Aufruf an
Neger, sich zur Unionsarmee zu melden, 1862
Erste
Truppenteile
Die ersten Schwarzen,
die für die Union kämpften, waren irreguläre und teilweise
gegen den ausdrücklichen Willen Lincolns aufgestellte Truppenteile,
die zum Teil nach einigen Wochen bereits wieder aufgelöst wurden.
Da die US-Offiziere den Befehl hatten, die „fugitive slave"-Gesetze
rigoros durchzusetzen,
das heißt, entflohene Sklaven nicht aufzunehmen oder zu beschützen,
sondern ihren Besitzern zu übergeben, hätte die Politik
eines Präsidenten,
der Schwarze gegen Schwarze hätte kämpfen lassen, sofort
ihre Glaubwürdigkeit verloren.
Die militärische
sowie die politisch-rechtliche Lage war für die meisten klar:
Offiziell wurde kein Krieg gegen die Sklaverei geführt, und der
durchschnittliche Soldat des Nordens kämpfte für die Union
und sonst nichts. Außerdem verboten die „fugitive-slave"-Gesetze
automatisch jede Verbrüderung mit Sklaven aus dem Süden.
Hinzu gesellte sich eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes von
1857, die den Schwarzen die Bürgerrechte abgesprochen hatte,
wodurch sie auch das Recht,
in die Armee der Vereinigten Staaten einzutreten, verloren. Diese
rassistische Haltung, zusammen mit den Vorurteilen, Farbige seien
von Natur aus feige und dem militärischen Drill nicht gewachsen,
konnte nur langsam der Akzeptanz schwarzer Soldaten weichen.
Die
Kontrabanden
General Benjamin F. Butler
eine der schillerndsten
und widersprüchlichsten Gestalten des Bürgerkriegs und der
Reconstruction, war der erste, der sich sowohl Lincolns Gesetzen
widersetzte, als auch entlaufene Sklaven für die Armee arbeiten
ließ. Am 26. Mai 1861 weigerte er sich als Kommandeur von Fort
Monroe, drei Sklaven, die hinter seine Linien geflüchtet waren,
ihrem Besitzer, Colonel Mallory, zu übergeben. Butler wies den
Befehlshaber der konföderierten Truppen bei Hampton mit der Begründung
ab, daß sich Sklaven als sehr nützlich bei der Arbeit an
Befestigungen, Wällen und Schützengräben erweisen könnten
und deshalb genauso wie „Blei, Pulver
oder irgendein anderes Kriegsmaterial" als Kriegskontrabande
zu bezeichnen seien. Deshalb könnten und würden sie nicht
ausgeliefert werden.
Butler, als Politiker so geschickt, wie er sich als Offizier unfähig
erweisen sollte, bot Mallory jedoch die Rückgabe der Sklaven
an, wenn sich dieser in das Hauptquartier des Generals begeben und
einen Eid auf die Union ablegen werde. Das war nicht nur ein witziger
Einfall, sondern zugleich legal völlig einwandfrei. Wenn Mallory
seinen Treueeid ablegen und aus der Konföderation austreten würde,
könnte er seine Sklaven nicht mehr gegen den Norden einsetzen,
und da noch niemand die Sklaverei verboten hatte, wären sie wieder
sein volles Eigentum. Da diese Möglichkeit praktisch ausgeschlossen
war, hatte Butler geschafft,
was bis dahin keinem Politiker, keinem Abolitionisten und nicht einmal
dem entschlossenen John Brown gelungen war: Er hatte den ersten offiziellen
und legitimen Schlag gegen die Sklaverei geführt.
Von nun an wurden
entlaufene Sklaven im Norden allgemein als „Kontrabanden"
bezeichnet und immer häufiger von US-Befehlshabern eingesetzt.
Man erkannte bald, daß sich hauptsächlich intelligentere
Sklaven hinter die nördlichen Linien retten konnten, und so wurden
sie gern als Spione, Nahspäher und Informanten verwendet. Hierbei
erwiesen sich ihre Kenntnisse des Terrains und versteckter Pfade und
Schleichwege sehr nützlich. Tatsächlich lieferten diese
ersten Schwarzen in Unionsdiensten vor allem den Truppen in Virginia
und South Carolina zahlreiche Informationen über feindliche Stärken
und Bewegungen.
