DEUTSCHE UNIONSOFFIZIERE
Der
Originalton Wilhelm Kaufmanns
aus dem Jahre 1911
wurde bewusst beibehalten
| Deutsche
Unions-Offiziere von A-Z |
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L
L
a c k n e r , Franz
Oberstleutnant im 26. deutschen Wisconsin Regiment. Bei Gettysburg verwundet.Trat
dann in den Stab des General Schurz. Nach dem Kriege Anwalt in Milwaukee.
L a n g e , Albert
aus Charlottenburg stammend, Staatsauditor von Indiana. Ihm gebührt
viel von dem Ruhme, der auf Gouverneur Morton von Indiana gehäuft wurde.
Hat sich besonders um die Organisation der deutschen Soldaten verdient
gemacht. Lange war ein eifriger Verfechter des Planes, im Jahre 1863
gegen 20 000 gediente Soldaten in Deutschland für die Union anwerben
zu lassen. (Vgl. Corwin.)
L
a n g g u t ,
siehe Karberg
L a d e m a n n ,
Otto
Kapitän im Sigelschen 3. Missouri-Regiment, befehligte dieses Regiment
eine Zeitlang während der Abwesenheit Oberst Wangelins. Lademann nahm
an den meisten Kämpfen der deutschen Brigade Wangelins ehrenvollen Anteil.
Er wurde 1864 von General Osterhaus zum Chef der 4. Mo.Batterie ernannt.
Dieser Batterie wurden diejenigen Mannschaften der drei Missouri-Regimenter
3, 12 und 17 zugeteilt, deren Dienstzeit im Herbst 1864 noch nicht abgelaufen
war.
L a i b o l d t
, Bernhard
Oberst des 2. (deutschen) Missouri-Regiments, einer der tüchtigsten
Unterführer in den Osterhausschen Feldzügen. Kämpfte bei Pea Ridge,
Perryville und Stone River mit großer Auszeichnung in Sheridans Division.
In der Schlacht von Chickamauga befehligte Laiboldt eine Brigade. Wurde
dort von Sheridan wegen seiner Tapferkeit besonders belobt. Laiboldt
hatte zweimal Gelegenheit zu selbständiger Führung und löste sie beide
Male in glänzendster Weise, und zwar gegen denselben Gegner, den berühmten
Reiterführer der Rebellen, General Wheeler. Im Dezember 1863 führte
Laiboldt einen wertvollen Train von Chattanooga nach Knoxville. Er hatte
einige hundert Mann vorn 2. Missouri-Regiment bei sich. Wurde am Hiwasseeflusse
von Wheeler mit 1500 Mann angefallen. Laiboldt schlug den Feind und
brachte den ganzen Train in Sicherheit.
Am 14. August 1864 befehligte Laiboldt mit 480 Mann vom 2. Missouri-Regiment
in Dalton, Ga. Derselbe General Wheeler rückte mit über 3000 Mann an
und forderte Laiboldt zur Kapitulation auf. Laiboldt antwortete: »Ich
bin hierher gestellt, um diesen Posten zu halten, nicht um ihn zu übergeben.«
Als Wheeler nochmals parlamentieren wollte, erhielt er die Antwort,
Laiboldt werde auf die Parlamentärflagge feuern lassen. Dann griff Wheeler
an. Der Kampf dauerte die ganze Nacht. Laiboldt schlug jeden Angriff
ab und wurde am nächsten Morgen verstärkt, worauf Wheeler abzog. Laiboldt
war in Deutschland Unteroffizier gewesen. Aber wenige der ehemaligen
deutschen Offiziere haben einen glänzenderen Namen sich geschaffen als
Laiboldt. Er war in der ganzen westlichen Armee bekannt.
L a m b e r t , Louis
Kapitän im 37. deutschen Ohio-Regiment. Wurde viermal verwundet, lag
einmal über 24 Stunden lang (für tot gehalten) auf dem Schlachtfelde
von Prinecton, W.-Va. Von seinem Regimente, welches 1133 Mann zählte,
kehrten nur 189 Mann nach Beendigung des Krieges zurück.
L e d e r g e r b e r , F.
