Mit
freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis
des Textes:
Wilhelm Kaufmann 1911, Die Deutschen
im amerikanischen Bürgerkrieg
DIE
DEUTSCHEN IM
AMERIKANISCHEN BÜRGERKRIEG
Der
Originalton Wilhelm Kaufmanns aus dem Jahre 1911 wurde bewußt
beibehalten
Deswegen
sollte es nicht verwundern, wenn Sie u.a. lesen:
»Lebt noch (1911) in Peoria, Illinois, und ist
einer der bekanntesten Veteranen des Westens.«
»Lebte 1910 noch als rüstiger Greis in New York,
hochgeachtet als einer der besten Männer,
welche Deutschland Amerika gegeben hat.«
WILHELM
KAUFMANN war immer ein Anhänger der UNIONISTEN, daher diese Heldenverehrung
Biographien
weiter unten
Vorwort
Die Geschichte der Deutschen im Bürgerkriege ist ein noch völlig unbetretenes
Gebiet.
Zwar haben sich bald nach dem Kriege mehrere namhafte Forscher mit dem
Gegenstande beschäftigt, jedoch keiner dieser Pläne ist über die ersten
Ansätze gediehen.
General v. Schimmelfennig verstarb darüber, Kapp wurde Amerika entfremdet,
Dilgers sorgfältig gesammeltes Material verbrannte, usw.
Später machte sich dann vielfach die Ansicht geltend, daß wegen der
großen Zerstreuung der deutschen Soldaten über die Unionsheere doch
nur eine teilweise Erfüllung der Aufgabe möglich sei, daß man nur ein
Bruchstück der deutschen Kriegsgeschichte schreiben könne. Aber sollte
wegen dieser sicherlich weit überschätzten Behinderung die schönste
Einzeltat unseres Volksstammes der Vergessenheit anheimfallen? Sollte
über der Tatsache, daß die deutschgeborenen Unionssoldaten (216.000
Mann) nicht in großen Armeekorps vereinigt werden konnten, die andere
Tatsache übersehen werden, daß unser Volk am treuesten zur Union gestanden
hat? Das zugeben hieße doch auf die Darstellung der wichtigsten Periode
der deutschamerikanischen Geschichte verzichten.
Es läßt sich übrigens ein recht stattliches Bruchstück der deutschen
Kriegstaten darbieten, und oft genug wird man dabei erinnert, daß es
die Brüder der Sieger von Düppel, Königgrätz und Sedan waren, welche
sich auf amerikanischem Boden geschlagen haben. Kein Ereignis hat so
tief eingegriffen in das Lebendes deutschamerikanischen Volkes als der
Kampf für die Union, und niemals konnten unsere Stammesgenossen in solcher
Eintracht auftreten als während jener großen Zeit. Diese Einigkeit gewährt
ihnen eine Ausnahmestellung. Während sich die eingeborenen Amerikaner
und die Angehörigen aller übrigen eingewanderten Volksstämme in zwei
feindliche Heerlager spalteten, finden wir die Deutschen nur auf der
Seite der Union. Es hat unter ihnen so gut wie keine Förderer der Sezession
gegeben, wie es auch so gut wie keine deutschen Sklavenhalter gegeben
hat. Sie stellten bedeutend mehr Soldaten als jedes andere Volkselement,
weit über das Doppelte ihrer Pflichtzahl. Ferner stand das Deutschtum
während des Jahrzehntes 1855 bis 1865 in seiner schönsten Blüte. Schon
als Masse wirkte es imponierend verhältnismäßig war es damals
so stark als zur Zeit der später einsetzenden Hochflut der Einwanderung.
Aber seine Kraft beruhte besonders in der in seinen Reihen vertretenen
Bildung und Kultur, in dem Idealismus, von dem es durchglüht war, in
der freiheitlichen Gesinnung, welche bis tief in den untersten Volksschichten
vorherrschte.

Werbeplakat
während des Bürgerkriegs
Niemals
haben die Deutschen unter einer besseren Führung gestanden als zu jener
Zeit, und sicherlich hätten sie zu keiner anderen Periode ihres Wirkens
in Amerika den Forderungen besser genügen können, welche an ihre Treue
gestellt wurden. Schon das Nachweisen dieser Tatsachen darf gewiß als
eine würdige Aufgabe gelten und wird auch als Beitrag zu der allgemeinen
Geschichte des deutschen Volkstums willkommen sein. Aber noch wichtigere
Gründe sprechen für eine von deutscher Hand kommende Schilderung jener
Zeit.
