Major Anderson
läßt die Geschütze von Fort Moultrie vernageln.
Major Anderson
entwarf einen kühnen Plan.
Er tarnte einige seiner Soldaten und sich selbst als Bauarbeiter und
lief mit ihnen am 26. Dezember 1860 in einem kleinen Boot in Richtung
Fort Sumter aus. Seine Männer verbargen ihre Gewehre unter Mänteln.
Das Boot erregte zwar die Aufmerksamkeit der Miliz, konnte aber nach
kurzem Wortwechsel weiterfahren. Hinter den Rücken der solcherart
beschäftigten Milizangehörigen eilte ein zweites, größeres
Boot mit dem Großteil von Andersons Truppen unbemerkt nach Fort
Sumter.
Erst später
erkannten die Militärs in Charleston die List des Unionskommandeurs,
doch es war bereits zu spät.
Die heimlich
verlegten Truppen erreichen das Fort Sumter

Als General Winfield
Scott vom Umzug des Majors Anderson nach Fort Sumter hörte, befahl
er die sofortige Verstärkung und Verproviantierung der Festung.
Am 8. Januar 1861
erreichte das vom Kriegsministerium geschickte Schiff «Star
of the West» den Hafen von Charleston,
wurde allerdings durch Artilleriefeuer aus dem von der Miliz übernommenen
Fort Moultrie daran gehindert, Fort Sumter anzulaufen.
Der Gouverneur von South Carolina stimmte jedoch einer Lebensmittellieferung
von den Märkten Charlestons an die Garnison von Fort Sumter zu.
Im Laufe des Januar
1861 schieden Mississippi, Florida, Alabama, Georgia und Louisiana
aus der Union aus.
Die Festungen und Arsenale in diesen Bundesstaaten fielen - mit Ausnahme
von Fort Pickens bei Pensacola - der konföderierten Miliz in
die Hände.
Der Präsident der
Konföderierten Staaten, Jefferson Davis, hielt den Krieg für
unvermeidbar. Er konnte seinen neuen Kongreß bald davon überzeugen
und die nötigen Schritte zur Aufrüstung einleiten. In
Washington traf die Buchanan-Regierung keine Gegenmaßnahmen.
Einer der ersten Schritte Davis' war die Ernennung eines konföderierten
Befehlshabers sämtlicher in Rebellenhand befindlicher Festungen
in Charleston.
Seine
Wahl fiel auf einen kleinen, eleganten, korrekten und talentierten
Kreolen aus Louisiana -
Brigadegeneral Pierre Beauregard, der den Befehl
bekam, Lincolns Vereidigung am 4. März abzuwarten in der Hoffnung,
daß die Unionstruppen Fort Sumter freiwillig räumen würden.
In seiner Rede zur Amtseinführung
an besagtem 4. März wies Abraham Lincoln die Konföderierten
Staaten darauf hin,
daß der erste Schuß von ihrer Seite fallen müßte,
um den Bürgerkrieg auszulösen.
Jetzt lag die Entscheidung über Krieg oder Frieden scheinbar
auf seiten der Konföderierten.
Bald nach seiner
Vereidigung ergriff Lincoln jedoch Maßnahmen, die die Konföderierten
früher oder später zum Handeln zwingen würden:
Nach Beratungen mit General Winfield Scott befahl er die Besetzung
von Fort Pickens bei Pensacola mit 1100 Mann und die Entsendung einer
Flotte nach Charleston mit Verstärkungen für Fort Sumter.
Er ließ diese Maßnahmen geheimhalten und diskutierte sie
auch nur wenig mit seinem Kabinett. Das
hatte gute Gründe: Lincoln war durch politischen Druck und den
alten Brauch der «Belohnung» prominenter Politiker für
Unterstützung im Wahlkampf gezwungen gewesen, mehrere inkompetente
oder zu Kompromissen neigende Männer in sein Kabinett aufzunehmen.
Schon am ersten
Tag seiner Präsidentschaft bekam Lincoln die beunruhigende Meldung
von Major Anderson in Fort Sumter,
er sei mit seinen 80 Soldaten von «Hunderten» Kanonen
rings um den Charlestoner Hafen bedroht. Lincoln entschloß sich,
die Festung verteidigen zu lassen.
Die Lage war in der Tat sehr ernst, wenngleich Anderson übertrieben
hatte. Gegen Fort Sumter hatten die Konföderierten etwa 30 Kanonen
(von 8-Zoll-Columbiaden bis zu 42-Pfündern) und 17 10-Zoll-Mörser
in Stellung gebracht. Das Fort Sumter, benannt nach Thomas Sumter,
einem General im Unabhängigkeitskrieg, war von 1829 – 1860
auf einem künstlich erweiterten, kleinen Felsen in der Hafeneinfahrt
erbaut worden.
Für das Fundament waren etwa 70.000 Tonnen Gestein notwendig.
Die Mauern aus Ziegelsteinen waren gut 1,5 Meter stark und ragten
bis 15 Meter über dem Wasser auf. Das bei Ausbruch der Krieges
noch nicht ganz fertiggestellte Festungswerk bestand auf vier Seiten
aus 2 übereinander angelegten Geschützgalerien und einer
offenen Plattform, doch nur von der untersten Galerie und der Plattform
konnte Feuer geführt werden, weil die Schießscharten der
mittleren Galerie vermauert worden waren.
In der Kehlkaserne (Rückseite) befanden sich der Eingang mit
einer kleinen Schiffsanlegestelle und die Quartiere der Offiziere.
Das Fort sollte im Verteidigungsfall 650 Mann und 135 Geschütze
aufnehmen können.

