
Mit freundlicher
Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© Leah Ireland-Kunze, Der Bürgerkrieg in den USA 1861-1865
© William C. Davis, SOLDATEN GENERÄLE
SCHLACHTEN
© Brian Holden Reid, Der Amerikanische Bürgerkrieg
Sieben
Tage Schlacht
25. Juni - 01. Juli 1862

Auf der Virginia-Halbinsel
hatte sich Unionsgeneral McClellan davon überzeugt, daß ein Angriff auf
Richmond von der Nordseite des von Westen nach Osten verlaufenden Chickahominy
River unmöglich sei.
Ende Mai verlegte er seine Truppen extrem langsam über den Chickahominy,
wo sie sich auf einer Nord-Süd-Linie verschanzten.
Schwere Regenfälle während des Marsches isolierten mehrere Korps auf der
Nordseite des Flusses. Während Keyes' IV. Korps schon seit dem 30. Mai
südlich
des Flusses in Stellung lag, befanden sich das V. Korps unter General
FitzJohn Porter, das III. unter General Heintzelman und Teile von Sumners
II. Korps
immer noch zwischen den Ortschaften Seven Pines und Fair Oaks, wo sie
auf den Rückgang des Hochwassers des Chickahominy warteten.
CSA-General J. E. Johnston, der sämtliche CSA-Truppen vor Richmond befehligte,
bekam Nachricht über diese Verbände und entschloß sich,
am 31. Mai anzugreifen. Sein Plan war gut, konnte jedoch nicht voll verwirklicht
werden, weil die Division Longstreet auf die falsche Landstraße geriet
und die Bewegungen der Division Huger behinderte. Der Angriff wurde von
den CSA-Divisionen A. P. Hill, D. H. Hill, Magruder und Whiting ausgeführt,
deren Stärke nicht ausreichte,
um die Schlachtentscheidung zu erzwingen. Die Unionstruppen, von denen
die meisten zum erstenmal im Kampf standen, kämpften gut und entschlossen.
Mit Anbruch der Dunkelheit wurde auf beiden Seiten das Feuer eingestellt.

In Fair Oaks bzw.
Seven Pines traf ein Granatsplitter aus einer solchen Yankeekanone CSA-General
Johnston.
An diesem Tag wurde
CSA-General J. E. Johnston ernsthaft verwundet und vom Feld getragen.
Dies führte in Richmond zu einer Entscheidung von großer Tragweite für
den weiteren Kriegsverlauf:
Aus den Armeen von Johnston und «Stonewall» Jackson wurde am 1. Juni 1862
eine einheitliche Nordvirginia-Armee gebildet,
zu deren Oberbefehlshaber General Robert E. Lee ernannt wurde. Diese Armee
blieb bis Ende des Bürgerkrieges die wichtigste
auf der CSA-Seite und der ständige Gegner der Potomac-Armee der Union.
Nach der Schlacht
von Fair Oaks/Seven Pines deckte McClellan mit seinen Aktivitäten seine
weiteren Pläne auf, denn er brachte den ganzen Monat Juni damit zu,
Batterien für die Belagerung Richmonds in Stellung zu bringen, seine Truppen
südlich des Chickahominy umzudisponieren und demonstrative Kleinangriffe
zu unternehmen, wodurch die CSA-Armee in ihren Verteidigungslinien festgehalten
werden sollte. Nur Porters V. Korps hielt McClellan noch auf der Nordseite
des Flusses zurück, um seine rechte Flanke zu decken. Die übrigen 3 Unionskorps
lagen auf einer stark gezackten Linie direkt vor den Verschanzungen der
konföderierten Armee.

Nach der Schlacht von
Seven Pines bezieht diese Unionsbatterie Stellung in Fort Richmond,
einer Festung vor Four Oaks, zwischen der Nine Mile Road und der Richmond
& York RiverBahnlinie.