In den zahllosen englisch geschriebenen Krieggeschichten wird man nur
selten auf Arbeiten stoßen, welche, wie das schöne Werk Hamlins über
Chancellorsville unseren Landsleuten die gebührende Gerechtigkeit widerfahren
lassen, oft genug aber auf Schmähschriften und gehässige Angriffe.
Die einzige Widerlegung derselben kann nur durch die Darstellung der
wirklichen Kriegstaten der Deutschen erfolgen. Man darf wohl in nicht
allzu ferner Zeit dem Erscheinen eines größeren kulturgeschichtlichen
Werkes über Nordamerika entgegensehen, welches die Dinge weniger einseitig
behandelt, als es bisher geschehen ist. Die zeitgenössische deutschamerikanische
Presse kam als Quelle weniger in Betracht. Sie hatte sich derartig mit
den Kriegsereignissen zu befassen, daß ihr über den Anteil der Deutschen
leider wenig zu sagen blieb.
Auch war zu jener Zeit der Neuigkeitsdienst der Zeitungen noch sehr
dürftig. Es sind ziemlich umfangreiche Stichproben in den alten Jahrgängen
gemacht worden, aber auf das Durchwühlen aller dieser stauberfüllten
Riesenbände mußte verzichtet werden. Doch hatten meine Mitarbeiter viele
Zeitungsausschnitte gesammelt, und so konnte auch aus jenen Quellen
noch mehrfach geschöpft werden.
Mit mehr Vorteil waren die Korrespondenzen zu verwerten, welche 0. v.
Corwin und W. A. « (wohl Fritz Annecke) für die Augsburger Allgemeine
Zeitung geschrieben haben. Daß die Reden und Schriften des wackeren
Volksmannes Vocke in Chicago und das Rosengartensche Buch »The Germans
in the wars of the United States« (dieses jedoch nur für die Regimentsgeschichten)
Verwendung gefunden haben, ist wohl selbstverständlich. Auch die recht
stattliche deutsche Flugschriftenliteratur über den Krieg, meistens
von Mitkämpfern stammend, wurde durchgesehen, soweit sie noch nicht
verschollen war.
Das
Beste über die Deutschen im Bürgerkriege hat uns der unvergeßliche Schurz
hinterlassen.
Wie schade nur, daß er seine Darstellung im Rahmen seiner Lebensbeschreibung
hat erscheinen lassen und dadurch verhindert worden ist, sich weit eingehender
zu äußern.
Sehr
viel Material entstammt Kriegstagebüchern, gedruckten und geschriebenen
Regimentsgeschichten, Briefen längst verstorbener Mitkämpfer, sowie
sogenannten »Scrabbüchern«, welche meistens mit Zeitungsausschnitten
angefüllt waren. Auch eine Reihe von handschriftlichen Betrachtungen
über den Krieg aus dem Nachlasse von deutschen Offizieren wurde benutzt.
Ich schrieb deshalb zunächst eine ziemlich umfangreiche Skizze auf Grund
meiner damaligen Kenntnis des Gegenstandes und schickte diese Arbeit
als Manuskriptdruck an gegen hundert ehemalige Offiziere des Bürgerkrieges
sowie an eine größere Zahl mir befreundeter deutschamerikanischer Historiker
und Journalisten. Das Echo war über alle Erwartungen erfreulich.
Ich fürchte, daß der biographische Teil den Lesern in Deutschland als
viel zu ausführlich behandelt erscheinen mag. Dem ist entgegenzustellen,
daß den amerikanischen Lesern dieser Teil noch als viel zu sehr beschränkt
gelten wird. Ursprünglich waren diese Schilderungen nur für Deutschamerika
bestimmt. Ich habe sie aber auch für das Buch beibehalten, weil sich
dabei wenigstens noch etwas sagen läßt über die deutschen Stabsoffiziere
der 180.000 Deutschen, welche in gemischten Regimentern gekämpft haben.
Auch ist im biographischen Teile noch viel Material verarbeitet worden,
welches an anderer Stelle keine Verwendung finden konnte.
