
Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
© NORD & SÜD
1993,
Martin Öfele, •Guerillas & Irreguläre•
© Joseph
G. Rosa •Revolverhelden•
DIE
GUERILLA-KRIEGE
Seite
3
Partisanen
in blau
Während
des Krieges spielten Guerillas der Nordstaaten lediglich in den Gebieten
der Appalachen eine wesentliche Rolle. Da es in der Natur des Guerillakrieges
liegt, sich in einem vom Feind besetzten Land gegen überlegene
Truppen zu behaupten, kam eine solche Taktik nur im westlichen North
Carolina, das die ganze Zeit von der Konföderation gehalten wurde,
in Frage. In den späten Kriegsjahren gelang es jedoch immer mehr
Offizieren der Unionskavallerie - nach dem Vorbild von Männern
wie Mosby oder Morgan -, mit ausgesuchten und unabhängigen Einheiten
in den Süden vorzustoßen und Versorgungswege zu stören.
Bis zum April 1862 trieben in Missouri noch zahlreiche „jayhawkers"
ihr Unwesen. Der erste und heute noch bekannteste Anführer dieser
Guerillas, die aus den Streitereien um Kansas hervorgegangen waren,
war:

Senator James
Henry Lane
Lane war im
Februar 1861 als Senator für Kansas nach Washington gewählt
worden und hatte dort von Lincoln die Ernennung zum Brigadier General
erhalten, die er allerdings aufgrund seines politischen Amtes wieder
abgeben mußte. Statt dessen nahm der gewiefte Free Stater den
Rang eines Brigadier Generals in der Miliz von Kansas an und konnte
so das Kommando über die von ihm aufgestellten 3., 4. und 5.
Kansas Regiments behalten.
Lanes Brigade sollte offiziell die Grenze des neuen Staates vor einer
konföderierten Invasion schützen, doch der „Grim Chieftain"
hatte andere Pläne: er wollte die Sklavereianhänger in Missouri
und Kansas bestrafen und die Moral der Südstaatler schwächen.
Nach der Schlacht bei Wilson's Creek folgte Lane der Armee von Sterling
Price nach Missouri und zog marodierend durch das Grenzgebiet, um
„alles Unloyale" auszurotten.
Mit seinen
1500 Guerillas erreichte er am 22. 9. Osceola. Die Soldaten fielen
in die Stadt ein und plünderten sie unter dem Vorwand, es handle
sich um ein Vorratslager für die Konföderation, gründlich
aus. Neun Einwohner wurden getötet, bevor die Nordstaatler mit
gestohlenen Wagen, 350 Pferden und Eseln sowie 300 befreiten Sklaven
die Stadt verließen. Der Name der Stadt wurde auf beiden Seiten
schnell zum Schlagwort der Gewalt. Mehrere Unionsoffiziere drängten
darauf, in Missouri die Politik der Einschüchterung zu übernehmen
und in jedem Ort das Sternenbanner zu hissen mit der Warnung:
„Laßt diese Fahne einziehen und eure Stadt wird in Rauch
aufgehen wie Osceola."
Auch wenn dieses Vorgehen von General
David Hunter abgelehnt wurde, nahmen sich etliche Partisanenführer
das Motto Lanes zu Herzen und zogen Spuren der Verwüstung durch
die Grenzregionen. Auf der Seite der „bushwhackers" stand
Osceola daraufhin für blutige Vergeltung. Noch 1864 ermordeten
Guerillas aus Missouri fast alle Einwohner einer kleinen Siedlung
in Kansas unter dem Schlachtruf, der nur aus dem Namen der geschändeten
Stadt bestand.
Lane zog sich ab November 1861 aus dem aktiven Geschehen der Guerillas
zurück, unterstützte jedoch mit seinem immensen politischen
Einfluß mehrere Partisanenführer, mit denen er schon vorher
zusammengearbeitet hatte. Einer dieser Bandenchefs war James W. Montgomery,
ein ehemaliger Prediger aus Ohio, der über Kentucky und Missouri
nach Kansas gekommen war. Als geradezu fanatischer Sklavereihasser
setzte er alles daran, die Südstaatler in Kansas zu bekämpfen.
Er hatte sich eine schlagkräftige Truppe aufgebaut und am 25.
