
Mit
freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
© Michael J. McAfee and John P. Langellier • Billy Yank 1861-1865
•
© Jonathan Sutherland • COMMANDERS AND HEROES OF THE AMERICAN
CIVIL WAR •
© NORD
& SÜD 1992,
Martin Öfele • Die Schwarzen
Truppen •
Schwarze
Truppen im Heer 1861-1865
Seite - 2 -
Die
54. Massachussetts Colored Infantry
Der schwarze Abolitionist
Frederick Douglass, selbst ein ehemaliger Sklave, war einer der ersten
und glühendsten Verfechter schwarzer Soldaten.
Doch hatte er auch schon früh erkannt, daß Rassismus der
Haupthinderungsgrund für solche Truppen war. Die Farbigen, wenn
im Norden auch frei,
galten als Menschen zweiter Klasse, denen man ein paar Rechte auf dem
Papier zugestanden hatte.
Auf die Emanzipation hin bliesen Douglass und andere zum Sturm auf diese
Widrigkeiten:
„(Farbige Soldaten) dürfen nicht bloß zu Holzfällern
und Wasserträgern der Armee benutzt werden. Wenn ein Mann sein
Heim, seine Familie und seine Sicherheit verläßt,
um seine Glieder und sein Leben auf dem Schlachtfeld zu opfern, um Gottes
willen, laßt ihm die ganze Ehre, die er erreichen kann, mag seine
Farbe sein, was sie will...
Gebt uns gerechte Chancen und öffnet hier eure Rekrutierungsbüros,
und ihre Türen werden von schwarzen Rekruten überfüllt,
um die Kämpfe des Landes mitzukämpfen."
(The Frederick Douglass Papers, John W. Blassingame, ed., 1985)

Stellvertretend für die Schwierigkeiten, die bei der Rekrutierung
und Ausbildung von Farbigenregimentern im Norden zu bewältigen
waren,
steht das 54. Massachussetts Colored Infantry Regiment unter Colonel
Robert Gould Shaw.
John Albion Andrew,
Gouverneur von Massachussetts und ein überzeugter Sklavereigegner,
hatte schon früh den Wert von schwarzen Soldaten für die Union
erkannt und über die Aufstellung solcher Truppen nachgedacht. Im
Januar 1863 war für ihn die Zeit reif, um zu handeln.
Bereits wenige Tage nach Lincolns Erlaß konferierte er mit Edwin
Stanton und äußerte seine Idee, General Butler in North Carolina
Schwarze anwerben zu lassen. Da der aber wegen militärischer und
administrativer Ungereimtheiten in Louisiana derzeit in Washington nicht
allzu hoch im Kurs stand,
tat Andrew den nächsten Schritt und bat um die Ermächtigung,
schwarze Soldaten in seinem Heimatstaat rekrutieren zu dürfen.
Am 26. Januar autorisierte Stanton Andrew, nach seinem Ermessen Artillerie-
und Infanteriekompanien in Massachussetts aufzustellen. Diese sollten
ausschließlich aus Freiwilligen mit einer Verpflichtungsdauer
von drei Jahren gebildet werden und „dürfen aus Personen
afrikanischer Herkunft, organisiert in separaten Korps, bestehen".
Das war die Geburtsstunde der 54. Massachussetts Colored Infantry, der
ersten Einheit farbiger Soldaten, die auf die Emancipation Proclamation
hin im Norden rekrutiert wurde. Sie sollte einen harten Weg vor sich
haben, geführt von einem überaus fähigen und einfühlsamen
Offizier, den Andrew aus den Reihen der 2. Massachussetts Infantry abzog.
Captain Robert
G. Shaw entstammte einer wohlhabenden und - trotz ihrer radikalen
abolitionistischen Einstellung - hoch angesehenen Bostoner Familie.
