Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen aus:
Gert Raeithel, •Geschichte der Nordamerikanischen Kultur•
Dietmar Kuegler, •Die Armee der Südstaaten 1861-1865•

URSACHEN DES BÜRGERKRIEGES

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Es lag im Interesse Europas, daß die mächtig wachsende amerikanische Union sich entzweite und auflöste. So sprachen es damals vielfach Stimmen der Alten Welt aus. So haben auch die europäischen Mächte England und Frankreich eine unfreundliche, ja feindliche Haltung gegenüber den die Einheit verfechtenden Nordstaaten eingenommen. Sie erklärten zwar ihre Neutralität, doch zeigten sie mehrfach Sympathien für die Südstaaten und unterstrichen dies durch Handlungen im Seekrieg.
Als der neue Leiter der amerikanischen Außenpolitik, WILLIAM H. SEWARD, zu Beginn des Bürgerkriegs sich nach befreundeten Mächten umsah, fand er, daß unter den Großmächten Rußland allein sich freundlich verhielt. Gleicher Auffassung war man auf russischer Seite. »Die Existenz (der Vereinigten Staaten) ist für uns wichtiger als für irgendeinen andern Staat.« Sie galt als Gegengewicht gegen England.
Diese Rivalität schien die beste Sicherung vor der geballten Macht der Angelsachsen. So wünschte das Zarenreich die Einheit der Vereinigten Staaten zu erhalten. Der Außenminister GORTSCHAKOW erklärte: »Dieser Bund war fruchtbar. Er hat der Welt ein beispielloses Schauspiel in den Annalen der Geschichte gegeben.«
Das war im Munde des Repräsentanten einer Autokratie eine merkwürdige Lobrede auf die Vereinigten Staaten, von denen er weiter sagte: »Geeinigt, vervollkommnen sie sich, getrennt voneinander sind sie paralysiert.«
Aus solchen Erwägungen heraus suchte Rußland die beiden feindlichen Teile wieder zusammenzuführen. Jede Anerkennung oder auch nur Stützung der Südstaaten wurde abgelehnt. So ist es zu verstehen, wenn die Proklamation der Sklavenbefreiung bedauert wurde: sie verschärfte zunächst die Trennung zwischen beiden Teilen der Union, die einig und mächtig zu sehen das damalige russische Interesse heischte.

Im Herbst 1863, noch mitten im Bürgerkrieg, gingen Teile der russischen Ostseeflotte im Hafen von New York und Teile der russischen Ostasienflotte im Hafen von San Francisco vor Anker. Die Nachricht davon erregte ungeheures Aufsehen in der Welt und ungemeine Begeisterung in den amerikanischen Nordstaaten. Man sah darin eine Demonstration der Macht gegen die interventionslüsternen europäischen Westmächte.
Die Amerikaner überschlugen sich in der Begeisterung und meinten, daß, wenn Sklaven und Leibeigene befreit sind, es nichts mehr gäbe, was Russen und Amerikanern unmöglich sei. So verband man mit der militärischen Demonstration ein weitausschauendes, Inneres und Äußeres vermengendes Zukunftsbild. Ein General berief sich sogar auf die Vorsehung, die bestimmt habe, daß zwei Hemisphären seien, die eine, östliche, durch Rußland, die andere, westliche, durch die Vereinigten Staaten repräsentiert.
An die Anwesenheit der russischen Flotte hat sich eine zählebige Legende bis in unser Jahrhundert geknüpft. Erst während des Ersten Weltkriegs ist sie von einem amerikanischen Historiker zerstört worden, um trotzdem immer wieder aufgegriffen zu werden. Die Legende wollte, daß das Zarenreich den Amerikanern die Flotte gesandt hätte, um notfalls Hilfe zu leisten. Das Einlaufen in San Francisco war aber eine Eigenmächtigkeit des russischen Admirals und das Einlaufen in New York entsprach nach der Geheiminstruktion für den hierhin beorderten Admiral dem unmittelbaren russischen Interesse.
Lit.: Erwin Hölzle, Geschichte der zweigeteilten Welt.

 

Gescheiterte Kompromisse

1819 war Alabama in die Union aufgenommen worden. Damit gab es elf freie und elf unfreie Staaten. Vor der Zulassung von Missouri als neuem Staat verlangten nordstaatliche Abgeordnete, in diesem Gebiet sollten Sklaven oder zumindest deren Kinder frei werden. Sie konnten darauf verweisen, daß im Rahmen der Northwest Ordinance von 1787 auch Ohio, Indiana und Illinois vor der Aufnahme in die Union Auflagen bezüglich Sklaverei hatten hinnehmen müssen. Die Vertreter des Südens stellten sich auf den Standpunkt, der Kongreß habe in diesem Punkt keine Kompetenz, den Einzelstaaten Vorschriften zu machen; die in der Verfassung niedergelegte Formulierung - »neue Staaten können in die Union aufgenommen werden« - sage nichts über die Art der Gesellschaftsordnung aus. Sklavenhaltende Südstaatler pochten auf das Recht, ihr Eigentum mit über den Mississippi zu nehmen. Eine Kompromißmöglichkeit zeichnete sich ab, als das im äußersten Nordosten gelegene Maine um Aufnahme in die Union nachsuchte. Im Missouri Compromise (1820) einigte sich der Kongreß darauf, die Sklaverei in den Territorien nördlich der Mason-Dixon-Linie - sie war nach zwei Landvermessern benannt und verlief bei 36° 30' - künftig zu verbieten, mit Ausnahme Missouris. Maine wurde als freier, Missouri als unfreier Staat aufgenommen. Das Gleichgewicht war scheinbar wiederhergestellt.

Der Kompromiß hielt noch, als Arkansas und Michigan zu Unionsstaaten wurden, der eine nördlich, der andere südlich der vereinbarten Linie. Allerdings stand zu erwarten, daß südlich der Linie in nächster Zukunft nur Florida die Aufnahme beantragen würde, während sich im Norden Wisconsin, Iowa und Minnesota anschickten, Bundesstaaten zu werden. Die Südstaaten mußten befürchten, wieder ins Hintertreffen zu geraten. Im Norden zeigte man sich irritiert darüber, daß die Verfassung von Missouri freien Schwarzen die Einreise verwehrte.

