Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
© Viviana Zarbo, »Storia del Far West«
© G. Schomaekers, »Der Wilde Westen«
© William H. Forbis, »Die Cowboys«

 

Das Reich der Viehherden

 

 


Das Reich der Viehherden ist ein typisches Produkt des amerikanischen Westens und hat seine Wurzeln im 16. Jahrhundert,
als die Spanier Mittelamerika kolonisierten und unter anderem ihr Vieh mitbrachten.

Im 18. Jahrhundert gelangten die Rinder nach Texas, wo sie ideale Umweltbedingungen für ihre Vermehrung vorfanden,
vor allem im Süden dieses Gebietes, und dort besonders im Tal des Rio Nueces.

In diesem Gebiet waren die Voraussetzungen denkbar günstig: mildes Klima, genügend Wasser und Gras.


Das, was die Viehzucht im Westen von der auf den Farmen des Ostens unterschied,
war der ständige Einsatz von Pferden während aller Arbeitsphasen. Das Reich der Viehherden entstand aus der Verbindung dreier Elemente: der mexikanischen »Longhorn«-Rinder, der robusten indianischen Pferde und der amerikanischen Cowboys. Grundlegendes Prinzip war das Weiden auf offenem, nicht umzäuntem Weideland,
was bedeutet, daß die Herden auf staatlichem Grund weideten. Das Weideland war nicht eingezäunt, weil es im Grunde keinen anderen Eigentümer als den Staat gab.


Diese Eigentümlichkeit stellte auch den Vorteil des Züchters dar: er brauchte nur das Vieh zu kaufen (um 1865 kostete ein Stück Vieh ungefähr vier Dollar), es auf öffentlichem Grund zu mästen und dann, bei minimalem Kosteneinsatz und maximalern Gewinn, auf den Märkten des Nordens für ungefähr 40 Dollar wieder zu verkaufen. Eigentlich nahm das große Geschäft mit dem Vieh seinen Anfang in den Jahren unmittelbar nach dem Bürgerkrieg. Während dieser Zeit wurden die damals noch am Anfang stehenden Wanderungen der Rinder nach Norden unterbrochen, und zwar auf Grund der wirtschaftlichen und militärischen Blockade der Nordstaatler zum Schaden der Südstaatler. Hinzu kam, daß während des Krieges
die Konföderation der Südstaaten 1862 das Gesetz über die Wehrpflicht der Männer zwischen 18 und 45 Jahren verabschiedete. Ausgenommen davon waren Regierungsbeamte, Geistliche, Lehrer und Professoren, und vom Oktober desselben Jahres an wurde man auch von der Wehrpflicht befreit,
wenn man dafür 500 Stück Rinder und Schafe oder 250 Pferde oder Maultiere zahlte.

Ebenso wurde die Institution der »staatlichen Viehzüchter« geschaffen, deren Aufgabe darin bestand, Fleisch für die Armee zu liefern.
Unter diesen Viehzüchtern waren John Chisum und Oliver Loving. Fast alle anderen Männer mußten ihre Arbeit aufgeben und sahen sich vor die Notwendigkeit gestellt,
die Herden der wenig erfahrenen Sorgfalt von Kindern, Frauen und Alten zu überlassen. Etwa zwei Monate nach der Unterzeichnung der Kapitulation der Südstaaten kehrten die Soldaten nach Hause zurück, und die, die sich vor dem Krieg mit der Aufzucht von Vieh beschäftigt hatten, fanden eine grundlegend veränderte Lage ihrer Geschäfte vor.

Texas-Longhorn

Die Herden hatten sich um ein Vielfaches vergrößert, und das Vieh der verschiedenen Eigentümer weidete kunterbunt durcheinander, ohne daß es gekennzeichnet gewesen wäre, was ein Wiedererkennen unmöglich machte.
Die Stiere waren nicht kastriert worden. Den Sommer 1865 brachte jeder Viehzüchter mit dem Versuch zu, wieder Ordnung in die eigenen Angelegenheiten zu bringen. Als erstes war ein round up nötig, eine Versammlung, um das Vieh der verschiedenen Eigentümer zu trennen, zu kennzeichnen und auszusondern. Unentbehrlich für diese Art von Arbeit und für die Pflege der Herden im allgemeinen waren junge, geschickte, abgehärtete Reiter, die zu Eckpfeilern für das Reich der Viehherden wurden: die Cowboys.

 


Der ursprüngliche amerikanische Cowboy, ein kalifornischer Vaquero aus der Zeit um 1830,
wirft einen Stier im Stil eines Rodeohelden späterer Tage.

