Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr

Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
© Michael J. McAfee and John P. Langellier • Billy Yank 1861-1865 •
© Jonathan Sutherland • COMMANDERS AND HEROES OF THE AMERICAN CIVIL WAR •
© NORD & SÜD 1992, Martin Öfele Die Schwarzen Truppen

 

Schwarze Truppen im Heer 1861-1865

Seite - 1 -

 

 

Vorwort


Die Rolle der Farbigen im Amerikanischen Bürgerkrieg wird bis heute leider allzuoft unterschätzt. Viele Historiker schreiben den etwa 180.000 schwarzen Soldaten,
die auf Lincolns Emancipation Proclamation hin für die Union zu den Waffen griffen, jeden Mitverdienst am Sieg des Nordens ab. Zudem wirft die starrköpfige und verklemmte Haltung Farbigen gegenüber nicht gerade ein schmeichelhaftes Licht auf die Militärpolitik der Union.
Aus diesen beiden Gründen wurde ein dringend revisionsbedürftiges Kapitel sowohl der Geschichte des Bürgerkriegs als auch der Schwarzen in den Vereinigten Staaten
lange Zeit vernachlässigt und verfälscht. Obwohl Lincoln ursprünglich keineswegs die Befreiung der Sklaven im Sinn hatte, sondern die weitere Ausbreitung der Sklaverei in den westlichen Territorien unterbinden wollte, versuchten sich zahlreiche freie Schwarze zu Beginn des Krieges freiwillig zu melden.
Obwohl die konföderierte Regierung als Antwort auf die Emanzipationserklärung und die Aushebung erster Farbigenregimenter bekanntgab,
daß jeder von den Südstaatlern gefangengenommene Schwarze in einer Unionsuniform als Aufständischer behandelt und entweder wieder versklavt
oder standrechtlich erschossen werde, beharrten die Soldaten darauf, für ihre Freiheit einzutreten.

Obwohl farbige Soldaten im Norden zwei Jahre lang diskriminiert und lediglich für körperliche Arbeiten herangezogen wurden, konnten ihnen den Stolz und das Verlangen, für „ihre" Union zu kämpfen, niemand nehmen. Und obwohl kaum ein Offizier - nicht einmal Präsident Lincoln selbst - den Schwarzen soldatische Tugenden zusprechen wollte, formierten sich hervorragende Regimenter, die sich in vielen Einsätzen bewähren und zum Sieg der Union beitragen sollten.
NORD & SÜD
1992, Martin Öfele, Die Schwarzen Truppen

 

 

 

 

 

Aufruf an Neger, sich zur Unionsarmee zu melden, 1862

 

 

 

 

 

 

Erste Truppenteile

Die ersten Schwarzen, die für die Union kämpften, waren irreguläre und teilweise gegen den ausdrücklichen Willen Lincolns aufgestellte Truppenteile,
die zum Teil nach einigen Wochen bereits wieder aufgelöst wurden. Da die US-Offiziere den Befehl hatten, die „fugitive slave"-Gesetze rigoros durchzusetzen,
das heißt, entflohene Sklaven nicht aufzunehmen oder zu beschützen, sondern ihren Besitzern zu übergeben, hätte die Politik eines Präsidenten,
der Schwarze gegen Schwarze hätte kämpfen lassen, sofort ihre Glaubwürdigkeit verloren.

Die militärische sowie die politisch-rechtliche Lage war für die meisten klar: Offiziell wurde kein Krieg gegen die Sklaverei geführt, und der durchschnittliche Soldat des Nordens kämpfte für die Union und sonst nichts. Außerdem verboten die „fugitive-slave"-Gesetze automatisch jede Verbrüderung mit Sklaven aus dem Süden.
Hinzu gesellte sich eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes von 1857, die den Schwarzen die Bürgerrechte abgesprochen hatte, wodurch sie auch das Recht,
in die Armee der Vereinigten Staaten einzutreten, verloren. Diese rassistische Haltung, zusammen mit den Vorurteilen, Farbige seien von Natur aus feige und dem militärischen Drill nicht gewachsen, konnte nur langsam der Akzeptanz schwarzer Soldaten weichen.