Die Südstaaten hatten sich seit Gründung der USA als Teil der nationalen Kultur begriffen. Nach dem Kompromiß um Missouri stellten sie ihre Eigenständigkeit stärker heraus und besannen sich auf ihre historische Identität, die im patriotischen Überschwang der Gründerzeit in den Hintergrund getreten war. Der Krieg gegen Mexiko verschärfte Animositäten zwischen freien und unfreien Staaten. Texas wurde 1845 erobert und rasch in die Union aufgenommen, für Nordstaatler ein Indiz dafür, daß der Süden seine Macht über Gebühr ausweitete. Aktive Gegner der Sklaverei sahen im Mexikanischen Krieg eine Verschwörung der Sklavenhalter. Der Süden wolle »größere Koben, um sie mit Sklaven vollzustopfen« und habe deshalb den Krieg inszeniert, schrieb James Russell Lowell in den Biglow Papers. Der Abgeordnete David Wilmot brachte einen Gesetzeszusatz ein, wonach die Sklaverei in allen Gebieten, die man Mexiko abnahm, verboten werden sollte. Das Wilmot Proviso scheiterte im Senat. Die Free Soil Party, 1848 gegründet, setzte den freien Zugang zu allen eroberten Gebieten auf ihr Programm.

Jefferson Davis aus Mississippi warf seinen Kollegen im Senat Augenwischerei und Betrug vor. Den »Free Soilers« ginge es mitnichten um die Freiheit der Sklaven, sondern um Besitz, Macht und Mehrheiten im Parlament: »Weil Sie die Gelegenheit ergreifen wollen, uns zu betrügen, deswegen wollen Sie das Sklaventerritorium mit festgelegten Grenzen umgeben. Weil Sie eine Mehrheit im Kongreß der Vereinigten Staaten anstreben und die Regierung zu einem Apparat für nordstaatliche Selbstvergrößerung umfunktionieren wollen.« Der spätere Präsident der Konföderierten Staaten lag mit diesem Argument nicht weit von der Wahrheit. Die Free Soil Party war eher gegen Schwarze allgemein als gegen die Institution Sklaverei eingestellt. Wilmot hatte Wert auf die Feststellung gelegt, seine Gesetzesinitiative nicht zugunsten der Sklaven, sondern weißer Siedler eingebracht zu haben.

Der Kompromiß von 1850, vorangetrieben von Henry Clay, war ein letzter Versuch, sich zu einigen: Kalifornien wurde als freier Staat aufgenommen. Im Gegenzug verzichtete der Kongreß darauf, für Neumexiko und Utah eine Regelung in puncto Sklaverei zu treffen; die Fugitive Slave Laws wurden verschärft. Der Kansas-Nebraska-Act (1854) stellte den Bewohnern die Entscheidung frei, ob sie Sklaven haben wollten oder nicht. Nachdem diese beiden Territorien nördlich der Mason-Dixon-Linie lagen, war der Missouri-Kompromiß entwertet.
Der Oberste Bundesgerichtshof urteilte drei Jahre später, ein Sklave namens Dred Scott, der sich zeitweilig in einem freien Territorium aufgehalten hatte, bleibe nach wie vor Sklave. Demnach mußte der Missouri-Kompromiß endgültig als verfassungswidrig gelten und Sklavenbesitz in den Territorien als erlaubt angesehen werden. Kansas beantragte seine Aufnahme in die Union mit einer Verfassung, in der die Sklaverei vorgesehen war. Präsident James Buchanan unterstützte diesen Antrag. Das Urteil gegen Dred Scott radikalisierte die Sklavereigegner, die bis dahin für eine graduelle Abschaffung eingetreten waren. Abraham Lincoln befürchtete, dieses Urteil würde die Territorien der Sklaverei öffnen. Sein Gegenspieler Stephen Douglas wollte das Problem der Volkssouveränität überlassen: Die Sklaverei - so Douglas - würde sich immer nur so weit ausbreiten, wie sie die Leute haben wollten, und keinen Zoll weiter.


Lincoln und die Sklaverei

Nur wer in privater Geborgenheit aufwächst, schrieb Hannah Arendt, strebt in öffentliche Ämter. Nach dieser Theorie hätte Abraham Lincoln nie Präsident werden dürfen. Lincoln ist in Kentucky geboren und an der Frontier von Indiana und Illinois aufgewachsen. Sein Vater, ein gewalttätiger und trinkfreudiger Mann, behandelte ihn wie einen unerwünschten Stiefsohn, vielleicht weil er das Gerücht glaubte, Abraham sei nicht sein leibliches Kind. Der junge Lincoln verabscheute die Jagdleidenschaft seines Vaters und dessen rauhbeinige und oberflächliche Männlichkeit. Umgekehrt verachtete der analphabetische Vater den Bildungshunger seines Sohnes, »fooling himself with eddication«, wie er das nannte. Der Konflikt war von Dauer. Lincoln erschien weder am Sterbebett noch zum Begräbnis seines Vaters. Die Mutter, unehelich geboren, konnte ebensowenig lesen und schreiben wie ihr Mann. Sie war kränklich, in einem bestimmten Sinn lebensuntüchtig, neigte zur Melancholie und starb einen frühen Tod. Der Vater heiratete wenig später eine Frau mit drei Kindern. Lincoln hat sich über seine Stiefmutter positiver geäußert als über seine leibliche Mutter. Es muß ihn gequält haben, daß er weder über ihre noch über seine eigene Herkunft genauer Bescheid wußte. »My mother was a bastard«, sagte er einmal, und hat ansonsten nur ungern über seine Kindheit gesprochen.

Wahrscheinlich hatte Lincoln im Alter von zehn Jahren durch den Tritt eines Pferdes einen Schädelbruch mit schweren traumatischen Folgen erlitten. Seine raschen Stimmungsumschwünge zwischen Melancholie und Humor, seine Absencen und sein Doppelsehen im halbwachen Zustand wurden auf diese Verletzung zurückgeführt. Lincoln hat mehrfach von seinem Tod geträumt oder ihn vorausgeahnt. Er träumte wiederholt, er würde auf dem Wasser treiben, einem unbekannten Ufer entgegen. Psychoanalytiker deuteten dies als Todeswunsch oder als Verlangen nach Wiedergeburt.

