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VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© Leah Ireland-Kunze, Der Bürgerkrieg in den USA 1861-1865
© William C. Davis, SOLDATEN•GENERÄLE•SCHLACHTEN

 

SHILOH (Pittsburg Landing)
6.–7. April 1862

 

Die Schlacht von Shiloh

 


 

William Tecumseh Sherman
hier als Generalmajor gegen Ende des Krieges, war ein gerüchteumwobener Brigadier, als er die große Chance bekam,
unter Grant das Kommando in Shiloh zu übernehmen.

 


 

Albert Sidney Johnston
genoss das Vertrauen der ganzen Nation, als er seine Armee nach Shiloh führte.
Sein Tod warf zahlreiche Fragen hinsichtlich seiner Fähigkeiten auf.

 

 

 

 

 

 

Die Schlacht von Shiloh

Ein Veteran von Waterloo war der Ire Hugh McVey, der als Siebzigjähriger mit der Vierten Kentucky in den Krieg zog und bei Shiloh fiel.

Nach Ankunft der Unionsarmee in Pittsburg Landing erging aus Washington die Order, Ulysses S. Grant den Befehl über die Armee zurückzugeben.
Sie war inzwischen auf 40.000 Mann gewachsen und in 6 Divisionen unterteilt. 20.000 dieser Unionssoldaten hatten ihre ersten Kampferfahrungen bei Fort Henry und Fort Donelson erworben; bei der anderen Hälfte der Unionsarmee handelte es sich um frische Rekruten, die kaum wußten, wie man ein Gewehr halten sollte.
Grant hatte von Halleck den Befehl, sein Hauptquartier weiter flußabwärts in Savannah einzurichten und dort Buells Unionsarmee abzuwarten.
Auf keinen Fall sollte er etwas ohne General Buell unternehmen. So wurde Grant gezwungen, in schlechter Lage - mit dem Rücken zum Tennessee River -
untätig zu verharren. Er erwartete keinen baldigen Angriff. Laut eigenem Bericht stand er vor der Wahl zwischen dem Ausheben von Schützengräben und
der Ausbildung der völlig unerfahrenen Truppen. Er entschied sich für die zweite Alternative. General Buell sollte binnen kurzem eintreffen,
dann hätte die Union um Pittsburg Landing mehr Soldaten als der Gegner in Corinth versammelt.

Buell ließ auf sich warten. Trotz aller Befehle von Halleck hielt er sich unglaublich lange in Nashville auf; danach bewegte sich seine Armee vorsichtig und zögernd südwärts. Als Grant seine Armee wieder übernahm, befanden sich erst 5 Divisionen in und um Pittsburg Landing; sie wurden von den Generalen W. H. L. Wallace, Lew Wallace, Hurlbut, Prentiss und McClernand kommandiert. Die sechste Division traf als letzte ein; ihr Kommandeur war General William Tecumseh Sherman,
derselbe, der sich in der Schlacht am Bull Run als einziger auf der Unionsseite durch Klugheit und Energie ausgezeichnet hatte.

Sherman entstammte wie Grant dem Kleinbürgertum des Mittelwestens; wie Grant hatte er Probleme mit der Hierarchie der regulären Armee gehabt.
Grant schätzte Sherman vor allen anderen Divisionskommandeuren, wie aus seiner Beschreibung der Stellungen bei Shiloh hervorgeht :
»Etwa zwei oder drei Meilen von Pittsburg Landing war ein Blockhaus, das als Gotteshaus diente und Shiloh hieß. Es stand auf dem Plateau,
das die Bäche Snake und Lick trennt ... Dieser Punkt war der Schlüssel zu unserer Stellung und wurde von Sherman gehalten.
Damals war seine Division völlig neu, kein Teil von ihr hatte jemals an einem Kampf teilgenommen.
Aber ich dachte, dieser Mangel würde durch die Überlegenheit des Kommandeurs mehr als kompensiert werden.«

Corinth, Mississippi, hier im Jahre 1862, war Sidney Johnstons Ausgangspunkt nach Pittsburg Landing.
Das Tishomingo Hotel hinter den Gleisen sollte für tausende von Soldaten eine besondere Bedeutung erlangen.


