Am Anfang war das Faustrecht
Nichts ist so repräsentativ für die Zivilisierung
eines Landes wie die Entwicklung von Recht und Gesetz.
Der sogenannte »Wilde Westen«, jener Teil Nordamerikas,
der im Osten vom Lauf des Mississippi, im Westen von der Pazifikküste
Kaliforniens, im Süden von Mexiko und im Norden von Kanada begrenzt
wurde, war nach den Vorstellungen der meisten Mitteleuropäer
bevölkert von einer Ansammlung von Kriminellen. Zwielichtige
Elemente, Totschläger, Mörder und kulturlose Barbaren, bar
aller moralischen und sittlichen Grundsätze, trieben ihr Unwesen,
unfähig, ein friedliches, geordnetes Zusammenleben zu praktizieren.
Die Frage ist zu stellen: Wie gesetzlos war der »Wilde
Westen«? Wie gesetzlos waren die Menschen, die ihn eroberten
und besiedelten? Was ist wirklich daran an dem bluttriefenden Gemälde
voller Gewalt und Verbrechen, das Film und Fernsehen von der Epoche
der amerikanischen Westwanderung entwerfen? Hollywoods ewig rauchende
Colts haben die Wirklichkeit mit einem trüben Schleier aus Pulverdampf
überzogen. Unternimmt man den Versuch, ihn zu lüften, stößt
man auf ein Bild, das ungleich farbiger ist als die Legende. Vielleicht
illusionsloser, vielleicht von Romantik entkleidet, deshalb aber nicht
weniger abenteuerlich, nicht weniger packend und faszinierend.
Das alles forderte jene, die westwärts zogen, die den »goldenen
Topf« am Ende des Regenbogens suchten und ihre Spuren in den
Prärien, Steppen und Wüsten des Westens hinterließen,
täglich neu heraus. Das schuf Aggressionen. Das prägte die
Menschen, das formte sie, wie sie das Landf ormten. Geradezu prähistorische
Zustände sorgten für entsprechende Rechtsauffassungen. Wo
staatliche Autorität fehlte, wie fast überall in der Wildnis,
mußte selbstgeschaffenes Recht sie ersetzen. Waren diese Regeln
der Bibel entnommen, dem meist einzigen Buch, das es im Gepäck
der Siedler gab, die mit von Ochsen gezogenen Planwagen in das geheimnisvolle,
unbekannte Landesinnere des amerikanischen Kontinents eindrangen,
war dies bereits ein Zeichen für eine sich entwickelnde Zivilisation.
Die Westwanderer waren allgemein weniger intellektuell als
vielmehr praktisch veranlagt. Kriminalistische und tiefenpsychologische
Motivforschung wäre in ihrer Situation selbstmörderisch
gewesen. Die Vergeltung traf den Rechtsbrecher daher gnadenlos und
mit größter Härte. In Ermangelung fester Gefängnisse
wurden häufig selbst geringe Vergehen mit drakonischen Strafen,
meist mit dem Tod, geahndet, um die Sicherheit der Gemeinschaft zu
gewährleisten. Das war nicht Barbarei, sondern entsprang dem
Zwang der eigenen Existenzerhaltung. Auch später, wenn den Ältestenräten
der archaischen Pionierkommunen erste gewählte Vertreter des
Gesetzes folgten, änderte sich an diesen Prinzipien zunächst
wenig, denn ausgebildete Richter gab es selten.
Auch die ersten Sheriffs, die die Bürgerwehren
und Vigilance-Komitees ablösten, verfügten fast nie über
juristische Kenntnisse. Es genügte, wenn ein Richter oder Sheriff
lesen und schreiben konnte. Im übrigen mußte er die Fähigkeit
besitzen, sich jederzeit, notfalls mit Brachialgewalt, Respekt zu
verschaffen. Fast
nie zeigten die »Richter« den Gerichteten gegenüber
Haß oder Emotion. Fast nie kam es zu Exzessen der Bürgerwehren,
fast nie war Mordlust im Spiel. Zwar brachten hartköpfige Männer
mit hornigen Fäusten in einsamen Bergschluchten oder auf abgelegenen
Waldlichtungen auf »Halsbandparties« Seilschlingen zum
Tanzen und jagten selbst hartgesottenen Übeltätern alttestamentarische
Furcht ein. Unschuldige aber wurden erstaunlich selten Opfer dieser
direkt von der Bevölkerung ausgehenden Gerichtsbarkeit. Meist
traf sie Täter, die schwere Verbrechen begangen hatten, denen
es aber gelungen war, mit juristischen Tricks oder auf andere Art
und Weise, die Behörden zu besänftigen oder hinters Licht
zu führen.
John Marshall. Polizeichef von El Reno,
Oklahoma.
Einer der vielen unbekannten Town-Marshals, die ohne großes
publizistisches Aufsehen ihre Pflicht taten und dem Gesetz in der
Wildnis des amerikanischen Westens eine Grundlage schufen.
Die Todesstrafe für den Diebstahl eines Pferdes muß
in diesem Zusammenhang als überzogene Grausamkeit erscheinen.
