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© William C. Davis, Rebels & Yankees, Motorbuch Verlag Stuttgart

 

Utensilien der Union / Konföderation



AUSZEICHNUNGEN & MEDAILLEN

Die Amerikaner standen ursprünglich militärischen Auszeichnungen sehr skeptisch gegenüber, denn mit Blick auf Europa betrachteten sie diese als eine Form von elitären Ritterorden oder Gnadenerweisen von regierenden Herrscherhäusern. Während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1775 - 1783) stellte sich aber heraus,
daß besondere Tapferkeit durch ein sichtbares Zeichen belohnt werden müßte, und so schuf General George Washington am 7. August 1782 das "Badge of Military Merit" (Militärisches Verdienstabzeichen), das aus einem purpurroten, verzierten Stoffherzen bestand. Dieses Abzeichen wurde nach dem Krieg nicht mehr verliehen und erst 1932 als Verwundetenabzeichen ("Purple Heart") in veränderter Form wieder eingeführt. Nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges begann erneut eine Diskussion um militärische Auszeichnungen. Entsprechende Vorschläge des Heeres wurden mit den oben genannten Bedenken abgelehnt, doch schließlich setzte sich die Marine mit dem Wunsch nach einer Auszeichnung für hervorragende Tapferkeit durch.

Präsident Abraham Lincoln genehmigte mit Kongreßbeschluß am 21. Dezember 1861 die Einführung einer Tapferkeitsmedaille, die an Unteroffiziere und Mannschaften der Marine (U.S. Navy) und der Marineinfanterie (U.S. Marine Corps) verliehen werden konnte. Sie erhielt die Bezeichnung "Medal of Honor" (Ehrenmedaille).
Das Heer forderte nun ebenfalls eine Auszeichnung. Und so wurde am 12. Juli 1862 die "Medal of Honor" auch für Unteroffiziere und Mannschaften des Heeres genehmigt. Die Verleihung sollte im Namen des Kongresses erfolgen. Seit dem 3. März 1863 konnte die Medaille dann auch Offizieren des Heeres verliehen werden, Marineoffiziere erhielten dieses Recht erst am 3. März 1915. Die Medaille war für Heer und Marine gleich, nur die Aufhängung und Spange waren unterschiedlich. Im Medaillon befindet sich eine allegorische Darstellung des Krieges. Columbia, in Gestalt der Göttin Minerva, wehrt mit einem Schild die mit Schlangen "bewaffnete" Discordia (Zwietracht) ab.

 

Diese Ehrenmedaille sollte für lange Zeit die einzige offizielle staatliche Auszeichnung für Verdienste im Bürgerkrieg bleiben.
Da ihre Form, ihr Band und die Aufhängung von vielen inoffiziellen Medaillen (siehe weiter unten) "mißbraucht" wurde,
änderte man 1896 erst das Band und 1904 auch die Medaille. Heute gibt es die "Congressional Medal of Honor" in verschiedenen Formen für Heer, Luftwaffe und Marine.
Sie wird als höchste militärische Auszeichnung als Halsorden getragen.
Als Major General Adna R. Chaffee, der ein amerikanisches Kontingent zur Niederschlagung des Boxer-Aufstandes 1904 in China führte, sah,
daß Soldaten anderer alliierter Kontingente Erinnerungsmedaillen an diesen Feldzug erhielten, schlug auch er eine solche Medaille vor.
Die Idee wurde vom Kriegsministerium aufgegriffen und auch auf zurückliegende Feldzüge erweitert. So erhielten die aktiven Soldaten des Heeres,
die noch am Bürgerkrieg teilgenommen hatten, am 12. Januar 1905 eine Erinnerungsmedaille(Civil War Campaign Medal).
Marineangehörige erhielten eine solche Medaille erst ab 27. Juni 1908 und seit 13. August 1908 durften sie auch pensionierte Soldaten tragen.
War der Soldat bereits verstorben, erhielten die nächsten Angehörigen die Medaille.

Nachträglich erhielten sechs Soldaten zusätzlich den "Silver Citation Star" für Tapferkeit verliehen, der in Form eines kleinen,
silbernen Sterns am Band der Medaille getragen wurde. Um die ehemaligen Südstaaten nicht zu provozieren,
wählte man als Motiv für die Medaille des Heeres den Kopf von Abraham Lincoln mit der Umschrift
"WITH MALICE TOWARD NONE WITH CHARITY FOR ALL" (etwa: "Ohne Groll gegen jemanden, mit Nächstenliebe für alle").

 

Bei der Medaille der Marine und Marineinfanterie war man nicht mehr so rücksichtsvoll,
sie zeigt das Seegefecht der Panzerschiffe "Monitor" und "Merrimac" am 9. März 1862
und die Beschriftung "THE CIVIL WAR" und "1861-1865".

 

Doch die ehemaligen Soldaten wollten schon bald nach dem Bürgerkrieg zeigen, daß sie daran teilgenommen hatten, und so wurden von patriotischen Veteranenvereinen und auch von militärischen Einheiten inoffizielle Erinnerungsmedaillen in Hülle und Fülle verteilt, die sich die ehemaligen Soldaten stolz an ihre "zivile" Brust hängen konnten. Dabei hat sich die 1866 gegründete "Grand Army of the Republic" (GAR), der wohl größte Krieger- und Soldatenverein mit zeitweise bis zu 490 000 Mitgliedern,
besonders hervorgetan. Bei ihren nationalen Treffen, "Encampments" genannt, wurden die verschiedensten Medaillen, teilweise in unterschiedlichen Stufen,
an die Mitglieder und Förderer verteilt. Auffallend ist, daß viele davon eine bewußte Ähnlichkeit mit der "Medal of Honor" haben.
Die letzten Medaillen wurden 1949 an die letzen sechs noch lebenden Veteranen ausgegeben. Als 1956 der letzte Bürgerkriegssoldat im Alter von 106 Jahren starb,
löste sich der Verein auf.

Wenig bekannt ist, das auch die Südstaaten ein Gegenstück zur "Medal of Honor", das "Southern Cross" (Kreuz des Südens) geplant hatten,
das aber nie zur Ausführung kam. Erst als sich die Wogen im Laufe der Zeit geglättet hatten, gaben Veteranenvereine in den Südstaaten eigene,
inoffizielle Erinnerungsmedaillen heraus, die diesem Kreuz nachempfunden waren.

 

 

Die nachfolgenden Abbildungen zeigen eine sehr schöne Auswahl von inoffiziellen,
nichtmilitärischen Erinnerungsmedaillen und die "Medal of Honor" für Heer und Marine im Etui.

 


 


 

 

 

 


 

 

"Medal of Honor" für Marine im Etui (links)

 

 

"Medal of Honor" für Heer im Etui (rechts)

 

 

 

 

 

 

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