8. 1856 eine Gruppe Sklavereibefürworter überfallen und
beraubt, was den Beginn seiner Guerillakarriere markierte.
Montgomery, dessen Mannschaft noch vor 1861 von Lane in die Unionsarmee
übernommen wurde, schaffte sich bald einen Namen durch seine
Vorstöße nach Missouri, auf denen er hart gegen Sezessionisten
vorging und zahlreiche Sklaven befreite. Jeglicher militärischer
Rang und Autorisierung durch Jim Lane konnte aber nicht darüber
hinwegtäuschen, daß es sich hier um eine Freischärlerbande
handelte, die sich nicht um soldatische Disziplin oder strategische
Aspekte kümmerte, sondern allein an Bereicherung und „Bestrafung"
der Sklavereibefürworter interessiert war.
„Während des Sommers von 1861 war Dr. Joseph H. Trego,
Feldarzt in James W. Montgomerys Kansas-Kommando, nach eigenen Angaben,
angeekelt' von diesem Regiment. Die meisten waren, Verbrecher, die
der Truppe beigetreten waren, um eine Legitimation für ihre Plünderungen
zu erhalten. Die Offiziere förderten das schlimmste Benehmen
ihrer Männer, indem sie Befehle ausgaben, die legal klangen,
in Wirklichkeit aber darauf ausgelegt waren, wilde Ausschweifungen
zu genehmigen. . . . Trego begann, (seine) Verbindung zu diesem Regiment
zu bedauern, als Colonel Jennison drei Gefangene nach einem fingierten
Kriegsgericht erschoß und ihre Leichen in ein einziges flaches
Grab warf." (Fellman, Inside War, S. 152)
Bei der Beurteilung von Lanes und Montgomerys
Beiträgen zum Kriegsgeschehen darf allerdings eine wichtige Tatsache
nicht außer acht gelassen werden, nämlich die Befreiung
von Sklaven und ihre Organisation zu Truppen der Unionsarmee. Auf
seinen Streifzügen im Sommer 1861 hatte Lane als einziger Unionsoffizier
im Grenzgebiet Schwarze nicht ihren Besitzern zurückgegeben,
sondern sie zu einer „Black Brigade" organisiert, die den
Grundstock für sein späteres First Kansas Colored Regiment
legten. Diese Einheit zeichnete sich wegen ihres erfolgreichen Kampfes
gegen konföderierte Guerillas aus.
James Montgomery war der einzige Offizier des Bürgerkriegs, der
Schwarze als Guerillas gegen Südstaatler einsetzte. Trotz seiner
Vergehen in Kansas und Missouri kann ihm die Anerkennung für
seine Verdienste um die Aufnahme der ehemaligen Sklaven in die Armee
nicht abgesprochen werden. So ist es kein Wunder, daß Historiker,
die sich mit der Guerillakriegsführung in den Grenzgebieten befassen,
ihn als gemeinen Partisanen darstellen, während er für Benjamin
Quarles, den Autor des Werkes „The Negro in the Civil War",
„einer der fähigsten Guerillas und Stoßtruppführer
des Kriegs" war.
Montgomery hatte Kansas im Dezember 1862 verlassen und wurde später
zum Colonel der Second South Carolina Colored Volunteers ernannt,
mit denen er Raids in das von Konföderierten kontrollierte Küstenland
unternahm, die wesentlich zur Aufstellung weiterer Schwarzenregimenter
beitrugen.

Wie im Guerillakrieg üblich,
folgte Montgomery ein noch schlimmerer „jayhawker",
sein ehemaliger Colonel
Dr. Charles Rainsford Jennison
Jennison,
ein kleingewachsener Arzt aus New York, war 1858 nach Kansas gezogen
und ein Abolitionist aus leidenschaftlicher Überzeugung. Nach
seiner kurzen Liaison mit Montgomerys Guerillas stellte er eine eigene
Truppe auf und wurde durch die außerordentliche Brutalität
seiner Mound City Sharp's Rifle Guards zum Schrecken der Sezessionisten
im Grenzgebiet. Am 28. 10. 1861 übernahm Lane die Banditen als
das 7. Kansas Volunteer Cavalry Regiment, dessen Kommandeur nicht
die leiseste Ahnung von militärischen Regeln oder Verhalten hatte,
in die Armee, und die Einheit war bald als Jennison's Jayhawkers gefürchtet.
