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VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© Leah Ireland-Kunze, Der Bürgerkrieg in den USA 1861-1865
© William C. Davis, •SOLDATEN•GENERÄLE•SCHLACHTEN

 

MANASSAS »Bull Run« 21. Juni 1861

 


 

 

 

 

 

Irvin McDowell
Sein rasanter Aufstieg in eine so bedeutsame Position war in der Geschichte der amerikanischen Armee bis dahin einmalig:
Irvin McDowell wurde zuerst vom Major zum Brigadier befördert, bevor ihm Washington die wohl wichtigste Aufgabe übertrug,
die einem Kommandeur zu dieser Zeit obliegen konnte.

 

 

 

 

 


 

 

 

 

Manassas/Bull Run am 21. Juli 1861

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die erste große Schlacht: Bull Run 1

 

Nach der Eroberung von Fort Sumter wurde CSA-General Beauregard mit dem Aufbau einer großen Armee in Virginia beauftragt. Beauregard hatte Spione in Washington, die ihn über die Pläne der Unionsseite informierten. Außerdem war der Unionspresse zu entnehmen, daß der Druck der Öffentlichkeit im Norden für einen Angriff auf Richmond täglich zunahm. Beauregard sammelte bis Ende Juni eine Armee von etwa 20.000 Mann um den Eisenbahnknotenpunkt Manassas Junction,
etwa 35 Kilometer südlich von Washington in der Nähe der Hauptstraße von Washington nach Richmond gelegen. Die Manassas-Gap-Eisenbahn,
die durch diesen Teil des Staates Virginia lief, verband Front Royal am Anfang des wichtigen, fruchtbaren Shenandoah-Talsin den Bergen mit der Orange-Alexandria Eisenbahn, die bis Washington reichte. Manassas selbst war damals ein winziges Dörfchen in einer schönen, breiten, hügeligen Landschaft fruchtbarer Felder
und kleiner Wälder. Nordwärts vom Bahnhof Manassas, in einer Nordwest-Südost-Linie, verlief der Bach Bull Run.


Die Sherman–Batterie wurde am Nordufer des Bull Run aufgestellt.
Obwohl sie an den Kämpfen kaum beteiligt war, lehrte sie die Konföderierten das Fürchten.

Die Landstraße von Centreville bis Warrenton überquerte den Bull Run auf einer Ost-West-Linie.
Hier befand sich eine Steinbrücke. Ansonsten mußte der Bach durch Furten (fords) überquert werden,
die nach den Besitzern der umliegenden Plantagen benannt waren.Beauregard ließ seine Armee eine sehr langgestreckte (16 Kilometer) Verteidigungslinie auf dem Südufer des Bull Run von Union Mills Ford bis zur Steinbrücke beziehen, wobei er den Hauptteil auf der rechten Flanke zwischen McLean's Ford und Mitchell's Ford konzentrierte. Der Grund für diese Ballung der Kräfte an der rechten Flanke lag darin,
daß an diesem Abschnitt der Bull Run von der Landstraße gekreuzt wurde.

In Washington hatte General Scott den Kampf um seinen Plan für ein «Abwürgen» der CSA von Westen her endgültig verloren. Er resignierte, gab dem Plan für einen Feldzug auf Richmond nach und ernannte einen enthusiastischen Befürworter dieser Kampagne, General Irwin McDowell, zum Befehlshaber der Potomac-Armee. McDowell sammelte die Armee in Arlington und schmiedete Pläne für einen baldigen Marsch, da die «90-Tage-Freiwilligen» bald entlassen werden mußten.
In Washington spekulierte man darauf, den Krieg in einer einzigen Entscheidungsschlacht gewinnen zu können. McDowells Armee bestand aus etwa 35.000 Mann, Beauregards Armee dagegen zählte, wie schon erwähnt, 20.000 Mann.

                                                                                                                                                                                                            

Männer der 8. New York State Miliz, am 16. Juli, wenige Stunden vor dem Abmarsch zum Bull Run

Keiner der Generale hatte jemals soviele Truppen unter seinem Befehl gehabt. Die Soldaten waren bis zu 90 Prozent Freiwillige und Milizangehörige mit minimaler Ausbildung, wobei die Infanteristen der Südstaaten zum größten Teil regelmäßig auf Jagd gingen und zumindest präzise schießen konnten. Unionsoberbefehlshaber Scott rechnete damit, daß die über 50prozentige Überlegenheit der Unionsarmee ausreichen würde, um den Sieg zu sichern, machte sich jedoch Sorgen über eine andere konföderierte Armee von etwa 10.000 Mann, die im Shenandoah-Tal operierte. Diese Truppen wurden von dem fähigen General Joseph E. Johnston kommandiert. Scott schickte vorsichtshalber 18.000 Mann unter einem alten Unionsgeneral namens Patterson westwärts,
um eine Vereinigung der beiden CSA-Armeen zu verhindern.