L.
Advokat, St. Louis, geb. 1835, als erster amerikanischer Sprößling der
»Lateiner-Kolonie« in Belleville, Offizier im 12. Missouri-Regiment.F.
L. Ledergerber wurde schwer verwundet bei Ringgold, Ga.
L e d e r g e r b e r , Joseph
Major, sein Bruder, fiel in derselben Schlacht. Beide Brüder waren Enkel
des Pioniers von Belleville, des bedeutenden Friedrich Engelmann.
L a n d g r ä b e r , Klemens
früher preußischer Artillerieoffizier, Major des 1. Missouri-Artillerie-Regiments,
später bei Shermans Marsch durch Georgia Artilleriechef der Osterhausschen
Division, 15. Korps. Tollkühner, tapferer Mann, einer der besten Artilleristen
der westlichen Heere. Führte allgemein den Spitznamen »the flying dutchman«
(fliegender Holländer, dutchman sollte hier aber Deutscher heißen).
Zu diesem Ehrentitel kam Landgräber am 19. Mai 1863 bei der Einschließung
Vicksburgs vor dem großen Sturme. Mit seinen Batterien auf einer Höhe
angelangt, sah er, daß er eine vorzügliche Stellung einnehmen könne,
wenn er längs des schmalen Rückens jenes Hügels vorrücken würde. Aber
der Feind hatte dort Schützengräben, außerdem wurde die Strecke durch
Rebellenbatterien bestrichen.
Landgräber fragte seine Leute: »Jungens, wollt Ihr es mit mir
wagen auf diesem gefährlichen Wege in Stellung zu gehen?« Jeder Mann
rief: »Wenn Sie voranreiten, so folgen wir.« Und im Galopp
jagten die Batterien fort. Es war da gar keine Straße. Nach der einen
Seite fiel der Hügel steil ab, an der anderen Seite waren die Schützengräben
des Feindes. Der Höhenrücken war kaum breiter als die Radspuren der
Kanonen. Aber das Wagestück gelang trotz des starken feindlichen Feuers.
Landgräber kam in die gewünschte Stellung und er konnte nun seine Kugeln
dem Feinde in den Rücken senden. Als er später am 30. Iowa-Regiment
vorbeikam, welches durch die kühne Tat Landgräbers gerettet worden war,
schrie das ganze Regiment »three cheers and a tiger for the flying Dutchman«.
Landgräber machte den ganzen Krieg mit und schlug sich glänzend namentlich
bei Vicksburg, Lookout Mountain, Missionary Ridge, Ringgold und in den
Kämpfen des Marsches durch Georgia.
L e d i g , August
Major im deutschen 75. Pennsylvania-Regiment, in welchem sein Sohn Richard
als Kapitän diente. Nachdem Oberst Mahler gefallen war, führte Ledig
das Regiment meistens und namentlich in den Schlachten von Gettysburg,
Missionary Ridge und bei Knoxville. Ledig war ein außerordentlich tüchtiger
und tapferer Führer, er blieb im Dienst bis zum Friedensschluß.
Sein Sohn Kapitän Richard
L e d i g wurde
bei Bull Run II schwer verwundet. Beide, Vater und Sohn, standen bei
den 75ern in hohem Ansehen.
L e h m a n n
Oberst des 103. Pennsylvania-Regiments sowie
Organisator des 62. Pennsylvania-Regiments, geb. 1812 in Hannover, war
früher hannoverscher Offizier. Nach dem Kriege Präsident der Militärakademie
von West-Pennsylvanien.
L e i c h t f u ß (Lightfoot)
Major im 12. Missouri-Regiment. Beim Sturm auf Vicksburg, 22. Mai 1862,
gelang es ihm, den Slipppery Hill mit einem Teile des deutschen 12.
Missouri-Regiments zu erklimmen und bis vor die feindlichen Bastionen
vorzudringen. Er fiel, als er seine Leute zum Sturm auf die feindlichen
Werke vorführte. Die ihm nachfolgenden Truppen des 3. und 17. Missouri-
und 9. Iowa-Reginients blieben meistens stecken in dem schlüpfrigen
Sande des vorgelagerten Hügels und nur wenige Soldaten konnten das Plateau
erreichen.
