Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr

Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© Paul Trachtmann 1974 »Die Revolverhelden«
© Paul O'Neil 1981 »Das Ende und die Legende«

© Dietmar Kügler 1976 »Sie starben in den Stiefeln«
© Bill O’Neal 1979 »GUNFIGHTER«



Gunfighter (Revolvermänner)

 


»Eine eigene Rasse waren sie, diese Räuber und Mörder des Wilden Westens. Geboren in einer Zeit der Umwälzungen, kochte in ihnen die Unrast,
die sie ungehemmt umhertrieb, weil es keine Zivilisation gab, die ihnen die nötigen Hemmungen hätte einimpfen können.«
James D. Horan in THIS IS THE WEST, 1964

 

Drei Rinderdiebe, posieren für eine Aufnahme
im Photo-Atelier mit ihren Waffen -
eine Gepflogenheit vieler Revolverhelden

 

Im Sommer 1904 krachten auf der staubigen Hauptstraße des Städtchens Quartzite in Arizona mehrere Schüsse. Einer von zwei Männern, die sich mit gezückten Revolvern gegenüberstanden, brach blutend zusammen. Sein Gegner ließ sich widerstandslos festnehmen und wurde wenig später mit der Bescheinigung, in »Notwehr« gehandelt zu haben, wieder freigelassen. Das letzte klassische Revolverduell des »Wilden Westens« hatte stattgefunden.
Die Zeit der rauchenden Colts, in der ein Mann zu Ruhm und Ehre kommen konnte, nur weil er seinen Revolver schneller zog als andere, war vorbei. In der Realität. Nicht aber in der Phantasie geschäftstüchtiger Manager einer aufblühenden Unterhaltungsindustrie. Sie nahmen sich der pulverdampfgeschwängerten Pionierzeit Amerikas an und ließen sie wieder aufleben. Sie lieferten den verstädterten Amerikanern der Oststaaten, und später den nach Ferne, Exotik und Abenteuern lechzenden Europäern, gebannt auf Zelluloid und Papier, ein romantisiertes Bild dieser Zeit frei Haus, eine Traumwelt, die sich gut verkaufen ließ, die es aber nie gegeben hatte.

Dabei wäre eine Verfälschung der Tatsachen nicht nötig gewesen. Die Wirklichkeit bedurfte keiner Übertreibungen. Es hat sie gegeben, jene Männer, die im Laufe ihres Lebens dreißig, vierzig und mehr Kerben in den Griff ihres Revolvers schnitzten, wobei jede Kerbe für den Tod eines Gegners stand. Es hat sie gegeben, die Männer, die davon lebten, daß sie ihre Waffen schneller und sicherer handhabten als andere, auch wenn sie wenig gemein hatten mit jenen in Leder gepackten Wunderschützen, die heute in Tausenden von Filmen auf der Leinwand reiten, schießen, küssen, siegen und - sterben. Sie waren anders als die strahlenden Helden, deren Abenteuer Sonntag für Sonntag von den Fernsehschirmen flimmern. Ihre Erlebnisse und Taten sind Geschichte, von Legenden verklärt, von cleveren Drehbuchautoren aufbereitet, in Klischees gegossen und häufig genug zur Karikatur verzerrt.

 

Das schmerzverzerrte Gesicht des verletzten Bösewichts (diesmal der Gesetzesvertreter), der die Waffe fallen läßt, war ein Markenzeichen von Schießereien in frühen Wildwestfilmen. Der Schauspieler Johnny Mack Brown (rechts) in »Range Law« von 1944

 