24 Jahre alt, hatte er sich seinen Offiziersrang in den Schlachten von
Cedar Mountain am 9. August 1862 und Antietam erworben und konnte sich
auf eine glänzende Karriere freuen, als er von Andrew als Colonel
des 54. vorgeschlagen wurde. Obwohl von der Idee eines Regiments aus
farbigen Soldaten begeistert, nahm er seine Ernennung nicht sofort an,
sondern zögerte zunächst. Ein solcher Posten bedeutete immense
Schwierigkeiten. Ablehnung, Hohn und vielleicht auch Neid seiner Offizierskameraden
waren ihm gewiß. Schließlich gab er aber seinem Idealismus
und dem Drängen des Gouverneurs nach und wurde, mit Norwood P.
Hallowell aus der 20. Massachussetts als Lieutenant Colonel, an die
Spitze des in Aufstellung befindlichen Regiments gestellt.
Aufrichtig, tapfer und ernsthaft, mit einem starken Glauben an die Union
und einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn sowie einer hervorragenden
Bildung,
wurde Shaw ein wertvoller Vorgesetzter für die Truppe, für
deren Aushebung, Ausbildung und Gleichberechtigung er sich von da an
unermüdlich einsetzte.
Colonel Charles R. Lowell, der später Shaws Schwester heiratete,
schrieb seiner Mutter im Februar, es sei wichtig,
„daß es [das Regiment] vernünftig angegangen
wird und nicht von zu großem Fanatismus verdorben wird. Bob Shaw
ist kein Fanatiker."

Shaw
führt sein 54. Massachussetts Colored Infantry Regiment
(Library of Congress)
Gleichzeitig jedoch
drückte er seine Zweifel darüber aus, ob es in Neuengland,
ganz zu schweigen von Massachussetts,
überhaupt genügend Schwarze gab, um ein komplettes Regiment
aufzustellen. Die Zweifel sollten berechtigt sein, da es in Massachussetts
nur knapp 2000 freie männliche Schwarze in waffenfähigem Alter
gab und Schätzungen von etwa 400 Meldungen ausgingen. Nachdem sich
aus Boston und New Bedford gerade zwei Kompanien hatten anwerben lassen,
schickte Andrew seine Rekrutierungsbeamten außer Staates. Offiziell
war das zwar verboten, aber mit Unterstützung eines Komitees privater
Geschäftsleute konnten die Anwerber quer durch die ganze Union
bis in den Süden reisen und in ihrem Auftrag Farbige anmustern.
Als Frederick Douglass von dieser Kampagne hörte, steuerte er all
seine Rhetorik und seinen Einfluß bei,
und die ersten beiden Rekruten im Staat New York waren seine Söhne,
Charles und Lewis.
Trotz
der allgemeinen Begeisterung über diese Aktion wurden auch skeptische
Stimmen laut, die vor allzu großer Freude warnten. Die schwarzen
Soldaten würden wahrscheinlich in wenig gefährdete Forts geschickt
oder als Ordnungstruppen in Städte des Nordens abkommandiert, lauteten
pessimistische Zeitungsartikel. Im Feld erwarte sie höchstens unrühmlicher
Latrinen- und Schanzdienst, befürchtete man.
Nicht nur ihre Kampfkraft,
sondern auch ihr Wille zu kämpfen wurden bezweifelt. Das war nicht
verwunderlich, denn Jefferson Davis hatte im Januar angeordnet,
daß alle Sklaven, die gegen die Konföderation zu den Waffen
griffen, sofort wieder versklavt würden, wenn man sie schnappte.
Diese Maßnahme wurde vom konföderierten Kongreß im
Mai sogar noch verschärft:
„Jeder Neger, der bewaffnet gefaßt wird und gegen die
Konföderation kämpft, wird unverzüglich wieder versklavt
werden. Jeder Neger, der in der Uniform der Föderierten gefaßt
wird, wird unverzüglich standrechtlich erschossen. Jeder weiße
Offizier, der als Befehlshaber von Negertruppen gefaßt wird, wird
als Meuterer angesehen,
der die Sklaven aufgewiegelt hat, und ebenfalls hingerichtet."
