Die Uniform
im amerikanischen Bürgerkrieg


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Hintergrundinformationen»

Bearbeitet von E. Liebe, RAG Militärgeschichte, 85077 Manching

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»Dann erhielten wir unsere Uniformen und das meiste von unserer Ausrüstung, was auch alte Enfield-Gewehre einschloß. Das waren unmögliche Stücke,
die uralt aussahen. Wir trugen diese Gewehre für einige Wochen mit uns herum, aber bevor wir in den aktiven Dienst gingen, wurden sie gegen Springfield Musketen ausgetauscht, eine weitaus bessere Waffe. Mit unserer Ausrüstung erhielten wir unsere Tornister, in die wir unser gesamtes Gepäck und unsere Habseligkeiten packen sollten. Eines der Rätsel, dem wir uns gegenüber sahen: Wie sollten wir in dem begrenzten Platz alle die guten Sachen unterbringen, die uns Freunde mit den besten Absichten gegeben hatten? Eine Liste der Sachen, die mir geschickt wurden, hätte eine ganz schöne Inventarliste abgegeben, und hätte ich es einpacken können,
hätte es zum Tragen eines Samson bedurft. Es war unmöglich, auch nur die Hälfte davon in meinem Tornister zu stopfen, und nach dem Aussortieren und Wegwerfen ... schickte ich schließlich ein größeres Bündel nach Hause, als ich selbst mitnahm.Selbst so beulte sich mein Tornister nach allen Seiten aus und wäre für einen alten Soldaten das Ziel des Gespötts gewesen.Später lehrte uns die Erfahrung, wie wenig tatsächlich notwendig war.«
Rice C. Bull, USA, 123rd N. Y. Volunteers

Die Milizen und Freiwilligen-Regimenter, die im Juli 1861 von Norden und Süden her auf den Eisenbahnknotenpunkt von Manassas Junction zu marschierten,
waren noch in die farbenprächtigen Uniformen der Vorkriegszeit gekleidet. Aber die Anzüge waren alles andere als Uniform - im Gegenteil, mit Ausnahme der regulären
U.S. Regimenter hatte jeder Staat, jedes Regiment seine eigene Dienstkleidung, die erheblich von der mehr schlichten Vorschrift der Berufsarmee abwich.
Neben den hohen Hardee-Hüten konnte man Wollmützen und die türkischen Feze der Zuaven sehen, Schlapphüte, Turbane, »Ofenrohr«-Tschakos nach britischem Vorbild, weiche, eingeknautschte Kepis nach französischem Muster. Die zahlreichen Schaulustigen, die aus Washington mit Picknickkörben und Sonnenschirmen angereist waren, um das Drama der ersten Schlacht gegen die Rebellen mitzuerleben, mußte sehr schnell ihre Meinung revidieren. Die Südstaatler waren kein zusammengewürfelter Haufen, der beim ersten Schuß davonrennen würde, und die Nordstaatler boten kaum das Bild einer einheitlichen, geschlossenen Armee in blauen Uniformen.


Kaum jemand konnte sich die unterschiedlichen Uniformierungen merken; einige Regimenter - wie z. B. die 7th New York State Militia - waren sogar in graue Uniformen gekleidet, ein Umstand, der im Gefecht noch zu fatalen Verwechslungen führen sollte. Erst in der zweiten Kriegshälfte sollte sich das Uniformbild im Norden einigermaßen vereinheitlichen und sich auf die dunkelblauen »Shell«-Jacken und die hellblaue Hosen reduzieren, die wir heute mit Unionstruppen assoziieren.
Die Uniform-Kommission des Quartiermeister-Generals und ihre Uniformvorschriften griffen erst in der zweiten Hälfte des Jahres 1862 in den Bekleidungswirrwarr der Nordstaatler ein. Vorher hatte selbst das Kriegsministerium noch zu der Vielzahl der Miliz- und Staatsumformen das seine hinzugefügt,
indem es eine Bestellung von 10.000 Uniformen nach dem Muster der französischen »chasseurs à pied« bei dem Pariser Ausrüstungs-und Waffenhändler
M. Alexis Godillot bestellt. Zu allem Überdruß waren die so gekauften, aus hervorragendem Material und mit elegantem Schnitt angefertigten Uniformen für die amerikanischen Soldaten zu klein. Im Frühjahr 1862 sandte der Staat von Missouri eine Ladung an die Quartiermeister-Abteilung zurück;
den Bauernjungs aus dem Westen paßten einfach die Jacken und Hosen nicht, die man nach französischen Größen zugeschnitten hatte.