Bedenkt man jedoch die Tatsache, daß in den weiten Ebenen des
Westens ein Mann ohne Pferd verloren war, steht die Sache in einem
anderen Licht da. Es gibt zahllose Beispiele, daß Männer
nach dem Verlust ihres Pferdes verdursteten, verhungerten, durch Hitzschlag
starben oder auf andere Art ums Leben kamen. Der
berüchtigte Revolvermann Johnny Ringgold legte sich im Juli 1882
in der fast wasserlosen, unbesiedelten Ebene südlich von Tombstone,
Arizona, zum Schlafen unter einen Baum. Er zog dazu die Stiefel aus
und hängte sie an das Sattelhorn seines Pferdes. Als er erwachte,
war das Tierf fortgelaufen. Einige Tage später wurde Ringgold
mit seinem Revolver in der Faust und einem Loch im Kopf in der Savanne
gefunden. Er hatte den Freitod einem qualvollen, langen Sterben vorgezogen.

Joe Mason,
Deputy Marshal von Dodge City,
fing als Army Scout an.
Pferdediebstahl hatte daher in den Augen der Bevölkerung den
gleichen Rang wie heimtückischer Mord, wie überhaupt
bei Vergehen im Westen andere, den allgemeinen Lebensbedingungen angepaßte
Maßstäbe angelegt wurden als in vollentwickelten und geordneten
Gesellschaften. So entstand in der Weite und Abgeschiedenheit, in
Goldgräberlagern, vorgeschobenen Ansiedlungen und an Lagerfeuern
ein autonomes Recht: der Ehrenkodex.
Er bildete sich in den Anfängen der Westwanderung, wurde zum
ungeschriebenen Gesetz und regelte das Zusammenleben der ersten »Frontiersmen«.
Er wurde selbst nach der Institutionalisierung von Recht und Gesetz
weitgehend beibehalten und tat seine Wirkung. Wer gegen ihn verstieß,
stellte sich außerhalb der Gemeinschaft, deren organischer Zusammenhalt
in der Einsamkeit des Landes lebensnotwendig war, und setzte sich
gnadenloser Verfolgung aus. Zum Ehrenkodex gehörte es unter anderem,
niemals einem Verletzten oder Bedrängten Hilfe zu verweigern,
niemals Gewalt gegen Schwächere anzuwenden, niemals einem Gegner
in den Rücken zu schießen, niemals die Waffe auf einen
unbewaffneten Kontrahenten zu richten, niemals einen schon geschlagenen
Gegner zu mißhandeln. Er berechtigte andererseits aber auch
jeden, der herausgefordert und bedroht wurde, seinen Widersacher auf
der Stelle zu töten.

T. Thompson
Deputy U.S. Marshal, ritt Streife durch ganz Oklahoma.
Der Ehrenkodex der Pioniere war der erste Schritt von der Anarchie
zur Zivilisation. Er war und blieb lange Zeit weitgehend
einflußreicher und verbindlicher für den »Grenzer«
als das geschriebene Gesetz, da er tiefer im Bewußtsein der
Bevölkerung verwurzelt war, die ihn geschaffen hatte.
Wer an der »Frontier«
für Recht und Ordnung sorgen wollte, mußte aus besonderem
Holz geschnitzt sein. Er mußte sprechen wie die Pioniere, mußte
denken und handeln wie sie, mußte eine im Westen geprägte
Lebenserfahrung, Witz und Geistesgegenwart besitzen. Die personelle
Auswahl von juristischen Funktionsträgern trieb - diese Grundsätze
beachtend - bisweilen originelle Blüten. Die unerhörte Effektivität
aber war unbestreitbar. Richter mit struppigen Bärten, löchrigen
Hemden und Hosenträgern, die ihre Urteile aus Versandhauskatalogen
herauslasen und mit Geldstrafen zu belegende Angeklagte je nach Schwere
des Vergehens zu fünf Paar Socken, zehn Klobürsten oder
einem Korsett verurteilten, oratorisch begabte Anwälte, deren
Büro nur aus ein Paar Satteltaschen und einer Holzkiste bestand,
die zur Verteidigung ihrer Mandanten im Gerichtssaal den Gebrauch
eines Revolvers demonstrierten und dabei tabakkauende Richter und
whiskyschlürfende Geschworene in Lebensgefahr brachten, falkenäugige
Sheriffs, die mit ihren Gefangenen Poker spielten, bevor sie sie zum
Galgen führten - all das ließ auf ein zumindest skurriles
Rechtsbewußtsein schließen.
T. J. Carr
diente sechs Jahre lang als Sheriff im Territorium Wyoming.
Selbst
der eigenwilligste »Grenzer« wußte, daß
er ohne ein gewisses Maß an Ordnung in der Wildnis nicht überleben
konnte, daß Verbrechen jeglicher Art seine Existenz bedrohten.
Sein energisches Beharren auf einer so weit wie möglich gehenden
individuellen Freiheit hatte hier seine Grenze. Seine Art, diese Probleme
zu bewältigen, war unkonventionell aber außerordentlich
effizient und fruchtbar, wie die weitere Entwicklung bewiesen hat.
Wie fast die gesamte amerikanische Pioniergeschichte, so versank auch
die Geschichte der Justiz im »Wilden Westen« in einem
Strudel von Legenden. Zur Repräsentanz für dieses Kapitel
aus der vielleicht abenteuerlichsten Episode der Menschheitsgeschichte
erwählte die Nachwelt sich den Sheriff. Seither strahlt sein
Stern in Tausenden von Filmen und Romanen.
Der Sheriff, der Mann mit dem Blechstern am Hemd, Träger
der staatlichen Gewalt, symbolisiert - unbestechlich, eisenhart und
immer gerecht, wie der Heldenmythos es verlangt - die gesetzliche
Entwicklung in der amerikanischen Pionierzeit.
