Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr

Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
© Michael J. McAfee and John P. Langellier • Billy Yank 1861-1865 •
© Jonathan Sutherland • COMMANDERS AND HEROES OF THE AMERICAN CIVIL WAR •
© NORD & SÜD 1992, Martin Öfele Die Schwarzen Truppen

Bearbeitet von E. Liebe, RAG Militärgeschichte, 85077 Manching


Ehrenmal für die gefallenen schwarzen Truppen in Washington, D.C.

 

Schwarze Truppen im Heer 1861-1865

Seite - 5 -

 

 

 

Die Verluste der schwarzen Truppen


Der erste Einsatz von Schwarzen im Bürgerkrieg erfolgte im September 1862 in Cincinnati. Eine sogenannte „Schwarze Brigade“ (Black Brigade),
die aus 3 „Regimentern“ bestand, wurde für 3 Wochen ohne Uniform und Waffen aus Freiwilligen aufgestellt, die die Befestigungen um die Stadt ausbauten.
Ungefähr zur gleichen Zeit unternahm General Butler den Versuch, in New Orleans schwarze Soldaten zu verpflichten, deren Regimenter als
„ Louisiana Native Guards“
bekannt wurden. Das 1. Regiment wurde am 27. September 1862 als erstes schwarzes Regiment der Union in Dienst gestellt.
Weitere Regimenter folgten, so daß wenige Monate später das „Corps d'Afrique“ entstand.

Nun folgten auch andere Staaten der Union und errichteten Regimenter mit schwarzen Soldaten, so daß es am Ende des Krieges 145 Infanterieregimenter,
7 Kavallerieregimenter, 12 Regimenter schwerer Artillerie, 1 Regiment leichter Artillerie und 1 Regiment Pioniere gab, in denen schwarze Soldaten dienten.
Von diesen Regimentern waren etwa 60 im Kriegseinsatz, die anderen ersetzten aktive Truppen im Garnisonsdienst. So war jeder 8. Soldat der Union ein Schwarzer.

Major-General D. Hunter begann im Mai 1862 in South Carolina mit der Werbung für ein schwarzes Regiment. Trotz vieler Schwierigkeiten gelang es,
eine Kompanie nach der anderen aufzustellen, so daß das Regiment als 1st South Carolina Regiment am 31. Januar 1863 unter ihrem Kommandeur,
Colonel T. W. Higginson, in Dienst gestellt werden konnte. Es war das erste Regiment, in dem befreiten Sklaven als Soldaten dienten.
Auf Befehl des Kriegsministeriums wurde es im Februar 1864 als 33rd U. S. Colored Infantry Regiment in die reguläre Armee eingegliedert.

 

 


Ein sehr symbolträchtiges Foto.
Schwarze Unionssoldaten stehen vor einem Gebäude,
in dem vor dem Krieg Sklaven versteigert wurden

 

Der erste Einsatz mit Beteiligung schwarze Truppen fand im Gefecht von Island Mounds, Missouri, am 28. Oktober 1862 statt, als eine Abteilung der 1st Kansas von einer zahlenmäßig überlegenen Einheit der Konföderierten unter Colonel Cockerel angegriffen wurde. Sie konnte die Stellung halten, verlor aber 10 Mann einschließlich ihres Hauptmanns; 12 Mann wurden dabei verwundet. Beim Angriff auf Port Hudson, Louisiana, am 27. Mai 1863 wurden schwarze Truppen zum ersten Mal in einem größeren Rahmen eingesetzt. Im XIX. Army Corps dienten mehrere schwarze Regimenter des Corps d’Afrique. Sie stürmten trotz starken Artilleriefeuers in offenem Gelände vorwärts. Obwohl der Angriff zu keinem Erfolg und deshalb zu einer längeren Belagerung führte, zeigte sich, daß sich die Soldaten auch unter Feuer bewährten.
So hatte die 1st Louisiana Native Guard den Tod von 2 Offizieren und 32 Mann zu beklagen, 3 Offiziere und 92 Mann wurden verwundet.

Am 7. Juni 1863 wurde die Garnison von Milliken’s Bend, Louisiana, von 3`000 Mann der konföderierten Walker Division angegriffen.
Die Besatzung bestand aus 3 farbigen Regimentern, der 9th Louisiana, der 11th Louisiana und der 1st Mississippi. Zusätzlich befanden sich etwa 200 Mann
der 23d Iowa (weiß) in der Kaserne, die Gefangene eskortiert hatten. Zahlreiche Soldaten befanden sich außerhalb der Kaserne, um neue Rekruten anzuwerben.
Die Besatzung (etwa 600 Mann) wurde an den Fluß zurückgedrängt, wo sie Unterstützung durch 2 Kanonenboote fand. Im Gegenangriff konnten die Kasernenanlagen zurückgewonnen und zahlreiche Gefangene gemacht werden.
Das Gefecht war äußerst heftig und wurde durch Bajonettangriffe und Schläge mit den Musketenkolben entschieden.

