Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
© Viviana Zarbo, »Storia del Far West«
© G. Schomaekers, »Der Wilde Westen«
© William H. Forbis, »Die Cowboys«
Das
Reich der Viehherden
Seite
4
Die
Kleidung des Cowboys
Voll ausgerüstet für
die Arbeit auf der Range, war ein Cowboy von Kopf bis Fuß mit
einer schützenden Kleidung versehen.
Jedes einzelne Kleidungsstück diente einem nützlichen Zweck,
vom breitkrempigen Hut, der seinen Kopf vor Sonne und Regen bewahrte,
bis zu den Sporen.
Sogar die schmuckvolle Bandanna, ein taschentuchähnliches, großes
Halstuch, hatte verschiedene Funktionen - sie diente dem Cowboy als
Maske,
die Staub und Sand der Trails fernhielt, sie schützte vor der sengenden
Wüstensonne, wenn sie zusammengeknüllt in die Hutkrone gesteckt
wurde,
und bei Klapperschlangenbissen wurde sie sogar als Aderpresse benutzt.
Unter dieser auffälligen, aber nützlichen Tracht war der Cowboy
angezogen wie jeder andere Arbeiter. Sein Hemd hatte meist keinen Kragen
und bestand aus Baumwolle oder Flanell. Seine Wollhosen waren manchmal
am Gesäß und der Innenseite der Schenkel mit Hirschleder
verstärkt,
um an den Stellen, wo sie gegen den Sattel rieben, nicht durchzuscheuern.
Gürtel trug er nur selten, es sei denn, er war - wie in späteren
Tagen
- Rodeoreiter und wollte mit einer Gürtelschnalle prunken, die
er in der Arena gewonnen hatte. Die Hosen waren so steif, daß
man sie auf den Boden stellen konnte,
und saßen an der Hüfte sehr eng. Weil es unbequem war, beim
Reiten etwas in den Hosentaschen zu haben, trug der Cowboy meist eine
Weste mit geräumigen Taschen,
in denen er seinen Tabak und sein Tally-Buch, sein Rinderzählbuch,
mit sich führte.
Die Tracht variierte je nach Gegend und persönlichem Geschmack
der einzelnen Cowboys.
Im Südwesten trugen viele Männer schwere Jacken aus segeltuchähnlichem
Stoff, um sich gegen Dornen zu schützen;
die Cowboys aus dem Norden hatten knielange, pelzgefütterte Mäntel.
Manche Männer trugen feste Lederhandschuhe,
damit ihre Hände nicht vom Lasso wundgerieben wurden oder durch
das ständige Hantieren mit dem Zügel Blasen bekamen.
Andere gingen diese Risiken ein und lehnten Handschuhe aller Art kategorisch
ab, da sie einem Mann angeblich das richtige Gefühl für das
Lasso raubten.
Es gab allerdings ein Kleidungsstück, das alle trugen - den Hut.
Neben dem Sattel und den Stiefeln war der Hut stolzester Besitz des
Cowboys.
Er wehrte nicht nur von Hagelkörnern bis zu tiefhängenden
Zweigen alles ab, sondern konnte auch benutzt werden, um ein Feuer anzufachen
oder Wasser zu holen.
Ein Cowboy konnte so wenig ohne seinen Hut sein, daß die Etikette
des Westens erlaubte, ihn auch beim Essen, im Haus oder beim Tanz mit
einer Schönen im Saloon aufzubehalten. Manchmal ließ er den
Hut sogar auf dem Kopf, wenn er schlafen ging.
Vier Formen des Cowboyhuts
Obgleich sich die
Cowboys vom Strohhut bis zur Melone alles auf den Kopf setzten, trugen
die meisten Hüte wie die hier gezeigten.
Der Zuckerhut-Sombrero mit seiner breiten Krempe und hohen Krone bot
guten Schutz vor der Wüstensonne, während der tiefkronige
Plainsman gut für windige Gebiete war. Ebenso wichtig wie funktionelle
Merkmale waren feine stilistische Besonderheiten wie die viereckige
Krone des Montana-Peak oder der Stern auf dem Texashut.
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Zuckerhut-Sombrero |
Montana-Peak |
Beinschutz
aus Leder
Vor dem Aufsitzen
zog ein Cowboy oft seine Beinschützer an. Es waren Kleidungsstücke
ohne Gesäßteil.
Sie wurden zuerst von den mexikanischen Vaqueros benutzt, die das Vieh
in Dornbuschgebieten jagen mußten.
Die Cowboys fanden heraus, daß sie auch Schutz vor Abschürfungen
durch Lassos und Corral-Pfähle und sogar vor Pferdebissen boten.
Es gab drei Hauptarten von Beinschützern oder Chaps, die hier in
der Vorderansicht (ganz links) und Rückansicht gezeigt werden.
In die frühen Chaps mußte man hineinsteigen, und man nannte
sie Shotguns (Flinten-Chaps), weil sie parallelen Röhren ähnelten.
Wie die späteren Beinschützer, wurden auch sie in Hüfthöhe
zusammengeschnallt oder gegürtet. Viele Reiter zogen später
sogenannte Batwings
(Fledermausflügel-Chaps) vor, Chaps, die man um die Beine schnallen
konnte, ohne Stiefel ausziehen und Sporen ablegen zu müssen.
Auf den kalten Nordranges trugen die Cowboys „Woollies",
Winter-Chaps, die außen mit Wolle und manchmal mit Fellen bezogen
waren.
Shotguns
(Flinten-Chaps)
Batwings
(Fledermausflügel-Chaps)
Woollies
(Winter-Chaps)
Die
Entwicklung des Cowboystiefels
Die frühen Cowboys trugen Stiefel mit flachen Absätzen und
runden Spitzen, die sie aus dem Bürgerkrieg mitgebracht hatten.
Um 1860 hatten die echten Cowboystiefel meist einen verstärkten
Spann und höhere Absätze.
Später erhielten die Stiefel halbfunktionelles Beiwerk wie spitzer
zulaufende Fußpartien und weiche Schlaufen,
die man Maultierohren nannte und mit deren Hilfe man die Stiefel leichter
anziehen konnte.
Die prunkvollsten Stiefel, die ungefähr ab 1885 gemacht wurden,
bestanden aus weichem Leder mit dekorativen Stickereien.
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| Früher
Stiefel |
Cowboyabsatz |
Maultierohr |
Prunkstiefel |
Die
Sporen: Arbeitsgerät und Schmuck

Sporen waren nicht
nur äußerst praktisch, sondern gehörten als wesentlicher
Bestandteil zum Image des Cowboys;
er legte sie nur selten ab.
Der Absatzbügel paßte um den hinteren Teil des Absatzes,
während das Spornleder über den Spann gelegt wurde.
Die Absatzkette sollte den Sporn nicht nur beim Reiten am Hochrutschen
hindern, sondern rief auch zusammen
mit den Klimperanhängern ein Geräusch hervor, das Musik in
den Ohren jedes Cowboys war.
Die meisten Amerikaner
lehnten die mexikanischen Sporen mit ihren Dornrädern ab und benutzten
Modelle
wie den OK-Sporn, dessen Spornräder abgefeilt waren, damit sie
nicht die Flanken der Pferde verletzten.
Der einfachste Typ war
der Arbeitssporn. Viele Cowboys besaßen aber auch ein Paar silberne
Prunksporen.
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Spanischer
Sporn |
OK
- Sporn |
Arbeitssporn |
Schmucksporen