Mit freundlicher Unterstützung:
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
© William C. Davis, •Soldaten des US-Bürgerkrieges 1861-1865•
© Jan Boger, Der US-Bürgerkrieg 1861-1865
sowie zeitgenössischen Dienstvorschriften und Fotografien

 

Bearbeitet von E. Liebe, RAG Militärgeschichte, 85077 Manching

 

Artillerie

Seite 1

 

 

 


Whitworth 2,75-Zoll gezogenes Hinterladergeschütz, ein Zwölfpfünder, der von den Konföderierten u. a. bei Gettysburg eingesetzt wurde.

Die Reichweite bei 5° Rohrwinkel betrug 2800 Yards, die Ladung 790 Gramm.












 

 

 

The German Light Artillery.

Im Dezember 1860 rekrutierten Charlestons deutschstämmige Bürger die German Light Artillery. Die Einheit besetzte Fort Moultrie im Hafen der Stadt und wurde im August 1861 als Company H (German Volunteers) in das Infanteriebataillon der Legion Wade Hamptons eingegliedert.

 

 

 

 

Die Gattungen der Artillerie
»Nur wer klare Begriffe kennt, kann richtig führen.« (Militärischer Grundsatz)

 

Die Artillerie der U.S. Armee setzte sich im Bürgerkrieg
aus folgenden Truppengattungen (Branches) zusammen:

 

Feldartillerie (Field Artillery)

Bei den Bezeichnungen der Feldartillerieeinheiten machten es sich die Amerikaner, vor allem die Freiwilligeneinheiten, besonders schwer:

 

Feldartillerie (Field Artillery)

war die offizielle Bezeichnung für Einheiten, die im Felde entweder mit der Infanterie oder der Kavallerie eingesetzt wurden. Einheiten der Feldartillerie auf beiden Seiten bezeichneten sich selbst oft als »Leichte« (Light) Artillerie, dies war aber damals schon nicht offiziell, wurde aber häufig gebraucht und geduldet.
Diese Feldartillerie war wiederum in zwei Gruppen unterteilt, die als »Berittene« (Mounted) oder »Reitende« (Horse) Artillerie bezeichnet wurden.

 

Berittene Artillerie (Mounted Artillery)

Diese offizielle, aber äußerst verwirrende Bezeichnung erhielten Feldartillerieeinheiten, die der Infanterie zugeteilt waren. Verwirrend deshalb, weil diese Einheiten gar nicht beritten, sondern nur pferdebespannt waren. Der Ausdruck stammte noch aus der Zeit vor 1838, als die Soldaten der Artilleriekompanien in Fahrer und Kanoniere eingeteilt waren. Die Fahrer zählten zu den beritten Truppen und erhielten höheren Sold, während die Kanoniere, die auf den Protzen aufsaßen oder marschierten, zu den »Fußsoldaten« zählten.
Dies änderte sich 1838, als man eine Kreuzausbildung einführte. Was bedeutete, daß Fahrer als Kanoniere und Kanoniere als Fahrer eingesetzt werden konnten. Der Ausdruck »beritten« wurde jedoch beibehalten. Ab und zu wurde auch der Begriff »bespannt« (harnesssed) gebraucht, der eigentlich für diese Gattung der Artillerie der zutreffendste war.

 

Reitende Artillerie (Horse Artillery)

war die offizielle Bezeichnung für Feldartillerieeinheiten, die der Kavallerie zugeteilt waren. Um mit den schnellen Truppenbewegungen der Kavallerie mithalten zu können, waren hier auch die Kanoniere beritten.


        

         Mützenabzeichen der Artillerie
Gebirgsartillerie (Mountain Artillery)
Die Gebirgsartillerie bestand aus speziellen Einheiten mit leichten Gebirgshaubitzen.
Leichte (Light) Artillerie
In der amerikanischen Artillerie bedeutete »leicht« (light) nicht das Gegenteil von »schwer« (heavy). Der inoffizielle Begriff »Leichte Artillerie« wurde häufig als Synonym für »Feldartillerie« gebraucht, war aber eigentlich nur für die »Reitende« Artillerie zutreffend, wobei »leicht« nichts mit dem Gewicht der Geschütze zu tun hatte, sondern mit der Geschwindigkeit ihrer Bewegungen im Gelände.

 

 

Fliegende Artillerie (Flying Artillery)

Diese inoffizielle und ziemlich romantische Bezeichnung taucht noch im Bürgerkrieg auf, stammt aber aus der Zeit des amerikanisch-mexikanischen Krieges (1846 – 1848). Gemeint ist die schnelle, reitende Artillerie (Horse Artillery).

Zusammengezogene Batterien (Consolidated Batteries)
Aufgrund von Personal- oder Geschützverlusten wurden im Bürgerkrieg von Zeit zu Zeit Batterien verschiedener Artillerieregimenter zusammengefaßt, die dann als »Consolidated Batteries« bezeichnet wurden.


