
Mit
freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
© Michael J. McAfee and John P. Langellier • Billy Yank 1861-1865
•
© Jonathan Sutherland • COMMANDERS AND HEROES OF THE AMERICAN
CIVIL WAR •
© NORD
& SÜD 1992,
Martin Öfele • Die Schwarzen
Truppen •
Schwarze
Truppen im Heer 1861-1865
Seite
- 4 -
Schwarze
Matrosen in der U. S. Navy
Im Gegensatz zum
Heer hatten es die Schwarzen in der Marine der Vereinigten Staaten wesentlich
leichter, denn schon vor dem Bürgerkrieg dienten Matrosen afrikanischer
Abstammung auf den Kriegsschiffen. Während im Heer ihre Einstellung
lange Zeit verboten war, zählte in der Marine nur das seemännische
Können und nicht die Hautfarbe. Die Dienstvorschriften sahen zwar
ab etwa 1840 vor, daß von den Mannschaften nur 5% Schwarze sein
durften, diese Zahl wurde vor dem Krieg aber nicht erreicht.
Während der
ersten 90 Tage nach dem Fall von Fort Sumter meldeten sich spontan etwa
300 farbige Seeleute zum Dienst in der Marine, von denen 52 Mann bereits
„Altgediente“ mit einer Dienstzeit von durchschnittlich
5 Jahren waren. Da aus der relativ kleinen Marine der USA möglichst
schnell eine Seemacht werden mußte,
die die Blockadepolitik durchsetzen sollte, wuchs auch die Zahl der
Matrosen mit schwarzer Hautfarbe.

Die Besatzung
der USS Hunchback
So meldeten sich
besonders an der Ostküste viele Matrosen aus der zivilen Seefahrt
und solche, die in Docks und Häfen gearbeitet hatten, „zu
den Fahnen“.
Die genaue Anzahl ist nicht bekannt, aber eine Auswertung der noch vorhandenen
Verpflichtungslisten lassen insgesamt auf etwa 18´000 farbige
Seeleute schließen
(in anderen Quellen werden etwa 29´000 genannt), davon kamen allein
2´300 Mann aus Maryland. Aber auch Binnenschiffer waren gefragt,
denn ein großer Teil des Krieges fand auch auf den Flüssen
und den dazugehörigen Forts statt.
In den von der Union eroberten Gebieten des Südens meldeten sich
zahlreiche befreite Sklaven in die Flußgeschwader der U.S. Navy
und wurden gerne genommen,
denn sie kannten die Flüsse und deren Untiefen. Doch auch aus dem
Ausland meldeten sich viele Freiwillige, besonders aus Kanada, den Inseln
in der Karibik und Großbritannien. Sie alle wollten ihre „Brüder“
aus der Sklaverei befreien.
Die vierteljährlich
erstellten Stärkemeldungen der U. S. Navy ergeben folgende Prozentzahlen
an schwarzem Marinepersonal:
|
|
| 1. Quartal 1862 |
8 % |
| 2. Quartal 1862 bis
einschließlich 2. Quartal 1863 |
15
% |
| 3. Quartal 1863 bis
einschließlich 3. Quartal 1864 |
23
% |
| 4. Quartal 1864 bis
einschließlich 3. Quartal 1865 |
17
% |
| 4. Quartal 1865 |
15
% |
Dies zeigt, das 1864
fast ein Viertel der Matrosen der U.S. Navy, also jeder 4. Seemann afrikanischer
Abstammung war, und sich sogar nach Beendigung des Krieges noch 15%
im Marinedienst befanden, also wesentlich mehr als in der Vorkriegszeit.
In einigen Geschwadern waren die Prozentzahlen sogar noch höher.
Die Mannschaften des Atlantikgeschwaders bestanden zu 25% aus Schwarzen,
im Blockadegeschwader Westlicher Golf dienten 20% und im Mississippi-Geschwader
sogar 34%. Auf einigen Schiffen, besonders bei Depot- und Versorgungsschiffen
betrug die Prozentzahl sogar 63 – 100%.