Am
14. 11. plünderten die Guerillas die immer wieder stark gebeutelte
Stadt Independence, tötete etliche Sezessionisten, die von den
Einwohnern ausgesondert werden mußten, und brannte die Siedlung
teilweise nieder. Auf seinen Raubzügen entlang der Grenze zerstörten
Jennisons Leute jedes einzelne Haus auf der Missouriseite, und einer
der Guerillas brüstete sich später damit, daß man
„an unserer linken Flanke Rauchsäulen von brennenden Häusern
und Scheunen über Meilen sehen" konnte. Dieses grausame
Verhalten wurde jedoch von General Halleck im Januar 1862 unterbunden,
indem er das Regiment zunächst ins Innere von Kansas und zwei
Monate später in die Wüste von New Mexico versetzte.
Während des Krieges waren es die Besatzungssoldaten, die als
„jayhawkers" unter der Bevölkerung gefürchtet
waren, da immer wieder Übergriffe aus den Reihen der Truppen
bekannt wurden, die sich aus mangelnder Disziplin, Langeweile fernab
des Kriegsgeschehens und Bereicherungslust ergaben. Die zuständigen
Militärgerichte waren weit entfernt in St. Louis, und so blieb
den geschädigten Siedlern meist nichts anderes übrig, als
Listen der gestohlenen Güter anzufertigen und darauf zu hoffen,
daß sie später entschädigt würden, was in der
Mehrzahl der bekannten Fälle auch geschah.
Kavallerieraids der Nordstaaten erlangten im Bürgerkrieg bei
weitem nicht die Bedeutung wie die ihrer Gegner. Das lag zum größten
Teil daran, daß die Armeeführung der Union die Kavallerie
viel zu lange als Teilstreitmacht vernachlässigte. Erst Philip
Sheridan führte die Wirksamkeit von Vorstößen in Feindgebiet
dramatisch vor Augen. Andere Reiteroffiziere, die sich an dieser Guerillataktik
versuchten - James Wilson, Hugh Kilpatrick und George Stoneman -,
waren in den ersten Kriegsjahren - was ihre Effektivität betraf
- bestenfalls teilweise erfolgreich.
Dennoch soll
an dieser Stelle auf zwei Raids eingegangen werden, die beide in ihrer
Art bemerkenswert waren. Am 17. 4. 1863 brach Colonel Benjamin Grierson
mit 1700 Reitern der 6. Illinois, 7. Illinois und 2. Iowa Regimenter
und einem Detachment der 1. Illinois Artillery von La Grange im südwestlichen
Tennessee zu einem bis dahin in der Union beispiellosen Raid durch
Mississippi auf. Er sollte General Grant bei seinem Angriff auf Vicksburg
den Rücken freihalten und gleichzeitig die Aufmerksamkeit der
Konföderierten auf sich ziehen. Grant selbst hatte diese Operation
vorgeschlagen und Grierson, ein 36jähriger Musiker aus Ohio,
führte die Freiwilligen, die wie er selbst zwar relativ unerfahren,
aber um so einsatzfreudiger waren, in der laut Sherman „brillantesten
Expedition des Bürgerkrieges".
Unterwegs hatten die Nordstaatler Gelegenheiten genug, sich zu bewähren.
Am 21. 4. verließ das Iowa-Regiment die Truppe und ermöglichte
Grierson durch seine Ablenkung der örtlichen Südstaatler
die Weiterführung seines Raids. Danach kämpften sich die
Soldaten gegen Guerillas der Mississippi Rangers und reguläre
Truppen unter Colonel Wirt Adams und Major James De Baun bis nach
Louisiana durch. Am 2. 5. marschierten die Illinois-Regimenter unter
stürmischem Beifall in Baton Rouge ein, nachdem sie 600 Meilen
zurückgelegt, Telegraphenleitungen durchtrennt, Versorgungswege
unterbrochen und vor allem mehrere Meilen der für Pemberton lebenswichtigen
Vicksburg Railroad zerstört hatten.