Fußartillerie (Foot Artillery)

war die offizielle Bezeichnung für die schwere Artillerie (Heavy Artillery).
Zu ihr zählten die Festungsartillerie (Garrison Artillery), die Belagerungsartillerie (Siege Artillery) und die Küstenartillerie (Sea Coast Artillery).

 

Übersicht der Geschützklassen

Geschütze wurden nicht nur nach Kalibern und Größe, sondern auch nach ihrer taktischen Anwendung unterschieden: Feldartillerie, Belagerungs- und Festungs- oder Küstenartillerie. Während des Bürgerkrieges wurden drei Geschützarten gemäß ihrer Bau- und Feuerweise benutzt:

Die Kanone (gun): ein langrohriges Geschütz, glatt oder gezogen (smoothbore/rifled) zum Verschießen von Kugeln, Granaten oder Kartätschen auf größere Entfernung im direkten Schuß mit flacher Flugbahn.

Der Mörser (mortar): kurzläufige, großkalibrige Waffe mit glattem Rohr zum indirekten Beschuß in der oberen Winkelgruppe (Steilfeuer). Im Gegensatz zu Kanonen ist ihre Treibladung trotz großer Kaliber geringer, da sie die schwerkraftbedingte Fallgeschwindigkeit ausnutzen. Zumeist im Beschuß fester Stellungen und verteidigter Städte angewandt.

Die Haubitze (howitzer): liegt klassenmäßig zwischen den beiden vorgenannten Rohrwaffen, hat einen kürzeren Lauf als die Kanone und ist in der Lage, einen größeren Winkelbereich auszunutzen. Traditionell hatten Haubitzen auch eine Pulverkammer mit kleinerem Durchmesser als das Rohr. Sie waren leichter als Kanonen.
Die berühmte 12-Pfünder »Napoleon« M1857 war in der Diktion jener Zeit eine Haubitzkanone (gun-howitzer).

 

Die Feldartillerie

Im Dezember 1861 lagerte die »Surry Light Artillery« aus Virginia in der Nähe des James-Flusses. Sie hatte die Feuertaufe immer noch vor sich. Der Kommandeur, Colonel Roger A. Pryor, hätte die Einheit lieber bei der Infanterie gesehen. So hatte er bisher erfolgreich verhindert, daß die Einheit brauchbare Kanonen erhielt oder mit den vorhandenen alten Geschützen regelmäßig exerzierte. In der ersten Dezemberwoche beschloß er jedoch, seine Einheit »im Laden und Feuern richtig üben zu lassen«, wie Private Benjamin Jones berichtete.

»Der Colonel wollte sehen, ob unsere Kanoniere die Breitseite eines Hauses treffen konnten«
schrieb Jones. Auf ein Bauernhaus in etwa einer halben Meile Entfernung deutend, forderte der Oberst die Batterie auf, dieses unter Feuer zu nehmen, »er wäre sicher, daß sie allesamt eine Fahrkarte schießen würden«. Doch kurz darauf konnte man vier saubere Löcher in der Hauswand beobachten. Freilich hatte sich niemand die Mühe gemacht, überhaupt herauszufinden, ob das Haus bewohnt war.
Dies war der unrühmliche Anfang einer der bekanntesten Artillerieeinheiten des Südens.

In der Tat konnten nur wenige Artillerieeinheiten beider Seiten den Krieg mit irgendwelchen Glanztaten beginnen. Die Artillerie war schlicht die »vergessene« Waffengattung. In der ersten Kriegsbegeisterung meldeten sich die Freiwilligen hauptsächlich zur Infanterie, der sogenannten Krone aller Waffen. Der Infanterist mit seinem glänzenden Bajonett, der in Reih und Glied in den Krieg zog, galt als Sinnbild des Kriegen schlechthin.

Und die Kavallerie lockte mit klirrendem Pferdegeschirr, blitzenden Säbeln und schmucken Federnhüten sowie dem Anspruch, etwas besonderes zu sein. Dagegen übte die Artillerie keinerlei Anziehungskraft auf die Freiwilligen aus. Genau dies war auch der Grund, weshalb Colonel Pryor die »Surry Light« lieber bei der Infanterie sehen wollte.

Im April 1861 verfügte die U.S. Armee lediglich über vier Artillerieregimenter zu je 12 Kompanien. Im Mai wurde hastig ein 5. Regiment aufgestellt, so daß zu Kriegsbeginn 60 reguläre Artilleriekompanien mehr oder weniger einsatzbereit waren.

 

 

Zwanzigpfünder-Parrott-Geschütz

 

 

Doch hatte es vor dem Kriege auch einige freiwillige Artilleriebatterien gegeben, einige innerhalb der Staatsmilizen, andere als betuchte »Bruderschaften«. Die berühmteste dieser Einheiten war zweifellos die 1838 gegründete »Washington Artillerie« von New Orleans, die schon im Krieg gegen Mexiko eingesetzt war. Die Musterrollen spiegelten die obere Schicht der Gesellschaft von New Orleans wider. Für junge Leute, die gesellschaftlich weiterkommen wollten, war ein Engagement bei dieser Truppe einst sogar unerläßlich. 1857 standen jedoch nur noch 13 Namen auf der Musterrolle. Die Infanteriekompanien der Miliz waren gesellschaftlich interessanter geworden, zumal der Umgang mit den Kanonen nicht nur dreckig und laut war, sondern auch Knochenarbeit erforderte.

