Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© William C. Davis, »Rebels & Yankees«
© Marcus Junkelmann, »Der Amerikanische Bürgerkrieg«
© Martin Öfele, »Die Marine im Amerikanischen Buergerkrieg«



Die Marine
im amerikanischen Bürgerkrieg

 

Seite 3

 

 

Old Navy

Der maritime Geist Amerikas herrschte in den Küstenstädten Neuenglands vor, die 1861 bereits auf eine über 200jährige Seefahrertradition zurückblicken konnten.
Ohne Zweifel besaß die Union zur See gewaltige Vorteile - es gab genügend Seeleute, gut ausgebaute Häfen und produktionsfähige Werften,
die im weiteren Verlauf wahre Fließbandarbeit leisteten.
Der Norden verfügte über eine Kriegsmarine von 42 kommissionierten Schiffen, von denen allerdings bis auf 12 alle in fremden Gewässern lagen.
Beginnend mit der Rückkehr der Zweiraddampffregatte USS POWHATAN nach New York und der schraubenbetriebenen Korvette USS POCAHONTAS
nach Hampton Roads am 12. 3. 1861 und der CUMBERLAND, die am 23. 3. in Hampton Roads einlief, beorderte das U. S. Navy Department nun bis auf
drei Schiffe die gesamte Flotte in ihre Heimathäfen zurück.
Da die Unionsmarine der Aufgabe, mit der sie im April 1861 konfrontiert wurde, absolut unvorbereitet gegenüberstand, wird häufig von einer veralteten, heruntergekommenen Flotte zu Beginn des Bürgerkrieges gesprochen, was dem tatsächlichen Zustand der Navy in keiner Weise gerecht wird.

 


 

US–Marineminister Gideon Welles


US-Rear Admiral David Glasgow Farragut, USN




US-Rear Admiral John A. Dahlgren, USN










Geschützmannschaft der USS MENDOTA mit einer Dahlgren-Kanone, 1864

 

Das große Handicap dieser Streitmacht war zunächst, daß es sich um eine Hochseeflotte handelte, die in den 25 Jahren vor Ausbruch des Krieges hervorragende Dienste in internationalen Gewässern geleistet hatte, aber nur äußerst unzureichend auf eine Küstenblockade oder Kriegsführung auf Flüssen eingerichtet war.
Auf den Binnengewässern zeigte sich später sogar eine gewisse Gleichwertigkeit der neu geschaffenen konföderierten Flotte. So konnten auch die schweren und unhandlichen Kriegsschiffe der zuhause stationierten Home Squadron nicht verhindern, daß in allen abfallenden Staaten Milizen und reguläre Truppen die Küstenbefestigungen übernahmen, von denen lediglich Fort Pickens gehalten und über den ganzen Krieg verteidigt werden konnte.
Das zweite große Problem der Navy war die Altersstruktur des Offizierskorps.

Bis 1862 war der höchste Rang in der U.S. Navy der eines Captains. Offiziere, die Flottengeschwader kommandierten, wurden formell als Flaggoffiziere bezeichnet und manchmal Commodore genannt, was jedoch kein offizieller Rang war.
Erst Lincoln, der sich stets bemühte, auf Probleme einzelner einzugehen, erließ am 4. 10. 1861 einen Grundsatzbefehl (general order), um diesem Mißstand abzuhelfen:
„Flaggoffiziere der U.S.N., die ermächtigt sind, eine quadratische Flagge an der Spitze des Besanmastes zu hissen,
stehen zukünftig im Rang Major Generals der Armee gleich”
.

Außerdem gab es keinerlei Ruhestandsregelung für Marineoffiziere, so daß das gesamte Korps völlig überaltert war.
1861 war der Senior Officer ein 75jähriger Captain, der diesen Dienstgrad 30 Jahre lang innegehabt hatte.
Dieses System verhinderte effektive Beförderungen und veranlaßte viele junge Offiziere,
aus der Marine auszutreten oder von vornherein in anderen Waffengattungen anzumustern.