Um diese Zeit hielten sich Johnstons Trupen in der Nähe von Harper's Ferry auf, einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt und Arsenal am Potomac, wo einst der Kämpfer gegen Sklaverei John Brown gefangengenommen und hingerichtet worden war.
Was aber jetzt in Harper's Ferry passierte, konnte Washington nicht verborgen bleiben. Unter den Offizieren der regulären Truppen, die gegen John Brown gekämpft hatten, befand sich ein gewisser Thomas J. Jackson. Nun war dieser Jackson General und Johnstons Stellvertreter geworden. Er unternahm die erste einer Serie von originellen Operationen, die die Aufmerksamkeit beider Seiten auf ihn lenken sollte, als er 42 Züge auf der Eisenbahnstrecke um Harper's Ferry «konfiszierte», wie er sich ausdrückte, die meisten Lokomotiven einfach in den Fluß kippen ließ, aber befahl, 14 Loks und mehrere Güterwagen von Pferden auf dem Landweg (!) nach Front Royal schleppen zu lassen. In Front Royal befand sich die Endstation der Manassas-Gap-Eisenbahn.

Die Ruine des Bahnhofs von MANASSAS.

Als McDowells Unionsarmee sich zum Zug nach Richmond über Manassas rüstete, telegrafierte Beauregard über Richmond, Johnston solle seine Armee nach Manassas führen.
Offensichtlich hatten Johnston und Jackson schon mit dieser Eventualität gerechnet.
Als die Unionsarmee unter General Patterson in Richtung Appalachen marschierte,
zog sich General Johnston mit dem Hauptteil seiner Armee - etwa 7.000 Mann - nach Winchester (Virginia) zurück.
Er ließ demonstrativ vor den Bergen Kavallerie handeln, unterstützt von einer Infanteriebrigade unter General Kirby Smith. Diese CSA-Kavallerie hatte als Kommandeur einen Offizier, der seinerzeit ebenfalls an John Browns Gefangennahme beteiligt gewesen war: General J. E. B. Stuart, genannt «Jeb», einen der jüngsten Generale.
Stuart war eitel und auffällig, aber durchaus befähigt. Seine Kavalleristen tauchten hier und dort auf, täuschten Bewegungen einer größeren Armee vor und brachten den alten Unionsgeneral Patterson völlig durcheinander. Pattersons Marschbefehl von Washington war ohnehin ziemlich ungenau.
Der alte General ließ sich in Charlestown festhalten und traute sich nicht, den Gegner, den er für Johnstons gesamte Armee hielt, anzugreifen.


Inzwischen setzte Unionsgeneral McDowell die Potomac-Armee in Marsch. Die riesige Kolonne unerfahrener, schlecht disziplinierter Truppen
(die einzige Ausnahme waren 2.000 Reguläre) geriet sofort in Unordnung. Die Männer hielten in jeder Ortschaft an, um sie zu plündern ;
die Versorgungswagen blieben sehr weit zurück. Die Unionsarmee benötigte ganze 4 Tage, um die 35 Kilometer bis Centreville hinter sich zu bringen.
Erst 100 Jahre später hat man erkannt, warum die Truppen plünderten und weshalb es auch auf dem Schlachtfeld zu Stockungen kam:
Die Truppen gaben dem scheinbar absonderlichen Trieb nach, auf dem Marschweg Johannisbeeren zu pflücken und zu essen, denn,
wie der Historiker Michael A. Cooke feststellte, die Versorgung der um Washington stationierten und hastig ausgebildeten Truppen war derart schlecht,
daß die meisten beim Abmarsch abgemagert und ausgehungert waren.