Ferner kann es gewiß nicht ohne Interesse sein, etwas von den amerikanischen
Schicksalen von über 500 meistens hochgebildeten Deutschen zu erfahren.
So mancher interessante Kopf tritt uns in dieser Sammlung entgegen.
Und dann gönne man auch den deutschen Männern, welche Gut und Blut für
die Aufrechterhaltung der Union eingesetzt haben, das geringe literarische
Denkmal, welches ihnen hier noch gewidmet werden kann. Sie haben für
ihre tüchtigen Leistungen bei Lebzeiten wahrlich nur geringe Anerkennung
gefunden. Wilhelm Kaufmann im Jahre 1911
Vorbemerkung
Die
folgende Liste umfaßt gegen 500 Namen hervorragender deutscher Unionsoffiziere
des Bürgerkrieges sowie 32 Namen von Deutschen aus dem Zivilstande,
welche während des Krieges besonders hervorgetreten sind. Von den Offizieren
sind 96 vor dem Feinde gefallen. Doch umfaßt diese Liste durchaus nicht
alle deutschen Stabsoffiziere, welche als Opfer des Krieges bezeichnet
werden könnten. Viele der übrigen sind kurz nach dem Kriege oder noch
während der Dauer desselben an den nachwirkenden Folgen von Wunden oder
an Krankheiten gestorben, welche sich auf den Krieg zurückführen lassen
(darunter die vier deutschen Divisionäre und Brigadiers v. Schimmelfennig,
Krzyzanowski, Blenker und Asboth). Bei sehr vielen der übrigen Offiziere
wird man die Bemerkungen verwundet, schwer verwundet, mehrfach verwundet,
finden. Doch war nur bei einem Teile der hier behandelten Offizieren
festzustellen, daß sie verwundet wurden.
Die Liste sollte ursprünglich nur solche deutsche Offiziere enthalten,
welche mindestens den Majorsrang, bei der Artillerie denjenigen des
Batteriechefs erlangt hatten.
Doch konnte diese Grenze nicht ganz eingehalten werden und so sind auch
einzelne Offiziere niederen Ranges mit aufgeführt worden, von welchen
sich etwas Besonderes erfahren ließ. Im übrigen mag bemerkt werden,
daß das Aufrücken in den Rang der Stabsoffiziere durchaus nicht immer
nur auf Verdienst zurückzuführen ist. Mancher tapfere und tüchtige Deutsche
blieb während der ganzen vier Jahre Kompagnieoffizier, obschon er wohl
eine Rangerhöhung verdient hätte, und einzelne geschmeidige Streber
kamen ohne wirkliches Verdienst zu den höheren Stellen. Das Avancement
war oft genug einer Lotterie vergleichbar.
Zu
bemerken ist noch, daß die Liste durchaus nicht a l l e deutschen Stabsoffiziere
umfaßt. Trotzdem sich gegen 200 Veteranen bemüht haben, die Liste so
vollständig wie möglich zu gestalten, so ist doch sicherlich mancher
Landsmann, welchem hier ein Platz gebührt hätte, vergessen worden. Die
Sammlung des Materials begann leider erst, nachdem schon über vierzig
Jahre nach dem Ende des Krieges verstrichen waren. Besonders dürftig
sind die Nachrichten von höheren Offizieren aus den Staaten Michigan,
Maryland, Kentucky, aus den Neu-Englandstaaten sowie von der nicht unbedeutenden
Zahl von deutschen Führern, welche in den loyalen Regimentern aus den
rebellischen Südstaaten gestanden haben. Auch von den verhältnismäßig
sehr vielen deutschen Offizieren, welche Negerregimenter geführt haben,
ließ sich nur sehr wenig noch ermitteln.
Es
sollte besonders betont werden, daß es sich für unsere Aufgabe nur um
solche höhere Offiziere handeln konnte, welche aus Deutschland, Österreich,
der Schweiz und dem Elsaß gebürtig waren. Die sehr zahlreiche Gruppe
von höheren Offizieren, welche in Amerika als Söhne deutscher Einwanderer
geboren waren, ist nicht berücksichtigt worden. Gern hätte ich der großen
Leistung der Deutschnachkommen ausführlicher gedacht, als es in dem
Kapitel »Beteiligung der Deutschen im Kriege« geschehen konnte, aber
dieser Gegenstand erfordert jahrelang betriebene Spezialforschungen,
sowie ein gründliches Eingehen auf die Geschichte der deutschen Einwanderung
und deren Wirkungen. Auch vermag ein einzelner diese Aufgabe nur ganz
unvollkommen zu lösen.