Wie bei der Bewaffnung, so stellte auch die Bekleidung der Massenarmeen, die im Norden nach Manassas aufgestellt wurden, in den Jahren 1861 und 1862
einen chaotischen Engpaß dar. Die damalige Form der Industrialisierung bot sich für eine schnelle Erhöhung der Produktionsziffern innerhalb kurzer Zeit nicht an;
die schieren Mengen welche die Union brauchte und verbrauchte, konnten angesichts einer nur beschränkten Anzahl von Fabriken und ausgebildeter Facharbeiter
nur zögernd beschafft werden. Selbst im Jahr 1863, als sich die Versorgungslage der Armeen einigermaßen eingependelt hatte, wurden vom Quartermaster Department
3 Millionen Hosen, 5 Millionen Hemden und 7 Millionen Paar Strümpfe gekauft, ferner 325.000 Eßgeschirre, 207.000 Töpfe und 13.000 Trommeln neben 14.830 Querflöten. Zusätzlich zu den Produktionsschwierigkeiten wurde die Versorgungslage noch durch andere Faktoren verschlimmert: Korruption und schlechte Fabrikation.

Vor Manassas, als Lincoln die Staaten zur Sendung von 75 000 Freiwilligen aufforderte, war die Ausrüstung und Bekleidung relativ einfach gewesen.
Nach den Vorschriften des Milizgesetzes, unter dem die Aushebung erfolgte, rüsteten die Staatsgouverneure die von ihnen gestellten Truppen selbst aus und präsentierten dem Kriegsministerium die Rechnung. Lokale Hersteller wurden mit dem Nähen der Uniformen beauftragt, Frauengruppen strickten Strümpfe,
Spender besorgten den Rest, Freiwillige statteten sich selbst aus.
Solange nur ein oder zwei Regimenter pro Staat aufgerufen waren,
reichten die vorhandenen Ressourcen aus. Als aber jeden Monat Zehntausende zu den Fahnen eilten - oder gerufen wurden - reichten die örtlichen Initiativen,
die Spendierfreudigkeit prominenter Bürger oder die Arbeit der Wohlfahrtsausschüsse nicht mehr. Noch im zweiten Kriegswinter fehlte es allerorts an Decken
und den schweren Übermänteln. Angesichts dieser Beschaffungsprobleme bleibt die Verteilung des Nachschubs noch unverständlicher.

Man hatte nicht genug von allem, und die ungenügenden Mengen erreichten noch nicht einmal in geordneter Form die Truppe.
Die Truppen an der Ostküste waren nah an der Quelle, aber der Transport der Ausrüstung für die Regimenter im Westen erwies sich als Glücksspiel.
Auch wenn die Partisan Raiders der Konföderation nicht in den Ablauf des Bahnverkehrs eingriffen, konnte es passieren, wie bei der Ersten lowa-Infanterie
daß der Ersatz für die Lumpen des Regiments zwar nach Missouri auf den Weg geschickt, aber irgendwo unterwegs aufgehalten wurde.
Im Falle der Ersten lowa blieb der Transport in Quincy, Illinois, auf irgendeinem Nebengleis liegen. Bei anderen Regimentern kam der Nachschub zwar an,
aber die Einheiten mußten selbst die Frachtkosten tragen. Und selbst wenn die Uniformen glücklich die jeweiligen Brigaden oder Regimenter erreicht hatten,
war das keine Gewähr, daß die Bedürftigen einen Ersatz für ihre verschlissene oder verlorene Kleidung erhielten. Ein Nachschubsystem bestand nur in groben Umrissen, niemand führte Listen, niemand schrieb Anforderungen oder Aufstellungen über den Bedarf.


Kam eine Ladung an, wurde sie in ein Depot verfrachtet oder auf einen Appellplatz hingeworfen und die Kompanien aufgefordert, geschlossen dorthin zu marschieren,
sich zu nehmen, was sie brauchten und ohne Quittung oder Vermerk der nächsten Einheit Platz zu machen! Bei einem solchen Durcheinander wird verständlich,
daß die Soldaten zugriffen, wenn etwas im Überfluß vorhanden war, und es sehr schnell wegwarfen, wenn sie sich beim Marsch durch das Gewicht belastet fühlten.
Die Bekleidungsschwierigkeiten wurden noch durch die Korruption multipliziert, die es gestattete, daß Uniformen, Decken und Schuhe die Inspektionen der Staats- und Regierungskontrolleure passierten, welche kaum den Anforderungen des Kriegsdienstes entsprachen. Der Stoff für Decken oder Uniformen war zu dünn,
die Webqualität so großmaschig, daß sie kaum diesen Namen verdiente, Nähte rissen, Decken zerfaserten nach dem ersten Regen, Jacken lösten sich in ihre Bestandteile auf.