 

 

 


Zwei Cowboys, um 1900

 

Die amerikanischen Cowboys waren junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren, die sich dem monotonen,
oftmals aber auch gefährlichen Leben auf dem Weideland mutig und in großer Treue zu ihrem Arbeitgeber stellten,
mit dem sie ein kameradschaftliches Verhältnis und gegenseitiges Vertrauen verband. Die typische Kleidung der Cowboys war ganz auf absolute Bewegungsfreiheit zugeschnitten, sie war praktisch für die Arbeit und auch bequem zum Schlafen,
weil die Cowboys sich zumeist nicht einmal ausziehen konnten.
Der Hut war ein Stetson mit breiter Krempe, im allgemeinen grau oder braun, und konnte vielseitig verwendet werden:
er schützte vor Sonne und Regen, vor Wind und Schnee, diente aber auch als Kopfkissen und als Behälter. Am Kopf war er durch einen Lederriemen gesichert, der unter dem Kinn festgezurrt wurde. Das Wollhemd wurde am Hals offen getragen,
um den ein grellfarbiges Seidentuch gebunden war. Mit ihm schützte der Cowboy den Mund, um keinen Staub einzuatmen.

 


Normalerweise trug er keine Jacke, weil sie ihn in der Bewegungsfreiheit der Arme behindert hätte. Sie wurde durch eine knopflose, mit vielen Taschen versehene Weste ersetzt. Über der Arbeitshose aus schwerem Stoff wurden im allgemeinen die Chaps, die ledernen Beinschützer, getragen, um die Beine vor den Sträuchern der Prärie zu schützen. Ein ganz wesentlicher Bestandteil der Cowboykleidung waren die Handschuhe, die das ganze Jahr über getragen wurden und die Hände vor dem Aufscheuern durch die Seile und vor Frost schützten. Eines der wenigen unbequemen Kleidungsstücke des Cowboys waren die Stiefel: in aller Regel schwarz, sehr eng,
spitz zulaufend und mit hohem Absatz, ging er in ihnen beinahe hinkend.

Doch ein Cowboy ging ohnehin nur sehr selten zu Fuß: die Viehzucht im Westen war stark von den Bedingungen der Landschaft geprägt, deshalb wurde die Arbeit zu Pferd verrichtet. Überhaupt verbrachte ein Cowboy den größten Teil seiner Zeit auf dem Rücken eines Pferdes. Er sorgte sich persönlich um das Wohlergehen des Tieres,
denn er wußte, daß sein Leben von ihm abhing.

Das Ausrüstungsstück, das ein Cowboy am eifersüchtigsten hütete und pflegte, war sein Sattel. Kein Wunder, saß er doch monatelang hintereinander den ganzen Tag und manchmal noch die halbe Nacht darin. Und wenn er sich schließlich nach eines langen Tages Arbeit zur Ruhe legte, bettete er seinen Kopf darauf.
Der Sattel war für sein Leben und seinen Lebensunterhalt so unerläßlich, daß der Ausdruck „er hat seinen Sattel verkauft" im Laufe der Zeit die Bedeutung annahm,
der betreffende Cowboy sei beruflich erledigt.

Kalifornischer Missionssattel, etwa 1830
Texassattel, 1850
Der erste echte amerikanische Cowboysattel wurde von den mexikanischen Vaqueros entwickelt. Das dünne Sattelhorn (oder der Knauf) hielt das Rohhautseil, die Steigbügel bestanden aus ausgehöhltem Holz, und die ersten Cowboys bedeckten sie mit sogenannten tapaderas, mit Lederbezügen, die die Füße des Reiters vor Kaktusstacheln schützten.
 

Als die Rinderindustrie nach Texas kam, verschwand die sorgfältig gearbeitete Sattelbaum-Unterlage, und das lederbezogene Horn wurde dicker und solider, damit das daran befestigte Lasso stärker strapaziert werden konnte. Die Steigbügel wurden aus breiten Holzstäben gemacht. Die Seitenblätter schützten den Reiter vor dem Schweiß des Tieres.

 

Denversattel, 1875

In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts war der Sattel länger geworden, und man überzog nun das gesamte Gerüst mit Leder.
Diese großen Sättel waren eine Wohltat für die Cowboys, die nun bequemer und fester sitzen konnten. Sie wogen aber etwa 18 Kilogramm.
Ein dermaßen schwerer und langer Sattel scheuerte leicht den Pferderücken wund.

