Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© Reihe Nord und Süd; Dietmar Kügler, •Die Schlacht von Gettysburg•
© Leah Ireland-Kunze, •Der Bürgerkrieg in den USA 1861-1865•
© William C. Davis, •SOLDATEN•GENERÄLE•SCHLACHTEN•



GETTYSBURG / 01. - 03. Juli 1863

Seite 3.3

 

 

 

 

Schlachtverlauf

 

 

3. Juli 1863 - Der 3. Tag

In der Nacht ging heftiger Regen nieder, klärte ein wenig die Luft und weichte den ohnehin zerstampften Boden auf. Schon um 3.30 Uhr am Morgen des 3. Juli ließ General Johnson seine Konföderierten zum Angriff auf Culp's Hill antreten. Im Osten zeigte sich das erste Grau des Morgens, mit dem die Südstaatentruppen eins wurden. Die Dunkelheit wich zögernd. Klamm hing Nebel wie nasse Watte zwischen den Wäldchen und Niederungen des nunmehr morastigen Schlachtfeldes.
Während der Nacht hatte Johnson einige Brigaden Verstärkung erhalten.
Als der erste Sonnenstrahl durchdrang, begannen die US-Batterien auf Power's Hill zu dröhnen. Vollkugeln, Granaten und Schrappnells bestrichen die Wälder am Rock Creek. Als die Konföderierten ihre Deckung verließen, wurden sie von den Mündungsfeuern der Unionsgeschütze geblendet.
Ein entsetzliches Gemetzel: Die erste Angriffswelle der Südstaatler wurde gnadenlos niedergemacht. Unionsinfanterie unter General John W. Geary begann mit konzentriertem Musketenfeuer. General Johnson formierte seine Männer neu und schickte sie wieder nach vorn.
Nie während der gesamten Schlacht gab es stärkeres Musketenfeuer der Infanterie als an diesem Morgen vor Culp's Hill. Die Sanitäter kamen nicht damit nach, Verwundete zu bergen. Um die Toten kümmerte sich ohnehin niemand mehr. Der Kampf tobte 6 Stunden.

Kampfhandlungen am 3. Juli 1863

 

Die US-Truppen unter Geary erhielten Verstärkung durch die Brigade Lockwood, die unter hämmerndem Feindfeuer die vordersten Schützengräben erreichte und von hier aus ihrerseits verheerende Salven in die Reihen der anstürmenden Südstaatler schickte.

Als weitere Verstärkungen der US-Truppen aus dem Vl. Korps eintrafen, entschloß Johnson sich zu einem verzweifelten letzten Versuch: Alle seine noch kampffähigen Männer traten zu einem Generalangriff auf die Unionstellungen an.
Ihnen entgegen stellte sich die „White Star"-Division Gearys, die die Südstaatler mit einem derartigen Todeshagel von Musketengeschossen empfing, daß die Angriffswellen in sich zusammenbrachen.

Gleichzeitig befahl Geary eine Konterattacke: Die Divison Ruger warf sich mit frischen Kräften gegen den linken Flügel der ausgelaugten konföderierten Truppen, jagte sie über den Rock Creek, machte mehr als 500 Gefangene und erbeutete 3 Südstaaten-Standarten.

Gegen 11.00 Uhr am Vormittag war General Ewell geschlagen.
Das XII. Unions-Korps hatte seine Stellungen wieder bezogen.

 

 

 

 