Nicht alle Unionsoffiziere
waren indes bereit, solche Art Unterstützung anzunehmen. Major
General John A. Dix, Kommandeur der Accomac und Northampton Counties
in Virginia, zum Beispiel vermied das Flüchtlingsproblem ganz.
Er berief sich auf Anweisungen, „nicht in die Lage jeglicher
Person in häuslichen Diensten einzugreifen",
und verbot daher, entlaufene Sklaven in die Lager zu lassen.

Entlaufene
Sklaven als "Kontrabande"
Dennoch begann
sich Butlers „Kontrabandenpolitik" allmählich
zu behaupten, da Schwarze,
die als Köche, Schmiede, Ordonnanzen usw. weiße Soldaten
ersetzten, halfen, die Sollstärken der Regimenter zu erfüllen
und die Kampfkraft zu erhöhen. Im Norden wurde diese Vorgehensweise
fast durchweg gebilligt,
und das Albany Journal aus New York bezeichnete Butlers Politik
als die „einzig wahre" im Umgang mit ehemaligen
Sklaven.
General Butler
folgte auch als erster dem Beispiel konföderierter Offiziere,
die Berichten von Spähern der
1. Vermont Infantry zufolge im August 1861 bei Newmarket Bridge eine
Richmond-Haubitzenbatterie mit Schwarzen bemannt hatten. Erließ
einige der Kontrabanden auf Admiral Silas H. Stringhams Schiffen während
seiner Operation gegen die Forts Hatteras und Clark in North Carolina
am 28. und 29. August dienen.

Befreite
Sklaven beim Arbeitseinsatz in Tennessee
Aufgrund des Erfolges
dieser Expedition, bei der die 880 Soldaten der 9. und 20. New York,
2. US Artillery
und der US Coast Guard praktisch auf keinen Widerstand trafen, begann
die Navy,
Schwarze in größerem Stil anzuheuern.
Admiral Stringham
hatte sich bewundernd über die Leistung der Kontrabanden geäußert,
und bis Ende Herbst des ersten Kriegsjahres dienten auf allen Schiffen
der Union den Rappahannock hinauf ehemalige Sklaven von Plantagen
in Virginia. Im September war die Zahl farbiger Seeleute dermaßen
angestiegen, daß eine Klärung ihres Status in der Marine
unumgänglich wurde.
Am 25. September regelte
Marineminister Gideon Welles die Frage und nahm zum erstenmal in der
Geschichte Schwarze in die Soldlisten der Unionsstreitkräfte
auf:..... Sie werden daher ermächtigt, wenn ihr Dienst von
Nutzen sein kann, sie für den Marinedienst anzumustern, unter
den gleichen Bedingungen und Bestimmungen wie sie für andere
Musterungen gelten. Sie werden allerdings keinen höheren Rang
als den eines Schiffsjungen erhalten, mit einer Besoldung von $10
pro Monat und einer Ration Pro Tag. "
(Dudley T. Cornish: THE SABLE ARM, 1956)
Die
Louisiana Native Guards
„Unser
Kampfschrei muß nun Emanzipation und Bewaffnung der Sklaven
lauten", hatte
Henry Adams im November 1861 geschrieben,
und wieder sollte es General Butler sein, der diese Vorschläge
in die Tat umsetzte und die traditionelle Rolle der Schwarzen in Frage
stellte.
So möchte es auf den ersten Blick scheinen, denn im September
stellte Butler in New Orleans die Louisiana Native Guards (Corps d'Afrique)
auf,
die ersten regulären farbigen Truppen in der Unionsarmee.
Tatsache dagegen ist, daß sich Butler, der seit dem Fall von
New Orleans im April die Stadt kommandierte, wiederholt gegen schwarze
Soldaten aussprach,
ja, er hatte sich sogar den geballten Zorn der Abolitionisten zugezogen,
als er mit seinen Truppen in den ersten Kriegswochen einen Sklavenaufstand
in Maryland niedergeworfen hatte. Er schätzte entlaufene Sklaven
als Arbeitskräfte und Spione, sah aber keine Veranlassung, ihnen
Gewehre in die Hand zu geben,
weil er der festen Überzeugung war, sie hätten Angst davor.