Lincoln ist erst nach seiner Ermordung zur Heldengestalt erhoben worden. Zu Lebzeiten war er eher unpopulär, im Süden ohnehin, im Norden nicht beliebter als andere Präsidenten vor ihm. Als Redner machte er eine gute Figur, auch wenn seine Formulierungen zu hausbacken waren, um als große rhetorische Kunstwerke gelten zu können. Nach seiner berühmt gewordenen Ansprache auf dem Schlachtfeld von Gettysburg meinte sein Parteigänger Seward: »Er hat versagt, und das tut mir leid«. Lincoln selbst hielt eine viermal wiederholte Rede zum Thema Sklaverei für seine beste Leistung: »Ein in sich gespaltenes Haus kann nicht stehen. Ich glaube, diese Regierung kann auf Dauer halb versklavt, halb frei nicht überleben.« Die »House-Divided«-Rede, erstmals gehalten im Juni 1858 in Springfield (Illinois), gehört zu den Lincoln-Douglas-Debates, einem Rededuell in sieben Teilen von insgesamt 21 Stunden Länge, das sich Lincoln mit seinem politischen Konkurrenten Stephen Douglas lieferte, dem späteren Präsidentschaftsbewerber der Demokratischen Partei.

Spätere Legenden haben vieles überdeckt: Abraham Lincoln war zunächst ganz und gar kein Vertreter der Emanzipation der Schwarzen. Er war in seinen Entscheidungen viel weniger emotional als heute oft geglaubt wird: Er war ein sehr rational denkender, pragmatischer Politiker, ein erfahrener Parlamentarier und geschickter Taktiker. Ihm war das Problem einer Gesellschaft, die zu über 40 % aus versklavten schwarzen Menschen bestand, durchaus bewußt: Welche Umwälzungen sich hier anbahnten, wenn es zu einer Gleichstellung der Rassen, zu einer Abschaffung der Sklavenhaltung kam, welche Bedrohung sich für die weiße Gesellschaft ergab, darüber hatte er frühzeitig nachgedacht. Er erkannte allerdings auch den humanitären Wert dieser Frage und die Wirkung, die damit auf die nördlichen Wähler und auf Europa erzielt werden konnte.
Lincoln dachte nicht daran, einen Krieg gegen die Sklavenwirtschaft zu führen. Ihn interessierte allein die Erhaltung der amerikanischen Union. Eine früher geäußerte Sympathie für die Doktrin der Rechte der Einzelstaaten hatte er längst aufgegeben. Er sagte: „Wenn es mir gelänge, die Union zu erhalten, indem ich alle Sklaven befreite, würde ich das tun. Wenn ich die Union erhalten könnte, indem ich nur einige Sklaven befreite, würde ich auch das tun. Wenn ich die Union erhalten könnte, indem ich die Sklaverei bestehen ließe, würde ich nicht zögern, dies zu tun.” Exakt danach verhielt er sich.

Die Sklavenbefreiungsproklamation, die dem Amerikanischen Bürgerkrieg das historische Gepräge gab, enthielt nämlich einen Aspekt, den die Welt immer wieder übersieht:
Es wurden gar nicht alle Sklaven befreit. Die berühmte Proklamation befreite nur jene Schwarzen vom Joch der Sklaverei, die sich in den konföderierten Staaten befanden - in denen die Regierung Lincoln nur insoweit Einfluß besaß, wie die Unionsarmee vorgedrungen war. In den Grenzstaaten zwischen Süden und Norden, die kulturell eher dem Süden zuzurechnen waren, die sich aber politisch an die Seite des Nordens gestellt hatten, blieb die Sklavenhaltung vorerst erlaubt, da Lincoln nicht riskieren wollte, diese Verbündeten ebenfalls der Konföderation zuzutreiben.

Emanzipationsbestrebungen mit dem Norden, Unfreiheit und Rassismus mit dem Süden zu assoziieren, dies wäre eine Vereinfachung der Geschichte. In beiden Teilen der Union wurden schwarze Menschen als minderwertige Wesen betrachtet. Der Hartford Courant aus Connecticut warnte vor der »pestilenzmäßigen Gegenwart« der Schwarzen, und der nordstaatliche Republikaner William Seward bezeichnete sie als »fremdes und schwächliches Element«, das sich wie der Indianer gegen jede Assimilation sperre. »Bleiben die Weißen Nordamerikas geeint«, schrieb Tocqueville, »so läßt sich schwer denken, daß die Neger der ihnen drohenden Vernichtung entgehen; sie werden dem Schwert oder dem Elend erliegen.«

»Sectional Conflict«

Dreh- und Angelpunkt der Auseinandersetzung zwischen Nord und Süd war die Sklaverei. Der »Sectional Conflict« zwischen den beiden Regionen, der zur Sezession der Südstaaten und zum Bürgerkrieg führte, ist jedoch ohne die wirtschaftsgeographischen, sozialen und kulturellen Unterschiede kaum zu verstehen.

Die Südstaaten lassen sich physiographisch aufgliedern in die Tidewater Region, das Embayment, das Piedmont Plateau, die südlichen Appalachen und das Western Plateau. Die Tidewater Region ist streng genommen der Landstreifen östlich der Linie, die in den Flußläufen von den Gezeiten erreicht wird. In Neuengland ist dieser Streifen sehr schmal, im Süden zieht er sich von Baltimore über Washington nach Richmond, erreicht in North Carolina als tiefliegende Küstenebene eine Breite von zweihundert Meilen, setzt sich nach Florida fort und an der Golfküste entlang bis nach Texas. Das Embayment wird gebildet aus Schlammablagerungen im unmittelbaren Einzugsgebiet des Mississippi und seinen Nebenflüssen. Das Piedmont Plateau zwischen der Küstenebene und den Appalachen erstreckt sich südwestlich von New York bis ins zentralöstliche Alabama. Die Appalachen erreichen in North Carolina Höhen bis zu 6000 Fuß.
Charakteristisch ist der vierzig Meilen breite und sehr fruchtbare Graben, der von Pennsylvania bis nach Georgia hinein verläuft. Im Osten wird diese Region von den Blue Ridge Mountains begrenzt. Das Western Plateau liegt westlich einer von Cincinnati nach Nordalabama gedachten Linie, umgreift die Blue Grass Region Kentuckys und jenseits des Mississippi Teile von Missouri, Arkansas und Texas. Wie die Küstenebene und der Piedmont eignet sich das Western Plateau für den Anbau der Southern staples, also Baumwolle, Tabak, Soja, Reis mit künstlicher Bewässerung, weniger gut für Gras und Getreide. Der Sommer dauert in diesen Gebieten sechs bis neun Monate. In manchen Gegenden können zwei oder drei Obsternten eingebracht werden. Insgesamt umfaßt der Süden eine Million Quadratmeilen oder rund ein Drittel der kontinentalen Oberfläche der Vereinigten Staaten.

