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VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
© NORD & SÜD 1993, Martin Öfele, •Guerillas & Irreguläre•
© Joseph G. Rosa •Revolverhelden•

DIE GUERILLA-KRIEGE

Seite 2

 

 

 

Offiziere, Gentlemen und Verbrecher

Zu Beginn des Krieges gab es keine Regeln oder Vorschriften, die die Kriegsführung der Guerillas betrafen. Partisanen waren auf sich selbst gestellt, ohne Anerkennung durch Freund oder Feind, und liefen stets Gefahr, als gewöhnliche Verbrecher behandelt zu werden. Obwohl bereits im Mai 1861 der Richmond Dispatch die Gründung von Heckenschützenbanden propagierte, die die zahlenmäßig überlegenen Nordstaatler aufgrund ihres Heimvorteils effektiv stören könnten, zeigten sich die konföderierten Autoritäten wenig begeistert über solche kaum kontrollierbaren Einheiten.

Virginia, der Staat, der das Gros des Feldkrieges erleben sollte, war der erste, der am 27. 3. 1862 zehn Kompanien von Rangern und Scouts ins Leben rief. Diese Partisan Rangers, wie sie bald genannt wurden, waren dazu vorgesehen, in den besetzten Gebieten Virginias zu operieren. Neben den Verbrecherbanden, die bald überall umherzogen, wurden mit der Zeit auch mehrere Miliz- und Armeeoffiziere als Kommandeure von berittenen Freischärlern bekannt - positiv wie negativ -, zu deren Unterstützung beziehungsweise Eindämmung schließlich am 21. 4. 1862 der Partisan Ranger Act der konföderierten Regierung erlassen wurde. Das Gesetz sah die Aufstellung von Kompanien, Bataillonen und Regimentern vor, deren Angehörige dieselben Uniformen, Ränge und Sold erhalten sollten wie die Kavallerie.

Aufgrund des Partisan Rangers Acts und nachfolgender Bestimmungen müssen die Einheiten unter so verschiedenen Führern wie John Singleton Mosby, William Quantrill oder Joseph Shelby entgegen vielen Darstellungen als Reguläre bezeichnet werden (regulär gleichgesetzt mit offiziell sanktioniert), die sich von den irregulären (nicht militärisch geführten) Guerillas absetzten.
Allerdings gibt es hier auch Grenzfälle wie die Partisanen, die Sterling Price in die Schlacht bei Wilson's Creek führte. Dies waren praktisch unbezahlte Milizen ohne Ausrüstung oder große Organisation, die jeden Offizier aus West Point zur Verzweiflung getrieben hätten. Und doch traten sie als Armee auf, die dem Süden bereits in den ersten Kriegswochen unschätzbare Dienste erwies:
„Hätte Hardee oder irgendein anderer West Pointer das Kommando gehabt, hätte er uns sechs Monate im Camp gehalten und uns gedrillt und ausgebildet. .. , und dann wären wir ins Winterlager gegangen; Lyon hätte seinen Willen in Missouri durchgesetzt, und die Unionsarmeen, die hergeschickt wurden, um uns zu schlagen, wären statt dessen in Virginia oder Tennessee zum Einsatz gelangt, und die Konföderation wäre wahrscheinlich früher bezwungen worden als auf diese Weise." (Angle & Miers, Tregic Yeers, S. 143)

Die Gebiete der traditionellen Pferdezucht des Südens - Kentucky, West Virginia, Missouri und Mitteltennessee - fielen bereits stark unter die Kontrolle des Nordens, was sich im weiteren Verlauf schmerzlich auf die Kavalleriebestände auswirkte. Doch mit den vorhandenen Tieren konnten die meisten Südstaatler in überlegener Weise umgehen, was den Grundstein sowohl für die ausgezeichnete konföderierte Kavallerie als auch für die erfolgreichen Partisan Rangers legte.