Der Wilde Westen war Wirklichkeit, seine Marshals aber hießen nicht Matt Dillon und waren keine geborenen Helden. Seine Banditen waren keine Nachfahren Robin Hoods. Gesetzeshüter, Revolverhelden, sie repräsentierten in ihrer Mehrheit einen Typus Mensch, der nur in einer Ära der Gewalt und des Terrors gedeihen konnte, denn ihre geistige und gesellschaftliche Konstitution war zutiefst anarchisch und asozial. Während sie jegliche Ordnung, die ihnen irgendwelche Beschränkungen auferlegte, ablehnten, übten sie gleichzeitig gegenüber ihren Mitbürgern eine illegitime, nur auf ihre Revolver gestützte, geradezu despotische Macht aus. Für sie galt nur ihr eigenes Gesetz, das des Colts. Sie waren geprägt von dem hemmungslosen und amoralischen Charakter ihres zeitlichen und geographischen Umfelds. Und nur im Rahmen der Zeit, in die sie hineingeboren wurden, und des Landes, in dem sie aufwuchsen, dürfen sie, die unter normalen Lebensbedingungen vermutlich untergegangen wären, beurteilt werden.

Sie waren Abenteurer. Der Mann mit dem Stern des Gesetzes am Hemd genauso, wie der Outlaw. Und die Fronten zwischen ihnen waren fließend und wurden oft gewechselt. Die Gebrüder Dalton aus Oklahoma sind dafür nur ein Beispiel unter vielen. Aus ehrbaren, biederen Farmern wurden tüchtige Gesetzesvertreter, die schließlich als gefürchtete Banditen endeten, die an einem schwülen Herbsttag in den Straßen einer Kleinstadt, deren Bank sie hatten überfallen wollen, von Sheriffs und Bürgern zusammengeschossen wurden. Sie starben in den Stiefeln, wie so viele andere vor und nach ihnen. Aber ihre Namen lebten weiter, in den Legenden und Mythen, die an einsamen Winterabenden an den Kaminen und in verräucherten Saloons von Mund zu Mund gingen, die von routinierten Journalisten und Abenteuerschreibern mit vielen phantasievollen Details gespickt an eine sensationshungrige Leserschaft weitergegeben wurden, die schließlich ihren Niederschlag in Geschichtsbüchern fanden.

Dabei waren die Motive ihres Handelns, und das galt für fast alle, die mit dem Revolver in der Faust auszogen, den Westen zu erobern, nicht edel, sondern von krassem Egoismus geprägt. Sie, die Banditen und die Sheriffs, hatten nur eines im Sinn: Sie wollten in einer wildbewegten Epoche, in der fast alle Regeln der menschlichen Zivilisation außer Kraft waren, um jeden Preis überleben. Nicht mehr und nicht weniger. Dieses Ziel verfolgten sie mit aller Energie, die sie aufzubringen in der Lage waren, und mit aller Rücksichtslosigkeit, die dem gewalttätigen Geist ihrer Zeit entsprach. Mehr als andere hatten sie begriffen, daß in chaotischen Zeiten nur der Stärkste eine Chance hat, zu bestehen. Das Faustrecht regierte, und sie machten es zu ihrem Prinzip. Kaum einer von ihnen wollte Geschichte machen. Die wenigsten haben geahnt, daß knapp hundert Jahre später Helden aus ihnen gemacht werden würden.

 

Frank M. Canton, erst Bankräuber, dann Sheriff von Johnson County, im Winter von Wyoming.

 

Männer wie William Cody, der als der skrupellose Büffelschlächter »Buffalo Bill« Weltruhm erlangte, der publicitysüchtige Wild Bill Hickok oder der geschäftstüchtige Wyatt Earp waren in diesem Punkt Ausnahmen. Sie erkannten schnell, daß die zivilisierte Welt von der Exotik des Wilden Westens fasziniert war. Sie machten aus sich selbst ein Geschäft. Aber auch notorische Lügner und Aufschneider wie diese drei haben es sich wohl nicht träumen lassen, was die Unterhaltungsindustrie, die zu ihren Lebzeiten noch in den Kinderschuhen steckte, aus ihnen machen würde. Wyatt Earp wäre heute ein reicher Mann, angesichts der Roman-, Fernseh- und Filmserien, die über ihn produziert worden sind, und das, obwohl die Schüsse, die er im Namen des Gesetzes abgefeuert hat, an den Fingern einer Hand abzählbar sind.