Picketts Angriff

In der Nacht vom 2. auf den 3. Juli hatte Robert E. Lee seine Generäle abermals zu einer Besprechung empfangen. Er hatte entschieden, daß das Korps Longstreets am 3. Juli das linke Zentrum der Unionsarmee angreifen sollte. J. E. B. Stuart erhielt Befehl, zur gleichen Zeit mit seiner Kavallerie den rechten Flügel der Union zu umgehen, im Rücken des Feindes anzugreifen und für Verwirrung zu sorgen. Lee hoffte, die Potomac-Armee teilen, die Kräfte beider Teile binden und sie nacheinander besiegen zu können. Nach den Teilerfolgen des Südens am 2. Juli war diese Ansicht nicht völlig unberechtigt.
Am Abend des 2. Juli war die Division Pickett aus Longstreets Korps, von Chambersburg kommend, eingetroffen. Sie hatte noch nicht am Gefecht teilgenommen und war ausgeruht.
James Longstreet - der schon im Verlauf des 2. Juli den Anordnungen Lees nur zögern Folge geleistet, einige wohl auch schlicht ignoriert hatte - äußerte unmißverständlich Bedenken gegen Lees Pläne. Der amerikanische Militärhistoriker Hugh Cole nannte dieses Verhalten eine "unverständliche Widerspenstigkeit und Insubordination". Es kam zu einer Auseinandersetzung zwischen den konföderierten Generälen, die niemals wirklich beigelegt wurde.
Longstreet hielt Lees Überlegungen für falsch. Er vertrat die Meinung, es sei besser, die Unionsarmee durch eine großangelegte Umgehung und ein Vorrücken auf Washington aus ihren sicheren Stellungen bei Gettysburg zu locken. Im entscheidenden Moment sollte er dann auch zögern, die erhaltenen Befehle auszuführen. Ob sich dies entscheidend auf die Schlacht auswirkte, ist kaum noch nachvollziehbar. Noch in seinen Memoiren machte Longstreet Lee wegen seiner Strategie vor Gettysburg Vorwürfe.
Gegen 10.00 Uhr am Vormittag des 3. Juli erhielt Longstreet den schriftlichen Befehl, sich auf den Angriff auf die Cemetery Ridge-Stellung vorzubereiten. Die Südstaaten-Artillerie unter Colonel Alexander protzte ihre Geschütze an der Emmittsburg Road auf. Weitere konföderierte Batterien unter Colonel Walker nahmen entlang der Seminary Ridge Aufstellung.
Lee hatte damit eine enorme Artilleriefront von 150 schweren Geschützen zur Verfügung. Hinter den Kanonen sammelten sich die Linien der Sturmkolonnen.

Der Hauptstoß sollte von der ausgeruhten Division Pickett geführt werden. Sie nahm in 2. Reihe Aufstellung. Die 1. Linie der Südstaatler wurde von den Brigaden Kemper und Garnett gebildet, dahinter stand die Brigade Armistead. Rechts sammelten sich die Brigaden Wilcox und Perry, links die Division Heth unter dem Kommando von General Pettigrew, zusammen mit 2 Brigaden unter General Trimble. Insgesamt waren 18´000 Soldaten in Position gegangen.
Die verbleibenden CSA-Brigaden unter General Hill sollten ihre Stellungen auf Seminary Ridge halten und gegebenenfalls Longstreet unterstützen.
Gegenüber standen den Südstaatlern auf Cemetery Ridge die Unionstruppen des II. Korps unter General Hancock, rechts unterstützt durch die Division William Hays, links durch die Division Robinson aus dem I. Korps.
Die Mitte der Unionstruppen wurde durch die Division Gibbon gebildet. Die Unionslinie dehnte sich nach Süden aus. Links von Gibbon standen die Divisionen Doubleday, Caldwell und Birney, dessen linker Flügel sich mit der Rechten des V. Korps vereinigte und somit eine Linie bis zur Höhe des Big Round Top bildete.

Die Unionsartillerie unter General Henry J. Hunt

 

brachte 77 schwere Geschütze auf den Höhen in Stellung. Weitere Artillerieverstärkung kam von den Brigaden Hazzard und McGilvery. Gegen 13.00 Uhr begann die Artillerie der Südstaaten unvermittelt zu röhren. Aus 150 Kanonen brach ein Sturm von Feuer und Eisen hervor, der geeignet gewesen wäre, die Unionstruppen zu demoralisieren, hätte die Hölle von Gettysburg sie nicht bereits gehärtet. Eine Viertelstunde lang überließ die US-Artillerie den Konföderierten das Feld. Dann setzte auch sie mit konzentriertem Salvenfeuer ein, das mehr und mehr anschwoll. Der Boden schwankte wie bei einem Erdbeben.
Die Geschosse zerpflügten die ohnehin von Zigtausenden von Infanteriestiefeln zerwühlten Rasenflächen und Felder, fegten Bäume und Strauchwerk um.
15 Explosivgeschosse des Südens detonierten unmittelbar vor der Artillerie des Nordens und töteten viele Männer und Pferde.
Gegen 14.30 Uhr ließ General Hunt beschädigte Geschütze aus den Stellungen entfernen und durch neue Kanonen ersetzen.
Die Salven wurden vermindert, um die Rohre zu kühlen und Munition zusparen.