Matrosen an Bord des Kriegsschiffes USS HUNCHBACK

 

 

Zwei Offiziere der USS HUNCHBACK mit Bord-Haubitze

 


 

Das Ansehen der „webfooted soldiers” der Navy als beschuppte und verschrobene, Seemannsgarn spinnende Rauhbeine war auch erst 1845 mit der Gründung der Naval Academy durch Buchanan und Marineminister George Bancroft aufgebessert worden. Dennoch betrachteten viele zukünftige Kadetten die Marine immer noch als Sammelbecken für Nichtsnutze und Wichtigtuer. Ähnlich sah es bei den Matrosen aus; anfangs gab es keine Werbeprämien bei der Marine, so daß sich etliche Seeleute an Land anwerben ließen. Auch als Prämien eingeführt wurden, die bis zu $ 1.000 hoch waren, wurden dennoch Regimentskommandeure der Infanterie angehalten,
ihre Reihen nach erfahrenen Matrosen zu durchforsten und diese zur Marine zurückzuschicken.

„Unglücklicherweise nutzten viele Offiziere die Gelegenheit und versetzten nicht gute Leute, sondern entfernten schlechte”.
Was Mallory für die Konföderation war, stellte Lincolns Marineminister Gideon Welles für die Union dar. „Uncle Gideon” war sicher einer der fähigsten Minister
in „Old Abe's” Kabinett. Er war derjenige, der Situationen schnell erfaßte, auf fortschrittliche Ideen einging und die Navy erheblich effizienter koordinierte,
als dies mit der Army der Fall war, obwohl er fast keine Erfahrung mit der Marine hatte.
Im Gegensatz zu Mallory, der ein komplett neues Ministerium schaffen mußte, übernahm Welles am 6. 3. 1861 das United States Navy Department von Isaac Toucey,
den er später in seinem Tagebuch als „feigen Verräter” bezeichnete. Dies geschah wahrscheinlich nicht nur wegen dessen zurückhaltender Manier den Rebellen gegenüber, sondern auch, weil Toucey in jungen Jahren Welles' politische Fähigkeiten bezweifelt hatte, was zu starken persönlichen Dissonanzen führte.

Als Welles sein Amt antrat, wurde er sofort mit der schon länger anhaltenden Spaltung der Navy konfrontiert. „Ich fand große Demoralisierung und Pflichtvergessenheit unter den Offizieren”, beklagte er sich in seinem Tagebuch über die Tatsache, daß viele Inhaber von Patenten die Navy verließen. Als erster Offizier hatte Lieutenant J. R. Hamilton am 1. 12. 1860 den Dienst quittiert, um in seinem Heimatstaat South Carolina zu dienen (noch bevor dieser aus der Union ausgetreten war). Bis zum 12. 12. 1861,
als Assistent Surgeon James W. Herty aus Georgia aus dem Unionsdienst austrat, sollten 15 der 93 Captains und 34 von 127 Commanders der Union ihren Abschied nehmen, von denen jeweils 12 und 29 in den aktiven Dienst der Confederate States Navy traten.

 

Die riesigen gezogenen Parrott-Vorderladerkanonen, wie diese am Deck der USS MENDOTA,
erforderten 16 Mann oder mehr als Geschützbedienung. Jeder Handgriff war genau eingespielt.

 

Aufgrund der miserablen Beförderungslage aber waren vor allem von den Captains die meisten in ihrem Dienst ergraut und zu alt, um jemals noch Kommandos auf See zu übernehmen, obwohl gerade in diesen Rängen hervorragende Leute die Union verließen. Am schwersten wog aber der Abschied von 89 der 351 Lieutenants,
da es diese Offiziere waren, die später die konföderierten Schiffe kommandierten und dem Norden fehlten.
79 der entlassenen Lieutenants dienten im folgenden der C.S. Navy für deren kleine Flotte ein ebenso großer Gewinn wie der Verlust für die Union,
die im Verlauf des Krieges Hunderte von Schiffen zu bemannen hatte. Insgesamt verließen 353 der 1554 Patentoffiziere der Navy den Dienst in der Union,
um in die C.S. Navy einzutreten, unter ihnen 32 Nordstaatler.

 

Offiziere der USS MONITOR nach der ersten Schlacht.
Der Kapitän, Lieutenant John L. Worden, in der Mitte.