Und ob der Schlagetot Wild Bill Hickok wirklich die Verehrung ganzer Volksmassen verdient hat, die er schon zu Lebzeiten genoß, ist zweifelhaft, bedenkt man die Tatsache, daß dieser Western-Heroe in Wahrheit nichts als ein vagabundierender Strolch war, ein skrupelloser Killer, der Revolverduellen mit wirklich gefährlichen Männern auswich, andere dagegen, die gegen seine oft geübten Schießkunststücke keine Chance hatten, reihenweise abknallte. Allenfalls die Freudenhausabenteuer des potenten Hickok dürften heute noch Anerkennung finden. Von diesen aber weiß kaum jemand etwas.

Auch er starb in den Stiefeln, wie ein Slangausdruck aus der Cowboysprache den gewaltsamen Tod eines Mannes umschrieb. Und obwohl von diesem Mord eine auflagenstarke Presse monatelang gut lebte, weinte ihm in den Regionen, in denen er gelebt, geliebt und gemordet hatte, niemand eine Träne nach. So wie er endeten die meisten, die zu einem normalen Leben nicht fähig waren und den Revolver wie eine Prothese brauchten, ohne die sie nicht hätten laufen können. Neurotiker, perverse Sadisten, mordlustige Schießer, Geisteskranke und auch einfach Verzweifelte stellten die Masse der Revolverhelden. Sie fanden alle das gleiche Ende.

Aufrechte Kämpfertypen dagegen, die im Grunde auch nur im Wilden Westen ihre Chance hatten, die ihre Fähigkeiten in den Dienst der Gemeinschaft stellten und gradlinig und fair ihren Weg gingen, wie die US-Marshals Chris Madsen und Heck Thomas, fanden kein dramatisches Ende. Sie starben so, wie die meisten Menschen, friedlich im Bett. Sie alle, die Guten und die Schlechten, schrieben auf ihre Art ein Kapitel der amerikanischen Pioniergeschichte. Sie schrieben es mit dem Revolver in der Faust, mit Pulver und Blei, sie schrieben es mit Blut.

Den Wilden Westen, den sie in seiner ganzen Totalität repräsentierten, hätte es ohne sie nicht gegeben. Sie waren menschliche Extremitäten, die es nicht mehr gibt und nicht mehr geben wird, auch wenn sich in ihnen ein Teil des amerikanischen Volkscharakters manifestierte. Ihr zwielichtiger Ruhm wird noch heute mit viel Profit verramscht. Die Revolvermänner der Pionierzeit Amerikas posthum zu Helden zu machen, wäre unangemessen, sie zu vergessen aber auch.



Spitznamen der Revolvermänner

Die Menschen des amerikanischen Westens hatten eine Vorliebe für Spitznamen.
Oft und gerne belegten die Bewohner dieser letzten Grenze sich und ihre Zeitgenossenmit schmückenden Beifügungen, von Buffalo Bill Cody bis zu Snakehead Thomson.
Die Gunfighter, die zu den schillerndsten und bekanntesten Männern des Westens zählten, wurden so häufig mit Beinamen versehen, daß man bei vielen nicht weiß,
wie sie wirklich heißen.

Billy the Kid zum Beispiel wurde nur selten Henry McCarty genannt, und noch heute ist man allgemein der Ansicht, sein Geburtsname habe William Bonney gelautet.
Jesse James wurde häufig als Dingus bezeichnet, John Calhoun Pinckney Higgins wurde Pink genannt, George Weightman taufte man Red Buck, John Long hieß selbstverständlich Long John, und Henry Andrew Thomas kannte man nur als Heck. George Newcomb hatte einst für John Slaughters gearbeitet und wurde daher Slaughter`s Kid genannt, und weil er so oft »ich bin ein wilder Wolf aus Bitter Creek/Und heut nacht muß ich heulen« sang, gab man ihm den Spitznamen »Bitter Creek«.
William Bartholomew Masterson wurde unter dem Namen Bat bekannt, wobei unklar ist, ob dies von seiner Angewohnheit herrührte, Gesetzesbrechern den Rohrstock über den Kopf zu ziehen (bat=Keule, Schläger), ob es sich um eine Kurzform seines zweiten Vornamens handelt, den er später in Barcley änderte, oder ob damit seine Kämpfernatur (battle=das Gefecht, die Schlacht) umschrieben werden sollte.