Das 3. Wisconsin Infanterieregiment erhielt bei der Einberufung brandneue Uniformen; zehn Tage später mußte ein neuer Satz Hemden und Hosen ausgeteilt werden,
weil sich die Erstausstattung bereits zerschlissen hatte. Das 1. lowa Regiment hatte nach kurzer Zeit nur noch Lumpen und bot einen so unanständig nackten Anblick, daß dem Regimentshistoriker zufolge die Truppe vor lauter Scham nicht vor Feinden noch Frauen den Rücken zur Flucht gekehrt hätte. Selbst die Kinder Israels,
so der Erzähler, hätten nach vierzig Jahren in der Wüste nicht halb so zerrissen ausgesehen, wie die Erste lowa bei ihrem Feldzug in Missouri.
Auch Cyril Upham berichtet von einem anderen lowa-Regiment, das sich Schürzen aus Mehlsäcken machte, um ihre durchgesessenen Hosenböden zu bedecken.
Wenn sich dieser Versorgungszustand nur auf die Moral der Soldaten auswirkte, so hatte ein anderer Mangel direkten Einfluß auf die Kampffähigkeit der Truppe - Schuhe. Die Armeelieferanten welche bereits bei der Bekleidung minderwertiges Material zu ihrem finanziellen Nutzen vertrieben hatten, scheuten sich auch nicht,
schlechtes Schuhwerk auszugeben. Im Westen gingen die Schuhe einiger Regimenter bereits am ersten Tag nach Erhalt auseinander.
Lackierter Stoff war an die Stelle von Leder, Holz für Absätze und Sohlen gesetzt!

In der Potomac-Armee schätzten Beobachter die durchschnittliche Lebensdauer der gelieferten Stiefel auf 20 bis 30 Tage. In einigen Regimentern im Westen
waren ganze Kompanien zeitweise barfuß; von zahlreichen Märschen wird berichtet, daß die Soldaten sich Lumpen oder Rohhautleder um die Füße wickelten.
Andere zogen es vor, barfuß zu marschieren, anstatt ihre Füße in dem von der Armee gelieferten Schuhwerk wundreiben zu lassen aber eine solche Praxis
war wetterabhängig und selbst der abgehärtetste Bauernjunge konnte im Winterschlamm von Virginia oder im Schnee auf die Dauer nicht ohne gute Schuhe
und Strümpfe marschieren. Gemessen an den zwanzig bis fünfundvierzig Dollar, die ein Gewehr oder Karabiner die U.S. Regierung kostete,
waren die Ausgaben für die Bekleidung des Soldaten gering. Nach den offiziellen Statistiken rangierten Schuhe oder Stiefel während des Krieges im Preis
zwischen $ 1.45 bis $ 4.83, ein Hemd kostete zwischen einem halben bis drei Dollar, Hosen von $ 2.05 bis 5.89, das Kepi, »bummer's cap« genannt,
von 35 cents bis $ 1.04 (der heutige Sammlerwert eines Originalkepis in Bestzustand liegt zwischen 350 und 500 Dollar).

Der U.S. Freiwillige erhielt eine Kostenpauschale von $ 42.00 für das ganze Jahr, mit der seine Ersatzkleidung angerechnet wurde.
Während sich im Norden die Zustände ab 1862 merklich besserten, was nicht zuletzt auf die Ausbildung und Eingliederung von Offizieren und Unteroffizieren des Quartermaster Departments in Brigaden und Regimenter zurückging, veränderte sich die Bekleidungslage der Konföderation von »mittelprächtig bis miserabel«.


Ende Mal 1861 veröffentlichte das Kriegsministerium der Konföderation die Vorschriften
über die Uniformierung und Rangabzeichen aller Waffengattungen.


Als Grundfarbe wurde das »Kadettengrau« genommen und die Musterentwürfe für den Schnitt sahen eine halblange Jacke oder Rock mit Stehkragen
und Saum und Rang in der Waffenfarbe vor, angelehnt an die alten U.S. Vorschriften rot für Artillerie, gelb für Kavallerie, blau für Infanterie und grün für leichte Truppen, Jäger. Der Schnitt der Uniform und besonders die Doppelreihe von je sieben Knöpfen soll auf den deutschen Einwanderer Nicola Marschall zurückgehen,
der diesen ersten Entwurf von der Uniform österreichischer Feldjäger kopierte. Zwar dienten die Vorschriften als Maßgabe für die Rangabzeichen,
die Knopfinsignien - allein die verschiedenen Knöpfe stellen ein Sammelgebiet dar - und die Farbe der Waffengattungen, aber darüber hinaus hatten sie wenig
Einfluß auf die von »Johnny Reb« (Spottname für die Südstaatensoldaten) getragene Montur.