Solche Androhungen
seitens des Südens waren sicher dazu angetan, vielen Schwarzen
den Mut zur Meldung zu nehmen.
Ursprünglich wollte Andrew auch die Offiziersstellen des Regiments
mit Farbigen besetzen. Als ihm das aber von Stanton verwehrt wurde,
griff er auf weiße Offiziere,
die wie Shaw aus angesehenen Familien stammten, zurück, um den
Rekruten nicht das Gefühl zu geben, sie dienten in einer zweitklassigen
Truppe.
Weiße Offiziere blieben noch bis 1864 allgemein die Regel, als
die ersten von nicht mehr als insgesamt 100 bis Kriegsende an Farbige
ausgestellten Offizierspatente vergeben wurden - eine verschwindend
geringe Zahl, gemessen an einer Gesamtstärke von etwa 180.000 Mann.
Den höchsten Dienstgrad erreichte Martin R. Delaney,
der bis zum Major der 104. US Colored Troops aufstieg.
Die Reihen des 54. füllten sich ziemlich schnell, und Ende März
standen bereits vier Kompanien zur Verfügung. In Readville, Massachussetts,
wurde das Trainingslager errichtet, und den ganzen April über erschienen
so viele Rekruten, daß im Mai die Aufstellung des 55. Massachussetts
Regiments beschlossen wurde, dessen Kommando Hallowell übernahm.
Zu dieser Zeit hatte sich auch die Antipathie in den Städten größtenteils
gelegt, und so konnten bis zum Oktober 58 Regimenter mit zusammen 37.482
Mann rekrutiert werden.
Ausbildung
Nachdem Shaw in
Readville mit der Ausbildung der Truppe begonnen hatte, stellte sich
bald heraus, daß alle Schwierigkeiten, die befürchtet worden
waren,
wirklich eintraten. Offensichtlich sah man für die Schwarzen tatsächlich
nur körperlichen Dienst an Befestigungsanlagen und beim Begraben
von Gefallenen vor,
denn an die Soldaten wurden weder Uniformen noch Waffen ausgegeben.
Außerdem wurde ihr Sold entgegen den $13, die weiße Rekruten
im Monat empfingen, auf $10 festgesetzt. Der hierbei an den Tag gelegte
Rassismus war um so beschämender, als Marineminister Welles bereits
1861 und Stanton selbst im August 1862 General Saxton gegenüber
den farbigen Seeleuten und Soldaten gleiche Bezahlung wie ihren weißen
Kameraden zugesichert hatten. Die Differenz wurde erst aufgehoben, als
sich Colonel Shaw und sämtliche Offiziere des 54. zusammen mit
dem Regiment demonstrativ solange weigerten, Sold zu empfangen, bis
eine solche Diskriminierung beseitigt würde.
Shaw mußte immer wieder seinen ganzen Einfluß zur Geltung
bringen, um überhaupt ein Minimum der zur Ausbildung nötigen
Ausrüstung zu erhalten.
Die ersten Wochen wurden die Soldaten in ihrer Zivilkleidung gedrillt,
und von Tag zu Tag sank die Stimmung in der Truppe, die mit soviel Idealismus
angetreten war.
Der Colonel schaffte es ein um das andere Mal, seiner Mannschaft dadurch,
daß er ihnen zur Seite stand und ihre Anliegen und Bedürfnisse
nach oben vertrat,
Zuversicht zu vermitteln, da auch er nur für den Tag arbeitete,
an dem sich das Regiment bewähren sollte.
Ein Beispiel seines Eintretens für die Soldaten war ein „Überfall"
auf das Lager des Quartiermeisters, in dem Berge von neuen Schuhen,
die angeblich für die kämpfende Truppe reserviert waren (die
sich Hunderte von Meilen entfernt befand). Nachdem Shaw etliche Male
vergeblich Schuhwerk für die Rekruten angefordert hatte,
die zum Teil barfuß angetreten waren, stürmte er das Standortlager
und beschlagnahmte den kompletten Bestand an Schuhen.

