Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
Paul Trachtmann: 1978, »Die Revolverhelden«
Dietmar Kügler: 1976, »Sie starben in den Stiefeln
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Dietmar Kügler: 1977, »Der Sheriff«

Bill O’Neal 1979, »GUNFIGHTER«

 

Gesetz und Ordnung
im Westen



Am Anfang war das Faustrecht

Nichts ist so repräsentativ für die Zivilisierung eines Landes wie die Entwicklung von Recht und Gesetz.
Der sogenannte »Wilde Westen«, jener Teil Nordamerikas, der im Osten vom Lauf des Mississippi, im Westen von der Pazifikküste Kaliforniens, im Süden von Mexiko und im Norden von Kanada begrenzt wurde, war nach den Vorstellungen der meisten Mitteleuropäer bevölkert von einer Ansammlung von Kriminellen. Zwielichtige Elemente, Totschläger, Mörder und kulturlose Barbaren, bar aller moralischen und sittlichen Grundsätze, trieben ihr Unwesen, unfähig, ein friedliches, geordnetes Zusammenleben zu praktizieren.

Die Frage ist zu stellen: Wie gesetzlos war der »Wilde Westen«? Wie gesetzlos waren die Menschen, die ihn eroberten und besiedelten? Was ist wirklich daran an dem bluttriefenden Gemälde voller Gewalt und Verbrechen, das Film und Fernsehen von der Epoche der amerikanischen Westwanderung entwerfen? Hollywoods ewig rauchende Colts haben die Wirklichkeit mit einem trüben Schleier aus Pulverdampf überzogen. Unternimmt man den Versuch, ihn zu lüften, stößt man auf ein Bild, das ungleich farbiger ist als die Legende. Vielleicht illusionsloser, vielleicht von Romantik entkleidet, deshalb aber nicht weniger abenteuerlich, nicht weniger packend und faszinierend.

Das alles forderte jene, die westwärts zogen, die den »goldenen Topf« am Ende des Regenbogens suchten und ihre Spuren in den Prärien, Steppen und Wüsten des Westens hinterließen, täglich neu heraus. Das schuf Aggressionen. Das prägte die Menschen, das formte sie, wie sie das Landf ormten. Geradezu prähistorische Zustände sorgten für entsprechende Rechtsauffassungen. Wo staatliche Autorität fehlte, wie fast überall in der Wildnis, mußte selbstgeschaffenes Recht sie ersetzen. Waren diese Regeln der Bibel entnommen, dem meist einzigen Buch, das es im Gepäck der Siedler gab, die mit von Ochsen gezogenen Planwagen in das geheimnisvolle, unbekannte Landesinnere des amerikanischen Kontinents eindrangen, war dies bereits ein Zeichen für eine sich entwickelnde Zivilisation.

Die Westwanderer waren allgemein weniger intellektuell als vielmehr praktisch veranlagt. Kriminalistische und tiefenpsychologische Motivforschung wäre in ihrer Situation selbstmörderisch gewesen. Die Vergeltung traf den Rechtsbrecher daher gnadenlos und mit größter Härte. In Ermangelung fester Gefängnisse wurden häufig selbst geringe Vergehen mit drakonischen Strafen, meist mit dem Tod, geahndet, um die Sicherheit der Gemeinschaft zu gewährleisten. Das war nicht Barbarei, sondern entsprang dem Zwang der eigenen Existenzerhaltung. Auch später, wenn den Ältestenräten der archaischen Pionierkommunen erste gewählte Vertreter des Gesetzes folgten, änderte sich an diesen Prinzipien zunächst wenig, denn ausgebildete Richter gab es selten.
Auch die ersten Sheriffs, die die Bürgerwehren und Vigilance-Komitees ablösten, verfügten fast nie über juristische Kenntnisse. Es genügte, wenn ein Richter oder Sheriff lesen und schreiben konnte. Im übrigen mußte er die Fähigkeit besitzen, sich jederzeit, notfalls mit Brachialgewalt, Respekt zu verschaffen.
Fast nie zeigten die »Richter« den Gerichteten gegenüber Haß oder Emotion. Fast nie kam es zu Exzessen der Bürgerwehren, fast nie war Mordlust im Spiel. Zwar brachten hartköpfige Männer mit hornigen Fäusten in einsamen Bergschluchten oder auf abgelegenen Waldlichtungen auf »Halsbandparties« Seilschlingen zum Tanzen und jagten selbst hartgesottenen Übeltätern alttestamentarische Furcht ein. Unschuldige aber wurden erstaunlich selten Opfer dieser direkt von der Bevölkerung ausgehenden Gerichtsbarkeit. Meist traf sie Täter, die schwere Verbrechen begangen hatten, denen es aber gelungen war, mit juristischen Tricks oder auf andere Art und Weise, die Behörden zu besänftigen oder hinters Licht zu führen.
John Marshall
John Marshall. Polizeichef von El Reno, Oklahoma.
Einer der vielen unbekannten Town-Marshals, die ohne großes publizistisches Aufsehen ihre Pflicht taten und dem Gesetz in der Wildnis des amerikanischen Westens eine Grundlage schufen.

