Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© William C. Davis, »Rebels & Yankees«
© Marcus Junkelmann, »Der Amerikanische Bürgerkrieg«
© Martin Öfele, »Die Marine im Amerikanischen Buergerkrieg«



Die Marine
im amerikanischen Bürgerkrieg

 

In Darstellungen des US-Sezessionskrieges wird die Kriegsführung zu Wasser meist nur am Rande behandelt. Dabei erweist sich beim näheren Hinsehen, daß die Marine beider Seiten bedeutenden Anteil an den Entscheidungen dieses »ersten modernen Krieges« hatte. Die Blockade der Südstaatenhäfen führte zu dramatischen Gefechten, Flußflotten trugen entscheidend zur Einnahme von Festungen wie Vicksburg bei. Die Einnahme New Orleans, ein Werk der US-Navy, brachte der Union erhebliche Vorteile. Schlachtschiffe der Südstaaten wie die SHENANDOAH, die ALABAMA, die FLORIDA trugen den Bürgerkrieg der Amerikaner fast rund um die Welt.

Daneben waren es geradezu atemberaubende technische Neuerungen, die in die bis zum Kriegsausbruch wenig beachteten Seestreitkräfte der USA Einzug hielten und auch die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zogen. Dampfgetriebene, gepanzerte Schiffe (IRONCLADS) und kühne Konstruktionen wie die wendigen Küstenturmschiffe (MONITORE) verdrängten die hölzernen Segler. Torpedos gelangten ebenso zum Einsatz wie das erste Unterseeboot. Dabei verdient die Marine der Südstaaten nicht weniger Interesse,
wurde sie doch praktisch vom Nullpunkt aus aufgebaut.
Lit.: Martin Öfele, »Die Marine im Amerikanischen Buergerkrieg«

Vor der Sezession verfügte die Union über eine kleine Marine mit ca. 40 Dampfschiffen, die nicht gepanzert waren und von denen sich viele im Auslandseinsatz befanden. Ihre Personalstärke belief sich auf 7600 Mann. Als der Krieg ausbrach ging ungefähr ein Fünftel der 1500 Offiziere zur konföderierten Marine, die jedoch nur über einige wenige Schiffe verfügte, die sie von der Union in den südlichen Häfen gekapert hatte. Nun begann ein Wettlauf im Neubau von Schiffen.
Die Union konnte sich dabei auf ihre eigene, im Entstehen begriffene Schiffsbauindustrie stützen, während die Konföderation auf Grund ihrer begrenzten industriellen Ressourcen gezwungen war die vorhandenen Schiffe umzuhauen und zu improvisieren, während man sich gleichzeitig intensiv um Neukäufe in Europa bemühte.
Auf dem Gebiet der Kaperschiffe, konnte die Konföderation in diesen Kaufverhandlungen unter Leitung von James B. Balloch einige bescheidene Erfolge erzielen,
jedoch gelang es ihr trotz intensiver Bemühungen nicht ein größeres Kriegsschiff zu bekommen. Gleichzeitig versuchte die Marine der Union mit ihren 1861
noch begrenzten Mitteln die Blockade durchzusetzen.


Die dabei erzielten Erfolge waren jedoch nur mäßig und im November des gleichen Jahres führten diese Operationen sogar fast zu einem ernsthaften Bruch der Beziehungen mit Großbritannien, als die USS San Jacinto das britische Postschiff Trent im Old Bahama Channel abfing und zwei Gesandte der Konföderation von Bord holte, da man vermutete, dass diese auf dem Weg zu den Westindischen Inseln seien um dort Maßnahmen zur Durchbrechung der Blockade zu organisieren. Die Wellen der Empörung schlugen auf beiden Seiten des Atlantiks sehr hoch, die Royal Navy wurde eingesetzt und in London gab es bereits Pläne für eine Landung an der amerikanischen Küste, während gleichzeitig der Schutz der schwachen Grenze zu Kanada verstärkt wurde.

