Mit
freundlicher Unterstützung
Appomattox
Die
abgebildete weiße „Fahne“ ist die Hälfte eines
Geschirrtuches. Nach dem Krieg überreichte sie General Philip Sheridan der Ehefrau von General Custer in Anerkennung für dessen Verdienste.
und
danach...
Am
nächsten Morgen waren der Rest der einstmals so wichtigen Südstaatenarmee
bei Appomattox Court House, einem kleinen Dorf, eingekreist. Mit knapp
50 000 Mann hatte sich Lee aus Petersburg abgesetzt und in den Nachhutgefechten
waren über 13 000 Soldaten in Gefangenschaft geraten und mehrere
Tausend gefallen. Der
ländliche Ort Appomattox Court House war der Sitz der Kreisbehörden
des Appomattox County. Die Kapitulationsverhandlungen fanden nicht,
wie häufig angenommen wird, im Gerichtsgebäude (court-house)
des Ortes statt, sondern in einem privaten Haus, das Wilmer McLean zur
Verfügung gestellt hatte. Als er nach den Verhandlungen nach ein
paar Tagen sein Haus betrat, war es leergeräumt, denn alles, was
nicht niet- und nagelfest war, hatten Souvenirjäger zur Erinnerung
an dieses denkwürdige Ereignis aus dem Haus geschleppt. Er versuchte
danach sein Eigentum zurückzubekommen, doch vergebens.
Das
McLean-Haus, in dem die Kapitulationsverhandlungen geführt wurden
Fünf
Tage später forderte Johnston einen Waffenstillstand, um sich Instruktionen
von der konföderierten Regierung einzuholen. Präsident Jefferson
Davis war am 2. April aus Richmond geflohen. Am 11. erreichte der Eisenbahnzug
North Carolina und passierte Greensboro, wobei er nur knapp der verfolgenden
Kavallerie unter General Stoneman entging. Jefferson Davis hoffte den
Mississippi zu überqueren, um im dortigen Armee-Department mit
den Kräften unter General Kirby Smith und Richard Taylor den Widerstand
fortzusetzen.
Kirby Smith kapitulierte am 26. Mai 1865, die Tage der Konföderation waren zu Ende. In den Bergen Virginias hielten die letzten Partisan Ranger noch Wochen nach Appomattox aus, und weigerten sich, die Aufgabe Lees anzuerkennen; ohne offizielles Waffenniederlegen lösten sich die Guerrillas auf und kehrten still in ihre Heimatorte zurück. Am 23. Juni kapitulierten die indianischen Truppen unter ihrem General Stand Watie, doch die letzte Flagge der Konföderierten wurde erst am 6. November eingeholt, als das Kaperschiff CSS Shenandoah, Kapitänleutnant Waddell, in Liverpool einlief und sein Schiff den Briten übergab.
Der Krieg war beendet, die Nation - jedenfalls offiziell - wiedervereinigt. Der Süden würde nie wieder wie vorher sein, verarmt, ausgehungert, gebrandschatzt und geplündert. Hunderttausende waren tot. Jede Hoffnung auf eine Aussöhnung ging mit dem Schuß des Schauspielers William Booth am Abend des 14. April verloren. Lincolns Ermordung zerstörte auch den Plan dieses großen Mannes, mit einer Politik der gemäßigten Schritte eine Wiedereingliederung der Sezessionsstaaten zu erleichtern. Die schließlich von Lincolns Nachfolger bis 1877 durchgeführte Rekonstruktionspolitik unterwarf die besiegten Südstaaten einer militärischen Besatzungspolitik, deren Begleiterscheinungen an Ungerechtigkeiten und Korruption die Kluft zwischen Nord und Süd offenhielt und die Atmosphäre auf Jahrzehnte vergiftete. Tiefer politischer Haß, Ressentiments und Enttäuschung waren die Folge jener Nordstaatler, die nach der Kapitulation im Süden Verwaltungsposten und Kontrollfunktionen auf Kommunal- und Staatsebene übernahmen, nur um sich persönlich zu bereichern. Zusammen
mit opportunistischen Politikern des Südens stießen diese
»carpetbaggers« (so vom Volksmund nach ihren bei Abreise
wohlgefüllten Koffern aus Teppichstoff genannt) die Bevölkerung
noch tiefer in Chaos und Schulden. Die Rekonstruktionspolitik der harten
Kontrollen kam einer legitimierten Ausplünderung des Südens
gleich. Ergebnis der Politik jener »Radikalen Republikaner«,
die bereits in Opposition zu Lincolns gemäßigten Ansätzen
gestanden hatten.