CSA-General Turner Ashby

Turner Ashby aus Virginia war ein außerordentlicher Reiter und geborener Anführer, der bereits 1859 eine Freiwilligeneinheit aufstellte. Mit seinen Guerillas hielt er sich im Norden seines Heimatstaates rund um Winchester auf und scharte eine schlagkräftige Mannschaft um sich, was bald in Richmond bekannt wurde. Er wurde Joseph Johnstons Armee einverleibt und im Oktober 1861 als Colonel an die Spitze der 7. Virginia Cavalry gestellt, womit seine Partisanentätigkeit ein Ende fand. Als er am 6. 6. 1862 bei Harrisburg fiel, war er neben Stuart der bekannteste Reiterführer der Konföderation.
Die kurze Zeit, die Ashby als Guerilla verbracht hatte, verschaffte ihm Ruhm und dem Süden zwei weitere gefürchtete Guerillas. Lieutenant Colonel Elija V. White und Major Harry Gilmor operierten ebenfalls in Nordvirginia und Maryland. Der Marylander Gilmor, dessen Vorliebe für Frauen seine Fähigkeiten als Kavallerist ab und zu in den Schatten stellte, führte seine Einheit auf zahlreichen Raids in den Norden gegen dortige Unionisten. Als Scout konnte er wertvolle Informationen für Lees Invasion nach Maryland gewinnen.

 


Lieutenant Colonel Elija V. White (CSA)


Corporal White hatte sich als Gemeiner zu den Partisanen anwerben lassen und war bald wegen seines Draufgängertums und seiner absoluten Verachtung für jegliche Gefahr aufgefallen, was ihn zu einem sehr beliebten Kommandeur nach der Auflösung der Ranger Ashbys werden ließ. Zeitweise als unabhängige Spähertrupps für General T. J. Jackson eingesetzt, war Whites Einheit häufig in einer Gegend unterwegs, die auch als Basis für den wohl bekanntesten konföderierten Guerilla diente.
Im April 1861 hatte ein schmächtiger, kränkelnder Jurist bei den Washington Mounted Rifles, einer eher aus Spaß an der Freude gegründeten Miliztruppe, seine ersten unangenehmen Reiterlektionen erhalten und nicht mit weiteren gerechnet. Doch wider Erwarten fand John Mosby Gefallen an der Kavallerie und wurde unter seinem faszinierenden neuen Kommandeur J. E. B. Stuart zu einem hervorragenden Scout, der seine Erfahrungen unter anderem bei dessen sagenhaftem Ritt um McClellans gesamte Armee (bei dem Mosby mit ein paar Männern stets an der Spitze ritt) sammeln konnte.


Der unauffällige und außergewöhnlich mutige Soldat hatte schon während Johnstons Rückzug von Manassas die Effektivität von Kavallerieraids hinter die Reihen des Feindes bewiesen, was damals vor allem für die streng nach den Regeln vorgehenden Nordstaatler etwas Revolutionäres darstellte. Mosby, am 6. 12. 1833 als Sohn eines hochgebildeten Pflanzers geboren, bewährte sich unter Stuart, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband, und erhielt im Winter 1862/63, noch immer als Private, die Genehmigung, unter dem neuen Gesetz Guerillas zu rekrutieren.

Wegen des teilweise unangenehmen Beigeschmacks der Bezeichnung Partisan Rangers wurde die Einheit auf Anraten Stuarts Mosby's Regulars genannt, und der „Gray Ghost" der Konföderation erwies sich als würdiger Gegner der erstarkenden Unionskavallerie. Seine Überlegenheit beruhte - abgesehen davon, daß die Aussicht auf Beute die Truppe überhaupt zusammenhielt - auf drei fundamentalen Elementen: Erstens hatte jeder der Soldaten selbständig zu handeln, sobald es zum Gefecht oder zum Rückzug kam. Im Einsatz hieß es Mann gegen Mann und jeder für sich. Was von vielen Offizieren der Armee (nicht immer zu Unrecht) als Disziplinlosigkeit verdammt wurde, rettete die Guerillas mehr als einmal davor, aufgerieben zu werden.