Die Vertretung des Gesetzes im amerikanischen Westen bewegte sich
im wesentlichen auf drei voneinander unabhängigen Ebenen.
Im kommunalen Bereich war der Marshal
die bestimmende Persönlichkeit.
Auf Kreis-Ebene (County) hatte der Sheriff
die polizeiliche Gewalt.
Für die Bundesgesetzgebung in den Staaten
der USA waren US-Marshals und ihre Deputies
zuständig.
Die
Amtsbezeichnungen und Kompetenzverteilungen der Beamten hatten ihre
Wurzeln im mittelalterlichen England.
Im 10. Jahrhundert tauchte zum erstenmal der Titel »Shire-Reeve«
auf. Diese Amtsträger waren Beauftragte des Königs und vertraten
in den englischen Grafschaften als Statthalter oder Vögte die
staatliche Macht. Sie waren die Vorläufer der Sheriffs,
die als Polizeichefs von Countys (Bezirken) sowohl geographisch als
auch praktisch ähnliche Aufgaben wie die mittelalterlichen Grafschaftsvögte
hatten.
Zur gleichen Zeit bürgerte sich für den örtlichen Schutzmann
und Untergebenen des Sheriffs die Bezeichnung »Constable«
ein, ein vom lateinischen »Comes Stabuli«,
dem »Stallmeister«, herkommender
Ausdruck. Als um 1800 im amerikanischen Westen die ersten Siedler
daran gingen, Männer aus ihren Reihen mit der Organisierung von
Sicherheit und Ordnung zu beauftragen, wurden die alten englischen
Amtsbezeichnungen übernommen. In der Verfassung des Staates Nevada
steht zu diesem Punkt zu lesen:
»Gesetzesbeamte sind die Sheriffs für die Counties
und die Constables, Marshals und Policemen für Städte und
Siedlungen.«
George Ruffner, in den neunziger Jahren
Sheriff von Yavapai County, Arizona. Viele Sheriffs erledigten nur
Schreibarbeiten und überließen die harte Arbeit gewöhnlich
den Deputies.
Ihre Aufgabe war es, die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten
und für die Unversehrtheit der sich bildenden Gemeinschaft Sorge
zu tragen. In den ersten Jahren der Westwanderung spielte dabei der
Sheriff die dominierende Rolle, was im Fehlen einer kommunalen Zivilisation
begründet war. Städte oder Ansiedlungen gab es kaum. Die
ersten Siedler ließen sich überall dort nieder, wo das
Land gut war, mindestens auf Büchsenschußweite vom nächsten
Nachbarn entfernt. Sie begnügten sich mit der Einrichtung von
Handelsposten, ohne zunächst an den Aufbau von geschlossenen
Gemeinden zu denken. Somit gab es anfangs keine örtlichen Gesetzesvertreter
im Westen. Die Regierungen der Staaten und Territorien teilten das
Land lediglich in große Bezirke ein und verlangten von den Bürgern
dieser Distrikte, daß sie einen Mann mit der Organisierung eines
geordneten Rechtswesens beauftragten, den Sheriff.
»Für jedes County sollen ein Richter, ein Sheriff und
ein Leichenbeschauer ernannt werden, sowie eine angemessene Zahl von
Constables, die ihr Amt für jeweils zwei Jahre ausüben sollen.
Die Amtsträger sollen von den wahlberechtigten Bürgern eines
Countys (oder Distrikts) in geheimer Abstimmung gewählt werden.
Wahlberechtigt ist jeder, der auch an den Wahlen zum Kongreß
teilgenommen hat«.
Constitution of the Republic of Texas, Art. 4, 1836
Bald schon wurde es in allen Staaten und Territorien des amerikanischen
Westens zur Regel, daß Sheriffs für eine vierjährige
Amtszeit von der Bevölkerung gewählt wurden. Sie ernannten
in eigener Verantwortung ihre Deputies (Gehilfen) und Constables.
Mit stetig fortschreitender Besiedelung entstanden um die ersten Handelsposten
in der Wildnis herum Niederlassungen. Kleine Städte bildeten
sich. Im Zuge dieser Entwicklung zeigte sich bald, daß der Sheriff
eines großflächigen Countys kaum in der Lage war, sich
um die individuellen kommunalen Probleme der teilweise fernab von
seinem Amtssitz gelegenen Ortschaften zu kümmern.
Die Abzeichen der Hüter von Recht und Gesetz
in der amerikanischen Pionierzeit hatten ihren Ursprung in den heraldischen
und mystischen Symbolen des Mittelalters. Nicht von ungefähr
haben noch heute sehr viele Polizeiabzeichen die charakteristische
Wappenform, während die sternförmigen Abzeichen interessanterweise
auf das Pentagramm oder den Drudenfuß des Altertums zurückgehen,
der als Bannsymbol gegen böse Geister eingesetzt wurde
Es
wurde notwendig, örtliche Amtsträger zu ernennen.
Die Position des Marshals wurde geschaffen, eine zunächst etwas
verschwommene Position, denn niemand war anfangs in der Lage, die
Aufgaben des Town Marshals genau zu umreißen. Es kam alsbald
zu Auseinandersetzungen zwischen Sheriffs, Constables und Marshals,
und es bedurfte einige Jahre, bis endgültige Abgrenzungen zwischen
den Amtsträgern von den Parlamenten der Staaten festgelegt werden
konnten, Jahre, in denen Erfahrungen für den Aufbau eines wirkungsvollen
Polizeisystems in den westlichen Staaten gesammelt wurden.
