
DIENSTGRADABZEICHEN
der Seestreitkräfte im Bürgerkrieg
Rangabzeichen
der U. S. Navy
Wenn man sich
die Entwicklung der Rangabzeichen der U.S. Marine näher betrachtet,
so könnte man zu dem Schluß kommen, daß sie nichts Besseres zu tun
hatte,
als alle Augenblicke ihre Abzeichen zu ändern.So gab es während
des Bürgerkrieges mehrere Änderungen der Anzugordnung.
Der Grund dafür ist aber in der immer größeren Marine und der Spezialisierung
zu suchen.
Offiziere
Wie bei anderen Marinen auch, gab es in der U.S. Navy neben
den seemännischen Offizieren sogenannte „Militärbeamte (Staff
oder Civil Officers),
die für die Bedürfnisse der Marine dauernd oder auf Zeit angestellt
waren, aber nicht zum „Soldatenstand zählten. Erst 1899 erfolgte
eine gewisse Eingliederung.
Dazu gehörten z.B. Schiffsingenieure, Schiffsärzte, Schiffsgeistliche,
Zahlmeister und Proviantmeister. Sie zählten nicht zu den »commissioned
ranks«,
waren aber durch sogenannte »relative ranks« den Seeoffizieren
gleichgestellt.
Rangabzeichen
der Seeoffiziere (Line Officers oder Executive Officers)
Seeoffiziere konnte
man u.a. am silbernen Anker erkennen, der sich in verschiedenen
Formen auf der Vorderseite der Mütze befand,
später am goldenen Stern auf den Ärmeln. Als die Marine in den Krieg
zog, gab es bei den Seeoffizieren nur drei Offiziersränge:
Captain
(Kapitän zur See)
Commander
(Fregattenkapitän)
Lieutenant
(Kapitänleutnant)
Der Rang erkannte
man an verschiedenen Abzeichen an der Uniform (Mützenabzeichen,
Mützenlitzen, Kragenlitzen)
entscheidend waren aber die Ärmelabzeichen und die Epauletten an
der großen Dienstuniform und die Achselstücke an der Dienstuniform.
Die nachfolgende Übersicht zeigt die Rangabzeichen zu Beginn des
Krieges (Epauletten, Ärmelstreifen, Achselstücke):
Der Ärmel
des Flaggoffiziers zeigt die Anordnung der Litzen auf dem großen
Dienstanzug, die anderen den Dienstanzug.
Die Litzen hatten eine Breite von ¾ Zoll (ca. 19 mm). Wenn
der Kapitänleutnant als »Executive Officer«, d.h. als
1. Wachoffizier eingesetzt war,
hatte er über den Streifen einen goldenen, auf einer Spitze stehenden
Stern. Da sich die Marine während des Krieges rasch vergrößerte,
mußten 1862 neue Offiziersdienstgrade eingeführt werden.
Ensign (Leutnant zur See)
Master
(Oberleutnant zur See)
Lieutenant Commander (Korvettenkapitän)
Commodore (Kommodore)
Rear Admiral (Konteradmiral)
Dadurch wurde auch ein neues Schema der Rangabzeichnung erforderlich,
das ab 31. Juli 1862 gültig war.
Auf den Achselstücken verwendete man nun auch Abzeichen des
Heeres, die Ärmelabzeichen bestanden aus einem System von schmalen
und breiten Litzen.
Die Litzenbreiten betrugen ¾ Zoll (ca 19 mm) und ¼
Zoll (ca 6 mm).

Die Anzugordnung
vom 28.01.1864 sah dann folgende Rangabzeichen vor: Das System der
Ärmelstreifen bestand nun ausschließlich aus schmalen
Litzen,
¼ Zoll (ca 6 mm) breit, die aufgrund einer speziellen Anordnung
in Gruppen (mit Zwischenräumen von ½ und ¼ Zoll)
den Dienstgrad erkennen ließen.
Ein goldener Stern mit einer Spitze nach unten kam hinzu, der auch
heute noch die Ärmel der Seeoffiziere ziert.
Die Achselstücke
des Commodore hatten wohl keinen Anklang gefunden und wurden ebenfalls
geändert,
sie enthielten nun einen silbernen Stern auf einem goldenen unklaren
Anker.

Die letzte Änderung
der Offizierdienstgrade erfolgte am 14. Januar 1865,
da 1864 der Rang eines Vizeadmirals (für David G. Farragut)
eingeführt worden war.
Die Ärmelabzeichen und Schulterklappen wurden wie folgt geändert:
Vizeadmiral:
eine 2 Zoll breite und zwei 1 Zoll breite goldene Litzen am Ärmel,
ein goldener unklarer Anker und drei silberne Sterne auf den Schulterklappen;
Rear
Admiral:
eine breite und eine mittlere goldene Litze am Ärmel, ein goldener
unklarer Anker und zwei silberne Sterne auf den Schulterklappen.