Dazu gab es diverse Variationen von »Bill»;
Buffalo Bill Brooks, Cherokee Bill (Crawford Goldsby), Curly Bill Brocius (William Graham), Wild Bill Hickok und Wild Bill Longley, Old Bill Miner, Billy the Kid Claiborne, Texas Billy Thompson und Little Bill Raidler.

 

 

Buffalo Bill Brooks, der erste gewählte Marshal von Newton, Kansas. Später wurde er im Beisein seiner Frau wegen Rinderdiebstahls gelyncht.
(Boot Hill Museum, Dodge City, Kansas)

 

 



Zahlreiche Beinamen bezogen sich auf äußerliche Merkmale.
So gab es zum Beispiel einen Broken Nose Jack McCall oder Big Nose Curry, einen Longhaired Jim Courtright,
einen Black Faced Charlie Bryant, einen Buckskin Frank Leslie, einen Red Hall und Red Beard, einen Big Steve Long,
den Big Indian (Bob Olinger), einen Three-Fingered Jack Dunlap und einen Cockeyed Frank Loving. Will Christian war aufgrund
seines dunklen Teints als Black Jack bekannt, und wegen seines Körpergewichts wurde er häufig Two-OTwo genannt.

BUCKSKIN FRANK LESLIE ging durch die Straßen Tombstones mit seinem schußbereiten Revolver in einer Gürtel-Spezialkonstruktion.
Angeblich benutzte er bei Schießübungen seine Frau als Ziel, indem er sie vor eine Wand stellte und ihre Figur mit Schüssen umriß

 

 


Bestimmte Charakterzüge schlugen sich in Spitznamen wie Rowdy Joe Lowe, Happy Jack Morco,
Bully Brooks, Mysterious Dave Mather, Human Wildcat (Juan Soto), Bearcat (Henry Starr), und Wild Charlie (Zip Waytt) nieder. Es gab eine Vielzahl von »Kids«: Billy the Kid McCarty und Billy the Kid Claiborne, Harry the Kid (Harry Head), Slaughter`s Kid (Georg Newcomb), Mormon Kid (Matt Warner), Kid Curry (Harvey Logan), und Sundance Kid (Harry Longabaugh).

 

Sitzend von links: Harry Longabaugh, Ben Kilpatrick, und Butsch Cassidy
Stehend von links: Will Carver, und Harvey Logan
(Western History Collections, University of Oklahoma Library)

 

 

 



Häufig bezogen sich die Spitznamen auf berufliche Vorlieben.
Der Berufsspieler John O`Rourke wurde Johnny-Behind-the-Deuce genannt, und der Bank- und Eisenbahnräuber Dan Clifton wurde als Dynamite Dick bekannt. Der Zahnarzt John Holliday wurde gemeinhin Doc genannt, desgleichen Samuel Cummings, J.G. Scurlock und
C.W. Shores, obwohl letztere niemals als Mediziner praktizierten.

Ihren militärischen Rang verdankten Cap (von Captain) Mossmann und Cap Whitney, der die Arizona Rangers und eine Milizkompanie befehligt hatte, ihren Beinamen. Commodore Perry Owens allerdings war niemals Marineoffizier gewesen. Jim Miller, ein berüchtigter Mörder,
wurde allgemein als Killer Miller, Killin'Jim und Deacon bezeichnet -wenn auch vermutlich nicht in seinem Beisein.