Einige moderne Historiker meinen, dass man mit diesen Maßnahmen im Grunde nur eine Abschreckungswirkung erzielen wollte. Wenn dies so ist, so handelte es sich allerdings um eine höchst gewaltsame Form der Abschreckung. Auf alle Fälle funktionierte sie. Die Gesandten wurden wieder freigelassen, während man Wilkes, den Kapitän der San Jacinto,
in den USA als Nationalhelden feierte und die Öffentliche Meinung in Großbritannien einige Jahre brauchte um ihre Feindschaft gegenüber der Union zu überwinden.

 

 

 

 

Voraussetzungen 1861

Die Auseinandersetzung um Fort Sumter setzte nicht nur den zeitlichen Rahmen für den Bürgerkrieg. Die Unvollständigkeit der Festung im April 1861,
die Kommunikationsschwierigkeiten während der Wochen und Monate davor, der - trotz hervorragender Offiziere - mißglückte Entsatz und die improvisierten Küstenbatterien der Konföderierten waren geradezu symptomatisch für die Situation der Marine, Nord wie Süd, zu Beginn des Krieges. Gleichzeitig führte die "Floating Battery" (Schwimmende Batterie = Monitor) den Erfindungsreichtum der südlichen Ingenieure vor Augen, der sich vor allem im Marinewesen während des gesamten Konflikts fortsetzen sollte.
Üblicherweise wird in Abhandlungen, die sich mehr oder weniger mit der marinen Kriegsführung des Amerikanischen Bürgerkrieges beschäftigen, mit der Ausgangslage im Norden begonnen, um zu veranschaulichen, wie aus einer bescheidenen Hochseeflotte innerhalb von vier Jahren eine internationale Seemacht entstehen konnte.
Des Ausgleichs wegen soll hier mit einer Schilderung der (1861 praktisch nicht vorhandenen) konföderierten Flotte begonnen werden, deren Entwicklung angesichts der möglichen Kapazitäten und der sich rapide verschlechternden Wirtschaftslage des Südens sicher nicht weniger beachtenswert ist. Gleichzeitig wird sich später jedoch auch anhand der Marineentwicklung ein gewisses irrationales und individualistisches Laissezfaire-Verhalten der Südstaaten und ihrer Verantwortlichen feststellen lassen,
was auf militärischer wie politischer Ebene zur Niederlage der Konföderation beitragen sollte und allzuoft nicht beachtet wird.

 

Konföderierte Marine

Der Süden vertraute seit Beginn der Sezessionskrise auf die Macht von „King Cotton” und darauf, daß bei einem Ausbleiben des Baumwollstroms aus Amerika in England eine Revolution ausbrechen würde, was Unruhen in ganz Europa und einstimmige Unterstützung für die Konföderation nach sich ziehen würde.
Dies hatte Senator James H. Hammond aus South Carolina am 4. 3. 1858 im Kongreß während der Debatte um die Aufnahme von Kansas in die Union angedroht:
„England würde vornüber stürzen und die ganze zivilisierte Welt mit sich reißen außer dem Süden.

Nein, niemand wagt Krieg gegen Baumwolle. Keine Macht der Erde würde einen Krieg gegen Baumwolle wagen. Baumwolle ist der König.”

Daher wurde auch Lincolns Anordnung einer Blockade der wichtigsten Häfen der bis April 1861 abgefallenen Staaten nicht allzu ernst genommen,
zumal der Präsident zur Durchführung zunächst nur jeweils ein Kriegsschiff vor den Häfen von Charleston, Savannah und Mobile kreuzen lassen konnte.
Anstatt jedoch die Drohung ernstzunehmen, stattete die Regierung unter Davis lediglich private Schiffseigner mit Kaperbriefen aus. Diese Freibeuter,
die von da an zusammen mit den Blockadebrechern regelmäßig die Kriegsmarine des Nordens umfuhren und weiterhin die Südstaaten über die karibischen Inseln und England versorgten, waren de facto die einzigen Schiffe, die dem Süden zur Verfügung standen, abgesehen von wenigen Zollkuttern, Küstenschonern,
Flußkähnen und elf komplett bewaffneten und auslaufbereiten Kriegsschiffen. Diese waren allerdings mit Unionssoldaten bemannt und lagen im Gosport Navy Yard in Norfolk, Virginia, der einzigen nennenswerten Schiffswerft im Süden neben einer kleinen privaten Werft in New Orleans und dem Pensacola Navy Yard in Florida,
den Milizen am 12. 1. 1861 besetzten.


