Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr

Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
© Michael J. McAfee and John P. Langellier • Billy Yank 1861-1865 •
© Jonathan Sutherland • COMMANDERS AND HEROES OF THE AMERICAN CIVIL WAR •
© NORD & SÜD 1992, Martin Öfele Die Schwarzen Truppen

 

Schwarze Truppen im Heer 1861-1865

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Entscheidende Jahre (1863 - 1865)

Die ersten sieben Monate des Jahres 1863 waren die entscheidenden für die farbigen Soldaten der Union. Lincoln hatte die Sklaven befreit und die Aufstellung von Regimentern aus schwarzen Soldaten genehmigt. Nun lag es an ihnen, die restlichen Vorurteile gegen sie aus der Welt zu schaffen. Im Juni waren noch immer viele Amerikaner, Nord- wie Südstaatler, davon überzeugt, die Farbigen würden eine Schlacht nie durchstehen, geschweige denn mitentscheiden und effektive Kampfverbände bilden können. Natürlich hatten Kämpfe in Missouri und an der Küste stattgefunden, aber da hatte es sich um lokale Aktionen gehandelt, deren Auswirkungen minimal waren und die teilweise im Norden gar nicht bekannt wurden. Farbige Truppen hatten bis dahin an noch keinem größeren Gefecht teilgenommen.

„Am 26. Mai 1863 wurde der Flügel der Armee unter Major General Banks vor den Schützengräben und schweren Kanonen von Port Hudson in Stellung gebracht ...
Die schwarzen Truppen bestanden aus der 1. Louisiana unter Lieutenant Colonel Bassett und der 3. Louisiana unter Colonel Nelson ...
Endlich wurde die Parole gegeben, und unsere Männer griffen an. Der Feind eröffnete ein krachendes Feuer aus Kugeln, Kartätschen, Sprenggranaten und Handgewehren ... Mit jedem Schritt wurden die Reihen durch die fallenden Toten und Verwundeten gelichtet ... Der letzte Angriff wurde gegen ein Uhr geführt. Da es offensichtlich ein hoffnungsloses Unterfangen war, diese Batterien zu stürmen, wurden die Truppen zurückgezogen. Aber hatten sie mehr erreicht als den Verlust vieler ihrer tapferen Männer? ja: sie hatten. Die Selbstaufgabe, das unerschrockene Heldentum und das großartige Durchhaltevermögen des Negers, vorgeführt an diesem Tag,
schuf ein neues Kapitel in der amerikanischen Geschichte für den farbigen Mann."
(William Wells Brown: THE NEGRO IN THE AMERICAN REBELLION, 1867)


Nach der Schlacht von Port Hudson, bei der das erste und das dritte Regiment der Louisiana Native Guards in Banks' Army of the Gulf gekämpft hatten, zerschlugen sich endgültig alle Bedenken der weißen Truppe gegen die Tapferkeit und Kampfkraft der Schwarzen. Banks selbst sprach von einer „schweren Prüfung", die sie mit „höchstmöglichem Erfolg" bestanden hätten, und ein - den neuen Soldaten gegenüber zuvor skeptisch eingestellter - Pionieroffizier bemerkte, daß die Farbigen den Weißen „weitaus überlegen hinsichtlich der Disziplin" waren und „genauso tapfer".

Private Louis Troutman, 108th US Colored Volunteer Infantry

Auch auf der Seite des Gegners sammelte man neue Erfahrungen. Zum erstenmal hatte der Norden reguläre schwarze Einheiten in den Kampf geschickt, und sie hatten sich hervorragend bewährt. Zwischen Rebellen und Yankees ergaben sich oft - gerade im Verlauf langwieriger Belagerungen - kameradschaftliche Freundschafts- und Verbrüderungsszenen, was bei farbigen Blauuniformierten undenkbar war.
Für jeden Südstaatler stellte ein farbiger Soldat einen persönlichen Angriff auf ihn und seine soziale wie rassische Stellung dar,
dementsprechend tief saß der Haß gegen diese Truppen.