CSA-General Lee beabsichtigte,
McClellan zum Kampf zu stellen. Um dieses Ziel zu erreichen, mußte er
sich erst ausreichende Kenntnis von der Lage der Unionstruppen verschaffen.
Zu diesem Zweck befahl er seinem Kavalleriegeneral J. E. B. Stuart,
eine Aufklärungsexpedition zu organisieren. General Stuart - derselbe,
der Jahre zuvor zusammen mit Lee und Jackson John Browns Aufstand in Harper's
Ferry niedergeschlagen hatte -war ein eigenartiger Mensch: grenzenlos
eitel, theatralisch im Auftreten,
aber durchaus fähig für seine Aufgabe. Von seinen Truppen wurde er «Jeb»
genannt, von seinen Offizieren jedoch «Beauty» (Schönheit) wegen seines
langen,
welligen Barts und seiner stets auffälligen Kleidung.
Er trug einen großen Hut mit riesiger Straußenfeder und wurde-
wenn er nicht gerade im Kampf stand
oder auf Aufklärung ritt - von seinem persönlichen Trommler begleitet,
der den Truppen die Ankunft des Generals zu signalisieren hatte.
Zu
den tapfersten Kämpfern der NordvirginiaArmee gehörten
die Soldaten aus Hooks TexasBrigade.
Hier sind sie fernab der Front in ihrem Winterquartier zu sehen.
Sie gehörten zweifellos zu den besten SchockTruppen unter Lees
Kommando.
Da es Stuart an Selbstdisziplin
und General Lee an Härte gegenüber den ihm unterstellten Offizieren mangelte,
darf es nicht überraschen, daß Stuart seine Aufgabe auf der Halbinsel
wie ein Theaterstück aufzog.
Vom 12. bis 15. Juni umritt er mit 1.200 Kavalleristen die gesamte Unionsarmee.
Stuarts Aufklärungsritt blieb der Unionsarmee nicht verborgen.
In diesem Streifzug lagen mehr Schau als Substanz und mehr Risiko als
für die Aufgabe nötig,
er brachte jedoch sehr wichtige Informationen für den konföderierten Oberbefehlshaber
ein.
Stuart hatte festgestellt,
daß Porters V. Unionskorps mit 30.000 Mann auf der Nordseite des Chickahominy
lagerte. Er konnte über Porters gebrochene,
L-förmige Linie bei Mechanicsville wie auch über McClellans Stärke südlich
des Flusses und die Verstärkung durch das Vl. Korps unter Unionsgeneral
Franklin berichten.
In den Unionslinien südlich des Chickahominy standen nunmehr über 75.000
Mann. McClellan hatte 101 schwere Batterien aufstellen lassen,
darunter 48 Kanonen und Mörser von derart großem Gewicht, daß sie nur
mit Schiff und Eisenbahn bewegt werden konnten.
Zwei dieser Giganten waren Parrott-Kanonen, die 200 Pfund-Granaten verschießen
konnten.

CSA-General Lee sah
für sich eine Angriffsmöglichkeit, die allerdings ein enormes Risiko
in sich barg. Er verließ sich auf McClellans fehlenden Kampfwillen und
befahl »Stonewall« Jackson, seine Armee so schnell und gedeckt wie möglich
aus dem Shenandoah-Tal heranzuführen.
Das tat Jackson. Seine Bewegungen wurden jedoch am 24. Juni von einem
Unionsspion bemerkt und nach Washington gemeldet. So erhielt McClellan
die Warnung,
Jackson würde vielleicht
das V. Korps an der rechten Unionsflanke überfallen.
Inzwischen hatte Lee 47.000 Mann CSA-Truppen aus den Gräben vor Richmond
abgezogen; ganze 25.000 Mann unter Magruder und Huger blieben zurück.
Die CSA-Divisionen Longstreet, D. H. Hill und A. P. Hill bewegten sich
rasch nordwärts in Richtung Mechanicsville, während sich Magruder mit
seinen altbewährten Täuschungstricks beschäftigte. Wie schon 2 Monate
zuvor am Warwick River ließ er auch jetzt seine Truppen ständig Bewegungen
ausführen, Lärm schlagen und gelegentlich dichte Schußfolgen abgeben.