Die offizielle Statistik führt folgende Verluste an:

Regiment
Gefallen
Verwundet
Gesamt
9th Louisiana
62
130
192
11th Louisiana
30
120
150
1st Mississippi
3
21
24
23d Iowa (weiß)
26
60
86

 



Am 18. Juli 1863 hatte das 54th Massachusetts Colored Regiment die Ehre, den Angriff auf Fort Wagner anzuführen. Die Soldaten bestürmten das Fort,
doch es gelang ihnen nicht, es einzunehmen. Wie heftig der Kampf geführt wurde, zeigen die Verluste:
Gefallen: 3 Offiziere, darunter der Regimentskommandeur und 31 Mann. Verwundet: 11 Offiziere und 135 Mann, Vermißt: 92 Mann

 


Der Sturmangriff auf Fort Wagner

 


Das Regiment verlor somit 272 von 650 eingesetzten Soldaten. Hier kam das Gerücht auf, daß die 92 Vermißten im Fort getötet wurden, als sie sich schon ergeben hatten. Doch offizielle Unterlagen zeigen, daß 49 dieser Männer in konföderierten Kriegsgefangenlagern starben, die anderen wurden am Kriegsende entlassen und kehrten zu ihren Regimentern zurück, bevor diese aufgelöst wurden.

Außer bei Shermans Invasion von Georgia nahmen 1864 - 1865 schwarze Truppen an jedem Feldzug teil, Höhepunkt ihres Einsatzes bildete das Jahr 1864.
So mußte die 8th U.S. Colored Infantry am 20. Februar 1864 im Gefecht von Olustee, Florida, einen hohen Blutzoll zahlen. Das Regiment verlor hier insgesamt 303 Mann, davon waren 2 Offiziere und 49 Mann gefallen, 9 Offiziere und 180 Mann verwundet und 63 auf dem Schlachtfeld vermißt.
Von den Verwundeten starben in den folgenden Tagen noch 38 Soldaten.

Das „Fort-Pillow-Massaker“ (siehe „Schwarze Truppen 1861 - 1865“, Seite 3) führte dazu, daß die schwarzen Soldaten noch verbissener gegen die Konföderierten kämpften. Der Schlachtruf der Truppen östlich des Mississippi lautete nun: „Denkt an Fort Pillow!“ (Remember Fort Pillow!).

 



Konföderierte Feldbefestigungen mit Schützengräben vor Petersburg

 


Am 30. Juli 1864 sollte die 4. Division des IX. Korps unter Brigadier General E. Ferrero, die komplett aus Regimentern schwarzer Truppen bestand, den Angriff auf das stark befestigte Petersburg anführen. Doch der Plan wurde geändert, jetzt sollten sie erst am Schluß eingesetzt werden.  Obwohl der Angriff blutig abgewehrt worden und eine Niederlage abzusehen war, warf man die Regimenter in den verlustreichen Kampf. Wie verbissen und tapfer sie kämpften, ist aus der amtlichen Verlustliste ersichtlich:

 

Regiment
Gefallen
Verwundet
Vermißt
Gesamt
19th U. S. Colored Infantry
22
87
6
115
23rd U. S. Colored Infantry
74
115
121
310
27th U. S. Colored Infantry
9
46
90
145
28th U. S. Colored Infantry
11
64
13
88
29th U. S. Colored Infantry
21
56
47
124
30th U. S. Colored Infantry
18
104
78
200
31st U. S. Colored Infantry
27
42
66
135
39th U. S. Colored Infantry
13
97
47
157
43rd U. S. Colored Infantry
14
86
23
123
Gesamt
209
697
491
1.397

 


Solche Gegner konnten im Sturmangriff nicht bezwungen werden -
ein schweres Festungsgeschütz zur Verteidigung von Petersburg

 


Schwere Verluste mußten schwarze Truppen auch im Gefecht von Chaffin’s Farm (auch Chapin’s Farm) hinnehmen,
in dem auch Paines Division (Farbige) des XVIII. Korps und Birneys Colored Brigade des X. Korps eingesetzt waren -
insgesamt etwa 10.000 Mann. Die Truppen nahmen am 29. September 1864 an der Erstürmung von Fort Gilmer
und den Angriffen auf die Feldbefestigungen von New Market Heights teil.

Die Übersicht enthält die Regimenter mit den höchsten Verlusten:

Regiment
Gefallen
Verwundet
Vermißt
Gesamt
4th U. S. Colored Infantry
27
137
14
178
5th U. S. Colored Infantry
28
185
23
236
6th U. S. Colored Infantry
41
160
8
209
36th U. S. Colored Infantry
21
87
-
108
38th U. S. Colored Infantry
17
94
-
111

 


Neben den angeführten Gefechten nahmen schwarze Truppen an zahlreichen weiteren Gefechten teil und zeigten ihren Kampfeswillen.
So bewährten sich viele Regimenter mit schwarzen Soldaten im Einsatz, obwohl zunächst kaum ein Offizier - nicht einmal Präsident Lincoln -
den Schwarzen soldatische Tugenden zutraute. Obwohl selbst heute noch kaum beachtet, trugen sie zum Sieg der Union bei.

 

Mittelteil der Regimentsfahne der 6th U. S. Colored Troops.
Die Frau im weißen Kleid stellt symbolisch die Freiheit und Gerechtigkeit dar.
Im oberen Schriftband befindet sich das Motto „Freiheit für alle“ (Freedom for all).


Insgesamt dienten etwa 180.000 Afro-Amerikaner in den Armeen des Nordens, 30 % davon verloren im Krieg ihr Leben.
24 Afro-Amerikaner (Heer und Marine) erhielten wegen ihrer Tapferkeit im Kampf die höchste Kriegsauszeichnung der Union,
die Ehrenmedaille (Medal of Honor) des Kongresses.


Eine Liste der Inhaber dieser Ehrenmedaille ist auf - Seite 6 - zu finden.



 

 

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