 

Die technische und strategische Entwicklung der Marine



Wenn man vom Amerikanischen Bürgerkrieg als dem ersten modernen Krieg spricht, so trifft das in erster Linie auf die Entwicklung des Marinewesens zu.
Bis auf wenige erfahrene Seeleute war zunächst kaum jemand der Meinung, eine Kriegsmarine könne den Konflikt mitentscheiden, egal ob im Norden oder im Süden.
Bald aber wurde die Marine beider Seiten zur fortschrittlichsten Teilstreitmacht, die zwar oft improvisieren mußte, jedoch in vielerlei Hinsicht die moderne Seekriegsführung vorwegnahm. Sowohl die Konföderierte als auch die Unionsmarine konnten oft viel effizienter arbeiten, da niemand wie in der Armee versuchte, aus Politikern Admiräle zu machen. Die Kriegsführung zu Wasser blieb meist die Domäne einiger vorurteilsfreier Spezialisten, die - im Norden - schon aufgrund der Beförderungslage nicht mit unnötigen und blutigen Kampagnen versuchten, sich mit Ruhm zu bedecken.

So verwundert es auch nicht, daß es die Marine war, die im Norden zuerst Schwarze in ihre Reihen aufnahm. Einige von Butlers Kontrabanden hatten als Geschützmannschaft eines 32-Pfünders an der Operation gegen Hatteras Inlet teilgenommen und waren von Stringham lobend erwähnt worden.
Daraufhin begann die Marine, Schwarze zu rekrutieren, „mit einer Unkompliziertheit, die der Art, wie sich die Armee der Frage näherte, komplett fehlte". (Cornish, S. 17)
Bereits im Sommer 1861 dienten zahlreiche ehemalige Sklaven auf den Schiffen der Navy, und am 25. 9. nahm sie Welles offiziell im Rang von Schiffsjungen mit einer monatlichen Heuer von $ 10 in die Marine auf. „Diese Vorschrift Welles' steht als vergessener Meilenstein in dem Kampf des Schwarzen für das Recht,
auf der Seite der Union am Bürgerkrieg teilzunehmen." (Cornish, S. 18)


Festungsbau und Waffenherstellung



Revolutionär, wie vielen Amerikanern schwarze Seeleute erschienen, waren einige Neuerungen vor und während des Krieges tatsächlich, die den Krieg zur See und gegen Küstenbefestigungen in völlig neue Dimensionen treten ließen. Was Waffentechnik betraf, war Captain John Dahlgren, USN, der bedeutendste Mann vor 1861 gewesen,
der (gleichzeitig mit dem Artillerieoffizier Thomas J. Rodman, aber völlig unabhängig von diesem) die Marineartillerie in den zwei Jahrzehnten vor der Auseinandersetzung entscheidend reformierte.

Er löste das jahrhundertealte Problem der schweren Geschütze, die dazu neigten, beim Schießen zu bersten. Dahlgren entwarf Kanonen, die im Gegensatz zu
herkömmlichen Modellen keinerlei Verzierungen, Ringe oder Griffe aufwiesen. Ihre Form war den Druckverhältnissen, die im Rohr beim Abfeuern des Geschosses herrschten, angepaßt, die zuvor in aufwendigen Verfahren gemessen worden waren. So sahen die Dahlgren-Geschütze wie langgezogene Birnen aus,
die an jedem Punkt des Rohres eine zum Druck proportionale Metalldicke hatten. Eine solche Seeartillerie konnte nicht nur bis zu 15-Inch große Kaliber verschießen,
sondern auch weiter und akkurater feuern als die bisherige. Während des Krieges wurde sogar eine 20-Inch-Kanone gegossen.

Solche neuartigen Seegeschütze mußten natürlich eine entsprechende Wirkung auf Küstenbefestigungen haben, gegen welche die Unionsmarine im Bürgerkrieg hauptsächlich vorging. Die Schiffe konnten sich nun außerhalb der Reichweite der Batterien aufhalten und mit den viel genaueren Geschützen tiefe Breschen in die Ziegelwerke schlagen. Die Forts entlang der amerikanischen Atlantik- und Golfküste, die zwischen den 1820er und 1840er Jahren gebaut worden waren,
waren wie Fort Sumter, Fort Monroe, Fort Pickens oder die Forts Jackson und St. Philip meist fünfeckige Bauwerke mit vertikalen Mauern,
die seinerzeit die ausgereiftesten Festungsanlagen darstellten. Sie hatten strukturelle Haltbarkeit und eine hohe Konzentration von Artillerie. Normalerweise waren die Kanonen dieser Bollwerke in drei übereinanderliegenden Reihen angeordnet, die ihre Umgebung nach allen Seiten und aus verschiedenen Winkeln bestreichen konnten.