So
entschied die gesetzgebende Versammlung von Oklahoma im Jahre 1890:
Der Marshal ist der Chef der Stadtpolizei. Er hat zu
jeder Zeit das Recht und die Befugnis, Verhaftungen auszuführen
oder anzuordnen und jeden, der gegen die Ordnung und die Gesetze des
Staates oder einer Stadt verstoßen hat, einem ordentlichen Gericht
zuzuführen.
In der Praxis entwickelte sich auf diese Weise ein brauchbarer,
funktionstüchtiger Kompetenzrahmen für die verschiedenen
Vertreter der Exekutive.
Der Sheriff blieb Polizeichef des Countys, ohne aber in den Amtsbereich
des Marshals eingreifen zu dürfen. Er stand weiter dem Bezirksrichter
als Vollstreckungsbeamter zur Verfügung, trug die Verantwortung
für das Bezirksgefängnis und fungierte in vielen Fällen
auch als Henker. Zu seinen Amtspflichten gehörte schließlich
die Einziehung der Steuern des Countys. Aus diesen Einnahmen bezog
er auch sein Salär - in der Regel ein 5-%-Anteil -, das unter
Umständen beträchtlich sein konnte. So hatte der berüchtigte
Sheriff Johnny Behan aus dem Cochise County in Arizona jährliche
Einnahmen von über 40 000 Dollar. Ein anderer Sheriff in Arizona,
John Slaughter, konnte in manchen Monaten Einkünfte von mehr
als 4 600 Dollar verbuchen.
Über 100000 Sheriffs, Deputy-Sheriffs und Constables gab
es im Verlauf der amerikanischen Pioniergeschichte. Die wenigsten
hinterließen deutlich sichtbare Spuren in den Geschichtsbüchern.
Aber diese wenigen prägten das oberflächliche Bild, das
bis auf den heutigen Tag von den Gesetzesvertretern des Wilden Westens
verbreitet wird.
< Einer von ihnen war Pat
Garrett, Sheriff im Lincoln County, New Mexiko, der
den berühmt-berüchtigten Billy the Kid von hinten erschoß.
Bat Masterson, Sheriff im Ford County, Kansas,
zur Zeit der großen Rindertrails.
< Bill
Tilghman, der als Marshal von Dodge City,
US-Marshal unter Richter Parker und Sheriff des Lincoln Countys in
Oklahoma
fast zwanzig Jahre lang für Schlagzeilen sorgte.
Einer jener Sheriffs, deren Namen nicht in der Anonymität versanken,
war auch John Horton Slaughter, der in Louisiana
geboren wurde, später in der konföderierten Armee diente
und bei den Texas Rangers seine Sporen als Gesetzesvertreter erwarb.
Allan Pinkerton, (1819-1884)
Der in Glasgow geborene Pinkerton wanderte 1842 in die Vereinigten
Staaten aus und ließ sich in der Nähe von Chicago nieder.
1846 überführte er eine Bande von Fälschern und wurde
daraufhin zum Bezirkssheriff gewählt. 1850 gründete er eine
Detektei, die Pinkerton’s National Detective Agency, und wurde
zum ersten Stadtdetektiv von Chicago ernannt. Berühmt wurde er
durch die Rückführung einer großen Geldsumme, die
der Adams Express Company gestohlen worden war, und durch die Aufdeckung
eines Mordkomplotts gegen Abraham Lincoln (1861). Im Amerikanischen
Bürgerkrieg organisierte er den Geheimdienst der US-Armee. Während
der Eisenbahnstreiks von 1877 stellte seine Agentur Streikbrecher
bereit.
Sie war die erste,
die Akten mit allen Einzelheiten über geklärte und ungeklärte
Fälle sowie Fotografien der Verbrecher führte, wie sie noch
heute beim FBI, der US-Kriminalbehörde, üblich sind.
Zu seinen Werken zählen Strikers, Communists and Tramps (1878)
und Thirty Years a Detective (1884).
von links:
Wyatt Earp
Virgil Earp
Morgan Earp
Virgil Earp, Tombstones oberster Gesetzeshüter, war - was die
Einschätzung der Situation betraf - allzu optimistisch. Er
< beantragte die Reduzierung
der Polizeitruppe von sechs auf zwei Mann. Nur wenige Wochen später
verlor er wegen der Schießerei am O. K. Corral sein Amt.
John „Doc" Holliday, Zahnarzt
von Beruf und Spieler aus Passion, kämpfte in Tombstone an der
Seite der Earps. Ein anderer Revolvermann sagte ihm nach, er sei „unbezähmbar
und auch dem Trunk und der Streitsucht verfallen".
Sheriff John Behan aus Tombstone, hier mit
seiner Frau Victoria, war der bedeutendste Rechtsvertreter im County
und ein Erzfeind von Wyatt Earp. Nach dem Ausscheiden aus seinem Amt
zog er angeblich weiterhin Steuern ein, wurde jedoch nie offiziell
angeklagt deswegen.