 

Die Kontrabanden


General Benjamin F. Butler

eine der schillerndsten und widersprüchlichsten Gestalten des Bürgerkriegs und der Reconstruction, war der erste, der sich sowohl Lincolns Gesetzen widersetzte, als auch entlaufene Sklaven für die Armee arbeiten ließ. Am 26. Mai 1861 weigerte er sich als Kommandeur von Fort Monroe, drei Sklaven, die hinter seine Linien geflüchtet waren, ihrem Besitzer, Colonel Mallory, zu übergeben. Butler wies den Befehlshaber der konföderierten Truppen bei Hampton mit der Begründung ab, daß sich Sklaven als sehr nützlich bei der Arbeit an Befestigungen, Wällen und Schützengräben erweisen könnten und deshalb genauso wie „Blei, Pulver oder irgendein anderes Kriegsmaterial" als Kriegskontrabande zu bezeichnen seien. Deshalb könnten und würden sie nicht ausgeliefert werden.

Butler, als Politiker so geschickt, wie er sich als Offizier unfähig erweisen sollte, bot Mallory jedoch die Rückgabe der Sklaven an, wenn sich dieser in das Hauptquartier des Generals begeben und einen Eid auf die Union ablegen werde. Das war nicht nur ein witziger Einfall, sondern zugleich legal völlig einwandfrei. Wenn Mallory seinen Treueeid ablegen und aus der Konföderation austreten würde, könnte er seine Sklaven nicht mehr gegen den Norden einsetzen,
und da noch niemand die Sklaverei verboten hatte, wären sie wieder sein volles Eigentum. Da diese Möglichkeit praktisch ausgeschlossen war, hatte Butler geschafft,
was bis dahin keinem Politiker, keinem Abolitionisten und nicht einmal dem entschlossenen John Brown gelungen war: Er hatte den ersten offiziellen und legitimen Schlag gegen die Sklaverei geführt.

Von nun an wurden entlaufene Sklaven im Norden allgemein als „Kontrabanden" bezeichnet und immer häufiger von US-Befehlshabern eingesetzt.
Man erkannte bald, daß sich hauptsächlich intelligentere Sklaven hinter die nördlichen Linien retten konnten, und so wurden sie gern als Spione, Nahspäher und Informanten verwendet. Hierbei erwiesen sich ihre Kenntnisse des Terrains und versteckter Pfade und Schleichwege sehr nützlich. Tatsächlich lieferten diese ersten Schwarzen in Unionsdiensten vor allem den Truppen in Virginia und South Carolina zahlreiche Informationen über feindliche Stärken und Bewegungen.

Nicht alle Unionsoffiziere waren indes bereit, solche Art Unterstützung anzunehmen. Major General John A. Dix, Kommandeur der Accomac und Northampton Counties in Virginia, zum Beispiel vermied das Flüchtlingsproblem ganz. Er berief sich auf Anweisungen, „nicht in die Lage jeglicher Person in häuslichen Diensten einzugreifen",
und verbot daher, entlaufene Sklaven in die Lager zu lassen.


Entlaufene Sklaven als "Kontrabande"

Dennoch begann sich Butlers „Kontrabandenpolitik" allmählich zu behaupten, da Schwarze,
die als Köche, Schmiede, Ordonnanzen usw. weiße Soldaten ersetzten, halfen, die Sollstärken der Regimenter zu erfüllen und die Kampfkraft zu erhöhen. Im Norden wurde diese Vorgehensweise fast durchweg gebilligt,
und das Albany Journal aus New York bezeichnete Butlers Politik als die „einzig wahre" im Umgang mit ehemaligen Sklaven.

General Butler folgte auch als erster dem Beispiel konföderierter Offiziere, die Berichten von Spähern der
1. Vermont Infantry zufolge im August 1861 bei Newmarket Bridge eine Richmond-Haubitzenbatterie mit Schwarzen bemannt hatten. Erließ einige der Kontrabanden auf Admiral Silas H. Stringhams Schiffen während seiner Operation gegen die Forts Hatteras und Clark in North Carolina am 28. und 29. August dienen.

 

 

 

 

 

Befreite Sklaven beim Arbeitseinsatz in Tennessee

Aufgrund des Erfolges dieser Expedition, bei der die 880 Soldaten der 9. und 20. New York, 2. US Artillery
und der US Coast Guard praktisch auf keinen Widerstand trafen, begann die Navy,
Schwarze in größerem Stil anzuheuern.