Unionsgeneral McClellan fiel auf dieses Schauspiel herein und zögerte
mit dem Entschluß, entweder Porters V. Korps zu verstärken oder die CSA-Verteidigungslinien
anzugreifen.
Er nahm sich nach
dem Eintreffen der Warnung aus Washington einen ganzen Tag Zeit,
die Lage zu überdenken. Der Gegner ergriff dann die Initiative: Als Jacksons
Divisionen aus dem Shenandoah die Bahnstation Ashland erreicht hatten
und durch eine weitere Division auf 18.500 Mann verstärkt worden waren,
befahl Lee für den 26. Juni den Angriff auf das
V. Unionskorps. Er rechnete mit Jacksons gewohnter Beweglichkeit.
Der Angriff war jedoch schlecht koordiniert. Die Hauptschuld daran trug
A. P. Hill,
der als erster vor den Unionsstellungen ankam, aber nicht Lees Befehle
abwartete,
sondern gleich um 15.00 Uhr angriff. Er wurde unter hohen Verlusten zurückgeworfen.
Das V. Unionskorps
kämpfte verbissen, und die anrückenden CSA-Divisionen Longstreet und D.
H. Hill vermochten nicht, die Unionslinien zu durchbrechen. Nur »Stonewall«
Jacksons Divisionen hätten noch die Entscheidung erzwingen können. Aber
Jackson benahm sich wie auf einem Sonntagsspaziergang und erreichte das
Schlachtfeld nicht!

Eine
Militärbrücke über den Fluß Chickahominy. McClellans
Entscheidung, seine Armee zu beiden Seiten des Flusses aufzustellen, gefährdete
die Hälfte seiner Armee und isolierte seine linke Flanke.
Im Hauptquartier der
Unionsarmee plädierten die Korpskommandeure für einen Ablenkungsangriff
auf die konföderierten Linien. McClellan verwarf die Idee und befahl General
Porter, sein V. Korps über den Chickahominy River zurückzunehmen, obwohl
es bisher ausgezeichnet gekämpft hatte. Porter leitete den Rückzug am
nächsten Tag ein, wurde jedoch um 14.00 Uhr bei Gaine's Mill von A. P.
Hills CSA-Division energisch angegriffen.
Abermals hatte der
konföderierte Oberbefehlshaber Lee Schwierigkeiten mit der Koordinierung:
Longstreets Division traf erst um 16.00 Uhr ein, um Hills Angriff zu unterstützen.
Jacksons Divisionen bummelten wieder einmal und nahmen außerdem die falsche
Straße,
so daß sie erst um 16.30 Uhr das Feld erreichten. Unter vorzüglicher Artilleriedeckung
gelang es Porter, den Hauptteil seines Korps über den Chickahominy zu
führen
und die Brücken zu zerstören. Er verlor jedoch 22 Kanonen und 2.800 Soldaten,
die in Gefangenschaft gerieten.
Porters Korps hatte mutig und effektiv gekämpft;
jetzt lag es zusammen mit den zusätzlichen, frischen Verstärkungen und
den seit langem auf der Halbinsel operierenden Korps der Potomac Armee
auf der Südseite des Chickahominy. Das hieß, daß die Unionsarmee, endlich
wieder vereinigt, in ausgezeichneter Stellung lag, während die konföderierte
Armee durch den Chickahominy River gespalten war. Die CSA-Division Ewell
lag sogar weit östlich hinter der Eisenbahnlinie von West Point. Magruders
und Hugers überdehnte Divisionen in den Verteidigungslinien vor Richmond
hätten dem konzentrierten Angriff eines einzigen Korps von McClellan nicht
standhalten können, geschweige denn einem Angriff der gesamten Potomac-Armee.