„Nach einem zweistündigen Artillerieduell befahl Hunt, Meades Artilleriechef, das nationale Feuer allmählich zu mindern, um hinreichende Munition zu haben, dem drohenden Sturm zu begegnen. Warren bemerkte von den Round Tops, daß es nachteilig sei, das Tal mit einem Schleier von Dampf zu füllen. Lees Feuer wurde jetzt immer heftiger. Demontierte Geschütze, explodierende Munitionswagen und das wilde Wiehern verwundeter Artilleriepferde verkündeten, wie groß die Vernichtung gewesen. Auf Seminary Ridge bildeten die Geschütze eine dichte Wolke, welche über den dunklen Wäldern schwebte.
Lee meinte, er habe alle feindlichen Geschütze mit Ausnahme von 6-8 in einem Gehölze zum Schweigen gebracht. Die Kanonade ließ nach. "

John William Draper: GESCHICHTE DES AMERIKANISCHEN BÜRGERKRIEGES, Bd. 3, 1877

General George E. Pickett gab, nachdem Longstreet abermals gezögert hatte, sich zu entscheiden, seinen Sturmkolonnen Befehl, vorzurücken.
Es war gegen 15.00 Uhr.
Dem Betrachter bot sich jetzt ein eindrucksvolles Bild, das das Blut heiß werden ließ:
In exakt geordneten Linien marschierten die konföderierten Soldaten zwischen den Artilleriestellungen nach vorn. Fast wie auf einer Parade.
Sie bewegten sich im Gleichschritt, fest die Reihen haltend, unerschütterliche Entschlossenheit ausstrahlend.
„ Ein Schauer allgemeiner Bewunderung durchlief die Nationallinie, als die konföderierten Angriffskolonnen
... mit einer Front von über einer Meile Ausdehnung aus den Wäldern auf Seminary Ridge auftauchten."
(Draper, 1877)
Da begannen erneut 71 Unionskanonen zu feuern. Vollkugeln und Granaten hämmerten in die geordneten Reihen von Picketts Division.
Doch die Südstaatler waren jetzt zu allem entschlossen. Sie stiegen über ihre gefallenen Kameraden, schlossen die entstehenden Lücken,
richteten den Blick fest nach vorn und rückten weiter vor, mitten in den Regen aus Feuer und Stahl hinein.

 

Pickett ließ General C. M. Wilcox hinter sich und vollführte eine mustergültig ausgeführte Schwenkbewegung mit seinen Einheiten. Er erreichte rasch den Fuß der Cemetery Ridge, schwenkte erneut halb nach rechts und stürmte gegen die Unionsdivision Gibbon vor, wobei als Zielpunkt der „Clump auf Trees" diente.
Die Brigade an Picketts rechtem Flügel konnte diese Bewegung nicht gleichzeitig nachvollziehen. Sie rückte daher direkt nach vorn. In Picketts Linie entstand somit eine große Lücke auf der rechten Seite.