 

 

 

 

 

Kalifornischer Sattel, 1880

Der klassische Cowboysattel wurde an der Westküste entwickelt. Kürzer und vier Kilo leichter als der Denver,
war er für das Pferd bequemer.

Das dünne Sattelhorn, aus Metall oder Holz, war wieder da, und das Sattelleder war oft schmuckvoll und tief gepunzt
- eine Neuerung, die allerdings mehr dem besseren Halt des Reiters als der reinen Dekoration dienen sollte.

 

 

 

 

Der Cowboy lenkte sein Pferd mit Zügeln, die mit einem aus Kopfgestell und Gebiß bestehenden Zaumzeug verbunden waren.
Wie bei den meisten anderen Teilen der Cowboyausrüstung stammten auch beim Zaumzeug die Vorbilder aus Spanien.
Die ersten Gebisse sahen grausam aus und konnten das Maul eines Tieres zerreißen, wenn sie heftig betätigt wurden.
Ein erfahrener Cowboy wußte aber, wie er ein solches Gebiß handhaben mußte; es half ihm, das Tier mit der leichtesten Zügelbewegung anzuhalten.
Um das Pferd zu lenken, begnügte er sich gewöhnlich mit einem kurzen Zügelschlag an den Hals des Tieres.

 

 

Vier Gebisse

 

Das Spatengebiß

Das Spatengebiß, das dem Pferd bei jedem stärkeren Zügeldruck Schmerzen bereitete, hatte eine scharfe, hochstehende Platte,
die über der Zunge des Tieres lag.


 

 

 

 

 

Das Ringgebiß

Der Ring umgab den Unterkiefer des Pferdes und drückte auf einen empfindlichen Nerv.
Eine Kandare unter dem Kiefer half, das Pferd unter Kontrolle zu halten.


 

 

 

 

 

Das Halbblut

Bei diesem Gebiß ersetzte ein weniger schmerzendes, wie ein abgerundetes A
geformtes Gebilde den Spaten. Das Gebiß hatte eine Kette, die als Kandare diente.


 

 

 

 

 

  Die Kandare

   Das einfachste Gebiß, die Kandare, hatte eine geringe Zungenfreiheit.
   Die Lederzügel wurden an den unteren Wangenringen direkt mit dem Gebiß verbunden.

 

 

 

 

Drei Kopfgestelle

 

 

Das California

Das kalifornische Kopfgestell bestand je nach Geschmack des Reiters aus gewebtem Roßhaar oder Leder
und wurde von einem um die Stirn des Pferdes gelegten breiten Band in der richtigen Position gehalten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Ohrenschlitz

Dieses einfache Kopfgestell konnte der Cowboy leicht selbst herstellen, indem er seinen Gürtel teilweise mit dem Messer einschlitzte. Die dabei entstandene Öffnung wurde über die Ohren des Pferdes gezogen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Hackamore

Das Hackamore erforderte kein Gebiß und konnte zum Zureiten oder „Brechen" eines empfindlichen Pferdes benutzt werden.
Ein richtig ausgebildetes Tier reagierte in der Regel auf den leichtesten Zügeldruck.

 

 

 

 

 

 

 

Die Arbeitswerkzeuge des Cowboys waren im wesentlichen zwei: die Peitsche und das Lasso.

Die Peitsche war ein Lederstreifen und wurde am Handgelenk befestigt, um immer griffbereit zu sein.
Das Schwingen des Lassos wurde auf tausend unterschiedliche Weisen ausgeführt, aber jede war gleichermaßen wirkungsvoll: nur selten verfehlte ein Cowboy das Ziel.

Auch die Männer des Weidelandes trugen, wie übrigens alle, die in der Prärie lebten, einen Colt, auch wenn sie versuchten,
ihn so selten wie möglich anzuwenden; vor allem die Cowboys auf den langen Zügen nach Norden, mit ihren erregten Herden,
bei denen es nur einer Kleinigkeit bedurfte, um sie scheu werden zu lassen.

Es scheint sogar, daß viele Cowboys ausgesprochen schlechte Schützen waren.

Der »SixShooter«-Colt verbreitete sich auf Grund seiner Handlichkeit im Gebiet der Großen Ebenen außergewöhnlich schnell.
Er wurde 1835 von Samuel Colt erfunden (der damals erst sechzehn Jahre alt war). Die Geschichte dieses Revolvers ist eng mit den Texas Rangers verbunden,
die ihn zuerst benutzten, wahrscheinlich bereits 1839, und viel zu seiner Verbreitung beitrugen. Er war wegen seiner außergewöhnlichen Handlichkeit
die ideale Pistole für jemanden, der sich zu Pferd bewegte.

