Organisation
und Gliederung

Regimentsfahne
Die
Artillerieeinheiten waren organisatorisch in Regimenter zusammengefaßt.
Einem Artillerieregiment (Regiment) unterstanden
12 Batterien. Das Regiment wurde von einem Oberst (Colonel) mit
seinem Stab geführt.
Ihm unterstanden somit 72 Geschütze und 1840 Mann, doch die
Einheiten wurden nie in Regimentsstärke eingesetzt.
Anfangs
wurden die konföderierten Batterien den Infanteriebrigaden
zugeteilt. Eine Konzentration des Feuers oder die Unterstützung
eines gefährdeten Frontabschnitts wurde dadurch fast unmöglich.
Ende 1862 erkannten die Konföderierten die Vorteile eines
Bataillonssystems, bei dem 3 – 5 Batterien zu einem Bataillon
(Battalion) als eine Art „Super-Batterie“ zusammengefaßt
wurden, um die Feuerkraft zu erhöhen, nicht zuletzt auch
wegen ihrer teilweise veralteten Geschütze. Jede Division
erhielt ein Bataillon; jedes Korps zwei Bataillone als Korps oder
Reservetruppen, die einem Korps-Artilleriekommandeur unterstanden.
Dieser konnte seine Reserven je nach Bedarf innerhalb der Brigaden
verteilen.
In der Union hatte die Army of the Potomac zeitweise bis zu 12
Reitende Artilleriebatterien (Horse Artillery Batteries), die
sie in Reitende Artilleriebrigaden (Horse Artillery Brigades)
gliederte, die den konföderierten Bataillonen glichen. Jedes
Korps erhielt eine Artilleriebrigade, der Rest wurde in mehreren
Brigaden als Artilleriereserve des Armeekommandeurs zusammengefaßt.
Bis zum Ende des Krieges schlossen sich dann auch andere Armeen
diesem System an.
Im Unterschied zur Kavallerie war die Artillerie eine Waffengattung,
die ausschließlich zur Unterstützung der kämpfenden
Truppe eingesetzt wurde. Es war darum wesentlich besser, die Waffengattung
nicht auf die einzelnen Brigaden aufzusplittern, sondern ihre
Leitung zu zentralisieren.
Eine Artilleriebrigade wurde von einem Oberstleutnant (Lieutenant
Colonel), ein Bataillon von einem Major (Major) mit den entsprechenden
Stäben geführt.
Die
eigentliche Kampfeinheit aber war die Kompanie (Company), wie
sie offiziell hieß, doch bürgerte sich mehr und mehr
der inoffizielle Begriff Batterie (Battery) ein, bis er 1866 offiziell
eingeführt wurde. Lediglich die Einheiten des 5. Artillerieegiments
erhielten bei Aufstellung 1861 schon die Bezeichnung »Batterie«.
Die
Funktionen innerhalb einer Batterie waren in den einschlägigen
Vorschriften genau festgelegt:
Die
Batterie wurde von einem Hauptmann (Captain) geführt, der
als Kompaniechef das Kommando und die Verantwortung über
seine Soldaten und deren Ausbildung sowie der Einsatzbereitschaft
(Material und Pferde) seiner Einheit trug. Neben der Rekrutierung
neuer Soldaten hatte er, wenn erforderlich, auch die Möglichkeit,
Pferde und Material für seine Einheit zu beschaffen. Er erhielt
seine Befehle vom Bataillonskommandeur, dem Artillerieoffizier
einer Division oder dem Kommandeur einer Infanteriebrigade.
