
Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© Martin Öfele, Jefferson Davis
© Leah Ireland-Kunze, Der Bürgerkrieg in den USA 1861-1865
© Giampiero Carocci, Kurze Geschichte des amerikanischen
Bürgerkriegs
© Reihe Nord und Süd; Michael Solka, Appomattox 1865

Die
letzten Schlachten
Wochen
»der Konföderation«
Seite
1
Für die konföderierten Truppen in den belagerten Städten Petersburg
und Richmond war der Winter hart und trüb. Seit November 1864 hatten
beide Seiten ihre Winterquartiere bezogen; es wurde kaum gekämpft. Dem
V. Unionskorps gelang es jedoch im Dezember, die Weldon-Petersburg-Eisenbahnlinie
zu zerstören, was die Versorgung der Städte und die Verbindungen der
CSA-Armee zur Außenwelt nocherschwerte. Bei den Armeen Lees und Beauregards
häuften sich die Desertionen, nicht nur, weil die Soldaten wußten, daß
der Kampf schon verloren war, sondern auch wegen der Ungewißheit über
das Schicksal ihrer Familien zu Hause. Im ganzen Süden hungerte die
Bevölkerung. Verzweifelte Briefe ihrer Frauen erreichten die Männer
in den Befestigungsanlagen vor Petersburg und bewegten viele zur Flucht
nach Hause, um beim Auftreiben von Nahrung zu helfen.Vielen gelang die
Flucht; aufgegriffene Deserteure wurden meist gnadenlos erschossen.
Einige jedoch, die nachweisen konnten, daß sie nur ihrer verhungernden
Kinder wegen eine Zeitlang zu Hause gewesen, später aber zur Armee zurückgekehrt
waren, begnadigte General Lee.

Schützengraben
der Konföderierten bei Petersburg
Die Unionsarmee
baute ihre Linien um Petersburg immer weiter aus. Am 5. Februar 1865
ging ein Angriff auf CSA-Versorgungstransporte, die angeblich südwestlich
von Petersburg unterwegs waren, ins Leere, weil diese Fahrzeuge einfach
nicht aufzufinden waren. Danach wurden die Unionsstellungen weiter westwärts
bis zu der Stelle vorgeschoben, wo die Boynton-Holzstraße den Hatcher's
Run überquerte.
Getarntes »Soldatenrestaurant«
vor Petersburg
Nach jahrelanger
Kritik an seiner Kriegführung gab der Präsident der Konföderation Davis
endlich zu, daß die CSA einen Oberbefehlshaber aller Streitkräfte benötigten.
Am 23. Februar 1865 wurde General Robert E. Lee dazu ernannt; der Titel
war allerdings bedeutungslos. Außer der Nordvirginia-Armee gab es nur
noch Hardees Divisionen in South Carolina, mehrere Divisionen unter
Beauregard in Virginia, ein paar Garnisonen und Reste von zerschlagenen
Armeen sowie mehrere marodierende Kavallerietruppen und Guerillagruppen
im Westen zu befehligen. Die belagerte Nordvirginia-Armee in Petersburg
war die letzte kompakte Streitmacht der CSA.
Pontonbrücke
über den Appomattox bei Petersburg
Früher oder später
mußte Petersburg - und demzufolge auch die CSA-Hauptstadt fallen.
Die Lage der CSA war schon hoffnungslos, und jeder zusätzliche Tag,
an dem gekämpft wurde, brachte nur weiteres Leid für die Bevölkerung.Trotzdem
weigerten sich Lee und Davis, die wahre Lage zu akzeptieren. Beauregard
und seine Truppen wurden nach South Carolina verlegt, um die Hauptstadt
Columbia gegen die wieder in Marsch gesetzten Truppen Shermans zu behaupten,
falls Hardee sie nicht halten konnte. Shermans große Unionsarmee trieb
Hardees Truppen vor sich her, verhinderte ihre Vereinigung mit Beauregards
Armee und konnte sie schließlich nach Charleston treiben. Hier wurde
Hardee eingekreist, denn die Unionsflotte vor der Charleston Bay verhinderte
eine Flucht auf dem Seeweg. Am 18. Februar 1865 kapitulierte Charleston.
Mit kaum beschreiblichem Jubel feierte die Union den Fall jener Stadt,
in deren Hafen der Krieg ausgebrochen war.