L e i p e r , B. J.
Oberstleutnant, 1. Kentucky Regiment.
L e p p i e n , George F.
Oberstleutnant des 1. Artillerie-Regiments von Maine. War ehemals preußischer
Offizier. Trat zuerst in eine pennsylvanische Batterie ein, befehligte
später die Artillerie in der 2. Division des I. Armeekorps der Potomac-Armee
und zeichnete sich bei Bull Run II, Antietam, Fredericksburg, Chancellorsville,
Gettysburg und unter Meade und Grant aus. Leppien gehört zu den bedeutendsten
Artillerieführern, welche der Krieg hervorgebracht hat.
L i e b , Herrmann
Titular-Brigadegeneral. Deutschschweizer, trat Mitte April 1861 in das
8. Illinois-Infanterie-Regiment, wurde bald Kapitän, dann Major. Im
Winter 1863 Oberst des 9. Neger-Regiments. Bei Milliken Bend wurde Lieb
schwer verwundet. Lieb hat später das 4. reguläre Regiment schwerer
Artillerie geführt und sich so ausgezeichnet, daß er im Mai 1864 zum
Chef der Artillerie Truppen des westlichen Bezirks von Mississippi ernannt
wurde. Im Januar 1865 führte er mit seinem und dem II. Illinois Kavallerie-Regiment
eine Expedition gegen Marion, Ark., selbständig und bestand zwei siegreiche
Gefechte. Nach dem Kriege spielte Lieb in der Politik in Chicago eine
Rolle, übernahm die Leitung des »Chicago Demokrat« und war schriftstellerisch
tätig.
L i
e b e r , Franz
der erste und vielleicht der bedeutendste unter den großen Deutschen
Amerikas, geb. März 1800 in Berlin. Mit 15 Jahren Freiwilliger im Regiment
Colberg, worin auch seine beiden älteren Brüder dienten. Bei Ligny schwer
verwundet. Als Burschenschafter während der preußischen Reaktion gemaßregelt,
zog Lieber 1827 nach Amerika. Hier wurde er der Apostel deutscher Wissenschaft.
Professor der Südkarolina-Universität und 1856 der Harvard-Universität.
Intim befreundet mit Bancroft, Channing, Longfellow, Prescott, Ticknor
und Charles Sumner. Die großen Verdienste Liebers um den Ausbau der
amerikanischen Universitäten im deutschen Geiste können hier nur angedeutet
werden. Lieber war einer der bedeutendsten Gelehrten Amerikas, vielleicht
der bedeutendste.
Sein politisches Wirken ist ein ununterbrochener Kampf gegen die Sklaverei
gewesen. Lieber war der Führer der wenigen Unionstreuen in Südkarolina.
Er erklärte vor den sog. »Feuerfressern« jenes Staates: »Wie könnt Ihr
das Recht zur Abtrennung der Sklavenstaaten von der Union in Anspruch
nehmen, ohne dieses Recht nicht gleichzeitig als Grundprinzip dem neuen
Staate, der Konföderation, einzuverleiben. Ein solcher neuer Staat wäre
doch beständig in Gefahr von neuen Revolutionen heimgesucht zu werden.«
Lieber scheute sich nicht, die Sezession ein Verbrechen zu nennen. Seine
Büste in der Ehrenhalle der Südkarolina-Universität wurde zertrümmert.
Er wurde gemaßregelt und im Jahre 1856 mußte er nach dem Norden flüchten.
Die Universität Harvard nahm ihn freudig auf und nun wurde Lieber
der geistig bedeutendste Führer der Antisklavereipartei.
Einer seiner Söhne, Oskar Lieber, war in Südkarolina geblieben und dort
den Lockungen der Sklavereipartei anheimgefallen. Dieser hoffnungsvolle
junge Mann, der einer der bedeutendsten Geologen der Vereinigten Staaten
war, trat in die konföderierte Armee ein und fiel im Sommer 1862 bei
Williamsburg. Diesen Schmerz hat der alte Freiheitskämpfer
niemals verwunden. Die beiden anderen Söhne Liebers kämpften im Unionsheere.