Dahlgrens Kanonen jedoch brachten bald die Einsicht, daß gerade diese Merkmale eher hinderlich waren. Von senkrechten Mauern prallten Geschosse nicht ab,
sondern rissen sie bei hoher Durchschlagskraft nieder, was die höher gelegenen Kasematten oft einstürzen ließ. Außerdem war, wie bei New Orleans oder Mobile der Fall,
die Verteidigung sofort gebrochen, wenn solche Forts, die die gesamte Feuerkraft an einem Punkt vereinigten, außer Gefecht gesetzt wurden. DuPont hatte den Erfolg dieser neuen Waffen zum erstenmal an der Küste von North Carolina gezeigt, und er wiederholte sich jedesmal, wenn Unionsschiffe auf Küstenforts trafen.
General Beauregard hatte in Charleston bald erkannt, daß verteilte kleinere Batterien wie Fort Moultrie, deren Wälle aus Erdanhäufungen mit schräg abfallenden Flächen bestanden, weit bessere Chancen gegen Flottenverbände hatten als die hoch aufragenden monströsen Festungswerke.

Das gleiche Prinzip der abgeschrägten Seiten wurde auch bei den meisten Ironclads angewandt und bewährte sich in der Regel. Von allen technischen Neuerungen
während des Krieges waren es wohl die ersten vollgepanzerten Schiffe, die - nur neben dem Maschinengewehr - am nachhaltigsten auf das Militärwesen einwirkten.
Wenn auch noch mit vielen Kinderkrankheiten behaftet, zeigten doch schon die ersten beiden Ironclads, daß die Tage der hölzernen Kriegsschiffe gezählt waren.
Das Leben an Bord dieser Wunderwaffen war keineswegs angenehm, und der einzige Trost war, daß Offiziere gleichermaßen wie Mannschaften unter den Unannehmlichkeiten litten. Besonders deutlich werden die Bedingungen, unter denen die Monitorbesatzungen kämpften, an den Aufzeichnungen Dahlgrens,
der Anfang Juli 1863 DuPont vor Charleston ablöste und vom 7. 7. bis zum 6. 9. Fort Wagner auf Morris Island belagerte.
Im Inneren der Stahlschiffe wurde es brütend heiß, während der Dampf der Maschinen und fehlender Sauerstoff das Atmen zur Qual werden ließen.
Hinzu kam die ständige Ungewißheit über die Vorgänge draußen, da nur der Rudergänger und der Richtkanonier Ausblick hatten. Von Treffern der Küstenstellungen
hin und her geworfen, konnten die Männer nur auf Anweisungen und gut Glück feuern, in der Hoffnung, irgend etwas zu treffen.



Während in beiden amerikanischen Heeren „Kindersoldaten“ meistens als Trommlerjungen eingesetzt waren,
dienten in den Seestreitkräften beider Staaten ebenfalls Jugendliche als Schiffsjungen.

Das Foto zeigt einen sogenannten „Pulveraffen“ (Powder Monkey) der U.S.S. New Hampshire,
dessen Aufgabe es war, während eines Seegefechts aus den Pulvermagazinen des Schiffes das Pulver in Säckchen
zu den Geschützen zu bringen.

 

Als „Wehrsold“ erhielten sie lediglich freie Unterkunft und Verpflegung sowie etwas Taschengeld.

 

 

 

 

Von den 626 Kriegsschiffen, die 1865 im Dienst der U. S. Navy standen, waren nicht nur die schweren Ironclads und die oft kleineren und für den Flußkrieg ausgelegten Monitore völlig neuartige Schiffe. Die Double Enders und Ellets Rammen zeigten die Fähigkeit der Konstrukteure, sich auf veränderte Situationen einzustellen.
Für verschiedene Einsatzgebiete wurden in kurzer Zeit entsprechende Schiffstypen entworfen und hergestellt, wobei sich die Schiffbauer des Nordens
vor allem als Spezialisten in der Konstruktion von schwer bewaffneten Panzerschiffen mit extrem geringem Tiefgang, die auch auf Wasserwegen
und in Meerengen operieren konnten, erwiesen.