Geschützmannschaft der 2nd US Colored Light Artillery mit zwei
weißen Offizieren.
Brigadegeneral
John W. Phelps von den 1. Vermont Volunteers war derjenige, dem das
erste farbige Regiment als offizielle Einheit der US-Armee zu verdanken
ist.
Der Kommandeur von Camp Parapet nahe New Orleans drängte seinen
Vorgesetzten,
ein Regiment aus freien Schwarzen, die in Louisiana sogar reguläre
Milizen stellten, anmustern zu dürfen.
Butler seinerseits
war überzeugt, daß farbige Truppen unnötig seien,
und teilte Kriegsminister Edwin M. Stanton seine Überzeugung
mit, „daß dieser Krieg zu Ende gebracht wird, bevor
irgendeine Einheit von Negern organisiert" werden könnte.
Er schlug Phelps' Bitten wiederholt aus und engagierte sich in einem
höchst agressiven Briefwechsel mit ihm, in dessen Verlauf der
überzeugte Abolitionist um seinen Rücktritt ersuchte, den
Butler jedoch verweigerte.
Phelps' Argumente waren nicht nur militärisch begründet.
Natürlich würden drei Regimenter, die er seiner Meinung
nach rasch aufstellen könnte
(was später auch der Wahrheit entsprach), die Militärpräsenz
der Union in Louisiana erheblich verstärken. Über die Loyalität
der Farbigen bestand kein Zweifel,
denn „sie sind bereit, sich allem zu unterstellen, nur nicht
der Sklaverei".
Was ihn aber genauso bewog, war seine Überzeugung, die Gesellschaftsordnung
des Südens befände sich in einem Stadium der Auflösung.
Der beste Weg, die Schwarzen vor der drohenden Anarchie zu bewahren,
war für Phelps, sie für „die Sache der Republik"
einzusetzen.
Zugleich arbeitete er ein umfangreiches Konzept für die Anmusterung
und Ausbildung solcher Truppen aus. Es sah ein Ausbildungslager in
South Carolina vor, in dem die Soldaten von den dortigen Akademieabgängern
gedrillt werden sollten, was gleichzeitig als Praxistraining für
die Kadetten dienen würde. Butler jedoch hielt sich zunächst
strikt an den Präsidenten, der „bis jetzt seine Absicht,
die Afrikaner unter Waffen zu stellen, noch nicht angezeigt"
hatte.
General Benjamin Butler war einer jener typischen „politischen
Generäle" wie auch Alpheus S. Williams, John A. McClernand
oder Nathaniel Banks,
die sich weniger durch militärische Kompetenz als durch politische
Geschicklichkeit hervortaten, und Butler verstand es prächtig,
sein Fähnlein nach dem Wind zu hängen und seine Meinung
der vorherrschenden anzupassen. Die wendete sich im Sommer 1862 immer
mehr zugunsten der Abolitionisten, und nicht zuletzt auf Fremonts
und Hunters Emanzipationsversuche hin konnte diese Gruppe jetzt starken
Einfluß auf die Regierung ausüben. Zudem war Louisiana
der einzige Staat des Südens,
in dem freie Schwarze bereits unter der konföderierten Regierung
in der Miliz gedient hatten.

Schwarze Arbeitsdienstler im US-Camp von Brandy
Station
Zum politischen
Druck gesellte sich im August heftiger militärischer, als Major
General John C. Breckinridge mit zwei Divisionen unter Charles Clark
und Daniel Ruggles, unterstützt von drei Artilleriebatterien
und zwei Kompanien Partisan Rangers, nach Baton Rouge vorrückte.