Schwarze Unteroffiziere und
Regimentsmusiker
Es wurden aber nicht
nur die Erwartungen der Schwarzen an die Generalität enttäuscht,
sondern oftmals auch die an das Armeeleben an sich. Viele von ihnen
waren zwar barsche Befehle gewohnt, bisher hatte jedoch keiner von ihnen
eine militärische Ausbildung genossen. Von Berichten über
ihre Kameraden in Kansas und South Carolina, die relativ ungedrillt
in ihre Gefechte zogen, in die etwas blauäugige Stimmung versetzt,
man würde sich nur zusammenfinden und in die Schlacht gegen die
Rebellen marschieren, wurden sie bald eines Besseren belehrt. Sie erlebten
nun die gleiche Wandlung, der sich alle Soldaten zu Beginn des Krieges
hatten unterziehen müssen.
Colonel Shaw war sich bewußt, daß er diese bunt zusammengewürfelte
Truppe, die aus ehemaligen Sklaven und freien Schwarzen, Analphabeten
aus Tennessee und Schulabgängern aus Massachussetts, Händlern
und Landstreichern bestand, einem besonders harten Drill, gleichzeitig
aber einer behutsamen Hinführung zu Kameradschaft und Selbstvertrauen
unterziehen mußte.
Die Formal- und Nahkampfausbildung übernahm ein irischstämmiger
Sergeant-Major, den Shaw bewußt aufgrund der bekannten Abneigung
der Iren gegenüber Schwarzen ausgesucht hatte. So war eine strenge
Disziplin ohne Bevorzugung oder Sympathien gewährleistet. Zusammen
mit der völlig unparteiischen und gerechten Regimentsführung
des Kommandeurs formte sich so eine Einheit, die für ihre Offiziere
jederzeit durchs Feuer zu gehen bereit war.
Als bekannt wurde, daß die Konföderierten jeden schwarzen
Soldaten und weißen Offizier eines Farbigenregiments als Kriegsverbrecher
behandeln würden und Shaw allen Angehörigen des Regiments
die ehrenhafte Entlassung auf Antrag bewilligte, zeigte sich dieses
Vertrauen: nicht ein Mann ersuchte darum. Das traf in der Regel auch
auf die anderen in der Rekrutierung befindlichen Einheiten zu.
Bald wurde deutlich, daß die Schwarzen eine eigene Art hatten,
mit dem eintönigen Lager- und Ausbildungsleben fertigzuwerden.
Sie lernten schnell, „schneller als ihre weißen Kameraden",
wie Colonel Shaw vermutete, und zeigten eine unglaubliche Ausgeglichenheit
den Strapazen gegenüber. Sobald jedoch abends zum Dienstschluß
geblasen wurde, verbreitete sich im Lager eine heitere und ausgelassene
Atmosphäre, die eher an ein Familientreffen erinnerte. „In
den vielen Stunden sinnloser und unmenschlicher Arbeit werden sie gelernt
haben, ihre Gedanken so schnell umzusetzen”, bemerkte Shaw
in einem Brief an seine Mutter.
Schwarzer
US - Corporal
Schließlich
setzte der Colonel auch die Vergabe von Enfield-Musketen an seine Männer
durch, obwohl ihm klar war, daß man in Washington nicht daran
dachte, die Farbigen jemals ins Gefecht ziehen zu lassen. Das sprach
sich auch nach und nach bei den Soldaten herum, die trotzdem weiter
alle Hoffnungen auf ihren Kommandeur setzten. Der verfolgte hartnäckig
sein Ziel, das 54. zu einer ordentlichen und kampfbereiten Einheit zu
schmieden. Wahrscheinlich ist es nur seinem persönlichen Einsatz
zu verdanken, daß das Regiment Ausrüstung, Uniformen und
schließlich auch $13 Sold erhielt und am 18. Mai in einer glanzvollen
und ungewöhnlichen Parade durch Boston ziehen konnte.