Je
nach Geschützausrüstung gab es weitere Funktionen. Als
Beispiel soll hier die Kriegsgliederung einer Berittenen Batterie
mit Zwölfpfündergeschützen dienen. Bei einer Gesamtstärke
von 155 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften verfügte
diese Batterie über 6 Geschütze, 70 Kanoniere sowie
52 Fahrer und 110 Pferde.
Eine
Batterie war in 3 Sektionen zu je 2 Geschützen eingeteilt,
die sich in sogenannte Halbsektionen oder Züge (Platoons)
(1 Geschütz) unterteilten. Die drei Sektionen wurden in der
Regel von einem Oberleutnant (First Lieutenant) oder Leutnant
(Lieutenant) geführt. Der jüngste Leutnant (Lieutenant)
war als Munitionsführer (Chief of the line of Caissons) für
den Munitionszug und die Munition verantwortlich.
Fähige
Offiziere waren die erste Voraussetzung für einen reibungslosen
Ablauf, zumal die Artillerie mit Abstand die höchsten technischen
Anforderungen unter den Kampftruppen stellte. Wie alle Soldaten
sparten auch die Artilleristen nicht mit Kritik an ihren Vorgesetzten.
»Das Exerzieren im Kompanierahmen war für ihn ein böhmisches
Dorf« schrieb ein Südstaatler über seinen Leutnant.
»Er konnte nicht mal Befehle für die einfachsten Bewegungen
geben. Mit der Kompanie auf dem Exerzierplatz war er total überfordert«.
Natürlich gab es auch Soldaten, die mit ihren Führern
zufriedener waren. Selbst der verhaßte Bloxham wurde durch
die Prahlerei von Jones indirekt gelobt:
»Wir werden allmählich ziemlich geschickt im Umgang
mit den Geschützen«.
Der
Batteriefeldwebel (First Sergeant oder Orderly Sergeant) war die
»Mutter der Kompanie«. Er fungierte als Verbindungsglied
zwischen dem Batteriechef und den Unteroffizieren und Mannschaften.
Er unterstützte seinen Hauptmann in allen Verwaltungs –
und Personalangelegenheiten, bei der Ausbildung und dem Einsatz
des Personals sowie bei der Dienstplangestaltung. Im Gefecht hatte
er keine besonderen Aufgaben und stand zur Verfügung des
Batteriechefs. Bei Ausfall eines Offiziers übernahm er häufig
den Posten des Leutnants (Chief of the line of Caissons), was
die Gelegenheit bot, zum Leutnant befördert zu werden.
Der
Versorgungsfeldwebel (Quartermaster Sergeant) erhielt seine Befehle
vom Batteriechef oder Batteriefeldwebel. Er war für die Bekleidung,
persönliche Ausrüstung, Verpflegung und manchmal für
die Munition der Handfeuerwaffen der Mannschaften verantwortlich
und führte auch die entsprechenden Listen.
Im Gefecht hatte er keine besonderen Aufgaben und stand zur Verfügung
des Batteriechefs, doch kümmerte er sich meistens um die
Gepäck- und Versorgungswagen.Bei den Batterien mit Zwölfpfündergeschützen
hatte er einen Verpflegungsfeldwebel (Commissary Sergeant) zur
Seite, der sich um die Verpflegung kümmerte.
Die
Sergeanten (Sergeants) (heute etwa Stabsunteroffiziere) waren
als Geschützführer (Chiefs of the Piece) eingesetzt
und für das Personal und Material einer Halbsektion
(1 Geschütz) verantwortlich. Diese setzte sich aus dem Richtkanonier
(Gunner) und den Kanonieren sowie dem Protzenführer (Chief
of the Limber) und seinen Fahrern zusammen. Somit war ein Sergeant
für ein Geschütz, der Geschütz- und Fahrermannschaft
sowie 9 bis 13 Pferde und deren Zaumzeug und Sättel
verantwortlich.
Dazu gehörte auch die entsprechende Ausbildung des Personals
(Kreuzausbildung).
Während
des Gefechts sorgte er für die korrekte Ausführung der
Befehle des Sektionschefs und kümmerte sich darum, daß
der Geschützführer das richtige Ziel anvisierte und
die befohlene Munition einsetzte. Er sorgte dafür,
daß der Protzenführer rechtzeitig Munition nachführte
und kümmerte sich darum, daß verendete oder verwundete
Pferde ersetzt wurden.