Am Morgen des 5. August griffen die ca. 2.600 Konföderierten
die Stadt, die von Brigadegeneral Thomas Williams mit 2500 Männern
des XIX. Corps verteidigt wurde, von Osten her an. Williams' Truppen
wurden überrannt, wobei er selbst getötet wurde. Die Rebellen
konnten erst von den föderierten Kanonenbooten Essex,
Katahdin und Kineo gestoppt und zurückgeworfen
werden. Mit 453 Verlusten mußten sie sich zurückziehen,
die Nordstaatler verzeichneten 383 Ausfälle.
Anhaltende Gefechte und Überfälle in der Folgezeit veranlaßten
die Unionstruppen trotzdem,
Baton Rouge am 21. August aufzugeben, wodurch New Orleans in eine
gefährlich exponierte Lage geriet.
Ob nun politische oder militärische Überlegungen Butler
zu einem Meinungsumschwung bewegten, bleibt unklar. Jedenfalls erließ
er am 22. August,
dem Tag nach Phelps' (von diesem selbst an höherer Stelle geforderten)
Entlassung, seine General Order No. 63, in der er die freien schwarzen
Milizsoldaten Louisianas aufrief, sich zur Unionsarmee zu melden.
Am 27. September wurde das erste Regiment der Louisiana Native Guards
den Streitkräften des Nordens angegliedert,
und wieder hatte Butler, der keinerlei emanzipatorische Züge
zeigte, seine politische Geschicklichkeit gezeigt und nur freie Schwarze
angemustert.
Dagegen konnte niemand etwas einwenden.
Das zweite Regiment wurde am 12. Oktober aufgestellt, gefolgt vom
dritten am 24. November.
Diese Daten belegen Phelps' Ansicht über die Bereitschaft der
Farbigen, endlich aktiv in das Geschehen eingreifen zu dürfen.
Farbigenregimenter
im Norden
Am 17. September
1862 wurde die bis dahin blutigste Auseinandersetzung auf amerikanischem
Boden, die Schlacht bei Antietam Creek, ausgetragen.
Auch wenn dieser Tag einer der schrecklichsten in der Geschichte Amerikas
bleibt, so hatte er doch den positiven Effekt, daß sich Lincoln
daraufhin entschloß,
seine Emancipation Proclamation zu veröffentlichen und
den Weg für schwarze Soldaten zu ebnen.
Nach der demütigenden Niederlage vom 30. August am Bull Run,
die der sterbende Colonel der 1. Michigan Cavalry in seinem letzten
Brief als ein Ergebnis
„von Popes Schwachsinn und McDowells Verrat" bezeichnete,
hatte der Präsident den ersehnten Sieg erhalten, der ihm die
nötige öffentliche Unterstützung seiner Sklavenbefreiung
sichern sollte. Die Befürchtung, die er im Juni Senator Sumner
gegenüber geäußert hatte,
„daß die Hälfte der Offiziere ihre Waffen wegwerfen
und sich drei weitere Staaten (Missouri, Kentucky und Maryland)
gegen uns erheben würden",
wenn er die Sklaverei abschaffte und Farbige zur Armee zuließe,
war nach diesem apokalyptischen Tag kein Hindernis mehr.
Der Krieg hatte unvorhersehbare Dimension erreicht, und jeder Offizier,
Soldat und Zivilist wollte ihn - mit welchen Mitteln auch immer -
möglichst schnell beenden.
Es war Sewards (Minister des Auswärtigen) weise Voraussicht gewesen,
auf einen Sieg der Union hin die Symphatien im Norden und vor allem
auch die europäischen Nationen auf seine Seite zu ziehen, und
so verlas Lincoln am 22. September eine vorläufige Emancipation
Proclamation. Der Süden wurde aufgefordert,
die Rebellion bis zum 1. Januar 1863 zu beenden. Würde er sich
innerhalb dieser 100 Tage ergeben, könnten alle Sklavenhalter
ihren Besitz behalten,
ebenso wie alle loyalen Pflanzer. Da das nicht der Fall war, erklärte
der Präsident am 1. Januar in seinem endgültigen Emanzipationserlaß:
„Daß am ersten Tage des Januar Anno Domini eintausendachthundertdreiundsechzig
alle in Sklaverei gehaltenen Personen,
die in einem Staate oder in einem besonders bezeichneten Teil eines
Staates, dessen Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt in Aufruhr gegen
die Vereinigten Staaten steht,
frei sind und von nun an und für immer frei sein sollen...