Ein Bericht über Cochise County
Im September 1881, genau einen Monat vor der Schießerei
am O.K. Corral, schickte John Gosper, in Abwesenheit von John
C. Fremont kommissarisch amtierender Governor des Territoriums Arizona,
einen Bericht nach Washington, der sich ausführlich mit den gesetzlosen
Zuständen befaßte, die zu jenem Ausbruch von Schießwut
führten. Gosper hatte festgestellt, daß sich die Cowboys
in Cochise County zügellos gebärdeten - Kutschen überfielen,
Rinder stahlen und nur selten erwischt wurden. Sein Lagebericht, hier
auszugsweise wiedergegeben, basierte auf persönlichen Gesprächen;
er gibt vor allem der Untätigkeit von Ordnungshütern die
Schuld. Das Cowboy-Element gewinnt zeitweilig restlos die Oberhand,
und die Ordnungskräfte sind entweder nicht fähig oder nicht
willens, diese Klasse von Outlaws unter Kontrolle zu bringen, manchmal
aus Angst, manchmal in der Hoffnung auf Belohnung.
In Tombstone, dem Verwaltungssitz von Cochise
County, habe ich mit dem Sheriff über die Frage konferiert, wie
man diese Outlaw-Banden zerschlagen könne, und zu meinem Bedauern
muß ich mitteilen, daß er mir nur wenig Hoffnung machte,
er könne in seinem Bereich mit der Macht der Cowboys fertig werden.
Er stellte es mir so dar, daß der Deputy U.S. Marshal, ein Bewohner
von Tombstone, und der City Marshal gleichermaßen nicht willens
seien, bei der Ergreifung dieser Outlaws mit ihm zusammenzuarbeiten
und sie vor Gericht zu bringen.
In einer Unterhaltung mit dem Deputy U.S. Marshal, Mr. Earp,
entdeckte ich bei ihm genau dieselbe Haltung in bezug auf Mr. Behan
(den Sheriff) und seine Deputies. Viele der allergesetzestreuesten
und friedliebendsten Bürger haben kein Vertrauen in die Bereitwilligkeit
der städtischen Behörden, die Banditen, die in so großem
Maße das Gefühl der Sicherheit zunichte machen und so häufig
Straßenraub und kleinere Diebstähle begehen, zu verfolgen
und vor Gericht zu bringen.
In Tombstone und in anderen Teilen des Territoriums herrscht die Meinung
vor, daß die städtischen Bediensteten weithin mit den Anführern
dieser erschreckenden und gefährlichen Elemente verbündet
sind. Es muß etwas geschehen, und das recht bald, oder es werden
sich schwerwiegende Folgen einstellen. Die derzeitigen Zustände
sind eine öffentliche Schande für Amerikas Freiheit und
den Frieden und die Sicherheit seiner Bürger.
Der blutige Höhepunkt der Schießerei in der
Fremont Street am 0. K. Corral in Tombstone
Frank McLaury, von Wyatt und Morgan Earp beschossen, liegt sterbend
auf der Straße, nachdem er Doc Holliday verwundet hat.
Tom McLaury, von Hollidays Schrotflinte getroffen, liegt an der Ecke
zur Third Street.
Billy Clanton ist nach zwei Treffern von Morgan Earp an der Wand des
Harwood-Hauses zusammengesunken, schießt weiter und streift
Morgan und Virgil Earp.
Wyatt ist unverletzt. Ike Clanton, unbewaffnet, rennt davon. Auch
Frank McLaurys Pferd flieht in Panik.
Sheriff John Behan
und Billy Claibourne gehen in Flys Photo-Atelier in Deckung und sehen
machtlos zu, wie der Streit zwischen den feindlichen Parteien ausgetragen
wird.
Die Opfer der Schießerei, Tom und Frank McLaury und Billy
Clanton, liegen in silberbeschlagenen Särgen, die ihre Familien
besorgt haben. Ganz Tombstone konnte sie betrachten, denn sie wurden
im größten Schaufenster der Stadt aufgebahrt.
Ein gläserner Leichenwagen für 8000 Dollar ist einer
aufblühenden Stadt würdig.
Billy
Clanton wurde darin von seinen Freunden zu Grabe gefahren.
Auf diesen
Wagen folgte ein fast ebenso pompöses Gefährt für die
beiden McLaurys.
Die Stadtpolizei von Colorado Springs.
Bereits
1885 hatte die Stadtverwaltung beschlossen, den Town-Marshal und seine
Deputies, die bis zu diesem Zeitpunkt, wie es üblich war, Zivilkleidung
getragen hatten, mit Uniformen auszustatten.
DIE
TEXAS RANGERS
Ich werde die Texas Rangers einmal beschreiben, wie sie wirklich
sind: Zunächst einmal braucht ein Ranger ein gutes Pferd, einen
soliden Sattel, einen doppelreihigen Patronengurt, einen zuverlässigen
Karabiner, einen Revolver und einen Haufen Munition. Er benötigt
besonders strapazierfähige Kleidung, am besten aus Wildleder
oder festem, dauerhaftem Stoff, außerdem einen breitkrempigen
Hut im mexikanischen Stil, ein festes Oberhemd, hochhackige Stiefel
und Sporen, dazu eine hüftkurze Jacke, so daß er sie bequem
während des Reitens im Sattel tragen kann. Ein richtiger Texas
Ranger erträgt Kälte, Hunger und alle Strapazen ohne zu
murren, er wird seinen Freunden und Kameraden in der Stunde der Gefahr
jederzeit beistehen, und er wird mit ihnen alles teilen, die Decke
genauso wie den letzten Krümel Tabak.