Admiral Stringham hatte sich bewundernd über die Leistung der Kontrabanden geäußert,
und bis Ende Herbst des ersten Kriegsjahres dienten auf allen Schiffen der Union den Rappahannock hinauf ehemalige Sklaven von Plantagen in Virginia. Im September war die Zahl farbiger Seeleute dermaßen angestiegen, daß eine Klärung ihres Status in der Marine unumgänglich wurde.
Am 25. September regelte Marineminister Gideon Welles die Frage und nahm zum erstenmal in der Geschichte Schwarze in die Soldlisten der Unionsstreitkräfte auf:..... Sie werden daher ermächtigt, wenn ihr Dienst von Nutzen sein kann, sie für den Marinedienst anzumustern, unter den gleichen Bedingungen und Bestimmungen wie sie für andere Musterungen gelten. Sie werden allerdings keinen höheren Rang als den eines Schiffsjungen erhalten, mit einer Besoldung von $10 pro Monat und einer Ration Pro Tag. "
(Dudley T. Cornish: THE SABLE ARM, 1956)

 

Die Louisiana Native Guards

„Unser Kampfschrei muß nun Emanzipation und Bewaffnung der Sklaven lauten", hatte Henry Adams im November 1861 geschrieben,
und wieder sollte es General Butler sein, der diese Vorschläge in die Tat umsetzte und die traditionelle Rolle der Schwarzen in Frage stellte.

So möchte es auf den ersten Blick scheinen, denn im September stellte Butler in New Orleans die Louisiana Native Guards (Corps d'Afrique) auf,
die ersten regulären farbigen Truppen in der Unionsarmee.
Tatsache dagegen ist, daß sich Butler, der seit dem Fall von New Orleans im April die Stadt kommandierte, wiederholt gegen schwarze Soldaten aussprach,
ja, er hatte sich sogar den geballten Zorn der Abolitionisten zugezogen, als er mit seinen Truppen in den ersten Kriegswochen einen Sklavenaufstand in Maryland niedergeworfen hatte. Er schätzte entlaufene Sklaven als Arbeitskräfte und Spione, sah aber keine Veranlassung, ihnen Gewehre in die Hand zu geben,
weil er der festen Überzeugung war, sie hätten Angst davor.



Geschützmannschaft der 2nd US Colored Light Artillery mit zwei weißen Offizieren.

Brigadegeneral John W. Phelps von den 1. Vermont Volunteers war derjenige, dem das erste farbige Regiment als offizielle Einheit der US-Armee zu verdanken ist.
Der Kommandeur von Camp Parapet nahe New Orleans drängte seinen Vorgesetzten,
ein Regiment aus freien Schwarzen, die in Louisiana sogar reguläre Milizen stellten, anmustern zu dürfen.

 

 

Butler seinerseits war überzeugt, daß farbige Truppen unnötig seien, und teilte Kriegsminister Edwin M. Stanton seine Überzeugung mit, „daß dieser Krieg zu Ende gebracht wird, bevor irgendeine Einheit von Negern organisiert" werden könnte. Er schlug Phelps' Bitten wiederholt aus und engagierte sich in einem höchst agressiven Briefwechsel mit ihm, in dessen Verlauf der überzeugte Abolitionist um seinen Rücktritt ersuchte, den Butler jedoch verweigerte.
Phelps' Argumente waren nicht nur militärisch begründet. Natürlich würden drei Regimenter, die er seiner Meinung nach rasch aufstellen könnte
(was später auch der Wahrheit entsprach), die Militärpräsenz der Union in Louisiana erheblich verstärken. Über die Loyalität der Farbigen bestand kein Zweifel,
denn „sie sind bereit, sich allem zu unterstellen, nur nicht der Sklaverei".
Was ihn aber genauso bewog, war seine Überzeugung, die Gesellschaftsordnung des Südens befände sich in einem Stadium der Auflösung.
Der beste Weg, die Schwarzen vor der drohenden Anarchie zu bewahren, war für Phelps, sie für „die Sache der Republik" einzusetzen.

Zugleich arbeitete er ein umfangreiches Konzept für die Anmusterung und Ausbildung solcher Truppen aus. Es sah ein Ausbildungslager in South Carolina vor, in dem die Soldaten von den dortigen Akademieabgängern gedrillt werden sollten, was gleichzeitig als Praxistraining für die Kadetten dienen würde. Butler jedoch hielt sich zunächst strikt an den Präsidenten, der „bis jetzt seine Absicht, die Afrikaner unter Waffen zu stellen, noch nicht angezeigt" hatte.