Wilhelm Kaufmann im Jahre 1911
Bei
den Biographien bitte darauf achten, mit "Kapitän"
ist nicht ein Marineoffizier, sondern der Dienstgrad "Hauptmann"
gemeint, dieser Ausdruck war im 19. Jahrhundert in der militärischen
Sprache üblich.
| Deutsche
Offizere der Union von A-Z |
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Offiziere der Konföderierten von A-Z |
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Die beiden berühmtesten Vertreter waren der
Brigadegeneral und Politiker Carl Schurz, ein Flüchtling der 1848er
Revolution von der Bonner Universität und Franz Sigel, Absolvent deutscher
Militärschulen und ehemaliger Offizier, der an der bürgerlichen Revolution
jener Märztage teilnahm.
General
Franz Sigel (1824-1902)
»I fight mit Sigel« war der Slogan der deutschen Soldaten
unter seinem Kommando.
Biographie
Sigel
Die ethnische Komponente des Bürgerkriegs wird oft zu wenig beachtet:
Nicht alle der Teilnehmer waren geborene Amerikaner, die Volkszählung
von 1860 wies vier Millionen im Norden und 233.000 im Süden als Neueinwanderer
bzw. außerhalb der USA Geborene auf. Das Bewußtsein, einer Volksgruppe
aus der alten Heimat anzugehören, spielte 1861 bei der Rekrutierung
und in der Tradition der Regimenter eine bedeutende Rolle. Der Einfluß
und die Mitwirkung dieser Neuamerikaner machte den Binnenkonflikt zwischen
Nord und Süd zu einem international beachteten Krieg. Der Süden war
in seiner Zusammensetzung homogener, aber auch hier spielten die »Foreigners«
eine Rolle. Jedoch nicht in dem Ausmaß, wie das in der Union der Fall
war.
Die Zahlen variieren etwas; Benjamin Goulds Statistiken: »Investigations
in the Statistics of American Soldiers«, New York, 1869, weisen rund
176.000 Deutsche auf:
Geborene
Amerikaner 1 523 267, Deutsche 176817, Iren 144221, britischstämmige
Amerikaner 53532, Engländer 45508, Andere Nationalitäten 48410,
Nicht festgestellt 26445, Gesamtzahl erfaßter Rekruten 2.018.200.
Wilhelm Kaufman -1911-, dessen Buch die Leistungen der Deutschen und
Deutschstämmigen besonders stark herausstreicht, setzt die Zahlen weit
höher an: 216.000 in Deutschland geborene Unionssoldaten, 300.000 Söhne
deutscher Einwanderer und weitere 234.000 deutscher Abstammung. Nach
Kaufman sind etwa 37% der Unionstruppen Deutsche oder deutscher Abstammung
gewesen. Die Teilnahme ausländischer Bürger wurde auch deshalb lange
Zeit wenig hervorgehoben, weil die Jahre unmittelbar vor Kriegsbeginn
von der einwanderungsfeindlichen politischen Bewegung der »Know-Nothings«,
von Ressentiments gegen osteuropäische Neueinwanderer und religiösen
Ablehnungen gekennzeichnet waren. Selbst im Krieg wurde in einigen Zeitungen
gegen Deutsche, und andere Minoritäten gehetzt.

General
August V. Kautz (1828-1895) siehe Biographie K
(Union)

General
G. Weitzel (1835-1884) siehe Biographie W (Union)

General
Max v. Weber (1824-1901) siehe Biographie W (Union)
Skrupellose
Politiker und Pressehaie, die einen Grund und Sündenböcke für die Niederlagen
der Union in den ersten Kriegsjahren suchten, prangerten die »Foreigners«
und besonders deutschstämmige Soldaten und Offiziere an. Gerade deutsche
Neueinwanderer - zu einem großen Teil politische Flüchtlinge der Revolution
von 1848, Sozialisten und Liberale - standen fest zur Union. Die deutsche
Gemeinde in Missouri, nur 31.000 Menschen, sorgte dafür, daß dieser
Grenzstaat nicht an den Süden fiel. Die Turnervereine durchkreuzten
mit einem Handstreich den Versuch sezessionistischer Gruppen, St. Louis
zu besetzen.