A. J. Sowell, RANGERS AND PIONIERS OF TEXAS, 1884
August M. »Gus« Gildea, Texas Ranger und Sheriff
Der heutige Staat Texas und weitere Gebiete des amerikanischen
Südwestens waren um das Jahr 1800 noch immer im Besitz des ehemaligen
spanischen Vizekönigreichs, der Republik Mexiko. Mexikanische
Großgrundbesitzer, Hazienderos, Nachfahren alter spanischer
Familien, die einst mit den Konquistadores ins Land gekommen waren,
beherrschten das kaum besiedelte Gebiet, das sie aufgrund von Schenkungen
spanischer Könige als ihr Eigentum betrachteten. Es gab nur wenige
Siedlungen, in denen mexikanische Regierungsbeauftragte, Alcaldes,
residierten. Im Jahre 1820 vereinbarte der Landmakler Stephen F. Austin
mit der mexikanischen Regierung, amerikanische Siedler nach Texas
zu holen.
Austin war besessen von seiner Idee. Er reiste durch die östlicher
gelegenen Staaten und ließ durch Boten die Nachricht von kostenlosem,
erstklassigem Siedlungsland verbreiten. Er hatte Erfolg. Noch im gleichen
Jahr zogen die ersten Trecks nach Texas. Weiße Siedler steckten
Land ab und begannen, den Boden zu kultivieren. Schon bald aber wuchs
den mexikanischen Behörden die Einwandererschwemme über
den Kopf. Sie versuchten, die Flut der Neusiedler zu stoppen. Vergeblich.
Schickanöse Gesetze wurden erlassen, die die Siedler diskriminierten
und zu Menschen zweiter Klasse degradierten. Gleichzeitig wurden die
Steuern für die Einwanderer ständig angehoben. Trotzdem
strömten immer mehr Amerikaner in die weiten Ebenen von Texas,
und die Mexikaner gerieten schon nach kurzer Zeit in die Minderheit.
Nichtsdestotrotz versuchten sie, die Neuankömmlinge zu dominieren.
Ein Amerikaner besaß in Texas keinerlei Rechte. Er hatte auch
keinen Anspruch auf den Schutz des mexikanischen Gesetzes, das ohnehin
nicht sehr stark vertreten war. Das führte dazu, daß mexikanische
Bandoleros immer wieder die weißen Siedlungsgebiete heimsuchten,
Hütten niederbrannten, Siedler ausplünderten und Menschen
töteten, ohne daß die Behörden dagegen einschritten.
Zudem wurden die Amerikaner immer stärker von marodierenden Comanchenhorden
bedrängt, die nicht daran dachten, ihre angestammten Heimatgebiete
kampflos den Weißen zu überlassen.
Die Kolonisten Stephen Austins aber beabsichtigten nicht aufzugeben.
Die Willkür der mexikanischen Behörden weckte ihren Widerstand.
Sie schlossen sich immer fester zusammen, verweigerten schließlich
die Zahlung der Steuern und begannen, sich gegen Mexiko zu organisieren.
Zwischen 1823 und 1826 kam ein Prozeß in Gang, der durch die
Intoleranz der mexikanischen Regierung gefördert wurde und schließlich
zur gewaltsamen Lösung der Provinz Texas von Mexiko führte.
In dieser Zeit schufen die amerikanischen Siedler eine eigene milizähnliche
Schutztruppe, die ihre Heimstätten bewachte und gegen mexikanische
Plünderer und Comanchenbanden verteidigte. Diese Männer,
die sich freiwillig zur Verfügung stellten und auf den weiten
»Ranges« (wörtl.: Weidegebiete)
Patrouille ritten, wurden »Ranger« genannt. Schon
bald erlangten sie einen legendären Ruf. Sie profilierten sich
als entschlossene, furchtlose Kämpfer, die binnen kurzer Zeit
selbst den Comanchen, deren die Mexikaner nie Herr geworden waren,
Respekt einflößten, denn sie machten sich deren ureigene
Kampfgebräuche und Taktik zu eigen und schlugen die Indianer
mit eigenen Mitteln. Bei den verschreckten Mexikanern erhielt die
Truppe alsbald den Beinamen: »Los Diablos Tejanos«,
die texanischen Teufel.
Die Ranger wurden zu einer festen Einrichtung, zu einer Institution,
die den Stolz der Texaner und ihr Drängen auf Eigenständigkeit
und Eigenstaatlichkeit symbolisierte. Als im Jahre 1835 die Grundsätze
einer provisorischen Verfassung für eine selbständige texanische
Republik niedergelegt wurden, die nach einer Abspaltung von Mexiko
gegründet werden sollte, hieß es darin:
Es ist ein Corps von Rangers unter dem Kommando eines Majors
zu schaffen. Es soll eine Stärke von 150 Mann haben und in drei
oder mehr Abteilungen geordnet werden.