Die Todesstrafe für den Diebstahl eines Pferdes muß in diesem Zusammenhang als überzogene Grausamkeit erscheinen. Bedenkt man jedoch die Tatsache, daß in den weiten Ebenen des Westens ein Mann ohne Pferd verloren war, steht die Sache in einem anderen Licht da. Es gibt zahllose Beispiele, daß Männer nach dem Verlust ihres Pferdes verdursteten, verhungerten, durch Hitzschlag starben oder auf andere Art ums Leben kamen. Der berüchtigte Revolvermann Johnny Ringgold legte sich im Juli 1882 in der fast wasserlosen, unbesiedelten Ebene südlich von Tombstone, Arizona, zum Schlafen unter einen Baum. Er zog dazu die Stiefel aus und hängte sie an das Sattelhorn seines Pferdes. Als er erwachte, war das Tierf fortgelaufen. Einige Tage später wurde Ringgold mit seinem Revolver in der Faust und einem Loch im Kopf in der Savanne gefunden. Er hatte den Freitod einem qualvollen, langen Sterben vorgezogen.

 

 

Joe Mason
Joe Mason,

Deputy Marshal von Dodge City,
fing als Army Scout an.

Pferdediebstahl hatte daher in den Augen der Bevölkerung den gleichen Rang wie heimtückischer Mord, wie überhaupt bei Vergehen im Westen andere, den allgemeinen Lebensbedingungen angepaßte Maßstäbe angelegt wurden als in vollentwickelten und geordneten Gesellschaften. So entstand in der Weite und Abgeschiedenheit, in Goldgräberlagern, vorgeschobenen Ansiedlungen und an Lagerfeuern ein autonomes Recht: der Ehrenkodex.
Er bildete sich in den Anfängen der Westwanderung, wurde zum ungeschriebenen Gesetz und regelte das Zusammenleben der ersten »Frontiersmen«. Er wurde selbst nach der Institutionalisierung von Recht und Gesetz weitgehend beibehalten und tat seine Wirkung. Wer gegen ihn verstieß, stellte sich außerhalb der Gemeinschaft, deren organischer Zusammenhalt in der Einsamkeit des Landes lebensnotwendig war, und setzte sich gnadenloser Verfolgung aus. Zum Ehrenkodex gehörte es unter anderem, niemals einem Verletzten oder Bedrängten Hilfe zu verweigern, niemals Gewalt gegen Schwächere anzuwenden, niemals einem Gegner in den Rücken zu schießen, niemals die Waffe auf einen unbewaffneten Kontrahenten zu richten, niemals einen schon geschlagenen Gegner zu mißhandeln. Er berechtigte andererseits aber auch jeden, der herausgefordert und bedroht wurde, seinen Widersacher auf der Stelle zu töten.

T. Thompson
T. Thompson
Deputy U.S. Marshal, ritt Streife durch ganz Oklahoma.

Der Ehrenkodex der Pioniere war der erste Schritt von der Anarchie zur Zivilisation. Er war und blieb lange Zeit weitgehend einflußreicher und verbindlicher für den »Grenzer« als das geschriebene Gesetz, da er tiefer im Bewußtsein der Bevölkerung verwurzelt war, die ihn geschaffen hatte. Wer an der »Frontier« für Recht und Ordnung sorgen wollte, mußte aus besonderem Holz geschnitzt sein. Er mußte sprechen wie die Pioniere, mußte denken und handeln wie sie, mußte eine im Westen geprägte Lebenserfahrung, Witz und Geistesgegenwart besitzen. Die personelle Auswahl von juristischen Funktionsträgern trieb - diese Grundsätze beachtend - bisweilen originelle Blüten. Die unerhörte Effektivität aber war unbestreitbar. Richter mit struppigen Bärten, löchrigen Hemden und Hosenträgern, die ihre Urteile aus Versandhauskatalogen herauslasen und mit Geldstrafen zu belegende Angeklagte je nach Schwere des Vergehens zu fünf Paar Socken, zehn Klobürsten oder einem Korsett verurteilten, oratorisch begabte Anwälte, deren Büro nur aus ein Paar Satteltaschen und einer Holzkiste bestand, die zur Verteidigung ihrer Mandanten im Gerichtssaal den Gebrauch eines Revolvers demonstrierten und dabei tabakkauende Richter und whiskyschlürfende Geschworene in Lebensgefahr brachten, falkenäugige Sheriffs, die mit ihren Gefangenen Poker spielten, bevor sie sie zum Galgen führten - all das ließ auf ein zumindest skurriles Rechtsbewußtsein schließen.

T. J. Carr
T. J. Carr
diente sechs Jahre lang als Sheriff im Territorium Wyoming.

Selbst der eigenwilligste »Grenzer« wußte, daß er ohne ein gewisses Maß an Ordnung in der Wildnis nicht überleben konnte, daß Verbrechen jeglicher Art seine Existenz bedrohten. Sein energisches Beharren auf einer so weit wie möglich gehenden individuellen Freiheit hatte hier seine Grenze. Seine Art, diese Probleme zu bewältigen, war unkonventionell aber außerordentlich effizient und fruchtbar, wie die weitere Entwicklung bewiesen hat. Wie fast die gesamte amerikanische Pioniergeschichte, so versank auch die Geschichte der Justiz im »Wilden Westen« in einem Strudel von Legenden. Zur Repräsentanz für dieses Kapitel aus der vielleicht abenteuerlichsten Episode der Menschheitsgeschichte erwählte die Nachwelt sich den Sheriff. Seither strahlt sein Stern in Tausenden von Filmen und Romanen.
Der Sheriff, der Mann mit dem Blechstern am Hemd,
Träger der staatlichen Gewalt, symbolisiert - unbestechlich, eisenhart und immer gerecht, wie der Heldenmythos es verlangt - die gesetzliche Entwicklung in der amerikanischen Pionierzeit.