Während des Marsches ritt er neben dem Gespannführer
und gab die Richtung an.
Die
Korporale (Corporals) (damals Unteroffiziere) waren je nach Dienstalter
als Richtkanoniere (Gunners) oder Protzenführer (Chiefs of
the Limber) eingesetzt.
Der
Richtkanonier war für sein Geschütz und seine Mannschaft
verantwortlich. Im Kampf befolgte er die Befehle seines Geschützführers.
Er richtete das Geschütz und gab die entsprechenden Feuerbefehle.
Die Feuergeschwindigkeit war abhängig vom schnellen Inszielgehen
(nach dem ersten Schuß) und vom schnellen Laden.
Der Protzenführer (Chiefs of the Limber) war verantwortlich
für die Protzen und Munitionswagen. Er war zuständig
für die sichere Verladung der Munition und deren Zustand,
und kümmerte sich darum, daß die Fahrer ihre Pferde
und das Geschirr in Ordnung hielten.
Während des Gefechts sorgte er nach Anweisung des Munitionsführers
(Chief of the line of Caissons) für eine sichere Stellung
seiner Munitionswagen und bereitete den Transport der Munition
zur Geschützstellung vor.
Die
Mannschaften bestanden aus Kanonieren, Fahrern, Fuhrleuten, Schmieden,
Musikern, einem Fahnenträger und mehreren Ersatzleuten.
Schnelligkeit und Selbstvertrauen kennzeichneten die Artilleristen
des Bürgerkrieges. Dies beruhte sicher teilweise auch auf
dem hohen Anteil an gebildeten Männern in dieser Waffengattung.
Bei den »Richmond Howitzers« diente beispielsweise
eine beachtliche Anzahl von Hochschulabsolventen und viele der
anderen Männer waren im Zivilberuf Geschäftsleute, Schreiber
und so weiter. Robert Stiles schrieb: »Zu meiner Überraschung
fand ich an den Lagerfeuern der 1.Kompanie der Richmond Howitzers
ein pulsierendes intellektuelles Leben vor; so gehoben und konzentriert
wie ich es nie zuvor erlebt hatte«. Sicher waren die »Howitzers«
mit ihrem Gesangsverein, ihrem Juristenclub, der Schauprozesse
veranstaltete, und ihren Latein und Griechisch sprechenden Jungakademikern
nicht gerade die Regel.''
Die
Kanoniere (Cannoneers) stellten die Bedienungsmannschaft für
das Geschütz. Sie waren ein eingespielte Gruppe und dazu
ausgebildet, jede Position am Geschütz zu übernehmen.
Zusätzlich waren sie auch als Fahrer ausgebildet. Sie erhielten
ihre Befehle vom Richtkanonier.
Auf dem Marsch gingen sie neben ihrem Geschütz und halfen
bei Schlamm, Schnee oder steileren Hängen mit Muskelkraft
die Geschütze zu bewegen. Zu Beginn des Krieges saßen
sie im Gefecht in Notfällen zum schnellen Manövrieren
auf den Protzen und Munitionswagen auf. Da die Pferde aber wegen
des zusätzlichen Gewichts schneller ermüdeten, wurde
dieses Aufsitzen bereits 1862 verboten.
»Was für Zeiten!« erinnerte sich Jones. »Was
haben wir gelernt! Welcher Veteran erinnert sich nicht an die
harte Ausbildung seiner ersten Wochen im Camp, oft unter dem Kommando
von Männern, die nichts anderes als Kommißköppe
mit dem Verstand eines Schweines waren, die den Soldaten als ein
Stück Kitt sahen, den sie nach Belieben formen konnten«.