»Winter
kam über uns, und für eine Zeit schwieg der Puls der Kriegstrommeln
... Soziale Vergnügungen gab es im Überfluß, und während
die Dauer des Lebens so unsicher blieb, waren Unterhaltungen, Tanzveranstaltungen
und Hochzeiten zahlreich. Das Geräusch der Salonmusik und der »Tänzer,
die im Rhythmus tanzen« konnte in Reichweite der Kanonenkugeln
gehört werden. Es war nicht ungewöhnlich, in einen Salon zu
einem Besuch oder Walzer mit Sporen und Säbel zu gehen, während
Ordonnanzen draußen die Pferde hielten, um beim ersten Alarm aufzusitzen.
Es war kein Gegenstand für Kommentare, die eine Hälfte der
Nacht im Sattel zu verbringen, um die andere Hälfte in einer gesellschaftlichen
Träumerei zu verbringen ...« Schlimmer noch, vor den Toren der Hauptstadt standen Grants Soldaten, und die Armee von Northern Virginia hungerte, obwohl in Georgia und Richmond Millionen von Fleisch- und Brotrationen verfaulten, weil es kaum noch Eisenbahnen, kaum noch Maultiergespanne für die Transportwagen gab.
Hinrichtung
der Booth-Komplizen Surrat, Powell, Harold und Atzerodt
Columbia
brannte auf die Grundmauern nieder, alle Eisenbahnstränge nach
Charleston waren unbrauchbar. Die Kavallerie hatte die Schwellen übereinandergetürmt
und die Schienen auf den riesigen Feuerhaufen gelegt. Die rotglühenden
Streben wurden dann um Baumstämme gewickelt - Shermans Krawatten.
Und am Horizont kündete roter Feuerschein von den brennenden Baumwollballen
und Mühlen, das Ende von »King Cotton«, auf dessen
Wirtschaftsmonopol die Konföderation ihre Hoffnungen gesetzt hatte. Appomattox
Court House, die Kapitulationen, der Zusammenbruch der alten Ordnung
bedeutete für viele nicht das erhoffte Ende des Krieges und der
Not.
Selbst ihre Pferde konnten sie mitnehmen, für die Frühjahrsaussaat- dies hatte General Lee dem Nordstaatengeneral als Kompromiß abringen können. Am Ende wurde selbst Ulysses S. Grant seinem Beinamen »Unconditionell Surrender Grant« nicht ganz gerecht. Dem besiegten Feind wurden letzte Ehren zuteil: Offiziere behielten ihre Seitenwaffen, die Mannschaften gaben nicht ihre Musketen ab, sondern stellten sie selbst zu Pyramiden zusammen, bevor sie in eine ungewisse Zukunft entlassen wurden.
Unionstruppen
posieren nach Lees Kapitulation für ein Erinnerungsfoto vor dem
Gerichtsgebäude in Appomattox. Nicht
alle kehrten ruhig in ein Zivilleben zurück, viele fanden ihr Heim
als Ruine, ihre Felder verwüstet, ihre Stadt in Schutt und Asche
vor und besaßen nicht mehr den Mut, neu anzufangen.
Andere
gingen nach Westen, um ihr Glück als Händler, Goldsucher oder
Cowboys zu machen.Viele
trafen ihre ehemaligen Gegner aus dem Norden in den Reihen jener Schienenleger-Kolonnen
wieder, die den Westen erschlossen. Die Arbeiter der Union Pacific,
der Northern Pacific und der Central Pacific Railroad-Gesellschaften
waren nicht nur Arbeiter, sie führten ihre Gewehre und Revolver
ständig mit sich, um vor Indianerüberfällen sicher zu
sein.