Der konföderierte Soldat, auch wenn er noch so arm oder sozial schwach war, hatte den Stolz, einer überlegenen Rasse anzugehören,
aus der er nie absinken konnte. Solange er gegen weiße Feinde kämpfte, war es für ihn eine Auseinandersetzung auf gleicher Ebene.
Sollte er aber nun gegen gleichwertige, schwarze Soldaten antreten, betrachtete er das als Demütigung seitens der Union.
Die wohl vorherrschende Stimmung drückte ein Soldat aus Mississippi in einem Brief nach Hause aus:
„Ich hoffe, daß ich nie einen Negersoldaten sehen werde, oder ich kann ... kein christlicher Soldat sein.
"


Von den 35 nachweislich während der Belagerung Port Hudsons von Südstaatlern gefangengenommenen Farbigen wurde nach der Übergabe keiner lebend angetroffen, ähnliche Verhältnisse zeigen Angaben über spätere Schlachten. Bevor die Nachricht des ruhmreichen Verhaltens der Louisiana-Regimenter den Norden erreichte,
hatten bereits zwei weitere Regimenter ihre Feuertaufe erhalten. Am 7. Juni griff eine 2.500 Mann starke Brigade aus Major General Richard Taylors District of West Louisiana unter Brigadier General Henry E. McCulloch den Versorgungsposten Millikens Bend oberhalb von Vicksburg an, um Grants Nachschub zu unterbrechen.
Die Stellung wurde von 600 Mann unter Brigadier General Elias S. Dennis, bestehend aus 500 Soldaten des 9. und 11. Regiment of Louisiana Volunteers of African Descent, zwei gerade erst aufgestellte Einheiten, und 100 Mann der 23. Iowa, verteidigt. Während die weißen Soldaten McCulloch zufolge rasch die Flucht ergriffen, entspann sich zwischen Rebellen und Schwarzen ein wahrhaftes Gemetzel. Zunächst konnten die Konföderierten die Oberhand gewinnen, aber bald wurden sie von den Bajonetten der farbigen Verteidiger, unterstützt vom Geschützfeuer eines kleinen Kanonenbootes im Hafen, zurückgeworfen und vertrieben.

Das war wohl eines der Gefechte des Krieges, die mit größtmöglicher Erbitterung der Gegner aufeinander ausgetragen wurden. Auf der Seite der Rebellen aus blankem Haß auf die „Niggersoldaten", und auf der anderen aus dem Verlangen nach Selbsterhaltung, Rache für vergangene Diskriminierung und für die unmenschliche Ermordung ihrer Kameraden, die zuvor von den Südstaatlern gefangen worden waren. In der Tat hatten die Konföderierten bei ihrem ersten Vorstoß mehrere Schwarze unter dem Ruf „Keine Gnade!" rücksichtslos hingemetzelt, was den Übrigen den Mut der Verzweiflung zu einer beispiellosen Bajonettattacke gab.
Die Nachricht vom ersten Sieg schwarzer Soldaten über vielfach überlegene konföderierte Infanterie, den Grant in seinen Memoiren (nicht ganz korrekt) als „das erste wesentliche Gefecht, in dem farbige Truppen unter Feuer standen”, bezeichnet hat, wurde im Norden begeistert aufgenommen. Niemand bezweifelte mehr die Fähigkeiten und die Loyalität dieser Soldaten. Auch im Süden merkte man bald, daß man es hier mit selbstbewußten und ernstzunehmenden Gegnern zu tun hatte.



Kompanie E, 79. US Colored Infantry

Die Louisiana Regimenter bei Millikens Bend waren zwei von insgesamt 20 gewesen, die Adjutant General Lorenzo Thomas in seiner Eigenschaft als offizieller Rekrutierer von Farbigen im Mississippital angeworben hatte.
Ihm ist auch ein genereller Stimmungswandel gegenüber schwarzen Soldaten unter den dortigen Unionstruppen zu verdanken. Seine Ansichten und die der Regierung hatte er im Januar in einer Rede an seine Männer verdeutlicht:
,,... und ich befehle euch allen, daß, wenn irgendwelche von dieser unglücklichen Rasse hinter unsere Linien kommen,
ihr sie nicht vertreibt, sondern freundlich und herzlich empfangt ... Indem ich hier also im Namen des Kriegsministeriums beauftragt bin, habe ich die volle Autorität, jeden Mann aus der Armee zu entlassen,
welchen Dienstgrad auch immer, den ich bei der Mißhandlung dieser Farbigen vorfinde.
Diesen Teil meiner Aufgabe werde ich mit absoluter Sicherheit ausführen, wenn mir ein solcher Fall bekannt wird ... Dies, Kameraden, ist die entschiedene Politik der Regierung."
(Rossiter Johnson: CAMPFIRE AND BATTLEFIELD, 1978)