Der Dienst an Bord war
schwer, es gab aber keine strikte Rassentrennung wie im Heer. Dies war
auf einem Schiff auch nicht möglich, denn der wenige Platz,
der zur Verfügung stand, ließ keine Trennung zu. Auf einem
Schiff war man auf jedes Besatzungsmitglied angewiesen, man mußte
sich im Dienst gegenseitig unterstützen und zusammenhalten. In
der dienstfreien Zeit blieben aber Weiße und Schwarze häufig
unter sich.
Natürlich mußte
ein schwarzer „Jack Tar“ (Spottname für einen Matrosen,
ähnlich dem „Johnny Reb“ und dem „Billy Yank“
des Heeres) die schwersten und unbeliebtesten Arbeiten an Bord verrichten,
wie das Schiffsdeck scheuern und schrubben, das Schiff streichen („pönen“),
die Beschlagteile polieren, die Heizkessel säubern und ähnliche
Arbeiten. Andere wurden aber auch den Geschützmannschaften zugeteilt
oder erhielten eine Einweisung in die Schadens- und Brandbekämpfung
an Bord.
Wieder andere wurden dazu ausgebildet, mit Handwaffen feindliche Entermannschaften
zu bekämpfen.
Aber auch in den Docks und Häfen gab es für farbige Matrosen
genügend Arbeit.
Ein Bewerber für
die Marine mußte mindestens eine Körpergröße von
1,42 m (ab Schiffsjunge) haben und einen „Fitneßtest“
bestehen.
Bei Bewerbern unter 18 Jahren, war die Genehmigung der Eltern oder eines
Vormunds erforderlich. Er wurde dann, wie auch seine weißen Kameraden,
als „Boy“ (Schiffsjunge) oder als „Landsman“
(Rekrut) mit einer Verpflichtungszeit von mindestens 3 Jahren eingestellt.
Nach einer Dienstzeit von 3 Jahren
oder nach Wiedereinstellung konnte er zum „Ordinary Seaman“
(Leichtmatrose) befördert werden, ein Jahr später zum „Seaman“
(Vollmatrose).
Einige besonders
begabte Matrosen konnten nach entsprechender Ausbildung den Dienstgrad
eines „Petty Officer“ (Maat) erreichen,
hatten aber keine Befehlsgewalt über die Mannschaften. So dienten
sie häufig als Schiffsköche oder Stewards. Dies brachte ihnen
aber den Vorteil, daß sie häufig,
im Gegensatz zu ihren Kameraden, in den Häfen an Land gehen und
auf den Märkten Frischverpflegung einkaufen konnten, eine willkommene
Abwechslung.
Bemerkenswert ist aber die Tatsache, daß die farbigen Seeleute
– im Gegensatz zum Heer – den gleichen Sold erhielten wie
ihre weißen Kameraden.

Die Besatzung der USS Miami
Es gab aber auch einige Vorurteile bei den weißen Seeleuten. So
wurden zum Beispiel von der Besatzung der USS Blackhawk,
dem Flaggschiff des Mississippi-Geschwaders, die „Kontrabanden“
einer „rituellen“ Reinigung unterzogen.
Sie mußten ihre Kleidung ausziehen und wurden im Dezember 1862
mit Wasserschläuchen „geduscht“. Die Folge war,
daß Robert Scott am 2. Januar 1863 an einer Lungenentzündung
starb.
Seeleute sind aber keine „Heiligen“, der Umgangston auf
den Schiffen war auch unter den Weißen ziemlich rauh.
Trotz mancher Übergriffe
durch ihre weißen Kameraden, hatten die Schwarzen in der U. S.
Navy durch die strengen Dienstvorschriften, die für alle galten,
auch eine gewisse Rechtssicherheit. Dafür ein Beispiel: Auf der
USS Pompero gerieten im Februar 1864 der Ire James (oder Owen)
Conlan und der schwarze Seemann James Dixon in Streit.
