
DEUTSCHE
UNIONSOFFIZIERE
Der
Originalton Wilhelm Kaufmanns
aus dem Jahre 1911
wurde bewusst beibehalten
| Deutsche
Unions-Offiziere von A-Z |
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
O

O s t e r h a u s , Peter Joseph
Generalmajor und Korpsführer. Es gebührt ihm ohne Zweifel der e r s
t e Platz unter den deutschen Offizieren des Bürgerkrieges.
Der deutschamerikanische Geschichtsforscher Emil Mannhart sagt, die
Feinde hätten Osterhaus den Beinamen »Der amerikanische Bayardt«
gegeben. Gewiß eine ehrenvolle Benennung und auch eine richtige, denn
Osterhaus war in der Tat ein »Ritter ohne Furcht und Tadel«.
Geboren wurde Osterhaus 1823 in Koblenz. Er hatte als Einjährig-Freiwilliger
in Koblenz gedient und war dann preußischer Landwehroffizier geworden.
Wegen Beteiligung an der deutschen Revolution suchte er in Amerika Zuflucht
und war in Belleville und in St. Louis bis zum Kriege ansässig. Im April
1861 trat er als Gemeiner in das 3. deutsche Missouri-Regiment ein,
wurde bald dessen Major, später Oberst des deutschen 12. Missouri-Regiments,
im Januar 1863 Brigadegeneral und nach seinen Kämpfen bei Chattanooga
1863 Generalmajor. Am 23. September 1864 erhielt er den Befehl über
das 15. Armeekorps, welches er auf Shermans Marsch nach Savannah führte.
Am 16. Januar 1866 legte Osterhaus seinen Degen nieder. So hat er fast
fünf Jahre ununterbrochen unter den Waffen gestanden. Er hat, von der
Pike auf dienend, den höchsten Rang in der Freiwilligenarmee erlangt,
hat vom ersten bis zum letzten Schusse bei der Unionsfahne ausgehalten,
in 34 Schlachten ehrenvoll gekämpft und niemals eine Niederlage erlitten,
wenn er selbständig führte. Der 88 jährige lebte 1911 noch in körperlicher
sowohl als geistiger Frische bei einer zu Duisburg, im Rheinlande, verheirateten
Tochter.
Osterhaus hat niemals politischen Einfluß geltend machen können und
auch nicht, wie Sigel, die Unterstützung seiner Landsleute genossen.
Jeder Erfolg seiner tatenreichen Laufbahn, jede militärische Beförderung
ist das Ergebnis eigenen Verdienstes, ist begründet auf treue Pflichterfüllung
und auf der Entwicklung eines angeborenen Führertalentes. Auch war seine
militärische Schulung in Preußen nur eine sehr beschränkte. Er war dort
Pflichtsoldat, nicht Berufsmilitär gewesen. Deshalb ist Osterhaus Laufbahn
auch nicht mit den Generalen zu vergleichen, welche in Deutschland für
die Offizierslaufbahn vorgebildet wurden, sondern eher mit den amerikanischen
self made Generalen. Zieht man diesen Vergleich, so muß man die außerordentlichen
Vorteile in Anrechnung bringen, welche der Eingeborne vor dem Eingewanderten
voraus hatte. Wenn man die Kriegstaten von »Peterjoe« (Spitzname) gebührend
schildern will, so muß man eine Geschichte des größten Teils des westlichen
und südlichen Krieges schreiben.
Osterhaus tritt im Frühling 1861 in Missouri auf. Bei Wilsons Creek
kämpfte er in Lyons Hauptkorps. Darauf der sog. Buschkrieg in Missouri,
und die Schlacht von Pea Ridge. Osterhaus rettete den tapfer kämpfenden
Sigel auf dessen Rückzuge von Bentonville und führte in der Entscheidungsschlacht
eine der beiden Sigelschen Divisionen selbständig. Er war es auch, der
die Stellung ausfindig machte, von welcher aus Sigels entscheidender
Angriff seinen Ausgang nahm. Nachdem Sigels Geschütze den Feind zum
Wanken gebracht hatten, stürmte Osterhaus die Hauptstellung des Feindes
am Elkhorn Paß. Osterhaus zog dann an den Red River, auf einen abgelegenen
Kriegsschauplatz, nicht an den großen Red River, der den Südosten von
Arkansas berührt, sondern an den kleinen Red River im Norden des Staates.
Dort erkrankte die Hälfte seiner Soldaten an der Malaria. Selbst vom
Fieber geschüttelt, zwingt Osterhaus sich aufs Pferd, um den Rest seiner
Leute ins Gefecht zu führen. Sodann folgten die lange Belagerung von
Vicksburg und die damit verbundenen Kämpfe.