 

Im Mai war im Kriegsministerium das „bureau for colored troops" eingerichtet worden, das die Koordination und Eingliederung der schwarzen Einheiten in größere Verbände zur Aufgabe hatte. Im Verlauf dieser Eingliederung wurden die meisten der bis dahin lokalen Regimenter zu regulären Unionseinheiten.
So wurde das 1. Kansas Regiment umbenannt in die 79. US Colored Infantry (USCI) und der 2. Brigade, Frontier Division des VII. Korps angegliedert,
deren Kommando Colonel Williams im Mai 1864 übernahm.
Die 1. South Carolina Volunteers unter Higginson wurden die 33. US Colored Troops und Butlers 1. Louisiana Native Guards die 73. US Colored Infantry.
Anfang 1864 wurde sogar eine ganze Division des XVIII. Korps unter Brigadier General Edward W. Hinks aus Farbigen zusammengestellt.
Dieser Behörde oblag es außerdem, Offizierspatente für schwarze Offiziere auszustellen.

Die 79. USCI war eines der beschäftigsten unter den schwarzen Regimentern während des restlichen Kriegs. Ständig im Grenzgebiet und feindlichen Territorium stationiert, bestand es ausschließlich aus ehemaligen Sklaven und erlangte bald den Ruf, mit jedem weißen Veteranenregiment mithalten zu können. Ende Juni hatten die Männer unter Colonel James Williams Baxter Springs im Südosten von Kansas als Teil der Eskorte eines Nachschubzugs nach Fort Blunt im Cherokee Territory verlassen.
Bei Cabin Creek wurde der Zug von einem starken Verband Texaner und Indianer angegriffen, die sich nach ersten Schußwechseln am Südufer des Flusses verschanzten.
Am 2. Juli konnten die Föderierten die Angreifer nach einem zweistündigen heftigen Gefecht unter schweren Verlusten in die Flucht schlagen.
In diesem ersten Gefecht gemischter Unionstruppen trat keinerlei Diskriminierung oder Benachteiligung der Farbigen auf.



Sergeant mit Regimentsfahne, 108th Colored Volunteer Infantry

Nur zwei Wochen später, am 17. Juli, bewies das Regiment die absolute Gleichwertigkeit farbiger Soldaten bei Honey Springs.
Die US-Truppen unter dem Kommandeur des District of the Frontier, Major General James G. Blunt, trafen auf eine weitaus überlegene Streitmacht des „Indianergenerals" Brigadier General Douglas H. Cooper, die sich zusammen mit indianischen Verbündeten in die bessere Position gebracht hatte. Dennoch konnten sie nach zwei Stunden heftigsten Kämpfens geschlagen werden, wobei sich das Kansas-Regiment im Zentrum der Unionslinie besonders hervortrat. Die Schwarzen stürmten bis auf fünfzehn Schritte an die Stellung der Südstaatler und nahmen sie,
selbst unter schwerem Feuer, unter Beschuß, bis diese nach zwanzig Minuten aufgaben und flohen.
Es war die bedeutendste Schlacht des Regiments und General Blunt war überzeugt: „Die Frage, ob Neger kämpfen, ist geklärt;
außerdem geben sie bessere Soldaten ab als alle Truppen, die ich je unter meinem Kommando gehabt habe. "

Einen Tag später erlangte das 54. Massachussetts bei Fort Wagner unsterblichen Ruhm.

Nachdem sie die „schwere Prüfung" bestanden hatten, wurden Farbigenregimenter bis Kriegsende erfolgreich eingesetzt, und man gelangte bald zu der Überzeugung, daß sich etliche Niederlagen hätten vermeiden lassen, hätte man ihnen früher eine Chance gegeben. Eine Einheit schwarzer Soldaten zu führen,
bedeutete nun nicht mehr Schmach und Schande, sondern wurde in etlichen Fällen zum Karrieresprungbrett. Insgesamt dienten etwa 7.000 weiße Offiziere in den
US Colored Troops. In den letzten beiden Kriegsjahren waren Schwarze bei fast jeder größeren Kampagne im Einsatz und profilierten sich trotz wiederholter Grausamkeiten seitens der Konföderierten. Das prominenteste Beispiel einer solchen Auseinandersetzung war das „Fort Pillow Massaker". Das Fort, in dem 262 schwarze Soldaten
der 11. US Colored Troops und der US Colored Light Artillery zusammen mit 295 weißen Kameraden unter Major Lionel F. Booth stationiert waren,
sollte die Schiffahrt auf dem Mississippi schützen.