Des weiteren konnten sie sich, wie die meisten Freischärler, auf die Unterstützung der Bevölkerung verlassen und in sogenannten „safe houses" Unterschlupf und Verpflegung finden. Was aber wohl am meisten zum Erfolg beitrug, war neben ihrer Reitkunst die vortreffliche Handhabung von Revolvern zusätzlich zu den Säbeln - Waffen, die bei den Nordstaatlern damals noch nicht zur Kavallerieausrüstung gehörten. Das Aufeinandertreffen von 150 Männern unter Mosby und ebenso vielen von Major W. H. Forbes geführten Unionssoldaten im Juli 1864 mag dies verdeutlichen:
„Als die föderierten Regimenter in Sichtweite gelangten, eröffneten Mosbys Männer, ein wenig vorsichtig, mit Karabinern und einer 12Pfund Napoleon das Feuer und preschten dann vor, um die erfahrenen Unionstruppen in der Nähe zu treffen. Revolver krachten und blitzten, und Säbel blinkten in der Mittagssonne, als die zwei Kavallerieeinheiten frontal aufeinander zustürmten und in einem brutalen, verbissenen Mann-gegen-Mann-Gefecht zusammenprallten... .
Es war eine besonders wilde Begegnung, die tote oder verstümmelte Männer und Pferde über mehrere Morgen verstreut ließ. Mosby nahm schließlich 57 Gefangene, einschließlich Forbes. Außerdem erbeutete er hundert Pferde und hatte über fünfzig Yankees verwundet oder getötet. Wenn ein weiterer Beweis der Überlegenheit von Revolver über Säbel nötig sein sollte, betrugen seine Verluste einen Toten und sechs Leichtverletzte."
(Siepel, Rebel, S. 116)


John S. Mosby als Captain im Frühjahr 1863

 

Der militärische Nutzen von Mosbys Einsätzen wurde wie der anderer eigenständiger Kavallerieregimenter sowohl während des Krieges als auch später häufig angezweifelt. Tatsächlich wirkten Mosby oder General John Morgan, der seine Partisanen bis nach Ohio führte, nie entscheidend an ausschlaggebenden Schlachten mit, ihr Erfolg muß aber, wie der von Prices Guerillas, auf anderem Gebiet anerkannt werden. Nach wiederholten Vorwürfen gegen seine Truppe rechtfertigte sich Mosby stellvertretend für andere Partisanenführer im September 1863: „Der militärische Wert meiner Art Kriegsführung... (liegt) in der Größe der Sondertrupps, die (der Feind) abstellen und die er durch mich hoffentlich noch vergrößern muß, ... um seine Verbindungen zu schützen und die im gleichen Maß seine aktive Stärke vermindern. "

Als Siegel und später Sheridan ins Shenandoahtal einmarschierten, verzögerte Mosby ihr Vorrücken durch Überfälle auf Züge und Versorgungstrecks, was Grant am 16. 8. 1864 veranlaßte, an Sheridan zu telegraphieren, er solle die Partisanen, wo immer sie gefangen würden, ohne Prozeß hängen. John Mosby war im April 1863 vom Private zum Major und am 11. 2. 1864 zum Lieutenant Colonel befördert worden. Am 7. 12. stieg er in den Rang eines Colonels auf, konnte im folgenden Jahr sein Werk aber nicht fortführen, da (US) Major General Wesley Merritt vom Shenandoahtal aus im Winter einen Vorstoß gegen Loudon County unternommen hatte. Vom 28. 11. bis 3. 12. führte dieser eine wahre Brandrodung gegen safe houses und mögliche Vorratslager der Guerillas durch, und Anfang 1865 sah sich Mosby einer seiner Grundlagen beraubt, so daß er seine Aktivitäten stark einschränken mußte und die Rangers am 21. 4. nach einer bewegenden Abschiedsadresse auflöste.


Konföderierte Offiziere des 43. Bataillon Partisan Rangers
mit ihrem Kommandeur John S. Mosby (stehend 2. v. l.)