(Carl Sandburg: ABRAHAM LINCOLN, 1958)

Weitverbreiterter
Einsatz von Schwarzen: Als Küchenhelfer
Die Antwort
auf die Frage, welches das erste Farbigenregiment in der US-Armee
war, ist nicht ganz eindeutig und hängt von dem Standpunkt
jedes einzelnen ab. Offizielle Aufzeichnungen geben Butlers drei
Louisianaregimenter als die ersten, die im August 1862 angemusterten
1. Kansas Colored Volunteers
(ab Dezember 1864 79. US Colored Infantry) als viertes und Hunters
nie vollständig aufgelöste spätere
1. South Carolina Colored Volunteers als fünftes Regiment an.
Die 1. Kansas
jedoch, von der Bundesregierung zwar nicht anerkannt, vom Staat
Kansas aber aufgestellt,
war zweifellos das erste von einem freien Staat rekrutierte Regiment
und stellte zugleich die ersten farbigen Soldaten der Union, die
- bei Island Mounts, Missouri am 28. Oktober 1862 - zum Einsatz
gelangten.
In der öffentlichen
Meinung schließlich und im Gedenken der Bürgerrechtler
und schwarzen Soldaten der Vereinigten Staaten bleibt Hunters Regiment,
das unter Brigadier General Rufus Saxton am 7. November offiziell
als 1. South Carolina Colored Volunteers in Dienst gestellt wurde,
das Regiment, dem diese Ehre gebührt.
Saxton, der
mit Brigadier General Thomas West Sherman auf dessen Port-Royal-Expedition
im September 1861 als „chief quartermaster" nach South
Carolina gekommen war, war ein alter West Pointer und genau der
Richtige, um Hunters Versuch erfolgreich fortzuführen. Im Juni
1862 war er direkt dem War Department unterstellt worden, und am
25. August wurde er autorisiert, so viele „Freiwillige
afrikanischer Abstammung" anzumustern, wie er für
nötig befände, nachdem der Kongreß zwei wichtige
Gesetze erlassen hatte. Das erste, vom 17. Juli, wurde als „Confiscation
Act" bekannt und ermächtigte den Präsidenten,
so viele Schwarze anzuwerben, wie zur Unterdrückung der Rebellion
notwendig wären, und das zweite hob die Zusätze des Milizgesetzes
von 1792, in dem Farbige vom Militärdienst ausgeschlossen wurden,
auf.
Die Anweisungen Stantons erlaubten Saxton auch die Abstellung von
Offizieren, um die schwarzen Rekruten auszubilden, und sahen gleiche
Bezahlung und Rationen wie für weiße Freiwillige vor.
Aus Datum und Inhalt von Stantons Order ist ersichtlich, daß
der Kriegsminister, ein liberaler und der Sklavenfrage aufgeschlossener
Politiker,
nicht im Einvernehmen mit dem Präsidenten, vielleicht sogar
gegen dessen Willen handelte. Dieser Verdacht erhärtet sich
angesichts des allgemeinen Neids im Kabinett auf Außenminister
Seward und seine Emanzipationsvorschläge an Lincoln. Dessen
Gesinnungswandel würde erklären, warum Stanton Saxton
genau die Erlaubnis gab,
die er zuvor Hunter hartnäckig verweigert hatte.
Saxton ging sofort an die
Arbeit und erwies sich als feinfühlig und geduldig im Gegensatz
zu Hunters Hast und Kurzsichtigkeit. Er behielt das Temperament
der Schwarzen genauso im Auge wie die guten Beziehungen zur weißen
Truppe und gewann bald beider Vertrauen und Freundschaft. Obwohl
das Regiment Anfang November kaum ausgebildet, ja bei weitem noch
nicht einmal vollständig rekrutiert war, schickte „Gen'rel
Saxby" Captain Trowbridges Kompanie A unter Colonel Oliver
T. Beard der
48. New York Infantry am 3. November auf das Festland. Neben Erkundungsaufgaben
hatte Beard den Auftrag, entlang der Küste von Georgia und
Florida Vorräte zu beschaffen und Salinen zu zerstören.