1861 gab es kaum ein Regiment mit einer einheitlichen Uniform. Fast jede Kompanie und Miliztruppe hatte ihren eigenen Stil, ihre eigenen Farben.
Wie im Norden gab es zahlreiche Variationen des Zuaven-Themas und mancher Veteran der algerischen Rif-Feldzüge hätte sich im Grabe umgedreht,
wenn er die phantastischen Bekleidungsstücke gesehen hätte, welche in Amerika als »Chasseurs d'Afrique- oder Zuaven«-Montur ausgegeben wurden.
Dunkelblau war eine verhältnismäßig schwierig zu gebrauchende und teuere Stoffeinfärbung, grau dagegen billig und auch im zivilen Leben gebräuchlich.
Traditionell war die graue Uniformfarbe das Kennzeichen freiwilliger Milizen, die den Träger von der regulären Armee und der normalen (Pflicht)-Staatsmiliz abhob.
Es war auch die Farbe der Kadettenanstalten, jener Eliteschulen von West Point, Annapolis und Lexington.Obwohl grau als Einheitsfarbe für Mantel, Jacke, Hose
und Überrock vorgeschrieben war, tauchten zahlreiche hellblaue Hosen im Süden auf zumeist aus Beutebeständen. Solche Hosen stellten einen guten Kontrast
zu den stahlgrauen Jacken dar, die ab 1862 gewöhnlich anstelle von Mantel oder Rock getragen wurden. Die Hosen waren auch ein Beutestück,
welches ohne Gefahr des Spionagevorwurfs getragen werden konnten. Soldaten, die sich auch einen blauen Mantel oder eine Jacke aneigneten, weil sie nichts besseres
der Witterung entgegenzusetzen hatten, liefen Gefahr, bei Gefangennahme als Spione behandelt und erschossen zu werden. Einige solcher Fälle sind bekannt.

Verantwortlich für die Uniformierung war Abraham C. Myers, Oberst und Generalquartiermeister des Kriegsministeriums in Richmond.
Bereits Anfang Juni 1861 erkannte Mayers die erhebliche Diskrepanz, welche zwischen den Vorstellungen der Dienst und Bekleidungsvorschriften,
den realen Gegebenheiten bei der Truppe und dem menschenmöglich Erreichbaren unter den gegebenen Zwangsumständen lag. Mantel und Rock waren
kaum in den notwendigen Mengen herzustellen, die kurze Jacke, die bis zu den Hüftknochen reichte, konnte den Anforderungen der Infanterie genauso gut genügen
wie bei der Kavallerie. Weniger Stoff wurde dafür gebraucht, und die zweireihigen Knopfleisten waren ohnehin Luxus, zu dem man zurückkehren konnte,
wenn sich die Konföderierten Staaten im Krieg behauptet und ihre Unabhängigkeit errungen hatten.
Die Freiwilligen der ersten Stunde, die im Sommer 1861 einrückten, waren zum Teil in den Uniformen ihrer Milizen und Freiwilligenvereine eingekleidet.
Einzelne Personen, wie Hampton, N. B. Forrest oder B. F. Terry, gründeten ihre eigenen Einheiten auf Erlaubnis der Staatsgouverneureund rüsteten sie selbst aus.
Aber viele Südstaatler bevorzugten ihre Privatkleidung gegenüber den öffentlich ausgegebenen Uniformen, die aus schlechterem Stoff waren und selten richtig paßten.


