
Mit freundlicher
Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© William C. Davis, »Rebels & Yankees«
© Marcus Junkelmann, »Der Amerikanische Bürgerkrieg«
© Martin Öfele, »Die Marine im Amerikanischen Buergerkrieg«
Die
Marine
im amerikanischen Bürgerkrieg
Seite
3
Old
Navy
Der maritime Geist
Amerikas herrschte in den Küstenstädten Neuenglands vor, die 1861 bereits
auf eine über 200jährige Seefahrertradition zurückblicken konnten.
Ohne Zweifel besaß die Union zur See gewaltige Vorteile - es gab genügend
Seeleute, gut ausgebaute Häfen und produktionsfähige Werften,
die im weiteren Verlauf wahre Fließbandarbeit leisteten.
Der Norden verfügte über eine Kriegsmarine von 42 kommissionierten Schiffen,
von denen allerdings bis auf 12 alle in fremden Gewässern lagen.
Beginnend mit der Rückkehr der Zweiraddampffregatte USS POWHATAN
nach New York und der schraubenbetriebenen Korvette USS POCAHONTAS
nach Hampton Roads am 12. 3. 1861 und der CUMBERLAND, die am
23. 3. in Hampton Roads einlief, beorderte das U. S. Navy Department nun
bis auf
drei Schiffe die gesamte Flotte in ihre Heimathäfen zurück.
Da die Unionsmarine der Aufgabe, mit der sie im April 1861 konfrontiert
wurde, absolut unvorbereitet gegenüberstand, wird häufig von einer veralteten,
heruntergekommenen Flotte zu Beginn des Bürgerkrieges gesprochen, was
dem tatsächlichen Zustand der Navy in keiner Weise gerecht wird.
USMarineminister
Gideon Welles

US-Rear
Admiral David Glasgow Farragut, USN
US-Rear
Admiral John A. Dahlgren, USN
Geschützmannschaft
der USS MENDOTA mit einer Dahlgren-Kanone,
1864
Das
große Handicap dieser Streitmacht war zunächst, daß es sich um
eine Hochseeflotte handelte, die in den 25 Jahren vor Ausbruch des Krieges
hervorragende Dienste in internationalen Gewässern geleistet hatte,
aber nur äußerst unzureichend auf eine Küstenblockade oder Kriegsführung
auf Flüssen eingerichtet war.
Auf den Binnengewässern zeigte sich später sogar eine gewisse Gleichwertigkeit
der neu geschaffenen konföderierten Flotte. So konnten auch die schweren
und unhandlichen Kriegsschiffe der zuhause stationierten Home Squadron
nicht verhindern, daß in allen abfallenden Staaten Milizen und reguläre
Truppen die Küstenbefestigungen übernahmen, von denen lediglich Fort
Pickens gehalten und über den ganzen Krieg verteidigt werden konnte.
Das zweite große Problem der Navy war die Altersstruktur des Offizierskorps.
Bis 1862 war der höchste Rang in der U.S. Navy der eines Captains. Offiziere,
die Flottengeschwader kommandierten, wurden formell als Flaggoffiziere
bezeichnet und manchmal Commodore genannt, was jedoch kein offizieller
Rang war.
Erst Lincoln, der sich stets bemühte, auf Probleme einzelner einzugehen,
erließ am 4. 10. 1861 einen Grundsatzbefehl (general order), um diesem
Mißstand abzuhelfen:
Flaggoffiziere der
U.S.N., die ermächtigt sind, eine quadratische Flagge an der Spitze
des Besanmastes zu hissen,
stehen zukünftig im Rang Major Generals der Armee gleich.
Außerdem gab es keinerlei Ruhestandsregelung für Marineoffiziere, so
daß das gesamte Korps völlig überaltert war.