General Benjamin Butler war einer jener typischen „politischen Generäle" wie auch Alpheus S. Williams, John A. McClernand oder Nathaniel Banks,
die sich weniger durch militärische Kompetenz als durch politische Geschicklichkeit hervortaten, und Butler verstand es prächtig, sein Fähnlein nach dem Wind zu hängen und seine Meinung der vorherrschenden anzupassen. Die wendete sich im Sommer 1862 immer mehr zugunsten der Abolitionisten, und nicht zuletzt auf Fremonts und Hunters Emanzipationsversuche hin konnte diese Gruppe jetzt starken Einfluß auf die Regierung ausüben. Zudem war Louisiana der einzige Staat des Südens,
in dem freie Schwarze bereits unter der konföderierten Regierung in der Miliz gedient hatten.


Schwarze Arbeitsdienstler im US-Camp von Brandy Station

Zum politischen Druck gesellte sich im August heftiger militärischer, als Major General John C. Breckinridge mit zwei Divisionen unter Charles Clark und Daniel Ruggles, unterstützt von drei Artilleriebatterien und zwei Kompanien Partisan Rangers, nach Baton Rouge vorrückte.
Am Morgen des 5. August griffen die ca. 2.600 Konföderierten die Stadt, die von Brigadegeneral Thomas Williams mit 2500 Männern des XIX. Corps verteidigt wurde, von Osten her an. Williams' Truppen wurden überrannt, wobei er selbst getötet wurde. Die Rebellen konnten erst von den föderierten Kanonenbooten Essex,
Katahdin
und Kineo gestoppt und zurückgeworfen werden. Mit 453 Verlusten mußten sie sich zurückziehen,
die Nordstaatler verzeichneten 383 Ausfälle.
Anhaltende Gefechte und Überfälle in der Folgezeit veranlaßten die Unionstruppen trotzdem,
Baton Rouge am 21. August aufzugeben, wodurch New Orleans in eine gefährlich exponierte Lage geriet.

Ob nun politische oder militärische Überlegungen Butler zu einem Meinungsumschwung bewegten, bleibt unklar. Jedenfalls erließ er am 22. August,
dem Tag nach Phelps' (von diesem selbst an höherer Stelle geforderten) Entlassung, seine General Order No. 63, in der er die freien schwarzen Milizsoldaten Louisianas aufrief, sich zur Unionsarmee zu melden. Am 27. September wurde das erste Regiment der Louisiana Native Guards den Streitkräften des Nordens angegliedert,
und wieder hatte Butler, der keinerlei emanzipatorische Züge zeigte, seine politische Geschicklichkeit gezeigt und nur freie Schwarze angemustert.
Dagegen konnte niemand etwas einwenden.
Das zweite Regiment wurde am 12. Oktober aufgestellt, gefolgt vom dritten am 24. November.
Diese Daten belegen Phelps' Ansicht über die Bereitschaft der Farbigen, endlich aktiv in das Geschehen eingreifen zu dürfen.


Farbigenregimenter im Norden

Am 17. September 1862 wurde die bis dahin blutigste Auseinandersetzung auf amerikanischem Boden, die Schlacht bei Antietam Creek, ausgetragen.
Auch wenn dieser Tag einer der schrecklichsten in der Geschichte Amerikas bleibt, so hatte er doch den positiven Effekt, daß sich Lincoln daraufhin entschloß,
seine Emancipation Proclamation zu veröffentlichen und den Weg für schwarze Soldaten zu ebnen.

Nach der demütigenden Niederlage vom 30. August am Bull Run, die der sterbende Colonel der 1. Michigan Cavalry in seinem letzten Brief als ein Ergebnis
„von Popes Schwachsinn und McDowells Verrat"
bezeichnete, hatte der Präsident den ersehnten Sieg erhalten, der ihm die nötige öffentliche Unterstützung seiner Sklavenbefreiung sichern sollte. Die Befürchtung, die er im Juni Senator Sumner gegenüber geäußert hatte,
„daß die Hälfte der Offiziere ihre Waffen wegwerfen und sich drei weitere Staaten
(Missouri, Kentucky und Maryland) gegen uns erheben würden",
wenn er die Sklaverei abschaffte und Farbige zur Armee zuließe, war nach diesem apokalyptischen Tag kein Hindernis mehr.
Der Krieg hatte unvorhersehbare Dimension erreicht, und jeder Offizier, Soldat und Zivilist wollte ihn - mit welchen Mitteln auch immer - möglichst schnell beenden.