Vom James River her hätten Unionsboote mit ihren schweren Mörsern Richmond
in Trümmer legen können.
Und zwischen CSA-General Magruders rechter Flanke und dem Fluß lagen gut
10 Kilometer unverteidigtes Territorium, wo die Hauptstreitmacht der Union
durchbrechen konnte! Selbst unter weitaus schwierigeren Bedingungen hätte
eine energisch geführte Unionsarmee bis zum 1. Juli in Richmond stehen
und dem Bürgerkrieg wahrscheinlich ein schnelles Ende bereiten können.

Der größte Vorteil
ist nutzlos, wenn ihn der Befehlshaber nicht wahrhaben will.
McClellan bildete sich ein oder gab vor, seine Armee sei in eine Falle
geraten.
Die Einnahme von Richmond und die damit verbundene Konfrontation mit
der Sklaverei als (auch im Norden) noch gesetzliche Institutionscheute
McClellan aus seinem Klasseninteresse heraus und befahl also den Rückzug
der Unionsarmee zum James River.
Robert E. Lee war
kein defensiv denkender Befehlshaber
und ließ die Unionsarmee nicht in Ruhe abziehen. Er setzte ihr mit der
Absicht nach, sie auseinanderzutreiben und ihre Korps einzeln zu schlagen.
Sein Plan mißlang
teilweise wegen des zweimaligen Versagens des General Jackson, der bei
der Verfolgung der Unionsarmee das Schlachtfeld im White-Oak-Sumpf sowie
bei Frayser's Farm nicht rechtzeitig erreichte. Beide Gefechte gingen
unentschieden aus. McClellan zog weiter nach Harrison's Landing.
Am 30. Juni endlich
sammelte McClellan sämtliche Korps außer Keyes'
(das die riesige Kolonne der Versorgungswagen weiter zum Flußhafen geleitete)
auf dem Malvern Hill über dem James River, wo sie sich verschanzten.
Und hier beging sein Gegner zum erstenmal seit Beginn des Halbinsel-Feldzuges
einen gravierenden Fehler: General Lee entschloß sich zum Frontalangriff,
obwohl Jackson diesmal rechtzeitig zur Stelle und durchaus in der Lage
war,
die Unionsarmee an ihrer rechten Flanke zu packen.
Wie so manches Mal
im Bürgerkrieg äußerte sich hier eine Schwäche Lees im Kampf gegen eine
auf höherer räumlicher Ebene stehende Armee.
In solchen Situationen wählte er (wie auch andere Befehlshaber beider
Seiten)
den Angriff auf das Zentrum. Die Unionsartillerie trieb die CSA-Kolonnen
auseinander und zwang sie zum Rückzug.
Am nächsten Tag brachte McClellan die Potomac-Armee nach Harrison's
Landing, wo sie bis Anfang August tatenlos verharrte.

McClellans
gewaltige PotomacArmee. Die Camps hatten eine Ausdehnung von sechs
Kilometern.
Gegen eine solche Legion schienen die Rebellen verloren.
Die letzte Schlacht
des Halbinsel-Feldzuges, die von Malvern Hill, war auch die letzte der
Serie vom 25. Juni bis 1. Juli 1862, die als die «Siebentageschlacht»
in die Geschichte eingegangen ist. Im ruhmlosen Feldzug auf der Halbinsel
hatte die Unionsseite 1.734 Tote, 8.062 Verwundete und 6.053 Gefangene
zu beklagen, während die Konföderation insgesamt etwa 20.000 Mann, also
ein Viertel ihrer Nordvirginia-Armee verloren hatte.
Die Armee hatte jedoch ihre Aufgabe erfüllt, als sie Richmond rettete,
die Potomac-Armee von der Halbinsel vertrieb und 52 Kanonen, 35.000
Stück Handfeuerwaffen sowie große Mengen Proviant erbeutete.