Die Vertretung des Gesetzes im amerikanischen Westen bewegte sich im wesentlichen auf drei voneinander unabhängigen Ebenen.
Im kommunalen Bereich war der Marshal die bestimmende Persönlichkeit.
Auf Kreis-Ebene (County) hatte der Sheriff die polizeiliche Gewalt.
Für die Bundesgesetzgebung in den Staaten der USA waren US-Marshals und ihre Deputies zuständig.

Die Amtsbezeichnungen und Kompetenzverteilungen der Beamten hatten ihre Wurzeln im mittelalterlichen England.
Im 10. Jahrhundert tauchte zum erstenmal der Titel »Shire-Reeve« auf. Diese Amtsträger waren Beauftragte des Königs und vertraten in den englischen Grafschaften als Statthalter oder Vögte die staatliche Macht. Sie waren die Vorläufer der Sheriffs, die als Polizeichefs von Countys (Bezirken) sowohl geographisch als auch praktisch ähnliche Aufgaben wie die mittelalterlichen Grafschaftsvögte hatten.
Zur gleichen Zeit bürgerte sich für den örtlichen Schutzmann und Untergebenen des Sheriffs die Bezeichnung »Constable« ein, ein vom lateinischen »Comes Stabuli«, dem »Stallmeister«, herkommender Ausdruck. Als um 1800 im amerikanischen Westen die ersten Siedler daran gingen, Männer aus ihren Reihen mit der Organisierung von Sicherheit und Ordnung zu beauftragen, wurden die alten englischen Amtsbezeichnungen übernommen. In der Verfassung des Staates Nevada steht zu diesem Punkt zu lesen:
»Gesetzesbeamte sind die Sheriffs für die Counties und die Constables, Marshals und Policemen für Städte und Siedlungen.«

George Ruffner George Ruffner, in den neunziger Jahren Sheriff von Yavapai County, Arizona. Viele Sheriffs erledigten nur Schreibarbeiten und überließen die harte Arbeit gewöhnlich den Deputies.

Ihre Aufgabe war es, die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten und für die Unversehrtheit der sich bildenden Gemeinschaft Sorge zu tragen. In den ersten Jahren der Westwanderung spielte dabei der Sheriff die dominierende Rolle, was im Fehlen einer kommunalen Zivilisation begründet war. Städte oder Ansiedlungen gab es kaum. Die ersten Siedler ließen sich überall dort nieder, wo das Land gut war, mindestens auf Büchsenschußweite vom nächsten Nachbarn entfernt. Sie begnügten sich mit der Einrichtung von Handelsposten, ohne zunächst an den Aufbau von geschlossenen Gemeinden zu denken. Somit gab es anfangs keine örtlichen Gesetzesvertreter im Westen. Die Regierungen der Staaten und Territorien teilten das Land lediglich in große Bezirke ein und verlangten von den Bürgern dieser Distrikte, daß sie einen Mann mit der Organisierung eines geordneten Rechtswesens beauftragten, den Sheriff.
»Für jedes County sollen ein Richter, ein Sheriff und ein Leichenbeschauer ernannt werden, sowie eine angemessene Zahl von Constables, die ihr Amt für jeweils zwei Jahre ausüben sollen. Die Amtsträger sollen von den wahlberechtigten Bürgern eines Countys (oder Distrikts) in geheimer Abstimmung gewählt werden. Wahlberechtigt ist jeder, der auch an den Wahlen zum Kongreß teilgenommen hat«.
Constitution of the Republic of Texas, Art. 4, 1836



Bald schon wurde es in allen Staaten und Territorien des amerikanischen Westens zur Regel, daß Sheriffs für eine vierjährige Amtszeit von der Bevölkerung gewählt wurden. Sie ernannten in eigener Verantwortung ihre Deputies (Gehilfen) und Constables. Mit stetig fortschreitender Besiedelung entstanden um die ersten Handelsposten in der Wildnis herum Niederlassungen. Kleine Städte bildeten sich. Im Zuge dieser Entwicklung zeigte sich bald, daß der Sheriff eines großflächigen Countys kaum in der Lage war, sich um die individuellen kommunalen Probleme der teilweise fernab von seinem Amtssitz gelegenen Ortschaften zu kümmern.


Die Abzeichen der Hüter von Recht und Gesetz in der amerikanischen Pionierzeit hatten ihren Ursprung in den heraldischen und mystischen Symbolen des Mittelalters. Nicht von ungefähr haben noch heute sehr viele Polizeiabzeichen die charakteristische Wappenform, während die sternförmigen Abzeichen interessanterweise auf das Pentagramm oder den Drudenfuß des Altertums zurückgehen, der als Bannsymbol gegen böse Geister eingesetzt wurde



Es wurde notwendig, örtliche Amtsträger zu ernennen. Die Position des Marshals wurde geschaffen, eine zunächst etwas verschwommene Position, denn niemand war anfangs in der Lage, die Aufgaben des Town Marshals genau zu umreißen. Es kam alsbald zu Auseinandersetzungen zwischen Sheriffs, Constables und Marshals, und es bedurfte einige Jahre, bis endgültige Abgrenzungen zwischen den Amtsträgern von den Parlamenten der Staaten festgelegt werden konnten, Jahre, in denen Erfahrungen für den Aufbau eines wirkungsvollen Polizeisystems in den westlichen Staaten gesammelt wurden.