1861 war der Senior Officer ein 75jähriger Captain, der diesen Dienstgrad
30 Jahre lang innegehabt hatte.
Dieses System verhinderte effektive Beförderungen und veranlaßte viele
junge Offiziere,
aus der Marine auszutreten oder von vornherein in anderen Waffengattungen
anzumustern.

Matrosen an Bord des
Kriegsschiffes USS HUNCHBACK
Zwei
Offiziere der USS HUNCHBACK mit Bord-Haubitze
Das Ansehen der
webfooted soldiers der Navy als
beschuppte und verschrobene, Seemannsgarn spinnende Rauhbeine war auch
erst 1845 mit der Gründung der Naval Academy durch Buchanan und Marineminister
George Bancroft aufgebessert worden. Dennoch betrachteten viele zukünftige
Kadetten die Marine immer noch als Sammelbecken für Nichtsnutze und
Wichtigtuer. Ähnlich sah es bei den Matrosen aus; anfangs gab es keine
Werbeprämien bei der Marine, so daß sich etliche Seeleute an Land anwerben
ließen. Auch als Prämien eingeführt wurden, die bis zu $ 1.000 hoch
waren, wurden dennoch Regimentskommandeure der Infanterie angehalten,
ihre Reihen nach erfahrenen Matrosen zu durchforsten und diese zur Marine
zurückzuschicken.
Unglücklicherweise nutzten viele Offiziere die Gelegenheit und
versetzten nicht gute Leute, sondern entfernten schlechte.
Was Mallory für die Konföderation war, stellte Lincolns Marineminister
Gideon Welles für die Union dar. Uncle Gideon war sicher
einer der fähigsten Minister
in Old Abe's Kabinett. Er war derjenige, der Situationen
schnell erfaßte, auf fortschrittliche Ideen einging und die Navy erheblich
effizienter koordinierte,
als dies mit der Army der Fall war, obwohl er fast keine Erfahrung mit
der Marine hatte.
Im Gegensatz zu Mallory, der ein komplett neues Ministerium schaffen
mußte, übernahm Welles am 6. 3. 1861 das United States Navy Department
von Isaac Toucey,
den er später in seinem Tagebuch als feigen Verräter bezeichnete.
Dies geschah wahrscheinlich nicht nur wegen dessen zurückhaltender Manier
den Rebellen gegenüber, sondern auch, weil Toucey in jungen Jahren Welles'
politische Fähigkeiten bezweifelt hatte, was zu starken persönlichen
Dissonanzen führte.
Als Welles
sein Amt antrat, wurde er sofort mit der schon länger anhaltenden Spaltung
der Navy konfrontiert. Ich fand große Demoralisierung und
Pflichtvergessenheit unter den Offizieren, beklagte er sich in
seinem Tagebuch über die Tatsache, daß viele Inhaber von Patenten die
Navy verließen. Als erster Offizier hatte Lieutenant J. R. Hamilton
am 1. 12. 1860 den Dienst quittiert, um in seinem Heimatstaat South
Carolina zu dienen (noch bevor dieser aus der Union ausgetreten war).
Bis zum 12. 12. 1861,
als Assistent Surgeon James W. Herty aus Georgia aus dem Unionsdienst
austrat, sollten 15 der 93 Captains und 34 von 127 Commanders der Union
ihren Abschied nehmen, von denen jeweils 12 und 29 in den aktiven Dienst
der Confederate States Navy traten.
Die riesigen gezogenen
Parrott-Vorderladerkanonen, wie diese am Deck der USS MENDOTA,
erforderten 16 Mann oder mehr als Geschützbedienung. Jeder Handgriff
war genau eingespielt.
Aufgrund der miserablen
Beförderungslage aber waren vor allem von den Captains die meisten in
ihrem Dienst ergraut und zu alt, um jemals noch Kommandos auf See zu
übernehmen, obwohl gerade in diesen Rängen hervorragende Leute die Union
verließen. Am schwersten wog aber der Abschied von 89 der 351 Lieutenants,
da es diese Offiziere waren, die später die konföderierten Schiffe kommandierten
und dem Norden fehlten.