Commodore Perry Owens, einige Jahre nachdem er 1887 bei einer Schießerei vier Männer getötet hatte.
(Arizona Historical Society)

 

 

 

 




Killin' Jim Miller (links außen) soll kaltschnäuzig darum gebeten haben, man möge ihm seinen Hut aufsetzen,
ehe er in Ada, Oklahoma, gemeinsam mit den drei Männern gelyncht wurde, die ihm den Auftrag zur Ermordung des Ranchers A. A. Bobbitt (Bild in Bild rechts oben) erteilt hatten.
(Western History Collection, University of Oklahoma Library)

 

 

 

 

Das Rüstzeug der Revolvermänner


„Nicht Gott hat alle Menschen gleichgemacht", hieß es oft im Wilden Westen, „das hat Colonel Colt getan."
Was aber die Schießeisen betraf, so waren manche Menschen gleicher als andere. So wählten die Revolverhelden ihre Waffen mit peinlicher Sorgfalt aus.
Tausende von Männern im Grenzland hatten aus dem Bürgerkrieg Handfeuerwaffen mitgebracht, - Revolver, deren rotierende Trommelkammern mehrere Schuß enthielten. Aus ihnen wurde eine Art selbstgebastelte Munition abgeschossen, die aus einer Kugel, dem Schießpulver und einem Zündhütchen bestand.
Doch war diese Munition allzu anfällig; wenn nicht sehr sorgfältig geladen wurde, konnte es Versager geben, sogar Kettenreaktionen,
bei denen die Patronen der danebenliegenden Kammern auch noch explodierten.

Diese Probleme wurden bald durch die Entwicklung von Metallpatronen gelöst. Der erste Metallpatronen-Revolver, der sich als Standard-Handfeuerwaffe in der Nachkriegsarmee durchsetzte, war der bösartig als Colt's Peacemaker 1873 (Friedensstifter) bezeichnete. Dieser Single-Action-Revolver (sein Hahn mußte von Hand gesondert gespannt werden), in großer Zahl auf dem freien Markt und im Versandhandel verkauft, wurde ganz schnell zu der Waffe, die am häufigsten von Revolverhelden gezogen wurde. Doch der zuverlässige Peacemaker hatte einen Nachteil. Der verhältnismäßig kurze Lauf - 20 Zentimeter oder weniger - verminderte die Geschoßenergie und die Treffgenauigkeit. Ein Experte konnte zwar durchweg ein stehendes, mannshohes Ziel auf fast 40 Meter Entfernung treffen, im Chaos des Kampfes betrug die effektive Reichweite des Revolvers jedoch weniger als die Hälfte.

Deshalb erweiterten die meisten Revolverhelden ihr Arsenal um ein Gewehr oder eine Schrotflinte. Selbst mit diesen größeren Waffen und ihrer tödlichen Feuerkraft und den Revolvern für den Nahkampf hielten sich einige Revolverhelden für ziemlich schlecht gerüstet, so daß sie ihrem Eisenvorrat noch eine Westentaschen-Pistole hinzufügten. So eine kleine versteckte Feuerwaffe war zwar ungenau, aber sie besaß einen unvergleichlichen Überraschungseffekt bei den Kämpfen jener Westernhelden.



COLT NAVY .36
Die amerikanische Marine verwandte ein kleineres Kaliber als die Armee. Damit wurde dieses leichte 1851er Model bei Zivilisten beliebt;
ab 1873 wurde es nicht mehr hergestellt.




REMINGTON NEW MODEL ARMY .44

Diese Handfeuerwaffe, 1858 patentiert, war treffgenauer und robuster als die entsprechenden Colt-Perkussions-Revolver.




STARR DOUBLE-ACTION ARMY .44

Dieses Model kam 1860 auf den Markt und war einer der ersten Revolver mit Spannabzug.




CLASSIC PEACEMAKER .45

Das Model mit dem l9-cm-Lauf (7 1/2 inches) kostete im Versandhandel 17 Dollar.