Die Ausbildung der Truppen begann - und wurde einen Monat lang fortgesetzt,
während Grant auf General Buells Armee wartete. Wer dann als erster kam, war nicht Buells Armee, sondern der Gegner. Grant bezeichnete die Schlacht von Shiloh als «die am wenigsten verstandene - oder, genauer gesagt, absichtlich mißverstandenste» Schlacht des Bürgerkrieges. Es gibt keine zwei Berichte dieser Schlacht, die in sämtlichen Details übereinstimmen. Selbst Grants Erinnerungen tragen wenig zur Klärung bei. Sie waren zum Teil durch Hallecks Druck geprägt, dem Grant damals ausgesetzt war. «General Halleck zog mit seinem Hauptquartier nach Pittsburg Landing und übernahm den Befehl über die Truppen im Feld. Obwohl ich der ihm Nächststehende im Rang war und dem Namen nach mein altes Militärdepartement und meine Armee kommandierte, wurde ich ebenso ignoriert, als ob ich mich am entferntesten Punkt meines Kommandobereiches aufgehalten hätte; und obwohl ich alle Truppen, die bei Shiloh kämpften, kommandierte, wurde es mir nicht erlaubt, in jener Schlacht auch nur einen einzigen Bericht von General Buell oder einem seiner Unterstellten einzusehen, bis sie lange nach dem Ereignis vom Kriegsministerium veröffentlicht wurden.
Aus diesem Grunde habe ich nie einen vollständigen, offiziellen Bericht über die Schlacht vorgelegt.»

Bei allem Respekt vor Grant muß aber gesagt werden, daß diese Erklärung nicht zutrifft. Es gibt außer Grants (20 Jahre nach dem Kampf geschriebenen)
Memoiren keinen Beweis dafür, daß sich Halleck in Shiloh aufgehalten hat. General Buell erreichte Shiloh zu spät, um an den Kampfhandlungen des ersten Tages teilzunehmen. Selbst wenn Halleck in Shiloh gewesen ist, blieb er absolut untätig und ohne Bedeutung für die Entwicklung des Kampfes. Es war Grant,
der kommandierte, der allein und mitten im Kampf jene Taktik abspulte, mit der sich nach den schrecklichen Verlusten durch den Überraschungsangriff der Konföderierten die Unionslinie endlich stabilisieren und am zweiten Tag die Lage wenden ließ. Es lag, wie wir bald sehen werden, an der scharfen und unberechtigten Kritik der Unionspresse sowie der Konservativen in Washington gegen Grant, daß er gekränkt reagierte und sich noch Jahre später mit einem Gefühl der Peinlichkeit an die Schlacht erinnerte.


In der Tat und zugegebenermaßen befand sich Grant in Shiloh zum erstenmal in der Defensive. Es war eigentlich auch das letztemal.
An der defensiven Lage trug er keine Schuld, sie wurde durch Hallecks und Buells Verzögerungsstrategie verursacht.
In einem Punkt aber beging Grant einen sehr groben Fehler, für den seine Armee teuer bezahlen mußte: Er vernachlässigte in der Überzeugung, daß die konföderierte Armee nach den Niederlagen in Kentucky und Tennessee demoralisiert und nicht so schnell in kampffähigen Zustand zu bringen sei, die Aufklärung der gegnerischen Aktivitäten in Corinth.
Auch mit einer wesentlichen Verstärkung der CSA-Armee Johnstons rechnete er nicht. Das weitgestreckte Unionslager stand auf einem bewaldeten Dreieck.


links: „Jeff Davis and the South” steht auf dem Schild dieses gut ausgestatteten Rebellen. Tausende solcher junger Männer bildeten die Armee der Konföderierten,
die in der ersten großen Schlacht im Westen kämpfte.

mitte: In dieser schweren Zeit neigte man dazu, vieles zu romantisieren.
Vielleicht war der kleine Jonny Clem ja wirklich ein mutiger Soldat;
er ging als „Trommlerjunge von Shiloh” in die Geschichte ein.

rechts: Ungeachtet der krigerischen Pose ist bei diesem jungen Rebellen der Gegensatz
zwischen dem unschuldigen jungen Gesicht und der Waffenausrüstung zu sehen.
Die Messer wurden nie eingesetzt.