Die Plänklerreihen der Union an der Emmittsburg Road zogen sich zurück, nachdem die US-Artillerie ihre Geschütze mit Splittergeschossen geladen hatte,
um nicht von den eigenen Kanonen getroffen zu werden. Die Konföderierten glaubten, der zurückweichenden Linie folgen zu können, stürmten auf die Batterien zu und wurden, als sie kaum noch 150 Meter entfernt waren, von fürchterlichem Artilleriebeschuß eingedeckt. Als sie dennoch weiterstürmten,
eröffnete die Unionsinfanterie hinter den Artilleriestellungen verheerendes Musketenfeuer.
Die 1. Linie Picketts löste sich förmlich auf. Die 2. Linie eilte weiter, obwohl sie die vernichtende Wirkung der Unionssalven vor sich sah. Unerschrocken kämpften die Südstaatler sich zu den US-Artilleriestellungen vor. Aus nur noch 10 Metern Entfernung hämmerten doppelte Kartätschenladungen in die grauen Reihen hinein.
Die Männer in der Feuerlinie wurden regelrecht zerfetzt. Die Szenen, die sich bei diesem südlichen Sturm abspielten, waren unbeschreiblich.
Eine Wolke von schleimigem Pulverdampf, Schweiß und Blut schwebte über den Männern.
Als der US-Artillerieoffizier Cushing von einer Südstaatenkugel zwischen seinen Kanonen getötet wurde, verstummte die Artillerie. Die Südstaatler, die bis jetzt überlebt hatten, fochten wie in einem Rausch. Soldaten in Grau sprangen mit Gebrüll über die Barrikaden der Brigade Webb und vertrieben die US-Infanterie bis hinter die Geschützstellungen.

Der CSA-General Lewis A. Armistead stürmte seinen Männern durch den Todeshagel voraus. Er sprang als einer der ersten über den Steinwall und führte seine Einheiten mit aufgepflanztem Bajonett gegen die Kanoniere der Union. Die Schlachtfahne des Südens wehte plötzlich inmitten der Unionslinien.
Durchbruch der Konföderierten! Doch damit hatten sie sich selbst ausmanövriert; denn ihnen folgte keine weitere Verstärkung mehr. Der Sturm hatte zuviele Opfer gekostet. Von Unionsinfanterie umringt, die gnadenlos in den grauen Pulk hineinfeuerte, konnten die Südstaatler sich nicht halten. Von einem Kanonenschuß getroffen, stürzte General Armistead.
(Er starb am 5. Juli in einem Unionslazarett.) Seine Männer ergriffen verzweifelt die Flucht.
Auch General Garnett wurde getötet, General Kemper geriet schwerverletzt in Gefangenschaft.
Die Unions-Generäle Hancock und Gibbon - auch sie wurden schwer verwundet, William Hays übernahm das II. Korps - warfen nun alle Reserven nach vorn, um den Feind, der sich in panischem Zustand befand, zu vernichten. Die Konföderierten von Picketts Sturm waren verloren. Sie warfen ihre Gewehre weg und kapitulierten. In die rechte Flanke Picketts unter Wilcox und Perry stieß die 2. Vermonter Brigade unter General George J. Stannard, nahm Hunderte von CSA-Soldaten gefangen und trieb den Rest vor sich her.


An der linken Seite Picketts hatten die Brigaden Pettigrew und Trimble versucht, die US-Division Hays zu zerschlagen. Sie wurden an der Emmittsburg Road von einem Bleischauer förmlich niedergemetzelt. Pettigrews Brigade, 2´800 Mann stark am 1. Juli, zählte am 4. Juli noch 835 Mann.
Die hintere Linie der Südstaatler vermochte nicht einmal mehr, die Straße zu überqueren. Sie wurde von Musketen- und Artilleriefeuer von vorn und von den Seiten belegt und niedergemäht. Die Kraft der Konföderierten verrann. Wer noch auf den Beinen war, flüchtete zur Seminary Ridge zurück.
Mit 4´800 Mann war Picketts Division in den Kampf gezogen, kaum 1´000 kehrten zurück.
Von den 15 Offizieren und 4 Generälen der Division blieben nur Pickett selbst und ein Lieutenant-Colonel unverletzt.