Außerdem wollte Saxton die Qualitäten seiner neuen Truppe
testen.
Beards Operation war ein voller Erfolg. An Bord eines gekaperten
Flußschiffs, begleitet von einem kleinen Kanonenboot, sorgten
die farbigen Soldaten für Verwirrung und Entsetzen unter den
völlig verdutzten Rebellen. Lincolns spätere Worte, daß
„der bloße Anblick von 50000 bewaffneten und ausgebildeten
schwarzen Soldaten an den Ufern des Mississippi" die Rebellion
auf einen Schlag beenden würde, bewahrheitete sich im kleinen
Stil bereits an den Ufern des Bell und des Sapello.
Sie vertrieben zahlreiche Vorposten, wobei sie neun Südstaatler
töteten und drei gefangennahmen, zerstörten neun Salinen
und Kriegskontrabande im Wert
von $20.000 und befreiten 150 Sklaven. Bald darauf forderte Saxton
in Washington Verstärkung zum Ausbau von Unionsstützpunkten
auf dem Festland an,
da sich die Sklavenhalter größtenteils ins Landesinnere
zurückzogen, um ihren Besitz zu retten.
Bereits bei ihren ersten Zusammenstößen mit Rebellen
hatten die schwarzen Soldaten alle Vorurteile gegen sie widerlegt:
„Ein weiterer tollkühner Kampf mit Guerillas fand
in diesem Staat (Missouri) am 29. Oktober nahe Butler, in Bates
County statt. Eine Gruppe von ihnen,
die auf Beutezug war und mehrere Städte bedrohte, wurde von
220 Männern des 1. Kansas Colored Regiment verfolgt, kommandiert
von weißen Offizieren.
Die zahlenmäßig überlegenen Guerillas griffen sie
nahe Osage Island an, drangen auf sie ein und zeigten alle Anzeichen
von speziellem Haß auf die Schwarzen.
Aber die Farbigen behaupteten sich wie alle anderen guten Soldaten
und ließen den Guerillas schwere Bestrafung zukommen. Als
endlich die Kavalleristen in die farbigen Truppen einbrechen konnten,
gab es viele heftige Mann-zu-Mann-Gefechte. Kein Schwarzer ergab
sich; und einer der Anführer der Guerillas, der den Kampf beschrieb,
gab zu, daß ,die schwarzen Teufel wie Tiger kämpften'."
(Rossiter Johnson: CAMPFIRE AND BATTLEFIELD, 1978)

First Sergeant
J.L. Balldwin, Company G, 56. Colored Infantry
Die Einsätze
der Farbigen blieben zunächst auf Gefechte mit Guerillas und
„bushwackers" genannte Heckenschützenbanden in den
Grenzstaaten und vom Norden kontrollierten Gebieten beschränkt.
Diese führten sie allerdings mit solcher Bravour aus, daß
ihre - ausnahmslos weißen - Offiziere sich des höchsten
Lobes nicht enthalten konnten.
Im November 1862 war Colonel Thomas W. Higginson, ein Abolitionist
aus Massachusetts und Freund John Browns,
als Kommandeur der 1. South Carolina Colored Volunteers nach Beaufort
gekommen und hatte sich bald bewundernd über die „gleichwertige
militärische Verwendbarkeit" der noch untrainierten
Schwarzen im Vergleich zu ihren weißen Kameraden geäußert.
Am Tag der Sklavenbefreiung, am 1. Januar 1863, erhielt das Regiment
seine Fahnen, und die erste Parade farbiger Soldaten in blauen Uniformen
zog durch Port Royal. Auch Colonel Higginson erwarb sich bald die
Freundschaft seines Regiments und führte es auf mehreren erfolgreichen
Expeditionen tief nach Georgia und Florida.
Bald stellte sich heraus, daß die ehemaligen Sklaven in den
weitverzweigten Sumpfgebieten den weißen Soldaten oftmals überlegen
waren, da sie nicht nur mit der Landschaft besser vertraut, sondern
auch widerstandsfähiger gegen tropisches Klima waren.