Gleich zu Kriegsbeginn strömten Deutsche zu den Fahnen der USA und bildeten
ein Regiment in Missouri und das 8. New Yorker Infanterie-Regiment,
das lange Zeit unter dem Namen »German Rifles« bekannt war.
Das erste Kavallerie-Freiwilligenregiment, die Erste New Yorker oder
»Lincoln«-Kavallerie, war auf Betreiben deutscher Politiker,
besonders Carl Schurz, aufgestellt worden.
Insgesamt stellten die deutschen Gemeinden komplette Regimenter: zehn
Regimenter in New York, sechs in Missouri, fünf in Pennsylvania, vier
in Wisconsin und drei in Illinois. Deutsche waren kompanieweise oder
als Einzelgruppen in zahlreichen anderen Regimentern vertreten. So zur
Hälfte z. B. in dem berühmten 82. Illinois-Regiment.
Einiges statistisches Durcheinander bereitet auch die Tatsache, daß
Niederländer, Polen, Österreicher und Schweizer oft als Deutsche gerechnet
werden. Eine deutsch-polnische Brigade kämpfte im XI. Korps der
Potomac-Armee, das fast gänzlich aus Deutschen bestand, und an
allen wichtigen Kämpfen im Osten mit schweren Verlusten teilnahm.
Es
gab aber auch einen Schweizerisch-Deutschen Verband, der die rote Fahne
mit dem weißen Kreuz in die Schlacht trug. Ein ganz besonderes
Kennzeichen führte das 42. Pennsylvania-Regiment an der Mütze
- einen Hirschschwanz. Die Einheit, aus Holzfällern und Waldläufern
zusammengesetzt, hatte bald den Beinamen »bucktails«und
war für ihre Schießkünste berühmt. Die Freiwilligen
brachten zuerst ihre eigenen Gewehre mit, wurden später aber als
Scharfschützen auch mit Sharps- und Spencergewehren ausgestattet.
Neueinwanderer waren nicht nur in den Mannschaften, sondern auch in
den Generalsrängen vertreten:
Unter den Brigadegenerälen waren: neun Deutsche, vier Iren, zwei Franzosen,
je ein Russe, Pole, Ungar und Spanier.
Importierte Offiziere sollten nach Meinung der Regierung in Washington
den Ausbildungsstand der Unionsarmeen heben, und die Botschafter in
Europa waren stets bemüht, deutsche und andere Offiziere anzuwerben.
Französische, britische und preußische Adlige folgten dem Ruf, integre
Persönlichkeiten genauso wie Abenteurer und Glücksritter. Zu den ersten
gehörten der preußische Offizier Prinz Felix von Salm-Salm, und ein
Nachfahre jenes berühmten Steuben, der Baron Otto von Steuben, der bei
Spotsylvania fiel. Die Unionsarmeen weisen insgesamt 57 adlige deutsche
Offiziere auf.

General
Julius Stahel, siehe Biographie S (Union)

Brevet-General
Prinz Felix von Salm-Salm, siehe Biographie S
(Union)

General
Ludwig Blenker, siehe Biographie B (Union)

General
Ludwig Blenker mit seinem "internationalen" Stab im Hauptquartier
seiner Armee in der Nähe von Washington.
Rechts neben ihm steht Julius Stahel, links neben Blenker, die Hand
im Revers, Colonel Prinz Felix von Salm-Salm.
Auch im Süden gab es Regimenter, die sich aus Volksgruppen zusammensetzten.
Louisiana war ein traditionelles Ansiedlungsgebiet französischer und
spanischer Einwanderer, Texas hatte viele deutsche Einwohner, die
erst in den letzten Jahren vor dem Krieg dorthin gezogen waren.
Etwa
ein Fünftel der weißen Texaner war deutschstämmig oder Neueinwanderer;
ein großer Teil dieser Menschen lehnte die Sezession ab und floh im
Verlauf der Wirren vor politischen Verfolgungen in den Norden.