Und
was wurde aus den Waffen? Der Waffenboom war vorüber. Dutzende von Firmen, die sich auf die lukrativen Regierungsaufträge verlegt hatten, mußten nun ihre Hoffnungen auf schnellen Reichtum aufgeben. 1864 war noch ein ertragreiches Jahr gewesen. Allein für die Kavallerie hatte die Regierung 154 400 Pferde und 150 000 Sätze Zaumzeug und Sättel beschafft, ferner wurden 93 000 Karabiner ersetzt, 71 000 Revolver gekauft und 90 000 Säbel geliefert - das alles bei einer Mannschaftsstärke von weniger als 150 000 Mann, die allerdings der Regierung an Sold, Verpflegung, Futter, Kleidung und Ausrüstung die stattliche Summe von über 125 Millionen Dollar in diesem Rechnungsjahr kostete. Von
diesem Dollarregen war 1865 kaum etwas übrig. Das Zeugamt beglich
zwar noch die ausstehenden Rechnungen und honorierte laufende Lieferungen,
bestellte aber nach Appomattox keine neuen Waffen mehr. Zusammen mit
dem Beutegut verfügte die Regierung in Washington auf ihrem Territorium
über die weltgrößte Ansammlung von Kriegsmaterial.
Zwar wurden noch einige Regimenter, besonders die der Kavallerie,
monatelang als Besatzungstruppen im Süden festgehalten, aber
die Massenheere der Union sahen einer baldigen Entlassung entgegen.
In
den Monaten Juni, Juli, August gaben Regiment auf Regiment, bzw. oft
nur noch deren dezimierte Reste, ihre Waffen und Uniformen in den
Lagerhäusern ab. Das Zeugamt und die Quartiermeister-Abteilung
sah sich vor einem Gebirge von Waffen und Ausrüstungsgegenständen,
für das es keinen Verwendungszweck gab. Es war die Zeit der schnellen Händler, der gewieften Ein- und Verkäufer mit Übersee-Verbindungen. Der belgische Waffenhandel griff die Möglichkeit auf und kaufte für Spottpreise bessere Gewehre und Karabiner aus Amerika zurück, als in den ersten Kriegsjahren für das fünf- bis zehnfache Geld dorthin verkauft wurden. Deutsche und amerikanische Musketen der Kaliber .69 bis .75 durchliefen eine seltsame Wandlung. Handelsfirmen auf beiden Seiten des Atlantiks ließen die Vorderschäfte bis auf einen Ring verkürzen und boten die Flinten als Jagdgewehre an. Österreichische Karabiner und Jägerstutzen wurden zum zweiten- oder drittenmal aptiert, indem ihnen nun statt der Perkussionszündung Steinschloßhahn und Batterie verpaßt wurden, um sie in Afrika und Südamerika den Eingeborenen zu verkaufen. Mit
dem Krieg in Europa begann auch der Waffenhandel wieder zu florieren.
1870 waren die langen Spannungen zwischen dem von Preußen dominierten
Deutschland und dem französischen Kaiserreich einmal mehr in
einen Krieg eskaliert. Die »Erbfeinde« waren sich wieder
gegenseitig an der Kehle und Frankreich benötigte nach anfänglichen
Verlusten bei Sedan und Wörth Ersatz an Munition und Gewehren.
Amerikanische Firmen lieferten, allen voran Marcellus Hartley von
Hartley, Graham & Schuyler, New York, und die Firma Remington.
Allein 35 000 Spencer Karabiner und zwei Drittel der von der Regierung
während des Bürgerkrieges angekauften Patronen wurden auf
öffentlichen Auktionen der U.S. Army Surplus-Bestände erworben
und an Frankreich verkauft, das nach der Abdankung des dritten Napoleon
nun wieder Republik war und sich den »boches« durch eine
»levee en masse« entgegenstemmte. Zehntausende von wertvollen und heute gesuchten Sammlerwaffen verließen so den amerikanischen Kontinent und verschwanden in europäischen Arsenalen. Remingtons »Zouave Rifle«, das Modell 1863, ging an belgische Händler, welche die völlig ungebrauchten Waffen zu Flinten aufbohrten und sie nach Indien und Afrika verschifften. Die Preußen erbeuteten über 100 000 Springfields und verkauften sie für etwa einen Dollar das Stück an die türkische Armee. Und mancher Sammler, der heute vierstellige Summen für diese Musketen und frühen Hinterlader zu zahlen bereit ist, verbringt mit feuchtglänzenden Augen manche Stunde über den alten Katalogen von Bannerman, Alfa oder ähnlichen Versandhäusern, die noch vor dem 1. Weltkrieg jeden nur erdenklichen Artikel aus den Bürgerkriegsarmeen liefern konnten.
Waffen siehe unter: Waffen des Buergerkriegs
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