Oberstleutnant A. J. L. Fremantle von den britischen Coldstream Guards nahm als Beobachter im Süden am Krieg teil.
Sein Tagebuch, 1954 in New York zuletzt veröffentlicht, enthält eine Fülle von interessanten Details über die Rebellenarmeen, ihre Ausstattung und Gefechtsweise:
»Mir wurde gesagt, daß selbst ein Regiment, welches in der vorgeschriebenen Uniform von der Regierung eingekleidet wird, innerhalb einer Woche wieder viele Farben annehmen würde, da die Soldaten die festen, hausgewebten Jacken und Hosen vorziehen, welche von ihren Müttern und Schwestern daheim genäht wurden.
Die Generäle sind so weise, die Soldaten in dieser Beziehung nach ihrem Sinn verfahren zu lassen und bestehen nur darauf,
daß Waffen und Ausrüstung in gutem Zustand gehalten werden.«
Diese Beschreibung Fremantles bezieht sich auf das Jahr 1863. Die beste Beschreibung über die Veränderung, welche auf konföderierter Seite vor sich ging,
entstammt den Erinnerungen des Soldaten Carlton McCarthy von den Richmond Howitzers. Diese Artillerietruppe war eine Eliteeinheit,
die aus den Söhnen der besten Familien Virginias zusammengestellt und entsprechend prächtig ausgestattet war. McCarthy beschreibt,
wie die Richmond Howitzers und andere ähnliche Milizvereine 1861 mit 25 Pfund schweren Tornistern, in gut anzusehenden, engsitzenden Uniformen,
modisch kleinen, steifen Kappen und hohen, glänzenden Schaftstiefeln in den Kampf zogen.

»Die Erfahrung zeigte uns, daß Stiefel nicht sehr angenehm auf einem langen Marsch waren.
Sie waren schwer und ermüdend, und sobald die Hacken etwas abgetreten nach einer Seite waren, stellte der Träger fest,
daß sein Knöchel bei jeder Unebenheit der Straße fast aus dem Gelenk gedreht wurde. Wenn richtig naß, war es ein arbeitsreiches Unterfangen, sie auszuziehen und, schlimmer noch, sie rechtzeitig zum Morgenappell wieder anzukriegen. Und so traten gute, starke Feldschuhe oder »brogans« mit breiten Sohlen und großen,
flachen Absätzen die Nachfolge der Stiefel an.«

Eine kurze und einreihige Jacke trat an die Stelle des langschößigen Rockes und wurde allumfassend.
Der Feind bemerkte diese Besonderheit und nannte die Konföderierten Graujacken, und dieser Name wurde sofort auf jene lebhaften Tierchen übertragen,
die die ständigen Bewunderer und untrennbaren Gefährten der Jungs in blau und grau waren. Kepis hatten das Schicksal,
länger zu halten als manch andere unbequeme Kleidung, aber am Ende verschwanden sie angesichts der Anforderungen an Komfort und gesundem Menschenverstand,
und ein guter, weicher Filzhut wurde statt dessen getragen. Ein Mann, der nie ein Soldat gewesen ist, weiß nicht, noch kann er es wissen,
welche Fülle an Wohlbefinden in einem guten, weichen Hut im Feldlager ist und wie absolut unbrauchbar eine »Soldatenmütze« ist, wie sie allgemein gemacht wird.
»Warum die Preußen, bei all ihrer Erfahrung, ihre schweren unnachgiebigen Helme und die Franzosen ihre kleinen Kappen tragen, bleibt ein Geheimnis für einen Konföderierten, der die Wohltaten eines alten Schlapphutes genossen hat ...«


Grundmaterial der damaligen Bekleidungsindustrie war Wolle und Baumwolle, mit all den Nachteilen, welche diese Stoffe in dicken Geweben mit sich brachten.
Das Material war schwer, zog sich bei Nässe zusammen, wobei oft die Nähte platzten oder Knöpfe absprangen, und saugte den Schweiß auf.
Besonders im Sommer waren die hochgeschlossenen Jacken und Überröcke alles andere als bequem und wurden daher gewöhnlich auch offengelassen.
Es ist gut, daß uns zwar Waffen und Ausrüstung, auch Schuhe und Bekleidung erhalten blieb, aber nicht der Geruch, der einem Regiment jener Zeit anhaftete,
wenn es einige Tage im Felde gelebt hatte!
Die Beschaffung des Nachschubs in den konföderierten Streitkräften war in Hinsicht auf Bekleidung und Schuhwerk ein Mosaik, das fast chaotisch zu nennen ist.
Zwar richtete die Quartiermeisterei in den Bundesstaaten zentrale Depots ein, die Spenden und im Auftrag gefertigte Sachen einsammelten.
Die von Fabriken und Werkstätten gewebten Stoffballen und gegerbten Lederhäute wurden hier eingelagert und von dort an Frauengruppen und Fabrikationsstätten geliefert, welche mit der Endproduktion beauftragt waren. Neben diesen Anstrengungen des Kriegsministeriums stand die Verantwortlichkeit der einzelnen Staaten,
ihre Regimenter einzukleiden und auszurüsten.