US Major General
George Stoneman
Major General
George Stoneman, ein Klassenkamerad von Stonewall Jackson und George
McClellan in West Point, hatte bereits zwei erfolglose Raids in Virginia
und Georgia hinter sich, als er am 6. 12. 1864 von General John M.
Schofield den Auftrag erhielt, einen Vorstoß in das südwestliche
Virginia zu unternehmen, den er mit Bravour ausführte. Auf diesen
Erfolg hin autorisierte ihn Grant, mit etwa 6000 Soldaten von Tennessee
aus nach North Carolina aufzubrechen und dort wichtige Nachschublager
von General Johnstons Armee zu zerstören.
Stonemans Truppe bestand aus neun Regimentern, von denen vier besondere
Beachtung verdienen und die Bedeutung des Raids bedingen. Die 15.
Pennsylvania Cavalry hatte sich bereits in den Jahren zuvor als eine
der wenigen Kavallerieeinheiten einen Namen als extrem disziplinierte
und schlagkräftige Reiterei erworben, die sich vor allem im Kampf
gegen Guerillas in Tennessee und North Carolina bewährt hatte.
Drei andere Regimenter unter dem Kommando von Brigadier General Alvan
C. Gillem bestanden aus Einwohnern der Bergregionen, die aufgrund
ihrer unionistischen Überzeugung zu Beginn des Krieges unter
schweren Mißhandlungen seitens der Sezessionisten ihrer Gegenden
hatten leiden müssen und oftmals aus North Carolina vertrieben
worden waren.
Sie wurden
von Stoneman „Kosaken" genannt und zeichneten sich sowohl
durch ihren Haß auf die Konföderierten als auch durch ihre
Disziplinlosigkeit aus. Verständlicherweise traten bei Zusammenstößen
dieser Soldaten mit Südstaatlern erhebliche Gewalttätigkeiten
auf.
Stoneman begann seinen Raid am 23. 3. 1865 in Morristown und bewegte
sich von Nordwesten her über die Berge nach North Carolina. Seiner
Nachhut folgte George Kirk mit seinen „Home Yankee" Second
North Carolina Mounted Volunteers, einer wilden Bande Guerillas, die
ähnliche Gefühle hegten wie Gillems Soldaten und sich dementsprechend
benahmen.
Stoneman betrachtete
Kirk als Schutz für seinen Rückzug, und der ließ in
jeder Siedlung, durch die die Nordstaatler zogen, einige seiner Männer
zurück, die die Einwohner bestahlen und bedrohten. Am 29. überrannte
das Ohio-Regiment Wilkesboro und von dort aus zog Stoneman nach Virginia,
wo er bei Salem die Tennessee-Lynchburg Railroad zerstörte, um
daraufhin wieder nach North Carolina zurückzukehren.
Nachdem er 2000 Gefangene, hauptsächlich Partisanen und Milizen,
eingebracht hatte, kehrte Stoneman am 23. 4. nach Tennessee zurück,
nachdem er von Johnstons Kapitulation gehört hatte. Trotz seiner
Erfolge war der Raid zu spät angesetzt, um noch eine entscheidende
militärische Bedeutung zu erhalten.
Nach
dem Krieg
Die wenigsten
der Guerillaführer überlebten ihr extrem gefährliches
Handwerk bis nach Kriegsende. Die meisten wurden im Kampf mit feindlichen
Einheiten oder Partisanen des Gegners getötet. So kamen Morgan,
McNeill und Ashby um, genauso wie Anderson und Todd. Quantrill überlebte
nur ein paar Monate, bis auch er getötet wurde. Diejenigen, die
nach der Kapitulation des Südens noch lebten, hatten nur selten
die Möglichkeit, ein geregeltes Leben aufzunehmen, wie es John
Mosby tat. Guerillas wurden als Kriegsverbrecher verfolgt und konnten
mit keiner Amnestie rechnen, außerdem wollte kaum einer der
ehemaligen Freischärler unter der Herrschaft des Nordens wieder
in die Union eintreten.
Viele der Partisanen gingen nach der Niederlage in den Westen, wo
sie unerkannt weiterleben konnten. Texas wurde zu einem wahren Auffanglager
für ehemalige Guerillas, die von dort aus leicht westwärts
ziehen und sich in den aufstrebenden Städten der neu erschlossenen
Gebiete Arbeit suchen konnten. Einige gingen auch nach Mexiko und
noch weiter südlich, teils als Söldner in Kaiser Maximilians
Armee, teils um einfach unterzutauchen und ihrer Bestrafung zu entgehen.