Einer dieser beiden war Generalauditor in der Armee. Er war ebenfalls
hervorragend begabt, und half seinem Vater in der Herstellung des völkerrechtlichen
Handbuches, welches während des Krieges in den Händen jedes amerikanischen
Flottenoffiziers war und diesen Offizieren als Richtschnur im Verkehr
mit den Vertretern anderer Nationen diente.
Auf General Hallecks Ersuchen schrieb Lieber »Guerilla parties, considered
with reference to the Law and Usages of War« ein Werk, welches auch
im deutsch-französischen Kriege bezüglich der Behandlung gefangener
»Franctireurs« häufig benutzt worden ist. So hat dieser Deutsche vielfach
das geistige Rüstzeug geliefert zur Bekämpfung der Sezession. Niemals
während der düstersten Zeit des Krieges hat Lieber den Glauben verloren
an den endlichen Sieg der Union. Wenn sich die Stimmen im Norden erhoben,
die einen Ausgleich auf Grund der Anerkennung der Konföderation forderten,
war es stets Lieber, der diesen Kriegsmüden entgegentrat und die Fortsetzung
des Kampfes bis zum letzten Mann und bis zur letzten Patrone forderte.
Lieber erlebte noch das Jahr 1870 und jubelte dem auferstandenen Deutschland
in feurigen Gedichten zu. Friedrich Wilhelm IV. bot Lieber 1849 eine
Professur in Berlin an, aber Lieber blieb der neuen Heimat treu bis
zum Tode. Ihm rühmen die eingeborenen Amerikaner nach, daß er durch
und durch Amerikaner gewesen sei, aber am 20. Juli 1870 schreibt Lieber:
»Meine Seele ist voll von dem einen Gefühl, dem einen Gedanken - D e
u t s c h l a n d ! «
L i c h t e n
s t e i n
Oberstleutnant des 52. deutschen New Yorker Regiments. Fiel am Antietam.
L i m b e r g
, George T.
Oberst des 108. Ohio-Regiments, welches zu drei Vierteln deutsch war
und tapfere Taten bei Murfreesboro vollführte, aber bei Hartsville,
Ky., mit der 39. Brigade gefangen wurde. Später hat sich das Regiment
sehr gut geschlagen.
L o c k m a n
n , John T.
Oberstleutnant im 119. New Yorker Regiment, zeichnete sich bei Chancellorsville
besonders aus und wird von Schurz als tapferer Soldat und umsichtiger
Offizier sehr belobt. Lockmann war einer der Redner bei Enthüllung des
Sigel-Denkmals in New York im Herbst 1907.
L ö h r
Dr. med., Regimentsarzt im 9. Wisconsin-Regiment.
L u t z , John
M.
Major im 107. deutschen Ohio-Regiment. Fungierte als dessen Regimentsführer
in der Schlacht bei Chancellorsville am 2. Mai 1863. Dieses Regiment
stand mit im Vordertreffen, als Jacksons Überfall losbrach. Das 107.
Ohio-Regiment wurde eine Zeitlang von dem späteren General Edward S.
M e y e r kommandiert, dessen Vorfahren Süddeutsche waren, welche um
1820 nach Nordohio auswanderten.
L u t z , John
B.
(genannt Mansfield)
Kommandant der Staatsmiliz von Indiana. Hat große Verdienste betreffs
der Aushebung des Kontingents von Indiana. Delegat auf der republikanischen
Nationalkonvention, welche Lincoln nominierte.
L ü b b e r s
, John
Oberst des 26. Iowa-Freiwilligen-Regiments. War früher Offizier in der
deutschen Flotte gewesen und hatte gegen Dänemark gekämpft. Ausgewandert
um 1850.
v. L ü t t w i
t z , Adolf
ehemals österreichischer Offizier. Zuerst im 54. New Yorker Regiment,
dann im Schurzschen Stabe. Später Kommandeur der Pioniere der Division
Schurz. Trat später in englische Kriegsdienste und kämpfte noch im letzten
Burenkriege.
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