„Mosby's Confederacy" zählte in ihrer Glanzzeit 1863/64 etwa 300 Guerillas in sieben Kompanien, wobei der Kommandeur allerdings die anfangs gepflegte Übersicht über die Rekruten verlor und nicht verhindern konnte, daß sich auch Deserteure und gewöhnliche Gesetzesbrecher anwerben ließen. Sie leisteten den Gerüchten über Wegelagerei und Bereicherungslust Vorschub und erschwerten es Mosby trotz harter Strafen und „Abschieben" in die Armee sehr, ein Mindestmaß an Disziplin und militärischem Benehmen aufrechtzuerhalten.

Im Westen waren die Grenzen zwischen Kavallerieeinheiten der Armee und Partisan Rangers besonders fließend, da gerade in Texas und Arkansas extrem viele Kompanien spontan und ohne besondere Marschbefehle ausgehoben wurden. Major General Thomas C. Hindman, der im April 1862 das Trans-Mississippi-Department übernahm, „sanktionierte außerdem die Aufstellung von beträchtlichen Zahlen an Partisan Rangers", nachdem er die strategische Bedeutung der Kavallerie erkannt und die tiefe Abneigung der Soldaten im Westen gegen die Infanterie kennengelernt hatte. Er tat dies unter dem Partisan Ranger Act mit den General Orders No. 17 vom 17. 6. 1862.

Zu den Aufgaben dieser Kompanien gehörten neben der Behinderung der Unionsarmee in Missouri und Arkansas durch Überfälle, Zerstörung von Brücken und Schienen sowie Unterbrechung von Telegraphenlinien auch die Stärkung der Moral unter den Sezessionisten Missouris und die Anwerbung von Freiwilligen in besetzten Gebieten.
Colonel Joseph Orville Shelby aus Kentucky, laut Stephen B. Oates „der fähigste Kavalleriekommandeur im Trans-Mississippi (Department)", führte zusammen mit Vard Cockrell im Sommer 1862 eine Expedition nach Missouri, die eine der berühmtesten Partisaneneinheiten des Krieges aus der Taufe hob. 1830 geboren, wurde er am Transylvania College, an dem auch der fünf Jahre ältere Morgan erzogen worden war, unterrichtet, und baute sich anschließend in Missouri mit Seilerwaren ein größeres Vermögen auf.

Als dickköpfiger und abenteuerliebender, äußerst sezessionistisch eingestellter Südstaatler hatte er gleich nach dem Fall von Fort Sumter eine Reiterkompanie aufgestellt, mit der er in Missouri einfiel und, zusammen mit dort rekrutierten Guerillas, die bald weithin bekannte „fron Brigade" gründete. Shelbys 2000 Mann starke Brigade, obwohl von Hindman offiziell in den konföderierten Dienst gestellt, operierte als Guerillatruppe bis tief nach Missouri hinein, wobei sich die Partisanen nicht unbedingt durch größte Ritterlichkeit auszeichneten.


William Clark Quantrill

Im Gegensatz zu den sanktionierten Guerillas gab es einige konföderierte Offiziere, deren Verhalten vielerorts zur Distanzierung von ihren Methoden führte. Der Lehrer und Pferdedieb William Clarke Quantrill - entweder am 31. 7. 1837 in Ohio oder am 20. 7. 1836 in Maryland geboren - gelangte 1855 in den Westen, um Abenteuer zu erleben und reich zu werden.
Außer etlichen Romanzen und der Befriedigung seiner Jagdleidenschaft war ihm jedoch kaum Erfolg beschieden. So zog er von Ort zu Ort und unterrichtete, wobei er anfangs als Verfechter der republikanischen Ideale hinter James Lane stand. 1858 noch schrieb er, Lane sei „der beste Mann, den wir haben".