79 der entlassenen Lieutenants dienten im folgenden der C.S. Navy für
deren kleine Flotte ein ebenso großer Gewinn wie der Verlust für die
Union,
die im Verlauf des Krieges Hunderte von Schiffen zu bemannen hatte.
Insgesamt verließen 353 der 1554 Patentoffiziere der Navy den Dienst
in der Union,
um in die C.S. Navy einzutreten, unter ihnen 32 Nordstaatler.
Offiziere der USS MONITOR
nach der ersten Schlacht.
Der Kapitän, Lieutenant John L. Worden, in der Mitte.
Die
technische und strategische Entwicklung der Marine
Wenn man vom Amerikanischen Bürgerkrieg als dem ersten modernen
Krieg spricht, so trifft das in erster Linie auf die Entwicklung des
Marinewesens zu.
Bis auf wenige erfahrene Seeleute war zunächst kaum jemand der
Meinung, eine Kriegsmarine könne den Konflikt mitentscheiden, egal
ob im Norden oder im Süden.
Bald aber wurde die Marine beider Seiten zur fortschrittlichsten Teilstreitmacht,
die zwar oft improvisieren mußte, jedoch in vielerlei Hinsicht
die moderne Seekriegsführung vorwegnahm. Sowohl die Konföderierte
als auch die Unionsmarine konnten oft viel effizienter arbeiten, da
niemand wie in der Armee versuchte, aus Politikern Admiräle zu
machen. Die Kriegsführung zu Wasser blieb meist die Domäne
einiger vorurteilsfreier Spezialisten, die - im Norden - schon aufgrund
der Beförderungslage nicht mit unnötigen und blutigen Kampagnen
versuchten, sich mit Ruhm zu bedecken.
So verwundert es
auch nicht, daß es die Marine war, die im Norden zuerst Schwarze
in ihre Reihen aufnahm. Einige von Butlers Kontrabanden hatten als Geschützmannschaft
eines 32-Pfünders an der Operation gegen Hatteras Inlet teilgenommen
und waren von Stringham lobend erwähnt worden.
Daraufhin begann die Marine, Schwarze zu rekrutieren, „mit einer
Unkompliziertheit, die der Art, wie sich die Armee der Frage näherte,
komplett fehlte". (Cornish, S. 17)
Bereits im Sommer 1861 dienten zahlreiche ehemalige Sklaven auf den
Schiffen der Navy, und am 25. 9. nahm sie Welles offiziell im Rang von
Schiffsjungen mit einer monatlichen Heuer von $ 10 in die Marine auf.
„Diese Vorschrift Welles' steht als vergessener Meilenstein in
dem Kampf des Schwarzen für das Recht,
auf der Seite der Union am Bürgerkrieg teilzunehmen." (Cornish,
S. 18)
Festungsbau
und Waffenherstellung
Revolutionär, wie vielen Amerikanern schwarze Seeleute erschienen,
waren einige Neuerungen vor und während des Krieges tatsächlich,
die den Krieg zur See und gegen Küstenbefestigungen in völlig
neue Dimensionen treten ließen. Was Waffentechnik betraf, war
Captain John Dahlgren, USN, der bedeutendste Mann vor 1861 gewesen,
der (gleichzeitig mit dem Artillerieoffizier Thomas J. Rodman, aber
völlig unabhängig von diesem) die Marineartillerie in den
zwei Jahrzehnten vor der Auseinandersetzung entscheidend reformierte.