Osterhaus war in höchst ehrenvoller Weise beteiligt am Siege von Arkansas
Post, und Grant übertrug ihm während der Vicksburger Kampagne ein selbständiges
Kommando am Big Black River. Er hatte dort zu verhindern, daß Vicksburg
Verstärkungen und Proviant zugeführt wurden, eine mühevolle, aufreibende
Tätigkeit, welche mit beständigen Kämpfen verknüpft war, in welchen
Osterhaus verwundet wurde. Dann die Stürme auf Vicksburg, in welchen
die Grantsche Armee abgeschlagen wurde. Aber am 22. Mai drang die Osterhaussche
Division doch bis in die äußeren Werke vor. Während die Kameraden in
den allgemein beachteten Schlachten von Fort Donelson, Shiloh, Corinth,
Perryville und Murfreesborosich Lorbeeren holen konnten, hatte Osterhaus
undankbare, aber höchst schwierige Aufgaben zu lösen, unter beständigem
Kämpfen und ohne daß seine Leistungen Beachtung fanden. Denn das große
Publikum hat nur für die Massenkämpfe und Hauptschlachten Interesse.
Er begleitete Grant auf dessen Zuge von Vicksburg den Mississippi südwärts.
Abermals eine undankbare und gefahrenreiche Aufgabe.
Denn wieder hatte man nicht nur beständig mit dem Feinde, sondern auch
mit der Malaria und dem gelben Fieber zu kämpfen. So ist Osterhaus wohl
zwei Jahre lang vom Kriegsglücke, insofern als es den Führern Gelegenheiten
zur Auszeichnung bringen kann, sehr wenig begünstigt worden. Endlich,
im November 1863, lächelte ihm das Glück. Er war mit Sherman nach Chattanooga
gezogen. Aber seine Division konnte den hochgeschwollenen Tennessee
nicht mehr überschreiten. So kam Osterhaus, statt zu Sherman, zum Korps
Hooker. Und nun folgten die drei Siegestage, welche Osterhaus endlich
in den Vordergrund brachten. Er wurde der eigentliche Held der Schlacht
über den Wolken, führte die Vorhut vom Lookout-Berge nach der Südseite
der Missionary Ridge, kämpfte auch dort mit großem Ruhme und leitete
dann die Verfolgung der von Thomas bei Missionary Ridge geschlagenen
konföderierten Armee. Bei Ringgold, Ala., stieß er auf die Reste der
Flüchtenden. Ein furchtbar blutiger Kampf, welcher von Osterhaus selbständig
geleitet wurde, erfolgte. Aber das Ergebnis desselben war die Zersprengung
des Feindes und ein neues Ruhmesblatt für Osterhaus.
In den dreitägigen Schlachten um Chattanooga hat Osterhaus weit mehr
Gefangene gemacht, als die Zahl der von ihm geführten Truppen betrug.
Der Shermansche Zug durch Georgia, welcher das ganze Jahr 1864 umfaßt,
findet Osterhaus als Divisionär im 15. Korps. Seine Truppen sind an
den meisten Schlachten und Gefechten beteiligt. Die Division kämpfte
ruhmvoll bei Resaca, Dallas, Pumpkin Vine Creek, in der furchtbar blutigen
Schlacht am Kenesaw Berge. Osterhaus war es, der bei Marietta durchbrach
und damit die starke Verteidigungsstellung Johnstons am Kenesaw-Berge
unhaltbar machte. Osterhaus war alsdann ehrenvoll beteiligt an den Schlachten
am Chattahoochee und Jonesboro, sowie an den Entscheidungsschlachten
von Peachtree Creek und Atlanta. Dann folgten die vielen Kämpfe, welche
mit dem Halten der Position von Atlanta verknüpft waren. Eine der Osterhausschen
Brigaden, von dem tapferen Corse, der von deutschen Eltern stammte,
geführt, hielt Allatoona siegreich gegen eine vierfache Übermacht. Am
23. September trat Generalmajor Osterhaus an die Spitze des 15. Korps,
führte dasselbe durch Georgia bis vor Savannah, und seine Truppen beteiligten
sich an der Erstürmung von Fort Mc Allister, welches Savannah von der
Landseite schützte. Erst nach diesem Siege konnte Sherman seine berühmte
Weihnachtsdepesche an Lincoln schicken: »Savannah ist unser.«
Alsdann wurde Osterhaus Stabschef des Generals Canby und kämpfte bis
zum Ende des Krieges bei Mobile und am unteren Mississippi. Nur die
wichtigsten der Osterhausschen Kämpfe und Siege konnten hier erwähnt
werden.
Nach dem Kriege wurde Osterhaus eine Zeitlang militärischer Gouverneur
von Mississippi, alsdann amerikanischer Konsul in Lyon. Während des
Deutsch-Französischen Krieges erwarb er sich den besonderen Dank der
deutschen Regierung dafür, daß er den Deutschen in seinem Konsulatsgebiete
den Schutz der amerikanischen Flagge in geradezu aufopfernder Weise
gewährte. Später fungierte Osterhaus als Konsul in Mannheim. Erst im
77. Jahre legte er dies Amt nieder, um seinen Lebensabend in Ruhe zu
beschließen.
Einer seiner Söhne, Hugo Osterhaus, ist Admiral der amerikanischen Kriegsflotte.
