DEUTSCHE UNIONSOFFIZIERE
Der
Originalton Wilhelm Kaufmanns
aus dem Jahre 1911
wurde bewusst beibehalten
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Unions-Offiziere von A-Z |
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R
v.
R a d o w i t z , Paul
Oberstleutnant im Stabe McClellans, früher Offizier der preußischen
Garde du Corps, Sohn des Kriegsministers. Hat sich vielfach, namentlich
am Antietam, ausgezeichnet. McClellan spricht von ihm in »Mc Clellans
own story« geradezu mit Begeisterung. Als der Deutsch-Französische
Krieg ausbrach, befand sich McClellan auf einer Besuchsreise in Berlin.
Er machte den preußischen Kriegsminister damals auf v. Radowitz aufmerksam.
Er meinte, daß die Erfahrungen, welche v. Radowitz in Amerika gesammelt
hatte, der deutschen Kriegsführung von hohem Werte sein würden. Aber
Gründe, welche mit dem Austritte des v. Radowitz aus der preußischen
Armee zusammenhingen, vereitelten dessen Rückberufung aus Amerika, obschon
General v. Roon sich große Mühe gegeben haben soll, den »verlorenen
Sohn« der preußischen Armee wieder zuzuführen. Nach McClellans
Entlassung wurde auch dessen Stab aufgelöst, und die Offiziere desselben
verloren ihre Stellen, eine der größten Ungerechtigkeiten, welche der
Krieg gezeitigt hat. Man muß dabei immer bedenken, daß die Organisation
der Freiwilligenarmee auf den Einzelstaaten basierte, nicht auf der
Bundesmacht. Ob v. Radowitz, der ein ausgezeichneter Offizier war, nach
seiner Entlassung ebenfalls Strassenbahnkutscher geworden ist wie so
viele seiner Kameraden nach dem Friedensschlusse?
R a i t h , Julius
Entstammte der Belleviller lateinischen Siedelung (aus Göppingen in
Württemberg gebürtig), machte den Mexikanischen Krieg mit. 1861 Oberst
des 43. Illinois-Regiments, das zum großen Teil aus Belleviller Deutschnachkommen
bestand. In der ersten großen Schlacht des Bürgerkrieges befehligte
er eine Brigade bei Shiloh (6. April 1862). Er wurde schwer am Fuße
verwundet. Seine Leute wollten ihn forttragen, aber Raith wehrte ab.
Er wollte nicht, daß auch nur ein kampffähiger Mann im Gefechte entbehrt
werde. Aber die Unionstruppen wurden geworfen, und Raith blieb während
der folgenden Nacht im Walde liegen. Der Brand setzte ein, und der tapfere
Mann starb bald darauf. Neben ihm fiel sein Neffe, ein kurz vorher eingewanderter
Jüngling aus Göppingen.
R a p p , Wilhelm
Journalist. Focht tapfer mit der Feder für die Union, und zwar in der
Rebellenstadt Baltimore. Mußte vor dem Mob, der ihn lynchen wollte,
flüchten. Wirkte später in New York, Baltimore und starb 1906 hochbetagt
in Chicago.
R a s s i e u
r , Leo
Der einzige Deutsche, welcher das Ehrenamt des Oberkommandeurs der Grand
Army Republic (der großen Veteranenorganisation) bekleidet hat. Diente
im I. Reserve-Regiment von Missouri, dann bis Ende des Krieges als Major
in einem halbdeutschen Illinois-Regimente. Trat mit 17 Jahren in das
Heer ein. Da er die englische Sprache außerordentlich gut beherrschte,
so war er noch als halber Knabe, im April 1861, oft der Wortführer der
Deutschen in den Verhandlungen mit den angloamerikanischen Unionsmännern
von St. Louis.
R a t t e r m
a n n , H. A.
Cincinnati. Bedeutender, überaus fleißiger deutsch-amerikanischer Geschichtsforscher.
Trug sich lange mit dem Plane, auch den Anteil der Deutschen am Bürgerkriege
darzustellen, hatte bedeutende Vorstudien dazu gemacht. Aber als ihm
die Redaktion des »Pionier« entzogen wurde, ließ er den Plan fallen.
Das Eingehen dieser unter Rattermanns Leitung zu einer hochbedeutenden
Zeitschrift gelangten Zeitschrift verbitterte den tüchtigen Mann. Kleinliche
Vereinsmeierei und völliges Verkennen der hohen Ziele des auch als Dichter
hervorragend veranlagten Redakteurs waren die Ursachen jenes Redaktionswechsels,
dem bald das Verschwinden des »Pionier« folgte.