SHORT BARREL PEACEMEAKER .45

Das Model mit Rankengravur hatte einen 12-cm-Lauf (4 3/4 inches), eine Lauflänge, die Revolverhelden für schnelles Ziehen bevorzugten




SHERIFFS MODEL PEACEMEAKER .45

Diese besonders kurzläufige Variante (ohne Hülsenausstoßer) wurde manchmal auch als Ladentisch-Modell bezeichnet





SMITH & WESSON SCHOFIELD.45

Dieser Single-Action-Revolver wurde 1875 zum erstenmal hergestellt. Auf ihn fiel die Wahl von Jesse James.





EAGLE BUTT PEACEMAKER .45
Der Perlmutt-Griff zeigt den mexikanischen Wappenadler.




PEACEMAKER .45   MIT SCHNELLSCHUSS-GÜRTELGELENK
Diese Waffe wurde mit einer Hahnachsverlängerung in den Führungsschienen einer Gürtelplatte des Trägers befestigt und konnte mit einer Drehung
aus der Hüfte geschossen werden.






PEACEMAKER .45 ZWILLINGE
Wenn Geld keine Rolle spielte, konnte der stilbewußte Revolverheld ein Paar gravierte Sechsschüsser mit Elfenbein-Griffen in verzierten Holstern tragen. Preis: 100 Dollar.





Die Winchester Company preist ihr überaus gewinnbringendes Patronen Angebot für alle möglichen Gewehre, Flinten und Faustfeuerwaffen an.







Ein Revolverheld konnte einen möglichen Gegner vielleicht allein durch sein Auftreten abschrecken. Aber wenn ein Kampf unvermeidlich war
und die Umstände die Wahl der Waffen zuließen, dann griff jeder Schütze nach Gewehr oder Schrotflinte - vorzugsweise nach letzterer.
Gewehre und Karabiner (leichte Gewehre mit kürzerem Lauf) waren oft noch bei einer Reichweite von mehr als 200 Metern genau und einfach zu benutzen.

Zwar hatte die Schrotflinte nur etwa ein Fünftel der Reichweite von Gewehren - oder noch weniger, wenn zur leichteren Handhabung der Lauf abgesägt war -,
aber keine andere Waffe war gefährlicher, denn eine Schrotladung aus kurzer Entfernung konnte einen Menschen in Stücke reißen.




HENRY .44 RIFLE
Dieses Modell aus dem Jahre 1860 war das erste praktische Unterhebel-Repetiergewehr


 



WINCHESTER 73 im Kaliber .44-40
Gewehr-Futteral ca. 1880



 


REMINGTON 10-GAUGE SHOTGUN

Das Standardmodell der Firma besaß einen 70-cm-Doppellauf (28 inches).



 


AMERICAN ARMS 12-GAUGE SHOTGUN MIT ABGESAGTEN CHOKE-MÜNDUNGEN

Die Revolverkämpfer sägten oftmals die Läufe ab, damit die Waffen schneller zu handhaben waren und auf kurze Distanz stärker streuten.





Schießereien der Revolvermänner

 

Die meisten Schießereien, so wird zum Beispiel deutlich, ereigneten sich zwischen den siebziger und den frühen achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts; in den neunziger Jahren kam es dann zu einem kurzen Wiederaufflackern. Im Grunde begann die Epoche der Gunfighter erst nach dem amerikanischen Bürgerkrieg, der zu erheblichen technischen Verbesserungen der Schusswaffen führte und in dessen Verlauf Tausende junger Männer an der Front dienten. Zwar endete diese Epoche offiziell um die Jahrhundertwende, doch letzte Beispiele dieser Gunfighter-Tradition lassen sich noch bis in die zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts verfolgen, etwa als 1924 der Ordnungshüter Bill Tilghman niedergeschossen wurde und Polizisten den Outlaw Roy Daugherty töteten.