Es war Sewards (Minister des Auswärtigen) weise Voraussicht gewesen, auf einen Sieg der Union hin die Symphatien im Norden und vor allem auch die europäischen Nationen auf seine Seite zu ziehen, und so verlas Lincoln am 22. September eine vorläufige Emancipation Proclamation. Der Süden wurde aufgefordert,
die Rebellion bis zum 1. Januar 1863 zu beenden. Würde er sich innerhalb dieser 100 Tage ergeben, könnten alle Sklavenhalter ihren Besitz behalten,
ebenso wie alle loyalen Pflanzer. Da das nicht der Fall war, erklärte der Präsident am 1. Januar in seinem endgültigen Emanzipationserlaß:
„Daß am ersten Tage des Januar Anno Domini eintausendachthundertdreiundsechzig alle in Sklaverei gehaltenen Personen,
die in einem Staate oder in einem besonders bezeichneten Teil eines Staates, dessen Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt in Aufruhr gegen die Vereinigten Staaten steht,
frei sind und von nun an und für immer frei sein sollen...
(Carl Sandburg: ABRAHAM LINCOLN, 1958)

Weitverbreiterter Einsatz von Schwarzen: Als Küchenhelfer

Die Antwort auf die Frage, welches das erste Farbigenregiment in der US-Armee war, ist nicht ganz eindeutig und hängt von dem Standpunkt jedes einzelnen ab. Offizielle Aufzeichnungen geben Butlers drei Louisianaregimenter als die ersten, die im August 1862 angemusterten 1. Kansas Colored Volunteers
(ab Dezember 1864 79. US Colored Infantry) als viertes und Hunters nie vollständig aufgelöste spätere
1. South Carolina Colored Volunteers als fünftes Regiment an.

Die 1. Kansas jedoch, von der Bundesregierung zwar nicht anerkannt, vom Staat Kansas aber aufgestellt,
war zweifellos das erste von einem freien Staat rekrutierte Regiment und stellte zugleich die ersten farbigen Soldaten der Union, die - bei Island Mounts, Missouri am 28. Oktober 1862 - zum Einsatz gelangten.

 

In der öffentlichen Meinung schließlich und im Gedenken der Bürgerrechtler und schwarzen Soldaten der Vereinigten Staaten bleibt Hunters Regiment,
das unter Brigadier General Rufus Saxton am 7. November offiziell als 1. South Carolina Colored Volunteers in Dienst gestellt wurde, das Regiment, dem diese Ehre gebührt.

Saxton, der mit Brigadier General Thomas West Sherman auf dessen Port-Royal-Expedition im September 1861 als „chief quartermaster" nach South Carolina gekommen war, war ein alter West Pointer und genau der Richtige, um Hunters Versuch erfolgreich fortzuführen. Im Juni 1862 war er direkt dem War Department unterstellt worden, und am 25. August wurde er autorisiert, so viele „Freiwillige afrikanischer Abstammung" anzumustern, wie er für nötig befände, nachdem der Kongreß zwei wichtige Gesetze erlassen hatte. Das erste, vom 17. Juli, wurde als „Confiscation Act" bekannt und ermächtigte den Präsidenten, so viele Schwarze anzuwerben, wie zur Unterdrückung der Rebellion notwendig wären, und das zweite hob die Zusätze des Milizgesetzes von 1792, in dem Farbige vom Militärdienst ausgeschlossen wurden, auf.

Die Anweisungen Stantons erlaubten Saxton auch die Abstellung von Offizieren, um die schwarzen Rekruten auszubilden, und sahen gleiche Bezahlung und Rationen wie für weiße Freiwillige vor. Aus Datum und Inhalt von Stantons Order ist ersichtlich, daß der Kriegsminister, ein liberaler und der Sklavenfrage aufgeschlossener Politiker,
nicht im Einvernehmen mit dem Präsidenten, vielleicht sogar gegen dessen Willen handelte. Dieser Verdacht erhärtet sich angesichts des allgemeinen Neids im Kabinett auf Außenminister Seward und seine Emanzipationsvorschläge an Lincoln. Dessen Gesinnungswandel würde erklären, warum Stanton Saxton genau die Erlaubnis gab,
die er zuvor Hunter hartnäckig verweigert hatte.