Ein Jahr später riefen Stephen Austin und sein Mitstreiter Samuel
Houston die Republik von Texas aus und erklärten die Unabhängigkeit
von Mexiko. Die mexikanische Regierung versuchte daraufhin, die Revolution
blutig niederzuschlagen, aber die Armee unter General Santa Ana wurde
von den Texanern am Jacinto vernichtend besiegt. Texas war damit ein
selbständiger Staat. Die neue Republik prosperierte. Immer neue
Siedler strömten ins Land, Städte und Straßen entstanden,
sowie ein Verwaltungsnetz. Der Ranger-Truppe fiel beim Aufbau des
Landes ein wichtiger Part zu. Die Gefahr durch die Comanchen war nicht
gebannt, und immer wieder stießen mexikanische Guerillas über
die Grenze nach Texas vor, um zu brennen, zu rauben und zu morden
und die junge Republik in ihren Grundfesten zu erschüttern. Die
Ranger wurden zum Garant der Sicherheit des Staates. Sie ersetzten
für lange Zeit kommunale und staatliche Gesetzesbeamte und entwickelten
sich so zu einer halbmilitärisch organisierten Polizeitruppe.
Im Jahre 1838 waren die Ranger auf mehr als 840 Mann angewachsen,
die in 15 Kompanien eingeteilt waren. Sie lebten in kleinen, schwerpunktmäßig
verteilten Forts, trugen militärische Ränge und übernahmen
Armeeaufgaben - wie die Bekämpfung der Indianer. Gleichzeitig
aber vertraten sie die Gesetze der Republik Texas, machten Jagd auf
Viehdiebe und Straßenräuber, auf Mörder und andere
Kriminelle.
Sie trugen keine Uniform, lediglich ein Abzeichen - eine Münze,
aus der das Symbol des Staates Texas, ein fünfzackiger Stern,
ausgestanzt worden war. Sie unterwarfen sich keinem Drill,
keiner soldatischen Disziplin. Sie waren Individualisten, die sich
nur der gemeinsamen Sache, dem gemeinsamen Ziel und dem Zwang der
Notwendigkeit fügten. Ihre Kommandanten waren lediglich
»primus inter pares«, erste
unter gleichen, und bezogen ihre Autorität durch ihre persönliche
Qualifikation. Ihre Befehle waren eher kollegialer Art. Jeder Rangerführer
wußte, daß sich seine Männer keinerlei disziplinarischem
Druck beugten. Was zählte, war nicht der Rang, sondern die Leistung.
Diesem Prinzip unterwarfen sich auch die Offiziere. Eine einmalige
Erscheinung.
In
diesem Sinn repräsentierten die Ranger den typischen texanischen
Pionier, der stolz auf seine Freiheit war, sich jeglichem Zwang widersetzte
und sein Handeln und Tun ausschließlich in eigener Verantwortung
bestimmte. Die texanische Bevölkerung erkannte sich in den »Ein-Stern-Reitern«
wieder, was die ungeheure Popularität und Verbundenheit der Ranger-Truppe
mit den Siedlern, die oft genug den rauhen Reitern Leben und Existenz
verdankten, erklärte.
Die E-Kompanie des Texas-Ranger-Grenzbataillons
in Alice, Texas 1892
Die Männer reiten ihre eigenen Pferde, besitzen eigene Sättel,
Revolver und Messer. Nur die Gewehre werden vom Staat zur Verfügung
gestellt. Sie erhalten einen Sold von 25 Dollar im Monat ... Ihre
tägliche Ration besteht aus hartem Brot und Schweinefleisch,
oder - manchmal - aus frischem Rindfleisch, Mehl, Reis, Zucker und
Kaffee ... Mannschaften und Offiziere sind völlig gleichberechtigt.
Sie sprechen sich gegenseitig nicht mit dem Rang, sondern mit ihrem
Namen oder gar Spitznamen an ... Wenn es darangeht, zu kämpfen,
lautet die einzige Order des Kommandanten meist nur: »All right,
Boys, erledigen wir unseren Job.«
Frederick L. Olmstead, A JOURNEY THROUGH TEXAS, 1857
Im Jahre 1845 streckte Mexiko noch einmal seine Fühler nach Texas
aus und versuchte, die erlittene Schlappe von 1836 wieder zu revidieren.
Truppen rückten heran, in einer Stärke, der Texas allein
nicht gewachsen war. Gouverneur Samuel Houston suchte um Hilfe bei
der Regierung der USA nach. Nachdem Texas im Dezember 1845 den Vereinigten
Staaten als 28. Staat beigetreten war, marschierten-US-Truppen zum
Rio Grande und stellten sich der mexikanischen Invasion entgegen.
Ein
dreijähriger blutiger und verbissen geführter Krieg zwischen
Mexiko und den Vereinigten Staaten begann.In diesem Krieg spielten
die Texas Rangers eine hervorragende militärische Rolle. Zusammen
mit dem Oberkommandierenden der amerikanischen Armee, General Zachary
Taylor, überschritten sie den Rio Grande, stießen tief
ins Innere von Mexiko vor, eroberten Mexiko City und nahmen den Staatspräsidenten
gefangen. Damit war der Krieg entschieden. Im Februar 1848 trat Mexiko
das Territorium von Texas und weitere Gebiete endgültig an die
Vereinigten Staaten ab.
Von nun an beschränkte sich die Rolle der Texas Rangers
im Wesentlichen auf die Bekämpfung der Indianer und mehr
und mehr auf die Grenzsicherung. Außerdem
standen sie als Hilfstruppe für County Sheriffs und Town-Marshals
zur Verfügung. Rangers hatten jedoch keine individuelle Polizeigewalt.