Zudem hatten nicht wenige von ihnen noch versklavte Familien im Süden,
so daß sie besonders motiviert war.
Darüber hinaus
waren die meisten dieser in der Regel tief religiösen Menschen
General Hunter zufolge von einem „brennenden Glauben daran,
daß jetzt die von Gott in seiner allwissenden Vorsehung festgesetzte
Zeit zur Befreiung ihrer Rasse ist",
erfüllt, der sie zu todesverachtender Tapferkeit trieb. Noch
im Februar begann auf den Inseln die Aufstellung eines zweiten Regiments,
das unter das Kommando von Colonel Montgomery, einem radikalen Abolitionisten
aus Kansas, gestellt wurde. Ein vorläufiger Höhepunkt beider
Regimenter war die Einnahme und Besetzung von Jacksonville, Florida,
im März. Diese Kampagne
hatte vor allem den Zweck, Freiwillige für die 2. South Carolina
Colored Volunteers anzuwerben, da Montgomerys Regiment Anfang März
trotz intensivster Bemühungen erst 150 Mann zählte, während
Higginson ein komplettes Regiment in Sollstärke unter seinem
Kommando hatte. Hierfür gab es zwei Gründe:
Zunächst hatten sich die meisten Pflanzer mit ihren Sklaven von
der Küste entfernt, um deren Befreiung zu verhindern. Von den
übrigen waffenfähigen Ex-Sklaven und freien Schwarzen waren
fast alle bereits in Higginsons Truppe eingetreten. Saxon gab daher
Higginson sehr lockere Anweisungen, die lediglich die Aufforderung
an alle loyalen Männer, zu den Waffen zu greifen, sowie die Einnahme
von Jacksonville enthielten.
In und um die
Stadt, die schon zweimal vom Norden besetzt und wieder evakuiert worden
war, hoffte Saxton, genügend Farbige zu motivieren, um auch das
zweite Regiment auffüllen zu können. Am 10. März gelang
es Higginson, Jacksonville mit weniger als 1000 Infanteristen einzunehmen
und die dortige Garnison zu überraschen,
ohne daß ein einziger Schuß gefallen war. Das war dadurch
ermöglicht worden, daß das Gros der konföderierten
Truppen zur Verteidigung nach Charleston und Savannah abgezogen worden
war und General Beauregard dort keinen Mann entbehren konnte.
Die South Carolina Regimenter hielten den einzigen Außenposten
des Department of the South zehn Tage lang, während Montgomery
zu mehreren Raids den St.-John-Fluß hinauf vorstieß und
reiche Beute aus diesem bis dahin eher verschonten Gebiet herausschaffte.
In dem Moment, als erste Anzeichen von Erschöpfung bemerkbar
wurden, trafen am 20. März das 6. Connecticut und zwei Tage später
Teile des 8. Maine aus Port Royal ein. Dennoch berief Hunter das ganze
Kommando am 29. März zum Hauptquartier zurück - aus Gründen,
die nie zufriedenstellend geklärt wurden, und gerade zu dem Zeitpunkt,
als Higginson dort einen strategisch wichtigen Posten einrichten wollte.
Als US-Truppen im Jahr darauf mit 20.000 Soldaten zurückkehrten,
konnten sie, obwohl fast zwanzigmal so stark, die blutige Schlacht
von Olustee
nicht für sich entscheiden.
In Jacksonville hatten schwarze und weiße Soldaten zum
erstenmal im Bürgerkrieg zusammen Dienst getan, und Colonel Higginson
zeigte sich hocherfreut darüber, daß es keinerlei Probleme
zwischen den beiden gegeben hatte. Doch auch wenn die allgemeine Ansicht
über schwarze Truppen nun überwiegend zu deren Gunsten umgeschlagen
war und Lincoln Hunter persönlich Glückwünsche zu der
erfolgreichsten Operation aussprach und darauf drängte, daß
alles getan werden müsse,
um die neuen Truppen „zu erhalten und zu vergrößern",
lief noch nicht alles so glatt wie in South Carolina.