Der stolze, aber
schwerkranke
Robert Anderson
der 1861 Fort Sumter
so tapfer verteidigt hatte, wurde zur Ruine der Festung gebracht, wo
er die Fahne der Vereinigten Staaten, die er am Anfang des Krieges niederholen
mußte, nun wieder über dem Hafen von Charleston aufzog.
Ruinen in
Charleston/South Carolina
Jetzt standen
nur noch wenige Truppen zwischen Shermans Armee und Petersburg, Beauregard
mußte Columbia räumen.
Hastig ließ CSA-Oberbefehlshaber Lee aus noch brauchbaren und freistehenden
Truppen Beauregards, Hardees und der zerschlagenen Tennessee-Armee eine
Armee unter General Joseph S. Johnston zusammenstellen, um North Carolina
zu verteidigen und Shermans Weg nach Virginia zu blockieren.
Somit standen
sich erneut die beiden Generale gegenüber, die auf dem Weg nach Atlanta
so erbittert gegeneinander gekämpft hatten. Unionsoberbefehlshaber Grant
wartete nicht auf Sherman. Selbst in den naßkalten Monaten des Winters,
als Kämpfe zu Lande kaum möglich waren, schickte er ein Expeditionkorps
unter General Butler mit einer Flotte unter Admiral Portes gegen die
CSA-Festung auf Cape Fear bei Wilmington an der Küste von North Carolina.
Als die Expedition begann, war die Eisenbahn von Wilmington nach Richmond
noch intakt. Wenn Wilmington eingenommen werden konnte, dann war die
wichtigste Versorgungsquelle für Richmond versiegt.
Auf Cape Fear
stand das sehr starke Fort Fisher, das von mehreren Batterien auf der
Halbinsel zwischen der Kapspitze und Wilmington zusätzlich geschützt
wurde. Butler verfiel auf die Idee, die Festung mittels eines mit 215
Tonnen Pulver geladenen Schiffes zu sprengen. General Grant hatte zu
dieser Idee kein Zutrauen, gab jedoch unter Druck von Butlers politischen
Freunden in Washington seine Genehmigung zu dem Projekt. Das Pulverschiff
wurde mit einem Zeitzünder versehen und etwa 270 Meter vom Fort verankert.
In der Nacht zum 24. Dezember 1864 detonierte es, wie geplant, lag aber
in viel zu großer Entfernung vom Fort, so daß das einzige Ergebnis darin
bestand, die Garnison geweckt zu haben.
Admiral Porters Schiffe eröffneten ein schweres Bombardement, das den
ganzen Tag andauerte, während Unionstruppen nördlich der Festung angelandet
wurden. Am 25. Dezember kamen die Unionstruppen bis auf 75 Meter an
die Festungsmauern heran, während die Flotte ihren schweren und gutgezielten
Beschuß fortsetzte. Dann aber bekam Butler von einem Kriegsgefangenen
die falsche Information, die Division Hoke stehe mit 6.000 Mann in seinem
Rücken. Butler überprüfte diese Nachricht nicht, ließ sich auch vormachen,
daß die Festung nur durch lange Belagerung eingenommen werden könne,
und zog, weil er keinen Befehl zur Belagerung hatte, seine direkt vor
der Festung stehenden Truppen ab! Obwohl seine Stabsoffiziere und Admiral
Porter energisch dagegen protestierten, ließ Butler sein Korps nach
Hampton Roads zurückverlegen.
General Grant war sehr aufgebracht und telegrafierte am 28. Dezember
an Lincoln: «Die Wilmington-Expedition hat sich als großer und sträflicher
Fehlschlag erwiesen ... Wer daran die Schuld trägt, wird Ihnen hoffentlich
bekannt sein.» Es war Lincoln bekannt, und er hatte nichts gegen Butlers
Entlassung einzuwenden. Butler verlor auch sein Kommando über die James
Armee; sein Nachfolger wurde:

US-General E.O. Ord (1818-1883)
Eine zweite Expedition
unter Admiral Porter und General Albert Terry wurde organisiert.
Am 15. Januar 1865 kapitulierte Fort Fisher; kurz danach wurde Wilmington
genommen. Der Ring um die CSA-Hauptstadt zog sich immer enger zusammen.