Was Quantrills politische Kehrtwendung ins sezessionistische Lager verursachte, ist ungeklärt, doch zwei Jahre später, noch vor Kriegsausbruch, bezeichnete er die Republikanische Partei als „den bei weitem gesetzlosesten Menschenhaufen dieses Landes", und Lane wurde „der schlimmste Mensch, der jemals in diese Welt geboren wurde".


Nachdem William Quantrill ein Jahr lang mit verschiedenen Heckenschützen durch Kansas und Missouri gezogen war, sammelte er im Dezember 1861 zehn Guerillas um sich, die den Grundstock für zwei der blutrünstigsten Mörderbanden des Krieges legten. Quantrills Erscheinung war eher unauffällig. Von durchschnittlicher Größe und schmal gebaut, verrieten nur die kalten blauen Augen den Mörder, wenn dem Betrachter nicht schon vorher die beiden schweren Revolver, aufgefallen waren, die er stets bei sich trug. Überhaupt bedingte die außerordentlich starke Bewaffnung seiner Bande ihre Überlegenheit auch gegenüber zahlenmäßig stärkeren Gegnern - neben Quantrills einfacher, aber wirkungsvoller Taktik, aus allen Rohren feuernd und unter wildem Kriegsgeschrei frontal auf seine Gegner zuzustürmen.
Im Frühjahr 1862 zählte sein Kommando über hundert Männer, mit denen er sogar ganze Siedlungen angriff, so zum Beispiel Independence in Missouri, das die Guerillas am 11. 8. einnahmen. Am 17. 10. überrannten sie Shawneetown in Kansas, töteten fünfundzwanzig Männer und äscherten die Stadt komplett ein. Nachdem Quantrills Männer den Winter in Arkansas unter dem Schutz von Sterling Prices Armee verbracht hatten, kehrten sie im Mai nach Missouri zurück und errichteten eine Schreckensherrschaft über ganze Landstriche im Grenzgebiet.

Quantrill war am 16. 8. 1862 zum Captain ernannt worden und von mehreren konföderierten Generälen wie Hindman, Price oder Kirby Smith für seine Leistungen belobigt worden. Spätestens im August 1863 aber mehrten sich die Stimmen wie die Henry McCullochs, der die Gefahr durch die „Unterholzbande", die die Autoritäten nicht kontrollieren konnten, wachsen sah und auf die Abschaffung der Guerillas im konföderierten Dienst drängte.
Am 21. August war Quantrill mit 350 Freischärlern in die abolitionistische Hochburg Lawrence eingefallen, in der sein Erzfeind Jim Lane residierte. Um fünf Uhr morgens stürmte die Horde die Stadt mit dem Befehl, jeden Mann zu töten, der „groß genug ist, eine Waffe zu tragen". Das allgemeine Morden hielt vier Stunden an und verfehlte ironischerweise sein Hauptziel, Lane, der sich in einem Maisfeld versteckte.

Als sich gegen neun Uhr Unionstruppen näherten, zogen sich die Angreifer nach Missouri zurück und ließen mindestens 150 tote Männer jeden Alters in der Stadt, während sie selbst lediglich ein Opfer zu verzeichnen hatten - einen Betrunkenen, der zurückblieb und von einem Indianer erschossen wurde. Als einzige Zielscheibe der ohnmächtigen Wut der Überlebenden wurde Larkin Skaggs danach durch die Straßen geschleift und anschließend geradezu in Stücke gerissen.
In Verbindung mit weiteren Bluttaten, die jeden Rahmen geregelter Kriegsführung sprengten, führte das Massaker von Lawrence zu einer Abkehr von der Unterstützung der Guerillas durch die konföderierte Armeeführung. Hindman hatte schon im November 1862 seine General Orders No. 17 widerrufen und später sogar Colonel W. P. Thornten in Arkansas angewiesen, jeden Guerilla in seinem Distrikt zu verhaften und in die Armee zu überstellen oder nach Süden zu transportieren.