Die Marine der Südstaaten konnte weder auf gleichwertige Materialvorräte noch auf ähnliche Personalstärke zurückgreifen. Obwohl manche Ironclads
der C. S. Navy beachtliche Erfolge erzielten, lag auch hier, wie in anderen Bereichen, der immense Vorteil geradezu unbegrenzter Ressourcen auf der Seite der Union. Fehlendes Eisen und Walzwerke führten dazu, daß oftmals Baumwollballen als Schutz der Decks von Kriegsschiffen verwendet wurden.
Einer der Offiziere, die erfolgreich mit gepreßter und loser Baumwolle experimentierten, war Lieutenant Catesby R. Jones.
Folglich beschäftigten sich die konföderierten Ingenieure mit Überraschungswaffen und solchen, die wenig oder gar keine Besatzung brauchten.
Verwendungsgebiete fanden sich zahlreiche, da der Süden hauptsächlich Hafeneinfahrten schützen und Küstenstriche verteidigen mußte.
Zu diesem Zweck richtete die Armee 1862 das Torpedo Bureau ein, dem bald ein zweites unter der Leitung der Marine folgte.

Die wichtigste und erfolgreichste Errungenschaft dieser Entwicklungsphase waren Seeminen, die damals als Torpedos bezeichnet wurden.
Grundsätzlich wurden zwei verschiedene Arten von Minen verwendet: Kontaktminen und ferngezündete. Erstere waren Paare von Holzkisten,
in denen sich Sprengstoffbehälter befanden und die mit Drähten verbunden waren. Wenn ein Schiff den Draht berührte,
schlugen beide Behälter rechts und links an die Bordwand und detonierten.
Die ferngezündeten Minen, die vor allem in Hafeneinfahrten und Buchten eingesetzt wurden, waren mit Ankern am Grund fixiert und konnten vom Ufer aus
elektrisch zur Explosion gebracht werden. Anfangs wurden diese Waffen, an deren Entwicklung Matthew Fontaine Maury beteiligt war, vom Norden als Spinnerei abgetan. Am 12. 12. 1862 aber wurden Kritiker und Spötter eines Besseren belehrt, als das erste Ironclad von einer konföderierten Mine versenkt wurde.

 

 

Die USS CAIRO war mit der PITTSBURGH und den Kanonenbooten MARMORA und SIGNAL zu einer Expedition den Yazoo hinauf aufgebrochen,
wo sie unter heftiges Musketenfeuer von Scharfschützen genommen wurden. Gleichzeitig entdeckte man Minen und die MARMORA und SIGNAL ließen Boote zu Wasser, die die Schwimmkörper untersuchen sollten.
Während die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Minen gelenkt war, trieb die CAIRO auf Grund und mußte von der MARMORA freigeschleppt werden.
Während beide Schiffe langsam in die Flußmitte zurückfuhren, berührte das Ironclad eine Kontaktmine, die ihr Heck aufriß und sie innerhalb von Minuten sinken ließ.
Ihre Crew wurde vollständig gerettet, und die Soldaten entfernten ihren Schornstein, um die Kessel zu fluten und das Heben des Schiffes durch die Konföderierten zu verhindern. Die Südstaatler hatten eine wirkungsvolle Waffe demonstriert, der bis Kriegsende weitere sechs Ironclads und Monitore sowie elf Kanonenboote
zum Opfer fallen sollten. Zahlreiche weitere wurden teilweise schwer beschädigt.

Eine Möglichkeit, die Minen als Angriffswaffen einzusetzen, waren Torpedoboote, von denen die David das erste war.
Theodore Stoney aus Charleston entwarf ein 16 Meter langes zylindrisches Schiff mit konisch zulaufenden Enden, das mit Wassertanks ausgestattet war,
die geflutet nur noch einen kleinen Teil des dampfbetriebenen Bootes einschließlich seines niedrigen Schornsteins an der Oberfläche sichtbar ließen.
Die Mine mit einer Ladung von 134 Pfund Pulver war an einem Holzspeer, der am Bug angebracht war, befestigt und zündete bei Kontakt.
Am Abend des 5. 10. 1863 gelang es Lieutenant Glassell, mit der DAVID die USS NEW IRONSIDES vor Charleston zu beschädigen,
leider nicht tief genug unter der Wasseroberfläche, so daß das Kriegsschiff repariert werden konnte. Bis 1865 wurden über 20 weitere DAVIDS gebaut,
die die Blockadeschiffe bedrohten, jedoch keines versenkten.