Die Siebentageschlacht
hatte aber auch eine postive Auswirkung für die Union, die lange nicht
erkannt wurde. Sie zeigte, wie gut Unionssoldaten unter solch entschlossener,
kompetenter Führung wie der des Generals Porter kämpfen konnten. Das
V. Korps hatte in den Schlachten bei Mechanicsville und Gaine's Mill
überzeugend demonstriert, daß die Truppen eine hohe Kampfmoral hatten
und verbissen kämpfen konnten, wenn sie eine entsprechende Chance erhielten.
Porter verstand auch seine Artillerie geschickt einzusetzen, während
viele andere Unionskommandeure die Bedeutung der Artillerie unterschätzten
oder sie nicht richtig zur Geltung brachten.
Am 8. Juli 1862
fand eine merkwürdige Begegnung statt. Auf gegnerischem Gebiet und mitten
im Krieg tauchte das Staatsoberhaupt der Union, Abraham Lincoln,
in Harrison's Landing auf, wo er sich mit McClellan beriet. Das Treffen
wurde sogar fotografiert: Der langaufgeschossene Lincoln ragt, durch
seinen schwarzen Zylinder noch länger erscheinend, aus einer Reihe von
Offizieren heraus, unter denen McClellan zu den kleinsten gehört. Die
Begegnung selbst verlief kaum harmonischer als die Figuren auf dem vergilbten
Foto aussehen. Lincoln hatte schon die ersten Formulierungen einer Befreiungserklärung
für die Negersklaven gedanklich formuliert,
während McClellan die Ansichten der konservativen Generale der Unionsstreitkräfte
vertrat. McClellan sagte, wenn die Washingtoner Regierung wieder im
ganzen Lande regieren wolle, müsse sie die Idee der Abschaffung der
Sklaverei aufgeben und dies offen erklären.
Lincoln hörte höflich zu und verriet seine Gedanken nicht. Innerlich
hatte er aber, wie Unionsgeneral Grant nach Shiloh, jegliche Illusion
über diesen Krieg verloren.
Der Riß zwischen Norden und Süden, war viel zu tief, um mit Kompromissen
überbrückt zu werden. Lincoln wollte jedoch einen Sieg oder zumindest
einen erheblichen Fortschritt in der Sache der Union abwarten, bevor
er die Sklavenbefreiung proklamierte.

Präsident Abraham Lincoln
im Feldlager von General McClellan (6. von links),
kurz nach dem Gefecht am Antietam.
Wenig später enthob der Präsident den General seines Kommandos.
Schlußbemerkungen
Aus der Sicht unserer
Zeit erscheinen uns der Feldzug auf der Halbinsel als unrühmliche Verschwendung
von Menschen und Material und McClellans Führungsstil
als auf fast pathologische Weise stur. Eigentlich war der Feldzug für
beide Seiten ein Experiment mit völlig überholten Methoden der Kriegführung,
die eher ins 18. als ins 19. Jahrhundert paßten. McClellan konzentrierte
sich auf grandiose Belagerungsoperationen und vorsichtiges Manövrieren-
mit einem Wort,
auf die Inbesitznahme von Territorium mit minimalen Verlusten, als ob
er zu Zeiten des Preußenkönigs Friedrich II. leben und handeln würde
(allerdings mit damals unvorstellbarer Kriegstechnik).Trotz aller Meinungsverschiedenheiten
mit Winfield Scott erwies sich McClellan als getreuer Schüler des alten
Generals, unter dem er im Mexikanischen Krieg seine ersten Kampferfahrungen
erworben hatte. McClellans Gegner wiederum praktizierten
die napoleonische Strategie und Taktik, die den Bedingungen zumindest
besser angepaßt waren als die McClellans.

Nach der SiebenTageSchlacht
war die Halbinsel übersät mit toten Soldaten. Diese Schlacht
hatte alles übertroffen,
was beide Armeen bisher erlebt hatten. Sie gab ihnen einen Vorgeschmack
auf das, was sie in den nächsten drei Jahren noch erleben würden.