 

Farnsworth' Kavallerieattacke

Noch während des Artillerieduells ließ General Kilpatrick (US) die Kavalleriebrigade Farnsworth gegen die linke Flanke der Südstaatler vorstoßen.
Gleichzeitig stürmte von der Emmittsburg Road aus die US-Brigade Merritt die Stellung der Georgia Infanterie unter Anderson.
Die 7. und 8. Georgia Infanterie hielt Merritts Angriff mit Unterstützung einer Artilleriebatterie unter Hart zurück. Merritts Reiter saßen ab und kämpften zu Fuß weiter. Als auch noch die 11. und 59. Georgia Infanterie gegen die Unionssoldaten aufzogen, wurden sie zur Emmittsburg Road zurückgeworfen.
Rechts von Merritt sprengte die Brigade Farnsworth heran und stürmte trotz heftigen Gewehrfeuers die Stellungen des 1. Texas Regiments.
Die 1. Vermont Kavallerie durchbrach die texanischen Reihen und preschte mit schwingendem Säbel das Tal hinunter zum Slyder House, wo vernichtendes Feuer des 4. Alabama Regiments viele Sättel räumte. Die Unionsreiter schwenkten nach links den Hügel hinauf gegen die Südstaaten-Batterie unter Reilly.
Damit wurden sie in den feindlichen Linien eingeschlossen.

General Elon John Farnsworth

sprengte, an der Spitze seiner Reiter, auf die 15. Alabama Infanterie zu, richtete seinen Revolver auf den Südstaaten-Lieutenant Adrian
und verlangte dessen Kapitulation. In diesem Moment wurde er verwundet, eine Gewehrkugel tötete sein Pferd.
Farnsworth stürzte, seinen Revolver krampfhaft festhaltend. Als Lieutenant Adrian ihn aufforderte, selbst zu kapitulieren,
schoß sich Farnsworth eine Kugel durch den Kopf.

Diese Niederlage der US-Kavallerie war dennoch ein Erfolg für die Union, da durch Farnsworth' Attacke zwei Brigaden des Korps Longstreet abgezogen wurden und bei Picketts Angriff fehlten.

 


Das Kavalleriegefecht von Gregg und Stuart

Der Plan Lees, General J. E. B. Stuart mit dem Kavalleriekorps von Nord-Virginia um die rechte Flanke der Union in den Rücken des Feindes zu schicken,
war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Lee konnte nicht wissen, daß George G.Meade seine Flanken mit starken Kavallerieeinheiten gesichert hatte.
3 Meilen östlich von Gettysburg stand die Kavalleriedivision Gregg.
Zwischen ihrer Linken und Culp's Hill hatte die Infanteriebrigade Neill aus dem Vl. Korps Aufstellung genommen.
Stuart rückte mit seinen Reitern auf die Baltimore Pike Road zu. Hier sollte er ein Ablenkungsmanöver zugunsten Longstreets Infanterie durchführen.

Als die grauen Reiter Cress Ridge erreichten, standen ihnen die US-Kavalleristen General David McMurtrie Greggs gegenüber.
Sofort brachte Stuart seine berittene Artillerie unter Griffin in Stellung. Als er mit seinen Brigaden in geschlossener Linie die Rummel-Gebäude angriff, sprengte ihm vehement die US-Brigade McIntosh entgegen, die die Angriffsvorbereitungen der Konföderierten beobachtet und sofort die Initiative ergriffen hatte. Heftiges Artillerie- und Musketenfeuer empfing die Unionsreiter, die sich nicht gegen die Kavallerie-Veteranen aus Virginia hätten halten können, wäre nicht die US-Brigade George A. Custer aus Kilpatricks Division, verstärkt durch die Batterien berittene Artillerie Randol und Pennington, herangaloppiert.
Mit dem Siegesruf der Südstaatler warfen sich Stuarts Reiter nach vom. Sie wurden durch George A. Custer und die 1. Michigan Kavallerie aufgehalten. Der Kampf wogte hin und her. Mehr und mehr Sättel leerten sich.
Revolver wurden abgeschossen. Erbittert wurde mit dem blanken Säbel weitergefochten. Die Konföderierten wurden an allen Punkten geschlagen. Der populäre Südstaaten-General Wade Hampton wurde durch Säbelhiebe schwer verletzt.
Schließlich setzte ein schweres Duell der gegnerischen Artilleriebatterien ein. Die Unionsreiterei unter General Gregg trieb Stuart zurück. Der wohldurchdachte Plan Lees war zerschlagen.