| 1 |
Kehlkaserne |
3 |
Geschützkasematten |
| 2 |
Mannschaftsunterkünfte |
4 |
Appellplatz (Hof) |

Die Rückseite
des Forts
Anderson verfügte
über etwa 50 Geschütze (manche Quellen geben 48, andere
54 an), unter ihnen mehrere 8-Zoll-Haubitzen und -Columbiaden.
Zusätzlich zu den 80 Soldaten (zwei Kompanien des 1. US-Artillerieregiments)
hielten sich 43 Zivilisten - hauptsächlich Bauarbeiter - im Fort
auf.
Um Mitternacht vom 11. zum 12. April erreichte die von Lincoln entsandte
Flotte die Mündung der Bucht von Charleston.
Nun gab General Beauregard die Hoffnung auf eine friedliche, freiwillige
Übergabe von Fort Sumter auf und ließ Major Anderson eine
Aufforderung zur Kapitulation überbringen, die in höflichste
Worte gefaßt war. Major Anderson antwortete ebenfalls mit gesetzten
Worten, indem er General Beauregard
für seine ritterlichen und korrekten Bedingungen dankte.
Seine Ehre sowie seine Pflichten vor der Union würden ihn jedoch
zur Ablehnung der Übergabeforderung bestimmen.
Mündlich fügte er den Parlamentären gegenüber
hinzu:
«Wenn Sie uns nicht in Stücke bombardieren, werden wir
sowieso in wenigen Tagen verhungern.»
Denn die Lebensmittellieferungen aus Charleston waren längst
eingestellt.
Beauregard gab Andersons Bemerkungen an Präsident Davis weiter,
der daraufhin von Anderson genaue Angaben über die Lage in Fort
Sumter verlangte.
Major Anderson versicherte, er könne etwa 5 Tage lang aushalten,
würde dann die Festung räumen, wenn die Konföderierten
nichts gegen sie unternähmen.
Die konföderierten
Führer mißtrauten dem Angebot.
Am 12. April 1861, 3.20 Uhr schickte Beauregard eine Botschaft an
Anderson, daß er um 4.00 Uhr das Feuer eröffnen werde.
Anderson weckte seine Artilleristen, ließ die Flagge hissen,
gab aber Befehl, erst bei Tagesanbruch zurückzuschießen,
um Munition zu sparen.
Die
ersten Schüsse des Krieges
Zehn Minuten nach Ablauf des
Ultimatums feuerte Hauptmann George S. James, der Batteriechef der
östlichen Mörserbatterie von Fort Johnson, einen Signalschuß
ab.
Edmund Ruffin aus
Virginia (1794-1865),
Agrarreformer und Altsezessionist,
gab wenig später persönlich aus einer Geschützstellung
bei Cummings Point einen der ersten Schüsse des Krieges auf Fort
Sumter ab. Auch einer
der letzten Schüsse des Krieges wurde von ihm abgegeben:
Als die Niederlage des Südens feststand, hüllte er sich
in eine konföderierte Flagge und erschoß sich. (National
Archives)
Er war Angehöriger der
Palmetto Guard und gab in der Uniform dieser Einheit eine schillernde
Figur ab.
Die Uniform bestand aus einem schwarzen Anzug aus grobem Baumwollstoff,
einem weißen Schultergurt für die Munitionstasche und einem
weißen Koppel. Sein Hut mit dem hervorspringenden Buchstabenkürzel
«PG» kam den vorgeschriebenen Armeeuniformen am nächsten.
Als die Einheit zur 1. Kompanie der 2. South Carolina Volunteers umgebildet
wurde, mußten auch die Uniformen dem Standard angepaßt
werden.
Die Palmetto Guard bildete
die sogenannte Ironclad-Batterie bei Cummings Point.