So entschied die gesetzgebende Versammlung von Oklahoma im Jahre 1890:

Der Marshal ist der Chef der Stadtpolizei. Er hat zu jeder Zeit das Recht und die Befugnis, Verhaftungen auszuführen oder anzuordnen und jeden, der gegen die Ordnung und die Gesetze des Staates oder einer Stadt verstoßen hat, einem ordentlichen Gericht zuzuführen.

In der Praxis entwickelte sich
auf diese Weise ein brauchbarer, funktionstüchtiger Kompetenzrahmen für die verschiedenen Vertreter der Exekutive.
Der Sheriff blieb Polizeichef des Countys, ohne aber in den Amtsbereich des Marshals eingreifen zu dürfen. Er stand weiter dem Bezirksrichter als Vollstreckungsbeamter zur Verfügung, trug die Verantwortung für das Bezirksgefängnis und fungierte in vielen Fällen auch als Henker. Zu seinen Amtspflichten gehörte schließlich die Einziehung der Steuern des Countys. Aus diesen Einnahmen bezog er auch sein Salär - in der Regel ein 5-%-Anteil -, das unter Umständen beträchtlich sein konnte. So hatte der berüchtigte Sheriff Johnny Behan aus dem Cochise County in Arizona jährliche Einnahmen von über 40 000 Dollar. Ein anderer Sheriff in Arizona, John Slaughter, konnte in manchen Monaten Einkünfte von mehr als 4 600 Dollar verbuchen.

Über 100000 Sheriffs, Deputy-Sheriffs und Constables gab es im Verlauf der amerikanischen Pioniergeschichte. Die wenigsten hinterließen deutlich sichtbare Spuren in den Geschichtsbüchern. Aber diese wenigen prägten das oberflächliche Bild, das bis auf den heutigen Tag von den Gesetzesvertretern des Wilden Westens verbreitet wird.

Pat Garrett
< Einer von ihnen war Pat Garrett, Sheriff im Lincoln County, New Mexiko, der den berühmt-berüchtigten Billy the Kid von hinten erschoß.

Bat Masterson
Bat Masterson, Sheriff im Ford County, Kansas, zur Zeit der großen Rindertrails.


Bill Tilghman

< Bill Tilghman, der als Marshal von Dodge City,
US-Marshal unter Richter Parker und Sheriff des Lincoln Countys in Oklahoma
fast zwanzig Jahre lang für Schlagzeilen sorgte.











John Horton Slaughter

Einer jener Sheriffs, deren Namen nicht in der Anonymität versanken, war auch John Horton Slaughter, der in Louisiana geboren wurde, später in der konföderierten Armee diente und bei den Texas Rangers seine Sporen als Gesetzesvertreter erwarb.



Allan Pinkerton, (1819-1884)

Der in Glasgow geborene Pinkerton wanderte 1842 in die Vereinigten Staaten aus und ließ sich in der Nähe von Chicago nieder. 1846 überführte er eine Bande von Fälschern und wurde daraufhin zum Bezirkssheriff gewählt. 1850 gründete er eine Detektei, die Pinkerton’s National Detective Agency, und wurde zum ersten Stadtdetektiv von Chicago ernannt. Berühmt wurde er durch die Rückführung einer großen Geldsumme, die der Adams Express Company gestohlen worden war, und durch die Aufdeckung eines Mordkomplotts gegen Abraham Lincoln (1861). Im Amerikanischen Bürgerkrieg organisierte er den Geheimdienst der US-Armee. Während der Eisenbahnstreiks von 1877 stellte seine Agentur Streikbrecher bereit.

 

Sie war die erste, die Akten mit allen Einzelheiten über geklärte und ungeklärte Fälle sowie Fotografien der Verbrecher führte, wie sie noch heute beim FBI, der US-Kriminalbehörde, üblich sind.

Zu seinen Werken zählen Strikers, Communists and Tramps (1878) und Thirty Years a Detective (1884).


Wyatt Earp Virgil Earp Morgan Earp
von links:

Wyatt Earp
Virgil Earp
Morgan Earp
















Virgil Earp, Tombstones oberster Gesetzeshüter, war - was die Einschätzung der Situation betraf - allzu optimistisch. Er
< beantragte die Reduzierung der Polizeitruppe von sechs auf zwei Mann. Nur wenige Wochen später verlor er wegen der Schießerei am O. K. Corral sein Amt.
John „Doc" Holliday

John „Doc" Holliday, Zahnarzt von Beruf und Spieler aus Passion, kämpfte in Tombstone an der Seite der Earps. Ein anderer Revolvermann sagte ihm nach, er sei „unbezähmbar und auch dem Trunk und der Streitsucht verfallen".
















John Behan
Sheriff John Behan aus Tombstone, hier mit seiner Frau Victoria, war der bedeutendste Rechtsvertreter im County und ein Erzfeind von Wyatt Earp. Nach dem Ausscheiden aus seinem Amt zog er angeblich weiterhin Steuern ein, wurde jedoch nie offiziell angeklagt deswegen.

