Quellennachweis der Texte und Abbildungen:
Frank B. Butts, The Monitor and the Marrimac, Providence, USA 1890
und Veröffentlichungen und Abbildungen des Naval Historical Center,
des Nationalarchivs der USA (NARA) und der Bibliothek des Kongresses


Bearbeitet von E. Liebe, RAG Militärgeschichte, 85077 Manching

HAMPTON ROADS   /    8. – 9. März 1862

 

Das erste Seegefecht von Panzerschiffen in der Seekriegsgeschichte

Seite 2

 

 

Beschreibung der beteiligten Schiffe

 

CSS VIRGINIA

Technische Daten:  
Länge: 80,1 m
Breite: 11,8 m
Tiefgang: 6,7 m
Tonnage: 3002 Tonnen
Geschwindigkeit: 6 Knoten (ca. 11 km/h)
Rumpf: Eisen und Holz
Bewaffnung: 2 × 7-Inch Kanonen
2 × 6-Inch Kanonen mit gezogenen Rohren,
6 × 9-Inch Dahlgren Glattrohrgeschütze
2 × 12-Pfünder Haubitzen
 
 
Besatzung: 320 Mann
(am 8. März 1862: 160 Seeleute, 28 Mann Marineinfanterie und Werftpersonal)
 

 

Im Juni 1861 genehmigte der Marineminister der Konföderierten den Bau eines gepanzerten Schiffes. Dazu wurde die im Hafen der Gosport-Werft bei Norfolk von der Union bei deren Zerstörung am 21. März 1861 versenkte Fregatte MERRIMACK gehoben und entsprechend umgebaut. Den Rumpf verstärkte man mit 2,5 cm dicken Eisenplatten, die bis zu einem Meter unter die Wasserlinie reichten. Der Aufbau wurde zu einer Geschützkasematte mit zwei Lagen von jeweils 2,5 cm dicken Eisenplatten umgebaut. Die Neigung von 36 Grad sollte feindliche Geschosse abprallen lassen. Zusätzlich zu ihrer Bewaffnung (siehe Techn. Daten) erhielt das Schiff einen eisernen Rammsporn.

Da die Konföderierten über keine entsprechenden Maschinenwerke verfügten, mußte die alte Maschinenanlage der MERRIMACK, die schon vor ihrer Versenkung ausgemustert worden war und ersetzt werden sollte, wiederverwendet werden und erwies sich als recht unzuverlässig.
Durch den großen Tiefgang (6,7 m) und den schwachen Maschinen war dieses „Kasemattschiff“ nur schwer manövrierbar und ermöglichten so keine Einsätze auf hoher See oder in flachen Gewässern.

Die Indienststellung unter dem Namen CSS VIRGINIA erfolgte am 17. Februar 1862, obwohl noch Arbeiten ausgeführt werden mußten. In der Literatur der Nordstaaten wird sie trotz erfolgter Schiffstaufe noch als „MERRIMACK“ oder (falsch) „MERRIMAC“ bezeichnet

Nach dem Seegefecht von Hampton Roads (08. – 09.03.1862) wurde sie nicht mehr eingesetzt, da die Union die Blockade fortsetzte.

Als sich die Konföderierten aus Norfolk zurückziehen mußten und die Werft am 10. Mai 1862 zerstörten, kam das Ende für die VIRGINIA. Da sie nicht in die flachen Wasser des James River einlaufen konnte und der Weg in die offene See blockiert war, setzte sie ihr Kapitän in der Nähe von Craney Island auf Grund und evakuierte die Besatzung. Dann wurde sie in Brand gesteckt. Am frühen Morgen des 11. Mai erreichten die Flammen die Munitionskammern, die mit etwa 7000 Tonnen Schwarzpulver gefüllt worden waren, und das Schiff explodierte.

 

Die CSS VIRGINIA
im Trockendock der Gosport Marinewerft in Februar 1862

Die CSS VIRGINIA läuft in die Hampton Roads
(im Hintergrund rechts das Marinelazarett von Portsmouth)

Das Ende der CSS VIRGINIA

 

Die Fregatte USS MERRIMACK, deren Rumpf für die USS VIRGINIA verwendet worden war, war von der Boston Marinewerft gebaut und am 20 Februar 1856 in Dienst gestellt worden. Von 1856 – 1857 kreuzte sie in den europäischen und westindischen Gewässern. Nach kleineren Überholungen war sie als Flaggschiff des Pazifik-Geschwaders an den Küsten von Süd- und Mittelamerika eingesetzt. Am 16.02.1860 wurde sie in Norfolk außer Dienst gestellt und bei der Zerstörung der Gosport-Werft am 20. März 1861 in Brand gesetzt.

