DEUTSCHE
KONFÖDERIERTE OFFIZIERE

Der Originalton Wilhelm Kaufmanns
aus dem Jahre 1911
wurde bewusst beibehalten

Deutsche Konföderierte-Offiziere von A-Z

W

W a l d e c k
Oberst eines texanischen Reiterregiments.
Waldeck führte die Vorhut der konföderierten Truppen, welche Sigel auf dessen fluchtartigem Rückzuge von Bentonville im März 1862 so hart bedrängten. War ein Sohn des Grafen Waldeck, welcher einer der Führer der deutschen Adelskolonie von Texas war. Waldeck ist in der Red-River-Kampagne von 1864 gefallen.


W a g e n e r , Johann A.
Oberst der konföderierten, wesentlich aus Deutschen bestehenden Artillerie in Charleston, S. C. Wurde Brigadegeneral. Später Bürgermeister von Charleston. 1824 bei Bremerhaven geboren. Ein echter deutscher Volksmann, vielfach auch als Schriftsteller hervorgetreten, sowie mit dichterischen Versuchen. War gegen die Lostrennung des Staates und im Herzen ein Unionsmann, konnte sich aber dem Dienste nicht entziehen. Er kommandierte in Charleston, als diese Brutstätte der Rebellion von dem deutschen General Schimmelfennig eingenommen wurde. Ein Deutscher mußte die Rebellenfahne einziehen und ein anderer Deutscher hißte die Sterne und Streifen. Wageners beste Tat ist die Verteidigung des Forts Walker, welches Wagener erbaut hatte (November 1861). Zwei seiner Söhne, der jüngste erst 15 Jahre alt, kämpften hier unter dem Vater. Die Hälfte der Besatzung wurde getötet oder verwundet.

W a g e n e r , Johann, H.
Major, Erstes Artillerie-Regiment,

W i c k e l a n d
Kapitän in Wauls Texas - Legion

W i l d e
Franz Kapitän 19. Ga.-Reg., fiel bei Chantilly.

W i l k e , Hermann
Chef der konföderierten Artillerie.

W e l h a u s e n
Batteriechef in der texanischen Artillerie


W i r z , Henry
Dr. med. Deutschschweizer, aus Zürich stammend.
Kerkermeister des Lagers von Unionsgefangenen in Andersonville, Georgia. Wirz hatte seit 1849 in New Orleans als Arzt gelebt und sich damals eines guten Rufes erfreut. Er besaß eine tüchtige Bildung, er schrieb und sprach mehrere Sprachen fließend. Im November 1865 wurde Wirz von einem Unions-Kriegsgerichte des Mordes schuldig befunden und gehängt. Er hatte in Ausübung der ihm von der konföderierten Regierung übertragenen Polizeigewalt angeblich drei Unionsgefangene, welche unter seiner Obhut standen, erschossen. Durch die amerikanische Kriegsgeschichte welche die unionistische Auffassung vertreten will, wandelt Wirz als das größte Scheusal in Menschengestalt, welches seit Judas Ischariots Zeiten den Erdboden geschändet hat. In allen anderen Streitfragen haben sich die ehemaligen Todfeinde auf eine vernünftige Auffassung geeinigt, wenn aber der Name Wirz in die Debatte geworfen wird, erwächst stets wieder der alte Haß.

Die meisten der noch lebenden Unionsveteranen sind in dieser Sache so voreingenommen, daß jeder Versuch, den Fall Wirz ruhig zu besprechen, nutzlos erscheint. Doch könnte man wohl verlangen, daß endlich damit aufgehört wird, auf das Grab des e i n z i g e n Rebellen zu speien, der die ihm aufgebürdete Schuld, welche wesentlich in dem Verschulden anderer bestanden hat, durch seinen schimpflichen Tod am Galgen sühnte. In dem Gefangenenlager von Andersonville sind im Juli und August 1864 über 13 000 Unionssoldaten gestorben! Die Greuel spotten jeder Beschreibung. Zurückzuführen sind sie wesentlich auf die Überfüllung des Lagers. Über 30 000 Mann wurden zusammengepfercht innerhalb eines Gebiets, das nur für höchstens 12 000 Mann Raum bot. Dort lagen die unglücklichen Menschen im freien Felde, den Strahlen der Augustsonne ausgesetzt. Die konföderierte Regierung schickte einen besonderen Beamten, den Obersten Chandler, aus, um diese Zustände zu untersuchen, und Chandlers amtlicher Bericht bestätigte durchaus die Anklagen gegen die Verwaltung.