Das Lied mit dem Titel „Oh, I'm a good old Rebel", das
oft fälschlich als Südstaatenlied ausgegeben wird, wurde
tatsächlich erst nach dem Krieg in Texas von unbeugsamen ehemaligen
Konföderierten aufgebracht.
Zu den Männern, die sich im Westen eine neue Existenz aufbauen
wollten, gehörten auch die Brüder James, die mit ihren Verwandten
Cole und Jim Younger in Bill Andersons Guerillabande mitgeritten waren.
Die Legendenbildung um ihre späteren Untaten trat parallel zur
Heroisierung des „noble guerilla" in den Südstaaten
nach dem Krieg ein, die die Partisanen als die Vertreter ihrer Sache
verherrlichten, die sich niemandem beugen wollten. Hierbei verhält
es sich mit den Überlieferungen über das Wirken von Jesse
James ähnlich wie mit den Geschichten der Guerillas in Kriegszeiten.
James war genausowenig der Robin Hood des Westens wie die Partisanen
die Verfechter der amerikanischen Freiheitsideale darstellten.

Captain John
Jarrett, erst Guerilla dann Bandenmitglied bei Jesse James.
Diejenigen der
Guerillas, die nach der Kapitulation des Südens in den Vereinigten
Staaten blieben, verwandten nach dem Krieg viel Zeit darauf, ihre
Aktivitäten zu rechtfertigen. Wie die meisten ehemaligen Konföderierten
mußten sie ihre Sache legitimieren, um als gerechte Kämpfer
einer noblen Sache gelten zu können. Von den Biographien, Erzählungen
und Gedichten, die gleich nach dem Bürgerkrieg erschienen, wurde
ein erheblicher Teil von den Mitgliedern oder Anführern alter
Guerillabanden verfaßt.
Ein weiteres Element der nachträglichen Legitimierung waren Veteranentreffen
der Freischärler, die genauso gefeiert wurden wie die der regulären
Truppen. So trafen sich die Guerillas, die unter Quantrill und Anderson
geritten waren, regelmäßig zu solchen Veteranenfeiern.
Waren sie bereits während des Krieges in ihrer Überzeugung
die wahren Rebellen und Verteidiger des Südens gewesen, so steigerte
sich ihre selbstgerechte Auffassung in den Jahren nach 1865 mit wachsender
Verdrängung der Kriegsgreuel und zunehmender Glorifizierung unter
der als ungerecht angesehenen Rekonstruktion fast bis ins Märtyrertum.
Die literarische Reinwaschung
der Guerillas in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist
hauptsächlich dem Schriftsteller John Edwards zu verdanken, der
in der Zeit der aufkommenden Pionier- und Heldenromane das in seinen
Augen ritterliche Wirken der Partisanen einer breiten Öffentlichkeit
vorstellte.
„Von den vielen Ex-Guerillas, die ihre Memoiren schrieben, wandten
sich alle hungrig dem gleichen Nachkriegs-Wiederaufbau ihrer Ehre
zu, um sich selbst zu rechtfertigen. Die öffentliche Kodifizierung
des Guerillas als dem edlen Helden, der sie folgten, war hauptsächlich
das Werk eines Mannes, John N. Edwards, in seinem Buch von 1877 Noted
Guerillas. Edwards, ein Missourianer, hauptberuflicher Journalist
und ehemaliger Kavallerist unter j. O. Shelby, konstruierte einen
Satz von Symbolen, der in bezug auf die Guerillas des Krieges großen
Einfluß auf alle nachfolgenden Schriftsteller hatte. Er schuf
eine Besetzung von heldenhaften Männern, die wesentliche Stellen
in der Darstellung des Westernhelden in der populären Presse
des späten 19. Jahrhunderts einnahmen. " (Fellman,
Inside War, S. 249)
Für Edwards waren alle Guerillas mystische Figuren, deren brutale
und kompromißlose Charakterzüge lediglich die Schattenseiten
der Feinde widerspiegelten, von denen den unschuldigen Helden übel
mitgespielt worden war. Um sich an den Nordstaatlern rächen zu
können, mußten die Partisanen ähnlich barbarische
Methoden anwenden wie die Yankees, die den Süden seiner Lebensgrundlage
berauben wollten. Jeder Guerilla war ein vorbildhafter Held, der die
Tugenden der Konföderation verkörperte, und von diesen Rittern
war William Quantrill der schillerndste.