In diesem System offenbarte sich die große Schwäche der Konföderation, die gleichzeitig ihre Stärke war, der Lokalpatriotismus.
North Carolina hatte z. B. vierzig Textilfabriken, halb so viel wie alle anderen Staaten der Konföderation zusammen,
aber obwohl sie Rohmaterialien aus den Nachbarstaaten bezogen, hielt Gouverneur Vance daran fest, daß North Carolina nur seine eigenen Regimenter mit dem Ertrag belieferte. Die Rechte der einzelnen Bundesstaaten wurden ins Absurde verkehrt, und während Lees Armee im Winter 1864 auf 1865 in Lumpen und ohne Schuhwerk durchleiden mußte, stapelten sich zur gleichen Zeit in den Warenhäusern North Carolinas über 92 000 Uniformen, Leder, Decken und die Truppen dieses Staates waren komfortabel ausgerüstet.
Als dritte Quelle diente Europa. Vor allem Schuhe und anderes Lederwerk - Gürtel, Holster, Patronentaschen, Sättel und Zaumzeug -
wurden durch die Blockade geschleust. Wiederum war Großbritannien das primäre Kaufhaus, aus dem sich die Konföderierten - aber auch der Norden! - ausstattete.
Aber Oberst Myers hatte mit zahlreichen Problemen zu kämpfen, die nicht nur mit der knappen Rohstofflage oder der Blockade zusammenhingen.
Sein Quartermaster Department war nur eine Abteilung im Kriegsministerium, und höhere Prioritäten wurden für die Zeugamtsbedürfnisse des Ordnance Departments angesiedelt, in dessen Verwaltungsbereich die Ausstattung der Truppe mit Zaumzeug, Sätteln und Patronentaschen fiel,
während Myers die Besorgung von Schuhwerk, Gürtel, Tornister und Zaumzeug für die rund 60 000 Maultiere der Transportkolonnen verantwortete.


Ständiges Kompetenzgerangel - auch mit dem Commissary Dept., dem Versorgungsamt - waren die Folge. Finanzmittel waren gering,
und Myers Vorschlag, Baumwollballen für Decken einzuhandeln, wurde vom Präsidenten abschlägig beschieden.
Trotz allem machte das Quartiermeister-Amt Unmögliches möglich. Ende 1864, als die allgemeine Versorgungslage der Konföderation immer problematischer wurde,
konnte Myers die folgenden Waren als an die Truppen Lees ausgegeben, auflisten: 104.199 Jacken, 140.578 Hosen, 167.862 Paar Schuhe.
Für die Armee in Tennessee wurden in der zweiten Hälfte des Jahres 45.421 Jacken, 102.864 Hosen und 102.558 Paar Schuhe ausgeliefert!
Die Heimatfront unterstützte ihre Soldaten nach bestem Vermögen -in keinem Krieg mußten Soldaten soviel eigene Ausrüstung beisteuern wie die Konföderierten im Bürgerkrieg: Mütter und Schwestern sandten Hemden, Socken, Hosen und nähten Jacken. Viele Johnnys brachten von zuhause ihre eigenen Decken mit,
die sooft farbenprächtig waren.

Andere hatten Decken und Brotbeutel aus Teppichstoff. Fehlte es an Ponchos oder Mänteln, so wurde ein Loch für den Kopf in eine Stepp-oder Wolldecke
geschnitten und der Gürtel außen herumgeschnürt. Was im Norden das Ergebnis von Korruption war, war im Süden bitteres Resultat des Rohstoffmangels.
Holz wurde für Sohlen genommen. Soldaten fertigten sich Stiefel aus Rohhaut, aber ein solches »Do-it-yourself«-Verfahren ohne richtiges Werkzeug und ohne Erfahrung blieb zweifelhaft. Ein Johnny Reb berichtet in seinem Brief nach Haus:
»Ich machte mir selbst ein Paar( ... ) und machte einen netten Job daraus, sie sitzen hervorragend.
Aber ach, nach zwei, drei Tagen Trocknen am Lagerfeuer war sie hinten zwei Zoll zu kurz.«
Ein anderer benützte Rohhautleder, das sich aber ausweitete und über den Hacken hing:
»... sie peitschen mich fast tot, sie flappen hoch und runter, sie stinken sehr schlecht und ich muß einen Busch in der Hand behalten, um die Fliegen abzuhalten.«

Schuhe, oder eher deren Fehlen, waren eine Plage der konföderierten Armeen, die ihre Kampfkraft erheblich schwächte.
Tausende Südstaatler fehlten bei der Schlacht von Antietam im September 1862, in der Lees erster Vorstoß nach Norden abgeschlagen wurde.
Sie konnten nicht mit ihren Kameraden Schritt halten, weil der Armee von Nord-Virginia Zehntausende Paar Schuhe fehlten.
Selbst nachdem im Oktober des Jahres über zehntausend Paar für Lees Soldaten eintrafen, fehlten allein in Longstreet Korps immer noch 6.000 Paar!
Im Januar 1864 fehlten immer noch überall Schuhe, obwohl der Kongreß in Richmond alle Anstrengungen unternahm, die barfüßigen Soldaten zu versorgen.