Texas war der gefährlichste Staat im ganzen Westen; allein dort fanden während der Epoche der Gunfighter insgesamt 160 Schießereien statt. Der Bundesstaat Kansas, dessen Rinderstädte allerlei Revolvermänner anlockten, und New Mexico, wo es aufgrund des Lincoln Country Krieg allein im Jahr 1878 zu mehr als 20 Schießereien kam, waren der Schauplatz von jeweils über 70 Revolverkämpfen. Das weite, dünn besiedelte Arizona erlebte nahezu 60 Schießereien zwischen Revolverhelden, während es in Oklahoma zu mehr als 50 Gunfights kam, zumeist zwischen den achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. In Kalifornien, wo es eine relativ gut organisierte Polizei gab, kam es dennoch zu mehr als 20 Schußwechseln. Colorado war der Schauplatz von rund 20 Revolvergefechten, und in Missouri und Wyoming fanden jeweils ein Dutzend Schießereien statt. Aber die klassischen Revolvermänner setzten ihre Waffen auch fernab des amerikanischen Westens ein, in Florida etwa oder in Bolivien.


In der nachfolgenden Auflistung wird das Ableben bekannter Revolvermänner vermerkt,
auf die bedeutenderen Fehden und Weidekriege hingewiesen und, in aller Kürze, auf die spektakulärsten Schießereien eingegangen.

1861 Schießereien zwischen der »McCanles-Gang« und Wild Bill Hickcok ( 12.Juli, Rock Creek Station, Nebraska ).
1864 Henry Plummer und viele seiner Montana -Outlaws werden gehängt.
                  Jack Slade wird gehängt ( 10. März, Virginia City, Montana ).
1865 Duell zwischen Dave Tutt und Wild Bill Hickcok ( 21. Juli, Springfield, Missouri ).
1870 Auseinandersetzung zwischen Wild Bill Hickcok und in Fort Hays stationierten Kavalleristen ( 17. Juli, Fort Hays, Kansas) ).
                  Bear River Tom Smith wird getötet. ( 2. November, bei Abilene, Kansas ).
1871 Große Schießerei im Saloon von Newton ( 20. August, Newton, Kansas ).
                 Schießerei zwischen Wild Bill Hickcok und Phil Coe ( 5. Oktober, Abilene, Kansas ).
1873 Blutiger Zweikampf zwischen Arthur McCluskie und Hugh Anderson ( Juni, Medicine Lodge, Kansas ).
                  Sheriff C.B. Whitney wird von Billy Thompson getötet ( 15. August, Ellsworth, Kansas ).
1874 Schußwechsel zwischen John Younger und Detektiven ( 16. März, Monegaw Springs, Missouri ).
                 Höhepunkt der Sutton-Taylor-Fehde in Texas.
1876 Auseinandersetzung zwischen Bat Masterson und Sergeant Ed King ( 24. Januar, Mobeetie, Texas ).
                 Wild Bill Hickcok wird ermordet ( 2. August, Deadwood, Dakota Territory ).
                 Überfall der James-Younger-Gang auf die Bank von Northfield, Minnesota ( 7. September ).  
1877 Höhepunkt der Horrell-Higgins-Fehde im Umland von Lampasas, Texas.
1878 Schußwechsel zwischen Ed Masterson und Texanern ( 9. April, Dodge City, Kansas ).
                 Gefecht zwischen Texas Rangers und der Sam-Bass-Gang ( 19. Juli, Round Rock, Texas ).
                 Wild Bill Longley wird gehängt ( 11. Oktober, Giddings, Texas ). siehe unten
1880
Pat Garrett jagt Billy the Kid und seine Gang.
1881 Vier Tote bei Schußwechsel mit Dallas Stoudenmire in El Paso ( 14. April, El Paso, Texas ).
                 Billy the Kid schießt sich den Fluchtweg aus dem Gefängnis frei ( 28. April, Lincoln, New Mexiko ).
                 Billy the Kid wird getötet ( 14. Juli, Fort Summer, New Mexiko ).
                 Gunfight am OK-Corral ( 26. Oktober, Tombstone, Arizona ).
1882 Jesse James wird ermordet ( 3. April, St. Joseph, Missouri ).
                  John Ringo wird getötet ( 14. Juli, Turkey Creek Canyon, Arizona ).
                  Dallas Stoudenmire wird von den Manning-Brüdern getötet ( 18. September, El Paso, Texas ). siehe unten
                  Auseinandersetzung zwischen Buckskin Frank Leslie und Billy Claiborne ( 14. November, Tombstone, Arizona ).
1884 Ben Thompson und King Fisher werden getötet ( 11. März, San Antonio, Texas ).
1887 Auseinandersetzung zwischen Luke Short und Longhaired Jim Courtright ( 8. Februar, Fort Worth, Texas ).
                   Doc Holliday stirbt eines friedlichen Todes ( 8. November, Glenwood Springs, Colorado ).
1892 Überfall der Dalton-Gang auf Coffeyville, Kansas ( 5. Oktober ).
1893 Schießerei zwischen Ordnungshütern und der Doolin-Gang ( 1. September, Ingalls, Oklahoma ).
1895 John Wesley Hardin wird von John Selman getötet ( 19. August, El Paso, Texas ).
1896 Bill Doolin wird von einer Posse getötet ( 25. August, Lawson, Oklahoma ).
1898 Blütezeit des Wild Bunch um Butsch Cassidy.
1900 Auseinandersetzung zwischen Jeff Milton und Burt Alvords Gang. ( 15. Februar, Fairbanks, Arizona ).
1904 Harvey Logan wird getötet ( 8. Mai, bei Glenwood Springs, Colorado ).
1908 Pat Garrett wird ermordet ( 29. Februar, bei Las Cruces, New Mexiko ).
                   Feuergefecht bolivianischer Soldaten mit Butsch Cassidy und Sundance Kid.
1909 Jim (»Killer«) Miller wird gelyncht (19. April, Ada, Oklahoma ).
1924 Bill Tilghman wird getötet ( 1. November, Cromwell, Oklahoma ).