Staff
Officers or Civil Officers (Rangabzeichen der Militärbeamten)
Zu Beginn des Krieges
waren die sogenannten Militärbeamten noch ziemlich niedrig
eingestuft. Sie trugen die Uniforn der Marine,
hatten aber spezielle Rangabzeichen unddementsprechend andere Abzeichen,
deren Symbolik sie aber auch untereinander unterschied.
Medical
Officers (Sanitätsoffiziere)
Sanitätsoffiziere
hatten 1846 ihren »militärischen« Rang bekommen
und trugen zu Beginn des Krieges die Offiziersuniform und als Symbol
einen goldenen Eichenlaubschößling. Die Epauletten entsprachen
denen der Seeoffiziere, waren aber ohne Abzeichen.

Der Flottenarzt
und Ärzte mit 12jähriger Dienstzeit waren dem Commander
(Fregattenkapitän), die anderen Ärzte dem Lieutenant (Kapitänleutnant)
gleichgestellt.

Mit der Anzugänderung
vom 31. Juli 1862 erhielten die Sanitätsoffiziere neue Ärmelabzeichen,
und die Assistenzärzte, die bis dahin zu den Deckoffizieren
zählten,
wurden den Offizieren gleichgestellt, wobei die Assistenzärzte
mit bestandenem Examen gleich nach demLieutenant und die Assistenzärzte
gleich nach dem Master eingestuft wurden.
Als 1863 die Struktur der Militärbeamten überarbeitet
und einige Dienstposten neu geschaffen sowie andere angehoben wurden,
änderten sich mit der neuen Anzugordnung vom 28. Januar 1864
auch wieder die Rangabzeichen, wobei der Eichenlaubschößling
auf den Schulterklappen wegfiel.
So wurde der Leiter des Büros für Medizin und Chirugie
dem Commodore (Geschwaderführer) gleichgestellt und der Flottenarzt
sowie Ärzte
mit 15 und mehr Jahren dem Captain. Diese Regelung blieb dann bis
zum Kriegsende.

Pay
Officers (Zahlstellenoffiziere)
Zahlstellenoffiziere
hatten 1847 ihren »militärischen« Rang bekommen
und trugen zu Beginn des Krieges die Offiziersuniform und als Symbol
einen goldenen Eichenlaubschößling.
Um nicht mit den Medizinern verwechselt zu werden, hatten sie aber
ein anderes Mützenabzeichen.
Die Epauletten entsprachen denen der Seeoffiziere, waren aber ohne
Abzeichen.


Mit der Anzugänderung
vom 31. Juli 1862 erhielten die Zahlstellenoffiziere neue Ärmelabzeichen,und
die Zahlmeisterassistenten,
die bis dahin zu den Deckoffizieren zählten, wurden den Offizieren
gleichgestellt, erhielten aber kleinere Achselstücke.
Sie standen im Rang unter dem Lieutenant (Kapitänleutnant),
aber über dem Master (Oberleutnant zur See).
Auch hier wurde 1863 die Struktur überarbeitet und einige Dienstposten
neu geschaffen sowie andere angehoben.
So wurde auch der Leiter des Büros für Verpflegung und
Bekleidung dem Commodore (Geschwaderführer) gleichgestellt
und der Fleet Paymaster (Flottenzahlmeister) sowie Paymaster mit
15 und mehr Jahren dem Captain (Kapitän zur See).
Damit änderten sich mit der neuen Anzugordnung von 28. Januar
1864 auch wieder die Rangabzeichen,
wobei der Eichenlaubschößling auf den Schulterklappen
jetzt silbern war. Der Adler des Fleet Paymaster hielt einen Eichenlaubzweig
in den Fängen.
So blieb es dann bis zum Kriegsende.

Engineers
(Marineingenieure)
Die Marineingenieure
hatten erst 1859 ihren »militärischen« Rang bekommen
und trugen zu Beginn des Krieges die Offiziersuniform
und als Symbol vier gekreuzte Eichenlaubblätter.
Die Epauletten entsprachen in der Form denen der Seeoffiziere, hatten
aber ein silbernes Epaulettenfeld und keine Abzeichen.


Die Gleichstellung
dieser sowie der anderen »Militärbeamten« mit den
Seeoffizieren hatte unter diesen viel Unmut ausgelöst,
so daß es nach dem Krieg wieder zu Änderungen mit Herabstufungen
im Vergleichsrang, aber nicht bei der Besoldung kam.

