Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© Martin Öfele, •Jefferson Davis•
© Leah Ireland-Kunze, •Der Bürgerkrieg in den USA 1861-1865•
© Giampiero Carocci, •Kurze Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs•
© Reihe Nord und Süd; Michael Solka, •Appomattox 1865•




 

Die letzten Schlachten — Wochen —
»der Konföderation«

Seite 2

 

 

Am 4. April, 8.15 Uhr kapitulierte Richmond. Am nächsten Tag besichtigte Abraham Lincoln die Ruinen der einstigen Hauptstadt der CSA.
Obwohl es nicht die geringste Möglichkeit eines erfolgreichen Widerstandes gab, richtete Jefferson Davis aus Danville einen fanatischen Appell an das Volk des Südens, trotz des Verlustes von Richmond den Kampf auf keinen Fall verlorenzugeben. Robert E. Lee schaffte es, verschiedene noch kampffähige Teile seiner Armee zu sammeln und sie am 5. April nach Amelia Court House, etwa 60 Kilometer südwestlich von Richmond an der Eisenbahnstrecke nach Danville, zu führen. Er hegte noch die Hoffnung, per Bahn Danville erreichen zu können. Doch es war schon zu spät, denn Grant hatte seine Absicht längst durchschaut. Als Lees Truppen die Eisenbahnstrecke erreichten, fuhren keine Züge mehr, denn Sheridans Kavallerie lag zusammen mit 3 Unionskorps in Jetersville südwestlich von Amelia Court House und blockierte die Strecke nach Danville. Weiter südlich erreichte General Ord mit der James-Armee Burke's Station, während das IX. Korps unter General Parke die Southside-Eisenbahn von Burke's Station nach Petersburg kontrollierte.

Unionsgeneral Grant betrachtete unter den gegebenen Umständen als Lees logischsten Schritt den Versuch, Lynchburg über Appomattox Court House zu erreichen. Grant hatte seine Armeen zu einer großen, sich schnell bewegenden Zange formiert: Die Hälfte seiner Truppen ging nördlich, die andere Hälfte südlich des Fluchtweges der CSA-Truppen vor. Der Oberbefehlshaber der Unionstruppen wußte, daß die konföderierte Armee täglich mehr Soldaten verlor. Sie zählte nur noch 18.000 Mann, die sich ohne jegliche Versorgung verzweifelt nach Westen durchzuschlagen versuchten.


Absperrungen der Konföderierten

Am 7. April schrieb Grant an Lee:

»Die Resultate der letzten Woche müssen Sie von der Hoffnungslosigkeit weiteren Widerstandes überzeugen. Ich bin der Ansicht, daß dem so ist, und betrachte es als meine Pflicht, die Verantwortung für ein weiteres Blutvergießen von mir abzuwälzen, indem ich Sie auffordere, denjenigen Teil der Armee, der als »Nordvirginia-Armee« bezeichnet wird, zu übergeben.«
Lee antwortete, er teile nicht die Ansicht, daß seine Lage hoffnungslos sei, wolle jedoch ebenfalls weiteres Blutvergießen vermeiden und bitte um die Bedingungen. Nichtsdestotrotz setzte er den Marsch fort. Als Lees Armee am 8. April über den Appomattox River setzte, griffen 2 Unionskorps die Nachhut an und nahmen 8.000 Mann gefangen. Jetzt hatte Lee nur noch 10.000 Mann.

 

 

An demselben Tag teilte Grant Lee seine - ziemlich großzügigen - Bedingungen mit: »Als Antwort möchte ich Ihnen sagen, daß -da der Frieden mein großer Wunsch ist - es nur eine Bedingung gibt, auf der ich bestehen würde, nämlich daß ausgeschlossen wird, daß die sich ergebenden Truppen und Offiziere bis zu ihrem geordneten Austausch die Waffe gegen die Regierung der Vereinigten Staaten erheben. Ich werde Sie treffen oder Offiziere ernennen, die sich mit denjenigen Offizieren treffen, die Sie zu diesem Zweck ernennen, zu jeder Zeit und an jedem Ort, wie es Ihnen beliebt, um die Bedingungen festzulegen, unter denen eine Kapitulation der Nordvirginia-Armee akzeptiert wird.«
Von Lee kam keine Antwort. Die Spannung war fast unerträglich für Grant und löste bei ihm einen schweren Migräneanfall aus.

Am Abend des 8. April erreichte Lees Armee die Gegend östlich einer winzig kleinen Ortschaftmit einem einfachen Gerichtsgebäude: Appomattox Court House. Nördlich der Ortschaft lagen schon 2 Unionskorps. Sheridans Kavallerie blockierte den weiteren Marschweg nach Westen, von Süden näherte sich die James-Armee. Lee befahl für den Morgen des 9. April einen Angriff, mit dem er aus dem Kessel auszubrechen hoffte. Der Versuch mißlang. Es war noch ziemlich früh am Morgen, als ein konföderierter Kurier mit weißer Fahne General Grant auf dem Schlachtfeld aufsuchte und ihm Lees Bitte um ein sofortiges Treffen übermittelte. Grants Kopfschmerzen schwanden augenblicklich. Er nahm sich keine Zeit, feierliche Kleidung anzulegen, und ritt so, wie er war, in einfacher Infanteriefeldbluse, auf deren Schultern seine Rangabzeichen die einzige Verzierung bildeten, und ohne Säbel, wie er es im Feld gewohnt war, zum Plantagenhaus am Rande der Ortschaft Appomattox Courthouse, in dem ihn Lee erwartete.