Die wichtigste Lektion, die ich gelernt habe... lautete, daß der Sieger in einem Revolverduell für gewöhnlich derjenige war, der sich Zeit ließ.
Zweitens mußte ich, wenn ich im Grenzgebiet zu überleben gedachte, jegliche aufsehenerregenden Schießkunststücke - alles großspurige Gehabe - meiden wie die Pest. ..
In all den Jahren, die ich als Ordnungshüter im Grenzgebiet zubrachte, habe ich nicht einen wirklich tüchtigen Gunfighter gekannt, der etwas anderes als Verachtung
für den Mann empfand, der den Revolver um den Finger wirbeln ließ oder buchstäblich aus der Hüfte schoß.

Wyatt Earp



Versuche nie, mit einem Sechsschüsser zu bluffen.
Schon mancher Mann wurde in seinen Stiefeln zu Grabe getragen, weil er so töricht war und zu seinem Schießeisen griff, um jemandem Angst einzujagen.
Denk immer daran, daß ein Sechsschüsser einzig und allein dazu da ist, den anderen Kerl zu töten...Wenn du einen Mann mit der Waffe aufhalten mußt,
dann umfasse den Griff deines Revolvers mit eiserner Hand, damit er nicht verreißt, und versuche ihn genau in Höhe der Gürtelschnalle zu treffen.
Denn das ist die breiteste Stelle zwischen Scheitel und Sohle.

Bat Masterson



In meinem Fall war Ungehorsam der erste Schritt; danach kamen der Whiskey, die Revolver, das Glücksspiel und schließlich Mord,
und der nächste, nehme ich an, wird mich zum Galgen führen.

Wild Bill Longley
(Er hatte recht)



Ich glaube nicht, daß die Kugel, die mich töten soll, jemals gegossen wird.
Dallas Stoudenmire
(Er irrte sich)


 

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