Aber auch bei CSA-General
Lee deuteten sich in diesem Feldzug Grenzen an. Für eine Kriegführung
auf der Basis der Theorien von Napoleon, Jomini und D. H. Mahan war
der Preis hoher Verluste zu entrichten,
den sich die Konföderation früher oder später nicht mehr würde leisten
können.
Lee offenbarte auch Schwächen im Umgang mit den ihm unterstellten Offizieren
(er beriet sich oder bat lieber, als er befahl) und in der Einschätzung
der eigenen Möglichkeiten hinsichtlich der Versorgungs- und Verbindungslinien.
Je angespannter die wirtschaftliche Lage im Süden wurde,
desto fataler sollte sich der letztgenannte Fehler auswirken.
Eine Frage hat die Historiker und Militärwissenschaftler von der Siebentageschlacht
bis auf den heutigen Tag beschäftigt: Was waren die Ursachen für das
sonderbare Verhalten des sonst so beweglichen,
aggressiven und zuverlässigen CSA Generals Jackson? Seine Verzögerungen
machten die Koordinierung von
Lees Angriffen unmöglich und verhinderten einen entscheidenden Schlag
gegen ein oder mehrere Unionskorps.
Sie werden meist irgendwelchen Launen oder «besonderen Psyche» Jacksons
zugeschrieben.
Man berichtet überlicherweise
von den «zwei Jacksons»: dem von Shenandoah und dem von Chickahominy.
Nie wieder zeigte sich Jackson derart unzuverlässig und träge wie auf
der Halbinsel. Die wahren Gründe liegen sicherlich in der Logik der
Entwicklung Jacksons, in seiner Klassenherkunft sowie in den Vorstellungen
von einem Feldherrn im 19. Jahrhundert. Er war in der aristokratischen
Armee der Südstaaten der einzige General kleinbürgerlicher Herkunft.
Durch die Großzügigkeit eines weitläufigen Verwandten war ihm die Ausbildung
an der Militärakademie West Point vergönnt gewesen. Wollte er keine
langweilige Laufbahn in den mittleren Rängen einschlagen, so blieb ihm
nur die Möglichkeit, mit aller Gewalt und mit aller «Publicity» heischenden
List den Nimbus eines großen Offiziers zu erwerben.
Er ehelichte eine junge Dame aus den «richtigen» Kreisen und pflegte
das Image eines Feldherrn des 19. Jahrhunderts, also eines Einzelgängers,
einer «hervorragenden Persönlichkeit», die, auf sich allein gestellt,
das Schicksal einer Schlacht zu entscheiden vermochte, solange weder
Gott noch ein mysteriöses
«Walten des Kriegsgeschicks» es anders entschieden.
Jackson setzte
sich nur dann mit besonderer Brillanz ein, wenn ihm seine Aufgabe ermöglichte,
auf eigene Initiative zu handeln.
Nur ein einziger Vorgesetzter vermochte ihm mit Erfolg Befehle zu erteilen
- Robert E. Lee, mit dem er jahrelang zusammen diente.
Lee gab «Stonewall» stets lieber allgemeine Aufgaben, als daß er ihm
präzise Befehle erteilte, und wurde nur auf der Halbinsel von ihm enttäuscht.
Hier mußte sich Jackson in eine großangelegte, schon von anderen durchdachte
Operation einfügen, die ihm keinen Spielraum für brillante Einfälle
ließ.
Außerdem war die Lage nicht nach seinem Geschmack. Er war offenkundig
mit der Art der Verfolgung einer zahlenmäßig weit überlegenen Unionsarmee-
so wie ein Hündchen auf den Fersen eines Raubtiers - nicht einverstanden.
Die überlieferten Fakten lassen keine andere Erklärung für Jacksons
Verhalten zu.
Er
war jedoch nicht der erste und nicht der letzte General im Bürgerkrieg
in den USA, der aus persönlichen Gründen einen Befehl schamlos ignorierte.
Startseite
|