Ein Bericht über Cochise County

Im September 1881, genau einen Monat vor der Schießerei am O.K. Corral,
schickte John Gosper, in Abwesenheit von John C. Fremont kommissarisch amtierender Governor des Territoriums Arizona, einen Bericht nach Washington, der sich ausführlich mit den gesetzlosen Zuständen befaßte, die zu jenem Ausbruch von Schießwut führten. Gosper hatte festgestellt, daß sich die Cowboys in Cochise County zügellos gebärdeten - Kutschen überfielen, Rinder stahlen und nur selten erwischt wurden. Sein Lagebericht, hier auszugsweise wiedergegeben, basierte auf persönlichen Gesprächen; er gibt vor allem der Untätigkeit von Ordnungshütern die Schuld. Das Cowboy-Element gewinnt zeitweilig restlos die Oberhand, und die Ordnungskräfte sind entweder nicht fähig oder nicht willens, diese Klasse von Outlaws unter Kontrolle zu bringen, manchmal aus Angst, manchmal in der Hoffnung auf Belohnung.

In Tombstone, dem Verwaltungssitz von Cochise County, habe ich mit dem Sheriff über die Frage konferiert, wie man diese Outlaw-Banden zerschlagen könne, und zu meinem Bedauern muß ich mitteilen, daß er mir nur wenig Hoffnung machte, er könne in seinem Bereich mit der Macht der Cowboys fertig werden. Er stellte es mir so dar, daß der Deputy U.S. Marshal, ein Bewohner von Tombstone, und der City Marshal gleichermaßen nicht willens seien, bei der Ergreifung dieser Outlaws mit ihm zusammenzuarbeiten und sie vor Gericht zu bringen.

In einer Unterhaltung mit dem Deputy U.S. Marshal, Mr. Earp,
entdeckte ich bei ihm genau dieselbe Haltung in bezug auf Mr. Behan (den Sheriff) und seine Deputies. Viele der allergesetzestreuesten und friedliebendsten Bürger haben kein Vertrauen in die Bereitwilligkeit der städtischen Behörden, die Banditen, die in so großem Maße das Gefühl der Sicherheit zunichte machen und so häufig Straßenraub und kleinere Diebstähle begehen, zu verfolgen und vor Gericht zu bringen.

In Tombstone und in anderen Teilen des Territoriums herrscht die Meinung vor, daß die städtischen Bediensteten weithin mit den Anführern dieser erschreckenden und gefährlichen Elemente verbündet sind. Es muß etwas geschehen, und das recht bald, oder es werden sich schwerwiegende Folgen einstellen. Die derzeitigen Zustände sind eine öffentliche Schande für Amerikas Freiheit und den Frieden und die Sicherheit seiner Bürger.

Der blutige Höhepunkt der Schießerei
in der Fremont Street am 0. K. Corral in Tombstone

Frank McLaury, von Wyatt und Morgan Earp beschossen, liegt sterbend auf der Straße, nachdem er Doc Holliday verwundet hat.
Tom McLaury, von Hollidays Schrotflinte getroffen, liegt an der Ecke zur Third Street.
Billy Clanton ist nach zwei Treffern von Morgan Earp an der Wand des Harwood-Hauses zusammengesunken, schießt weiter und streift Morgan und Virgil Earp.
Wyatt ist unverletzt. Ike Clanton, unbewaffnet, rennt davon. Auch Frank McLaurys Pferd flieht in Panik.

Sheriff John Behan und Billy Claibourne gehen in Flys Photo-Atelier in Deckung und sehen machtlos zu, wie der Streit zwischen den feindlichen Parteien ausgetragen wird.

 

 


Die Opfer der Schießerei,
Tom und Frank McLaury und Billy Clanton, liegen in silberbeschlagenen Särgen, die ihre Familien besorgt haben. Ganz Tombstone konnte sie betrachten, denn sie wurden im größten Schaufenster der Stadt aufgebahrt.



Ein gläserner Leichenwagen für 8000 Dollar ist einer aufblühenden Stadt würdig.

Billy Clanton wurde darin von seinen Freunden zu Grabe gefahren.
Auf diesen Wagen folgte ein fast ebenso pompöses Gefährt für die beiden McLaurys.

 

 

 

Stadtpolizei, Colorado Springs

Die Stadtpolizei von Colorado Springs.


 

Bereits 1885 hatte die Stadtverwaltung beschlossen, den Town-Marshal und seine Deputies, die bis zu diesem Zeitpunkt, wie es üblich war, Zivilkleidung getragen hatten, mit Uniformen auszustatten.