Es kam zu einer Prügelei bei der Conlan unglücklich stürzte
und einen Schädelbruch erlitt, an dem er starb.
Das Kriegsgericht entschied, daß der Angeklagte nicht vorsätzlich
gehandelt hatte, und das Verfahren wurde eingestellt.
Als Zivilperson hätte er weder im Norden noch im Süden mit
so einem gerechten Urteil rechnen können.
Im Verlauf des Krieges
erhielten 8 Seeleute afrikanischer Abstammung die höchste militärische
Auszeichnung der Vereinigten Staaten,
die Ehrenmedaille des Kongresses (Medal of Honor) für Tapferkeit
im Kampf.

Noch im hohen
Alter trägt "Landsman" (Rekrut) John H. Lawson, von der »
USS Hartford « mit
Stolz seine Auszeichnungen.
Die Ehrenmedaille
hatte er für seine Tapferkeit während der Seeschlacht von
Mobile Bay erhalten.
Schwarze
Matrosen in der C.S. Navy
Doch - so seltsam
es klingen mag - aber auch in der konföderierten Marine gab es
farbige Seeleute. Wie im Norden war in den Dienstvorschriften der C.S.
Navy festgelegt,
daß nur 5% des Mannschaftspersonals aus schwarzen Matrosen bestehen
durfte, doch der ständige Personalmangel führte - mit entsprechenden
Ausnahmegenehmigungen - zu wesentlich höheren Zahlen. Im Februar
1865 dienten schätzungsweise 1150 farbige Matrosen in der C. S.
Navy, was einem Prozentsatz von etwa 20% des Mannschaftsbestandes bedeutete.
Es handelte sich dabei teilweise um entlaufene Sklaven, die unter besseren
Bedingungen für „ihr“ Land kämpfen wollten,
und teilweise um freie Männer. Sie wurden wie in der Union als
„Boys“ (Schiffsjungen) und „Landsman“ (Rekruten)
eingestellt.
Besonders
gefragt und begehrt waren aber die schwarzen Flußlotsen, die auf
den Flüssen „zu Hause“ waren und jede Strömung
und Untiefe sowie jedes Felshindernis in „ihren“ Flüssen
kannten. Mit einem monatlichen Gehalt von $80 - $100 waren sie sogar
Offizieren gleichgestellt, hatten aber keine unmittelbare Befehlsgewalt.
Als Beispiel sei
hier Moses Dallas genannt, der von 1862 bis 1864 im Savannah-Geschwader
diente. Der Kommodore des Geschwaders schrieb an den Marineminister:
„Ich war außerdem gezwungen, das Gehalt von Moses Dallas
von $80 auf $100 zu erhöhen, um ihn im Dienst zu halten.
Er ist ein farbiger Lotse und gilt als der beste Inland-Lotse.“
Moses fiel bei der Kaperung des Kanonenboots USS Water Witch
in der Nacht vom 2. auf den 3. Juni 1864.
Die USS Water Witch hatte ebenfalls einen schwarzen Lotsen.
Als Charleston gegen
Ende des Krieges evakuiert werden mußte, zog sich das Personal
der Marine und der Marineinfanterie nach Drewry’s Bluff, Virginia,
zurück,
wo daraus eine Infanterieverband (etwa 300 – 400 Soldaten) mit
dem Namen „Tucker’s Brigade“ aufgestellt wurde, die
auch unter der Bezeichnung "Marine Brigade"
und "Naval Brigade" bekannt ist. Von der Army of Northern
Virginia unter Robert E. Lee als Nachhut eingesetzt, kämpfte sie
am 6. April bei Sayler’s Creek so tapfer,
daß die Union eine Stärke von 2´000 Soldaten vermutete.
Drei
Tage später mußte Lee aber in Appomattox Court House kapitulieren.
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