Unmittelbar vor dem Bürgerkrieg lebten 84 Prozent der Bewohner des Südens von der Landwirtschaft, im Norden nur 40 Prozent. Die südstaatlichen Agrarprodukte Tabak, Baumwolle, Zucker, Reis und Hanf waren im Norden ohne Konkurrenz. Pro Kopf erzeugte der Süden mehr Rinder, Schweine, Geflügel und Mais als der Norden. Die agrarische Grundstruktur ließ die Sklaverei notwendig erscheinen. Umgekehrt hat die Sklaverei den Süden auf die Agrarwirtschaft, insbesondere auf die Baumwollproduktion festgelegt. Im tiefen Süden behinderte der profitable Einsatz von Sklavenarbeit im mühsamen Baumwollanbau Investitionen in anderen Wirtschaftsbereichen.
1824 erhob der Kongreß Einfuhrzölle auf Wolle, Eisen, Hanf, Glas, Baumwollprodukte, Seide und Leinen. Nur ein südstaatlicher Abgeordneter stimmte für dieses Gesetz, 57 waren dagegen. Der Süden sah in der Schutzzollpolitik eine Maßnahme, die Preise auf Kosten der südstaatlichen Wirtschaft hinaufzutreiben. Thomas Dew verfaßte noch vor seiner Apologie der Sklaverei ein Pamphlet gegen Schutzzölle und wurde dafür mit der Präsidentschaft des William & Mary College belohnt. Der erweiterte Schutzzolltarif von 1832 war im Süden als »Tariff of Abominations« bekannt, als eine einzige Schandbarkeit. Warum, so lautete die Frage, sollte der agrarische Süden mit seinem Geld die nordstaatliche Industrie schützen? South Carolina erklärte die Schutzzölle in einer Ordinance of Nullification (1832) für ungültig.

John Calhoun entzweite sich über der Frage mit Andrew Jackson und trat als Vizepräsident zurück. Jacksons berühmten Trinkspruch »Auf unseren Staatenbund - er möge erhalten werden!« konterte Calhoun mit den Sätzen: »Auf die Union - das liebste nach unserer Freiheit. Mögen wir alle daran denken, daß sie nur erhalten werden kann, wenn wir die Rechte der Einzelstaaten achten und Nutzen und Lasten der Union gleichmäßig verteilen.«
Nordstaatliche Republikaner begrüßten Einfuhrzölle als vorübergehende Maßnahme um Industrie und Handwerk vor ausländischer Konkurrenz zu schützen. Nachteile für die Verbraucher mußten ihrer Ansicht nach solange in Kauf genommen werden, bis die Bedingungen für einen wahren Freihandel hergestellt waren. »Billige Schuhe und Hüte sind wünschenswert«, meinte Horace Greeley, »aber nicht auf Kosten von Generationen kältezitternder, hungernder, analphabetischer Schuhmacher und Hutmacher.« Der Protest gegen Schutzzölle blieb bis zum Bürgerkrieg ein Element südstaatlicher Politik, um bei den betroffenen ausländischen Nationen, England vor allem und Frankreich, um Sympathien zu werben. Die wirtschaftlichen Bedenken hatten sich erledigt. Den Schutzzöllen von 1857 stimmte die Mehrzahl der südstaatlichen Abgeordneten zu.
Inzwischen war man nämlich zu der Überzeugung gekommen, daß Einfuhrzölle auch im Interesse des Südens lagen. Wollte die Region autonom werden, mußte sie eine Mischwirtschaft anstreben, eine Kombination aus Landwirtschaft, Manufaktur und Handel. Die Industrieproduktion des Südens zeigte in den 1850er Jahren ansteigende Tendenz. Die Sklaven Virginias arbeiteten nicht nur auf den Plantagen, sondern auch in der Eisenverhüttung. Zur Ausbeutung der Bodenschätze in den eroberten Territorien, zum Beispiel in Neumexiko, schien sich der Einsatz von Sklaven geradezu anzubieten. Im Süden war man keineswegs gewillt, den Handel passiv den Kaufleuten des Nordens zu überlassen. Maunsell White, mit dreizehn Jahren als Waise aus Irland eingewandert, machte seinen Weg als einer der erfolgreichsten Baumwollhändler und vermarktete die Agrarprodukte zweier Präsidenten, Andrew Jacksons und Zachary Taylors.

Die Wirtschaft des Nordens wie des Südens beruhte auf der Ausbeutung von Arbeit. Allerdings zeigten die südstaatlichen Kaufleute wenig Kooperation. Sie verschifften ihre Ware einzeln und wickelten ihre Geschäfte mit England auf individueller Basis ab. Der Norden hatte sich das Transportmonopol im Küstenverkehr gesichert. Der Süden war auf nordstaatliche Reeder angewiesen. Allein deshalb, so klagte Thomas Kettel in Southern Wealth and Northern Profits (1860), komme der Süden auf keinen grünen Zweig, denn jeder Produktionszuwachs verschwinde flugs in den Geldtaschen der Yankees. Aus »reiner Sorglosigkeit«, schrieb der Daily Whig in Vicksburg, habe man dem Norden bis vor kurzem die Warenfabrikation überlassen. Es stimmte: 40 Prozent der Gesamtbevölkerung stellten nur 15 Prozent aller Fertigwaren her. Der Süden war technologisch rückständig im Transportwesen, im Maschinenbau, in der Nachrichtenübermittlung. Bei der großen Erfindermesse in New York (1853) waren unter hunderten von Ausstellern nicht viel mehr als zehn Südstaatler.
Die Südstaaten neideten dem Norden seine großen Städte, seine Eisenbahnen, seine Kanäle und glaubten, der Ausbau der Infrastruktur sei auf ihre Kosten erfolgt. Der Reichtum des Nordens, unterstellte ein Senator aus Georgia, gründe auf Regierungszuwendungen, nicht auf Eigenproduktivität. Abolitionisten und Protektionisten hätten sich zu einer unheiligen Allianz zusammengefunden, um den arbeitsamen Süden mit vereinten Kräften auszuplündern. Der Sklavereigegner Hinton Helper warf seinen Landsleuten im Süden vor, sie hätten sich selbst aus Bequemlichkeit in die wirtschaftliche Abhängigkeit begeben und dem Norden den Konsumgütermarkt kampflos überlassen."