Er war so etwas wie sechs Pistolen in einer. siehe unter: Amerikanische Revolver und Pistolen.

Während des Krieges gegen Mexiko, der 1848 zu Ende ging, überzeugten die Texas Rangers den Kommandeur der amerikanischen Truppen,
ihn an alle Soldaten der Vereinigten Staaten auszugeben. Auch wenn der Cowboy nicht die herausragenden Fähigkeiten eines Pistoleros besaß,
so war er immerhin ungewöhnlich mutig. Ein Feigling hatte keinen Platz im Reich der Viehherden, denn ein Augenblick der Unsicherheit oder der Angst konnte den Verlust des eigenen Lebens wie auch das anderer bedeuten. Der Cowboy war immer bereit, einem Freund zu helfen oder auch sonst jedem, der sich in Schwierigkeiten befand.
Er achtete die wenigen Frauen, die er kannte, und beschützte sie selbst mit dem eigenen Leben.

Das Reich der Viehherden war wegen des rauhen und schwierigen Lebens im Grunde ein Ort für Männer. Es gab nur wenige Frauen,
deshalb fühlte sich ein Mann verpflichtet, sich um sie zu kümmern. Der Mangel an Frauen führte dazu, daß der größte Teil der Cowboys nicht verheiratet war,
was allerdings auch auf das jugendliche Alter der Männer zurückzuführen war, die erst dann daran dachten, ein Haus und eine Familie zu gründen,
wenn sie nicht mehr das Leben auf dem Weideland führten oder sich mit eigenen Geschäften selbständig machten.

Der Cowboy mußte über eine robuste Gesundheit verfügen, um der Härte des Prärielebens gewachsen zu sein. Es gab keine Medikamente,
um Krankheiten zu heilen, und so gebrauchte man die unterschiedlichsten Hilfsmittel, die mitunter weitaus schlimmer waren als die Krankheit selbst.
Einreibemittel für Pferde konnten verabreicht werden oder das »Allheilmittel für die Leber« oder ein »Pain Killer«. Sofern es Probleme mit den Zähnen gab,
mußte man nur den nächsten Hufschmied aufsuchen.


Cowboys während des roundup. Im Hintergrund sieht man die Pferde. Der Cowboy brachte für seine schwere Arbeit ungefähr 10 Pferde mit, die er abwechselnd ritt, je nach der zu verrichtenden Arbeit.
Der wrangler hatte die Aufgabe, sich um die Remuda, so nannte man die Pferdeherde, zu kümmern.

 

 



Der Cowboy wurde zur Hauptperson während des round up. Jedes Jahr gab es zwei round ups: einen im Frühjahr, den anderen im Herbst. Das Ziel dieser Zusammenkünfte war es, die Herden zu teilen, die bunt durcheinander auf dem offenen Weideland grasten, und das noch nicht gekennzeichnete Vieh zu markieren.

Dazu brauchte man nur die Muttertiere auszusondern, die Kälber liefen ihnen nach,
und da die Muttertiere gekennzeichnet waren, war es einfach, den Eigentümer der Neugeborenen festzustellen. War der Züchter erst einmal festgestellt, konnte man zur Markierung der Jungtiere übergehen. Es gab zwei Arten der Markierung: den brand (Brandzeichen) und den mark (Markierung).

 

 


Die erste bestand darin, mit Hilfe eines glühenden Eisens die linke Hüfte des Kalbes mit dem Erkennungsmal des Eigentümers zu markieren. Charakteristisch für das Erkennungsmal war die Schwierigkeit seiner Nachahmung, um den Viehdieben das Handwerk zu erschweren,
die allerdings ausgesprochene Künstler in der Umgestaltung von Brandzeichen waren.

Die Cowboys mußten sich auf die Beine und den Kopf des Rindes setzen, um mit dem heißen Eisen das Brandzeichen einbrennen zu können. Das Brennen mußte schnell und sorgfältig vor sich gehen. Selbstverständlich durfte das Brandzeichen nicht zu tief sein, aber auch nicht zu leicht angesetzt werden.

Die Brandzeichen wurden in eigens angelegte Bücher eingetragen und vor dem Gesetz anerkannt.
Der mark bestand im Einschneiden eines Teils des Tierohres. Einer der bekanntesten marks war der sogenannte »Jingle-Bob«, der in einem tiefen Einschnitt bestand und einen Teil des Tierohres herunterbaumeln ließ. Dies war das Erkennungsmal der Tiere von John Chisum.