Die ersten Schüsse
im Morgengrauen

Im Inneren
des Forts
Bei Tagesanbruch
schossen alle Geschütze der Forts Johnson und Moultrie,
die Batterien von Cummings Point und weitere nahegelegene Batterien
auf das Fort Sumter.
Die Artilleristen waren
über die Bauart und die Verteilung der Kanonen in Fort Sumter
genauestens im Bilde.
So ließen sie kontinuierlich Splittergranaten über der
Festung detonieren,
um Andersons Artilleristen am Einsatz der auf der ungeschützten
Plattform stehenden schweren Haubitzen und Columbiaden zu hindern.
Auf Morris Island hatten die Konföderierten ein englisches Wentworth-Geschütz
in Stellung gebracht - einen Hinterlader,
der Munition mit für die damaligen Verhältnisse sehr großer
Sprengkraft verschoß.
Die Geschosse durchschlugen die Festungsmauern auf der Südseite
von Fort Sumter.
Zum Glück
für die Unionstruppen gab es nur wenig Munition für das
Wentworth-Geschütz, so daß es nach einiger Zeit schwieg.
Alle Holzbauten in Fort Sumter fingen Feuer. Das Wetter begünstigte
die Konföderierten:
Ein Sturm hinderte die ankommende Unionsflotte daran, in den Hafen
einzulaufen.
Um keine Munition zu
vergeuden, gab Major Anderson im Fort Sumter erst bei Tagesanbruch
den Feuerbefehl.

Das Fort liegt während
des Tages unter schwerem Beschuß

Abner Doubleday
Sowohl im Norden als auch im Süden gab es Männer, die
Hemmungen hatten, den ersten Schuß abzufeuern.
Hauptmann Abner Doubleday des 1. US-Artillerieregiments gehörte
nicht zu ihnen.
Nachdem
die Konföderierten am 12. April 1861 das Feuer eröffnet
hatten, ließ er es sich nicht nehmen,
für die Union um 7.00 Uhr den ersten Schuß auf die Batterie
bei Cummings Point abzufeuern.
Er stieg zum General (Foto) auf, machte aber keine außergewöhnliche
Karriere. (National Archives)
Obwohl etwa 50 Geschütze im Fort einsatzbereit waren, feuerten
nur etwa zehn Geschütze aus den Kasematten,
denn die schweren Geschütze auf der Plattform konnten nicht besetzt
werden,
da die Plattform unter schwerem Beschuß lag und Anderson seine
Männer schonen wollte.
Als ein feindlicher Schuß gegen Mittag das Tor zum Munitionslager
verzogen hatte und nicht mehr geöffnet werden konnte,
waren wegen Munitionsknappheit nur noch sechs Geschütze einsatzbereit,
die die konföderierten Stellungen unter Feuer nahmen.
Sie richteten aber keinen größeren Schaden an.
Aus den Geschützkasematten
wird zurückgeschossen
Die Kanonade dauerte
die ganze Nacht. Trotz des heftigen Beschusses, bei dem insgesamt
über 4.000 Geschosse abgefeuert worden waren,
und der im Fort ausgebrochenen Brände wurden nur fünf Soldaten
verwundet, da die Kasematten guten Schutz boten.