Aber erst drei Wochen später wurde der Überfüllung Einhalt getan. 20 000 Gefangene schickte man alsdann nach anderen Gefängnissen, und Ende September betrug die Zahl der Internierten nur noch 8 218 Mann gegen die Höchstziffer von 31 693 zu Ende August. Der Hauptschuldige ist der Kommandant W i l d e r unter welchem Dr. Wirz als Aufseher diente. Aber Wilder starb vor Ende des Krieges, und dem Wirz wurde dann die ganze Schuld aufgebürdet. Da nur eine beschränkte Anzahl Wachen vorhanden war, meistens Milizen aus Georgia und Knaben von 15 bis 16 Jahren, so war es für Wirz sehr schwierig, sich Autorität zu erzwingen. Seine Verteidiger behaupten, daß Wirz nur aus Notwehr zum Revolver gegriffen habe.Die meisten der gestorbenen Gefangenen sind infolge schlechter Ernährung zugrunde gegangen.

Die Nordländer waren an Fleischkost gewöhnt. Jetzt waren sie auf schlecht durchgebackenes Maisbrot, Reis, wenig Fleisch und etwas Speck angewiesen, eine Nahrung, welche dem Südländer genügte. Sie mußten das Wasser eines von den Exkrementen von vielen Tausenden verseuchten Baches trinken. Wenn man bezüglich der Nahrungsmittel sagen will, daß die Konföderation nichts Besseres zu bieten hatte (was übrigens mit dem Reichtum der von Sherman durchkreuzten Gegend von Georgia nicht übereinstimmt), so ist doch zu betonen, daß die Konföderation den Gefangenen auch das nicht gereicht hat, was sie bei einigem guten Willen leicht hätte geben können. Holz war massenhaft vorhanden, aber es wurden keine Baracken gebaut; das herrlichste Trinkwasser quoll jenseits der Umzäunung, aber es wurde nicht zugeführt.

Die Schuld dafür trifft den Kommandanten W i l d e r.
Gewiß war die Union berechtigt, die Hauptführer der Rebellion wegen Landesverrats zu bestrafen. Das wollte sie aber nicht. Der Engel der Versöhnung schritt durch das wieder aufatmende Land. Sogar Jefferson Davis hat man schließlich laufen lassen. Es war eine stolze und schöne Tat, als die Bundesregierung bald darauf im benachbarten Mexiko amtlich auf das von ihr gesetzte Beispiel hinweisen ließ, mit der Absicht, dadurch den in Mexiko verurteilten Maximilian zu retten. Es fällt auf, daß man Wirz von den übrigen Kerkermeistern der Konföderierten ausgesondert, daß man ihn allein prozessiert hat. Die Kerkermeister, welche in Libby, auf Belle Isle, in Danville, Salisbury, Millen, Charleston usw. ihres Amtes walteten, sind frei ausgegangen, obschon sich gegen mehrere derselben weit schlimmere direkte und persönliche Anklagen wegen Grausamkeit geltend machen ließen, als man Wirz selbst in der Anklageschrift vorwerfen konnte.

Die Gefangenen auf Belle Isle bei Richmond haben im Winter 1864 bis 1865 vielleicht noch Schlimmeres erlitten als die Opfer von Andersonville, und über die Zustände in Libby erinnern wir nur an die Anklagen von Frey und Markbreit. Wirz war der einzige Ausländer unter den Kerkermeistern. Ist es nur ein Zufall, daß diesen allein die Strafe traf ? Wir wollen es hoffen. Dann aber sollte man auch nicht auf das Ausländertum des Wirz besonders hinweisen. In der zeitgenössischen Presse ist das vielfach geschehen, und sogar in einem der besten Werke über die Vereinigten Staaten, in Goldwin Smiths »The United States«,wird auf Seite 284 gesagt, Wirz sei ein »foreign mercenary« gewesen (käuflicher Ausländer, Lieblingsschimpfwort der Nativisten auf die an dem mit ihnen getriebenen Schacher völlig schuldlosen, verkauften Hessen).

Die ehemaligen Konföderierten feiern Wirz als einen Märtyrer ihrer Sache. Im Jahre 1909 wurde ihm von seinen Verehrern ein schönes Denkmal im Staate Georgia errichtet. Das Geld dafür wurde von den Frauen gesammelt. Doch ist diese gewiß unnötige Ehrung eines Mannes, der sicherlich kein Engel war, wohl mehr als Demonstration gegen die übertriebenen Schmähungen des Wirz aufzufassen.

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