Auch Lee sorgte sich zunehmend über Banditen, die ihre Offizierspatente für Verbrechen mißbrauchten. Im Februar 1864 wurde der Partisan Ranger Act auf sein und Brigadier General Thomas L. Rossers Anraten hin aufgehoben und durch einen modifizierten ersetzt, der alle Partisaneneinheiten unter die Kontrolle der Armee stellte.
Die beiden einzigen Einheiten, die weiterhin unabhängig operieren durften, waren Mosbys Confederates und die Freischärler von Brigadier General John „Hanse" Hanson McNeill, dem zu Unrecht wahrscheinlich am wenigsten gewürdigten konföderierten Kommandeur.


John Hanson McNeill

Der am 12. 6. 1815 geborene Virginier hatte sich nach einer dürftigen Ausbildung in Kentucky als Farmer und Viehzüchter niedergelassen, war 1848 nach Missouri gegangen und bald zu einem der bedeutendsten Züchter des Mittelwestens aufgestiegen.
Nachdem Missouri an die Union gefallen war, trat er als Captain mit seinen drei Söhnen in Prices Armee ein, kämpfte tapfer und entkam 1862 aus dem föderierten Kriegsgefängnis in St. Louis. Später im selben Jahr organisierte er die McNeill Partisan Rangers, die sich durch ihre Effektivität und Fairneß auszeichneten. In zwei Jahren zerstörten sie zahlreiche Versorgungsdepots, Eisenbahnmaterial sowie Züge und nahmen 2600 Gefangene.
„Sechs Fuß groß und von aristokratischer Erscheinung und Benehmen, hatte McNeill eine Kühnheit, Tapferkeit und Großzügigkeit, die ihn bei seinem Kommando beliebt werden ließ. Er erlangte die Hochachtung Lees als kühn und intelligent und wurde von Sheridan offiziell als der „waghalsigste und gefährlichste aller Guerillas” bezeichnet. Andere Unionsgeneräle respektierten und fürchteten die Partisan Rangers und ihren Kommandeur. . . . Eine untergeordnete Figur des Bürgerkrieges, symbolisierte dieser unerschrockene Soldat die besten Eigenschaften der Männer, die in diesem Konflikt auf beiden Seiten kämpften." (Lexikon of American Biography, Bd. 5, S. 152)

McNeill war am 2. 10. 1864 während eines Raids in das Shenandoahtal versehentlich von eigenen Leuten angeschossen worden und starb am 10. 11. 1864 in Harrisonburg.

 

Während die Bedeutung der Partisan Rangers gegen Ende 1864 abnahm, stieg die Gewalt der Guerillas noch einmal extrem an. Wegen seiner Unfähigkeit, Ordnung und Einheit in dem Haufen durchzusetzen, hatte Quantrill im Frühling 1864 die Guerillas verlassen. Darauf teilten sie sich und begingen fortan unter „Bloody" Bill Anderson, der die Angewohnheit hatte, seinen Sattel mit Skalps zu schmücken, und George Todd noch blutigere Verbrechen. Im August töteten Andersons Leute sieben Soldaten der 4. Missouri Cavalry, wobei sie vier von ihnen skalpierten und den drei anderen die Kehlen durchschnitten.

William »Bloody Bill« Anderson

Nach einigen Rückschlägen rächte sich Anderson am 26. 9. mit seiner wohl grausamsten Untat: In Centralia in Missouri, das sie zuvor geplündert hatten, stoppten dreißig Guerillas einen Zug, raubten die Passagiere aus und ermordeten kaltblütig zweiundzwanzig unbewaffnete Unionssoldaten, die sich vorher nackt ausziehen mußten.
Mit ähnlichen Räubereien konnte auch George Todds Bande aufwarten, die sich nach seinem Tod durch die Kugel eines Nordstaatler-Guerillas am 21. 10. 1864 auflöste.
Nur fünf Tage später starb Anderson, dessen Heckenschützen von Unionsmilizen in die Enge getrieben wurden,
und Quantrill wurde am 10. 5. 1865 in Kentucky von Soldaten erschossen.
Man beachte auf dem rechten Bild die Einschüsse im Gesicht.

 

 

 

 

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