Massaker an schwarzen US-Soldaten nach der Kapitulation von Fort Pillow im April 1864

Am 12. April 1864 umzingelte Brigadier General James R. Chalmers mit seiner 1.500 Mann starken Kavalleriebrigade aus Forrests Kommando den Stützpunkt und verlangte die Übergabe.
Zuvor hatte er seine Männer in solch günstige Positionen gebracht, daß sie weder von den Verteidigern noch von dem am Ufer liegenden Kanonenboot New Era vertrieben werden konnten.
Nachdem das Ultimatum abgelaufen war, stürmten die Rebellen das Fort mit Leichtigkeit und töteten oder verletzten 331 Nordstaatler, hauptsächlich Schwarze, während sie lediglich 100 Ausfälle verzeichneten.
Im Süden beteuerte man, daß die Verluste der Föderierten auf schwere Rückzugsgefechte zum Fluß hin zurückzuführen seien, während die Überlebenden der Besatzung angaben, sie hätten sich sofort nach dem Eindringen der Südstaatler ergeben. Ihren Berichten zufolge wurden sie jedoch mit den Rufen
„Keine Gnade! Tötet die verdammten Nigger!"
überrannt. Eine Untersuchung stellte schließlich fest,
daß Forrest-Männer Kriegsverbrechen begangen hatten, was von Historikern des Südens immer wieder bestritten worden ist, heute aber allgemein anerkannt wird.


Später im Jahr taten sich Schwarze vor allem während der Petersburg-Kampagne hervor. Hier führte Hinks' Division am 15. Juni einen erfolgreichen Angriff auf die Verteidigungsanlagen der Stadt, wodurch es Grants Ingenieurkorps unter Captain G. H. Mendell gelang, die enorme 70 Meter lange James-River-Pontonbrücke zu bauen, über die die Potomacarmee bis zum nächsten Tag komplett übersetzen konnte. Am 30. Juli wurde Ferreros 4. Division des IX. Korps von konföderiertem Feuer fast vollständig aufgerieben, als sie durch einen vorher ausgesprengten Schacht unter dem Befestigungswall angreifen wollte.

Ende September ordnete Grant einen Überraschungsangriff auf die Forts Harrison und Gilmer an, die bedeutende Positionen des äußeren Verteidigungsringes von Richmond darstellten. Die vier konföderierten Infanteriebrigaden unter Brenning, Law, Gregg und Fulton, die die Forts zusammen mit zwei Brigaden Miliz und Garys Kavallerie verteidigten, wurden am 28. September von Brigadier General Edward Ords zwei Divisionen unter Stannard und Heckman angegriffen. Major General Birney näherte sich gleichzeitig mit zwei Divisionen unter Terry und Ames, denen Paines farbige Division des XVIII. Korps und William Birneys farbige Brigade, insgesamt 10.000 Mann, angegliedert waren. Während der darauffolgenden zweitägigen Schlacht trat besonders die 8. US Colored Infantry aus Birneys Brigade durch ihre Ritterlichkeit hervor.
Nicht zuletzt den Farbigen war die Einnahme von Fort Harrison am 28. September und die erfolgreiche Verteidigung gegen Lees Verstärkungen zu verdanken.

Der erste schwarze Stabsoffizier, Major Martin R. Delany — Sanitätsoffizier — Absolvent der Harvard Medical School

Als weitere Operationen, bei denen Schwarze wesentlich beteiligt waren, können u. a. die folgenden genannt werden:
die Schlacht von Olustee in Florida am 20. Februar 1864; Darbytown Road, Virginia, 7. Oktober 1864,
bei der die föderierten Stellungen um Fort Harrison ausgebaut werden konnten;

Dutch Gap, Virginia, wo die farbigen Truppen am 31. Dezember 1864 unter schwerem Feuer stundenlang Schanzarbeiten verrichteten;

Nashville, am 15. Dezember 1864, wo die 13. US Colored Infantry bei ihrem Angriff auf Overton Hill 221 Mann verlor
- der schwerste Verlust eines Regiments während der ganzen Schlacht;

auch beim Fall von Richmond, bei Appomattox und in dem letzten Infanteriegefecht des Kriegs,
bei Fort Blakely am 9. April 1865 waren Farbigenregimenter beteiligt.

 

 

 

 

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