Während der Vorkriegszeit lebten im Süden acht Millionen Weiße und vier Millionen Schwarze, etwa eine viertel Million davon frei. Freie Schwarze konnten es in der südstaatlichen Gesellschaft als Handwerker, Kaufleute oder Hotelbesitzer zu einigem Wohlstand bringen. Die Tönung der Haut bestimmte die Rangunterschiede innerhalb der Minderheit. In South Carolina schlossen sich hellhäutige Mulatten zur »Brown Fellowship Society« zusammen, die Dunkelhäutigen gründeten eine »Society of Free Dark Men«. Die weiße Bevölkerung war im Süden homogener als im Norden. Von den 1,4 Millionen Einwohnern Virginias waren nur 23 000 im Ausland geboren. In den Sklavenstaaten insgesamt lebten nicht mehr als 13 Prozent der Einwanderer. Der Süden hatte nie eine aktive Einwanderungspolitik betrieben, da der Arbeitsmarkt mit schwarzen Sklaven versorgt war, und die Einwanderer scheuten die Konkurrenz nahezu kostenloser Sklavenarbeit. Die eingefahrenen Einwandererrouten führten am Süden vorbei. Nordwesteuropäern behagte das südstaatliche Klima nicht. Die Bodenpreise lagen relativ hoch. Nord und mitteleuropäischen Bauern fehlte die Erfahrung mit typischen Anbauprodukten des Südens wie Reis, Zuckerrohr oder Baumwolle.

Im Vergleich zum Norden waren die Südstaaten dünn besiedelt. Auf eine Quadratmeile kamen 13, im Norden 20 Einwohner. Die geringere Bevölkerungsdichte geht zum Teil auf die weniger fortgeschrittene Urbanisierung zurück. Die Plantagenwirtschaft begünstigte eine ausgeprägte soziale Stratifizierung und das Überleben feudaler Strukturen. Der politische und gesellschaftliche Einfluß konzentrierte sich auf drei- bis viertausend Großgrundbesitzer. In Virginia, South Carolina und Louisiana wurde die soziale Oberschicht von rund fünfhundert Baumwollkönigen gebildet. Die mittleren Farmer besaßen zwischen fünf und zwanzig Sklaven. Manche von ihnen waren in der Kolonialzeit als indentured servants nach Amerika gekommen und hatten sich hochgearbeitet. Sie orientierten sich an der Kultur der Landaristokraten und verteidigten wie diese die besondere Lebensweise des Südens, ebenso wie die arrivierten Städter, die Kaufleute und Akademiker. Das Land, nicht die Stadt, war die Quelle südstaatlicher Ideale, dort wo der Schwerpunkt des Bruttosozialprodukts lag. Die Kleinbauern oder yeomen besaßen zu achtzig Prozent ihr Land selbst, mußten sich aber mit den weniger fruchtbaren Grundflächen zufriedengeben. Sie hatten nur geringe Chancen, durch geographische Mobilität den sozialen Aufstieg zu schaffen.
Das Gebiet jenseits des Mississippi blieb ihnen meist verschlossen. Dort übten kapitalkräftigere Großfarmer das Vorkaufsrecht aus. Viele der kleinen Farmer zogen wegen der Landknappheit in die Städte, wo sie als Handwerker (mechanics) oder Kleinhändler weitermachten. Die yeomen des Südens waren den Yankeefarmern nicht unähnlich. Sie gehörten ebenfalls kalvinistischen Sekten an, zeigten ein starkes Unabhängigkeitsgefühl und wußten die tall tales der Frontier zu schätzen, wenngleich die Yankees in der Regel als schlauer, unternehmungslustiger und geschäftstüchtiger beschrieben werden.` Auf der untersten Stufe in der sozialen Hierarchie der Weißen standen die poor Whites, auch white trash (weißer Müll), tar heels (Teerfersen) oder clay eaters (Kalkfresser) genannt. In einem Staat wie South Carolina machten die poor whites zwanzig Prozent der Bevölkerung aus. Sie waren von den größeren Farmern auf nahezu unfruchtbares Land gedrängt worden, wohnten in primitiven Hütten in ärmlichsten Verhältnissen, unterernährt, analphabetisch, abergläubisch, von Krankheiten gezeichnet oder dem Trunk ergeben. Den bessergestellten Südstaatlern war die Existenz eines weißen Proletariats vor allem deswegen peinlich, weil es unbestreitbar angelsächsischer Herkunft war.
Das südstaatliche Gesellschaftssystem war grundsätzlich statisch angelegt. Das »Gleichgewicht« zwischen den sozialen Klassen sollte erhalten bleiben. Absolut reformfeindlich waren jedoch südstaatliche Intellektuelle nicht. Der Universitätsprofessor und Romanschriftsteller Nathaniel Tucker begrüßte die Abschaffung des Erstgeburtsrechts und der testamentarisch verfügten Unteilbarkeit von Besitztümern in Virginia und forderte eine weitere Parzellierung der Grundstücke, damit die Gleichheit unter weißen Bürgern befördert werde und immer mehr echte Squires auf eigenem Land leben können. Die Reformansätze im Süden waren, schon wegen der Sklaverei, nicht in dem Maße wie im Norden gegen traditionelle Institutionen gerichtet.
Man gab sich auch weniger vertrauensvoll, was die Perfektionierbarkeit des Menschen anlangte und war schnell bei der Hand, die Forderung nach größerer Gerechtigkeit und mehr Freiheit als Utopie abzutun. Eine Zeitung in Georgia meinte, die Nordstaaten hätten am wenigsten Grund, nach einer freien Gesellschaft zu rufen: »Freie Gesellschaft! Uns wird übel bei dem Namen. Was ist sie außer einem Konglomerat schmieriger Handwerker, schmutziger Arbeiter, kleinkarierter Bauern und mondsüchtiger Theoretiker?« Kaum einer dieser Freien sei würdig, sich in die Gesellschaft eines südstaatlichen Gentleman zu begeben.