Anderenorts gab es ähnliche Organisationen, wie zum Beispiel die »Richmond Howitzers«, die »Washington Light Artillery of Charleston«, die »Norfolk Light Artillery Blues« und andere. Im Vergleich zu den überall entstehenden Infanterieeinheiten blieb ihre Anzahl jedoch gering. Es gab eben in Amerika keine artilleristische Tradition.

Wer wollte schon zum militärischen Exerzieren und Handwaffendrill zusätzlich den Geschützdrill und den Gespanndrill auf sich nehmen. Außerdem schreckten die Notwendigkeit einer gewissen technischen Begabung, die körperliche Schwerarbeit und ein Grundwissen an Mathematik - zumindest für die Unteroffiziere - zahlreiche Freiwillige ab.

 

 

 

 

Und natürlich schien der Dienst bei der Artillerie gefährlicher zu sein als bei anderen Waffengattungen. Kanonen waren schließlich die Ziele anderer Kanonen und die Aussicht, von mehreren Pfund schweren Granaten zerrissen zu werden, war nicht besonders einladend. Auch die Kosten für die Artillerie konnten von den Bezirken nicht aufgebracht werden, so daß die Artillerie auf die Unterstützung des Staates oder der Zentralregierung angewiesen war. Die Artillerie blieb aus diesen Gründen auf beiden Seiten immer die kleinste Waffengattung. Während des Krieges wurden im Norden 432 Batterien aufgestellt, die insgesamt zwölf Prozent aller aufgestellten Einheiten ausmachten. Der Süden stellte 268 Batterien auf, deren Gesamtanteil 18 % betrug.


 

Erinnerungsfoto (Ausschnitt) der Selbständigen Batterie E der Pennsylvania Light Artillery nach der Schlacht am Antietam.
Im Gefecht standen die Gespanne dicht hinter den Geschützen um einen schnellen Stellungswechsel zu ermöglichen.  


Doch wenn sich die Soldaten erstmal mit ihrem Artilleristendasein abgefunden hatten, wehrten sie sich gegen jede Versetzung. Als die »Washington Artillerie« aus Augusta in Georgia nach Pensacola in Florida verlegt wurde, versuchte der kommandierende General Braxton Bragg, sie zur Infanterie zu versetzen. Die Georgia-Soldaten forderten unter Protest eine Versetzung auf einen anderen Kriegsschauplatz, wodurch Bragg zum Nachgeben gezwungen wurde. Ähnlich erging es Roger Pryor mit der »Surry Light Artillery«. Die Männer wollten nicht zur Infanterie.

»Wir sind geborene Artilleristen« schrieb Jones im September 1861, »das sind wir!« Bevor Pryor seinen Plan überhaupt offiziell verkündete, hatten die Männer bereits Wind davon bekommen. Im August wurden sie vorübergehend der 3.Virginia-Infanterie zugeteilt, da sie noch über keine Geschütze verfügten. Die Männer maulten und die Offiziere mußten ihnen versprechen, daß die Kanonen bald kommen würden. »Die Männer schütteln den Kopf, und behaupten, es wäre nur ein Trick, um uns langsam ins Netz zu locken, und uns für den ganzen Krieg an den Infanteriedienst zu fesseln« schrieb Soldat Jones. Einen Monat später erhielten sie endlich zwei alte Kanonen zu Ausbildungszwecken.

Sergeant William Bloxham leitete die artilleristische Ausbildung, wobei der die Begeisterung der Männer durch hartes Geschützexerzieren mit den glattrohrigen Sechspfündern etwas dämpfte. »Wir müssen die Kanonen mit der Hand bewegen« schrieb Jones, »übers Feld, nach vorne und hinten, gestaffelt oder in Linie; auswischen, laden, feuern bis unsere Arme schmerzen und wir uns nach Ruhe sehnen.« Sie gaben nicht auf und identifizierten sich immer mehr mit ihrer Rolle als Kanoniere. Egal wie hart Bloxham und Pryor sie auch antrieben, keiner beschwerte sich. Jones vermerkte dies mit dem Satz: »...Keiner würde je rufen - Aufhören, wir haben von der Artillerie die Schnauze voll.«

Außer den Monstren, die es zu bedienen galt, machten die blauen und grauen Kanoniere die gleichen Erfahrungen wie ihre Kameraden bei der Infanterie oder Kavallerie. »Die Zeit verstreicht sehr schnell«, schrieb 1861 ein Artillerist, »und wir gewöhnen uns an die Ausbildung, den Wachdienst und das Lagerleben. Diese Stoffhäuser sind annehmbare Unterkünfte und lassen sich leicht verlegen. Man braucht auch wenig Möbel, beziehungsweise hat man dafür keinen Platz! Wir schlafen und sitzen auf dem Boden, mit nur etwas Stroh dazwischen«.