 

Um eine Landstraße von Corinth in der Nähe von Savannah gegen mögliche Handlungen der Konföderierten aus dieser Richtung zu verteidigen,
hatte Grant die Division von Lew Wallace mit 6.500 Mann nach Savannah geschickt. In einem Walddickicht außerhalb des Lagers am Plateau standen Feldposten.
Am 4. April wurden die Vorposten der Division Sherman von einer CSA-Kavallerieeinheit überfallen und vernichtet.
Da Streifzüge der CSA-Kavallerie keinesweg ungewöhnlich waren, nahmen weder Sherman noch Grant an, der Hauptteil der CSA Armee könnte in der Nähe stehen.
Eine Nachricht von General Buell war schon eingetroffen, der langsame Befehlshaber der Ohio-Armee wurde deshalb jeden Augenblick erwartet,
und Grant kehrte nach Savannah zurück, um ihn dort zu empfangen.

Sherman fungierte als Grants Vertreter in Shiloh. Er organisierte eine Verfolgung der CSA-Kavallerie durch eine Unionskavalleriegruppe.
Diese traf jedoch auf größere Truppenkonzentrationen aller Gattungen und mußte zurückweichen. Trotz des Berichts der Kavallerie schrieb Sherman an Grant,
er würde «nichts, was einem Angriff ähnelt, erwarten». Aber an diesem Tag stand A. S. Johnstons Armee mit 40000 Mann gute 3 Kilometer vor Shermans und Prentiss' vordersten Stellungen! Der CSA-General plante einen Überraschungsangriff für den nächsten Morgen, den 5. April. Es kam aber nicht dazu,
weil die verschiedenen Teile der CSA-Armee bei ihrem Marsch auf Shiloh durch schlechte Wege behindert wurden.
Erst am späten Nachmittag des 5. April kamen die letzten Divisionen am Sammelpunkt an. In der Nacht vom 5. zum 6. April analysierte General Sherman
ein weiteres Mal die Ergebnisse des 4. Aprils. Seine Überlegungen ließen ihm keine Ruhe. Um 3.00 Uhr morgens schickte er einen Teil des 25. Missouri-Regiments
auf Aufklärung. Um 5.15 Uhr stießen diese Truppen auf die ersten Einheiten der anrückenden CSA-Armee. Nach kurzem Gefecht zogen sich die Missourianer zurück und warnten Sherman und Prentiss, die ihre Truppen sofort wecken ließen. Die Zeit reichte nur dazu, sie vor den Zelten in Kampfstellung zu bringen.

Die Schlacht von Shiloh. Der Angriff der Konföderierten am 6. April 1862

Die CSA-Armee war in 4 Korps geteilt. Als erstes marschierte das Korps Hardee in langer, kompakter Linie;
hinter ihm rückte Braggs Korps in ähnlicher Formation an. Hinter Bragg marschierte das Korps Polk in Kolonne; Breckinridges Korps sollte die Reserve bilden, wurde jedoch bald ebenfalls in den Kampf verwickelt.
A. S. Johnston war der Oberbefehlshaber, Beauregard sein Stellvertreter. Um 6.00 Uhr erreichten die Korps Hardee und Bragg das Schlachtfeld, wo sie sich im Bereich der Shiloh-Kirche mit aller Gewalt auf Shermans und Prentiss' unerfahrene Infanteristen warfen. Shermans Linien brachen schon in den ersten Minuten und fielen etwas zurück, stabilisierten sich aber wieder, weil ihnen die Unionsdivision McClernand zu Hilfe eilte.
Sherman führte seine Truppen mit großem Können, verlor aber anfangs viele Soldaten, die vor Schreck und Angst nach Pittsburg Landing zurückliefen. Später fanden die meisten von ihnen den Weg zurück ins Gefecht.