Im Gegensatz zur Ostküste und den vorgelagerten Inseln, waren
die Rekrutierungsmethoden im Westen nicht allzu sanft. Adjutant General
Lorenzo Thomas war im März 1863 den Mississippi hinuntergeschickt
worden, um möglichst viele Farbigenregimenter aufzustellen.
Er schlug sein
Hauptquartier nahe Memphis auf und vergeudete keine Zeit mit Aufrufen,
sondern ließ die Kavallerie zu Beutezügen ausschwärmen,
von denen sie fast täglich mit „Hunderten von Pferden
und Negern als Beute” zurückkehrte. Auf diese Weise
wurde die 59. US Colored Infantry innerhalb von
sechs Wochen rekrutiert, „ohne die Regierung einen Dollar
zu kosten", wie Colonel Robert Cowden, der spätere
Kommandeur des Regiments, bemerkte.
Im Norden selbst ging die Rekrutierung zunächst äußert
schleppend voran. Bei vielen Farbigen war die Bereitschaft, für
die Union zu kämpfen, gesunken,
nachdem die Kriegsindustrie angelaufen war und neue, gut bezahlte
Arbeitsplätze versprach. Darüber hinaus nahm die Anzahl
wehrfähiger Schwarzer nach Norden zu immer mehr ab, und in Städten
wie Washington oder Baltimore, die eigentlich südliche Städte
waren, herrschte immer noch offene Feindschaft schwarzen Soldaten
gegenüber.
So waren von den 14 im August 1863 bereitstehenden Regimentern Farbiger
lediglich fünf im Norden rekrutiert worden. 24 Regimenter wurden
gerade ausgehoben,
ebenfalls größtenteils in Louisiana, South Carolina und
entlang des Mississippi.
Bemerkenswert ist, daß es in den Nordstaaten keineswegs einen
gemeinsamen Konsens bezüglich schwarzer Soldaten gab. Während
die neuen Truppen in South Carolina und Louisiana von Offizieren wie
Mannschaften von Anfang an als Kameraden akzeptiert wurden und, wie
in Jacksonville, Seite an Seite kämpften, schlug ihnen im Norden
Rassismus und oft blanker Haß entgegen. John Ross, Corporal
des 1. Colored Regiment in Washington, wurde im Juni von einer aufgebrachten
Meute, unter ihr ein Polizist, brutal niedergeschlagen und verhaftet.
Zudem wurden den Truppen anfangs Uniformen, angemessener Sold und
sogar Waffen verweigert.

Die Soldaten der 107. US Colored
Infantry in Fort Corcoran bei Washington.
Die Einheit war bei Kämpfen um Fort Fisher eingesetzt.
Der Grund hierfür
mag darin liegen, daß die US-Truppen im Süden die Leistungsstärke
der Farbigen angesichts der erfolgreichen Einsätze der 1. Kansas
und der South Carolina Volunteers schon sehr früh kennen- und
schätzengelernt hatten, während die neuen Regimenter im
Norden noch Monate auf ihre Bewährung warten mußten. Im
Süden hatte man den Schwarzen, der als „schmutziger,
abstoßender ,Nigger' ” in den Camps eingetroffen
war, geschoren, gewaschen und in eine Uniform gesteckt.
Mit einer Waffe in der Hand verwandelte er sich laut Cowden automatisch
in einen Soldaten, der mit seinen Lumpen auch seine Unterwürfigkeit
und Feigheit abgelegt hatte. Cowdens 59. US Colored Infantry,
obwohl kaum ausgebildet, sollte sich dennoch zu einer hervorragenden
Truppe mausern. Im Norden
hingegen wurde zuviel Zeit mit Ausbildung und Drill vergeudet, bevor
man die Fähigkeiten der Farbigen erprobte.
Die Soldaten wurden zuerst lediglich zu körperlichen Arbeiten
herangezogen, was sie in den Augen der Öffentlichkeit und der
weißen Truppe nicht gerade auszeichnete. Endgültig
sollte sich die Meinung im Norden erst nach der Schlacht von Port
Hudson am 27. Mai ändern.
Startseite
› Weiter