 

 

In festen Stellungen wurden die Gespanne aus der Schußlinie gebracht.
Diese Yankee-Batterie wurde 1864 vor Petersburg in Virginia aufgenommen.
Fotograf Matthew Brady (mit Strohhut) posiert neben der Kanone im Vordergrund.


 

Die Batterien der Unionsarmee erhielten ihre Kanonen, Zugpferde und Zusatzausrüstung in der Regel kurz nach ihrer Musterung. Im Süden dagegen war die Ausrüstung einer Batterie allzuoft eine langwierige Sache, die sich in unregelmäßigen Schritten vollzog. Nach dem Empfang der beiden Sechspfünder im September wartete die Leichte Artillerie von Surry bis Dezember auf die Zuteilung von weiteren zwei Kanonen sowie der Pferde für alle vier Geschütze. Eine Einheit aus Mississippi marschierte mit 65 Pferden aber nur einer Kanone ins Feld und wartete mehrere Monate auf die restlichen drei Geschütze. Erst im März 1862 konnte die Batterie auf die volle Sollstärke von sechs Geschützen mit Munitionswagen, Protzen, Feldschmiede und Werkzeugwagen gebracht werden. Pferde waren genauso schwer zu bekommen, da die besten oft an die Kavallerie verkauft wurden.

»Unsere Kirchenglocken werden zu Kanonen umgeschmolzen« schrieb ein Leutnant aus Alabama »aber ohne Pferde sind sie nutzlos«.

Jedenfalls blieben die Artilleristen, egal wie mangelhaft ihre Ausstattung auch war, wie ihre Kameraden von der Infanterie und Kavallerie nicht vom ständigen Exerzieren verschont. Die Artilleristen wurden in Kanoniere und Fahrer aufgeteilt und entsprechend ausgebildet, wobei die gesamten Routineübungen zwei- bis dreimal täglich wiederholt wurden.

 

 

Eine Batterie beim Geschützexerzieren

 

 

 

Organisation und Gliederung

 

 

 


Regimentsfahne

Die Artillerieeinheiten waren organisatorisch in Regimenter zusammengefaßt. Einem Artillerieregiment (Regiment) unterstanden
12 Batterien. Das Regiment wurde von einem Oberst (Colonel) mit seinem Stab geführt.
Ihm unterstanden somit 72 Geschütze und 1840 Mann, doch die Einheiten wurden nie in Regimentsstärke eingesetzt.

 

 

Anfangs wurden die konföderierten Batterien den Infanteriebrigaden zugeteilt. Eine Konzentration des Feuers oder die Unterstützung eines gefährdeten Frontabschnitts wurde dadurch fast unmöglich. Ende 1862 erkannten die Konföderierten die Vorteile eines Bataillonssystems, bei dem 3 – 5 Batterien zu einem Bataillon (Battalion) als eine Art „Super-Batterie“ zusammengefaßt wurden, um die Feuerkraft zu erhöhen, nicht zuletzt auch wegen ihrer teilweise veralteten Geschütze. Jede Division erhielt ein Bataillon; jedes Korps zwei Bataillone als Korps oder Reservetruppen, die einem Korps-Artilleriekommandeur unterstanden. Dieser konnte seine Reserven je nach Bedarf innerhalb der Brigaden verteilen.
In der Union hatte die Army of the Potomac zeitweise bis zu 12 Reitende Artilleriebatterien (Horse Artillery Batteries), die sie in Reitende Artilleriebrigaden (Horse Artillery Brigades) gliederte, die den konföderierten Bataillonen glichen. Jedes Korps erhielt eine Artilleriebrigade, der Rest wurde in mehreren Brigaden als Artilleriereserve des Armeekommandeurs zusammengefaßt. Bis zum Ende des Krieges schlossen sich dann auch andere Armeen diesem System an.
Im Unterschied zur Kavallerie war die Artillerie eine Waffengattung, die ausschließlich zur Unterstützung der kämpfenden Truppe eingesetzt wurde. Es war darum wesentlich besser, die Waffengattung nicht auf die einzelnen Brigaden aufzusplittern, sondern ihre Leitung zu zentralisieren.
Eine Artilleriebrigade wurde von einem Oberstleutnant (Lieutenant Colonel), ein Bataillon von einem Major (Major) mit den entsprechenden Stäben geführt.

Die eigentliche Kampfeinheit aber war die Kompanie (Company), wie sie offiziell hieß, doch bürgerte sich mehr und mehr der inoffizielle Begriff Batterie (Battery) ein, bis er 1866 offiziell eingeführt wurde. Lediglich die Einheiten des 5. Artillerieegiments erhielten bei Aufstellung 1861 schon die Bezeichnung »Batterie«.