Grant saß gerade beim Frühstück in seinem Hauptquartier in Savannah, als die Nachricht vom Überfall einging.
Er ritt eiligst nach Pittsburg Landing, wo er um 8.30 Uhr eintraf. Zu diesem Zeitpunkt war die Lage ziemlich verworren. Die Division Prentiss zählte nur noch 1.000 Mann und befand sich im Unionszentrum auf dem Rückzug.
McClernands und Shermans Divisionen wurden von den CSA-Korps Hardee und Polk arg bedrängt.
Die linke Flanke der Unionstruppen war vom CSA-Korps Breckinridge bedroht. Grant erkannte sofort,
daß die konföderierte Armee zahlen- und stellungsmäßig überlegen war. Schon unterwegs zum Feld hatte er General Lew Wallace befohlen, seine Division sofort nach Shiloh zu bringen. Wallace zögerte jedoch sehr lange.
Bis 9.00 Uhr hatten erst 2 seiner Regimenter das Feld erreicht, die übrigen trafen viel später ein.

Grant beschäftigte sich mit der Stabilisierung der Stellungen. Bis Mittag hatte er sie auf eine relativ geschlossene Front zwischen dem Owl Creek und dem Lick Creek zurückgenommen. An der rechten Unionsflanke bedrohte Hardees CSA-Korps Shermans dezimierte Division. Prentiss' Division befand sich auf einem schluchtartigen Waldweg in schwieriger Lage. Breckinridges CSA-Korps drängte die Division Hurlbut links von Prentiss auf eine immer stärker gebogene Linie zurück, was Prentiss' Probleme auf dem Waldweg,
den die Soldaten «Hornissennest» nannten, nur noch verschlimmerte. Aber auf der konföderierten Seite war das Bild ebenfalls nicht günstig.
Ihre Truppen waren ebenso unerfahren wie die Unionstruppen. Hardees, Braggs und Polks Kampflinien waren überdehnt, und die Einheiten gerieten völlig durcheinander, bis die Offiziere den Überblick verloren und nur die Truppen in ihrer unmittelbaren Nähe kommandieren konnten.
Eine erste Wende zugunsten der Union trat um 14.00 Uhr ein, als sich bei Breckinridges Truppen Ermüdung und Unentschlossenheit zeigten.
Daraufhin übernahm General A. S. Johnston persönlich den Befehl über 2 der am schwersten mitgenommenen Divisionen von Breckinridges Korps.
Dies geschah jedoch genau zu dem Zeitpunkt, als auf der Unionsseite Grant die Artilleriebatterien bei Pittsburg Landing vollständig in Stellung gebracht
und ihnen den Befehl zur Feuereröffnung gegeben hatte.

Eine der ersten Salven tötete um 14.30 Uhr den Oberbefehlshaber der konföderierten Armee A. S. Johnston. Beauregard übernahm nun den Befehl.
Zuerst hatte Johnstons Tod eine positive Wirkung auf die CSA-Truppen, als die Wut ihnen neue Kraft verlieh. Sie umzingelten Prentiss' Division sowie einen Teil
der Division von W. H. L. Wallace. Um 16.00 Uhr fiel General W. H. L. Wallace, und um 17.30 Uhr mußte Unionsgeneral Prentiss nach heroischem Kampf kapitulieren
und sich zusammen mit den letzten Verteidigern des «Hornissennestes» gefangen geben.

Das Schicksal der CSA-Armee war jedoch schon besiegelt, denn endlich um 15.30 Uhr trafen die ersten Einheiten der Unionsarmee unter General Buell
auf der anderen Seite des Tennessee River gegenüber von Pittsburg Landing ein. Um dieselbe Zeit erschienen 2 Unionskanonenboote auf dem Fluß und unterstützten die Unionsbatterien mit ihrem Feuer. General Grant stellte seine Divisionen in einer langen, L-förmigen Linie auf, die bis Sonnenuntergang standhielt.
Nach einem letzten, verzweifelten Versuch des CSA-Korps Bragg (von dem 2 Divisionen überhaupt keine Munition mehr hatten!), die Unionsbatterien zu erstürmen,
wurde das Feuer eingestellt. Erst jetzt erreichten die restlichen Regimenter des Unionsgenerals Lew Wallace das Feld.