Als im Winter 1863/64 Mahone’s Brigade der Army of Northern Virginia lange genug barfuß unterwegs war, regten einige Offiziere an,
sich von der staatlichen Versorgung und den Blockadebrechern unabhängig zu machen. Mit Unterstützung ihres Kommandierenden Generals,
Brigadegeneral William Mahone, begann man sofort, den Vorschlag in die Tat umzusetzen. Unter der Leitung von Hauptmann James T. Robinett
wurde innerhalb der Brigade eine Schuhmacherwerkstatt eingerichtet. Eine kleine Gruppe von 28 Mann verstand es nun, in den Feldküchen Häute
von geschlachteten Tieren einzusammeln, sie gegen Leder, Werkzeuge und benötigtem Material einzutauschen (Gesamtwert ca. $ 7000) und daraus Schuhwerk herzustellen.

So konnten während des Winters 2000 Paar Schuhe gefertigt und viele Stiefel und Schuhe instandgesetzt werden. Zu Beginn des folgenden Feldzuges hatte
nun jeder Soldat neue Schuhe und ein Paar Ersatzschuhe, die im Gegensatz zu den amtlich gelieferten Schuhen (Tragezeit ca. zwei Monate)
aufgrund ihrer hervorragenden Verabeitung und guten Materials länger als sechs Monate hielten. Hätte dieses Beispiel Schule gemacht, so wären vielen Soldaten manche Qualen erspart geblieben.
Halbe Kompanien waren ohne Schuhe, teilweise für Wochen, und Männer marschierten in Regen und Schlamm oder über frostdurchsetzte Böden, barfuß oder mit Lumpen um ihre Füße gewickelt. Unvorstellbar sind die Leiden jener Soldaten gewesen, die im Winter 1864 an dem Feldzug Hoods in Tennessee teilnahmen. In manchen Brigaden war ein Viertel ohne Schuhe und auf den Straßen von Franklin nach Nashville schleppten sich Hunderte durch Eis und Schnee und hinterließen blutige Streifen. Hutfilz wurde um die Füße gewickelt, Jackenärmel abgeschnitten und als Schuhersatz genommen; jene, die Rinderhäute vom Troß der Versorgungsabteilung ergattern konnten, schätzten sich glücklich.

Ersatzstoffe sollten an die Stelle von Leder treten, um den Bedarf an Schuhen und anderem Lederwerk zu decken. Patronentaschen wurden aus starkem Segeltuch gefertigt, dessen Oberfläche mit einem teerhaltigen Farbanstrich verstärkt und wasserundurchlässig gemacht wurde; gewachster Filz wurde als Oberleder für Armeestiefel verarbeitet, eine Fabrik in North Carolina verwandte das Holz von Gummibäumen und Pappeln als Sohlen, in Florida wurde die Faser eines dort wachsenden Unkrauts verwandt,
deren Gewebe angeblich den Vergleich mit bestem Leder standhalten konnte.
Auch die Farbe der konföderierten Truppe, »stahlgrau«, wich immer mehr einem Ersatzstoff, der mit »butternuß« oder »nußbraun« bezeichnet wurde.
Woll- und Baumwollstoffe wurden im Süden nach einem alten Bauernrezept eingefärbt. Walnußschalen und Vitriol dienten als Grundelemente der Beize, die dem Stoff je nach Konzentration einen dunkel- bis hellbraunen Charakter gab. In der zweiten Kriegshälfte war »butternuß« viel eher die nationale Farbe der Konföderierten als »grey«.


Als letzte und vielleicht wichtigste Bezugsquelle galt der Feind. Die Union versorgte wahrscheinlich die Hälfte der konföderierten Truppen ungewollt durch die Beutebestände, welche besonders in den ersten zwei Kriegsjahren noch reichlich waren. Auch auf die Gefahr hin, bei Gefangennahme als Spione behandelt zu werden, entsprechende Befehle wurden Anfang 1863 im Norden erlassen, zogen Südstaatler immer wieder Beutekleidung der Union an. Bei manchen Regimentern galt es sogar als Zeichen des grünen Rekrutentums, wenn ein Mann mit einer konföderierten Feldflasche angetroffen wurde. Veteranen hatten sich längst mit dem besseren nördlichen Produkt versehen. Besonders Schuhe und Hosen waren gesuchtes Beutegut,so sehr, daß der Satz »Ein Yankee ist nur seine Schuhe wert!« bei den Johnny Rebs zum geflügelten Wort wurde.