Marineminister der Konföderierten Stephen Mallory


 

 

 

Admiral Franklin Buchanan, CS Navy

 

 

 

 

 

 

Das berühmteste der Kaperschiffe: CSS ALABAMA

 

Das berühmte Kaperschiff wurde als „Rumpf Nr. 290“ in der Laird-Werft in Liverpool gebaut. Für den Stapellauf am 15.5.1862 wurde das Schiff schnell ENRICA getauft.
Am 24.8.1862 wurde es bei den Azoren den Konföderierten übergeben. Diese bestückten es mit den entsprechenden Geschützen und stellten es als Schraubenkorvette in Dienst, wobei es den Namen ALABAMA erhielt.
Es handelte sich um einen 67 m langen und 9,7 m breiten barkgetakelten Dampfer mit einer Verdrängung von 1050 Tonnen. Über eine einzige Welle erreichte er eine Geschwindigkeit von bis zu 13 Knoten.
Zusätzlich zu den seemännischen Aufgaben mußte die 145köpfige Besatzung auch ihre sechs 32-Pfünder in der Breitseite, eine 68pfündige Glattrohrkanone auf dem Achterdeck und die gezogene 16 cm-Blakeley-Kanone auf der vorderen Schwenklafette bedienen.
Während ihrer zweijährigen Dienstzeit kaperte die ALABAMA 69 Schiffe bevor sie von der USS KEARSARGE aufgespürt und am 19.6.1864 vor der französischen Küste versenkt wurde.

 

 

Das Photo zeigt das Deck der ALABAMA während eines Aufenthalts in einem südafrikanischen Hafen. Ihr Kapitän Raphael Semmes aus Maryland (1809 - 1877)
lehnt im Vordergrund an einer Dahlgren-Kanone, hinter ihm steht sein Stellvertreter Kell. Nach der ALABAMA wurden die Schadenersatzforderungen benannt,
die die USA an Großbritannien stellten. 1872 entschied ein internationales Gericht in Genf, daß London gegen seine Neutralität verstoßen hatte, als es den Bau der konföderierten Kaperschiffe in britischen Werften zuließ. Die Vereinigten Staaten erhielten eine Entschädigung von 15,5 Millionen Dollar in Gold.
(International Museum of Photography, Rochester, N.Y.)

 

Die CSS SHENANDOAH
das legendäre Kriegsschiff der Südstaaten



links: Lieutenant (Kapitänleutnant) James Waddell, CS Navy
  rechts: Commander (Fregattenkapitän) Hunter Davidson, CS Navy 

 

Konföderierter Blockadebrecher OLD DOMINION
beim Beladen im englischen Hafen Bristol

 

Am 18. 4., dem Tag nach der Sezession Virginias und unmittelbar vor Lincolns Verhängung der Blockade, rückte eine konföderierte Einheit unter Colonel Taliaferro in Norfolk ein und drohte, die Werft zu übernehmen. Der dortige Kommandant, Commodore Charles S. McCauley, war bereits nach dem Fall Fort Sumters angewiesen worden, die unter seinem Kommando stehenden Schiffe auslaufen zu lassen und in Sicherheit zu bringen. Der Commodore war jedoch, sicher auch unter dem Druck jüngerer,
dem Süden zugeneigter Offiziere (und nach Ansicht zahlreicher Chronisten dem des Alkohols), darauf bedacht, nichts zu unternehmen, was die Südstaatler reizen könnte.
Er erklärte, daß er kein Schiff auslaufen lassen und keinen Schuß abgeben werde, außer in Notwehr.

 

„King Cotton" unter Blockade: Stapel von Baumwollballen im Hafen von Charleston.
(South Carolina Historical Society)

 

Während Taliaferro auf Verstärkung aus Richmond wartete, konnte McClauley seinen inzwischen gefaßten Entschluß, möglichst wenig Unionsgüter in die Hände der Rebellen fallen zu lassen, in die Tat umsetzen und begann, die Schiffe zu versenken und das Trockendock zu verminen. Am 20. 4. traf Captain Hiram Paulding auf der USS PAWNEE, einer schraubenbetriebenen Korvette, in Norfolk ein. Er hatte den Auftrag, McCauley abzulösen und Unionseigentum zu sichern oder zu zerstören.
Er befahl, nachdem er sich vergewissert hatte, daß er den Ort nicht halten konnte, die gesamte Werft unbrauchbar zu machen.