 

DAVID im Hafen von Charleston. (National Archives)

 

Bereits 1775 hatte David Bushnell aus Connecticut mit Entwürfen eines Tauchbootes experimentiert, diese aber nie verwirklicht.
Davon inspiriert, legte H. L. Hunley zusammen mit James McClintock und Baxter Watson 1863 in Mobile, Pläne eines weiterentwickelten Unterseebootes vor,
das unter der Leitung von den zwei Armeeingenieuren Lieutenants W. A. Alexander und G. E. Dixon gebaut wurde.
Hunley ließ einen zylinderförmigen Dampfkessel mit spitz zulaufenden Enden umbauen und mit einem Seiten- und zwei Höhenrudern ausstatten.
Ballasttanks wurden zum Tauchen gefüllt und mit Handpumpen entleert. Die Mannschaft bestand aus neun Leuten: acht Mann trieben über eine Welle
den Propeller am Heck an, und der Rudergänger stand am Ausguck. Am Kiel wurden zusätzliche Eisengewichte angebracht, die durch Bolzen entfernt werden konnten.
Als Beleuchtung diente eine Kerze, die zugleich den Sauerstoffvorrat anzeigte, und ein Kompaß ermöglichte die Navigation unter Wasser,
während der Rudergänger an der Oberfläche aus zwei kleinen Bullaugen schaute.

 

 

Schnittzeichnungen der HUNLEY

 

Erfolgreiche Tests dieses ersten funktionstüchtigen U-Bootes wurden in Mobile vorgenommen und im August wurde die CSS HUNLEY auf Eisenbahnwaggons nach Charleston transportiert.
Eigentlich war vorgesehen, eine Mine in 70 Meter Entfernung hinter dem Boot herzuziehen, kurz vor einem feindlichen Schiff unter
- und dahinter aufzutauchen und es so zu zerstören, aber in Charleston rüstete man die HUNLEY wie die DAVIDS mit einem Speertorpedo aus,
der 90 Pfund Pulver enthielt.
Obwohl mehrere Crews bei aufeinanderfolgenden Tauchfahrten umkamen, fuhren die Konföderierten fort, die HUNLEY zu benutzen.
Sie patrouillierte einige Nächte jede Woche, blieb aber an der Oberfläche. Immer wieder scheiterte sie nur knapp bei dem Versuch, an feindliche Schiffe zu gelangen,
aber in der Nacht vom 17. 2. 1864 griff sie die HOUSATONIC an, die in acht Meter tiefem Wasser zwei Meilen von Battery Marshall entfernt ankerte, und versenkte sie.
Unglücklicherweise ging die HUNLEY bei dem Angriff verloren.
Ihre tapfere Mannschaft war die erste, die ihr Leben im U-Boot-Dienst opferte, und die erste, die ein Kriegsschiff mit der neuen Waffe versenkte.

 

 

Das konföderierte Tauchboot HUNLEY (nach einem Gemälde)

 

Die Antwort des Nordens auf die CSS HUNLEY und die PIONEER war die INTELLIGANT WHALE, die in ihrer ovalen Form der PIONEER ähnelte und
von Augustus Price und Cornelius S. Bushnell nach Plänen von Scovel S. Merriam und O. S. Halstead gebaut wurde. Das Experimentalschiff war zehn Meter lang
und konnte mit einer Crew von sechs bis 13 Mann mehrere Stunden tauchen, wobei die INTELLIGANT WHALE eine Geschwindigkeit von bis zu vier Knoten entwickelte.
Ein anderer Versuch, die USS ALLIGATOR, sank im April 1863.




Taktik

Die Seeblockaden Englands im 18. und frühen 19. Jahrhundert waren kaum organisierte Aktionen von riesigen Flotten gewesen, die sich vor der feindlichen Küste zur Abschreckung postierten. Die Union hatte 1861 fast keine Schiffe zur Verfügung, die sich gegen schnelle Dampfer behaupten konnten, deshalb verlangte die Blockade eine extensive und gründliche Planung seitens der Marine. Das Ministerium rief die North Atlantic und South Atlantic und die East und West Gulf Blockading Squadrons ins Leben, eigenständige Geschwader, die festen Küstenabschnitten und bestimmten Häfen zugeteilt waren und autonom handeln konnten. Es ist das große Verdienst von Welles und Fox, in einer Zeit der technischen und militärischen Umwälzungen strategisch Schritt gehalten und eine neue Art der Seekriegsführung auch in der Organisation eingeführt zu haben.