Er löste das jahrhundertealte Problem der schweren Geschütze,
die dazu neigten, beim Schießen zu bersten. Dahlgren entwarf Kanonen,
die im Gegensatz zu
herkömmlichen Modellen keinerlei Verzierungen, Ringe oder Griffe
aufwiesen. Ihre Form war den Druckverhältnissen, die im Rohr beim
Abfeuern des Geschosses herrschten, angepaßt, die zuvor in aufwendigen
Verfahren gemessen worden waren. So sahen die Dahlgren-Geschütze
wie langgezogene Birnen aus,
die an jedem Punkt des Rohres eine zum Druck proportionale Metalldicke
hatten. Eine solche Seeartillerie konnte nicht nur bis zu 15-Inch große
Kaliber verschießen,
sondern auch weiter und akkurater feuern als die bisherige. Während
des Krieges wurde sogar eine 20-Inch-Kanone gegossen.
Solche neuartigen Seegeschütze mußten natürlich
eine entsprechende Wirkung auf Küstenbefestigungen haben, gegen
welche die Unionsmarine im Bürgerkrieg hauptsächlich vorging.
Die Schiffe konnten sich nun außerhalb der Reichweite der Batterien
aufhalten und mit den viel genaueren Geschützen tiefe Breschen
in die Ziegelwerke schlagen. Die Forts entlang der amerikanischen Atlantik-
und Golfküste, die zwischen den 1820er und 1840er Jahren gebaut
worden waren,
waren wie Fort Sumter, Fort Monroe, Fort Pickens oder die Forts Jackson
und St. Philip meist fünfeckige Bauwerke mit vertikalen Mauern,
die seinerzeit die ausgereiftesten Festungsanlagen darstellten. Sie
hatten strukturelle Haltbarkeit und eine hohe Konzentration von Artillerie.
Normalerweise waren die Kanonen dieser Bollwerke in drei übereinanderliegenden
Reihen angeordnet, die ihre Umgebung nach allen Seiten und aus verschiedenen
Winkeln bestreichen konnten.
Dahlgrens Kanonen jedoch brachten bald die Einsicht, daß
gerade diese Merkmale eher hinderlich waren. Von senkrechten Mauern
prallten Geschosse nicht ab,
sondern rissen sie bei hoher Durchschlagskraft nieder, was die höher
gelegenen Kasematten oft einstürzen ließ. Außerdem
war, wie bei New Orleans oder Mobile der Fall,
die Verteidigung sofort gebrochen, wenn solche Forts, die die gesamte
Feuerkraft an einem Punkt vereinigten, außer Gefecht gesetzt wurden.
DuPont hatte den Erfolg dieser neuen Waffen zum erstenmal an der Küste
von North Carolina gezeigt, und er wiederholte sich jedesmal, wenn Unionsschiffe
auf Küstenforts trafen.
General Beauregard hatte in Charleston bald erkannt, daß verteilte
kleinere Batterien wie Fort Moultrie, deren Wälle aus Erdanhäufungen
mit schräg abfallenden Flächen bestanden, weit bessere Chancen
gegen Flottenverbände hatten als die hoch aufragenden monströsen
Festungswerke.
Das gleiche Prinzip der abgeschrägten
Seiten wurde auch bei den meisten Ironclads angewandt und bewährte
sich in der Regel. Von allen technischen Neuerungen
während des Krieges waren es wohl die ersten vollgepanzerten Schiffe,
die - nur neben dem Maschinengewehr - am nachhaltigsten auf das Militärwesen
einwirkten.
Wenn auch noch mit vielen Kinderkrankheiten behaftet, zeigten doch schon
die ersten beiden Ironclads, daß die Tage der hölzernen Kriegsschiffe
gezählt waren.
Das Leben an Bord dieser Wunderwaffen war keineswegs angenehm, und der
einzige Trost war, daß Offiziere gleichermaßen wie Mannschaften
unter den Unannehmlichkeiten litten. Besonders deutlich werden die Bedingungen,
unter denen die Monitorbesatzungen kämpften, an den Aufzeichnungen
Dahlgrens,
der Anfang Juli 1863 DuPont vor Charleston ablöste und vom 7. 7.
bis zum 6. 9. Fort Wagner auf Morris Island belagerte.