Auf Initiative des Unionspolitikers Francis Blair gab die Union der
CSA-Regierung Gelegenheit zu Verhandlungen. Am 3. Februar 1865 traf
sich Lincoln mit 3 Vertretern der Konföderation an Bord des Dampfers
«River Queen» in Hampton Roads. Die Südstaatenregierung war nicht bereit,
den Kampf ohne Konzessionen von seiten der Union aufzugeben, Lincoln
bestand jedoch auf der Wiederherstellung der Union und der Befreiung
aller Sklaven. Die Verhandlungen endeten ergebnislos. Am 20. Februar
billigte der Kongreß der Konföderation auf Drängen von General Lee die
Aufnahme bewaffneter Negersklaven in die Armee, weil sonst keine Reserven
mehr zur Verfügung standen.
In
der Annahme, der Norden sei des Krieges überdrüssig, wendete sich Lee
am 2. März brieflich mit dem Vorschlag an Grant, Verhandlungen aufzunehmen.
Nach Absprache mit Lincoln antwortete Grant kurz undbündig, er würde
nur über einen Gegenstand mit Lee verhandeln: die Kapitulation der konföderierten
Armee. Dies lag jedoch nicht in Lees Absicht, denn er hoffte, bald nach
Westen durchbrechen zu können. Inzwischen hatte General Johnston in
North Carolina etwa 20.000 Mann zusammengezogen. Diese Armee wurde von
den Resten der Kavallerie unter Wade Hampton unterstützt. Am 19. März
traf Shermans Unionsarmee zum erstenmal seit Atlanta vor Goldsboro auf
den ernsthaften und disziplinierten Widerstand von Johnstons Truppen,
diese waren aber nicht mehr imstande, Shermans gestählte Veteranen aufzuhalten.
Am 23. März erreichte Sherman sein geplantes Ziel, die Stadt Goldsboro,
wo er sein Hauptquartier einrichtete.

Das verwüstete Atlanta/Georgia
nach Kriegsende
Die Winterpause
im Kampf um Petersburg wurde am 25. März durch einen Überraschungsangriff
der Konföderierten auf Fort Stedman am äußersten rechten Unionsflügel
unterbrochen. Anfangs waren die CSA-Truppen wegen des Überraschungseffekts
einigermaßen erfolgreich, doch die Unionstruppen in Fort Stedman bekamen
bald Verstärkung und warfen den Gegner zurück. Beiden Seiten war klar,
daß die Endphase des Krieges bevorstand. Schon 2 Tage vor dem Angriff
auf Fort Stedman war Unionspräsident Lincoln mit seiner Frau nach City
Point gekommen, wo er bis zur Einnahme Richmonds blieb. Am 26. März
konferierte General Lee mit CSA-Präsident Jefferson Davis über die ernste
Lage. Im Shenandoah-Tal hatten alle Kämpfe aufgehört; Unionsgeneral
Sheridan war mit seiner Armee nach Petersburg unterwegs. Unionsgeneral
Sherman saß, in Goldsboro und würde sich wohl auch bald der Potomac-Armee
vor Petersburg anschließen, wenn CSA-General Johnston ihn nicht daran
hindern konnte. Lee informierte Davis, daß die Hauptstadt unbedingt
aufgegeben werden müsse. Gemeinsam planten sie ihre Bewegungen nach
dem Fall von Richmond.
Am 27. März erreichte
Unionsgeneral Sheridan mit seiner Shenandoah-Armee die Potomac-Armee
und übernahm sofort wieder das Kommando über die gesamte Kavallerie.Seine
Infanteristen und Artilleristen aus dem Shenandoah wurden in die Potomac-Armee
eingegliedert, die jetzt 125.000 Mann zählte. Gegen sie verteidigten
57.000 Mann CSA-Truppen Petersburg und Richmond sowie eine dünne Linie
am James River,
wo das Korps Longstreet stand.Grant entschloß sich zu einer großen Bewegung
gegen den schwachen linken Flügel der Konföderierten westlich von Petersburg,
der vom Korps A. P. Hill gehalten wurde. Am 29. März marschierten Warrens
V. Unionskorps und Sheridans Kavallerie süd- und dann westwärtsbis zur
Boynton-Holzstraße. Schon am 28. März hatte Unionsgeneral Ord den größten
Teil der James-Armee gedeckt nach Petersburg verlegt.Diese übernahm
vom II. Unionskorps unter General Humphreys den Abschnitt vor den CSA-Verteidigungslinien
in Hills Zentrum,und Humphreys führte sein Korps westwärts zu neuen
Stellungen am Bach Hatcher's Run.