Die Vorhut unter Unionsgeneral Daniel Tyler erreichte Centreville schon am 18. Juli 1861. Tyler befehligte etwa 8.000 Mann. CSA-General Beauregard
war über die Unionsbewegungen bestens informiert und rechnete mit einem Angriff von Centreville her. An den Furten bei der Landstraße Centreville
- Manassas konzentrierte er Brigaden unter den Generalen Jones, Longstreet, Early, Bonham und Ewell. Dann beschäftigte er sich mit der Ausarbeitung
des Plans für einen Gegenangriff auf Centreville. Zu diesem Zweck verabredete er sich mit General Ewell, um den Plan nach dem Mittagessen zu beraten,
zu dem sie Oberst a. D. Wilmer McLean am 18. Juli eingeladen hatte.  

                                                                                                                                                                                                        

Das verschlafene Dorf Centreville

An diesem Tag hatte Unionsgeneral McDowell der Division Tyler befohlen, von Centreville abzurücken und einen Angriff auf die CSA-Flanke bei McLean's Ford und Blackburns Ford zu versuchen, um die Stärke der CSA-Armee an diesem Abschnitt zu prüfen. Tyler begann mit einem Artilleriesperrfeuer. Eine der ersten Kugeln landete ausgerechnet im Küchenschornstein von McLeans Haus, fiel in den Suppenkessel und detonierte. Zum Glück wurde niemand verletzt, McLeans Küchensklaven waren jedoch zu Tode erschrocken, und General Beauregard wurde auf diese unangenehme Weise davon in Kenntnis gesetzt,
daß sein Gegner die Initiative ergriffen hatte. Der Schock dieser Explosion sowie die Verwüstungen auf den Feldern durch die Schlacht waren für die Familie McLean zuviel. Oberst a. D. McLean verkaufte bald darauf seine Farm und fand eine andere in der winzigen Ortschaft Appomattox auf einem isolierten Fleckchen Virginias, wo ihn - wie er dachte - der Krieg nicht erreichen könnte. Aber der Krieg an der Ostfront, der gewissermaßen in McLeans Küche begonnen hatte, endete 4 Jahre später - in seinem Wohnzimmer. Der Angriff auf die rechte Flanke der Konföderierten wurde rasch zurückgeworfen. Unionsgeneral Tyler berichtete General McDowell von der Konzentration an diesem Punkt, und McDowell ging an die Konzipierung eines Angriffsplans. Dazu ließ er sich jedoch 3 Tage Zeit- eine fatale Verzögerung, die allerdings unvermeidlich war, weil die Unionsarmee erst am 20. Juli vollständig in Centreville versammelt war.

McDowells Plan war theoretisch ausgezeichnet: Der Hauptteil seiner Kräfte sollte in den ersten Morgenstunden des 21. Juli auf der Warrenton-Landstraße westwärts marschieren, dem Bogen des Bull Run bis Sudley Springs folgen und von dort um 7.00 Uhr die schwache linke Flanke der konföderierten Armee überfallen.
Die einzigen regulären Truppen, die Brigade Schenck, sollten vorausmarschieren und vor der Steinbrücke den Hauptstoß vortäuschen,
während sich ein Scheinangriff gegen den Schwerpunkt der konföderierten Linien bei der Straße von Centreville richten würde.

Der Plan war für unerfahrene Truppen zu kompliziert, außerdem fußte er auf der Annahme, daß General Patterson die Armee Johnstons in Winchester festgehalten hätte. Aber Patterson wußte nicht einmal, wo sich General Johnston am 21. Juli befand, nämlich seit dem Vortag mit 7.000 Mann in Manassas. Thomas Jacksons aufwendige «Entführung» der 14 Lokomotiven und der Güterwagen war nämlich keine spleenige Idee gewesen. Zum erstenmal wurde eine Armee per Eisenbahn zum Schlachtfeld gebracht. Schon am 21. Juli sollte Jackson zusammen mit Kirby Smiths Brigade und Stuarts Kavallerie auf demselben Weg Manassas erreichen. Der Aufmarsch der Unionstruppen am frühen Morgen des 21. Juli vollzog sich äußerst langsam. Es gab Stockungen und Verwirrungen. Die Divisionen Heintzelman und Hunter,
die mit 12.000 Mann den Angriff führen sollten, erreichten Sudley Springs 2 Stunden später als geplant, und ihre Bewegungen wurden von konföderierten Posten entdeckt. Die Unionsartillerie, die die Brigade Schenck bis zur Steinbrücke begleitete, schoß derart träge, daß CSA-General Beauregard den Demonstrationszweck dieses Angriffs durchschaute. Er ließ sofort Verstärkungen zur linken Flanke seiner Linien nördlich der Steinbrücke verlegen.