Die Sklaverei war das sine qua non des amerikanischen Bürgerkriegs. Gab es darüber hinaus einen grundlegenden Konflikt zwischen der Kultur des Nordens und des Südens? Hatten sich im Antebellum zwei verschiedene Lebensstile und Denkweisen entwickelt? War der Krieg die Folge einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gesellschaftsformen? Muß man die Mason-Dixon-Linie auch als Kulturgrenze verstehen? Historiker wie David Potter haben das bestritten. Nordund Südstaaten pflegten dieselbe Sprache, eine gemeinsame protestantische Religion, demokratische Einrichtungen, den Glauben an Fortschritt und materiellen Erfolg und einen gegen Europa gerichteten, zuweilen recht aggressiven Amerikanismus. Andere verwiesen die Vorstellung von zwei Kulturen ins Reich der Legende. Die beiden Regionen seien sich in wesentlichen Dingen ähnlich gewesen, andere Deutungen beruhten auf einer fiktiven Soziologie. Manche Südstaatler hielten sich sogar für die besseren Amerikaner und glaubten, der ursprünglichen Idee Amerikas getreuer zu leben als die Yankees."
Freilich sind die Unterschiede in wichtigen kulturellen Bereichen objektiv unübersehbar, und den Südstaatlern waren diese Unterschiede klar bewußt. »Die Gefühle, Gebräuche, Denkweisen und Erziehungsstile der beiden Regionen«, schrieb eine Zeitung in New Orleans kurz vor Kriegsausbruch, »sind diskrepant und oftmals antagonistisch.« Der Süden war im Vergleich zum Norden eine Hochburg religiöser Orthodoxie. Deistische Strömungen aus der vorrevolutionären Zeit und der aufgeklärte Unitarismus aus der Gründerzeit hatten sich im Süden verloren und nach Neuengland verlagert. Die Bibel verteidigte die Sklaverei, ergo gab es einen guten Grund, die Heilige Schrift wörtlich und nicht metaphorisch auszulegen. Der Protestantismus im Süden war überwiegend konservativ ausgerichtet. Der Kalvinismus kam wieder zu Kräften. John Calhoun vertrat Calvins anthropologische Konzeption des caveat emptor. Die evangelikalen Sekten der Baptisten, Methodisten und Presbyterianer breiteten sich aus, während die Episkopalische Kirche für die Klasse der Southern Gentlemen reserviert blieb. Eine bedeutende neue Theologie entstand im Süden nicht, stattdessen erlebte der Puritanismus eine Art Wiedergeburt. Die fundamentalistischen Sekten in Mississippi und Alabama verteufelten nicht etwa die Sklaverei, sondern Kartenspielen und Tanzen. Die puritanische Jeremiade kam wieder zu Ehren, ebenso das calling zum Propheten. Die gebildete Schicht meinte, im Sinne des moral stewardship für das Schicksal der weißen Rasse verantwortlich zu sein. Und manche glaubten sogar, die Sklavengesellschaft könne wie John Winthrops city-upon-a-hill der ganzen Welt Modell stehen."
Das öffentliche Erziehungssystem der Nordstaaten war eher utilitaristisch angelegt, im Süden lag der Akzent auf der Charakterbildung an Privatschulen. Die Klassiker wurden betont, die Naturwissenschaften vernachlässigt. In Virginia zeigten die wenigsten Counties Interesse daran, Steuern zur Errichtung öffentlicher Schulen zu erheben. Es gab keine Schulbuchautoren, Schulbücher mußten im Norden gekauft werden. Zwanzig Prozent der weißen Südstaatler waren Analphabeten. Im Mittleren Westen lag diese Quote bei drei Prozent, in Neuengland bei weniger als einem halben Prozent. An den Colleges studierten die klassenbewußten Söhne der Landaristokratie. Die Schulung der Elite wurde zum Nachteil eines öffentlichen Erziehungssystems betrieben. Nur bei den staatlichen Hochschulen war der Süden führend; die ersten Staatsuniversitäten wurden in Georgia, North Carolina und South Carolina gegründet. Ein episkopalischer Bischof plante eine die Region übergreifende »University of the South« als Gegengewicht zu den seiner Ansicht nach zu liberalen Universitäten im Norden. Dort sollte das System der Sklaverei verteidigt, die Studenten auf die traditionellen Ideale des Southern Gentleman eingeschworen werden, und zwar ohne Beteiligung von Yankeeprofessoren. Nordstaatliche Professoren sind in der Vorbürgerkriegszeit wegen ideologischer Gründe aus südstaatlichen Universitäten hinausgeworfen oder gar nicht erst berufen worden. Andere, wie Francis Lieber, haben der bildungs- und wissensfeindlichen Atmosphäre freiwillig den Rücken gekehrt.

Der kulturelle Schwerpunkt des Südens verlagerte sich vor dem Bürgerkrieg von Virginia nach South Carolina. Unter konservativen Vorzeichen wurde dort entschieden über Mode und Geschmack, über religiöse und sittliche Fragen. Die Südstaaten haben in dieser Zeit - außer John Calhoun in der Politik und Edgar Allan Poe in der Literatur - keine bedeutenden Köpfe hervorgebracht, jedenfalls keine, die sich mit denen des Nordostens hätten messen können. Die Aristokraten unternahmen ihre Bildungsreisen in den Norden oder die »Grand Tour« nach Europa - die Erträge waren bescheiden. Die Schriftsteller versäumten den Aufbruch zu neuen Romanformen, wie Hawthorne oder Melville ihn gewagt hatten.
Seit den Letters of the British Spy (1803) von William Wirt war die südstaatliche Literatur im Konventionellen steckengeblieben. Die Romane Walter Scotts, die im Süden noch mehr Begeisterung hervorriefen als im Norden, bestärkten die Landaristokratie in ihrer Lebensauffassung. Der Ehrenkodex, die süßliche Frauenverehrung, Jagd und Turniere, die kastellartige Architektur und die romantische Verklärung des Verhältnisses zwischen Herr und Knecht schienen zu der Welt Sir Walter Scotts gut zu passen. Scott hat einen direkten Einfluß auf südstaatliche Autoren wie John Pendleton Kennedy (Rob of the Bowl, 1838), William Caruthers (The Cavaliers of Virginia, 1835) und auf die historischen Romane des William Gilmore Simms ausgeübt. Kennedy verherrlichte in Swallow Barn (1832) das sonnige und sorgenfreie Leben auf den Plantagen alten Stils, den Frohsinn, die Gastfreundschaft und die Geselligkeit menschenfreundlicher Aristokraten.
In Quodlibet (1840) nahm er Jacksons Demokraten aufs Korn, die Glorifizierung der Mehrheit, die Demagogie und den Haß auf die Aristokratie. Augustus B. Longstreet schilderte in den Georgia Scenes (1835) das Leben der Farmer und poor whites im Hochland von Georgia wie eine rückwärtsgerichtete Utopie, die nicht mehr viel mit der Wirklichkeit zu tun hatte. Henry Clay Lewis ließ es in den Odd Leaves from the Life of a Louisiana Swamp Doctor (1843) mit ein paar Sticheleien gegen die »aristokratischen Krankheiten« der Pflanzer im Mississippi-Delta genug sein. Die Mehrzahl der südstaatlichen Literaten ging mit den politischen Zielen der herrschenden Klasse konform. Longstreet gab den State Rights' Sentinel heraus. George Washington Harris war ein aktiver Sezessionist. Nathaniel Tucker sah in The Partisan Leader (1836) eine nordstaatliche Diktatur heraufziehen.