 

Fregatte USS MERRIMACK

 

USS MONITOR

1    Ruderhaus 3    Schornsteine (2)
2   Panzerdrehturm 4   Luftschächte (2)

 

 

Als die Union vom Bau eines Panzerschiffes der Konföderierten erfuhr, beschloß der Kongreß, den Marineminister der Union per Gesetz zum Bau von drei Prototypen solcher Panzerschiffe zu veranlassen. Dieser setzte nun eine Marinekommission ein, die die eingereichten Entwürfe von Schiffsbauern prüfen sollte. Sie stimmten für zwei Entwürfe von Schiffen konventioneller Bauart, die mit Eisenplatten gepanzert waren. Daraus wurde die Panzerfregatte USS NEW IRONSIDES und die Panzerkorvette USS GALENA.

Ein weiterer Entwurf, der genehmigt wurde, war jedoch völlig neu. Der aus Schweden stammende Ingenieur John Ericsson reichte Pläne für ein Panzerschiff ein, dessen hölzerner Rumpf mit dünnen Eisenplatten gepanzert werden sollte. Unter einem flachen, mit 11,4 cm dicken Eisenplatten verstärkten Deck, dessen Seitenwände unter der Wasserlinie heruntergezogen waren, sollte die darunterliegende Maschinenanlage und die Schiffsschraube sichern. Auf dem Deck befand sich ein Panzerdrehturm mit zwei 11-Zoll-Geschützen, die in alle Richtungen schießen konnten. Der Turm hatte eine Panzerung von 20 cm dicken Eisenplatten. Das Ruderhaus war ebenso gepanzert.

Mit dem Bau wurde am 12.10.1861 in der Continental Werft in Green Point, Long Island, begonnen. Ihr Stapellauf erfolgte bereits am 30.01.1862, und nach der Überführung in die Brooklyn Marinewerft wurde sie als USS MONITOR am 08.02.1862 in Dienst gestellt. Da dieses Schiff nur etwa 60 cm aus dem Wasser ragte, wurde es spöttisch „Floß mit Käseschachtel“ genannt.

Am 6. März lief sie mit Hilfe des Schleppers USS SETH LOW und in Begleitung der Kanonenboote USS SACHEM und CURRITUCK aus dem Hafen von New York in Richtung Hampton Roads aus. Informanten hatten die baldige Indienststellung des konföderierten Panzerschiffs CSS VIRGINIA gemeldet, und so lautete ihr Auftrag, in die Werftanlagen von Portsmouth einzulaufen und die CSS VIRGINIA sowie die Dockanlagen zu zerstören.

Diese Fahrt zeigte, daß das Schiff eigentlich nicht hochseetüchtig war. Sie geriet in schwere See und die hohen Wellen schlugen über das Schiff und gelangten über die niederen Schornsteine und Lüftungsschächte in das Innere. Sie konnte aber nach einigen Reparaturen ihre Fahrt fortsetzen und wurde danach in ruhigere Küstengewässer in Richtung der Hampton Roads geschleppt, wo sie am 8. März ankam und den Geschützdonner eines Gefechts vernahm.

Nach den Seegefecht von Hampton Roads ankerte sie zur Unterstützung der Blockadeschiffe am Nordufer bei Newport News. Nachdem Norfolk gefallen war, wollten die USS MONITOR und die USS GALENA den James River hinauffahren um Richmond zu erreichen. Doch das Unternehmen scheiterte bei Drewry's Bluff, auf dem sich 70 Meter über dem Fluß das konföderierte Fort Darling befand. Nach heftigem Beschuß wurde das Unternehmen abgebrochen, denn den Geschützen der Schiffe fehlte die nötige Richthöhe.

Am 29. Dezember lief USS MONITOR aus den Hampton Roads in Richtung Wilmington, North Carolina, um dort die Blockade zu unterstützen. Bei schwerer See wurde sie am 31.12. vor Kap Hatteras leckgeschlagen, und die Lenzpumpen mußten eingesetzt werden. Als die Kohle naß wurde, fielen alle Maschinen aus. Die MONITOR war manövrierunfähig, und das Wasser stieg im Inneren. Ein Teil der Besatzung konnte von den Begleitschiffen gerettet werden, aber das sinkende Schiff riß vier Offiziere und 12 Besatzungsmitglieder mit in die Tiefe.

 

Technische Daten:  
Länge: 54,6 m
Breite: 12,6 m
Tiefgang:   3,2 m
Tonnage: 1002,8 Tonnen
Geschwindigkeit: 8 Knoten (ca. 15 km/h)
Rumpf: Eisen und Holz
Bewaffnung: 2 × 11-Inch Dahlgren Glattrohrkanonen
Besatzung: 49 Mann

 

Die USS MONITOR mit dem abmontierbaren Baldachin

Querschnitt durch den Panzerdrehturm mit den zwei Geschützen und den Rumpf.
Das überhängende Deck sollte vor Rammstößen schützen


Blick in das Innere des Panzerdrehturms

Blick in den Maschinenraum

Der Panzerdrehturm mit Baldachin. Die Aufnahme entstand nach dem Gefecht mit der CSS VIRGINIA.
Die Beschädigungen sind gut zu erkennen.

 

Die USS MONITOR mit durch Eisenplatten verstärktem Ruderhaus nach der Seeschlacht von Hampton Roads.

 

 

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