Die nervtötenden, sich ständig wiederholenden Übungen
hatten allerdings ihren Sinn. Im Gefechtslärm gingen mündliche
Befehle oft unter. Die Artilleristen lernten ihre Aufgaben nach
Tempi in einer bestimmten Reihenfolge, damit es auch ohne Befehle
klappte. Die Kanoniere erhielten Nummern und wurden mit der Zeit
auch von den Kameraden nur noch mit Nummern bezeichnet.

Die
Bedienung eines Geschützes war außer bei speziellen
Modellen überall gleich.
Der Geschützführer (GF) nennt dem Richtkanonier (RK)
das Ziel, die Entfernung und die befohlene Munition.
Dieser gibt die Information an den Kanonier Nr. 7 (K7) weiter,
der die entsprechende Munition aus dem Munitionskasten der Protze
entnimmt und gegebenenfalls mit Hilfe einer „Feuertabelle“
den Zünder (Bodenzünder oder Zeitzünder) einstellt.
Er wird dabei vom Kanonier Nr. 6 (K6) unterstützt.
Währenddessen führte der Richtkanonier die letzten Seiten-
und Höhenkorrekturen des Geschützes durch.
Kanonier Nr.5 (K5) bringt die Kartusche (patronierte Ladeeinheit
mit Geschoß und Pulver) von der Protze und reicht sie dem
Kanonier Nr. 2 (K2), der sie in das Rohr einführt. Kanonier
Nr.1 (K1) stößt sie mit dem Ladestock bis zum Anschlag
in das Rohr.
Währenddessen drückt Kanonier Nr. 3 (K3) seinen durch
einen ledernen Fingerling geschützten Daumen auf das Zündloch,
damit keine Zugluft entsteht, die eventuell noch heiße Pulverreste
entzünden könnte.
Nach
dem Rammen sticht Kanonier Nr. 3 (K3) mit einer Ahle durchs Zündloch
ein Loch in den Pulverbeutel.
Kanonier Nr. 4 (K4) nimmt einen Abreißzünder aus der
Ledertasche an seinem Gürtel und steckt ihn durchs Zündloch
in die Pulverladung.
Anschließend hakt er die Abreißleine in die Öse
des Zünders und zieht die Leine an.
Auf Kommando »Feuer« genügte ein scharfer Ruck,
um den Abreißzünder zu aktivieren und damit die Pulverladung
zu zünden.
Gleich nach dem Feuern wird das Geschütz wieder in Stellung
gebracht.
Der Kanonier Nr. 1 (K1) tritt wieder vor, taucht den Rohrwischer
in einen Wassereimer und wischt damit das Rohr aus.
Das Auswischen war ein sehr wichtiger Vorgang zum Abkühlen
des Rohres und Auslöschens glimmender Kartuschreste.
Dies verhindert, daß glühende Ladungsreste im Rohr
die nächste Kartusche schon beim Setzen zünden.
Nicht selten kam es vor, daß dieser Vorgang in der Eile
nicht genügend beherzigt und Nr. 1 und 2 beim Laden durch
die vorzeitig explodierende Kartusche zerrissen wurden.
Wurde
naß ausgewischt, entstand nach wenigen Schüssen eine
dicke, klebrige Masse, die den weiteren Ladevorgang behindern
konnte. Es wurden deshalb mehrere Eimer und genügend Wasser
mitgeführt, um das Rohr zur Not auszuspülen.
Zum Entfernen einer festsitzenden Ladung oder größerer
Kartuschteile diente der »Wurm« (worm), siehe Abbildung.
Kanonier Nr. 5 (K5) bringt währenddessen eine neue Kartusche
von der Protze und reicht sie dem Kanonier Nr. 2 (K2), der Ladevorgang
wiederholt sich.
Der Geschützführer überwacht den Ablauf und gibt
die nötigen Anweisungen zur Zielerfassung und Zünderwahl.
Er beobachtet die Wirkung des Schusses.