Die Funktionen innerhalb einer Batterie waren in den einschlägigen Vorschriften genau festgelegt:

 

 

Die Batterie wurde von einem Hauptmann (Captain) geführt, der als Kompaniechef das Kommando und die Verantwortung über seine Soldaten und deren Ausbildung sowie der Einsatzbereitschaft (Material und Pferde) seiner Einheit trug. Neben der Rekrutierung neuer Soldaten hatte er, wenn erforderlich, auch die Möglichkeit, Pferde und Material für seine Einheit zu beschaffen. Er erhielt seine Befehle vom Bataillonskommandeur, dem Artillerieoffizier einer Division oder dem Kommandeur einer Infanteriebrigade.

Je nach Geschützausrüstung gab es weitere Funktionen. Als Beispiel soll hier die Kriegsgliederung einer Berittenen Batterie mit Zwölfpfündergeschützen dienen. Bei einer Gesamtstärke von 155 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften verfügte diese Batterie über 6 Geschütze, 70 Kanoniere sowie 52 Fahrer und 110 Pferde.

Eine Batterie war in 3 Sektionen zu je 2 Geschützen eingeteilt, die sich in sogenannte Halbsektionen oder Züge (Platoons) (1 Geschütz) unterteilten. Die drei Sektionen wurden in der Regel von einem Oberleutnant (First Lieutenant) oder Leutnant (Lieutenant) geführt. Der jüngste Leutnant (Lieutenant) war als Munitionsführer (Chief of the line of Caissons) für den Munitionszug und die Munition verantwortlich.

 

 

Fähige Offiziere waren die erste Voraussetzung für einen reibungslosen Ablauf, zumal die Artillerie mit Abstand die höchsten technischen Anforderungen unter den Kampftruppen stellte. Wie alle Soldaten sparten auch die Artilleristen nicht mit Kritik an ihren Vorgesetzten. »Das Exerzieren im Kompanierahmen war für ihn ein böhmisches Dorf« schrieb ein Südstaatler über seinen Leutnant. »Er konnte nicht mal Befehle für die einfachsten Bewegungen geben. Mit der Kompanie auf dem Exerzierplatz war er total überfordert«.
Natürlich gab es auch Soldaten, die mit ihren Führern zufriedener waren. Selbst der verhaßte Bloxham wurde durch die Prahlerei von Jones indirekt gelobt:
»Wir werden allmählich ziemlich geschickt im Umgang mit den Geschützen«.

 

 

 

Der Batteriefeldwebel (First Sergeant oder Orderly Sergeant) war die »Mutter der Kompanie«. Er fungierte als Verbindungsglied zwischen dem Batteriechef und den Unteroffizieren und Mannschaften. Er unterstützte seinen Hauptmann in allen Verwaltungs – und Personalangelegenheiten, bei der Ausbildung und dem Einsatz des Personals sowie bei der Dienstplangestaltung. Im Gefecht hatte er keine besonderen Aufgaben und stand zur Verfügung des Batteriechefs. Bei Ausfall eines Offiziers übernahm er häufig den Posten des Leutnants (Chief of the line of Caissons), was die Gelegenheit bot, zum Leutnant befördert zu werden.


 

Der Versorgungsfeldwebel (Quartermaster Sergeant) erhielt seine Befehle vom Batteriechef oder Batteriefeldwebel. Er war für die Bekleidung, persönliche Ausrüstung, Verpflegung und manchmal für die Munition der Handfeuerwaffen der Mannschaften verantwortlich und führte auch die entsprechenden Listen.
Im Gefecht hatte er keine besonderen Aufgaben und stand zur Verfügung des Batteriechefs, doch kümmerte er sich meistens um die Gepäck- und Versorgungswagen.Bei den Batterien mit Zwölfpfündergeschützen hatte er einen Verpflegungsfeldwebel (Commissary Sergeant) zur Seite, der sich um die Verpflegung kümmerte. 

 

 

Die Sergeanten (Sergeants) (heute etwa Stabsunteroffiziere) waren als Geschützführer (Chiefs of the Piece) eingesetzt und für das Personal und Material einer Halbsektion
(1 Geschütz) verantwortlich. Diese setzte sich aus dem Richtkanonier (Gunner) und den Kanonieren sowie dem Protzenführer (Chief of the Limber) und seinen Fahrern zusammen. Somit war ein Sergeant für ein Geschütz, der Geschütz- und Fahrermannschaft sowie 9 bis 13 Pferde und deren Zaumzeug und Sättel verantwortlich.
Dazu gehörte auch die entsprechende Ausbildung des Personals (Kreuzausbildung).


Während des Gefechts sorgte er für die korrekte Ausführung der Befehle des Sektionschefs und kümmerte sich darum, daß der Geschützführer das richtige Ziel anvisierte und die befohlene Munition einsetzte. Er sorgte dafür,
daß der Protzenführer rechtzeitig Munition nachführte und kümmerte sich darum, daß verendete oder verwundete Pferde ersetzt wurden.
Während des Marsches ritt er neben dem Gespannführer und gab die Richtung an.