R e i c h e r
t , Franz
Batteriechef im 3. Pennsylvania-Artillerie-Regiment.
R e i c h e n
b a c h , H.
Dr. med. Tüchtiger Chirurg bei den deutschen Truppen von Iowa. Stammte
aus Davenport, Ia.
R e i c h h e
l m , E. P.
Privatsekretär Sigels während der ersten Missouri-Kampagne, später Hauptmann.
Kämpfte in vielen Schlachten des Westens und zeichnete sich mehrfach
aus. Kapitän Reichhelm hat seine Kriegserfahrungen in einem längeren
Werke dargelegt, das den Titel »A Yankee-Cavalier« führt, aber leider
nur im Manuskript vorliegt. Die Schilderungen gewähren einen guten Einblick,
namentlich in die kleinen Dinge des Krieges, in das Leben im Felde und
auf dem Marsche usw.
R e m p e l ,
Ferdinand
Oberstleutnant des 58. halbdeutschen Ohio-Regiments. Führte dasselbe
beim Sturm auf Fort Donelson und holte die Rebellenfahne herunter. Mußte
seinen Abschied infolge Verwundung nehmen.
R e t z i u s
Major und letzter Regimentsführer im 52. (Freudenbergschen) deutschen
New Yorker Regiment.
Frau R e y n o
l d s
Major, war die Gattin des deutschen Leutnants Reynolds, vom 17.
Illinois-Regiment. Sie folgte ihrem Manne in den Krieg und pflegte die
Verwundeten nach der Schlacht von Shiloh mit solcher Hingebung, daß
der Gouverneur Yates von Illinois dieser wackeren deutschen Frau das
Patent eines Majors als Belohnung zuschickte.
R h e i n l ä
n d e r , John
Oberstleutnant des 25. Indiana-Regiments, machte den Mexikanischen und
den Bürgerkrieg von Anfang bis zu Ende mit. Er wurde bei Atlanta schwer
verwundet.
R e u ß , P. 0.
Dr. med. Regimentsarzt des 29. New Yorker Regiments (deutsch). Einer
der tüchtigsten Chirurgen der Potomacarmee. Rühmlichst bekannt als Schriftsteller
unter dem Pseudonym »Otto Welden«. Sein bedeutendstes Drama Arria ist
mehrfach aufgeführt worden. Manches schöne Gedicht und mehrere Romane
und Novellen entstammten seiner Feder. Dr. Reuß erblindete in späteren
Jahren und starb in New York. Sein Schriftstellername ist noch unvergessen.
R i c h t e r
, Erhardt
nur ein gemeiner Soldat, aber sein furchtbares Schicksal verdient die
größte Teilnahme. Richter war bei Ausbruch des Krieges Besitzer
einer Brauerei in der Rebellenhauptstadt Richmond. Er wurde als entschiedener
Unionsmann boykottiert und ging dann, seine ganze Habe im Stiche lassend,
nach New York. Dort trat er mit seinen beiden Söhnen (17 und 18 Jahre
alt) in das 5. Artillerie-Regiment ein. Beide Söhne starben den Heldentod.
Richters Brauerei wurde von den Rebellen niedergebrannt. Als Richmond
gefallen war, suchte Richter seinen Grundbesitz in jener Stadt zu verkaufen.
Dazu bedurfte er eines besonderen Erlaubnisscheines des Präsidenten.
Richter ging an einem Sonntage zu Lincoln. Da aber ein an diesem Tage
ausgestelltes amtliches Dokument keine Gültigkeit hatte, so bat ihn
Lincoln, an einem anderen Tage wiederzukommen. Ehe Richter den Präsidenten
wieder sprechen konnte, hatte Booths Kugel den edlen Mann für immer
beseitigt. Richter wandte sich dann an General Halleck um jenen Erlaubnisschein,
wurde aber von diesem abgewiesen. Daraufhin wurde Richter wahnsinnig.
Er starb bald darauf im tiefsten Elende.
R i e d t
Major.
Führer des deutschen 27.Pennsylvania-Regiments (früher Buschbecks) bei
Missionary Ridge.
R i n g o l d
, Benjamin
Württemberger, der zweite Oberst des 103. deutschen Regiments, fiel
in der Schlacht von Suffolk an der Spitze seiner Truppen.
R i t t e r
Oberst, führte eine Brigade im Arkansas-Feldzuge.
R i t t e r ,
Louis
Achtundvierziger, Cleveland, 0. Verfasser der Geschichte des deutschen
37. Ohio-Regiments in Whitelaw Reids Werke »Ohio in the War«. Gouverneur
Tod von Ohio ernannte Ritter zum Kommissär für das Verpflegungswesen
und den Lazarettdienst.