Saxton ging sofort an die Arbeit und erwies sich als feinfühlig und geduldig im Gegensatz zu Hunters Hast und Kurzsichtigkeit. Er behielt das Temperament der Schwarzen genauso im Auge wie die guten Beziehungen zur weißen Truppe und gewann bald beider Vertrauen und Freundschaft. Obwohl das Regiment Anfang November kaum ausgebildet, ja bei weitem noch nicht einmal vollständig rekrutiert war, schickte „Gen'rel Saxby" Captain Trowbridges Kompanie A unter Colonel Oliver T. Beard der
48. New York Infantry am 3. November auf das Festland. Neben Erkundungsaufgaben hatte Beard den Auftrag, entlang der Küste von Georgia und Florida Vorräte zu beschaffen und Salinen zu zerstören. Außerdem wollte Saxton die Qualitäten seiner neuen Truppe testen.
Beards Operation war ein voller Erfolg. An Bord eines gekaperten Flußschiffs, begleitet von einem kleinen Kanonenboot, sorgten die farbigen Soldaten für Verwirrung und Entsetzen unter den völlig verdutzten Rebellen. Lincolns spätere Worte, daß „der bloße Anblick von 50000 bewaffneten und ausgebildeten schwarzen Soldaten an den Ufern des Mississippi" die Rebellion auf einen Schlag beenden würde, bewahrheitete sich im kleinen Stil bereits an den Ufern des Bell und des Sapello.

Sie vertrieben zahlreiche Vorposten, wobei sie neun Südstaatler töteten und drei gefangennahmen, zerstörten neun Salinen und Kriegskontrabande im Wert
von $20.000 und befreiten 150 Sklaven. Bald darauf forderte Saxton in Washington Verstärkung zum Ausbau von Unionsstützpunkten auf dem Festland an,
da sich die Sklavenhalter größtenteils ins Landesinnere zurückzogen, um ihren Besitz zu retten.
Bereits bei ihren ersten Zusammenstößen mit Rebellen hatten die schwarzen Soldaten alle Vorurteile gegen sie widerlegt:
„Ein weiterer tollkühner Kampf mit Guerillas fand in diesem Staat (Missouri) am 29. Oktober nahe Butler, in Bates County statt. Eine Gruppe von ihnen,
die auf Beutezug war und mehrere Städte bedrohte, wurde von 220 Männern des 1. Kansas Colored Regiment verfolgt, kommandiert von weißen Offizieren.
Die zahlenmäßig überlegenen Guerillas griffen sie nahe Osage Island an, drangen auf sie ein und zeigten alle Anzeichen von speziellem Haß auf die Schwarzen.
Aber die Farbigen behaupteten sich wie alle anderen guten Soldaten und ließen den Guerillas schwere Bestrafung zukommen. Als endlich die Kavalleristen in die farbigen Truppen einbrechen konnten, gab es viele heftige Mann-zu-Mann-Gefechte. Kein Schwarzer ergab sich; und einer der Anführer der Guerillas, der den Kampf beschrieb,
gab zu, daß ,die schwarzen Teufel wie Tiger kämpften'."
(Rossiter Johnson: CAMPFIRE AND BATTLEFIELD, 1978)

 

First Sergeant J.L. Balldwin, Company G, 56. Colored Infantry

Die Einsätze der Farbigen blieben zunächst auf Gefechte mit Guerillas und „bushwackers" genannte Heckenschützenbanden in den Grenzstaaten und vom Norden kontrollierten Gebieten beschränkt. Diese führten sie allerdings mit solcher Bravour aus, daß ihre - ausnahmslos weißen - Offiziere sich des höchsten Lobes nicht enthalten konnten.
Im November 1862 war Colonel Thomas W. Higginson, ein Abolitionist aus Massachusetts und Freund John Browns,
als Kommandeur der 1. South Carolina Colored Volunteers nach Beaufort gekommen und hatte sich bald bewundernd über die „gleichwertige militärische Verwendbarkeit" der noch untrainierten Schwarzen im Vergleich zu ihren weißen Kameraden geäußert.
Am Tag der Sklavenbefreiung, am 1. Januar 1863, erhielt das Regiment seine Fahnen, und die erste Parade farbiger Soldaten in blauen Uniformen zog durch Port Royal. Auch Colonel Higginson erwarb sich bald die Freundschaft seines Regiments und führte es auf mehreren erfolgreichen Expeditionen tief nach Georgia und Florida.