 

Die Wappenkunde des Brandeisens

Evans Coleman aus Arizona erklärte einmal, er kenne Cowboys, „die weder lesen noch schreiben, aber jedes Brandzeichen, ob Buchstaben oder Figuren,
auf einem Rind erkennen können". In einer Branche, in der das Eigentumsproblem alles war, diente das Brandzeichen als Eigentumsschlüssel.
Viele Viehzüchter nannten ihre Ranches sogar nach ihren Brandzeichen. Das Bränden wurde schon in uralten Zeiten praktiziert,
bevor das erste Rind nach Amerika kam. Auf einigen 4000 Jahre alten ägyptischen Grabmalereien sind Männer zu sehen, die ihre fetten, gefleckten Rinder branden. Hernando Cortez brannte den Rindern, die er nach Mexiko mitbrachte, Kreuze ein. Die Vaqueros gaben diesen Brauch an die amerikanischen Cowboys weiter.

Auf einer Ranch des 19. Jahrhunderts beherrschte selbst der Cowboyneuling schon nach kurzer Zeit die drei wichtigsten Elemente des Brandzeichenalphabets (unten).
Er lernte, wie man die Bestandteile eines Brandzeichens in der richtigen Reihenfolge liest: von links nach rechts, von oben nach unten oder von außen nach innen
(ein T in einem Rhombus hieß nicht T-Rhombus, sondern Rhombus-T).
Mit der Zeit konnte er ohne Mühe unter hundert verschiedenen Brandzeichen ein bestimmtes herausfischen;
ein guter Cowboy, so Coleman, könnte „die Verfassung der Vereinigten Staaten verstehen, wenn sie mit dem Brandeisen auf die Flanke eines Rinds geschrieben wäre".

 


 

Vier Typische Brandzeichen

 

Charles Goodnights einfaches und berühmtes JA bezeichnete die Initialen seines Partners John Adair.
Die laufenden Bögen waren außerdem praktisch: Sie waren deutlicher als scharfe Winkel.

 

 

 

Rancher J. H. Barwise bildete aus beiden Silben seines Namens sein Brandzeichen.
Von oben nach unten gelesen, ergibt dieses Puzzle „Bar (Balken) Ys" (englische Aussprache für Y: uai).

 

 


Ein Rancher, der früher Revolvermannwar, hatte nur zwei Revolver vom Kaliber.45 bei sich, als er in den Westen kam.
Später verewigte er diese beiden Schießeisen in seinem Zeichen.



 

 

„Ein Mann, der Rinder züchtet, ist ein Narr (fool)", sagte der Texaner T. J. Walker und wählte das Wort als Zeichen.
Spaßvögel machten manchmal aus dem F ein B (so daß man Bulle las).

 

 

 

 

Nach der Kennzeichnung und der Kastration der männlichen Kälber schritt man zur Lösung des Problems der mavericks, das heißt jener Tiere ohne Erkennungszeichen,
die keine Mutter hatten, wodurch die Zuordnung zu einem bestimmten Eigentümer unmöglich war. Zunächst wurden die mavericks Eigentum dessen,
der sie gefunden hatte. Auf diese Weise allerdings fanden ungeheuer viele Kühe, die gerade erst gekalbt hatten, ein merkwürdig frühes Ende.
Daraufhin beschloß man, die mutterlosen Kälber im Besitz des Eigentümers zu lassen, auf dessen Weideland man sie gefunden hatte.
Bei der Zusammenkunft im Herbst wurden die Kälber gekennzeichnet,
die während des Sommers geboren oder bei der vorhergehenden Zusammenkunft vergessen worden waren.

Der round up im Frühjahr war der wichtigste, weil es der Augenblick der Aussonderung der besten Tiere war, die auf die Märkte im Norden gebracht werden sollten.
Die texanischen Züchtern lockten die hohen Viehpreise auf den Märkten des Nordens und des Osten; da machte es dann wenig aus,
daß man Wege von ungefähr 800 Kilometern zurücklegen mußte. Wichtig war der Gewinn. Ziel der Züchter war es, eine Eisenbahnstation zu erreichen,
um ihr Vieh auf einen Zug verladen und zu den Märkten im Osten und im Norden transportieren zu können.
Doch um von Texas aus an die Verladestellen zu gelangen, waren lange Wegstrecken zurückzulegen, die von Indianern, Siedlern und wilden Tieren bewohnt waren.


    

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