Im Inneren der Stahlschiffe wurde es brütend heiß, während
der Dampf der Maschinen und fehlender Sauerstoff das Atmen zur Qual
werden ließen.
Hinzu kam die ständige Ungewißheit über die Vorgänge
draußen, da nur der Rudergänger und der Richtkanonier Ausblick
hatten. Von Treffern der Küstenstellungen
hin und her geworfen, konnten die Männer nur auf Anweisungen und
gut Glück feuern, in der Hoffnung, irgend etwas zu treffen.

Während
in beiden amerikanischen Heeren „Kindersoldaten“ meistens
als Trommlerjungen eingesetzt waren,
dienten in den Seestreitkräften beider Staaten ebenfalls Jugendliche
als Schiffsjungen.
Das Foto
zeigt einen sogenannten „Pulveraffen“ (Powder Monkey) der
U.S.S. New Hampshire,
dessen Aufgabe es war, während eines Seegefechts aus den Pulvermagazinen
des Schiffes das Pulver in Säckchen
zu den Geschützen zu bringen.
Als „Wehrsold“
erhielten sie lediglich freie Unterkunft und Verpflegung sowie etwas
Taschengeld.
Von den 626 Kriegsschiffen,
die 1865 im Dienst der U. S. Navy standen, waren nicht nur die schweren
Ironclads und die oft kleineren und für den Flußkrieg ausgelegten
Monitore völlig neuartige Schiffe. Die Double Enders und Ellets
Rammen zeigten die Fähigkeit der Konstrukteure, sich auf veränderte
Situationen einzustellen.
Für verschiedene Einsatzgebiete wurden in kurzer Zeit entsprechende
Schiffstypen entworfen und hergestellt, wobei sich die Schiffbauer des
Nordens
vor allem als Spezialisten in der Konstruktion von schwer bewaffneten
Panzerschiffen mit extrem geringem Tiefgang, die auch auf Wasserwegen
und in Meerengen operieren konnten, erwiesen.
Die Marine der Südstaaten
konnte weder auf gleichwertige Materialvorräte noch auf ähnliche
Personalstärke zurückgreifen. Obwohl manche Ironclads
der C. S. Navy beachtliche Erfolge erzielten, lag auch hier, wie in
anderen Bereichen, der immense Vorteil geradezu unbegrenzter Ressourcen
auf der Seite der Union. Fehlendes Eisen und Walzwerke führten
dazu, daß oftmals Baumwollballen als Schutz der Decks von Kriegsschiffen
verwendet wurden.
Einer der Offiziere, die erfolgreich mit gepreßter und loser Baumwolle
experimentierten, war Lieutenant Catesby R. Jones.
Folglich beschäftigten sich die konföderierten Ingenieure
mit Überraschungswaffen und solchen, die wenig oder gar keine Besatzung
brauchten.
Verwendungsgebiete fanden sich zahlreiche, da der Süden hauptsächlich
Hafeneinfahrten schützen und Küstenstriche verteidigen mußte.
Zu diesem Zweck richtete die Armee 1862 das Torpedo Bureau ein, dem
bald ein zweites unter der Leitung der Marine folgte.
Die wichtigste und erfolgreichste Errungenschaft dieser Entwicklungsphase
waren Seeminen, die damals als Torpedos bezeichnet wurden.
Grundsätzlich wurden zwei verschiedene Arten von Minen verwendet:
Kontaktminen und ferngezündete. Erstere waren Paare von Holzkisten,
in denen sich Sprengstoffbehälter befanden und die mit Drähten
verbunden waren. Wenn ein Schiff den Draht berührte,
schlugen beide Behälter rechts und links an die Bordwand und detonierten.
