmorgens über den Stones River zu schicken, damit sie die vordere Angriffslinie der Union bilde. Van Cleve führte diese Bewegung befehlsgemäß aus, aber während seine Truppen den Fluß überquerten, vernahmen sie schon Schlachtenlärm von der anderen Seite des Schlachtfeldes.

 

Bragg hatte zufällig einen früheren Angriffsbeginn als Rosecrans gewählt (6.00 Uhr). Damit hatte er den Vorteil der Überraschung und der Initiative.
Die Unionstruppen waren noch beim Frühstück, als Kavallerie unter Wharton und Hardees Korps die Stellungen des Unionskorps McCook erstürmten.
McCooks Korps wurde sofort zurückgeworfen. Die kleine Unionskavalleriebrigade Zahm, die dem Korps McCook zugeteilt war, wurde vom Feld vertrieben.
Innerhalb einer Stunde war der rechte Flügel der Unionslinie tief eingedrückt, fast alle Divisionen McCooks befanden sich in panikartigem Rückzug.
Nur die Division Davis versuchte standzuhalten, konnte jedoch dem enormen Druck nicht widerstehen und fiel um 9.00 Uhr zurück.

Dieser Rückzug setzte die Division Sheridan vom Unionskorps Thomas der vollen Wucht des CSA-Angriffs aus. Philip Sheridan war jedoch der einzige Unionsgeneral,
der vom CSA-Angriff nicht überrascht wurde. Dieser junge und relativ unerfahrene General hatte seine Feldposten in der Nacht zu größter Aufmerksamkeit ermahnt,
und sie informierten ihn über die rege Tätigkeit beim Gegner. Schon um 4.00 Uhr hatte Sheridan seine Division geweckt und in Stellung gebracht.
Wiederholte Angriffe konnten seine Kämpfer nicht zum Weichen bringen. Als mit Davis' Rückzug seine rechte Flanke entblößt wurde,
brachte Sheridan mit einer äußerst kühnen Bewegung seine am weitesten links stehende Brigade hinter seine anderen Brigaden zur äußersten Rechten und ging zum Gegenangriff über! Die Division Sheridan brachte den Vormarsch des CSA-Korps Hardee endlich zum Stehen.

Damit erhielt die Unionsseite eine kurze Atempause. Thomas und Crittenden bildeten eine neue, straff gebogene Verteidigungslinie,
auf die sich Sheridans Division jetzt zurückziehen konnte. Die Unionsdivision Van Cleve stand immer noch auf der Ostseite des Flusses,
wo sie bis 11.00 Uhr blieb und keinen einzigen Schuß abgab. Sie erfüllte aber - unbeabsichtigt - eine wichtige Funktion: CSA-General Breckinridge,
der Van Cleves Division vor sich sah, rechnete mit einem massiven Angriff auf die eigenen Stellungen und blieb dort, wo er war, statt Hardees Korps zu Hilfe zu eilen.


Es sind nur wenige Fotos vom Stones River erhalten. Doch ähnlich wie hier in Mississippi, wo Unionssoldaten die Big Black River Bridge passieren,hat es sich am Stones River zugetragen, als die Armeen nach Murfreesboro marschierten.

Inzwischen war die CSA-Kavallerie unter Wharton tief ins rückwärtige Gebiet der Unionstruppen vorgedrungen,
wo sie einen mit Munition beladenen Pferdewagenzug entdeckte und in Brand steckte. Das wichtigste Ergebnis dieses Angriffs war, daß Sheridans tapfere Division um 11.00 Uhr keine Munition mehr hatte und sich vorläufig aus dem Kampf lösen mußte. General Rosecrans stand mitten im Kampf, wo er mit enormer Energie und ungewöhnlichem persönlichen Mut seine Truppen anfeuerte und allmählich die Initiative im Gefecht übernahm. Die gegnerischen Truppen im Zentrum waren durcheinander geraten und zeigten deutliche Ermüdungserscheinungen.

Rosecrans beorderte die Division Van Cleve über den Fluß zurück, und dieser Rückzug wurde von der CSA-Seite nicht bemerkt. Breckinridge hatte einen Angriff auf den vermeintlichen Gegner auf seiner Flußseite befohlen und ließ seine Truppen vorsichtig vorrücken. Sie fanden keine Unionstruppen vor. Breckinridge informierte Bragg davon;
dieser erhielt jedoch zur selben Zeit eine Falschmeldung, daß auf dem Lebanon Turnpike östlich vom Schlachtfeld starke Unionstruppen anrückten. Breckinridges Truppen wurden deshalb in ihre Ausgangslage zurückbefohlen,
wo sie den ganzen Tag blieben.