William Gilmore Simms war der produktivste und der interessanteste Autor der »Charleston School of Literature«, die sich im damaligen Kulturzentrum des Südens herausgebildet hatte. Er hinterließ mehr als hundert Bände Lyrik und Prosa. Am bekanntesten ist The Yemassee (1835) geworden, ein historischer Roman über die Indianerkriege im kolonialen South Carolina. Die Bewohner der Südstaaten waren seiner Ansicht nach die wahren Erben der amerikanischen Revolution. In der Fortschrittsidee des Nordens erkannte er eine Gefährdung für Heim, Familie und soziale Stabilität. Die »Southrons«, wie er sie nannte, verdankten ihre Überlegenheit rassischen Eigenschaften, denn sie stammten nach seinen Erkenntnissen von aristokratischen Normannen und nicht wie die Neuengländer von plebejischen Rundköpfen ab. Moralische Bedenken gegen die Sklaverei hatte er nicht. Seinen Roman Woodcraft (1852) empfahl er den Lesern als Argument gegen Uncle Tom's Cabin.
Simms trat als literarischer Sprecher für die gesellschaftlichen und politischen Belange des Südens auf. Trotzdem fühlte er sich seiner Kultur entfremdet, weil er glaubte, als Schriftsteller und Publizist zu wenig Beachtung zu finden: »Ich befinde mich im Exil seit meiner Geburt ...« Seinen Landsleuten ein Gefühl für Kunst und Bildung zu vermitteln, das sei, als wolle man Wasser im Sieb schöpfen. »Der Süden schert sich einen Dreck um Literatur und Kunst.« Die Jeremiade war ein beliebtes Stilmittel von Simms und anderen südstaatlichen Autoren wie George Holmes und Edmund Ruffin, der Unzufriedenheit über das kulturelle Niveau ihrer Region Luft zu verschaffen. Die Dichter des Südens, sagte einer von ihnen, seien die Parias der modernen Literatur.`
Die kleine Minderheit südstaatlicher Abolitionisten machte die Sklaverei für den schweren Stand der Künste und Wissenschaften verantwortlich. Jesse Harrison beklagte in The Prospect of Letters and Taste in Virginia (1827) den Niedergang der virginischen Kultur. Für Cassius Clay war die Emanzipation der Sklaven Voraussetzung für einen kulturellen Aufschwung: »Freiheit war immer schon die Mutter der Künste.« Im Süden existierten keine großen Verlagshäuser. Die Nachfrage nach Büchern war mäßig. Der Bostoner Verlag Ticknor & Fields verkaufte nach Cincinnati fast so viele Bücher wie in den gesamten Süden. Kulturzeitschriften fanden wenig Echo und waren meist kurzlebig. Südstaatliche Autoren mußten auf andere Periodika wie die New Yorker Spirit of the Times ausweichen. Die Romane von William Gilmore Simms verkauften sich im Norden besser als im Süden. Er hat selbst der Provinzialität des Südens das Wort geredet, als er die Leser der Zeitschrift Magnolia aufforderte, nordstaatliche Literatur zu meiden, um nicht in Abhängigkeit zu geraten.

Von der Öffnung der Südwestregion für die Besiedlung blieben die Südstaaten nicht unberührt. Wie überall zog die geographische Mobilität die Auflösung von Familien und anderen sozialen Gruppierungen nach sich. Aufs Ganze gesehen war die Bevölkerung der südlichen Landesteile jedoch seßhafter, stabiler und stärker dem Status quo verpflichtet als die Bewohner des Nordostens und des Mittleren Westens. Selbstbewußte Südstaatler zählten zu ihren kulturellen Eigenheiten einen ausgeprägten Familiensinn, einen betont männlichen Ehrbegriff, die ritterliche Haltung gegenüber dem weiblichen Geschlecht, gute Manieren, Gastfreundschaft, galante Hilfsbereitschaft, Autoritätsbewußtsein und einen von der Etikette regulierten Umgang miteinander als Ausdruck vornehmer Lebensart. Ein Mann habe stolz und wagemutig zu sein, schrieb der Southern Literary Messenger, in der Schwäche, Hilflosigkeit und vertrauensvollen Hingabe der Frau liege die Krönung männlicher Triumphe und die Vollendung seiner Glückseligkeit. Südstaatliche Aristokraten, und nicht nur sie, schätzten ihre eigenen Tugenden höher ein als die gesellschaftlichen Ideale des Nordens, die ihrer Ansicht nach bestimmt waren von Materialismus, flegelhaftem Gleichheitsdenken, Selbsttäuschung und Flatterhaftigkeit.
Im Süden hielt man es sich sogar zugute, das Essen nicht so hastig hinunterzuschlingen wie die Yankees. Setzt man die Akzente anders, so herrschte im Süden Cliquenwirtschaft, eine enge Heiratsordnung innerhalb der angesehenen Familien, eine ebenso sentimentale wie verlogene Glorifizierung der Frau und ein verbohrter Widerstand gegenüber neuen Ideen. Der innovationsfeindliche Südstaatler beäugte soziale Reformbewegungen mit Argwohn. Nicht nur der Abolitionismus war ihm verdächtig, auch Feminismus, Pazifismus, Utopismus und andere Bewegungen fanden im Süden weniger Anklang als im Norden. Von der beinahe permanenten Aufbruchsstimmung der Epoche wollte man sich nicht anstecken lassen, und so konnte leicht der Eindruck entstehen, der Süden hinke hinter allen gesellschaftlichen Entwicklungen einher. Die Fortschrittsidee der Yankees, urteilte nach dem Krieg Edward Pollard in The Lost Cause (1866), sei nichts anderes als die Jagd nach Selbstbeweihräucherung.