 

Die Korporale (Corporals) (damals Unteroffiziere) waren je nach Dienstalter als Richtkanoniere (Gunners) oder Protzenführer (Chiefs of the Limber) eingesetzt.
Der Richtkanonier war für sein Geschütz und seine Mannschaft verantwortlich. Im Kampf befolgte er die Befehle seines Geschützführers. Er richtete das Geschütz und gab die entsprechenden Feuerbefehle.
Die Feuergeschwindigkeit war abhängig vom schnellen Inszielgehen (nach dem ersten Schuß) und vom schnellen Laden.



                                         
Der Protzenführer (Chiefs of the Limber) war verantwortlich für die Protzen und Munitionswagen. Er war zuständig für die sichere Verladung der Munition und deren Zustand, und kümmerte sich darum, daß die Fahrer ihre Pferde und das Geschirr in Ordnung hielten.
Während des Gefechts sorgte er nach Anweisung des Munitionsführers (Chief of the line of Caissons) für eine sichere Stellung seiner Munitionswagen und bereitete den Transport der Munition zur Geschützstellung vor.

Die Mannschaften bestanden aus Kanonieren, Fahrern, Fuhrleuten, Schmieden, Musikern, einem Fahnenträger und mehreren Ersatzleuten.
Schnelligkeit und Selbstvertrauen kennzeichneten die Artilleristen des Bürgerkrieges. Dies beruhte sicher teilweise auch auf dem hohen Anteil an gebildeten Männern in dieser Waffengattung. Bei den »Richmond Howitzers« diente beispielsweise eine beachtliche Anzahl von Hochschulabsolventen und viele der anderen Männer waren im Zivilberuf Geschäftsleute, Schreiber und so weiter. Robert Stiles schrieb: »Zu meiner Überraschung fand ich an den Lagerfeuern der 1.Kompanie der Richmond Howitzers ein pulsierendes intellektuelles Leben vor; so gehoben und konzentriert wie ich es nie zuvor erlebt hatte«. Sicher waren die »Howitzers« mit ihrem Gesangsverein, ihrem Juristenclub, der Schauprozesse veranstaltete, und ihren Latein und Griechisch sprechenden Jungakademikern nicht gerade die Regel.''

Die Kanoniere (Cannoneers) stellten die Bedienungsmannschaft für das Geschütz. Sie waren ein eingespielte Gruppe und dazu ausgebildet, jede Position am Geschütz zu übernehmen. Zusätzlich waren sie auch als Fahrer ausgebildet. Sie erhielten ihre Befehle vom Richtkanonier.
Auf dem Marsch gingen sie neben ihrem Geschütz und halfen bei Schlamm, Schnee oder steileren Hängen mit Muskelkraft die Geschütze zu bewegen. Zu Beginn des Krieges saßen sie im Gefecht in Notfällen zum schnellen Manövrieren auf den Protzen und Munitionswagen auf. Da die Pferde aber wegen des zusätzlichen Gewichts schneller ermüdeten, wurde dieses Aufsitzen bereits 1862 verboten.
»Was für Zeiten!« erinnerte sich Jones. »Was haben wir gelernt! Welcher Veteran erinnert sich nicht an die harte Ausbildung seiner ersten Wochen im Camp, oft unter dem Kommando von Männern, die nichts anderes als Kommißköppe mit dem Verstand eines Schweines waren, die den Soldaten als ein Stück Kitt sahen, den sie nach Belieben formen konnten«.
Die nervtötenden, sich ständig wiederholenden Übungen hatten allerdings ihren Sinn. Im Gefechtslärm gingen mündliche Befehle oft unter. Die Artilleristen lernten ihre Aufgaben nach Tempi in einer bestimmten Reihenfolge, damit es auch ohne Befehle klappte. Die Kanoniere erhielten Nummern und wurden mit der Zeit auch von den Kameraden nur noch mit Nummern bezeichnet.

 

 

 

 