Mit der Anzugänderung
vom 31. Juli 1862 erhielten die Ingenieuroffiziere neue Ärmelabzeichen,
und die Assistenten, die bis dahin zu den Deckoffizieren zählten,
wurden den Offizieren gleichgestellt, erhielten aber wesentlich
kleinere Achselstücke. Der 1. Hilfsingenieur stand im Rang
unter dem Lieutenant (Kapitänleutnant),
der 2. Hilfsingenieur unter dem Master (Oberleutnant zur See).
Als 1863 die Struktur der Militärbeamten überarbeitet
und auch bei den Marineingenieuren einige Dienstposten neu geschafffen
sowie andere angehoben wurden,
änderten sich mit der neuenAnzugordnung vom 28. Januar 1864
auch wieder die Rangabzeichen, wobei die gekreuzten Eichenlaubblätter
nun in Silber waren.
So wurde der Leiter des Büros für Dampfschiff-Ingenieurwesen
dem Commodore (Geschwaderführer) gleichgestellt und der Flotteningenieur
sowie Ingenieure mit 15 und mehr Jahren dem Captain (Kapitän
zur See). Der Adler des Fleet Engineer hielt zwei Eichenlaubbätter
in den Fängen. Diese Regelung blieb dann bis zum Kriegsende.

Chaplains
(Marinegeistliche)
Bei den Marinegeistlichen
war man sich bezüglich der Uniformierung während des ganzen
19. Jahrhunderts nicht einig.
Obwohl dem Lieutenant (Kapitänleutnant) gleichgestellt, trugen
sie zu Beginn des Krieges keine Offiziersuniform, sondern eine blaue
Uniform ohne Rangabzeichen.
Dies änderte sich erst mit der Anzugordnung vom 28. Januar
1864, als auch ihr Rang angehoben wurde. Als Symbol führten
sie ein schräggestelltes, silbernes Kreuz.

Professor
of Mathematics
(Lehrkräfte für Mathematik)
Um
die Ausbildung der Seeoffizieranwärter zu verbessern, wurden
ab 1835 von der Marine sogenannte Lehrkräfte für Mathematik
eingestellt,
die auf Schiffen oder Marineschulen, später auch an der Marineakademie
und am Marineobservatorium, Dienst taten.
Obwohl ursprünglich nur als Deckoffiziere eingestuft, durften
sie sich auf See in der Offiziersmesse aufhalten.
Auch sie wurden 1863 höhergestuft und erhielten mit der Anzugordnung
vom 28. Januar 1864 neue Rangabzeichen, die sich nach der Dienstzeit
richteten.
Ihr Symbol war eine goldene Scheibe mit den silbernen Buchstaben
»P« in sogenannter altenglischer Schrift.


Naval
Constructors
(Beamte für Schiff- und Maschinenbau)
Die Beamten
für Schiff- und Maschinenbau wurden 1842 im neugeschaffenen
Büro für Schiffbau, Ausrüstung und Instandsetzung
(Bureau of Construction, Equipment, and Repair) zusammengefasst,
deren Leiter gewöhnlich ein Seeoffizier war.
Erst 1863 wurden die höheren Beamten den Offizieren gleichgestellt
und erhielten mit der neuenAnzugordnung vom 28. Januar 1864 Uniformen
und Rangabzeichen.
Ihr Symbol, ein Eichenlaubschößling, hatte eine etwas
andere Form als die bisher erwähnten und war silbern.
Der Leiter des Büros für Schiffbau wurde dem Commodore
(Geschwaderführer) gleichgestellt und Beamte mit 20 und mehr
Jahren dem Captain (Kapitän zur See).
Der Adler hielt ein Eichenlaubschößling in den Fängen.
Diese Regelung blieb dann bis zum Kriegsende.


Secretaries (Sekretariatbeamte)
Auch einige
Beamte in den Sekretariaten der Marine profitieren von der Umstrukturierung
und Anhebung der Ränge im Jahr 1863,
da einige von ihnen dem Lieutenant (Kapitänleutnant) gleichgestellt
wurden. So erhielten sie auch mit der Anzugordnung von 28. Januar
1864 eigene Rangabzeichen.