Am selben Tag erhielt
Gouverneur Andrew, der sich ebenfalls ständig für eine angemessene
Verwendung des Regiments eingesetzt hatte, von Stanton Anweisungen,
die Truppe solle sich in Port Royal bei General Hunter melden.
„Kein
ausrückendes Regiment, beschrieb das Bostoner Evening Journal diesen
Abend, hat so viele Tausende angelockt wie das 54.
Die frühen Morgenzüge aus allen Richtungen waren voll bis
überfüllt, eigene Waggons verkehrten, riesige Mengen säumten
die Straßen,
durch die das Regiment marschieren würde und die Common [Straße]
war voll von einer immensen Anzahl Leute,
die nur der 4. Juli oder ein seltener Anlaß zusammenbringt'."
(Dudley T. Cornish, THE SABLE ARM, 1956)
Einsatz
Am 3. Juni traf das
Regiment in Port Royal ein, und Shaw meldete sich bei General Hunter,
der ihm versicherte, seine Truppe würde bald vernünftig eingesetzt
werden. Hunter unterstellte Shaws Männer dem Kommando von Colonel
James Montgomery, der auf St. Simon's Island vor der Küste Georgias
stationiert war.
Montgomery hatte sich inzwischen einen Ruf als Plünderer erworben
und zeigte eine eigenartige Auffassung von Kriegsführung. „Man
muß die Südstaatler fühlen lassen,
daß dies ein richtiger Krieg ist und daß sie von der Hand
Gottes weggefegt werden wie die Juden im Alten Testament", erklärte
er dem verdutzten Shaw,
als acht Kompanien des 54. am 10. Juni zusammen mit den 2. South Carolina
Volunteers ausrückten.
Ziel der Expedition war der kleine Ort Darien im Landesinneren, wo Montgomery
„Nachschub besorgen" wollte. In dem größtenteils
verlassenen Dorf bot sich den wenigen Zurückgebliebenen ein seltsames
Bild. Kaum am Ziel, stürmten Montgomerys Männer in jedes Haus,
plünderten und stahlen unter lautem Gebrüll und übermütigem
Gewehrfeuer Einrichtungen, Schmuck, Silberwaren und was ihnen sonst noch
wertvoll erschien. Die Soldaten aus Massachussetts standen geordnet in
Linie und waren ebenso fassungslos und erzürnt wie die Dorfbewohner.
Gegen Shaws ausdrücklichen Protest wurde Darien schließlich
niedergebrannt,
und die beiden Regimenter zogen sich zurück.
Das war nicht die Art Einsatz, die sich Shaw vorgestellt hatte. Eingaben
und Briefe an Hunter und das Kriegsministerium blieben ohne Erfolg bis
auf den,
daß das 54. künftig gar nicht mehr eingesetzt wurde. Die folgenden
Wochen wurden die Männer auf St. Simon's ausschließlich zum
Ausbessern von Straßen und Lagerbefestigungen herangezogen, und
ihre Moral sank auf den Tiefstpunkt. Was wohl am schlimmsten schmerzte,
war, daß sich die Soldaten von an die Front Kommandierten beschimpfen
lassen mußten.
General Hunter wurde am 13. Juni von Brigadier General Quincy A. Gillmore
als Kommandeur des District of the South abgelöst, der sofort Operationen
zur Eroberung Charlestons in die Wege leitete. Im Verlauf der Vorbereitungen
wurde auch Shaw aufgefordert, auf St. Helena überzusetzen und sein
Regiment bereitzuhalten.
Dort warteten die Soldaten auf weitere Befehle, die am 8. Juli gegeben
wurden, als Gillmore eine Offensive gegen Morris Island, das die Hafeneinfahrt
Charlestons beherrschte, startete.
Eine
nachgestellte Szene
Das 54. bildete einen
Teil von Brigadier General Alfred Terrys Division, die auf James Island
einen Scheinangriff ausführen sollte. General Beauregard hielt die
4.000 Mann tatsächlich für Gillmores Hauptarmee und konzentrierte
seine Truppen ebenfalls auf der Insel, so daß am 10. Juli Morris
Island in die Hände der Föderierten fallen konnte. Allerdings
befanden sich in der Festung dieser Insel, Fort Wagner, immer noch 1.200
Südstaatler unter Brigadier General William B. Taliaferro.