Die ferngezündeten Minen, die vor allem in Hafeneinfahrten und
Buchten eingesetzt wurden, waren mit Ankern am Grund fixiert und konnten
vom Ufer aus
elektrisch zur Explosion gebracht werden. Anfangs wurden diese Waffen,
an deren Entwicklung Matthew Fontaine Maury beteiligt war, vom Norden
als Spinnerei abgetan. Am 12. 12. 1862 aber wurden Kritiker und Spötter
eines Besseren belehrt, als das erste Ironclad von einer konföderierten
Mine versenkt wurde.
Die USS CAIRO
war mit der PITTSBURGH und den Kanonenbooten MARMORA
und SIGNAL zu einer Expedition den Yazoo hinauf aufgebrochen,
wo sie unter heftiges Musketenfeuer von Scharfschützen genommen
wurden. Gleichzeitig entdeckte man Minen und die MARMORA und
SIGNAL ließen Boote zu Wasser, die die Schwimmkörper
untersuchen sollten.
Während die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Minen gelenkt war,
trieb die CAIRO auf Grund und mußte von der MARMORA
freigeschleppt werden.
Während beide Schiffe langsam in die Flußmitte zurückfuhren,
berührte das Ironclad eine Kontaktmine, die ihr Heck aufriß
und sie innerhalb von Minuten sinken ließ.
Ihre Crew wurde vollständig gerettet, und die Soldaten entfernten
ihren Schornstein, um die Kessel zu fluten und das Heben des Schiffes
durch die Konföderierten zu verhindern. Die Südstaatler hatten
eine wirkungsvolle Waffe demonstriert, der bis Kriegsende weitere sechs
Ironclads und Monitore sowie elf Kanonenboote
zum Opfer fallen sollten. Zahlreiche weitere wurden teilweise schwer
beschädigt.
Eine Möglichkeit, die Minen als Angriffswaffen einzusetzen, waren
Torpedoboote, von denen die David das erste war.
Theodore Stoney aus Charleston entwarf ein 16 Meter langes zylindrisches
Schiff mit konisch zulaufenden Enden, das mit Wassertanks ausgestattet
war,
die geflutet nur noch einen kleinen Teil des dampfbetriebenen Bootes
einschließlich seines niedrigen Schornsteins an der Oberfläche
sichtbar ließen.
Die Mine mit einer Ladung von 134 Pfund Pulver war an einem Holzspeer,
der am Bug angebracht war, befestigt und zündete bei Kontakt.
Am Abend des 5. 10. 1863 gelang es Lieutenant Glassell, mit der DAVID
die USS NEW IRONSIDES vor Charleston zu beschädigen,
leider nicht tief genug unter der Wasseroberfläche, so daß
das Kriegsschiff repariert werden konnte. Bis 1865 wurden über
20 weitere DAVIDS gebaut,
die die Blockadeschiffe bedrohten, jedoch keines versenkten.
DAVID im
Hafen von Charleston. (National Archives)
Bereits 1775 hatte
David Bushnell aus Connecticut mit Entwürfen eines Tauchbootes
experimentiert, diese aber nie verwirklicht.
Davon inspiriert, legte H. L. Hunley zusammen mit James
McClintock und Baxter Watson 1863 in Mobile, Pläne
eines weiterentwickelten Unterseebootes vor,
das unter der Leitung von den zwei Armeeingenieuren Lieutenants W.
A. Alexander und G. E. Dixon gebaut wurde.
Hunley ließ einen zylinderförmigen Dampfkessel mit spitz
zulaufenden Enden umbauen und mit einem Seiten- und zwei Höhenrudern
ausstatten.
Ballasttanks wurden zum Tauchen gefüllt und mit Handpumpen entleert.
Die Mannschaft bestand aus neun Leuten: acht Mann trieben über
eine Welle
den Propeller am Heck an, und der Rudergänger stand am Ausguck.
Am Kiel wurden zusätzliche Eisengewichte angebracht, die durch
Bolzen entfernt werden konnten.
Als Beleuchtung diente eine Kerze, die zugleich den Sauerstoffvorrat
anzeigte, und ein Kompaß ermöglichte die Navigation unter
Wasser,
während der Rudergänger an der Oberfläche aus zwei kleinen
Bullaugen schaute.