Die Kavallerie war in einer hervorragenden Lage, sich durch Überfälle auf Züge und Wagenkolonnen neu auszustatten. Es ist daher keine Übertreibung,
wenn ein Soldat aus Mississippi Weihnachten 1862 seiner Mutter von einer sechstausend Mann starken Reitertruppe schrieb, die von Kopf bis Fuß mit Yankee-Uniformen eingekleidet waren. Solche Beutepraktiken führten immer wieder dazu, daß konföderierte Truppen aufeinander schossen, weil sie sich angesichts der vielen blauen Uniformen verwechselten. Stellenweise orderten Armeekommandeure Erkennungszeichen an, wie um den Arm gewickelte Tücher. Kennzeichnend für den Materialmangel im Süden ist der Grund, warum Gettysburg zum Schlachtfeld wurde: in diesem kleinen Straßenknotenpunkt befand sich ein Schuhdepot!

Das Erscheinungsbild des konföderierten Veteranen wurde auch von dem Umstand geprägt, daß die Bürgerkriegsepoche noch keine Armeewäschereien oder Regimentsfriseure kannten. Soldaten mußte sich die Haare und Bärte selbst schneiden, Scheren aber waren gesuchte Raritäten.
Seife - so beklagten sich einige Briefschreiber - schien es in der ganzen Konföderation nicht mehr zu geben. Wäschewaschen war auch meist mit dem unangenehmen Umstand verbunden, daß der auf Reinlichkeit bedachte Soldat nur selten einen Satz Uniformkleider zum Wechseln hatte und nun halb- oder ganz nackt auf das Trocknen seiner Sachen warten mußte. Einige Briefe geben daher auch beredtes Zeugnis von der Tatsache, daß erhebliche Zeitabstände zwischen dem Wechseln der Wäsche oder auch nur dem Ausziehen lagen. In einem Regiment aus Georgia gab es einige Kameraden, die sich zwei Monate nicht auszogen, und ein Texaner berichtete,
nach dem Winter von 1865 hätte die Hälfte seiner Truppe seit vier oder fünf Monaten nicht mehr die Hemden gewechselt!
Drei oder vier Wochen ohne Kleidungswechsel oder Umziehen war keine Seltenheit, und die folgende Beschreibung eines typischen Veteranen dürfte für die konföderierten Verteidiger der Heimat recht gut zutreffen. Sie stammt von einem einfachen Kriegsteilnehmer:

»Um die obere Gesichtshälfte ist ein Rand ungekämmtes Haar und darüber ist ein alter Wollhut, getragen und wettergegerbt,
und die schlaffe Krempe davon fällt müde nach hinten über die Schultern und vorn gegen die verlängerte und zerknautschte Spitze zurückgebogen.
Über ein beschmutztes Hemd, am Kragen aufgeknöpft, ist eine zerlumpte, graue Jacke, die nicht bis zu den Hüften reicht, mit Ärmeln,
die einige Zoll zu kurz sind. Darunter sind Hosen von undefinierbarer Farbe, ohne Form und Verzierung, zusammengehalten von einem Ledergurt,
daran ist eine Patronentasche, die hinter der rechten Hüfte zu liegen kommt, und die Bajonettscheide, die links hängt.
Knapp über jedem Knöchel ist das Hosenbein eng zusammengebunden und dahinter verschwinden Reste von schmutzigen Strümpfen in einem Paar schwer benutzter
und komisch verformter Schuhe. Zwischen Jacke und Hosenbund oder dem Gürtel erscheint ein beuteliges Schaustück von Baumwollhemd,
das sich bei jeder Anstrengung des Johnnys, die Hosen an ihrem Platz zu halten, weiter herausarbeitet.
Über seinem Körper hängt quer von seiner linken Schulter eine fadenscheinige Decke; die Enden, zusammengebunden, liegen oder fallen an der rechten Hüfte herunter.
Das ist Johnnys Bett. In dieser Rolle ist ein Hemd, sein einziger zusätzlicher Bekleidungsartike.«

 

Zwischen Traum und Wirklichkeit

 

 

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