Steinhaus an der Warrenton Landstraße


Als die Unionstruppen ihren Angriff begannen, befanden sich vor ihnen die Brigaden Bee, Bartow und Evans von General Johnstons Armee. Die erste Stunde des Kampfes verlief schlecht für die Union.
Dann aber fand ein bisher unbekannter Unionsgeneral namens William T. Sherman eine neue Furt über den Bull Run zwischen der Steinbrücke und dem Bogen bei Sudley Springs. Sherman griff die Brigade Bartow in ihrer rechten Flanke an. Bis Mittag wurden die 3 konföderierten Brigaden gezwungen,
sich auf Henry House Hill zurückzuziehen. Inzwischen hatte CSA-General Jackson mit seiner Brigade diesen Hügel erreicht.

Am Fuß des Hügels geriet der Rückzug Bartows, Bees und Evans' vor der immer stärker werdenden Unionsfront in Unordnung und schließlich in Panik, aber oben auf dem Hügel hielten Jacksons Linien stand. General Bee versuchte, seine verwirrten Truppen mit dem Ruf zu sammeln:
«Seht! Da steht Jackson wie eine Steinmauer!» Sekunden später wurde Bee von einer Kugel getötet,
seine Truppen aber liefen zu denen Jacksons mit dem Schrei: «Stonewall Jackson!» (Steinmauer Jackson) So kam es, daß Thomas J. Jackson von diesem Tag an den Beinamen «Stonewall» führte und seine Brigade bis zu ihrer Vernichtung in den letzten Kriegsmonaten als «Stonewall-Brigade» berühmt war.
Die letzten Teile der konföderierten Truppen aus dem Shenandoah-Tal erreichten Manassas per Eisenbahn um Mittag und wurden sofort aufs Schlachtfeld geworfen.
Die CSA-Generale Beauregard und Johnston hatten die Brigaden an der rechten Flanke umdisponiert und die Brigaden Early, Cooke, Bonham, Holmes und Ewell in Richtung Henry House Hill in Marsch gesetzt. Stuarts Kavallerie bezog Stellungen auf dem Bald Hill links von Henry House.

Nun trafen aber andere Menschen bei Bull Run ein, die gar nicht hierher gehörten. Schon früh morgens war der Washingtoner Gesellschaft bekannt geworden, daß um Bull Run die «Entscheidungsschlacht» entbrannt war. Daraufhin begaben sich Senatoren und Abgeordnete in ihren Kutschen auf den Weg nach Centreville, die «feine Gesellschaft» der Hauptstadt packte Picknickkörbe und eilte ebenfalls nach Bull Run. Bis Mittag füllten Hunderte Schaulustige mit ihren Kutschen die Hügel und Felder rings um das Schlachtfeld.
Bis 14.00 Uhr hatte Unionsgeneral McDowell etwa 18.000 Mann über den Bull Run gebracht.Er selbst hatte den Befehl über 2 Divisionen übernommen,
was sich als Fehler erwies, weil er bald den Überblick verlor.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 

Auch um das Robinson House nordöstlich des Henry House tobte die Schlacht

Er entschloß sich zu einem massierten Angriff auf den Henry House Hill, der mit starkem Artilleriefeuer unterstützt werden sollte. Zu diesem Zweck brachte er 2 Batterien und 1 «Zuaven»-Regiment in die vordere Linie. Sein Gegner wendete, um seine Pläne zu durchkreuzen, einen Trick an: Das reguläre 33. Virginia-Regiment, immer noch in der blauen Uniform der alten Armee, näherte sich den Unionsbatterien von der linken Seite des Hügels. Die Unionsartilleristen, durch die Uniformfarbe der Virginier verwirrt, hielten das Feuer zurück, bis es zu spät war. Die Virginier machten die Unionsartilleristen nieder und trieben die »Zuaven« zurück. Jetzt konnten die CSA-Generale ihre Truppen gegen die anrückenden Unionsinfanteristen werfen.