Schnittzeichnungen
der HUNLEY
Erfolgreiche Tests
dieses ersten funktionstüchtigen U-Bootes wurden in Mobile vorgenommen
und im August wurde die CSS HUNLEY auf Eisenbahnwaggons nach
Charleston transportiert.
Eigentlich war vorgesehen, eine Mine in 70 Meter Entfernung hinter dem
Boot herzuziehen, kurz vor einem feindlichen Schiff unter
- und dahinter aufzutauchen und es so zu zerstören, aber in Charleston
rüstete man die HUNLEY wie die DAVIDS mit einem
Speertorpedo aus,
der 90 Pfund Pulver enthielt.
Obwohl mehrere Crews bei aufeinanderfolgenden Tauchfahrten umkamen,
fuhren die Konföderierten fort, die HUNLEY zu benutzen.
Sie patrouillierte einige Nächte jede Woche, blieb aber an der
Oberfläche. Immer wieder scheiterte sie nur knapp bei dem Versuch,
an feindliche Schiffe zu gelangen,
aber in der Nacht vom 17. 2. 1864 griff sie die HOUSATONIC
an, die in acht Meter tiefem Wasser zwei Meilen von Battery Marshall
entfernt ankerte, und versenkte sie.
Unglücklicherweise ging die HUNLEY bei dem Angriff verloren.
Ihre tapfere Mannschaft war die erste, die ihr Leben im U-Boot-Dienst
opferte, und die erste, die ein Kriegsschiff mit der neuen Waffe versenkte.
Das konföderierte
Tauchboot HUNLEY (nach einem Gemälde)
Die Antwort des
Nordens auf die CSS HUNLEY und die
PIONEER war die INTELLIGANT WHALE, die in ihrer ovalen
Form der PIONEER ähnelte und
von Augustus Price und Cornelius S. Bushnell nach Plänen von Scovel
S. Merriam und O. S. Halstead gebaut wurde. Das Experimentalschiff war
zehn Meter lang
und konnte mit einer Crew von sechs bis 13 Mann mehrere Stunden tauchen,
wobei die INTELLIGANT WHALE eine Geschwindigkeit von bis zu
vier Knoten entwickelte.
Ein anderer Versuch, die USS ALLIGATOR, sank im April 1863.
Taktik
Die Seeblockaden
Englands im 18. und frühen 19. Jahrhundert waren kaum organisierte
Aktionen von riesigen Flotten gewesen, die sich vor der feindlichen
Küste zur Abschreckung postierten. Die Union hatte 1861 fast keine
Schiffe zur Verfügung, die sich gegen schnelle Dampfer behaupten
konnten, deshalb verlangte die Blockade eine extensive und gründliche
Planung seitens der Marine. Das Ministerium rief die North Atlantic
und South Atlantic und die East und West Gulf Blockading Squadrons ins
Leben, eigenständige Geschwader, die festen Küstenabschnitten
und bestimmten Häfen zugeteilt waren und autonom handeln konnten.
Es ist das große Verdienst von Welles und Fox, in einer Zeit der
technischen und militärischen Umwälzungen strategisch Schritt
gehalten und eine neue Art der Seekriegsführung auch in der Organisation
eingeführt zu haben.
Wenn auch die Kommandierenden der Armee, allen voran Halleck, anfangs
nichts von Marineaktionen mit Armeeunterstützung hielten, zeigte
sich doch bald die Effizienz ausgearbeiteter Strategie und weitreichender
Planung. Ohne eine solche Planung hätte die Eroberung des Mississippi
und der Atlantikküste Monate, vielleicht sogar Jahre länger
gedauert, und die ungenügende, ja, gegenläufige Organisation
der konföderierten Marine bestätigt diese Vermutung. Nur wenige
Generäle wußten die Unterstützung der Marine richtig
zu bewerten.