R o e m e r ,
Jakob
Batteriechef (N. Y.) im Sigelschen I. Korps, in der Popeschen Kampagne
und in der Schlacht von Bull Run Il.
v. R o g g e n
b u c k e , Oskar
Ehemals preußischer Major. Achtundvierziger. Einer der eifrigsten Unionsfreunde
in Texas. Seine beiden Söhne ertranken als Unionssoldaten im Rio Grande.
R o l l s h a
u s e n , Ferdinand
Major im 82. Illinois- (Hecker) Regiment. Wurde bei Chancellorsville
tödlich verwundet. Kapitän Frey wurde Rollhausens Nachfolger als Major.
R o m b a u e
r , Robert J.
Oberst des I. Reserve-Regiments, Missouri. Deutschungar. Hatte unter
Kossuth gekämpft.
R
o s e n g a r t e n , J. C.
Verfasser des mehrfach zitierten Buches »The German Soldier in the Wars
of the United States« gewidmet dem Andenken des Bruders des Verfassers,
der, als Major im 15. Pennsylvania-Reiter-Regiment in der Schlacht von
Stone River (Murfreesboro) den Heldentod starb. Die Brüder sind Söhne
einer deutschen Familie aus Philadelphia. Rosengarten behandelt in englischer
Sprache den Anteil der Deutschen an allen Kriegen der Union. Revolutionskrieg,
Grenzerkriege und Indianerkämpfe, Krieg von 1812 und den Bürgerkrieg.
Das vortreffliche Buch, 1882 erschienen, ist auch ins Deutsche übersetzt
worden. Die deutsche Ausgabe 1890 bei C. Grosse in Kassel. Manche der
Irrtümer Rosengartens, welche die spätere Geschichtsforschung erst aufgeklärt
hat, sind hier berichtigt worden. Das Buch ist besonders in seinem statistischen
und biographischen Teile wichtig. Doch enthält es leider keine eingehenden
Schilderungen des Anteils der Deutschen am Bürgerkriege.
v. R o s a , Rudolf
ein schlesischer Edelmann und preußischer Ingenieuroffizier; nahm vor
1848 seinen Abschied und schloß sich der Revolution an. Flucht nach
Amerika, 1850 in Washington. Fand dort sofort Anstellung bei der Küstenvermessung
und wurde später Zivilingenieur in New York. Organisierte 1862 das 46.
deutsche (Frémont) Regiment von New York und wurde dessen Oberst. In
einer der Schlachten auf der Halbinsel wurde v. Rosa, an der Spitze
seines Regiments zum Angriff reitend, so schwer verwundet, daß er dienstunfähig
wurde. Trotzdem kehrte er vor der Schlacht von Gettysburg zurück und
führte dort sein Regiment glänzend. Er war eine kraftvolle ritterliche
Gestalt und im Gefecht von der größten Ruhe. Starb in New York als Ingenieur.
R ü c k s t u
h l , Jakob
Oberstleutnant, 4. Kentucky-Kavallerie-Regiment.
R u i t i n g
h a u s e n
Oberst des 58. Illinois-Regiment. Hat sich oft ausgezeichnet. Sein
als Kapitän im selben Regiment dienender Sohn fiel an des Vaters Seite
bei Shiloh.
R u s c h , Nikolas
Major. 1822 in Holstein geboren. Einer der tüchtigsten deutschen Volksmänner
des (damaligen) fernen Westens. Staatssenator von Iowa, Vater eines
Gesetzes, welches den Ansturm der Temperenzfanatiker in Iowa 20 Jahre
lang aufgehalten hat. Vizegouverneur von Iowa. Glänzender Redner in
beiden Sprachen. Einwanderungsagent für Iowa, in New York. Im Kriege
bildete Rusch aus solchen deutschen Einwanderern, welche zum Militärdienst
untauglich waren, ein militärisch organisiertes Korps von Holzhackern.
Diese Leute fällten und verfrachteten das Brennholz für die große Bundesflotte
auf dem Mississippi, waren aber von Rusch auch so ausgebildet, daß sie
mit den Waffen die Guerillabanden des Feindes abwehren konnten. Die
Versorgung der Kanonenboote mit Brennmaterial war eine Tat, wobei man
keinen Kriegsruhm erwerben konnte, aber sie war von höchster Wichtigkeit,
denn dadurch wurde die Flotte kampffähig erhalten. Rusch starb im September
1864 in Vicksburg. Auch er ist auf dem Felde der Ehre gefallen.
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