Die
Dienstvorschrift sah auch eine Ablauffolge mit weniger Mannschaft
vor und entsprechende Übungen gehörten zur Ausbildung.
Zwei Kanoniere reichten zur behelfsmäßigen Bedienung
des Geschützes aus. Helfer konnten aus den Reihen der Fahrer,
aus anderen Geschützmannschaften oder aus der Infanteriebedeckung
entliehen werden. 
Gefeuert wurde bei der Feldartillerie nur über Sichtlinie
mit primitiven Zielhilfen. Die Feuergeschwindigkeit betrug höchstens
zwei Schuß pro Minute. Im Gefecht bestand die Geschützbedienung
oft nur aus fünf bis sechs Mann, und die Vorschrift sah sogar
die Bedienung der Kanone mit lediglich zwei Kanonieren vor. Der
indirekte Beschuß eines Objekts oder das Bekämpfen
eines nicht einsehbaren Zieles hinter einer Deckung wurde noch
nicht geübt. Dies und die begrenzte Reichweite der meisten
Geschütze waren der Grund dafür, daß der Richtkanonier
keine Ziele anvisierte, die weiter als eine Meile (rund 1609 m)
entfernt lagen.
Er
zielte hauptsächlich nach Gefühl und Erfahrungswerten.
Nach jedem Schuß mußte das Geschütz neu eingerichtet
werden, da es der Rückstoß nach hinten riß.
Die Begrenzung auf zwei Schuß pro Minute hing also nicht
vom Laden, sondern vom erneuten Einrichten des Geschützes
ab.
Ein
guter Kanonier besaß vier Grundeigenschaften: Intelligenz,
Selbstbeherrschung, Kameradschaft und Loyalität gegenüber
seinem Geschütz. Eine Batterie im Gefecht glich einer Szene
aus Dantes »Inferno«,
und nur beherrschte Männer waren in der Lage, das Geschütz
zu bedienen.
Unter
der Geschützbedienung war Kameradschaft oberstes Gebot, da
jede Reiberei den gesamten Ablauf empfindlich stören und
sogar das Leben der Geschützmannschaft gefährden konnte.
Wichtig war die Loyalität des Kanoniers gegenüber seinem
Geschütz. Ohne Geschütz war ein Artillerist nichts,
und der Verlust einer Kanone an den Feind war das Schlimmste,
was einer Batterie passieren konnte. Die Männer waren bereit,
notfalls ihr Leben für ihre Waffe einzusetzen.
1863
kassierten Angehörige der Brigade McGowan einige Geschütze
einer Yankee-Batterie samt den Bedienungsmannschaften. Die Unionskanoniere
versuchten noch, die Geschütze unbrauchbar zu machen, um
die Verwendung durch den Feind zu verhindern. Sie warfen die Reißleinen
weg und verstellten die Höhenrichtschrauben, um die erneute
Zielaufnahme zu erschweren. Nichtsdestotrotz fanden einige Infanteristen
McGowans ein Paar Abreißzünder und schickten einige
wirkungslose Salven über die Köpfe der zurückweichenden
Feinde. Der gefangene Richtkanonier schaute verächtlich zu.
Nach wenigen Augenblicken stürzte er vor: »Geht
beiseite, Ihr Stümper! Laßt mich an die Schraube!«
Schnell senkte er die Mündung und richtete die Kanone aus.
»Versuchts jetzt nochmal. Feuer!« Das Geschoß
riß eine blutige Bahn durch die sich zurückziehenden
Unionssoldaten. Er leitete noch weitere Schüsse, stampfte
dann auf den Boden und hielt den Siegern die Faust entgegen.
»Ich will verdammt sein, wenn ich zusehen kann, wie mein
Geschütz so schlecht schießt!« Die Loyalität
gegenüber dem Geschütz konnte auch solche Blüten
treiben.
Während
die Kanoniere ihrer Tätigkeit nachgingen, kümmerten
sich die Fahrer (Drivers), eigentlich Reiter, um die Gespanne.