Rangabzeichen
der Deckoffiziere
Obwohl die Deckoffiziere
zu den mit Patent bestallten Offizieren, also zu den »Commissioned
Officers« zählten, war ihre Uniform einfacher als die
der höheren Offiziere.
Sie waren aus dem Unteroffizierskorps hervorgegangen und »Unteroffiziere
mit Portepee«, somit Vorgesetzte anderer Unteroffiziere. Sie
galten aber nicht als Seeoffiziere.
Zu
den Deckoffizieren gehörten bei Kriegsbeginn
Master
(wurde später Oberleutnant zur See),
Passed
Midshipman (Fähnrich
mit bestandenem Examen),
Midshipman
(Fähnrich),
Boatswain
(Bootsmann),
Gunner
(Stückmeister/Feuerwerker
Master
Mate (Steuermann)
Der Master hatte einfache Schulterklappen, ein Mützenabzeichen
wie der Kapitänleutnant und drei Marine-Knöpfe am Ärmelaufschlag,
am großen Dienstanzug durfte er die Epauletten eines Lieutenant
(Kapitänleutnant) tragen.
Der Passed Midshipman hatte Schulterstücke mit Goldlitzenverzierung,
ein Mützenabzeichen wie der Kapitänleutnant und drei Marine-Knöpfe
am Ärmelaufschlag.
Der Midshipman hatte lediglich ein Mützenabzeichen wie der
Lieutenant.
Der Boatswain trug keine Achselklappen, die Mütze hatte zwei
dünne Goldlitzenbänder und einen klaren goldenen Anker
als Abzeichen.
Der Gunner wie Boatswain. Der Master Mate wie
Boatswain, jedoch mit silbernem Anker an der Mütze, einreihiger
Überzieher

Militärbeamte,
die den Deckoffizieren gleichgestellt waren,
durften zur Uniform folgende Rangabzeichen tragen:
Sanitätsdienst
Passed
Assistant Surgeon im
Rang unter dem Kapitänleutnant
Assistant
Surgeon im Rang unter dem Master
Zahlmeister
Assistant
Paymaster im Rang nach dem Kapitänleutnant
Marineingenieure
1st
Assistant Engineer im
Rang nach dem Kapitänleutnant
2nd
Assistant Engineer im
Rang unter dem Master
3rd
Assistant Engineer im
Rang dem Fähnrich gleichgestellt

In der Anzugordnung
vom 31. Juli 1862 wurden nach einer Änderung der Dienstgrade
die Rangabzeichen entsprechend geändert:
Der Master war nun zum Oberleutnant aufgestiegen, und einige Rangabzeichen
wurden abgeschafft. So fielen die Schulterklappen und die Ärmelknöpfe
weg,
so daß die Deckoffiziere nur noch an der Uniform selbst und
an den Mützenabzeichen zu erkennen waren.
Erst mit der Anzugordnung vom 28. Januar 1864 wurden wieder Dienstgradabzeichen
für den Boatswain (Bootsmann) und den Gunner (Stückmeister/Feuerwerker)
geschaffen, die aus einer goldenen Litze auf den Schulter bestand.
Beim Boatswain kam ein silberner Buchstabe »B« hinzu.
Die den Deckoffizieren gleichgestellten Carpenter (Schiffszimmerleute)
und Sailmaker (Segelmacher) erhielten ebenfalls Achselstücke,
wobei die Zimmerleute durch einen zusätzlichen Buchstaben »C«
gekennzeichnet wurden. So blieb es dann bis zum Kriegsende.

Enlisted
Men (Unteroffiziere und Mannschaften)
Petty
Officers (Unteroffiziere)
und Mannschaften trugen
die traditionellen blauen oder weißen Matrosenanzüge.
Petty Officers hatten je nach Funktion auf den linken oder rechten
Oberarm einen Adler mit Anker und Stern. Mannschaften trugen keine
Abzeichen.
Dienstgradabzeichen
des U. S. Marine Corps
Die Dienstgrade und die Dienstgradabzeichen der Mannschaften und
Unteroffiziere waren ähnlich denen des Heeres,
doch wurden die Winkel nicht wie beim Heer 1859 umgedreht, sondern
weiterhin mit der Spitze nach oben getragen. Die gelben Litzen waren
rot unterlegt.
Offiziere hatten
die gleichen Dienstgradabzeichen wie beim Heer und trugen Achselstücke
aus mehrstrangigen Goldschnüren (Offiziere zwei, Stabsoffiziere
drei),
die in einem »Kleeblatt« mit den entsprechenden Dienstgradabzeichen
des Heeres endeten, sogenannte »russische« Achselstücke.
Die Ausnahme war der Major, der wie der Lieutenant kein Abzeichen
hatte. Der Kommandant des Corps, ursprünglich ein Colonel-Commandant
(Oberst),
erhielt später den Titel »Commandant« im Rang eines
Brigadegenerals mit einem silbernen Stern auf den Achselstücken.