 

DIE TEXAS RANGERS

Ich werde die Texas Rangers einmal beschreiben, wie sie wirklich sind: Zunächst einmal braucht ein Ranger ein gutes Pferd, einen soliden Sattel, einen doppelreihigen Patronengurt, einen zuverlässigen Karabiner, einen Revolver und einen Haufen Munition. Er benötigt besonders strapazierfähige Kleidung, am besten aus Wildleder oder festem, dauerhaftem Stoff, außerdem einen breitkrempigen Hut im mexikanischen Stil, ein festes Oberhemd, hochhackige Stiefel und Sporen, dazu eine hüftkurze Jacke, so daß er sie bequem während des Reitens im Sattel tragen kann. Ein richtiger Texas Ranger erträgt Kälte, Hunger und alle Strapazen ohne zu murren, er wird seinen Freunden und Kameraden in der Stunde der Gefahr jederzeit beistehen, und er wird mit ihnen alles teilen, die Decke genauso wie den letzten Krümel Tabak.
A. J. Sowell, RANGERS AND PIONIERS OF TEXAS, 1884

August M. »Gus« Gildea

August M. »Gus« Gildea,
Texas Ranger und Sheriff


Der heutige Staat Texas
und weitere Gebiete des amerikanischen Südwestens waren um das Jahr 1800 noch immer im Besitz des ehemaligen spanischen Vizekönigreichs, der Republik Mexiko. Mexikanische Großgrundbesitzer, Hazienderos, Nachfahren alter spanischer Familien, die einst mit den Konquistadores ins Land gekommen waren, beherrschten das kaum besiedelte Gebiet, das sie aufgrund von Schenkungen spanischer Könige als ihr Eigentum betrachteten. Es gab nur wenige Siedlungen, in denen mexikanische Regierungsbeauftragte, Alcaldes, residierten. Im Jahre 1820 vereinbarte der Landmakler Stephen F. Austin mit der mexikanischen Regierung, amerikanische Siedler nach Texas zu holen.

Austin war besessen von seiner Idee. Er reiste durch die östlicher gelegenen Staaten und ließ durch Boten die Nachricht von kostenlosem, erstklassigem Siedlungsland verbreiten. Er hatte Erfolg. Noch im gleichen Jahr zogen die ersten Trecks nach Texas. Weiße Siedler steckten Land ab und begannen, den Boden zu kultivieren. Schon bald aber wuchs den mexikanischen Behörden die Einwandererschwemme über den Kopf. Sie versuchten, die Flut der Neusiedler zu stoppen. Vergeblich. Schickanöse Gesetze wurden erlassen, die die Siedler diskriminierten und zu Menschen zweiter Klasse degradierten. Gleichzeitig wurden die Steuern für die Einwanderer ständig angehoben. Trotzdem strömten immer mehr Amerikaner in die weiten Ebenen von Texas, und die Mexikaner gerieten schon nach kurzer Zeit in die Minderheit. Nichtsdestotrotz versuchten sie, die Neuankömmlinge zu dominieren. Ein Amerikaner besaß in Texas keinerlei Rechte. Er hatte auch keinen Anspruch auf den Schutz des mexikanischen Gesetzes, das ohnehin nicht sehr stark vertreten war. Das führte dazu, daß mexikanische Bandoleros immer wieder die weißen Siedlungsgebiete heimsuchten, Hütten niederbrannten, Siedler ausplünderten und Menschen töteten, ohne daß die Behörden dagegen einschritten. Zudem wurden die Amerikaner immer stärker von marodierenden Comanchenhorden bedrängt, die nicht daran dachten, ihre angestammten Heimatgebiete kampflos den Weißen zu überlassen.

Die Kolonisten Stephen Austins aber beabsichtigten nicht aufzugeben. Die Willkür der mexikanischen Behörden weckte ihren Widerstand. Sie schlossen sich immer fester zusammen, verweigerten schließlich die Zahlung der Steuern und begannen, sich gegen Mexiko zu organisieren. Zwischen 1823 und 1826 kam ein Prozeß in Gang, der durch die Intoleranz der mexikanischen Regierung gefördert wurde und schließlich zur gewaltsamen Lösung der Provinz Texas von Mexiko führte. In dieser Zeit schufen die amerikanischen Siedler eine eigene milizähnliche Schutztruppe, die ihre Heimstätten bewachte und gegen mexikanische Plünderer und Comanchenbanden verteidigte. Diese Männer, die sich freiwillig zur Verfügung stellten und auf den weiten »Ranges« (wörtl.: Weidegebiete) Patrouille ritten, wurden »Ranger« genannt. Schon bald erlangten sie einen legendären Ruf. Sie profilierten sich als entschlossene, furchtlose Kämpfer, die binnen kurzer Zeit selbst den Comanchen, deren die Mexikaner nie Herr geworden waren, Respekt einflößten, denn sie machten sich deren ureigene Kampfgebräuche und Taktik zu eigen und schlugen die Indianer mit eigenen Mitteln. Bei den verschreckten Mexikanern erhielt die Truppe alsbald den Beinamen: »Los Diablos Tejanos«, die texanischen Teufel.


Die Ranger wurden zu einer festen Einrichtung, zu einer Institution, die den Stolz der Texaner und ihr Drängen auf Eigenständigkeit und Eigenstaatlichkeit symbolisierte. Als im Jahre 1835 die Grundsätze einer provisorischen Verfassung für eine selbständige texanische Republik niedergelegt wurden, die nach einer Abspaltung von Mexiko gegründet werden sollte, hieß es darin:
Es ist ein Corps von Rangers unter dem Kommando eines Majors zu schaffen. Es soll eine Stärke von 150 Mann haben und in drei oder mehr Abteilungen geordnet werden
.