Normalerweise wurde jedes Gefechtsfahrzeug, bestehend aus einer
Protze mit angehängtem Geschütz oder Munitionswagen,
von drei Paar Pferden gezogen. Die drei Fahrer ritten auf den
linken Pferden und lenkten das Gespann.

|
1 Geschützführer
2 Gespannführer mit Führungspferd
(Leader Horse)
3 Führungshandpferd (Off Leader
Horse)
4 Mittelreiter mit Mittelpferd (Swing
Horse)
|
5
Mittelhandpferd (Off Swing Horse)
6 Stangenreiter mit Stangenpferd (Wheel Horse)
7 Stangenhandpferd (Off Wheel Horse)
8 Protze (Limber)
9 Geschütz auf Lafette |

Während
des Gefechts brachten sie ihre Gespanne nach Anweisungen des Geschützführers
in Stellung und kümmerten sich dann, etwas abgesetzt, um
die Pferde. Auf Befehl des Protzenführers mußten sie
aber ständig bereit sein, sofort wieder anzuspannen, um die
Geschütze zu bewegen. Da Artilleristen die Tendenz hatten,
bei den ersten Schüssen zu hoch zu schießen, lagen
auch sie häufig im feindlichen Feuer.
Einige
Mannschaften waren zu Fuhrleuten (Teamsters oder Wagoneers) ausgebildet
und als Fahrer für die Troßfahrzeuge eingesetzt, die
von Pferden oder Mulis gezogen wurden.
Mit dem Versorgungsfeldwebel beschafften sie Futter und Nahrungsmittel
für die Batterie. Im Gefecht bewachten sie die Troßfahrzeuge
und die Reservepferde. Ein höherer Sold zeigt, daß
sie sehr wichtig waren.
Auch
die Schmiede (Artificers) und Hufschmiede (Farriers) erhielten
einen höheren Sold als ihre Kameraden. Diese Spezialisten
waren für die Instandsetzung der Fahrzeuge und für die
Beschlagung der Pferde verantwortlich. Sie unterstanden dem Batteriefeldwebel.

Obwohl den Batterien drei Musiker (Musicians) zustanden, befanden
sich häufig nur ein oder zwei Hornisten in der Einheit. Der
Stabstrompeter gehörte zum Stab der Batterie und war beritten.
Nicht nur im Gefecht, sondern auch im täglichen Routinedienst
spielten die Hornisten eine große Rolle, denn sie riefen
mit ihren Signalen die Soldaten zu den vorgesehenen Diensten.
Neben ihrer Aufgabe als Hornisten waren sie zusätzlich häufig
als Ordonnanzen und Schreiber eingesetzt.
Der berittene Fahnenträger (Color Bearer), oder besser Standartenträger,
gehörte ebenfalls zum Stab der Batterie. Fahnen und Standarten
waren ein wichtiges Mittel zur Führung der Truppe. Im Gefecht
stand der Fahnenträger etwa 35 Meter hinter der Geschützlinie
bei den Munitionswagen, im Verlauf des Krieges wurde seine Position
zu den Protzen vorgezogen und er befand sich nun etwa 20 Meter
hinter den Geschützen. Er trug eine hohe Verantwortung und
mußte sehr zuverlässig sein, denn der Verlust der Fahne
galt als eine große Schande für die Einheit. In Friedenszeiten
war er zusätzlich als Ordonnanz und Schreiber eingesetzt.
Fast
alle Batterien hatten einen Überschuß an Mannschaften,
die als Ersatzleute (Spare Men) eingesetzt werden konnten. Diese
Soldaten waren teilweise noch in der Ausbildung, mußten
aber, wenn nötig, bei Personalverlusten sofort als Ersatz
einspringen. Sie kümmerten sich auch um die Verwundeten und
Kranken und standen dem Batteriefeldwebel und dem Versorgungsfeldwebel
zur Verfügung.
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