Alle Versuche der Konföderierten, durch Lücken in die Unionslinien einzudringen, wurden abgewiesen.
Um 16.00 Uhr begann Bragg, der die Stärke des linken Flügels seines Gegners unterschätzte, einen Angriff gegen Crittendens Stellungen in der Flußbiegung. Die Folge waren hohe Ausfälle unter den Konföderierten und gesteigerter Autoritätsverlust Braggs bei seinen Korps- und Divisionskommandeuren. Mit Anbruch der Dunkelheit wurde der Kampf eingestellt. In dieser Silvesternacht rief Unionsgeneral Rosecrans seine Korpskommandeure zum Kriegsrat zusammen.

Die Kommandeure sprachen sich gegen eine Wiederaufnahme der Schlacht aus, Rosecrans glaubte jedoch, die Schlacht sei für die Union noch zu gewinnen.
Durch das Eintreffen einer zusätzlichen Unionskavalleriebrigade war die konföderierte Kavallerie etwas zurückgedrängt worden;
der rechte Flügel hatte sich jetzt stabilisiert. Van Cleves Division wurde abermals über den Fluß geschickt.
Am nächsten Tag wartete die Unionsarmee vergeblich auf einen CSA-Angriff, es kam jedoch nur zu halbherzigen Feuerwechseln. Der eigentliche Kampf wurde im CSA-Hauptquartier ausgetragen, wo sich Bragg und seine Offiziere heftig über den weiteren Verlauf stritten. Deshalb gab es weder am 1. Januar 1863 noch am zweiten Tag des neuen Jahres eine Fortsetzung der Schlacht bei Murfreesboro.
Bragg befahl - gegen die energischen Proteste seiner Korpskommandeure - der Division Breckinridge, die auf der Ostseite des Flusses liegende Unionsdivision Van Cleve (vorläufig von Oberst Beatty kommandiert, da der Kommandeur leicht verwundet war) anzugreifen, um die kleine Höhe, auf der die Division stand, zu erobern.
Breckinridge war entsetzt, mußte sich aber fügen und am 03. Januar angreifen. Vor der Schlacht sagte er seinem Freund General Preston:
«Wenn es mit einem Desaster endet und ich unter den Gefallenen bin, will ich, daß Sie meinem Andenken Gerechtigkeit widerfahren lassen und dem Volk sagen,
daß ich diesen Angriff für sehr unklug hielt und versucht habe, ihn zu verhindern.»

Soldaten und Offiziere eines Regiments in Tennessee.

Breckinridge war einer der wenigen von seiner Division, die den sinnlosen Angriff überlebten. Wie vorausgesehen, hatten die Unionstruppen seine Vorbereitungen bemerkt. Sie hatten 58 Kanonen über den Fluß gebracht und mähten die konföderierten Truppen einfach nieder. Die Verzögerung der Wiederaufnahme der Schlacht bis zum 03. Januar hatte es der Union erlaubt, Verpflegung und Munition nach Murfreesboro zu bringen. Breckinridges Division sah sich mit dem gesamten Korps Crittenden konfrontiert, während die Unionskorps Thomas und McCook an ihren Abschnitten zum Gegenangriff übergingen und Hardees sowie Polks Infanteristen aus ihren Schützengräben vertrieben.

Kurz nach Mittag befahl Bragg den Rückzug in Richtung Chattanooga. Unionsgeneral Rosecrans besetzte Murfreesboro, konnte sich jedoch nicht zu einer Verfolgung Braggs entschließen. Bragg nahm seine Armee nicht ganz bis Chattanooga zurück, sondern errichtete eine Verteidigungslinie zwischen Shelbyville und Wartrace etwas südlich von Murfreesboro. Auf den erneuten Kampf mit Rosecrans sollte er viele Monate warten müssen.

Wenn auch der Unionssieg am Stones River am Ende des langen, schließlich und endlich unergiebigen Kentucky-Feldzuges der Konföderierten eher der Inkompetenz des CSA-Generals Braggs als den Fähigkeiten des Unionsbefehlshabers Rosecrans zu verdanken war, befand sich die CSA-Armee auf alle Fälle in der Defensive.
Bragg blieb in Tennessee festgenagelt, während die konföderierten Streitkräfte weiter westlich am Mississippi keineswegs ausreichten, um dem wachsenden Druck der Armee General Grants auf Dauer zu widerstehen. Unionsgeneral Rosecrans hatte zwar die Kritik aus Washington vollauf verdient, die er sich in den kommenden Monaten wegen seiner Untätigkeit anhören mußte, wichtig war jedoch; daß Braggs Armee in Tennessee festgehalten und eine wirksame Unterstützung für die Besatzung von Vicksburg verhindert wurde. Diese Aufgabe erfüllte Rosecrans' Armee.

 

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