Die Bedienung eines Geschützes war außer bei speziellen Modellen überall gleich.
Der Geschützführer (GF) nennt dem Richtkanonier (RK) das Ziel, die Entfernung und die befohlene Munition.
Dieser gibt die Information an den Kanonier Nr. 7 (K7) weiter, der die entsprechende Munition aus dem Munitionskasten der Protze entnimmt und gegebenenfalls mit Hilfe einer „Feuertabelle“ den Zünder (Bodenzünder oder Zeitzünder) einstellt. Er wird dabei vom Kanonier Nr. 6 (K6) unterstützt.
Währenddessen führte der Richtkanonier die letzten Seiten- und Höhenkorrekturen des Geschützes durch.
Kanonier Nr.5 (K5) bringt die Kartusche (patronierte Ladeeinheit mit Geschoß und Pulver) von der Protze und reicht sie dem Kanonier Nr. 2 (K2), der sie in das Rohr einführt. Kanonier Nr.1 (K1) stößt sie mit dem Ladestock bis zum Anschlag in das Rohr.
Währenddessen drückt Kanonier Nr. 3 (K3) seinen durch einen ledernen Fingerling geschützten Daumen auf das Zündloch, damit keine Zugluft entsteht, die eventuell noch heiße Pulverreste entzünden könnte.
Nach dem Rammen sticht Kanonier Nr. 3 (K3) mit einer Ahle durchs Zündloch ein Loch in den Pulverbeutel.
Kanonier Nr. 4 (K4) nimmt einen Abreißzünder aus der Ledertasche an seinem Gürtel und steckt ihn durchs Zündloch in die Pulverladung.
Anschließend hakt er die Abreißleine in die Öse des Zünders und zieht die Leine an.
Auf Kommando »Feuer« genügte ein scharfer Ruck, um den Abreißzünder zu aktivieren und damit die Pulverladung zu zünden.
Gleich nach dem Feuern wird das Geschütz wieder in Stellung gebracht.
Der Kanonier Nr. 1 (K1) tritt wieder vor, taucht den Rohrwischer in einen Wassereimer und wischt damit das Rohr aus.
Das Auswischen war ein sehr wichtiger Vorgang zum Abkühlen des Rohres und Auslöschens glimmender Kartuschreste.
Dies verhindert, daß glühende Ladungsreste im Rohr die nächste Kartusche schon beim Setzen zünden.
Nicht selten kam es vor, daß dieser Vorgang in der Eile nicht genügend beherzigt und Nr. 1 und 2 beim Laden durch die vorzeitig explodierende Kartusche zerrissen wurden.

 

 

 

Wurde naß ausgewischt, entstand nach wenigen Schüssen eine dicke, klebrige Masse, die den weiteren Ladevorgang behindern konnte. Es wurden deshalb mehrere Eimer und genügend Wasser mitgeführt, um das Rohr zur Not auszuspülen.
Zum Entfernen einer festsitzenden Ladung oder größerer Kartuschteile diente der »Wurm« (worm), siehe Abbildung. Kanonier Nr. 5 (K5) bringt währenddessen eine neue Kartusche von der Protze und reicht sie dem Kanonier Nr. 2 (K2), der Ladevorgang wiederholt sich.
Der Geschützführer überwacht den Ablauf und gibt die nötigen Anweisungen zur Zielerfassung und Zünderwahl. Er beobachtet die Wirkung des Schusses.

Die Dienstvorschrift sah auch eine Ablauffolge mit weniger Mannschaft vor und entsprechende Übungen gehörten zur Ausbildung.
Zwei Kanoniere reichten zur behelfsmäßigen Bedienung des Geschützes aus. Helfer konnten aus den Reihen der Fahrer, aus anderen Geschützmannschaften oder aus der Infanteriebedeckung entliehen werden.
Gefeuert wurde bei der Feldartillerie nur über Sichtlinie mit primitiven Zielhilfen. Die Feuergeschwindigkeit betrug höchstens zwei Schuß pro Minute. Im Gefecht bestand die Geschützbedienung oft nur aus fünf bis sechs Mann, und die Vorschrift sah sogar die Bedienung der Kanone mit lediglich zwei Kanonieren vor. Der indirekte Beschuß eines Objekts oder das Bekämpfen eines nicht einsehbaren Zieles hinter einer Deckung wurde noch nicht geübt. Dies und die begrenzte Reichweite der meisten Geschütze waren der Grund dafür, daß der Richtkanonier keine Ziele anvisierte, die weiter als eine Meile (rund 1609 m) entfernt lagen.

Er zielte hauptsächlich nach Gefühl und Erfahrungswerten. Nach jedem Schuß mußte das Geschütz neu eingerichtet werden, da es der Rückstoß nach hinten riß.
Die Begrenzung auf zwei Schuß pro Minute hing also nicht vom Laden, sondern vom erneuten Einrichten des Geschützes ab.

Ein guter Kanonier besaß vier Grundeigenschaften: Intelligenz, Selbstbeherrschung, Kameradschaft und Loyalität gegenüber seinem Geschütz. Eine Batterie im Gefecht glich einer Szene aus Dantes »Inferno«, und nur beherrschte Männer waren in der Lage, das Geschütz zu bedienen.

Unter der Geschützbedienung war Kameradschaft oberstes Gebot, da jede Reiberei den gesamten Ablauf empfindlich stören und sogar das Leben der Geschützmannschaft gefährden konnte. Wichtig war die Loyalität des Kanoniers gegenüber seinem Geschütz. Ohne Geschütz war ein Artillerist nichts, und der Verlust einer Kanone an den Feind war das Schlimmste, was einer Batterie passieren konnte. Die Männer waren bereit, notfalls ihr Leben für ihre Waffe einzusetzen.