Ein Jahr später riefen Stephen Austin und sein Mitstreiter Samuel Houston die Republik von Texas aus und erklärten die Unabhängigkeit von Mexiko. Die mexikanische Regierung versuchte daraufhin, die Revolution blutig niederzuschlagen, aber die Armee unter General Santa Ana wurde von den Texanern am Jacinto vernichtend besiegt. Texas war damit ein selbständiger Staat. Die neue Republik prosperierte. Immer neue Siedler strömten ins Land, Städte und Straßen entstanden, sowie ein Verwaltungsnetz. Der Ranger-Truppe fiel beim Aufbau des Landes ein wichtiger Part zu. Die Gefahr durch die Comanchen war nicht gebannt, und immer wieder stießen mexikanische Guerillas über die Grenze nach Texas vor, um zu brennen, zu rauben und zu morden und die junge Republik in ihren Grundfesten zu erschüttern. Die Ranger wurden zum Garant der Sicherheit des Staates. Sie ersetzten für lange Zeit kommunale und staatliche Gesetzesbeamte und entwickelten sich so zu einer halbmilitärisch organisierten Polizeitruppe. Im Jahre 1838 waren die Ranger auf mehr als 840 Mann angewachsen, die in 15 Kompanien eingeteilt waren. Sie lebten in kleinen, schwerpunktmäßig verteilten Forts, trugen militärische Ränge und übernahmen Armeeaufgaben - wie die Bekämpfung der Indianer. Gleichzeitig aber vertraten sie die Gesetze der Republik Texas, machten Jagd auf Viehdiebe und Straßenräuber, auf Mörder und andere Kriminelle.

Sie trugen keine Uniform, lediglich ein Abzeichen - eine Münze, aus der das Symbol des Staates Texas, ein fünfzackiger Stern, ausgestanzt worden war. Sie unterwarfen sich keinem Drill, keiner soldatischen Disziplin. Sie waren Individualisten, die sich nur der gemeinsamen Sache, dem gemeinsamen Ziel und dem Zwang der Notwendigkeit fügten. Ihre Kommandanten waren lediglich »primus inter pares«, erste unter gleichen, und bezogen ihre Autorität durch ihre persönliche Qualifikation. Ihre Befehle waren eher kollegialer Art. Jeder Rangerführer wußte, daß sich seine Männer keinerlei disziplinarischem Druck beugten. Was zählte, war nicht der Rang, sondern die Leistung. Diesem Prinzip unterwarfen sich auch die Offiziere. Eine einmalige Erscheinung.

In diesem Sinn repräsentierten die Ranger den typischen texanischen Pionier, der stolz auf seine Freiheit war, sich jeglichem Zwang widersetzte und sein Handeln und Tun ausschließlich in eigener Verantwortung bestimmte. Die texanische Bevölkerung erkannte sich in den »Ein-Stern-Reitern« wieder, was die ungeheure Popularität und Verbundenheit der Ranger-Truppe mit den Siedlern, die oft genug den rauhen Reitern Leben und Existenz verdankten, erklärte.

Die E-Kompanie des Texas-Ranger-Grenzbataillons in Alice, Texas 1892

Die Männer reiten ihre eigenen Pferde, besitzen eigene Sättel, Revolver und Messer. Nur die Gewehre werden vom Staat zur Verfügung gestellt. Sie erhalten einen Sold von 25 Dollar im Monat ... Ihre tägliche Ration besteht aus hartem Brot und Schweinefleisch, oder - manchmal - aus frischem Rindfleisch, Mehl, Reis, Zucker und Kaffee ... Mannschaften und Offiziere sind völlig gleichberechtigt. Sie sprechen sich gegenseitig nicht mit dem Rang, sondern mit ihrem Namen oder gar Spitznamen an ... Wenn es darangeht, zu kämpfen, lautet die einzige Order des Kommandanten meist nur: »All right, Boys, erledigen wir unseren Job.«
Frederick L. Olmstead, A JOURNEY THROUGH TEXAS, 1857


Im Jahre 1845 streckte Mexiko noch einmal seine Fühler nach Texas aus und versuchte, die erlittene Schlappe von 1836 wieder zu revidieren. Truppen rückten heran, in einer Stärke, der Texas allein nicht gewachsen war. Gouverneur Samuel Houston suchte um Hilfe bei der Regierung der USA nach. Nachdem Texas im Dezember 1845 den Vereinigten Staaten als 28. Staat beigetreten war, marschierten-US-Truppen zum Rio Grande und stellten sich der mexikanischen Invasion entgegen.

Ein dreijähriger blutiger und verbissen geführter Krieg zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten begann.In diesem Krieg spielten die Texas Rangers eine hervorragende militärische Rolle. Zusammen mit dem Oberkommandierenden der amerikanischen Armee, General Zachary Taylor, überschritten sie den Rio Grande, stießen tief ins Innere von Mexiko vor, eroberten Mexiko City und nahmen den Staatspräsidenten gefangen. Damit war der Krieg entschieden. Im Februar 1848 trat Mexiko das Territorium von Texas und weitere Gebiete endgültig an die Vereinigten Staaten ab.