Grant und Sherman, und später Canby bei Mobile Bay, erkannten den
Wert von Flottenunterstützung, und sie forderten sie nicht nur
an, sondern vertrauten ihr komplett. Gerade die Planung von amphibischen
Operationen, die zwischen Hatteras Inlet und Fort Fisher gewaltige Fortschritte
erzielte, trug zum Erfolg sowohl der Marine als auch der Armee in Küstenbereichen
bei. Solche Unternehmen wurden zu Vorbildern späterer Einsätze
im Zweiten Weltkrieg und anderen Auseinandersetzungen,
die exakt das gleiche Schema aufwiesen: Schlachtschiffe bombardierten
die Küstenbefestigungen, bis sie stark geschwächt waren, worauf
Landungstruppen die Küste stürmten, Stellungen aushoben und
die Forts einnahmen.
Essentiell für
eine gute Planung war die Voraussetzung, daß Marineoffiziere einer
solchen fähig waren. Das war größtenteils Franklin Buchanan
und seiner
Naval Academy zu verdanken, die gerade rechtzeitig gegründet worden
war, um für den Krieg eine neue Generation von Lieutenants, Captains
und Commanders hervorzubringen. Ein wichtiger Faktor für den Erfolg
der Marine war hierbei das Spannungsverhältnis, das zwischen Männern
wie Du Pont oder Farragut und Dahlgren, Ericsson oder Eads herrschte.
Die ersten beiden
waren alte Seeleute, die auf ihre hölzernen Schiffe vertrauten,
wobei Farragut als erster Kommandeur im Gegensatz zu früheren Auseinandersetzungen
Flottenverbände als Einheit operieren ließ. Seine Taktik
war schnelle Bewegung und erstickendes Feuer, was mit den Ironclads
nicht möglich war. Diese Schiffe besaßen andere Qualitäten,
die von ihren Erbauern und Kapitänen, meist jüngeren Abgängern
der Akademie und in Schiffsbau und Mechanik ausgebildet, erst noch ausprobiert
werden mußten. So entstanden Strategien, die zusammengenommen
den modernen Seekrieg ermöglichten, wie er von Admiral Alfred T.
Mahan 1890 in seinem Werk
The Influence of Sea Power upon History dargelegt wurde. Es waren
nicht nur die Schiffe, die den Krieg zu Wasser gewannen, sondern in
hohem Maße die Männer,
die sie kommandierten, und eine Einstellung zur Marine, die dem Süden
fehlte.
„Der Konföderation fehlten Werkstätten; aber sie hatte
keinen so großen Mangel, wie die Ergebnisse glauben machen. Das
ganze Bild ihrer Niederlage besteht aus unzusammenhängenden Versuchen
von Männern, die klug und einsatzfreudig genug, aber nicht fähig
waren, den Behörden in Richmond Interesse an Technik einzureden.
Als Lincoln hörte, daß die VIRGINIA die Fregatten
bei Hampton Roads versenkt hatte, waren seine ersten Fragen die nach
Tonnage, Feuerkraft, Panzerung und Maschinen.
Jefferson Davis hätte über solche Dinge nie mehr nachgedacht
als darüber, ob er als Vermittler zwischen zerstrittenen Schulen
von Ironclad-Konstrukteuren auftreten sollte. Die Männer, die die
Konföderation geschaffen hatten, dachten in rein politischen Beziehungen;
sie erkannten nicht, daß sie in einer Zivilisation lebten,
in der die Technik ein untrennbarer Teil der Politik geworden war, und
dieses Versagen war das Versagen ihrer ganzen Sache. "
Pratt, Navy, S. 337
Weiterführende
Links:
"Hampton Roads", "Krieg auf dem Wasser", "Mobile
Bay" - zusammengefaßt unter -
SCHLACHTEN
"Marine-Uniformen" siehe:
UNIFORMEN
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