Das Ende

Der 3. Juli brachte die Entscheidung. Trotz verzweifelten Einsatzes, trotz kühn, teilweise brillant geführter Truppenbewegungen, gelang es den Konföderierten nicht, die Unionslinien zu durchbrechen. Sie wurden zur Seminary Ridge zurückgeworfen. Nach der erfolgreichen Abwehr der heftigen Südstaatenangriffe, verharrten die Unionstruppen in ihren Stellungen. Über dem großen Schlachtfeld wurde es still.
Nur auf dem linken Unionsflügel gab es noch Beschuß durch eine Südstaatenbatterie von der anderen Seite des Weizenfeldes.
General Meade befahl General Crawford, mit der Pennsylvania-Reserve diese letzten Südstaatenkanonen zum Schweigen zu bringen.
Die Brigade McCandless stürmte unter einem Kugelhagel über das Feld.Die konföderierten Artilleristen ließen ihre Geschütze stehen und ergriffen die Flucht.
Die Brigade McCandless schwenkte nach links und griff weitere konföderierte Stellungen an. Sie umging die Schanzwerke und nahm sie von der offenen Seite.
Die hier liegende Brigade flüchtete ebenfalls in Unordnung. Die Pennsylvania Infanterie nahm über 250 Gefangene und erbeutete über 5´000 Waffen.
Das war die letzte größere Aktion vor Gettysburg.

 

Nachspiel

Die Südstaatenarmee war an der Materialüberlegenheit des Nordens zerbrochen. Ihrer Artillerie hatte ausreichend Munition gefehlt.
Die Kommunikation innerhalb der südstaatlichen Führung hatte nicht funktioniert. Die weite Entfernung zu den Nachschubbasen der Konföderation hatte sich gerächt. Das Gelände hatte die Potomac-Armee eindeutig begünstigt. Der bis dahin scheinbar unaufhaltsame Siegeslauf der Armee des Südens war beendet.
Er sollte in dieser Form nie wieder aufleben. Überlegene Strategie, unbestrittener Opfermut und Einsatzbereitschaft hatten sich gegen schlichte Beharrlichkeit
und besseren Nachschub nicht durchsetzen können. Noch am Abend befahl General Lee den Rückzug seiner Truppen.
Obwohl er unbestritten von der politischen Führung in Richmond in dieses Abenteuer gedrängt worden war, sagte er:
„Die Last der Niederlage liegt allein auf meinen Schultern."

Amputation in einem Feldlazarett der Unionstruppen während der Schlacht bei GETTYSBURG 

In der folgenden Nacht wurden zunächst die Verwundeten über die Hagerstown Road abtransportiert. Die Troßwagen, gefüllt mit Beute, folgten.
Am Morgen des 4. Juli rückte die US-Kavallerie Kilpatricks über Emmittsburg zum Montery Gap vor, fing einen langen Wagenzug Lees ab, zerstörte über 200 Wagenladungen Proviant und nahm 1´500 Gefangene. Sturzbachartiger Regen verwandelte die Straßen in Morast und erschwerte die Flucht.
Am 5. Juli verfolgten Greggs Kavallerie und das VI. Korps die fliehenden Südstaatler über die Chambersburg- und Hagerstown-Straße. Lees Armee stieß durch Montery Gap nach Hagerstown durch und erreichte Williamsport am Potomac. Die geschlagene Armee traf rechtzeitig vor den folgenden Unionstruppen ein. Am 12. Juli marschierte die Unionsarmee in Schlachtlinie vor den Südstaatlern auf, aber in der Nacht des 13. Juli überquerte die Nord-Virginia-Armee ungehindert den Potomac, dessen Wasser plötzlich gefallen waren. Das graue Heer zog nach Virginia ab.
Beide Armeen hatten schwere Verluste erlitten. Die Union verzeichnete 3´072 Gefallene, 14´497 Verwundete und 5´434 Vermißte - ein Totalverlust von 23´003 Mann. Die Armee der Südstaaten beklagte 2´592 Tote, 12´709 Verwundete und 5´150 Vermißte - eine totale Zahl von 20´451. Zwischen 4´500 und 5´000 Pferde wurden in der Schlacht getötet.