So wurden Fertigungshallen, Depots und Kais angesteckt, bevor die Garnison den Hafen an Bord der Segelkorvette USS CUMBERLAND, die als einziges Schiff nicht verbrannt worden war, und der PAWNEE, verließ. Die Enttäuschung der Südstaatler, die gehofft hatten, eine fertig ausgestattete Werft übernehmen zu können,
wurde dadurch gemildert, daß noch einiges gerettet werden konnte, was praktisch den Grundstock der konföderierten Kriegsmarine darstellte. In der Eile,
mit der das Zerstörungswerk unternommen worden war, blieb das Ergebnis unvollständig. Die Mine unter dem Trockendock explodierte nicht; und dieses höchst nützliche Gerät wurde, zusammen mit zahlreichen Werkstätten, Geschützen und Einrichtungen, von den Konföderierten gerettet, die außerdem drei der versenkten und teilweise verbrannten Schiffe erfolgreich hoben und instandsetzten - die MERRIMAC, RARITAN und PLYMOUTH, wobei später unter den Kanonen der ersteren,
hinter ihren gepanzerten Wänden heraus, die CUMBERLAND bei Hampton Roads zu Fall kam.

 


Schicksale von Blockadebrechern: Der britische Dampfer GIRAFFE wird im Trockendock von Glasgow in Schottland überholt,
um 1863 unter dem Namen ROBERT E. LEE seine Tätigkeit als Blockadebrecher aufzunehmen.
Das zweite Foto zeigt die GIRAFFE alias ROBERT E. LEE nach ihrer Aufbringung durch die Unionsflotte.
Erneut umgetauft, heißt sie jetzt Fort Donelson. (Mariners Museum und Library of Congress)


 

Eine Marine besteht nicht nur aus Schiffen, und folglich war das zweite Hauptproblem die Besatzung und Administration der neu zu schaffenden Navy.
Dafür hatte Präsident Davis den richtigen Mann in seinem Kabinett. Stephen R. Mallory aus Florida schaffte es, aus den äußerst knappen materiellen wie personellen Ressourcen das Beste herauszuholen. Neben dem Postminister John H. Reagan war er der einzige Minister der konföderierten Staaten, der während des gesamten Bestehens von Davis' Regierung im Amt blieb. Er war 1813 in Trinidad geboren worden und bereits mit 19 Jahren als Zollinspektor auf Key West tätig. Später studierte er Recht,
arbeitete als Richter und kämpfte im Krieg mit den Seminolen in Florida, bevor er in den 1850er Jahren als Senator für Florida nach Washington ging.

1853 übernahm er den Vorsitz des Senate Naval Affairs Committee und unterstützte das 1854 begonnene Schiffsbaumodernisierungsprogramm.
In dieser Position konnte er sich wesentliche und umfangreiche Kenntnisse über das Marinewesen und vor allem über die Entwicklung in Europa auf diesem Gebiet aneignen, ein Hintergrund, der es ihm später ermöglichen sollte, die konföderierte Marine aus dem Nichts zu schaffen.
Am 20. 2. 1861 wurde das Marineministerium eingerichtet und am Tag darauf ernannte ihn Jefferson Davis zum Secretary of the Navy. Seine späteren Bemühungen um den Bruch der Blockade und den weiteren Export von Baumwolle gegen das von Davis verhängte Embargo zeigen Mallory als weitsichtigen und sachkundigen Politiker.
Die wenigen von ihm veröffentlichten Reden aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg handeln im Gegensatz zu denen der meisten seiner Kollegen nicht von Gebietsstreitigkeiten und der Kansas-Nebraska-Gesetzesvorlage, sondern von Themen wie der Modernisierung der Marine und der Notwendigkeit,
neue Schiffe und nautisches Gerät anzuschaffen.

 

 

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