Von nun an beschränkte sich die Rolle der Texas Rangers
im Wesentlichen auf die Bekämpfung der Indianer und mehr und mehr auf die Grenzsicherung. Außerdem standen sie als Hilfstruppe für County Sheriffs und Town-Marshals zur Verfügung. Rangers hatten jedoch keine individuelle Polizeigewalt. Sie durften nur auf ausdrückliches Ersuchen und mit Zustimmung der kommunalen Beamten tätig werden. Der einsame Ranger, der als Banditenjäger durch die Ebenen von Texas reitet, ist eine Legende. Ranger traten fast nie einzeln, sondern meist in ganzen Kompanien auf. Sie griffen auf Anordnung des Gouverneurs nach dem Bürgerkrieg in die Weidefehden und die Zaunschneiderkriege ein und kämpften gegen Schmuggler und Viehdiebe an der Grenze zu Mexiko. Ihre Leistungen im texanischen Freiheitskampf aber prägten in der Bevölkerung das eigentliche Bild der Ranger. Jeder einzelne Ranger ist in die Geschichte von Texas eingegangen.
John Coffee »Jack« Hays
< Wie John Coffee »Jack« Hays, ein am 28. Januar 1817 in Tennessee geborener Landvermesser, der 1837 nach Texas zog, um dort zu siedeln, sich in Auseinandersetzungen mit Indianern einen Ruf als unerschrockener, taktisch geschickter Kämpfer erwarb, 1840 zum Captain einer Texas-Ranger-Kompanie ernannt wurde und von da an einige legendäre Indianerschlachten schlug. Er war einer der ersten, der seine Leute mit den neuartigen, viel bespöttelten Colt-Revolvern ausrüsten ließ und diesen Waffen damit zum Durchbruch verhalf. 1841 besiegte er mit nur 120 Männern in einer der spektakulärsten Schlachten der texanischen Geschichte am Enchanted Rock 1200 Comanchen, es war die größte Comanchenstreitmacht, die sich jemals zum Kampf gegen die weißen Eindringlinge zusammengefunden hatte. Hays wurde zum Volkshelden. Während des Krieges mit Mexiko brachte er es zum Colonel und gehörte zu den ersten, die in Mexiko City einmarschierten. 1848 lockte ihn der Goldrausch nach Kalifornien. Hier wurde er schon bald darauf zum Sheriff gewählt, kehrte später in seinen eigentlichen Beruf als Landvermesser zurück und gehörte zu den Gründern der kalifornischen Stadt Oakland. Als er am 25. April 1883 starb, waren in Texas zahllose Städte und ein County nach ihm benannt worden.

»Big Foot« Alexander Wallace

< Gleiches gilt für »Big Foot« Alexander Wallace, einen zweihundertfünfzig Pfund schweren Hünen, der 1836 nach Texas kam, um den Mörder seines Bruders zu suchen, der danach beschloß, zu bleiben, schließlich im Ranger-Regiment von Jack Hays landete und zu einem der gefürchtetsten Indianerkämpfer wurde.

 

 

 

 

 

James Buchanan Gillett

Auch James Buchanan Gillett war einer jener Ranger, die noch heute in Texas unvergessen sind. Ein 1856 geborener Cowboy, dessen Vater vier Jahre lang Oberkommandierender der Texas Rangers gewesen war. Er trat 1875 in die Ranger-Truppe ein und machte den Grenzschmugglern am Rio Grande das Leben sauer. Als die Texas Rangers am 19. Juli 1878 in Round Rock den Eisenbahn- und Postkutschenräuber Sam Bass stellten, war er beteiligt. Er folgte 1882 Dallas Stoudenmire im Amt des CityMarshals von El Paso und zog sich erst im Jahre 1900, nachdem er mehrmals Marshal und Sheriff in verschiedenen Städten und Counties gewesen war, aus dem öffentlichen Leben zurück. Er gründete eine Ranch und wurde ein erfolgreicher Geschäftsmann und Rinderzüchter, der im Juni 1937 in Temple, Texas, als hochangesehener Mann starb.

 

 



Die D-Kompanie des »Frontier Battalion« im Jahre 1885.
Alle Männer sind mit dem Winchester-Gewehr Modell 1873 bewaffnet.

Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg wurde die Ranger-Truppe mehrmals reformiert und immer wieder personell reduziert, auch die Aufgabenstellung und Kompetenzen wurden eingeschränkt.
Der legendäre Ruhm aber, den die Truppe in den Gründerjahren von Texas erworben hatte, blieb erhalten, bis heute.

1935 wurden die Texas Rangers dem Department für öffentliche Sicherheit unterstellt und der »State Highway Police« beigeordnet.
Die Truppe, die heute hauptsächlich grenzpolizeiliche und polizeiergänzende Aufgaben wahrnimmt, aber fest in der Tradition der ersten Ranger verankert steht, ist klein geworden.

Es gibt nur noch 82 Ranger. Jeder einzelne wird vom Gouverneur persönlich ernannt. Wer sich für diese Truppe bewirbt, muß besonders qualifiziert sein und mindestens eine achtjährige Dienstzeit als hervorragender Polizeioffizier oder Sheriff nachweisen können. Mitglied der Texas Rangers zu sein, ist noch heute eine Prestigefrage, denn noch immer stimmt das, was der Gouverneur von Texas, Preston Smith, in seinem Vorwort zu dem Buch »Pictorial History of the Texas Rangers« 1969 schrieb:

Die Geschichte der Texas Rangers ist gleichbedeutend mit der Geschichte des »Lone Star Staates«. Die Ranger schrieben zahlreiche Kapitel der texanischen Geschichte ... Sie sind die älteste und berühmteste Organisation ihrer Art in der Welt, und die Männer, die ihr angehören, sind noch heute das, was auch die ersten Ranger waren, »a special breed of men«, eine ganz besondere Sorte Männer.

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