Bald stellte sich heraus, daß die ehemaligen Sklaven in den weitverzweigten Sumpfgebieten den weißen Soldaten oftmals überlegen waren, da sie nicht nur mit der Landschaft besser vertraut, sondern auch widerstandsfähiger gegen tropisches Klima waren.
Zudem hatten nicht wenige von ihnen noch versklavte Familien im Süden, so daß sie besonders motiviert war.

Darüber hinaus waren die meisten dieser in der Regel tief religiösen Menschen General Hunter zufolge von einem „brennenden Glauben daran, daß jetzt die von Gott in seiner allwissenden Vorsehung festgesetzte Zeit zur Befreiung ihrer Rasse ist",
erfüllt, der sie zu todesverachtender Tapferkeit trieb. Noch im Februar begann auf den Inseln die Aufstellung eines zweiten Regiments, das unter das Kommando von Colonel Montgomery, einem radikalen Abolitionisten aus Kansas, gestellt wurde. Ein vorläufiger Höhepunkt beider Regimenter war die Einnahme und Besetzung von Jacksonville, Florida, im März.
Diese Kampagne hatte vor allem den Zweck, Freiwillige für die 2. South Carolina Colored Volunteers anzuwerben, da Montgomerys Regiment Anfang März trotz intensivster Bemühungen erst 150 Mann zählte, während Higginson ein komplettes Regiment in Sollstärke unter seinem Kommando hatte. Hierfür gab es zwei Gründe:
Zunächst hatten sich die meisten Pflanzer mit ihren Sklaven von der Küste entfernt, um deren Befreiung zu verhindern. Von den übrigen waffenfähigen Ex-Sklaven und freien Schwarzen waren fast alle bereits in Higginsons Truppe eingetreten. Saxon gab daher Higginson sehr lockere Anweisungen, die lediglich die Aufforderung an alle loyalen Männer, zu den Waffen zu greifen, sowie die Einnahme von Jacksonville enthielten.

In und um die Stadt, die schon zweimal vom Norden besetzt und wieder evakuiert worden war, hoffte Saxton, genügend Farbige zu motivieren, um auch das zweite Regiment auffüllen zu können. Am 10. März gelang es Higginson, Jacksonville mit weniger als 1000 Infanteristen einzunehmen und die dortige Garnison zu überraschen,
ohne daß ein einziger Schuß gefallen war. Das war dadurch ermöglicht worden, daß das Gros der konföderierten Truppen zur Verteidigung nach Charleston und Savannah abgezogen worden war und General Beauregard dort keinen Mann entbehren konnte.

Die South Carolina Regimenter hielten den einzigen Außenposten des Department of the South zehn Tage lang, während Montgomery zu mehreren Raids den St.-John-Fluß hinauf vorstieß und reiche Beute aus diesem bis dahin eher verschonten Gebiet herausschaffte. In dem Moment, als erste Anzeichen von Erschöpfung bemerkbar wurden, trafen am 20. März das 6. Connecticut und zwei Tage später Teile des 8. Maine aus Port Royal ein. Dennoch berief Hunter das ganze Kommando am 29. März zum Hauptquartier zurück - aus Gründen, die nie zufriedenstellend geklärt wurden, und gerade zu dem Zeitpunkt, als Higginson dort einen strategisch wichtigen Posten einrichten wollte. Als US-Truppen im Jahr darauf mit 20.000 Soldaten zurückkehrten, konnten sie, obwohl fast zwanzigmal so stark, die blutige Schlacht von Olustee
nicht für sich entscheiden.