Das Haus gehörte ironischerweise demselben Oberst a. D. McLean, in dessen früheres Farmhaus am Bull Run - wie schon erwähnt - die erste Granate der ersten großen Schlacht des Bürgerkrieges eingeschlagen war. Offiziere, die für die Kapitulationszeremonie ein geeignetes Gebäude suchten, waren auf das McLean-Haus aufmerksam gemacht worden.

 

Appomattox Courthouse

Appomattox Courthouse, das Haus von Wilmer McLean

Nach der ersten Freude über die Nachricht von Lee geriet Grant während seines Ritts zum McLean-Haus ins Grübeln, ihn beschlich sogar eine gewisse Trauer über den Untergang «eines Gegners, der so lange und so tapfer gekämpft und so viel für eine Sache gelitten hat, die..., wie ich glaube, eine der schlechtesten war, für die ein Volk jemals kämpfte und für die es nicht die geringste Rechtfertigung gab».

Keiner weiß, wie sich Lee fühlte. Wie Grant mehrmals in seinen Memoiren bestätigte, war Robert E. Lee ein schwer zugänglicher Mann. An diesem Tag war der CSA-General äußerst feierlich gekleidet. Er trug einen Paradesäbel der Art, die niemand auf dem Schlachtfeld tragen würde. Nach der ersten Begrüßung aber schwand Lees Steifheit, als ihn Grant an alte Zeiten erinnerte und die beiden Generale in zwanglosem Gespräch militärische Erfahrungen und Erinnerungen austauschten.

Es wurde kein formelles Kapitulationsdokument angefertigt. Stattdessen hielt Grant die Bedingungen in einem kurzen Brief an Lee fest; Lee schrieb die Antwort auf der Stelle nieder. Grants Sekretär General Parker fertigte Kopien für beide Seiten an. Nach einem kurzen anschließenden Gespräch trennten sich die Generale mit einem Händedruck.


Robert E. Lee,  General W. C. Lee  Colonel Walter Taylor

 

 

Robert E. Lee mit seinem Sohn General W. C. Lee (r.)
und Colonel Walter Taylor (l.), wenige Tage nach der Kapitulation
in seinem Haus in Richmond, April 1865.

 

Die Übergabe der CSA-Armee verlief sehr schlicht.
Da Unionsgeneral Grant sehr wohl wußte, daß die Mehrzahl der konföderierten Soldaten Kleinbauern waren, erlaubte er ihnen, ihre in den Krieg mitgebrachten Pferde oder Maultiere zu behalten. Er äußerte den Wunsch, sie mögen ihre Felder in Ruhe bestellen und im kommenden Herbst in Frieden ernten. Der Sieg der Potomac-Armee wurde in Washington mit größtem Jubel aufgenommen. Lincoln kehrte am selben Tag von City Point nach Washington zurück. Ihm war jedoch nicht nach Feiern zumute, denn der Krieg war noch nicht völlig beendet.

 

 

 

Washington

 

Parade der Unionstruppen in Washington am 24. Mai 1865
Washington

 

 

 

 

Der CSA-Präsident befand sich jetzt in Danville in einer unhaltbaren Lage und floh am 10. April nach Greensborough (North Carolina). Grant setzte seine Armeen in diese Richtung in Bewegung, während Sherman von Goldsboro nach Greensborough marschierte. Die CSA-Armee unter Joseph E. Johnston vermochte nicht, Shermans Marsch aufzuhalten. Am 13. April besetzte Shermans Armee die Stadt Raleigh.

Am 14. April bat Johnston um Shermans Bedingungen für die Kapitulation der CSA-Armee in North Carolina. Abraham Lincolns Lieblingsbeschäftigung, wenn er Entspannung suchte, waren Theaterbesuche. An diesem Abend, als fast alle konföderierten Armeen aufgegeben hatten und 3 Tage zuvor sogar die Stadt Mobile gefallen war, entschloß sich Lincoln, ins Ford-Theater in der Nähe des Weißen Hauses zu gehen. Dazu hatte er auch General Grant und seine Frau eingeladen, doch diese wurden in New Jersey von ihren Kindern erwartet, die ihre Eltern lange nicht gesehen hatten. Die Eheleute Grant hatten die Bahnreise nach New Jersey schon gebucht - für sie ein Glücksumstand.