Manche Chronisten sahen die konföderierten Berichte nicht als vollständig an. Zeitgenossen behaupteten, daß viele Truppenteile überhaupt keine Verlustberichte erstellten. Einige Offiziere der Konföderierten sprachen von Gesamtverlusten von über 35´000 Mann bei Lees Armee.

 

Lincolns Gettysburg-Adresse

Am 19. November 1863 strich ein kühler Wind über die Wiesen und Felder von Gettysburg, als sich auf dem Friedhofs-Hügel Veteranen, Politiker, Offiziere,
Angehörige von Gefallenen und Bürger der kleinen Stadt versammelten, um den geborgenen und bestatteten Toten der Schlacht die letzte Ehre zu erweisen.
Präsident Abraham Lincoln war sich der Bedeutung dieser Feier bewußt. Er hatte an seiner Rede lange gearbeitet.

In der ihm eigenen schlichten Art sprach er die folgenden Worte, die bis heute in amerikanischen Schulbüchern nachgelesen werden können.

 

„Vor siebenundachtzig Jahren schufen unsere Väter auf diesem Kontinent eine neue Nation.
Sie wurde gezeugt in Freiheit und gewidmet der Überzeugung, daß alle Menschen gleich geschaffen seien.
Heute sind wir in einen großen Bürgerkrieg verstrickt, eine Prüfung, ob diese Nation,
oder irgend eine andere so geschaffene und geprägte Nation, lange überleben kann.
Wir sind hier auf einem großen Schlachtfeld dieses Krieges zusammengekommen.
Wir sind gekommen, um einen Teil dieses Feldes als letzte Ruhestätte für diejenigen zu weihen,
die ihr Leben hingegeben haben, damit unsere Nation leben möge.
Es ist absolut passend und schicklich, dies zu tun. In einem weiteren Sinn aber können wir diesen Boden nicht widmen, nicht weihen.
Die tapferen Männer, lebend oder tot, die hier gekämpft haben, haben ihn weit über alles, was wir zu tun vermögen, geheiligt.
Die Welt wird wenig achten, was wir hier sagen, aber sie wird nie vergessen, was sie hier getan.
An uns, den Lebenden, ist es, vielmehr uns selbst dem unvollendeten Werk zu weihen, welches sie, die hier gekämpft,
bisher so edel gefördert haben, und uns selbst der großen Aufgabe zu widmen, die noch vor uns liegt,
und von den Gräbern dieser hier geehrten Toten erhöhte Hingebung an jene Sache mitzunehmen, für die sie ihr Leben gegeben haben.
Legen wir hiermit den feierlichen Schwur ab, daß sie nicht umsonst in den Tod gegangen sein sollen,
auf daß diese Nation mit Gottes Hilfe eine neue Geburt der Freiheit erlebe, und daß die Regierung des Volkes,
durch das Volk und für das Volk niemals vom Angesicht der Erde verschwinden möge."

 

Das Torhaus zum Evergreen Friedhof auf dem Cemetery Hill.


Die großen Zeitungen der Union bezeichneten die Rede des Präsidenten bestenfalls als simpel,
flach, langatmig oder unpassend.
Die »Chicago Times« warf ihm sogar vor, die teuren Toten beleidigt zu haben.
Nur wenige Redakteure und auch der Hauptredner selbst sahen voraus,
daß diese Rede von Gettysburg viel länger in der Erinnerung haften bleiben
und schließlich in die Geschichte eingehen würde.

Heute müssen die Schulkinder in den USA sie auswendig lernen.


Sie gilt als eines der schönsten Prosawerke der englischsprachigen Literatur,
wenn auch die Sprache, in der sie gehalten ist, für den heutigen Amerikaner kaum verständlich ist.

 

 

 

 

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