 

 

1863 kassierten Angehörige der Brigade McGowan einige Geschütze einer Yankee-Batterie samt den Bedienungsmannschaften. Die Unionskanoniere versuchten noch, die Geschütze unbrauchbar zu machen, um die Verwendung durch den Feind zu verhindern. Sie warfen die Reißleinen weg und verstellten die Höhenrichtschrauben, um die erneute Zielaufnahme zu erschweren. Nichtsdestotrotz fanden einige Infanteristen McGowans ein Paar Abreißzünder und schickten einige wirkungslose Salven über die Köpfe der zurückweichenden Feinde. Der gefangene Richtkanonier schaute verächtlich zu. Nach wenigen Augenblicken stürzte er vor: »Geht beiseite, Ihr Stümper! Laßt mich an die Schraube!« Schnell senkte er die Mündung und richtete die Kanone aus. »Versuchts jetzt nochmal. Feuer!« Das Geschoß riß eine blutige Bahn durch die sich zurückziehenden Unionssoldaten. Er leitete noch weitere Schüsse, stampfte dann auf den Boden und hielt den Siegern die Faust entgegen. »Ich will verdammt sein, wenn ich zusehen kann, wie mein Geschütz so schlecht schießt!« Die Loyalität gegenüber dem Geschütz konnte auch solche Blüten treiben.

 

Während die Kanoniere ihrer Tätigkeit nachgingen, kümmerten sich die Fahrer (Drivers), eigentlich Reiter, um die Gespanne. Normalerweise wurde jedes Gefechtsfahrzeug, bestehend aus einer Protze mit angehängtem Geschütz oder Munitionswagen, von drei Paar Pferden gezogen. Die drei Fahrer ritten auf den linken Pferden und lenkten das Gespann.

 

 

 



Geschützführer
Gespannführer mit Führungspferd     (Leader Horse)
Führungshandpferd (Off Leader Horse)
Mittelreiter mit Mittelpferd (Swing Horse)

Mittelhandpferd (Off Swing Horse)
Stangenreiter mit Stangenpferd (Wheel Horse)
7  Stangenhandpferd (Off Wheel Horse)
Protze (Limber)
9  Geschütz auf Lafette

 

 

 

 

Während des Gefechts brachten sie ihre Gespanne nach Anweisungen des Geschützführers in Stellung und kümmerten sich dann, etwas abgesetzt, um die Pferde. Auf Befehl des Protzenführers mußten sie aber ständig bereit sein, sofort wieder anzuspannen, um die Geschütze zu bewegen. Da Artilleristen die Tendenz hatten, bei den ersten Schüssen zu hoch zu schießen, lagen auch sie häufig im feindlichen Feuer.

Einige Mannschaften waren zu Fuhrleuten (Teamsters oder Wagoneers) ausgebildet und als Fahrer für die Troßfahrzeuge eingesetzt, die von Pferden oder Mulis gezogen wurden.
Mit dem Versorgungsfeldwebel beschafften sie Futter und Nahrungsmittel für die Batterie. Im Gefecht bewachten sie die Troßfahrzeuge und die Reservepferde. Ein höherer Sold zeigt, daß sie sehr wichtig waren.

Auch die Schmiede (Artificers) und Hufschmiede (Farriers) erhielten einen höheren Sold als ihre Kameraden. Diese Spezialisten waren für die Instandsetzung der Fahrzeuge und für die Beschlagung der Pferde verantwortlich. Sie unterstanden dem Batteriefeldwebel.


Obwohl den Batterien drei Musiker (Musicians) zustanden, befanden sich häufig nur ein oder zwei Hornisten in der Einheit. Der Stabstrompeter gehörte zum Stab der Batterie und war beritten. Nicht nur im Gefecht, sondern auch im täglichen Routinedienst spielten die Hornisten eine große Rolle, denn sie riefen mit ihren Signalen die Soldaten zu den vorgesehenen Diensten. Neben ihrer Aufgabe als Hornisten waren sie zusätzlich häufig als Ordonnanzen und Schreiber eingesetzt.

Der berittene Fahnenträger (Color Bearer), oder besser Standartenträger, gehörte ebenfalls zum Stab der Batterie. Fahnen und Standarten waren ein wichtiges Mittel zur Führung der Truppe. Im Gefecht stand der Fahnenträger etwa 35 Meter hinter der Geschützlinie bei den Munitionswagen, im Verlauf des Krieges wurde seine Position zu den Protzen vorgezogen und er befand sich nun etwa 20 Meter hinter den Geschützen. Er trug eine hohe Verantwortung und mußte sehr zuverlässig sein, denn der Verlust der Fahne galt als eine große Schande für die Einheit. In Friedenszeiten war er zusätzlich als Ordonnanz und Schreiber eingesetzt.

 

 

 

Fast alle Batterien hatten einen Überschuß an Mannschaften, die als Ersatzleute (Spare Men) eingesetzt werden konnten. Diese Soldaten waren teilweise noch in der Ausbildung, mußten aber, wenn nötig, bei Personalverlusten sofort als Ersatz einspringen. Sie kümmerten sich auch um die Verwundeten und Kranken und standen dem Batteriefeldwebel und dem Versorgungsfeldwebel zur Verfügung.

 

 

 

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