Sie durften nur auf ausdrückliches Ersuchen und mit Zustimmung
der kommunalen Beamten tätig werden. Der einsame Ranger, der
als Banditenjäger durch die Ebenen von Texas reitet, ist eine
Legende. Ranger traten fast nie einzeln, sondern meist in ganzen Kompanien
auf. Sie griffen auf Anordnung des Gouverneurs nach dem Bürgerkrieg
in die Weidefehden und die Zaunschneiderkriege ein und kämpften
gegen Schmuggler und Viehdiebe an der Grenze zu Mexiko. Ihre Leistungen
im texanischen Freiheitskampf aber prägten in der Bevölkerung
das eigentliche Bild der Ranger. Jeder einzelne Ranger ist in die
Geschichte von Texas eingegangen.
< Wie John Coffee
»Jack« Hays, ein am 28. Januar 1817 in Tennessee
geborener Landvermesser, der 1837 nach Texas zog, um dort zu siedeln,
sich in Auseinandersetzungen mit Indianern einen Ruf als unerschrockener,
taktisch geschickter Kämpfer erwarb, 1840 zum Captain einer Texas-Ranger-Kompanie
ernannt wurde und von da an einige legendäre Indianerschlachten
schlug. Er war einer der ersten, der seine Leute mit den neuartigen,
viel bespöttelten Colt-Revolvern ausrüsten ließ und
diesen Waffen damit zum Durchbruch verhalf. 1841 besiegte er mit nur
120 Männern in einer der spektakulärsten Schlachten der
texanischen Geschichte am Enchanted Rock 1200 Comanchen, es war die
größte Comanchenstreitmacht, die sich jemals zum Kampf
gegen die weißen Eindringlinge zusammengefunden hatte. Hays
wurde zum Volkshelden. Während des Krieges mit Mexiko brachte
er es zum Colonel und gehörte zu den ersten, die in Mexiko City
einmarschierten. 1848 lockte ihn der Goldrausch nach Kalifornien.
Hier wurde er schon bald darauf zum Sheriff gewählt, kehrte später
in seinen eigentlichen Beruf als Landvermesser zurück und gehörte
zu den Gründern der kalifornischen Stadt Oakland. Als er am 25.
April 1883 starb, waren in Texas zahllose Städte und ein County
nach ihm benannt worden.
< Gleiches gilt für
»Big Foot« Alexander Wallace, einen
zweihundertfünfzig Pfund schweren Hünen, der 1836 nach Texas
kam, um den Mörder seines Bruders zu suchen, der danach beschloß,
zu bleiben, schließlich im Ranger-Regiment von Jack Hays landete
und zu einem der gefürchtetsten Indianerkämpfer wurde.
Auch
James Buchanan Gillett war einer jener Ranger,
die noch heute in Texas unvergessen sind. Ein 1856 geborener Cowboy,
dessen Vater vier Jahre lang Oberkommandierender der Texas Rangers
gewesen war. Er trat 1875 in die Ranger-Truppe ein und machte den
Grenzschmugglern am Rio Grande das Leben sauer. Als die Texas Rangers
am 19. Juli 1878 in Round Rock den Eisenbahn- und Postkutschenräuber
Sam Bass stellten, war er beteiligt. Er folgte 1882 Dallas Stoudenmire
im Amt des CityMarshals von El Paso und zog sich erst im Jahre 1900,
nachdem er mehrmals Marshal und Sheriff in verschiedenen Städten
und Counties gewesen war, aus dem öffentlichen Leben zurück.
Er gründete eine Ranch und wurde ein erfolgreicher Geschäftsmann
und Rinderzüchter, der im Juni 1937 in Temple, Texas, als hochangesehener
Mann starb.

Die
D-Kompanie des »Frontier Battalion« im Jahre 1885.
Alle Männer sind mit dem Winchester-Gewehr Modell 1873 bewaffnet.
Nach
dem amerikanischen Bürgerkrieg wurde die Ranger-Truppe mehrmals
reformiert und immer wieder personell reduziert, auch die Aufgabenstellung
und Kompetenzen wurden eingeschränkt.
Der legendäre Ruhm aber, den die Truppe in den Gründerjahren
von Texas erworben hatte, blieb erhalten, bis heute.
1935 wurden die Texas Rangers dem Department für öffentliche
Sicherheit unterstellt und der »State Highway Police«
beigeordnet. Die Truppe, die heute hauptsächlich
grenzpolizeiliche und polizeiergänzende Aufgaben wahrnimmt, aber
fest in der Tradition der ersten Ranger verankert steht, ist klein
geworden.
Es
gibt nur noch 82 Ranger. Jeder einzelne wird vom Gouverneur persönlich
ernannt. Wer sich für diese Truppe bewirbt, muß besonders
qualifiziert sein und mindestens eine achtjährige Dienstzeit
als hervorragender Polizeioffizier oder Sheriff nachweisen können.
Mitglied der Texas Rangers zu sein, ist noch heute eine Prestigefrage,
denn noch immer stimmt das, was der Gouverneur von Texas, Preston
Smith, in seinem Vorwort zu dem Buch »Pictorial
History of the Texas Rangers« 1969 schrieb:
Die Geschichte der Texas Rangers ist gleichbedeutend mit der Geschichte
des »Lone Star Staates«. Die Ranger schrieben zahlreiche
Kapitel der texanischen Geschichte ... Sie sind die älteste und
berühmteste Organisation ihrer Art in der Welt, und die Männer,
die ihr angehören, sind noch heute das, was auch die ersten Ranger
waren, »a special breed of men«,
eine ganz besondere Sorte Männer.
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