In Jacksonville hatten schwarze und weiße Soldaten zum erstenmal im Bürgerkrieg zusammen Dienst getan, und Colonel Higginson zeigte sich hocherfreut darüber, daß es keinerlei Probleme zwischen den beiden gegeben hatte. Doch auch wenn die allgemeine Ansicht über schwarze Truppen nun überwiegend zu deren Gunsten umgeschlagen war und Lincoln Hunter persönlich Glückwünsche zu der erfolgreichsten Operation aussprach und darauf drängte, daß alles getan werden müsse,
um die neuen Truppen „zu erhalten und zu vergrößern", lief noch nicht alles so glatt wie in South Carolina.
Im Gegensatz zur Ostküste und den vorgelagerten Inseln, waren die Rekrutierungsmethoden im Westen nicht allzu sanft. Adjutant General Lorenzo Thomas war im März 1863 den Mississippi hinuntergeschickt worden, um möglichst viele Farbigenregimenter aufzustellen.

Er schlug sein Hauptquartier nahe Memphis auf und vergeudete keine Zeit mit Aufrufen, sondern ließ die Kavallerie zu Beutezügen ausschwärmen,
von denen sie fast täglich mit „Hunderten von Pferden und Negern als Beute” zurückkehrte. Auf diese Weise wurde die 59. US Colored Infantry innerhalb von
sechs Wochen rekrutiert, „ohne die Regierung einen Dollar zu kosten", wie Colonel Robert Cowden, der spätere Kommandeur des Regiments, bemerkte.

Im Norden selbst ging die Rekrutierung zunächst äußert schleppend voran. Bei vielen Farbigen war die Bereitschaft, für die Union zu kämpfen, gesunken,
nachdem die Kriegsindustrie angelaufen war und neue, gut bezahlte Arbeitsplätze versprach. Darüber hinaus nahm die Anzahl wehrfähiger Schwarzer nach Norden zu immer mehr ab, und in Städten wie Washington oder Baltimore, die eigentlich südliche Städte waren, herrschte immer noch offene Feindschaft schwarzen Soldaten gegenüber.
So waren von den 14 im August 1863 bereitstehenden Regimentern Farbiger lediglich fünf im Norden rekrutiert worden. 24 Regimenter wurden gerade ausgehoben,
ebenfalls größtenteils in Louisiana, South Carolina und entlang des Mississippi.
Bemerkenswert ist, daß es in den Nordstaaten keineswegs einen gemeinsamen Konsens bezüglich schwarzer Soldaten gab. Während die neuen Truppen in South Carolina und Louisiana von Offizieren wie Mannschaften von Anfang an als Kameraden akzeptiert wurden und, wie in Jacksonville, Seite an Seite kämpften, schlug ihnen im Norden Rassismus und oft blanker Haß entgegen. John Ross, Corporal des 1. Colored Regiment in Washington, wurde im Juni von einer aufgebrachten Meute, unter ihr ein Polizist, brutal niedergeschlagen und verhaftet. Zudem wurden den Truppen anfangs Uniformen, angemessener Sold und sogar Waffen verweigert.


Die Soldaten der 107. US Colored Infantry in Fort Corcoran bei Washington.
Die Einheit war bei Kämpfen um Fort Fisher eingesetzt.

Der Grund hierfür mag darin liegen, daß die US-Truppen im Süden die Leistungsstärke der Farbigen angesichts der erfolgreichen Einsätze der 1. Kansas und der South Carolina Volunteers schon sehr früh kennen- und schätzengelernt hatten, während die neuen Regimenter im Norden noch Monate auf ihre Bewährung warten mußten. Im Süden hatte man den Schwarzen, der als „schmutziger, abstoßender ,Nigger' ” in den Camps eingetroffen war, geschoren, gewaschen und in eine Uniform gesteckt.
Mit einer Waffe in der Hand verwandelte er sich laut Cowden automatisch in einen Soldaten, der mit seinen Lumpen auch seine Unterwürfigkeit und Feigheit abgelegt hatte. Cowdens 59. US Colored Infantry,
obwohl kaum ausgebildet, sollte sich dennoch zu einer hervorragenden Truppe mausern.
Im Norden hingegen wurde zuviel Zeit mit Ausbildung und Drill vergeudet, bevor man die Fähigkeiten der Farbigen erprobte.
Die Soldaten wurden zuerst lediglich zu körperlichen Arbeiten herangezogen, was sie in den Augen der Öffentlichkeit und der weißen Truppe nicht gerade auszeichnete.
Endgültig sollte sich die Meinung im Norden erst nach der Schlacht von Port Hudson am 27. Mai ändern.

 

 

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