Auch
Richmond und Charleston hatten zwischen 23 bis 26 Prozent deutsche
Einwohner. Kompanien aus Deutschen existierten in fast allen Regimentern
der Bundesstaaten. Richmond rüstete eine »Fremdenlegion«
aus den Reihen seiner Bewohner aus, die Kompanie A der 18. North Carolina
kam aus Wilmington und bestand zu drei Vierteln aus deutschen Neueinwanderern.
Charleston hatte deutsche und irische Kompanien, nicht nur Infanterie,
sondern auch Kavallerie und Artillerie. Acht Kompanien aus Deutschen
und Iren stammten aus Georgia. Louisianas »Europäische Brigade«
zählte 2.500 Franzosen, 800 Spanier, 500 Italiener, 400 Deutsche,
Holländer und Skandinavier und 500 Schweizer.

Colonel
Heros von Borcke, siehe Biographie B (Konföderierte)
Der
ehemalige Offizier im königlich-preußischen Gardekürassierregiment
von Berlin wurde im Bürgerkrieg in den Südstaaten Stabschef von General
J.E.B. Stuarts Virginia-Kavallerie im Range eines Majors.
Da es bei den Konföderierten keine Tapferkeits- oder Ehrenmedaille
gab, wurden hervorragende Leistungen in Kongreßbeschlüssen
geehrt und veröffentlicht, die eine hohe Auszeichnung bedeuteten.
Kurz
vor seiner Ernennung zum Colonel beschloß der Kongreß der Südstaaten
in Richmond ihm zu Ehren folgende Resolution:
»Da
Major Heros von Borcke aus Preußen, Adjutant und Generalinspekteur
des Kavalleriekorps des Heeres von Nordvirginia sein eigenes Vaterland
verlassen hat, um uns zur Erhaltung unserer Unabhängigkeit beizustehen,
und da er durch seine persönliche Tapferkeit im Felde sich die Bewunderung
seiner Kameraden sowie seines kommandierenden Generals erworben hat,
hat der Kongreß der konföderierten Staaten von Nordamerika beschlossen,
daß dem hier genannten Major Heros von Borcke für seine selbstverleugnende
Hingabe an unsere Konföderation und seine ausgezeichneten Dienste
bei der Unterstützung unserer Sache der Dank des Kongresses gebühre;
daß eine Abschrift dieser Resolution dem Major Heros von Borcke durch
den Präsidenten der konföderierten Staaten zu übergeben sei«
Bei
Gettysburg schwer verwundet, wurde er von der Regierung in Richmond
nach Europa geschickt. Er kämpfte später in den deutschen Einigungskriegen
und veröffentlichte 1866 seine zweibändigen Kriegserinnerungen. Er
starb am 10. Mai 1895 in Berlin. Sein Schlachtschwert hängt im Kapitol
zu Richmond.
Christoph G. Memminger, Finanzminister der Konföderation, war gebürtiger
Deutscher, der als Kleinkind nach Charleston gebracht worden war.
Robert Bechern, ein anderer Deutscher, erreichte den Rang eines Brigadegenerals.
Ein anderer deutscher Hauptmann, Justus Scheibert, erlebte den Krieg
als Beobachter auf konföderierter Seite.
Die Barone von Massow und von Borke kamen als »Importoffiziere«
aus Preußen; die konföderierten Kriegsanstrengungen wurden auch hinter
der Front von Wahlamerikanern unterstützt. Die Gebrüder Haffnan waren
deutsche Metallarbeiter, die in Columbus, Georgia, die größte Klingenfabrik
des Südens besaßen, in der fünfhundert Arbeiter Säbel, Bajonette und
auch Revolver herstellten.
Kein
Adliger, aber ein tapferer Mann und unverdientermaßen unbekannt, war
Friedrich Fuger, ein deutscher Feldwebel der 4. New Yorker Artillerie,
Batterie A. Während Picketts Angriff bei Gettysburg setzte er mit
einem letzten verbliebenen Geschütz den Kampf fort, nachdem alle Offiziere
seiner Batterie gefallen waren. Sein Feuer war entscheidend für den
Widerstand der Truppen auf der Cemetery Ridge. Er erhielt eine Medaille
für Tapferkeit.
Die
komplette Liste der deutschstämmigen Inhaber der Ehrenmedaille
(Medal of Honor) finden Sie auf folgender Seite:
"Der
Dank des neuen Vaterlands"
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