CSA-General Beauregard wußte weder vom Eintreffen der Division Wallace noch von der Ankunft des Hauptteils der Unionsarmee Buells in der Nacht.
Er glaubte allen Ernstes, einen bedeutenden Sieg errungen zu haben. In diesem Sinne telegrafierte er an die CSA-Regierung nach Richmond und
«ging dann in Shermans erobertem Zelt zu Bett». Am nächsten Morgen weckte ihn eine böse Überraschung: In Pittsburg Landing standen über 60.000 Unionssoldaten, davon 25.000 Mann frische Truppen, also fast doppelt soviel, wie General Beauregard noch in den Kampf schicken konnte.

Die Schlacht von Shiloh. Der Gegenangriff der Unionstruppen am 7. April 1862

 

Nach Sonnenaufgang dieses 7. Aprils begann (trotz einer Verzögerung durch Unionsgeneral Buell) der massive Gegenangriff der Unionsarmee. Die konföderierten Truppen wurden Schritt um Schritt auf ihre Ausgangsstellungen zurückgedrängt, bis ihr Befehlshaber, General Beauregard, um 14.00 Uhr den Rückzug anordnen mußte.
Fast alle Berichte über die Schlacht von Shiloh stimmen in den statistischen Angaben überein:
Von 63.000 Mann bei den Unionstruppen fielen etwa 1.750, wurden etwa 8500 verwundet und etwa 2.850 gefangengenommen oder gelten als vermißt; von etwa 40.000 Mann der konföderierten Truppen fielen
rund 1.700, wurden 8.000 verwundet, und etwa 900 Mann gelten als vermißt oder gefangengenommen.
Gemessen an der Zahl der auf dem Schlachtfeld verfügbaren Truppen,
wogen die Verluste für die Konföderierten viel schwerer, denn sie betrugen über ein Viertel der Armee.

Nach Shiloh setzte eine fürchterliche Verleumdungskampagne gegen Grant ein. Leider werden viele der Lügen,
die damals über ihn erzählt wurden, noch heute erzählt, zum Beispiel die, daß er während der Schlacht betrunken war. Daß Grant einen langen Kampf gegen seine Trunksucht hinter sich hatte, ist unumstritten. Alkoholprobleme hatten schließlich zu seinem Ausscheiden aus der regulären Armee in Kalifornien geführt. Es gibt aber nicht einen einzigen Beweis dafür, daß er nach Beginn des Bürgerkriegs noch dem Alkohol zusprach. Im Gegenteil, er hatte sich voll in der Gewalt, wenngleich er nun eine Unmenge Zigarren konsumierte, die zum persönlichen Kennzeichen wurden.
Selbst bei großen Festessen im Weißen Haus in den Jahren seiner Präsidentschaft stülpte Grant stets sein leeres Weinglas um und lehnte den Genuß sämtlicher alkoholischer Getränke ab.


Eine eingehende Analyse aller Quellen über die Schlacht von Shiloh zeigt, daß Grants Handlungen unter den gegebenen Umständen durchaus logisch waren.
Daß er bei Übernahme des Kommandos nicht sofort die Verschanzung seiner Truppen befahl, war ein Fehler, den er nie wieder beging und aus dem er lernte,
auch wenn er damals sein Vorgehen rechtfertigte. Ein weiterer Vorwurf, der nach Shiloh häufig zu hören war, lautete, daß Grant seine Truppen «wie Kanonenfutter»
verheizt habe. In der Tat hatte Grant in den meisten Schlachten des Krieges proportional geringere Verluste als seine Gegner. Für die damaligen Maßstäbe waren die Verluste im Bürgerkrieg, insbesondere in den ersten zweieinhalb Jahren, erschreckend hoch. Sie waren die Folge des Einsatzes zahlenmäßig starker Armeen,
die sich zum größten Teil aus Menschen zusammensetzten, deren Beruf nicht der Militärdienst war, sowie der massenhaften Anwendung verbesserter Kriegstechnik.
Die Kritik an Grant, daß er sich in Shiloh habe überraschen lassen, konnte nicht die Tatsache aus der Welt schaffen, daß er dort einen Sieg davongetragen hatte.