Die Bewohner
von Charleston beobachten von ihren Dächern
den ungleichen Kampf.
Unter den
zahlreichen neuartigen Waffen,
die gegen Fort Sumter eingesetzt wurden,
befand sich auch diese „schwimmende Batterie”,
ein Frachtkahn mit einem schweren Holzdach und Eisenpanzer.

Am 13. April wurde
gegen 13.00 Uhr der Flaggenmast im Fort getroffen, und die Flagge
fiel zu Boden. Als dies dem Kommandierenden General der konföderierten
Streitkräfte, General Beauregard, gemeldet wurde, entsandte er
sofort drei seiner Adjutanten, die sich mit einem Ruderboot der Festung
näherten, um Hilfe bei der Bekämpfung der Brände anzubieten.
Mittlerweile hatte aber Leutnant Norman J. Hall die Flagge geborgen
und sie mit Hilfe von zwei Kameraden an einem Ersatzmast wieder gehißt.
Die „Stars and Stripes“ wehten wieder über dem Fort.
Die Flagge
des Fort Sumter
In der Zwischenzeit
war auch Oberst Louis T. Wigfall mit Zustimmung von General Simons
von Morris Island aus zum Fort Sumter gerudert,
um herauszufinden, ob Anderson das Fort übergeben wollte. Als
die Garnisonsflagge wieder wehte, kletterte er, obwohl nun die Beschießung
wieder weiterging,
mit einem weißen Handtuch an seinem Degen über eine Bresche
in das Fort und bot Anderson die Kapitulation an.
Dieser erklärte sich nun dazu bereit, unter den von General Beauregard
einige Tage zuvor genannten Bedingungen das Fort zu übergeben.
So wurde 33 Stunden nach dem ersten Schuß die weiße Flagge
gehißt und der Kampf eingestellt.
Die großzügigen
Kapitulationsbedingungen erlaubten Major Anderson einen ehrenvollen
Abzug seiner Truppen.
So wurde am 14. April um 14.00 Uhr in einem feierlichen Appell noch
einmal die Unionsflagge gehißt.
Sie sollte nach 100 Salutschüssen endgültig eingeholt werden.
Da es aber noch überall kleinere Brände gab, gerieten Funken
in ein Kanonenrohr und entzündeten ein Geschoß, das sofort
explodiert,
einen Kanonier tötete und einen Stapel Munition entzündete,
der ebenfalls explodierte und einige Soldaten verwundete.
Ein Soldat starb später an seiner Verwundung, und 4 weitere wurden
verletzt.
Nach 50 Salutschüssen
wurde deshalb der Appell abgebrochen und die Flagge eingeholt.
Unter den Klängen des „Yankee Doodle“ marschierten
die Soldaten, denen man die Waffen gelassen hatte,
aus dem Fort und wurden mit dem Dampfer Isabel auf die vor
der Hafeneinfahrt liegende USS Baltic gebracht.
Als dieses Dampfschiff in New York einlief, wurden die Soldaten als
Helden gefeiert.
Die Konföderierten
inspizieren nach ihrem Sieg die Schäden in Fort Sumter,
kurz nach der Kapitulation der Yankees

Nach der Übergabe
wurde das Fort von den Konföderierten instandgesetzt und mit
etwa 95 Geschützen bestückt.
Nachdem Fort Sumter am 7. April 1863 von neun gepanzerten Schiffen
der Union vergebens angegriffen worden war,
hielt es noch 22 Monate lang Belagerungen und Beschießungen
durch die Union aus.
Insgesamt fielen etwa 3.200 Tonnen Bomben auf das Fort, dabei wurden
52 konföderierte Soldaten getötet und 267 verwundet.

Diese Aufnahme
vom Februar 1865 zeigt die mit Schanzkörben abgestützte
Kehlkaserne von Innen,
rechts die linke Flanke.

Als General
William T. Shermans Truppen sich Charleston von Savannah aus näherten,
mußten sich die Konföderierten zurückziehen und evakuierten
das Fort am 17. Februar 1865.
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