Im Frühling 1911 erhielt derselbe das h ö c h s t e Kommando in der
Flotte, den Befehl über das Geschwader des Atlantischen Ozeans. Auch
ein Enkel des Generals ist amerikanischer Flottenoffizier. Ein anderer
Sohn unseres Helden war preußischer Artilleriemajor, ging nach Südwestafrika
und fiel in den Kämpfen am Waterberge. Dieser Sohn hatte sich schon
während der internationalen Kampagne in China besonders ausgezeichnet.
Osterhaus besaß in hohem Maße Anpassungsfähigkeit an amerikanische Verhältnisse.
Er machte von dieser Gabe Gebrauch, ohne: jemals sein Deutschtum zu
verleugnen. Er war nur Militär, nicht im Nebenberufe »Weltverbesserer«,
wie so manche seiner achtundvierziger Kameraden, die so vielfach an
den amerikanischen Kriegseinrichtungen krittelten und nicht einsehen
konnten, daß der improvisierte Volkskrieg einer durchaus unmilitärischen
Nation sich nicht nach den Gebräuchen und Regeln europäischer Vorbilder
abspielen konnte. Osterhaus nahm die Dinge, wie sie nun einmal waren
und wie sie unter den gegebenen Verhältnissen auch kaum anders sein
konnten, und er suchte sich denselben anzupassen.
So finden wir Osterhaus stets im Frieden mit seinen angloamerikanischen
Kameraden, es treten keine Reibungen ein, wobei allerdings in Betracht
gezogen werden muß, daß das Westpointertum in der westlichen Armee niemals
so zur Geltung gelangte wie im Osten. Das westliche Heer war ja eigentlich
stets ein Volksheer, auch in bezug auf die der regulären Armee
entstammenden Führer. Grant, Sherman, Rosecrans und andere Generale
des Westens hatten längst die Fühlung mit Westpoint verloren, sie waren
viele Jahre der regulären Armee fern gewesen, und sie gaben sich weit
mehr als Bürgergenerale, als es die Führerclique tat, welche in der
Potomacarmee stets dominiert hat. Auch der echte Held Thomas erscheint
uns im Generalsrock stets mehr als Bürger denn als Westpointer.
Osterhaus wußte sich als Deutscher bei den Angloamerikanern durchzusetzen.
Von ihm sprechen alle seine Vorgesetzten nur mit der größten Hochachtung,
und nur einmal wurde der Nativismus gegen Osterhaus ausgespielt, natürlich
durch den General 0. 0. Howard. Als Osterhaus an Logans Stelle die Führung
des 15. Korps erhalten sollte, protestierte Howard. Er meinte, man dürfe
ein so hohes Kommando nicht einem E i n g e w a n d e r t e n geben.
Howard hat wohl nie von dem Eingewanderten Steuben gehört, welchem Washington
den Posten eines Generalinspektors der Armee verlieh.
O d e r f e l d
Kapitän, schwer verwundet bei Shermans erstem Sturme durch Chickesaw
Bayou (vor Vicksburg) Dezember 1862. Starb im Hospital.
O e s t e r r e i c h , Georg
Hoestrich genannt. Kapitän im 46. New Yorker Infanterie-Regiment (Rosas
Frémont Rifles). Fiel bei Bull Run II, als er die bedrohte Regimentsfahne
ergriffen hatte.
O l s h a u s e n , Theo
Holsteiner. Redakteur der »Westl. Post« in St. Louis. Einer der tüchtigsten
Führer bei der deutschen Erhebung von St. Louis. Olshausen war in Schleswig-Holstein
der tätigste Führer des Aufstandes gegen die Dänen gewesen. Die »Westl.
Post«, welche Theo Olshausen bis zum Jahre 1865 redigierte, verdankt
diesem hochbegabten edlen Manne außerordentlich viel. Nach dem Kriege
bekam Olshausen Heimweh und kehrte nach Deutschland zurück.
O r f f , H.
Oberst des 35. halbdeutschen Wisconsin-Regiments.
O t t e n d o r f e r , Oswald
bedeutender Publizist, Redakteur der New Yorker Staatszeitung. Achtundvierziger
aus Wien. Ottendorfer hat sehr viel dazu beigetragen, um die deutschen
Demokraten für die Unionssache zu begeistern. Die Staatszeitung war
ein demokratisches Parteiblatt und diente während der kritischen Periode
manchem der Achtundvierziger als Zielscheibe von zum Teil geradezu pöbelhaften
Angriffen. Ottendorfer resignierte als Präsidentschaftselektor des Staates
New York, nachdem die Charlestoner Konvention sich für die extremsten
Forderungen der Sklavenhalter erklärt hatte und führte das höchst einflußreiche
Blatt dem Unionslager zu. Ottendorfer sowie dessen Gattin, haben ihren
großen Reichtum in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt und bedeutende
Stiftungen sowohl in New York als in der alten Heimat hinterlassen.
O t t o
Oberst, 50. New Yorker Regiment, war Generalstabschef der Schurzschen
Division bei Gettysburg und wird von Schurz belobt wegen der geschickten
Führung der Regimenter 82. Illinois und 45. New York.
Startseite