Wenn auch die Kommandierenden der Armee, allen voran Halleck, anfangs nichts von Marineaktionen mit Armeeunterstützung hielten, zeigte sich doch bald die Effizienz ausgearbeiteter Strategie und weitreichender Planung. Ohne eine solche Planung hätte die Eroberung des Mississippi und der Atlantikküste Monate, vielleicht sogar Jahre länger gedauert, und die ungenügende, ja, gegenläufige Organisation der konföderierten Marine bestätigt diese Vermutung. Nur wenige Generäle wußten die Unterstützung der Marine richtig zu bewerten.

Grant und Sherman, und später Canby bei Mobile Bay, erkannten den Wert von Flottenunterstützung, und sie forderten sie nicht nur an, sondern vertrauten ihr komplett. Gerade die Planung von amphibischen Operationen, die zwischen Hatteras Inlet und Fort Fisher gewaltige Fortschritte erzielte, trug zum Erfolg sowohl der Marine als auch der Armee in Küstenbereichen bei. Solche Unternehmen wurden zu Vorbildern späterer Einsätze im Zweiten Weltkrieg und anderen Auseinandersetzungen,
die exakt das gleiche Schema aufwiesen: Schlachtschiffe bombardierten die Küstenbefestigungen, bis sie stark geschwächt waren, worauf Landungstruppen die Küste stürmten, Stellungen aushoben und die Forts einnahmen.

Essentiell für eine gute Planung war die Voraussetzung, daß Marineoffiziere einer solchen fähig waren. Das war größtenteils Franklin Buchanan und seiner
Naval Academy zu verdanken, die gerade rechtzeitig gegründet worden war, um für den Krieg eine neue Generation von Lieutenants, Captains und Commanders hervorzubringen. Ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Marine war hierbei das Spannungsverhältnis, das zwischen Männern wie Du Pont oder Farragut und Dahlgren, Ericsson oder Eads herrschte.

Die ersten beiden waren alte Seeleute, die auf ihre hölzernen Schiffe vertrauten, wobei Farragut als erster Kommandeur im Gegensatz zu früheren Auseinandersetzungen Flottenverbände als Einheit operieren ließ. Seine Taktik war schnelle Bewegung und erstickendes Feuer, was mit den Ironclads nicht möglich war. Diese Schiffe besaßen andere Qualitäten, die von ihren Erbauern und Kapitänen, meist jüngeren Abgängern der Akademie und in Schiffsbau und Mechanik ausgebildet, erst noch ausprobiert werden mußten. So entstanden Strategien, die zusammengenommen den modernen Seekrieg ermöglichten, wie er von Admiral Alfred T. Mahan 1890 in seinem Werk
The Influence of Sea Power upon History
dargelegt wurde. Es waren nicht nur die Schiffe, die den Krieg zu Wasser gewannen, sondern in hohem Maße die Männer,
die sie kommandierten, und eine Einstellung zur Marine, die dem Süden fehlte.

„Der Konföderation fehlten Werkstätten; aber sie hatte keinen so großen Mangel, wie die Ergebnisse glauben machen. Das ganze Bild ihrer Niederlage besteht aus unzusammenhängenden Versuchen von Männern, die klug und einsatzfreudig genug, aber nicht fähig waren, den Behörden in Richmond Interesse an Technik einzureden. Als Lincoln hörte, daß die VIRGINIA die Fregatten bei Hampton Roads versenkt hatte, waren seine ersten Fragen die nach Tonnage, Feuerkraft, Panzerung und Maschinen.
Jefferson Davis hätte über solche Dinge nie mehr nachgedacht als darüber, ob er als Vermittler zwischen zerstrittenen Schulen von Ironclad-Konstrukteuren auftreten sollte. Die Männer, die die Konföderation geschaffen hatten, dachten in rein politischen Beziehungen; sie erkannten nicht, daß sie in einer Zivilisation lebten,
in der die Technik ein untrennbarer Teil der Politik geworden war, und dieses Versagen war das Versagen ihrer ganzen Sache. "
Pratt, Navy, S. 337

 

Weiterführende Links:
"Hampton Roads", "Krieg auf dem Wasser", "Mobile Bay" - zusammengefaßt unter -
SCHLACHTEN
 "Marine-Uniformen" siehe: UNIFORMEN                  

 

 

 

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