Am Morgen des 16. Juli wurde Terry überraschend von Beauregards Soldaten
aus der Flanke angegriffen. Das 54. hielt die rechte Flanke der Unionslinie,
die die volle Wucht der Attacke traf, während sich das
10. Connecticut, das sich links von Shaws Regiment befand, noch ordnete.
Die Schwarzen wichen langsam zurück und verteidigten ihre Stellung
so lange, bis sich das Connecticut-Regiment neu formieren und sich die
ganze Front nach rechts ausrichten konnte.
Nach zwei vergeblichen
Sturmangriffen mußten sich die Rebellen schließlich zurückziehen.
Wenn Shaws Männer nachgegeben hätten, wäre die Linie aufgerollt
und das 10. Connecticut aufgerieben worden. Terry überbrachte nach
dem Kampf seinen Dank an die farbigen Soldaten, die 14 Tote, 18 Verwundete
und 13 Vermißte zu beklagen hatten. Auch etliche Männer aus
Connecticut bedankten sich persönlich bei den Schwarzen dafür,
daß sie den meisten von ihnen das Leben gerettet hatten. Es war
das erste Gefecht des Regiments gewesen, der Augenblick, auf den sie monatelang
gewartet hatten, und sie hatten sich tapfer geschlagen.
Morris Island war
besetzt worden, und Terry erhielt Order, in derselben Nacht dorthin aufzubrechen.
Am nächsten Morgen erreichten die Männer den Strand und wurden
am 18. Juli nach Folly Island übergesetzt. Von dort trafen sie gegen
17 Uhr auf Morris Island ein. Brigadier General George C. Strong hatte
bereits am 10. Juli Fort Wagner,
dessen Einnahme unumgänglich für die Einnahme Charlestons war,
angegriffen, war jedoch mit hohen Verlusten zurückgeworfen worden.
Das Fort war nur durch einen schmalen Hohlweg zwischen dem Meer und der
Marsch zu erreichen, so daß es optimal zu verteidigen war, und jeder
Sturm mußte zum Himmelfahrtskommando werden.
Am 18. Juli wurden 26 Kanonen und 10 Mörser in Stellung gebracht
und die Festung den ganzen Tag lang beschossen, für dessen Abend
Strong den Sturm der Anlage geplant hatte, der vom 54. Massachussetts
auf Shaws Wunsch hin angeführt werden sollte.
„Shaw führte das Regiment an der Spitze. Zunächst
entlud sich Fernkampfartillerie auf sie, ohne Wirkung. Shaw marschierte
weiter. 200 Yards vor Fort Wagner eröffneten die Verteidiger das
Feuer, und Männer begannen zu fallen. Shaw zog seinen Säbel,
hob ihn über seinen Kopf und stürmte vor, während er zum
Angriff schrie.
Über den ganzen restlichen Sand blieb er an der Spitze seines Regiments,
und als sie den Sandwall des Forts erreichten, war er wahrscheinlich der
Erste,
der die steile Böschung hinauf in die Gewehre und Kanonen der Feinde
lief.
Das letzte, was die Männer von ihm sahen, war seine Silhouette gegen
den sternenbedeckten Himmel, den Säbel in der Hand, zu oberst der
Brustwehr,
bevor er tothinunterfiel."
(William C. Davis: THE COMMANDERS OF THE CIVIL WAR, 1990)

Auch Strong wurde
in der nachfolgenden Attacke der 1. und 2. Brigade der 1. Division,
bei der die Föderierten zwar Boden gewinnen und in die Festung eindringen
konnten,
dann aber wieder vertrieben wurden, tödlich verwundet.
Von 5.264 beteiligten
Soldaten hatte die Union 1.515, davon 250 Männer des 54., verloren,
die Konföderierten hatten 174 Verluste.
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