Südstaatliche Autoren belegten die nordstaatliche Gesellschaft mit Attributen wie rastlos, unstet, chaotisch, revolutionär, exaltiert, aufgebläht, manisch, angeberisch, wetterwendisch, exhibitionistisch, nervös, spasmodisch, ungezügelt, familienfeindlich, geschichtslos. »Nichts ist festgelegt in der Religion, der Ethik oder in der Politik.« Und aus der Perspektive des Nordens war der Süden unbeweglich, fortschrittsfeindlich, rückständig, unfrei, unaufgeklärt und halbbarbarisch. »Der Norden prosperiert und der Süden nicht«, konstatierte die Chicago Tribune. »Der eine wächst und gedeiht durch einen Prozeß, den Freiheit und Zivilisation ständig beschleunigen. Der Süden fällt weit zurück durch einen Prozeß, den Unwissenheit und Sklaverei in Gang setzen. Wohlstand, Macht, Intelligenz, Religion und zivilisatorischer Fortschritt sind mit ersterem. Letzterer ist stationär und rückschrittlich.« Der Süden stellte Familiensinn, Heimatliebe und Traditionspflege über den Fortschritt. Die Beschwörung der Tradition diente zur Rechtfertigung der Sklaverei.
»Das Volk dieses Staates«, verkündete das Parlament von South Carolina, »wird bei einem System bleiben, das von ihren Vorfahren auf sie gekommen ist und jetzt untrennbar mit ihrer sozialen und politischen Existenz verbunden ist.« Es ist möglich, daß dieser Standpunkt nicht nur die Verschleierung handfester wirtschaftlicher Interessen erleichterte, sondern daß der Süden an der archaischen Institution der Sklaverei deswegen so hartnäckig festhielt, weil er generell vor einschneidenden gesellschaftlichen Veränderungen zurückschreckte. Zumindest wurde das kulturelle Beharrungsvermögen als gesellschaftliche Norm propagiert. Ein echter Gentleman habe der Familientradition und der Familienpflege alle anderen Erwägungen unterzuordnen, forderte Daniel Hundley in einer Schrift über die Social Relations in Our Southern States (1860). Der Südstaatler wolle nach Art der Väter in Europa und in der Neuen Welt leben: »Der alte Landsitz, die vertrauten Stimmen alter Freunde, die treuen und wohlbekannten Gesichter der alten Dienstboten - all dies ist dem südstaatlichen Gentleman im Innern teurer als der kurzlebige Beifall einer Schar von Bewunderern oder die hohlen und unbefriedigenden Vergnügungen der Sinne ...« Sich unter dem eigenen Feigenbaum zurücklehnen können, schwärmte Hundley, bedeute wahres Glück.

Place over Time
nannte der Historiker Carl Degler seine Studie über den amerikanischen Süden, weil dort Bodenständigkeit und familiäre Bindungen höher eingeschätzt wurden als der Fortschritt in der Zeit. Selbst der Expansionsdrang des Südens ist im Vergleich zu dem linearen »Go West!« eines Horace Greeley eher zyklisch angelegt. Die »Knights of the Golden Circle« planten eine Gebietserweiterung, die von Florida ihren Ausgang nehmen und sich entlang der Golfküste bogenförmig nach Mexiko bis zur Halbinsel Yukatan fortsetzen sollte - eine Arrondierung also, kein ungestümes Vorwärtsdrängen zu offenen Grenzen. Ob die sozialpsychologischen Unterschiede zwischen Nord und Süd auf eine unterschiedliche Stammbevölkerung zurückgehen, ist ungewiß.
Der Historiker U. B. Phillips schloß den Einfluß einer selektiven Wanderungsbewegung aus: Wer nach Pennsylvania ging, wer Virginia den Vorzug gab, das sei nicht von bestimmten Charaktereigenschaften abhängig gewesen. Autoren der damaligen Zeit waren anderer Meinung. Edward Pollard bemerkte sehr wohl einen Unterschied zwischen den puritanischen Einwanderern, die den kargen Boden Neuenglands wählten, und Engländern, die es in den milderen Süden zog. Daniel Hundley pochte auf den unverwechselbaren Stammbaum des südstaatlichen Gentleman: englische Cavaliers, französische Hugenotten und schottische Jakobiter. Ein Sezessionist aus Missouri war stolz darauf, daß kein Tropfen Yankeeblut in seinen Adern floß: »Meine Vorfahren schlummern seit 300 Jahren unter einem Rasen, der die Gebeine von Washington beherbergt, und ich danke Gott, daß sie in den Gräbern aufrechter Sklavenhalter ruhen.«

Die Mentalitätsunterschiede führten zu einer Verschärfung des Umgangstones zwischen Nord und Süd, und gelegentlich blieb es nicht mehr bei verbalen Attacken. Das Atlantic Monthly wollte nicht einsehen, warum sich der stärkere Teil der Nation die Tyrannei des schwächeren gefallen lassen sollte, warum intelligente, gebildete und zivilisierte Bürger die Launen analphabetischer Barbaren länger hinnehmen sollten. Daß der Süden »retrograd« sei und in Barbarei versinke, wurde im Norden besonders nach dem Attentat auf Charles Sumner behauptet, den ein südstaatlicher Gegenspieler im Senat mit Stockschlägen schwer verletzt hatte. Wo blieb hier die Ritterlichkeit, fragte ein New Yorker Rechtsanwalt. In seinen Augen waren die Südstaatler fortan »eine Rasse fauler, unwissender, grober, sinnlicher, großtuerischer, gemeiner, bettelarmer Barbaren, die weiße Männer schikanieren und kleine Nigger züchten und verkaufen«.

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