Da es damals keine ausschließlich für den Schutz des Präsidenten zuständige Behörde und keinen ordentlichen Geheimdienst gab, ahnte niemand, daß gegen Lincoln ein Komplott im Gange war. Die Verschwörung war klein - 4 oder 5 fanatische, kleinbürgerliche Anhänger der Konföderation -, aber extrem gefährlich. Als der Präsident und seine Gattin Platz genommen hatten, drang der Initiator des Komplotts, der Schauspieler John Wilkes Booth, in die Präsidentenloge ein und, schoß mit einer kleinen Pistole auf Lincoln. Dann sprang er von der Loge auf die Bühne, verfing sich dabei mit seinem Fuß in der über der Brüstung hängenden Fahne und brach sich ein Bein. Trotzdem konnte er hinkend entkommen und zu Pferde nach Virginia fliehen. Ein anderer Verschwörer versuchte, Außenminister Seward in seinem Haus zu ermorden, doch der Anschlag gelang nicht vollständig. Seward wurde schwer verletzt. Auch hier konnte der Mörder entkommen.

                            

                              Das Attentat auf Abraham Lincoln
Attentat auf Abraham Lincoln

John Wilkes Booth
Schauspieler John Wilkes Booth

Lincoln war durch einen Hinterkopfschuß tödlich verwundet worden. Man brachte ihn in ein Haus gegenüber dem Theater, wo er, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, am 15. April 1865,
7.22 Uhr verstarb.

Der Schock im Norden war riesig. Sofort lief die Fahndung nach den Tätern an. Booth und ein Mitverschwörer fanden Zuflucht in einer Scheune am Rappahannock River.


Das Versteck wurde jedoch am 26. April von Unionssoldaten entdeckt, umstellt und in Brand gesteckt. Booth beging Selbstmord, sein Komplize ergab sich den Truppen und wurde später zusammen mit den anderen Verschwörern hingerichtet.

 

Am 30. April übergab CSA-General Taylor sämtliche Truppen in Alabama, Mississippi und Ostlouisiana an Unionsgeneral Canby. Damit war der Krieg zu Ende, obwohl westlich des Mississippi einige Einheiten und eine kleine Armee unter General Kirby Smith noch nicht kapituliert hatten. Jefferson Davis weigerte sich immer noch, das Ende der Konföderation zu akzeptieren. Mit seiner Frau und mehreren ehemaligen Kabinettsmitgliedern flüchtete er weiter westwärts. Anfang Mai erreichten er und seine Begleitung Dublin, eine kleine Ortschaft in Georgia, wo sie sich Kirby Smiths Armee anzuschließen und den Kampf im Westen fortzusetzen hofften. Unionstruppen waren ihnen schon auf den Fersen. Am 10. Mai, frühmorgens wurde Jefferson Davis - noch im Nachthemd - endlich gefangengenommen.

 

Zeitgenössische Darstellung der Flucht von Jefferson Davis in Frauenkleidern, um ihn verächtlich zu machen. (Library of Congress)
Karikatur von Jefferson Davis

 

Verhöhnende Karikatur des gefangenen Präsidenten, der seine schlechte Versorgung beklagtund dem das Schicksal der Kriegsgefangenen vorgehalten wird. (Library of Congress)
Karikatur von Jefferson Davis

 

                                                                                                                                                                                                                                                     »Beauvoir«, der Alterssitz von Jefferson Davis  
»Beauvoir«Jefferson Davis Familiy

Erstmals veröffentlichte Fotografie, vermutlich die letzte, von Jefferson Davis und seiner Familie, aufgenommen im Hauseingang von »Beauvoir« 1885 von Edward L. Wilson.

Sie trägt den Titel »Drei Generationen Davis« und zeigt Jefferson Davis, seine Frau Varina (rechts),seine Tochter Margaret Howell Hayes, die im Januar 1876 J. Addison Hayes aus North Carolina geheiratet hatte, und drei ihrer vier Kinder.

Dahinter steht eine unidentifizierte Hausangestellte.

(Library of Congress No. 418347/USZ62-10727)

 

 

 

Im Westen kapitulierte General Kirby Smith; nach der Übergabe seiner Truppen flüchtete er selber nach Mexiko. General Jo Shelby's «Eiserne Brigade» weigerte sich zu kapitulieren und wanderte als kompletter Truppenteil nach Mexiko aus, wo sie dem Marionettenkaiser Maximilian ihre Dienste anbot und dafür ein eigenes Siedlungsgebiet zugewiesen bekam. Viele andere ehemalige Offiziere der Südstaatenarmee gingen ebenfalls nach Mexiko. Die meisten kehrten entweder gleich nach der Generalamnestie oder erst nach dem Sturz Maximilians in die USA zurück. So endete der Bürgerkrieg in den USA. Der Süden war verwüstet, der Rest seiner Gesellschaft befand sich in einem Chaos. Epidemien und Hunger rafften noch viele tausende Überlebende hinweg.






 

 

 

Das war das Ende von Hunderttausenden: Der Tod auf dem Schlachtfeld.
Die Wunden, die der Bürgerkrieg geschlagen hatte, sind teilweise bis heute nicht völlig vernarbt.

 

 

 

 

 

 

Startseite  › Zurück