Edwards war mit seinen Schilderungen so erfolgreich, daß sich
sogar die Autoren der oft zitierten und als Standardwerk angegebenen
Official Records des amerikanischen Bürgerkrieges auf sein
Buch bezogen und nach seinem Vorbild Quantrill in den Mittelpunkt
des Guerillakrieges stellten, was keinesfalls den wirklichen Verhältnissen
entspricht. Mag auch Quantrill die bekannteste und sicherlich eine
der interessantesten Figuren dieses Konflikts gewesen sein, so war
er doch in keiner Weise die wichtigste.
Quantrills Bande muß im
Kontext mit zahlreichen anderen Partisanengruppen gesehen werden,
die das Grenzgebiet mit ihrem Terror überzogen. Einzigartig in
ihrer Dimension und wahrscheinlich ausschlaggebend für Quantrills
Berühmtheit war allerdings die Plünderung von Lawrence.
Die Bedeutung des Guerillakrieges wurde erst sehr spät erkannt.
Mit ihren Operationen gegen militärische Ziele und ihrer unbestrittenen
Überlegenheit in heimischen Gebieten waren die Partisanen in
der Lage, die Armeen des Nordens oft stark zu behindern. Hätte
die Führung in Richmond dem Drängen verschiedener Politiker
und Militärs nachgegeben und die Guerillakriegsführung uneingeschränkt
gefördert, so hätte sie das Leben der Konföderation
nach Auffassung etlicher Historiker erheblich verlängern können.
Edwards ging sogar so weit, zu behaupten, daß der Süden
gewonnen hätte, wenn alle Soldaten der Südstaaten den Guerillakrieg
aufgenommen hätten.
Trotz der äußerst kühnen These von Edwards bleibt
die Frage offen, welchen Einfluß eine verstärkte Guerillakriegsführung
auf den Verlauf des Konflikts gehabt hätte. in der Studie Why
the South Lost the Civil War legen die Autoren dar, daß
man dem Süden im Falle eines Partisanenkrieges durchaus Chancen
hätte einräumen müssen. In diesem Fall nämlich
„hätte der Süden praktisch unverdaulich für eine
föderierte Armee gemacht werden können" da der
Norden dann die gesamten konföderierten Staaten hätte besetzen
müssen, was absolut außerhalb des Möglichen gewesen
wäre.

Von allen Partisanen
des Südens war es nur John Singleton Mosby vergönnt,
nach dem Krieg eine neue Karriere zu beginnen.
Mosby, „eine Mischung aus südlichem Idealisten und
nördlichem Pragmatiker", war nach der Ansicht seines
brillanten Biographen Kevin H. Siepel im Gegensatz zu den verbrecherischen
Heckenschützen die wahre Verkörperung eines Rebellen.
Er war stets nur seinem Gewissen gefolgt und hatte sich zahlreiche
Feindschaften zugezogen, doch wer seine Freundschaft gewonnen hatte,
konnte sich ihrer ein Leben lang sicher sein. Vor dem Ausbruch des
Krieges hatte sich Mosby geweigert, in das hysterische Geschrei gegen
den Norden einzustimmen. Während des Krieges hatte er ihm empfindliche
Verluste beigebracht, und nach Kriegsende schlug er zum Entsetzen
der konservativen Demokraten des Südens eine politische Laufbahn
in der Unionsregierung ein.
Mit seiner unerbittlichen Verfolgung von korrupten Beamten während
seiner Zeit als Konsul in Hongkong, mit dem Appell an seine Landsleute,
daß der Krieg vorbei war und der Süden verloren hatte,
und mit seiner Drohung, daß ein unkooperativer Süden sich
selbst ein größerer Feind sei als ein siegreicher Norden,
blieb Mosby ein Rebell und war der einzige, der den Partisanenkrieg
- nun auf politischer Ebene - fortführte.