Auf seinen selbstgefälligen Vorgesetzten Halleck wirkte der Sieg von Shiloh wie ein rotes Tuch auf den Stier. Wiederum war es Halleck, der die Hetzkampagne gegen Grant startete und ihn seines Kommandos enthob. Er forderte sogar das Kriegsministerium in Washington auf, Grant aus der Armee zu verstoßen. Grant befand sich in einer derart peinlichen Lage, daß er am liebsten von selber gegangen wäre, nicht zuletzt deshalb, weil Halleck sämtliche durch Shiloh gewonnenen Vorteile sinnlos vertat.
Nur im Schneckentempo ließ Halleck die riesige Unionsarmee in Richtung Corinth kriechen. Von einer «Verfolgung» der konföderierten Armee konnte überhaupt keine Rede sein. Somit hatte Beauregard reichlich Zeit, um alles und jeden - einschließlich der Zivilbevölkerung - aus Corinth zu evakuieren.

Als die Unionsarmee am 30. Mai in Corinth einmarschierte, fand sie lediglich sogenannte Quäker-Kanonen vor, das heißt Geschützattrappen aus Baumstämmen,
die über Wagenachsen gelegt waren. Auf Hallecks Forderung nach Grants Entlassung antwortete Lincoln mit einem berühmten Satz:
«Ich kann auf diesen Mann nicht verzichten - er kämpft. »
Am 11. Juli ernannte der Präsident Halleck zum Oberbefehlshaber der Unionsstreitkräfte und Grant zu seinem Nachfolger als Befehlshaber des Militärdepartements Ohio/Missouri. Damit fand der Streit zwischen Halleck und Grant ein vorläufiges Ende.

Pittsburg Landing, Tennessee, nach der Schlacht von Shiloh.
Vom Kampf, der hier vom 6.–7. April 1862 tobte, ist auf dem Bild nichts mehr zu sehen.
Das Schiff links, die Tigress, beherbergte während der Schlacht das Hauptquartier von Grant.






 

Tapfere junge Männer aus Tennessee,
wie diese Soldaten aus Captain Rutledges Batterie,
waren das Herz und die Seele von Johnstons konföderierter Armee.
Am 4. Juli 1861 posieren sie in Nashville für die Kamera.

 

 

 

 



Transportschiffe liegen in Pittsburg Landing vor Anker.
Die Kontrolle über die äußerst wichtigen Flüsse war für die Armeen beider Seiten
der Hauptgrund für die Schlacht von Shiloh.

Für Grant brachte Shiloh eine Wende in seinem strategischem Denken.
«... jetzt gab ich jede Idee auf, die Union durch irgendein anderes Mittel als das der völligen Eroberung zu retten. Bis zu dieser Zeit war es die Politik unserer Armee oder gewiß des Teils, den ich befehligte,
das Eigentum der Bürger zu respektieren, deren Territorium angegriffen wurde...
Nachher aber sah ich es als menschlich beiden Seiten gegenüber an,
die Leute in ihren Häusern zu schützen, jedoch alles zu nehmen,
was zur Unterstützung oder Versorgung einer Armee verwendet werden konnte.»


Von diesem Punkt an führten die Unionsarmeen im Westen und später, nachdem Grant Oberbefehlshaber aller Streitkräfte geworden war,
die Unionsstreitkräfte den Krieg nicht mehr nur gegen die Armeen des Gegners, sondern gegen seine Fähigkeit zur Kriegführung überhaupt.
Shiloh war der Anfang vom Ende der napoleonischen Strategie in den USA. Bis heute machen viele Militärhistoriker Grant den Vorwurf,
er habe den «totalen Krieg» und die «Strategie des Terrors» erfunden, und verkennen völlig, daß der Konflikt nicht in einer einzigen vernichtenden Schlacht
zwischen Millionenarmeen mit neuartiger technischer Ausrüstung zu gewinnen war.

 

 

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