Die Unionsfreiwilligen liefen desorganisiert davon, warfen ihre Gewehre weg und ließen die Geschütze stehen. Der an sich schön ungeordnete Rückzug schlug in Panik um, als die zurückweichenden Truppen durch die Menge der zivilen Gafferauf der Ostseite des Bull Run liefen. Die Zivilisten beeilten sich,
ihre Kutschen zu besteigen, und versuchten, auf der Warrenton-Landstraße nach Centreville durchzukommen. Die Pferde scheuten jedoch unter dem Feuer von hinten. Die Wagen kippten um,
und die Tiere verhedderten sich im Geschirr. In wilder Unordnung flüchteten Unionssoldaten und schaulustige Zivilisten nach Washington zurück. Man rechnete damit, daß die konföderierten Armeen die Verfolgung aufnehmen und Washington belagern würde. Die CSA-Armeen unter Johnston und Beauregard waren jedoch ebenso unerfahren wie ihre Gegner und nach dieser ersten großen Schlacht zu erschöpft, um die Verfolgung aufzunehmen. Im ganzen Süden feierte die Bevölkerung den Sieg. Präsident Davis erklärte vor der Presse,
die Stärke der CSA-Armeen bei Bull Run habe lediglich 15.000 Mann betragen - eine Fälschung, die zu einer gefährlichen Unterschätzung der Union durch die Soldaten
und die Bevölkerung der konföderierten Staaten führte.

Obwohl es Beauregard und Johnston besser wußten, durften sie unter den strengen Zensurgesetzen der CSA ihrem Präsidenten nicht in aller Öffentlichkeit widersprechen. Die Verluste beider Seiten in der ersten Schlacht am Bull Run werden recht unterschiedlich geschätzt. Die Unionsverluste dürften etwa bei 500 Gefallenen, 1.000 Verwundeten und etwa 1.200 Vermißten (Deserteuren oder Gefangenen) liegen. Auf seiten der Konföderierten waren etwa 400 Mann gefallen,
etwa 1.500 verwundet und etwa 80 gefangengenommen worden. Sicherlich gab es auch hier Fälle von Fahnenflucht.

Die Auswirkungen von Bull Run 1

 

Der Union brachte die Niederlage einen schweren Schock. Lincoln und viele Regierungsmitglieder begriffen spätestens nach dieser Schlacht, daß die konföderierten Staaten nicht in wenigen Wochen zu besiegen waren. Am schlimmsten war die Tatsache, daß die konföderierten Generale einen wichtigen Vorsprung im technischen Bereich errungen und die Eisenbahn zu taktischen Zwecken eingesetzt hatten, während der technisch viel besser gerüstete Norden diesen Aspekt des Kampfes ignoriert hatte. Regierung und Öffentlichkeit suchten nach Sündenböcken. Der erste war selbstverständlich General Irwin McDowell, nach dessen Entlassung ganz Washington schrie.
Wer aber sollte sein Nachfolger sein? Bisher hatte nur ein Unionsgeneral einen Sieg errungen:
George McClellan, das 35jährige «Wunder», das bei Philippi und Carrick's Ford die CSA-Miliz vom Feld getrieben hatte. Am 26. Juli, 5 Tage nach dem Desaster von Bull Run, wurde McClellan zum Oberbefehlshaber der Potomac-Armee ernannt. Bei seiner Ankunft in Washington wurde McClellan von den Massen stürmisch gefeiert und im Weißen Haus und im Kriegsministerium wie ein Kronprinz hofiert.

McClellan erwies sich bald als erfahrener Intrigant, der eine große Schar von Anhängern unter den Offizieren um sich zu sammeln wußte. Die Komplimente der Washingtoner Gesellschaft stiegen ihm zu Kopfe. Er ließ sich auf einen unwürdigen Streit mit seinem Vorgesetzten, dem alten General Scott, ein. Unmißverständlich zielte McClellan auf Scotts Stellung als Oberbefehlshaber der Streitkräfte. McClellans Intrigen wurden durch die Niederlage einer kleinen Unionsarmee in dem ansonsten nicht sehr bedeutenden Gefecht von Ball's Bluff (Virginia) gefördert. Obwohl General Scott mit dieser Niederlage gar nichts zu tun hatte, wurde er der «schlechten Planung»
der Unionsstrategie und -bewegungen beschuldigt. Die Vorwürfe waren nicht grundlos, denn Scotts Methoden waren ausgesprochen altmodisch;
für die neue Kriegstechnik hatte er kein Verständnis.

Lincoln, der General McClellan nicht gut kannte und seine Intrigen nicht durchschaute,
ließ Scott pensionieren und ernannte McClellan zum Oberbefehlshaber der Landstreitkräfte der Union.
Der Präsident erteilte McClellan die spezifische Order, die Unionsarmeen aufzubauen und endlich Bewegung in die Lage an der Ostküste zu bringen.

 

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