Am 30. März wurden die Unionsbewegungen durch Regen verlangsamt. Am
31. März erreichte Sheridans Kavallerie Dinwiddie Court House, wo sie
von den konföderierten Divisionen Pickett und Johnson sowie von einem
Kavalleriekorps unter General Fitzhugh Lee angegriffen wurde. Warrens
V. Korps befand sich zu dieser Zeit noch 4 Kilometer hinter der Kavallerie,
so daß sich Sheridan etwas zurückfallen lassen mußte. Die konföderierten
Generale, die vom Anmarsch des V. Unionskorps wußten, sahen sich ebenfalls
zum kurzen Rückzug veranlaßt und ließen ihre Truppen hinter der Straßenkreuzung
Five Forks in Stellung gehen.Unionsgeneral Sheridan, der die Gesamtoperation
leitete, befahl Warren, in der Nacht sein V. Korps bis Five Forks vorzuziehen.
Sheridan hatte 12.000 Reiter, Warrens Korps bestand aus 16.000 Mann.
Unionsgeneral Warren war ein schwerfälliger Mann, der sich oft recht
langsam bewegte; in der Nacht zum 1. April brachte er nur einen kleinen
Teil seiner Truppen nach vorn. Der Hauptteil seines Korps setzte sich
erst um 5.00 Uhr in Bewegung. Als Sheridan den geplanten Angriff eröffnete,
befand er sich vor Five Forks allein im harten Kampf gegen 19.000 Infanteristen
und Kavalleristen. Erst nach einiger Zeit erreichte Warrens Korps das
Schlachtfeld und warf sich auf den linken Flügel der Konföderierten,
während Sheridans Reiter die Rechte und das Zentrum angriffen. Jetzt
war die Unionsseite im Vorteil. Die CSA-Linien brachen rasch auseinander,
und die Truppen zogen sich nordwärts zurück.
Sheridans Geduld mit Warren war nun am Ende. Nach Beratung mit Grant
enthob er Warren des Kommandos über das V. Korps und übergab es General
Griffin.
Kriegsgefangene
Konföderierte nach der Schlacht von Five Rocks
Die
Schlacht von Five Forks hatte die linke Flanke der Konföderierten entblößt.
Am nächsten Morgen warf Unionsgeneral Grant mehrere Korps gegen diese
Flanke und das Zentrum. Der entscheidende Durchbruch kam schon 4.40
Uhr zustande, als Unionsgeneral Wrights VI. Korps einen Überraschungsangriff
gegen A. P. Hills dünne Linien 2 Kilometer westlich von Petersburg führte
und eine Bresche schlug. Gleichzeitig griffen das XIX. und II. Unionskorps
die konföderierten Linien direkt vor der Stadt an. Hills Korps wurde
zerschlagen, A. P. Hill selbst fiel im Kampf.
Sämtliche CSA-Truppen
auf der Westseite von Petersburg flohen nach Norden und Westen, wurden
aber von CSA-General Anderson aufgefangen und hinter der Southside-Eisenbahn
südlich des Appomattox River gesammelt. Fitzhugh Lees Kavallerie schloß
sich ihnen an. General Anderson leitete dann den geordneten Rückzug
nach Westen.
Inzwischen
war das CSA-Korps Longstreet eiligst vom James River nach Petersburg
verlegt worden, um das II. und VI. Korps der Potomac-Armee sowie das
XXIV. Korps der James-Armee vor dem Einmarsch in Petersburg aufzuhalten.
Longstreet konnte bis zum Anbruch der Dunkelheit standhalten, seine
Lage war jedoch hoffnungslos. Er hatte knapp 12.000 Mann, ihm gegenüber
standen dreimal soviel. In der Nacht zum 3. April gab CSA-General Lee
endlich den Befehl, Petersburg aufzugeben und Richmond zu evakuieren.
CSA-Präsident Davis, seine Frau und seine Kabinettsmitglieder fuhren
mit einem Sonderzug nach Danville am Rande der Berge im Westteil von
Virginia. In Richmond brach eine wilde Nacht an. Hungernde Zivilisten
plünderten Armeelager, wo sie nur konnten.
Die sich zurückziehenden CSA-Truppen hatten Befehl, nichts
dem Gegner in die Hände fallen zu lassen, so steckten sie die Fabriken,
Arsenale und Versorgungsdepots in Brand. Bald stand die ganze Stadt
Richmond in Flammen. Noch heute wird das brennende Richmond in Bild
und Gesang als Greueltat der Unionsarmee beklagt, obwohl es die Konföderierten
selber waren, die die schöne, im klassischen Stil erbaute Stadt verwüstet
haben.

Richmond/Virginia, nach Kriegsende 1865